Bekannt war die heutige Frau einstens, weil sie in der unmittelbaren Nachkriegszeit, was einer Tabuverletzung gleichkam, über den Widerstand gegen Nazideutschland geschrieben hat. In den ihr noch verbliebenen 23 Jahren nach der Ermordung ihres Mannes trug sie Trauerschwarz und lebt das politisch-publizistische Vermächtnis ihres Mannes fort. Doch bald ist die Erinnerung an die sozial engagierte, zupackende, politisch aktive Frau - wie es vielen bedeutenden Frauen immer wieder passiert - verblasst: Die Rede ist heute von Annedore Leber, und es wird mir hoffentlich gelingen darzustellen, dass sie viel mehr war als die Frau von.
Am 18. März 1904, also gestern vor 122 Jahren, wird Annedore Weber als Annedore Rosenthal in der Pariser Straße 14a in Wilmersdorf in ein typisch wilhelminisches, gut bildungsbürgerliches Elternhaus hineingeboren. Sie ist das zweite Kind ihrer Eltern, Emilie Auguste Franziska Bauch und Dr. Georg Rosenthal, die seit vier Jahren miteinander verheiratet sind. Bruder Helmut ist schon vorher zur Welt gekommen. Aber über ihn gibt es keinerlei Informationen. Annedore verbringt mit ihrer Familie die ersten zehn Lebensjahre in Berlin.
Mit Mutter & Bruder (1909)
"Besonders umhütet vom Elternhaus wuchs ich in der Welt bürgerlicher Vorrechte und selbstverständlicher Privilegien auf. Alles wurde mir aus dem Weg geräumt. Selbst den Zwang einer Schule wollten meine Eltern mir vorenthalten."
Der Vater, Sohn eines Kaufmanns mit jüdischen Wurzeln, ein klassischer Philologe, ist deutschnational eingestellt, aber auch Anhänger der Reformpädagogik. Annedore besucht keine öffentliche Schule, sondern erhält durch ihn Privatunterricht.
Im Frühjahr 1914 übernimmt er, vom Magistrat in Fürstenwalde zum Gymnasialdirektor gewählt, die Leitung des dortigen Gymnasiums. Die Familie übersiedelt nun in das 23.000 - Einwohner - Provinzstädtchen, fünfzig Kilometer ostsüdöstlich von Berlin entfernt.
Doch schon vier Jahre später steht erneut ein Umzug an: Diesmal ist es die Hansestadt Lübeck, in der Annedores Vater die Leitung des des humanistischen Gymnasiums Katharineum übertragen bekommt. Zu dessen 400-jährigen Bestehen 1931 wird der auch Thomas Mann mit einer Rede zu Wort kommen lassen. Nach antisemitischer Hetze wird er bereits Mitte März 1933 entlassen und durch einen überzeugten Nationalsozialisten ersetzt. Genau ein Jahr später wird der Vater sterben.
Doch zurück zu Annedore und dem Jahr 1922: Die legt als Externe in Lübeck mit achtzehn Jahren ihr Abitur ab. Sie entscheidet sich für das Studienfach Jura und geht dafür nach München, gewinnt damit wohl Abstand zur allzu behütenden Familie, denn im Krisenjahr der jungen Weimarer Republik 1923 ist die Bayernmetropole ein besonders spannendes politisches Umfeld, das die junge Frau politisiert:
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| 1921 |
"Ich geriet damals in die aufgeregten politischen Debatten der Jahre 1923/24 der Münchner Studentenschaft, die selbstverständlich auf ein junges, aufnahmebereites Gemüt eine gewisse Wirkung haben mussten. Alles das, was früher schon als Zweifel gegen die bürgerliche Welt in mir aufgestiegen war, formte sich fester." ( Quelle: Lebenslauf im Nachlass )
"... nicht mit einer Heirat rechne, muss ich einen richtigen durchführbaren Beruf haben. Und als solcher ist für mich der des Schneiders am besten und natürlichsten geeignet. Ich werde mich durchsetzen und nicht nur als kleine Schneiderin mein Leben fristen."
Anderthalb Jahre hat sie sich mit diesen Gedanken herumgeschlagen und sie weiß wohl, dass sie ihre akademisch ausgerichteten Eltern damit enttäuscht. Was die nächsten ein bis zwei Jahre genau passiert und wo sich Annedore zur "Schneiderakademie" anmeldet, ist bislang nicht eindeutig belegt. Die Modemetropole Berlin ist ein Zentrum mit privaten und öffentlich betriebenen Schulen in diesem Metier sowie mit großen Konfektionshäusern und einer ebensolchen Theater- und Filmindustrie. Mit den neu geschaffenen Modezeitungen bietet die Stadt zudem ein journalistisches Betätigungsfeld. Mit dem Beruf der Moderedakteurin liebäugelt Annedore nämlich auch. Es heißt in manchen Quellen, sie habe als Volontärin im Modehaus Gerson ( siehe auch dieser Post ) gearbeitet.
Doch dann kommt alles anders:
Am Schiffbauerdamm trifft Annedore 1926 zufällig auf Julius Leber, den sie noch aus Lübeck kennt, wo dieser als SPD-Politiker, Chefredakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung "Lübecker Volksbote", seit 1924 Reichstagsabgeordneter und ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten sozusagen ein bunter Hund ist.
Julius Leber, am 16. November 1891 in Biesheim, Elsass als nichtehelicher Sohn von Katharina Schubetzer geboren und später von deren Ehemann, dem Maurer Jean Leber, adoptiert, durch seinen frankophilen Großvater geprägt und durch die Fürsprache des Ortsgeistlichen 1902 auf die Höhere Bürgerschule im badischen Breisach vermittelt, schließt die Ausbildung mit der Mittleren Reife ab und absolviert eine kaufmännische Ausbildung in einer Tapetenfabrik in Breisach. 1910 greift er erneut in Freiburg im Breisgau den Schulbesuch auf, schreibt nebenbei Zeitungsberichte und gibt Nachhilfeunterricht, um seine Ausbildung zu finanzieren. Zeitgleich mit dem Beitritt in die SPD legt er 1912 das Abitur ab und studiert Nationalökonomie und Geschichte. Freiwillig zum Kriegsdienst angetreten, wird er zweimal verwundet und erleidet eine Gasvergiftung. Nach anschließendem weiterem Studium wird er 1920 an der Universität Freiburg zum Dr. rer. pol. promoviert und nimmt eine Stelle beim "Lübecker Volksboten" an. Dort trifft er 1927 auch auf den ganz jungen Herbert Frahm, der später als Willy Brandt deutscher Bundeskanzler werden wird. In Lübeck ist er berühmt-berüchtigt für seine scharfen Polemiken unter dem Kürzel "Dr. L." und seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.
Eigentlich ist sie schon an ihm vorbeigelaufen, dreht sich dann aber noch einmal um. Ein coup de foudre, denn im Juli 1927 verloben sie sich schon, im November des Jahres heiraten sie, sie 23 Jahre, er 36 Jahre alt, und die Eltern Rosenthal müssen erneut eine Enttäuschung hinnehmen. Die "liebe Frau Rosenthal" möge nicht böse sein, aber man "bringe es nicht übers Herz, Ihnen und Ihrem Herrn Gemahl zu diesem Ereignis Glück zu wünschen", schreibt eine Freundin der Familie Rosenthal Annedore zur Hochzeit.
Julius Leber nennt seine junge Frau in Anspielung an ihre Bekehrung zu sozialdemokratischen Werten "mein lieber Paulus", denn sie bricht nun endgültig mit der konservativen, bürgerlichen Welt ihrer Eltern und wird Mitglied in der SPD. Eine Revolutionärin wird sie, der stets ein Sinn für Eleganz und Mode nachgesagt wird, durchaus nicht. Ihr Enkel David Heinemann wird später berichten, seine Großmutter habe Zeit ihres Lebens eine Damastserviette mit silbernem Serviettenring in Gebrauch gehabt und sei eine grande dame der alten Schule gewesen. Aber sie packt es, gegen die Konventionen und sich für ihre Sache einzusetzen und nicht nachzugeben. Das betrifft wohl auch ihre Weltanschauung.
In Lübeck bezieht das junge Ehepaar ein Haus in der Gertrudenstraße, unweit der Trave, und bekommt alsbald die Kinder Katharina (*1929) und Matthias (*1931).
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| Mit ihrem Mann und ihren Kindern (1930er Jahre) |
Aus der wohl zunächst nicht einfachen Ehe aufgrund der unterschiedlichen Wesensart der Partner, erwächst keinesfalls ein trautes Eheglück nach konservativen Rollenverständnis. Ordentlich durcheinander gewirbelt wird ihr gemeinsames Leben durch die sich drastisch entwickelnden politischen Ereignissen, und es entwickelt sich - die Tochter wird es später so ausdrücken: Dank der Gestapo - eine beeindruckende Schicksalsgemeinschaft. Schon 1930 haben Nationalsozialisten Leber gedroht, dass sie dereinst an seine Tür klopfen werden und er "zwei Stunden nach unserem Sieg (...) auf dem Marktplatz" hängen wird. Noch im Wahlkampf 1932 profiliert er sich unbeeindruckt & dank seiner agitatorischen Fähigkeiten als führende Kraft der Sozialdemokratie.
Am 31. Januar 1933 kommt es auch in Lübeck im Rahmen des Fackelzuges anlässlich der Machtübertragung an Hitler zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den rechtsgerichteten Kräften auf der einen und Reichsbanner und Antifaschistischer Aktion auf der anderen Seite. In den Morgenstunden des 1. Feburar werden Julius Leber und seine Begleiter, darunter Willi Rath, in der Großen Burgstraße von Nazis angegriffen. Julius Leber trägt schwere Gesichtsverletzungen davon. Seine Immunität als Mitglied des Reichstages wird ignoriert und er kommt in Untersuchungshaft, wird aber am 16. Februar gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Schon drei Tage später fährt er zu einer Kundgebung der Eisernen Front und spricht dort, reichlich angeschlagen, als letztes das Wort: "Freiheit".
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| Menschenansammlung vor dem Gewerkschaftshaus in Lübeck, Julius Leber auf der Kundgebung am 19.2.1933 |
Am 23. März verhaften die Nazis ihn erneut, beim Betreten der Kroll-Oper in Berlin auf dem Weg zur Reichstagsabstimmung über das "Ermächtigungsgesetz". Am 27. Mai wird er als "geistiger Urheber" der Tat von Rath, der sich bei dem Überfall Ende Januar mit einem Messer zur Wehr gesetzt hat, zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Rath selbst erhält nur ein Jahr Haft.
"Du weißt, dass mich die Haft nicht bedrückt. Was sollte ich mit der Zeit draußen anfangen? Mit gedemütigtem Herzen und eingezogenen Schultern den traurigen Blick der Lübecker Arbeiter achselzuckend standhalten und ihnen sagen, dass ich auch nichts ändern konnte. Da ist es schon besser, selbst äußerlich unfrei zu sein und innerlich mit ganzer Seele das Gesicht der Zukunft zuzuwenden."
"Im letzten Brief vergaß ich das zu schreiben. Paulus, ich empfinde deinen Mut, deine Tapferkeit und deinen Stolz als etwas für mich ungeheuer Großes, und ich bin stolz auf dich und bewundere dich manchmal in meiner Zelle.“
"Ich werde allmählich ein Asyl für Trostbedürftige, denen es äußerlich gesehen meist besser geht als mir", notiert sie in einem Brief.
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| Kohlehandlung an der Torgauer Straße (2013) |
"Sie ist wie eine stählerne Klinge, diese Frau, federnd und nicht zu zerbrechen."Was kann den Respekt der Militärs dieser Frau gegenüber noch mehr dokumentieren? Man kann also sagen, Annedore Leber war eine Widerstandskämpferin aus eigenem Recht, das meint jedenfalls die Historikerin Frauke Geyken, die über sie forscht.
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| Julius Leber vor dem "Volksgerichthof" (1944) |
Nach dem Attentat vom 20. Juli wird Annedore von August bis September 1944 selbst in Sippenhaft genommen und in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert. Ihre Kinder kommen zwangsweise nach Dessau in eine fremde Familie. Annedore wird wohl nicht als Widerstandskämpferin wahrgenommen, sondern wie die anderen, meist eher uneingeweihten Ehefrauen der Männer des 20. Julis behandelt. Man weiß aber aus der historischen Forschung, dass die Frauen des Kreisauer Kreises die Entscheidungen zum Widerstand gemeinsam mit ihren Männern getroffen haben. Darauf haben sie auch immer viel Wert gelegt. Nach dem Krieg wird auch Annedore ihre Rolle verbal einfordern:
"Auch ich war über alles, was geschah, ja, über alle Gespräche informiert. Auch über meinen Schreibtisch lief die Organisation des Widerstandes. Ich bin eine Widerstandskämpferin aus eigenem Recht. Ich bin nicht nur die Ehefrau des Widerstandskämpfers Julius Leber."
In einem seiner letzten Briefe schreibt dieser an seine Frau:
"Meine Seele hat ihre Heimat gefunden! … Und ich glaube und weiß jetzt, daß man einem anderen Menschen nichts Höheres und Besseres sagen kann, als daß er für einen die Heimat seiner Seele sei. … – für mich bist Du es!"
Sie antwortet ihm u.a.: "Durch den großen Reichtum unserer Ehe habe ich die Kraft und die Stärke, die das Schicksal von mir fordert."
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| 1944 |
Die zwölf Jahre der ständigen Verfolgung der Familie durch die Nationalsozialisten bleiben also nicht ohne Folgen für die Lebers. 1945 tritt Annedore in die katholischen Kirche ein. Ihr gelingt es nach und nach, den überwältigenden Schmerz durch die im Widerstand erfahrene Gemeinsamkeit mit anderen in Kraft zu verwandeln.
Sie übernimmt die Kohlenhandlung und wird bereits im Oktober 1945 Leiterin des Frauensekretariats und Mitglied in den Zentralausschusses der SPD. Als es im April 1946 zur Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED in der Sowjetischen Besatzungszone kommt, erklärt sie ihren Austritt und wechselt in die von Kurt Schumacher wenig später neu gegründete Westzonen-SPD. Für die wird sie in die Berliner Stadtverordnetenversammlung in der ersten Legislaturperiode 1946 entsandt. Gleichzeitig startet sie ihre publizistische Tätigkeiten, einmal durch Beteiligung als Lizenzträgerin an der SPD-nahen Zeitung "Telegraf". Für eine Sonderausgabe der Zeitung zum Jahrestag des 20. Julis wird sie den Beitrag "Den toten immer lebendigen Freunden. Eine Erinnerung zum 20. Juli 1944" schreiben. Damit umreißt sie auch ihre selbstgestellte Lebensaufgabe ab diesem Zeitpunkt: Das ideelle Erbe des Widerstandes weiterzutragen. Sie möchte auf jeden Fall die gemeinsamen Ideen nicht verraten, nicht vergessen, sondern jetzt für die neue deutsche Demokratie fruchtbar machen. Annedore Leber übernimmt quasi die Rolle der "Nachlassverwalterin“" des deutschen Widerstands - keine leichte Aufgabe in einer Gesellschaft, die die Widerstandskämpfer und -kämpferinnen als Landesverräter diffamiert.
"Was im Grunde den Frauen fehlt, ist ein gewisses Zutrauen zu sich selbst. Anders als viele ihrer selbstbewussten männlichen Kollegen fürchten sie einen Mangel an Vorkenntnissen, einen nicht zureichenden Einblick in größere Zusammenhänge, Lücken des Wissens und der Erfahrung auf politischem Gebiet. (...) Die Zeit erlaubt keinem von uns zu ruhen und auf ein Wunder zu hoffen. Was aus Deutschland wird, liegt bei uns selbst. Es liegt zum großen Teil in der Hand der Frau. Also ihr Frauen, nur Mut!"
Aus dieser Erkenntnis heraus, gründet sie in den ausgebauten Räumen der Kohlenhandlung den Mosaik-Verlag und publiziert dort ein gleichnamiges Magazin für Frauen, um die in ihren Augen politisch zu passiven Mitbürgerinnen für die neue demokratische Republik zu gewinnen.
Das Monatsmagazin ( hier sind die Themen der einzelnen Ausgaben aufgelistet ) sucht in seiner Mischung noch heute seinesgleichen: Politische Essays und Frauenporträts stehen da neben Modeschnittmustern, Einrichtungs- und Überlebenstipps für Nachkriegsfrauen & Ideen für Alleinerziehende, von denen es nach dem Krieg mehr als genug gibt. 1950 gibt sie das Magazin nach Unstimmigkeiten mit ihrem Mitstreiter Arno Scholz auf.
1953 ist auch an der Gründung der Handwerker-Lehrstätten Britz beteiligt, denn ihr Augenmerk gilt neben den Frauen speziell den Jugendlichen. Ab 1979 heißt die Schule Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin. Dort werden heute junge Menschen mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf in mehr als 35 Berufen ausgebildet.
Ihre politische Laufbahn setzt sie 1954-1962 als Bezirksverordnete von Berlin-Zehlendorf und 1963-1967 dann als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses fort. Als der damalige amerikanische Justizminister Robert Kennedy 1962 Berlin besucht, begleitet sie den Staatsgast zur Gedenkstätte Plötzensee.
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| Mit Robert Kennedy & Willy Brandt in Plötzensee (1962) |
Ihr kompromissloser Einsatz, den sie beharrlich von sich selbst fordert, obwohl gesundheitliche Probleme sie zu mehr Rücksichtnahme auf sich selbst hätten veranlassen müssen, führt wohl dazu, dass Annedore Leber am 28. Oktober 1968 in Berlin mit nur vierundsechzig Jahren stirbt. Auch von dem Schlag, den ihr der Tod ihres Sohnes versetzt hat, hat sie sich nicht erholen können.
Wer heute Spuren ihres Lebens sucht, findet sie in ihren Veröffentlichungen, den im Internet abrufbaren Ausgaben von Mosaik, im Annedore-Leber-Berufsbildungswerk und am Gedenkort Kohlenhandlung an der Torgauer Straße 24-25 in Berlin, der auf Initiative des Stadtteilvereins Schöneberg e.V. nach einem Nutzungsvertrag mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg - die Stadt Berlin ist seit 2009 Eigentümerin der Fläche - für die ehemalige Kohlenhandlung ab 2016 eingerichtet worden ist.
Eine derart exponierte Frau, die es auch ausgehalten hat, so exponiert zu sein, obwohl die Mehrheit im Land sich innerlich wie äußerlich in den Anfangsjahren der Republik gegen die Wahrheit, ihre Schuld verwahrt haben, weil sie davon ausgingen, dass sie alleine Opfer für ihr Deutschtum gebracht haben - was sagt das über uns aus, dass sie vergessen wurde?
Abschließend möchte ich noch all denen, die es aus dem Blick verloren haben, in die Agenda folgende Aussage von Annedore Leber schreiben:
"Vertrauen ist das Element der Demokratie. Vertrauen kann sich aber nur da bilden, wo das Wort etwas gilt und wo die Tat dem Wort folgt, wo ein Vertrag lebendige Substanz ist und nicht nur ein Stück Papier, das man Stück um Stück abzupfen kann, bis man eines Tages feststellt, dass nichts mehr von diesem Papier übrig ist."















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