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Samstag, 20. Dezember 2025

Meine 51. Kalenderwoche 2025

 "Denn, ihr Deutschen, 
auch ihr seid tatenarm und gedankenvoll."
Friedrich Hölderlin (1770-1843)

"Wir bewegen uns ständig in einem Sorgensystem, 
Klimaveränderungen, Kriege, die Pandemie. 
So bleiben wir aber stehen bei der eigenen Angst
 und kommen nicht zu einer Suche nach Lösungen.
.....
... irgendwie passt diese emotionale Unfähigkeit
  auch zu Deutschland.
.....
Man kann sich mit anderen verbinden 
und nicht nur mit Kopfhörern durch die Welt laufen."
Axel Hacke, Autor (*1956)



Am Samstagnachmittag habe ich mir, da wir dieses Jahr nicht in den Weihnachtszirkus gehen werden, etwas Ähnliches gegönnt. Eine Aufführung des Kölner "Cirque Buffon", den wir, mein Mann & ich, in seinen Anfängen ab 1999 regelmäßig und begeistert begleitet, dann aber etwas aus den Augen verloren hatten. Die Veranstaltung fand in der Kirche am Brüsseler Platz statt.


Der "Cirque Buffon" wurde seinerzeit von Frédéric Zipperlin, ehemaliges Cirque du Soleil-Mitglied, und Anja Krips gegründet und verbindet Akrobatik, Musik, Poesie und Theater zu einer poetischen Show. Zipperlin begrüßte am Eingang auch alle Besucher und war natürlich der Regisseur des Programms "Célébration", Anja Krips ( auf dem Foto links mit der Laterne ) wieder die Sängerin.


Ersaunlich, was das Ensemble aus fünf Artisten und drei Musikern plus Sängerin zusammen mit dem Clown-Duo an Unterhaltung in ca. zwei Stunden geboten hat. 



Die beiden Clowns als Engelspaar bestritten die Rahmenhandlung.



Schon sehr speziell war der zweite Auftritt der Luftakrobatin Helena Jans mit ihrem toten Freund. Robyn Haefeli im Cyr-Rad dagegen einfach nur schön. Daneben gab es noch zwei Auftritte eines ungewöhnlichen Jongleurs, einer eines beeindruckenden Handstandartisten/ Schlangenmenschen und eines Duos, welches sich an ihren Haaren in fünf Meter Höhe in die Luft ziehen ließen.


Am Schluss gab es auch noch etwas "Schnee" für Köln, aber nicht auf den Straßen. Die waren voller Weihnachtseinkäufer, und ich bin schnurstracks nach Hause geflüchtet. Dort gab es einen Weihnachtstee und Ruhe & Beschaulichkeit. Und damit ist dann schon der Zitronenfalterins erste Frage - "Wo/Wie hast du diese Woche Entspannung gefunden?" - beantwortet.


Ihre Frage Zwo lautete: "Welche Kleinigkeit darf für dich im Advent niemals nicht fehlen?" Kerzenlicht, in diesem Jahr auch in meinem Küchenfenster zum Frühstück. Der Sonntag begann so grau...

Am Sonntag musste aber auch die Weihnachtswerkstatt mit der Nähmaschine geöffnet werden. Da kam dann endlich die Sonne  zum Vorschein, wo ich grade anderweitig gefordert war. Menno!

Eigentlich hatten mich Nachbars zum Raclette am Abend eingeladen. Doch dann ritt so ein Virus ne Attacke auf sie, und ich machte mir so ein richtig altdeutsches Wintergericht aus meinen Vorräten und trank dazu ein Glas badischen Roten, was ich schon seit ewigen Zeiten nicht mehr getan hatte. Das waren dann meine Weihnachtserinnerungen, liebe Frau Frieda



Demzufolge hatte ich auch bis spät abends nichts von den Ereignissen in Australien mitbekommen. Die Informationen dazu am Montagmorgen bestärkten mich nur mal wieder darin, dass Schwarz-Weiß-Denken und entsprechende Meinungsbekundungen nicht angebracht sind, aber ärgerlicherweise politisch nach eigenem Gutdünken ausgeschlachtet werden. Was gab es hinterher unzählige Falschmeldungen & Manipulationsversuche! Dabei ist es doch nur traurig, wie immer wieder friedliches menschliches Miteinander jenseits aller Rassen & Religionen durch einzelne menschenverachtende, sich anmaßende Mitbürger  zerstört wird.




Was für eine Überraschung! Am Dienstag stand statt des üblichen Götterboten sie selbst vor der Tür: Nicole/niwibo. Und sie überreichte mir noch ein Päckchen, bevor sie zu einem weniger lustigen Termin weiter "schwebte". Ich war ein bisschen platt und weiß gar nicht, ob ich richtig "Danke" gesagt habe. Was ich hiermit nachhole! Ausgepackt wird in einer ruhigeren Situation. 

Immerhin hat ihre Initiative mich gepuscht, und ich habe weiter an meinen weihnachtlichen Installationen herumgebastelt. Anschließend hingen endlich die schwebenden Kerzen, diesjahr ergänzt durch Himmelsmotive im Kupferstich-Stil.


Auch eine kleine Blautanne zum Schmücken für die zwei Ms hab ich anschließend noch auf dem Plätzchen besorgt.



Leider unvermeidlich: Besuch beim Kieferchirurgen am Mittwoch. Dem ( sehr sympathisch & nett ) ist es gelungen, dass meine Implantate diesmal sehr gut eingewachsen sind. Auch ne Form von Weihnachtsfreude trotz Schmerzen. Ibu hieß mein Begleiter des Tages.

Auf unserer Veedels - Hauptader wurde unterdessen ein Karnevalssupermarkt eingeräumt...



Nun geben sich die Zusteller fast die Klinke in die Hand. Zu Tränen gerührt hat mich das Paket aus Ostrava, der geliebten Heimatstadt meiner Mama selig. Ich MUSSTE es SOFORT öffnen. 

Katka hatte es mir geschickt und damit ganz viele Erinnerungen heraufbeschworen an die empathischsten Menschen in meinem Leben, die diese Stadt vor über achtzig Jahren verlassen mussten. Und jetzt reichen wir Nachgeborenen uns die Hände als Zeichen der Versöhnung & in unserem Glauben, dass Europa das Beste ist, was uns passieren konnte. Danke, liebe Katka! Ich kann es nicht oft genug schreiben.



Danke auch an Karin & Thea für ihre Päckchen, die ich mir zunächst nicht in Ruhe anschauen konnte, denn ich hatte meinen Friseurtermin im Sechzig - Viertel. Aber diese herrliche Karte musste ich sofort knipsen. Ich fühlte mich wärmstens umfangen und aufgehoben in der Bloggergemeinschaft. Das tut so gut.

So viele schöne & sehr witzige weihnachtliche Zeichen unterwegs auf meiner Strecke. Aber der Knaller war wieder der Salon der "Kindergartenfreundin". Dazu mehr morgen beim Monatsspaziergang.



Da sein Todestag genau drei Jahre & vier Monate her war, habe ich das Grab meines Lebensmenschen noch in dieser Woche aufgesucht und ihm Christrosen hin gestellt. 



Viel Lust, über den Friedhof zu wandeln wie sonst, hatte ich nicht. Es hat dann auch einen Schauer gegeben, so dass ich mich schnell zur Straßenbahn aufgemacht habe.



Noch ein paar Besorgungen, und dann herrschte ( bis heute spätnachmittags )...


                                                                         


Verlinkt wieder mit dem Samstagsplausch, den Fotofragezeichen und dem Mosaic Monday.

Donnerstag, 15. August 2024

Great Women #387: Lavinia Fontana

Und heute geht es schon wieder zurück in der Geschichte, in eine Zeit, in der Italien richtungsweisend auf vielen Gebieten gewesen ist. Den Blick auf die heutige Künstlerin hat noch einmal die von mir im Mai besuchte Ausstellung der "Maestras" im Arp-Museum in Rolandseck gelenkt. Name und ein paar Gemälde waren mir ein Begriff, ihre herausragende Stellung als "Pittora singolare tra le donne" allerdings nicht. Also kam sie auf meine Liste, Lavinia Fontana, deren anmutiges Gemälde vom sogenannten Affenmädchen am Hofe Heinrichs II. von Frankreich, der Tognina, mich schon immer bewegt hat:

"Porträt der Antonietta Gonzalez"
(1595)

Lavinia Fontana kommt im August des Jahres 1552 in Bologna zur Welt. Verbürgt ist ihr Taufdatum am 24. des Monats in der Kathedrale von Bologna und wird in vielen Publikationen auch als ihr Geburtsdatum angegeben. Ihre Taufpaten stammen aus dem Stadtpatriziat.

Ihre Mutter Antonia di Bartolomeo De Bonardis kommt aus einer in Parma bekannten & erfolgreichen Familie von Druckern & Herausgebern, die in den 1530er Jahren nach Bologna übergesiedelt ist und das Aufblühen der Druckgraphik in der Stadt seit 1535 begünstigt hat, hat es doch zeitgenössischen Wissenschaftlern und Gelehrten ermöglicht, ihre Publikationen vor Ort drucken & veröffentlichen zu lassen.

Deckenfresco der Villa Giulia in Rom,
gemalt von Taddeo Zuccaro and Prospero Fontana
Lavinias Vater ist der 40jährige, anerkannte Maler Prospero Fontana, ein Schüler von Innocenzo Francucci, genannt da Imola. 

Prospero Fontana hat unter anderem im Palazzo Doria in Genua gemalt und ist an der Ausgestaltung des Palazzo Vecchio in Florenz und der Villa Giulia für Papst Julius II. in Rom beteiligt gewesen. Es ist die Epoche des Manierismus, der richtungsweisend für die Bildende Kunst in Oberitalien mit den Zentren Parma und Mantua sowie Florenz und Ferrara ist. 

Lavinia ist eines von drei Kindern des Paares, welches einen komfortablen Lebensstil in der Stadt führen kann, der jedoch nicht ungetrübt von persönlichen Tragödien bleibt: Lavinias ältere Schwester Emilia stirbt 1568 und der Bruder Flaminio kurz vor 1577.

Der Vater pflegt regelmäßige und freundschaftliche Kontakte zu den Gelehrten des sogenannten Studio Bolognese, zu Vertretern des lokalen Klerus und zu zahlreichen Künstlern. Viel versprochen hat er sich wohl auch von der Tatsache, dass zwei männliche Mitglieder des örtlichen Adels als Paten für seine Tochter fungieren: Lavinias spätere künstlerische Karriere wird begünstigt durch die Unterstützung und Schirmherrschaft der Bologna-Aristokratie und die engen Beziehungen zu einzelnen Adelspersonen. Auch die Freundschaft ihres Vaters mit dem jungen Gabriele Paleotti, dem späteren Erzbischof von Bologna, und dem prominenten Akademiker Armodio de Santi werden sich positiv auf Lavinias Werdegang auswirken. 

In diesem fruchtbaren Umfeld und einem inspirierenden Ambiente wächst das Mädchen auf. Ihr Vater bildet unter anderem den flämischen Maler Denis Calvaert und die Vettern Ludovico und Agostino Carracci in der Malerei aus. Man kann davon ausgehen, dass er auch Lavinia unterrichtet, auch wenn unklar bleibt, ob dies in seiner Werkstatt passiert oder ob sie separiert von den Männern im Haus unterwiesen worden ist. Sie studiert und kopiert auf jeden Fall seine Werke und Motive von verschiedenen Stichen und Skizzen. Für damalige Verhältnisse ist sie als Malerin aber eine Spätzünderin. Erst um 1575 beginnt sie, sich selbständig zu entfalten. Da ist sie schon 23 Jahre alt. 

"Autoritratto in studio"
(1579)
Neben dem Malunterricht nimmt Lavinia auch an akademischen Schulungen teil und studiert Literatur, Mathematik, Geometrie und Latein, ebenso  Musik, und sie lernt, auf dem Spinett zu spielen. Mit ihrem Selbstporträt von 1579, heute in den Uffizien, bekundet die zu diesem Zeitpunkt 27jährige diese, ihre humanistische Bildung, aber zugleich ihre Zugehörigkeit zur Bologneser Oberschicht mittels ihrer Kleidung und ihres Schmuckes. Mit der Halskette mit Kreuzanhänger charakterisiert sie sich zudem als artefice cristiano. 

Bemerkenswert ist, dass sie in diesem Bild nicht den Schwerpunkt auf ihre Profession als Malerin legt, sondern als Denkerin. Davon zeugt das leere Blatt Papier auf ihrem Tisch wie das Regal im Hintergrund mit kleinen Büsten und Teilen von Skulpturen.

1577 heiratet Lavinia den Maler Gian Paolo Zappi, Sohn eines Getreidehändlers aus Imola, ebenfalls Schüler ihres Vaters. Eine arrangierte Ehe, die der Vater ausgehandelt hat. Wahrlich bemerkenswert ist die im Ehevertrag explizit geäußerte Bedingung, dass Lavinia auch nach der Heirat ihre Kunst weiterhin ausüben kann. Nachdem die Gesundheit Prosperos Mitte der 1570er-Jahre nachgelassen hat, hat seine Tochter nämlich den Familienbetrieb übernommen. Die gilt in diesen Jahrzehnten als eine der bedeutendsten Porträtmalerinnen Bolognas. Weil eine junge Malerin aber nicht alleine ihre Werke verkaufen oder gar eine Werkstatt führen kann, muss ein Ehemann her, damit Lavinia als achtbare Frau in den sozialen Strukturen ihrer Epoche bestehen kann.

Lavinias akkurater Stil entspricht dem Geschmack des Adels. Ihre Hauptklientel sind Frauen, die sie für ihre Fähigkeit, Textilien und Schmuck zu malen, schätzen und oft freundschaftlich mit ihr verbunden sind. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil für Lavinia besteht darin, dass Frauen untereinander im damaligen sozialen Kontext leicht miteinander verkehren können, denn es sind keine Anstandsdamen notwendig, die wiederum unerlässlich bei einem malenden Mann sind.  

"Ritratto di Gian Paolo Zappi"
(1577-85)
Quellen beschreiben, dass eine Aufgabe von Lavinias Ehemann ist, seiner erfolgreichen Frau zur Hand zu gehen. So soll er für die Ausführung der kostbaren & detailreichen Gewänder in den Porträts der Adeligen verantwortlich gewesen sein. Carlo Cesare Malvasia, Kunstsammler und Händler sowie Verfasser eines Kunstführers im 17. Jahrhundert, attestiert Zappi einen Mangel an Talent und bemerkt ironisch, dass er als Schneider erfolgreicher hätte sein können, wo der Himmel ihn als Maler nicht begünstigt habe. 

Zappi fungiert zudem erfolgreich als Manager seiner Frau und zieht für sie Aufträge an Land. So reist er z.B. Ende des 16. Jahrhunderts nach Rom, wo er die Verträge für zwei Altartafeln aushandelt. 

Ein Karriereknick bleibt bei der jungen Malerin also deshalb aus: Lavinia verdient den Lebensunterhalt der Familie. Es ist bekannt, dass man zu jener Zeit die Preise für die Gemälde in die Höhe treibt, wenn man mit dem Status der malenden Frau hausieren geht. Für Einzel- oder Gruppenporträts erzielt Lavinia Fontana so hohe Honorare wie später der Flame Anthonis van Dyck.

"Bildnis des Papstes Gregor XIII."
(1580)
1578 bekommt Lavinia ihr erstes Kind. Bis 1595 werden es insgesamt elf Kinder sein, von denen allerdings nur drei - Flaminio, Orazio und Prospero - das Kleinkindalter überleben werden. Die Namen der Kinder und ihrer Taufpaten hält Zappi sorgfältig in den Ricordi, dem Familienstammbuch, fest. Unter den Paten befinden sich wieder Vertreter der angesehensten & reichsten Familien Bolognas. Damit werden bereits bestehende hochrangige Verbindungen nachhaltig gepflegt und gestärkt und zum Teil neue potenzielle Auftraggeber gefunden. Zugleich bekunden solche Paten, welch anerkannte Stellung Lavinia in der Bologneser Stadtgesellschaft einnimmt. 

Durch Papst Gregor XIII., der ebenfalls aus Bologna stammt, scheint sie in der ersten Phase ihrer Karriere Unterstützung erfahren zu haben. Das Bildnis ihres Gönners stammt von 1580. 

Erstaunlich ist, dass es Lavinia zu all dem noch gelingt, Vorlesungen an der Universität von Bologna zu besuchen und im Jahr 1580 als eine der Donne addottrinate (Doktortitel) der Stadt aufgeführt wird. Bologna, die zweitgrößte Stadt des Kirchenstaats, deren Schutzpatronin die Klostermalerin Caterina de Vigri ist, ist eine fortschrittliche Stadt, die seit der Eröffnung ihrer Universität 1158 auch Frauen willkommen heißt.

Amtlich ist ein Umzug Lavinias nach Rom, wobei der Zeitpunkt aber umstritten ist. Verschiedene Quellen besagen, dass sie von Papst Gregor XIII. an seinen Hof nach Rom berufen worden sei. Belegt ist das nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sie bis 1603 in Bologna bleibt und von dort für römische Auftraggeber arbeitet, z. B. 1599 für Kardinal Girolamo Bernerio, für den sie für eine Seitenkapelle in der römischen Basilika "Santa Sabina" ein Altarbild mit der Vision des Heiligen Hyazinth anfertigt. 

Während des Pontifikats von Papst Sixtus V. erhält sie aus Rom sogar einen Auftrag vom spanischen König Philip II.: Für den gerade fertiggestellten Escorial malt sie 1589 eine "Virgen del Silencio". Auch 1601 arbeitet sie noch an diversen Aufträgen in Bologna, darunter mit weiteren acht Künstler*innen für die Kapelle der Congregazione del Rosario in "San Domenico" in der Stadt. 

"Besuch der Königin von Saba bei König Salomon"
( 1599)
Ein Beispiel für ein mythologisches Werk aus Lavinias Hand ist das 1599 entstandene Gemälde "Besuch der Königin von Saba bei König Salomon", in dem Alfonso III. d’Este und dessen dritte Ehefrau Margarita Gonzaga die Rollen der biblischen Herrscher spielen. Von seiner Ehefrau erhofft sich der kinderlose Fürst einen Erben, daher die vielen Anspielungen auf Liebe und Fruchtbarkeit im Gemälde.

1604 führt sie das monumentale Altarbild für "Sankt Paul vor den Mauern" in Rom aus, das bei einem Brand 1823 zerstört werden wird. Dieser Auftrag macht einen Umzug der 52jährigen in die Stadt notwendig. Zunächst lebt Lavinia als Gast im Hause des Kardinals d’Este, dann zieht die Familie auf Einladung von Papst Clemens VIII. ihr nach. In Bologna hält sie nichts mehr, nachdem ihr Vater im Jahr zuvor gestorben ist, und Lavinia bereits 1599 durch ihr Altarbild vom Heiligen Hyazinth die Bastionen des römischen Künstlerclubs durchbrochen und in einer der ältesten und verehrtesten Kirchen ihre Spuren hinterlassen hat.

Nach dem Tod von Clemens VIII.  zwei Jahre später bleibt der amtierende Papst Paul V. ihr Förderer und ernennt sie zur Ordinarius-Porträtistin ( der Titel wird dem wichtigsten Maler des Papstes verliehen) im Vatikan. Lavinia wird auch in die reine Männerakademie des Heiligen Lukas ( "Accademia di San Luca", 1577 gegründet ) für Maler aufgenommen, eine Ehre, die dem später viel berühmteren Caravaggio verwehrt geblieben ist.

In dieser Zeit erschafft sie weiterhin große Altarbilder - in der damaligen Zeit für einen Künstler das höchste Ziel -, aber auch Historiengemälde für private Galerien und malt weiterhin Porträts, wie dieses:

"Porträt von Bianca degli Utili Maselli und ihren Kindern"
( Ausschnitt; 1604 )



Es stellt die römische Adelige Bianca degli Utili Maselli dar, die insgesamt 19 Kinder zur Welt gebracht hat, bevor sie im Alter von 37 Jahren an Komplikationen bei einer Geburt stirbt.

Neben den zahlreichen Aufträgen, die sie zu bewältigen hat, soll Lavinia auch Schüler in der Malerei unterrichtet haben. So reden weitere Künstler von ihr als ihrer Lehrerin.

Lavinia Fontana ist nicht nur bei ihren zahlreichen Auftraggebern hoch angesehen, sondern auch bei ihren Künstlerkollegen, die anlässlich ihres 60. Geburtstags eine Gedenkmedaille prägen lassen.  

Der römische Bildhauer Felice Casoni fertigt ein bronzenes Porträtmedaillon an, auf der sie auf der einen Seite als Standesdame mit Haube und auf der anderen als antike Frauengestalt mit wildem Haar dargestellt wird, was den Rausch göttlicher Inspiration und künstlerischer Genialität symbolisiert &  als Sinnbild für Kreativität gelesen werden soll. 

"Autoritratto" 
(ca. 1577-85)
Nachdem sie 1613 im Auftrag von Kardinal Scipione Borghese das Gemälde "Minerva kleidet sich an" fertig gestellt hat - ein Bild, dem die Finesse ihrer früheren Gemälde fehlt, was aber in der Welt der Kunstgeschichte als der erste von einer Frau gemalte Akt gilt - nimmt ihr Leben eine verblüffende Wendung, gerät die Malerin gar in eine mysteriöse Krise, denn innerhalb kürzester Zeit wird ihre Art zu malen unmodern. 

Das, was die Kunsthistoriker später als Barock bezeichnen werden, beendet Lavinias Karriere abrupt. Sie zieht sich in ein Kloster zurück, wo sie am 11. August 1614, also vor 410 Jahren, im Alter von 62 Jahren stirbt. Sie wird anschließend in "Santa Maria sopra Minerva" bestattet, ausgerechnet in der Kirche, die auf einem antiken Tempel erbaut und der Weisheit der Frauen gewidmet ist. Nach ihrem Tod kehrt ihr Ehemann mit den Kindern nach Imola zurück, wo er zwei Jahre später stirbt.

Ihre überlebenden Kinder verfassen gemeinsam den Text für ihren Grabstein und bezeichnen darin ihre Mutter als Malerin, deren "Ruhm über die weibliche Sphäre hinausreichte". Das Grab hat die Zeit nicht überstanden. Nach ihrem Tod spricht außerdem eine Depesche von einer außergewöhnlichen Malerin, die in ihrem Beruf den führenden Männern ebenbürtig gewesen sei. Über die Jahrhunderte gerät sie dennoch in die Vergessenheit.

Lavinia Fontana hat ein Gesamtwerk von mehr als hundert Gemälden ( Auswahl zum Beispiel hier oder hier ) hinterlassen, neben kleineren Devotionsbildern auch großformatige Altarbilder sowie eine große Anzahl an Porträts und Bilder mit mythologischen Inhalten. Es ist damit das umfassendste Werk einer Künstlerin vor 1700.  Da sie für Privatkunden gearbeitet hat (und nicht als Mitglied eines Klosters oder Hofes), gilt sie auch als die erste Künstlerin der Geschichte, die als Frau eine entsprechende professionelle Karriere gemacht hat. 

Heute sieht man Lavinia Fontana auch als "Vorreiterin und Regelbrecherin", die sich die Möglichkeiten der vom Konzil von Trient ausgehenden Impulse zur Erneuerung der katholischen Kirche als Reaktion auf die Reformation und seine beflügelnde Wirkung auf Frauen der gehobenen Bologneser Gesellschaft zunutze gemacht hat. Frei von Zwängen einer Hofkultur, dafür vom intellektuellen Ambiente der ältesten aller Universitätsstädte gefördert, sind damals auch Frauen vermehrt zu öffentlichem Engagement ermuntert worden. 

                                                                

Ab jetzt gibt es unter jedem Frauenpost am Donnerstag eine Rubrik, in der an die Frauen erinnert wird, die in der betreffenden Woche geboren bzw. gestorben sind und über die ich schon geschrieben habe. Heute sind das...


Donnerstag, 8. August 2024

Great Women #386: Barbara Strozzi

Heute geht es zurück in die Geschichte, in eine Zeit, in der Italien richtungsweisend auf vielen kulturellen Gebieten gewesen ist, zum Beispiel in der Musik. Ich bin immer auf der Suche nach musikalischen Entdeckungen. Dabei ist mir irgendwann die heutige Great-Woman in die Quere gekommen, deren Kompositionen mich betört haben. Dazu dann noch Venedig als Schauplatz, meine Lieblingsstadt in Italien - immer eine Option! So ist Barbara Strozzi auf meine Liste der Frauen gekommen, die vorstellenswert sind... 


 "Ihr wäret wohl nicht erschienen, 
wenn ich euch eingeladen hätte, 
mich weinen zu sehen, 
anstatt mich singen zu hören."

Barbara Strozzi wird am 6. August 1619, also vor 405 Jahren, in Venedig geboren. Laut Taufregister der Chiesa di Santa Sofia ist  ihre Mutter eine Isabella Griega und der Vater incerto, also unbekannt. Über die Mutter, normalerweise als Isabella Garzoni erwähnt bzw. La Greghetta genannt, weiß man nicht mehr, als dass sie Haushälterin beim venezianischen Intellektuellen, Dichter & Librettisten Giulio Strozzi gewesen ist. Barbara wird später seine Adoptivtochter, seine figliuola elettiva. Höchstwahrscheinlich ist er auch ihr Erzeuger, 36 Jahre alt zum Zeitpunkt ihrer Geburt. 

Tiberio Tinelli
"Ritratto del poeta Giulio Strozzi"
(1630)
Strozzi, selbst in Venedig und unehelich geboren, ist der später anerkannte Sohn von Roberto Strozzi, Bankkaufmann & Mitglied einer der mächtigsten Familien in Florenz, die an Reichtum und Einfluss nur von den Medici übertroffen werden. Dass der Name Strozzi weithin bekannt ist, mag Giulio dabei geholfen haben, sich in vielen Schichten der italienischen Gesellschaft zurechtzufinden. Zunächst hat er in Venedig studiert, dann an der Universität Pisa Jura, in Rom, Padua und Urbino gelebt und gearbeitet, bevor er nach Venedig zurückgekehrt ist.

Barbara hat das Glück, in eine Welt der Kreativität, des intellektuellen Aufschwungs und der künstlerischen Freiheit hineingeboren zu werden. Ihr Vater gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der venezianischen Kulturszene, ist mit zahlreichen Dichtern, Musikern und Komponisten der Lagunenstadt befreundet, die in seinem Haus ein und ausgehen, darunter Claudio Monteverdi und Francesco Cavalli, die das musikalische Talent des Mädchens bald erkennen werden.

Barbara ist acht Jahre alt, als ihr Vater mit Monteverdi die Oper "La finta pazza Licori" plant. Giulio schreibt das Libretto und Monteverdi die Musik. Der hat für die Rolle präzise Vorstellungen: "Sie ist sehr vielseitig und müsste von einer Frau übernommen werden, die bald einen Mann, und bald eine Frau mit lebhaften Gesten und verschiedenen Leidenschaften spielen kann." Monteverdi hat seine Schwägerin, die Sängerin Margharita Basile in mantuanischen Diensten im Sinn.  Strozzi sucht diese auf und nimmt vermutlich Barbara mit. Aus dem Projekt wird nichts, aber Barbara lernt von Kindheit an eine hohe Gesangsvirtuosität kennen.

Nachdem Barbara 1631 wie ihre Eltern die Pestepidemie überstanden hat, erhält sie eine gründliche Ausbildung, damals für ein Mädchen ungewöhnlich fundiert. Sie lernt sich selbst auf der Laute oder Theorbe zu begleiten. Kompositionsunterricht bekommt sie bei Francesco Cavalli, Musikdirektor am Markusdom. Das weiß frau aufgrund einer Widmung im ersten veröffentlichten Werk der Barbara Strozzi an Vittoria della Rovere, der Großherzogin der Toskana. Da erwähnt sie Cavalli als ihren Lehrer in frühen Tagen. Weitere Hinweise auf mögliche frühe und unveröffentlichte Lieder Barbaras aus der Zeit vor 1644 gibt es nicht. 
Für eine Frau aus dem nichtadligen Kontext ist ein solcher Unterricht in der Tat etwas Besonderes: Frauen ist nämlich der für männliche Komponisten übliche Weg zum Erlernen des Kompositionshandwerks über eine cappella grundsätzlich verschlossen. Ähnliche Möglichkeiten gibt es nur sehr eingeschränkt in Klöstern oder – speziell in Venedig – in den bekannten vier Mädchenkonservatorien.
Was man weiß, ist, dass sie schon als 15-Jährige auf den Soireen ihres Vaters singt. Um Barbaras 16. Geburtstag herum beginnt der Vater, ihr Talent bekannt zu machen und sorgt dafür, dass ihr Werke gewidmet werden. 1636 erwähnt der Komponist Nicolò Fontei in den Widmungen zu seiner "Bizzarrie poetiche" Barbara als "hochvirtuose Sängerin", für die er die veröffentlichten Stücke geschrieben habe. 1637 gründet Vater Strozzi die "Accademia degli Unisoni", die Musiker zu ihren Mitgliedern zählt. "La Signora Barbara Strozzi", wie sie hier erstmals genannt wird, spielt dort eine entscheidende Rolle: Sie leitet diese Gruppe, tritt als Sängerin auf -  wahrscheinlich auch mit ihren eigenen Kompositionen - und schlägt Diskussionsthemen vor. Mehrere Liedtexte ihrer Auftritte liegen gedruckt vor, die Musik ist jedoch nicht bekannt.

Barbaras Rolle als Gastgeberin und ihr öffentliches Engagement werden in einem anonymen Manuskript - "Satire, e altre raccolte per l'Academia de gl'Unisoni in casa di Giulio Strozzi" - satirisch dargestellt, das möglicherweise von einem Mitglied der Akademie verfasst worden ist. Der Autor setzt ihren Status als Sängerin mit zügellosem Verhalten gleich und unterstellt ihr, sie sei eine Kurtisane:
"Es ist eine schöne Sache, die Blumen zu verteilen, nachdem man die Früchte bereits abgegeben hat." Und: "Beanspruchung und Keuschheit sind sehr unterschiedlich; Dennoch halte auch ich sie für äußerst keusch, da sie als Frau mit liberaler Erziehung die Zeit mit irgendeinem Liebhaber verbringen könnte, aber dennoch ihre ganze Zuneigung auf einen Kastraten konzentriert.
In der Biblioteca Marciana in Venedig liegt eine ganze Sammlung von Gedichten, die die Leichtlebigkeit der Strozzi verspotten. Das bekannte Porträt einer Gambenspielerin von Bernardo Strozzi, zwischen 1635 und 1639 gemalt, heute in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und inzwischen allseits als Porträt der Barbara Strozzi publiziert, wird als Unterstützung dieser Behauptung betrachtet & interpretiert. Das Gemälde zeigt eine Frau mit einer Bassgambe in der Hand, deren Form die weibliche Gestalt nachahmt, und deren nackte Brust teilweise zu sehen ist:


Wie lange die "Accademia degli Unisoni" bestanden hat, wissen wir nicht. Ob Kurtisane oder nicht ( siehe dazu auch der Post über Imperia Cognati ), ist auch nicht eindeutig geklärt. 

Was bekannt ist, ist die amouröse Verbindung der 21jährigen Barbara mit dem vierzehn Jahre älteren & verheirateten Giovanni Paolo Vidman, einem Freund Giulio Strozzis aus der Venezianer Oberschicht. Diesem hat der Vater sein Opernlibretto "La finta pazza" gewidmet. 1641 schenkt Barbara dem Sohn Giulio Pietro das Leben, 1642 der Tochter Isabella und 1644 der Tochter Laura. Vor 1651 kommt noch ein zweiter Sohn zur Welt, Massimo, da ist Vidmann dann aber seit 1648 tot. Selbst in Venedig, wo schon immer alles ein bisschen liberaler, bunter und freizügiger zugegangen ist als anderswo, sticht Barbaras Biografie heraus.

Bei einer unverheirateten Frau im Venedig jener Tage mit mehreren unehelichen Kindern liegt es nahe anzunehmen, dass sie ihren Lebensunterhalt als cortigiana onesta - ehrenwerte Kurtisane - verdient, da alleinstehenden Frauen außer dem Eintritt in ein Kloster, bei der oft eine hohe Mitgift verlangt wird, im nichtadligen Kontext kaum eine andere Verdienstmöglichkeit offen gestanden hat. Im freigeistigen Venedig ist es möglich, dass gebildete Damen reichen, kultivierten Herren Gesellschaft gegen Bezahlung leisten. Es ist aber wahrscheinlicher, dass Barbara zu sehr damit beschäftigt gewesen ist, zu schreiben, zu komponieren und sich um die Bedürfnisse ihrer Eltern und Kinder zu kümmern, als dass sie einer solchen Nebenbeschäftigung nachgehen konnte.

Barbaras Töchter werden 1656, wie auch der jüngere Sohn 1662, in ein Kloster eintreten. Die Familie Vidman hat das Erbe für drei ihrer Kinder bereitgestellt.

Barbara lebt die ganze Zeit im Hause des Vaters, wahrscheinlich im Palazzo Pesaro-Papafava am Misericordia-Canal, dann immer wieder an anderen Orten. Nachdem der Vater 1652, die Mutter im Jahr darauf ebenfalls gestorben sind, wohnt sie in einem Haus im Corte del Remer im Viertel Cannareggio - auch dies wird ein Ort der Kultur wie schon bei ihrem Vater.

Außer ihrem Opus 1 (1644), bei dem sie mit der Wahl eines Madrigalbuches als opus primum für ihr erstes öffentliches Auftreten als Komponistin sich an die gängigen Konventionen einer Musikerkarriere hält, veröffentlicht Barbara bis 1664 alle übrigen Drucke nach der Geburt ihrer Kinder und nach dem Tode ihres Vaters. Acht Musiksammlungen werden es insgesamt, von denen eine – ihr Opus 4 – heute verloren ist.  

Die Veröffentlichung der Madrigale durch die 25jährige Virtuosissima Cantatrice ist selbst in Monteverdis freiem Venedig etwas Außergewöhnliches: Eine Dame veröffentlicht, wenn auch mit Erlaubnis, ja sogar Empfehlung der einflussreichen Incogniti ihre Kompositionen zu den Versen ihres Vaters!

Obwohl Barbara Giulios Strozzis Alleinerbin ist, scheint sie von seinem Tod finanziell nicht profitiert zu haben. Dies könnte sie veranlasst haben, noch mehr Bücher in schneller Abfolge zu veröffentlichen, vielleicht auf der Suche nach einem festen Mäzen. Die Widmungsträger ihrer Werke entstammen nämlich alle dem europäischen Hochadel, und Barbara kennt fast alle persönlich. Deshalb schließt man daraus, dass sie möglicherweise auf eine Anstellung als Komponistin bei Hofe gehofft hat. 

Ihre Bemühungen bleiben offensichtlich erfolglos, und ihre finanzielle Lage ist angeblich für den Rest ihrer Karriere heikel. Doch so ganz stimmen kann das nicht: Barbara stellt sich zwar gegenüber der Venezianischen Steuerbehörde als arme Frau dar und begründet mit opernhaftem Pathos, warum sie unmöglich die Steuern wegen des Türkenkriegs bezahlen könne, verleiht aber gleichzeitig Geld an Nachbarn & Musikerkollegen und nimmt zwischen fünfeinhalb und neuneinhalb Prozent Zinsen dafür.

Doch zurück zur Komponistin:

Ausschnitt aus: "L'amante modesto", op.1

Barbaras Kompositionen belegen, dass sie mit den damals üblichen Stilmitteln der Musik vertraut gewesen ist; sie weisen Gemeinsamkeiten mit der frühen Oper auf. Ihr Schaffen umfasst hauptsächlich Arien, Kantaten und Arietten. Die Arien sind kurze Strophenstücke ( jede Strophe wird zur gleichen Musikbegleitung gesungen ), während die Kantaten meist längere Abschnittswerke sind, in denen sich die Musik der Bedeutung des Textes anpasst. Beispielsweise kann leidenschaftliche oder pathetische Poesie als Rezitativ vertont werden, während Musik mit Tanzrhythmen für Poesie mit leichterem Charakter verwendet wird. Der Großteil der lyrischen Texte dreht sich um das Thema Liebe & Leidenschaft, und das in einer Weise, die der marinistischen Ästhetik der Mitte des 17. Jahrhunderts entspricht, voller Witz, sprachlich virtuos und ausgesuchter erotische Bilder.

"Che si può fare" op. 8
gewidmet der Herzogin Sophie zu Braunschweig und Lüneburg

Eine einzige Sammlung - die "Sacri musicali affetti" von 1655, opus 5 - beinhaltet geistlich Motetten und folgen dem Konzept der christlichen Caritas, die die Kirche als gütige Mutter darstellt. Widmungsträgerin ist Anna de' Medici, die Erzherzogin von Innsbruck, die Barbara eine mit Rubinen besetzten Goldschatulle und einer Perlenhalskette dafür schenkt. Ein musikalisches Beispiel dafür:


Barbara Strozzi ist als Sopranistin nie an einem öffentlichen Opernhaus aufgetreten. Und: Sie hat keine einzige Oper komponiert, umso erstaunlicher, denn über ihren Vater hat sie ja Kontakt zu den wichtigsten Theaterleuten und Opernkomponisten in Venedig gehabt. Ihre sechs bis sieben Minuten langen Stücke für Sopran und ein Begleitinstrument atmen doch genau die Leidenschaft, die auch in der Oper ihrer Zeit brennt! Es sind musikalische Psychogramme, Innensichten auf menschliche Seelenzustände, manchmal euphorisch, meistens aber zerknirscht, wütend oder am Boden zerstört. Ihren Interpretinnen fordert die Strozzi einiges ab: Virtuosität, wilde Koloraturen, lange Seufzerketten, riesige Sprünge. Barbara Strozzi leistet so einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung der Kammerkantate.

Dass die Komponistin zeitlebens unabhängig bleiben und ihre eigene Lebensvorstellung verwirklichen kann, verdankt sie weniger ihrem musikalischen Talent, als ihrem finanziellen Geschick. So erwirbt sie in Padua Besitz. Warum sie dorthin gezogen ist, wissen wir nicht. Sie stirbt am 11. November 1677 in dieser Stadt des nördlichen Veneto. Im Sterberegister der Chiesa degli Eremitani steht: "Signora Barbara Strozzi, ungefähr 70 Jahre alt, krank seit einem Monat. Behandelt von dem ausgezeichneten Arzt Doktor Marchetti, Gemeinde Santa Sofia." Das ist ziemlich weit danebengeschätzt, denn Barbara ist bei ihrem Tod gerade mal 58 Jahre alt. Begraben sein soll sie in besagter Augustinerkirche in Padua.

Noch fünfzig Jahre nach ihrem Tod lobt der in Berlin geborene Komponist Johann Christopher Pepusch die Kollegin wegen ihrer genialen Verknüpfung von Rezitativ und Arie als Erfinderin der Kantate. Erwähnung findet Strozzi weiterhin in französischen Lexika von 1732 & 1884. Dann verliert sich ihre Spur.

Seit den 1970er Jahren erlebt die fantastische Komponistin eine Renaissance. Ihre Werke sind nun editorisch erschlossen, sie werden in Konzerten gespielt und es gibt etliche, auf CD erhältliche Aufnahmen. Gerade Sängerinnen der Alten Musik schätzen die Raffinesse und die Ausdrucksintensität ihrer Arien und Kantaten. Heute gilt die als eine der Hauptvertreterinnen säkularer Kammermusik des 17. Jahrhunderts.
         
                                                                    

Ab jetzt gibt es unter jedem Frauenpost am Donnerstag eine Rubrik, in der an die Frauen erinnert wird, die in der betreffenden Woche geboren bzw. gestorben sind und über die ich schon geschrieben habe. Heute sind das...




Samstag, 4. Mai 2024

Meine 18. Kalenderwoche 2024

"No need to hurry. No need to sparkle. 
No need to be anybody but oneself."
Virginia Woolf

"With so many things coming back in style, 
I can’t wait until 
morals, respect, and intelligence 
become a trend again."
Denzel Washington

"Aber wenn man wirklich etwas erreichen will, (...) 
muss man die Courage haben, sich an innere Orte zu begeben, 
die man gar nicht gern aufsucht. 
Orte in uns selbst, die Angst und Trauer hervorrufen. 
Das hat nichts mit der Außenwelt zu tun."
Paul Auster

Wie in der 18. Kalenderwoche des letzten Jahres gab es diesmal am vergangenen Wochenende wieder Hofflohmärkte, auch bei mir nebenan auf dem Hof.


Ich schaute es mir allerdings nur distanziert an, ich brauche nichts, hätte im Gegenteil genug Krempel, um ihn dazu zu legen. Einige Teile aus meiner Vasensammlung hab ich dann auch auf meinem Fensterbrett zum Mitnehmen deponiert und anschließend beim Bügeln meiner Sommerfähnchen am Küchenfenster zugesehen, wie schnell alles weg war. 

Die Sommerfähnchen werden gebraucht, denn für den Maifeiertag waren ja Sommertemperaturen angekündigt. Immerhin hatte es am Samstag schon 16 Grad tagsüber!




Auch am Sonntag war es wieder so warm, aber windig und trüb, so dass man dachte, gleich regnet es wieder. War aber wohl mal wieder der berüchtigte Saharastaub. Ich hab mal wieder Brennnesseln nach Raupen gescannt - das wird wohl nichts mehr mit Kleinen Füchsen, Tagpfauenaugen, Landkärtchen & Co... Ein Jammer!



Die Eschen im Tälchen machen mir Sorgen ( in diesem Post kann man sehen, was das für Prachtexemplare noch vor neun Jahren waren ). Es sind aber überall im Gelände neue Bäumchen gepflanzt worden, hoffentlich Sorten, die der Klimakatastrophe besser standhalten. Ich krieg ja immer wieder so einen Hals, dass dieses Problem so lässig abgetan wird.


In der Küche ging es auch in dieser Woche mit Spargelgerichten weiter, diesmal mit einem Rezept von Kitchenachim. Den verfolge ich schon länger bei Instagram und habe mir auch sein Kochbuch gekauft. Die Rezepte sind genial unkompliziert und immer mit Zutaten, die ich besonders mag. Empfehlung!




Die Sonne ist wohl nicht nur von mir vermisst worden. Ich merke vermehrt, dass ich blauen Himmel brauche, um mich dem Alltag stellen zu mögen. Entsprechend ausdauernd & lange war ich am Montag en d'r Sity unterwegs und habe zwischendurch ein Eis in der Sonne genossen.


Es hatte 20 Grad, was für mich eine angenehme Frühjahrstemperatur ist, bei der mir das Bewegen Freude macht. 




Am folgenden Tag steigerten sich die Temperaturen bis auf knapp 27  Grad und der kühle Wind hatte sich gelegt. Die warme Luft hat auch die geliebten Mauersegler wieder zu uns zurückgebracht. Die Sylter Rosen rosa rugosa blühen allerdings etwas verfrüht auf den Baumscheiben. Aber die zu hohen Temperaturen in den Wintermonaten haben die Natur ganz schön vor sich hergetrieben.

Am noch recht leeren Bouleplatz kam ich vorbei auf dem Weg zur Packstation. Jetzt weiß ich auch, wie ich mit der DHL-App meine dort deponierten Pakete befreie.


Am Maifeiertag habe ich mich per Bahn zu meiner Schwester aufgemacht, um sie zu bekochen. Sie ist ja aufgrund ihrer Erkrankung immunsupprimiert und hat sich zum wiederholten Male einen üblen Husten eingefangen.


Da hab ich doch gleich das patente wie überaus leckere Rezept vom Sonntag noch einmal aufgegriffen ( die Maibowle hatte die Nichte beigesteuert ).


Unterm Sonnenschirm konnte frau es aushalten, Fotos angucken, in Erinnerungen schwelgen an unsere Eltern und all die, die wir in den vergangenen Jahren verloren haben, über unsere Enkelkinder schwärmen usw., was halt zwei Frauen, die reichlich in die Jahre gekommen sind, sich so zu erzählen haben. Auf der Heimfahrt wurde es ganz offensichtlich, dass der Wüstenstaub wieder die Atmosphäre trübte.




Schön ist, dass ich unter den Postkunstwerklerinnen noch nicht total vergessen bin: Ghislana & Eva Fuchs haben mich doch unerwarteterweise mit Exemplaren ihrer "Scrapeart" bedacht, und jetzt endlich habe ich einen von Evas Blättern gerahmt und auf meine Küchenbilderleiste gestellt, weil mich die Farben so pushen. Euch beiden an dieser Stelle ein dickes Dankeschön!


Am Donnerstagabend dann kamen leichte Gewitter, aber mit sehr viel Starkregen auf. Das ständige Rauschen hat mich immer wieder durchs Haus streichen & kontrollieren lassen, erinnerte mich doch die Intensität an den 14./15. Juli 2021. Sechzig Liter, so die erfasste Niederschlagsmenge. Den Freitagmorgen über hielt ein solches Wetter an - na ja, Mairegen usw... Den Tauben am Markt machte der Temperatursturz von 15 Grad nichts aus. Mir auch nicht.


Heute möchte ich euch ohne viel Drumherumgerede ein Video ans Herz legen, das mich sehr gerührt hat. Ihr wisst wahrscheinlich, dass ich eine leidenschaftliche Oma bin, dass für mich die Beziehung zwischen Großeltern & Enkeln eine sehr wesentliche und außerordentlich bereichernde ist ( das war sie auch schon zwischen meiner Großmutter & mir, obwohl sie nur eine kurze Zeitspanne umfasst hat ). Um die Zukunft dieser meiner, unser aller Nachkommen mache ich mir viele Sorgen.


Nein, die Vergangenheit mit all ihren grausamen Erfahrungen allein taugt nicht, um Europa zu einen. Und die allgemeine Beschwörung der Demokratie wird im konkreten Kampf um diese Demokratie nicht viel nutzen. Aber ich finde so persönliche Geschichten, auch wie die im Film, können einen noch mal zum Innehalten und Nachsinnen bringen, was die Jahrzehnte, seit die europäische Idee umgesetzt wird, gebracht hat für uns Menschen auf unserem Kontinent. Da ist einfach mehr als Bürokratie und Reglementierung! So erlebe ich es jedenfalls und ich bin überzeugt, dass jede(r) Einzelne ebensolche positive Erfahrungen gemacht hat und sich deshalb - trotz mancher Bedenken - für Europa einsetzen kann. Also dann, am 9. Juni!

                                                      



Auch heute setze ich mich an Andreas Kaffeetisch, schaue bei Nicoles "Magischem Mai" vorbei, sonntags bei der Zitronenfalterin & bei Heidrun zum Mosaic Monday.