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Sonntag, 19. Juli 2026

Monatsspaziergang Juli 2026

Eigentlich hatte ich vor, euch mitzunehmen in die endlich zugänglichen Gewächshäuser im Botanischen Garten. Aber schon im Mai fand Heike/3hefecit, Gewächshäuser im Sommerdass sei keine gute Idee. Und ich sah es nun in der zweiten Hitzewelle dieses Sommers genau so. Museum mit Klimaanlage ist da schon ein etwas angenehmeres Ziel. Letzten Sonntag war das meine Idee, wo doch draußen 32°C angesagt war. Viele Fotos habe ich "geschossen", mehr als ich bei "12 von 12" unterbringen konnte. Und da wuchs schnell die nächste Idee heran, ich zeig das einfach als meinen Monatsspaziergang, halt indoor.
Das Kölner Schnütgen-Museum ist untergebracht in der ehemaligen Kirche St. Cäcilien. Dieser Kirchenbau geht auf ein im späten 9. Jahrhundert gegründetes Damenstift zurück, das nach der Heiligen Cäcilia von Rom benannt worden ist. Es ist ein Bau aus der Stauferzeit, eine heute turmlose dreischiffige Pfeilerbasilika mit Chor und runder Apsis. St. Cäcilien besitzt kein Querschiff. Das südliche Seitenschiff schließt mit einer runden Apsis ab.  


Seinen Namen hat das Museum vom Domkapitular Alexander Schnütgen, der seine umfangreiche Sammlung christlicher Sakralkunst im Jahr 1906 der Stadt Köln geschenkt hat. Schnüttgen rettete viele Kunstwerke, teilweise aus den säkularisierten Kirchen, vor dem endgültigen Verfall. Vieles erwarb er auch aus dem Antiquitätenhandel. Schnütgens Motiv war, Kunstgegenstände über die Zeit hinweg zu retten, in der sie als altmodisch oder wertlos erachtet wurden. Heute verfügt das Museum Schnütgen über mehr als 13.000 Werke.


Das Museum mit seinen Schätzen ist oftmals umgezogen. Zunächst, dem Wunsch des Sammlers entsprechend, war es in einem Anbau des Kunstgewerbemuseums am Hansaring zu Hause. 1932 gelangte es auf die Schääl Sick in Räume der wiedererrichteten Abtei St. Heribert, ganz im Stile des Bauhauses & der Neuen Sachlichkeit gestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Exponate in Klöster, Schlösser und in den Keller des Kunstgewerbemuseums ausgelagert und das Museum geschlossen. In der Nachkriegszeit fand der größte Teil der Kunstwerke ein Zuhause im Schloss Alfter vor den Toren Bonns bzw. bis Ende 1950 in Räumen der Kölner Universität. 

Der legendäre Kölner Regierungsbaumeister Karl Band verfolgte konsequent die Idee, das Museum in der romanischen Basilika St. Cäcilien neu zu eröffnen. Das ehemalige Stift war 1802 unter französischer Besatzung säkularisiert worden. Das Gemäuer diente zuletzt als Kapelle des "Bürgerspitals" und war reichlich ramponiert durch die Bombardierung Kölns in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942, bei dem die Royal Air Force über 1000 Bomber gleichzeitig einsetzte ( sog. 1000-Bomber-Angriff ). Im Mai 1956 öffnete das Museum als erstes der Kölner Museen nach dem Krieg seine Tore. Es war allerdings lange nur als Provisorium betrachtet worden. Erst 2001 wurde eine umfassende Sanierung in Angriff genommen und in das bis 2010 entstandene, westlich der Cäcilienkirche liegende neue Kulturquartier am Neumarkt integriert.


Heute stammt nur noch ein kleinerer Teil aus der Original-Sammlung von Schnütgen. Alltagsgegenstände und die Gemäldesammlung gingen ins Kunstgewerbemuseum und ins Wallraf-Richartz-Museum über, dafür erhielt das Schnütgen-Museum sakrale Bestände aus den anderen Kölner Museen. Eine nicht unwesentliche Anzahl Stücke erwarb der Förderverein "Pro Arte Medii Aevi". Eine Patenschaftsaktion unter dem Motto "Lassen wir sie nicht verschimmeln" im Jahr 2001 regte Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen zur Übernahme von Restaurierungskosten an. So konnte eine größere Anzahl von Kunstwerken, die bis dahin nur im Depot aufbewahrt worden waren, wiederhergestellt werden. In den Ausstellungsräumen kann allerdings nur circa 10 Prozent des gesamten Sammlungsbestandes gezeigt werden. Momentan sind dort auch Glasmalereien aus der Sammlung des Khanenko Museum in Kyjiw gesichert, denn dieses Museum wurde bereits im ersten Kriegsjahr durch einen Raketeneinschlag in unmittelbarer Nähe in Mitleidenschaft gezogen.


Mir eine Herzenssache sind die originalen Figuren aus dem "Dreikünnijepöötzche", über die ich schon bei diesem Monatsspaziergang von vor zwei Jahren erzählt habe.

Ich liebe all die Gesichter, die viele der Skulpturen aus Holz, Elfenbein oder Stein wiedergeben.  Deshalb kommt jetzt eine ganze Serie auf euch zu:



Die offenen Haare der Skulptur links zeigen, dass es sich um eine Jungfrau handelt, nämlich die Hl. Luzia aus Syrakus, ein Werk des 15. Jahrhunderts aus Kalkar oder Zwolle. Rechts die Hl. Margarete von Antiochien wiederum war in römischer Zeit zur Ehe gezwungen worden. Es ist eine Darstellung aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Wiedergabe der extravaganten modischen Kleidung ist typisch für Skulpturen der südlichen Niederlande.






 Rechts der Hl. Hieronymus als Kardinal mit einem Löwen an seiner Seite - eine Skulptur aus Lindenholz von 1520.


Reliquienbüsten gibt es natürlich auch zuhauf und viele wunderschöne Frauengesichter:



Mariendarstellungen sowieso.


Auch Fröhliches oder Kurioses wie der Wilde Mann aus dem späten 14. Jahrhundert.

Oder der Christus auf dem Palmesel, eine Arbeit aus dem frühen 16. Jahrhundert, der bis 1778 immer noch durch die Straßen Kölns gezogen wurde.

Ein wenig Textiles gibt es auch, wie die Kissenplatte mit der Dame und dem Einhorn aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Obwohl kein biblisches Tier,  spielte das Einhorn in der christlichen Welt des Mittelalters eine Rolle. Es  gab das Narrativ, dass nur eine Jungfrau ein Einhorn fangen könne.


Memento mori "Bedenke, dass Du sterben wirst!" – seit dem ausgehenden Mittelalter entstanden in diesem Sinne kleine Kunstwerke, die die Betrachtenden oft sehr drastisch mit Tod und Verfall konfrontieren. In den frühen 1980er Jahren hat sich der "Sprayer von Zürich", Harald Naegeli, dem Thema in Köln gewidmet. Nachdem die Schweizer Strafverfolgung auf ihn aufmerksam geworden war, hatte er sich durch Ausreise ins Rheinland dem entzogen. Seine Zeichnung auf dem zugemauerten Westportal der romanischen Basilika ist die letzte ihrer Art im Stadtbild.

Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in so eine ganz eigene Welt hat euch Freude gemacht.

                                                                         

Verlinkt auch mit "niwibo sucht...

Sonntag, 21. Juni 2026

Monatsspaziergang Juni 2026

Am letzten Donnerstag, dem ersten Hitzetag in diesem Jahr, bin ich sehr früh aufgestanden, denn diesen Ausflug wollte ich nicht, wie jetzt schon so oft, verschieben. Mein Ziel war der Kölner Südfriedhof, der einzige Friedhof in der Stadt, auf dem ich noch nie gewesen bin. Es wurde also höchste Zeit...

Eigentlich ist dieser Friedhof für mich leicht zu erreichen, liegt er doch am Ende der KVB-Linie 12, die aus dem Kölner Norden kommend durch mein Veedel fährt.

Das 2009 wieder neu errichtete Pförtnerhäuschen
Der Südfriedhof liegt im Stadtteil Zollstock und grenzt im Süden unmittelbar an den Militärring an. Er ist ein Teil des sogenannten Kölner Grüngürtels  und mit 61,5 Hektar der größte der Kölner Friedhöfe. Er wurde in den Jahren 1896 bis 1901 nach Entwürfen des Gartenarchitekten Adolf Kowallek ( von dem in meinem Blog schon öfter die Rede gewesen ist ) angelegt und sollte zusammen mit dem Nordfriedhof ( von dem noch öfter die Rede gewesen ist, mindestens einmal im Monat ) den bis dahin einzigen zentralen nicht-konfessionellen Großfriedhof Melaten entlasten.


Schon der Eingangsbereich ist toll, wird doch der Platz links von der Trauerhalle, einem Bau im Stil der Neoromanik von 1912, von wunderschönen, großen Trauerweiden beschattet. Kowallek hat die Anlage als Park geplant mit zahlreichen Alleen und  kreisförmigen Rundwegen, die durch radiale gerade Wege gekreuzt werden. Vorbild für ihn war auch bei diesem Friedhof der im Hamburger Ohlsdorf und deshalb gibt es hier auch Familiengräber inmitten der Pflanzungen, was allem einen verwunschenen Charakter gibt.


Fast umgehauen haben mich die vielen riesigen ( Laub- )Bäume mitteleuropäischer als auch exotischer Herkunft, die teilweise aus der Gründungszeit bis heute erhalten geblieben sind. Der Friedhof wurde bereits 1914 erweitert, dann 1923 und zuletzt 1963. Dabei wurde aber eine schachbrettartige Flächengestaltung bevorzugt.


Die besonders wertvollen Familiengräber, die nach damaligem Plan auf 50 Jahre verkauft werden sollten, liegen auch nicht wie auf Melaten oder dem Nordfriedhof entlang der Hauptwegeachsen, sondern gut verteilt und durch mindestens vier Meter breite Flächen mit Pflanzungen voneinander getrennt.  Von der ursprünglichen gärtnerischen Gestaltung ist man später abgewichen, da sie zu unübersichtlich empfunden wurde ( was ich bestätigen kann: ich hab mich ganz schön verlaufen ).



Kowallek hat übrigens auch seine letzte Ruhestätte auf "seinem" Friedhof gefunden. Bemerkenswert ist, dass aufgrund der für einen Friedhof äußert schlechten Bodensubstratzusammensetzung der Verwesungsprozess auf dem Südfriedhof ungewöhnlich lang dauert, manchmal sogar zu Konservierung führt. Bei Ausgrabungen wurde der Leichnam eines Offiziers gefunden, der 1918 dort beerdigt wurde. Sein Zustand hatte sich in den 60 Jahren unter der Erde kaum verändert. Daher variieren die Ruhefristen auf dem Friedhofsgelände von Bereich zu Bereich. In einigen Zonen mit sehr kiesigem Bodensubstrat beträgt die Ruhezeit 20 Jahre, in Lehm- und Tonboden sogar 30 Jahre.


Ich selbst habe mich letztendlich darauf beschränkt, die verschiedenen Ausdrucksformen für die Trauer aus meinem Konvolut an Fotos für diesen Post herauszusuchen. 

Das war ein besonders berührendes Exemplar, fand ich.



Mal eher konventionell - religiös...


.... mal eher recht abstrakt ( der Friedhof war übrigens von Anfang an für alle Konfessionen offen und das merkt man auch an den multiethnischen Gräbern von heute ).


Mich fasziniert immer wieder diese abstrahierende Darstellung von Rosen.

Ich hab einen ganz verwunschenen Monopteros gefunden...

... oder solch eine Ädikula, ganz offen liegend am Ende einer Sichtachse.



Verschiedene Formen von Vergessen und Verfall...



...wie bei dieser großen Anlage mit vier großen Platten aus rotem Granit, deren Inschriften unter einer dicken Schicht an Staub & Knospenhülsen verschwunden sind.



Eine Besonderheit birgt dieser Friedhof noch, die ich unbedingt anschauen wollte:


Durch dieses Tor betritt man nämlich britischen Boden hier bei uns in Deutschland.


Der Commonwealth-Ehrenfriedhof mit 3000 Gräbern mit Gefallenen aus den beiden Weltkriegen befindet sich bis heute im Eigentum des britischen Staates und wird von der Commonwealth War Graves Commission betrieben und gepflegt. Er ist 1922 eingerichtet worden und entspricht den strengen Regeln für solche Ehrenfriedhöfe: 



Lange Reihen einheitlicher, weißer Grabplatten aus englischem Portlandsandstein, ein Hochkreuz an der Mittelachse sowie gepflegte, kurz geschnittene Rasenflächen. 


Dieser Zustand wird eigens erhalten durch britische Friedhofsgärtner.


Es gibt noch weitere Ehrenfriedhöfe wie einen italienischen ( der allerdings nicht mehr Eigentum des italienischen Staates, sondern der Stadt Köln ist ), einen für die Opfer der Luftangriffe im 2. Weltkrieg und einen für deutsche gefallene Soldaten des 1. Weltkriegs. Aber den Besuch derselben hab ich mir für ein anderes Mal aufgespart, denn diese Flächen liegen nicht unter Baumschatten und an diesem Vormittag hatte es schon um zehn Uhr 27°C.


Symbolisch für die vielen Baumfreunde zeige ich abschließend noch die beeindruckende Esskastanie ( davor ein frisch gepflanzter Gingko ) und schicke euch noch den schönen Mosaik-Engel. An Heike/3hefecit geht der Post zwecks Verlinkung.

                                                                              

Sonntag, 17. Mai 2026

Monatsspaziergang Mai 2026

Im November des vergangenen Jahres hatte ich meinen Beitrag zum Monatsspaziergang mit einem Foto auf die Siedlung, die ich diesmal aufgesucht habe, eingeleitet. Es geht also wieder auf die Schäl Sick, genauer nach Köln-Buchforst. Und diesmal ist mein Ziel die Siedlung "Weiße Stadt" auf der anderen Seite, also südlich der Heidelberger Straße, gewesen.

1926 erwarb die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (GAG) große Flächen im "Kalkerfeld" zwischen Buchheim und Kalk. Nach dem "Blauen Hof", den ich in besagtem November vorgestellt hatte,  entstand nun südlich der Heidelberger Straße ab 1929 bis 1932 die Siedlung "Weiße Stadt". Geplant wurde sie wieder von den Kölner Architekten Wilhelm Riphahn ( der bei mir schon Kultstatus hat ) und Caspar Maria Grod. 

Die Beiden setzten nun in Köln ihre Erfahrungen mit der sogenannten Zeilenbausiedlung um, die sie bei einem Projekt in Karlsruhe-Dammerstock gemacht hatten. Dieses gilt bis heute als Schrittmacher des modernen Siedlungsbaus in Deutschland und wurde damals von Architekten und Kritikern überregional beachtet & diskutiert. 

Die fünfgeschossigen Häuser  in Buchforst wurden nicht in Reihen entlang einer größeren Straße errichtet, wie es damals noch üblich gewesen ist, sondern waren - daher der Name "Zeilenbauten"- frei im Gelände aufgestellt und nur durch kleine Sträßchen miteinander verbunden. Der Verkehr sollte weitgehend außerhalb des Wohngebietes bleiben.

Die Siedlung umfasst in Nord-Südrichtung annähernd rechtwinklig zur Hauptstraße gelegene fünfgeschossige Mehrfamilienhäuser, flach gedeckt und weiß verputzt sowie im rechten Winkel dazu Reihen von ein- und zweigeschossigen Einfamilienhäusern. Zur Heidelberger und Waldecker Straße schließen sich noch heute eingeschossige Ladenlokale an. Ein großer Platz am Kreuzungspunkt von Waldecker und Heidelberger Straße nahm Gemeinschaftseinrichtungen auf, darunter das 1932 erbaute - und 1945 zerstörte - Gemeinschaftshaus, mit Gaststätte, Kindergarten, Mütterberatungsstelle und Bücherei. Am anderen Ende des Platzes wurde, 1930 die katholische Kirche St. Petrus Canisius errichtet. Eine Aufnahme  vom historischen Zustand ist hier zu finden.

Durch die sägezahnartig gestaffelte Anlage der Häuserzeilen treten die Balkone als plastisches Element der Fassadengliederung besonders hervor und verleihen den Zeilen eine skulpturale Qualität, wie es meine Fotos auch festhalten. Gerade diese Art der Architektur reizt mich immer wieder beim Fotografieren. Riphahn/Grod reagierten mit diesem Konzept schon auf die verbreitete Kritik an der monotonen Gestaltung im Zeilenbau, die damals gerne geäußert wurde. 

Sie orientierten sich also weiterhin an den Prinzipien des "Internationalen Stils" und konzipierten würfelförmige Grundformen mit guter Belichtung und Belüftung für alle Wohnungen. Da sie sich auf wenige Haustypen beschränkt haben, war eine kostengünstige serielle Planung möglich. Hinzu kam, dass die Baustellenorganisation optimiert wurde, weil beim traditionellen Steinbau mit Ziegelsteinen sehr viel Material in die Brüche ging, durch ein neu entwickeltes Verfahren der "Rapidschalung" mit Lavabeton. Deshalb konnten die Häuser auch zügig errichtet und die Wände aufgrund der vergleichsweise guten Dämmeigenschaften des Materials dünn bleiben, was sich günstig auf Baukosten, Wohnraum und Mieten ausgewirkt hat.


Die "Weiße Stadt" bildete den Höhepunkt des avantgardistischen Siedlungsbaus in Köln. Zu dieser Zeit war es die modernste Siedlung in der Stadt und zog natürlich die Aufmerksamkeit der Kölner auf sich. Konservativen Kreisen gefiel sie gar nicht. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde diese Architekturrichtung durch ein völkisch begründetes Siedlungsideal ersetzt. 

Eine Vielzahl der Gebäude der "Weißen Stadt" sind seit 2006 eingetragene Baudenkmäler im Denkmalverzeichnis der Stadt Köln. Zwischen 2006 und 2010 wurde die Siedlung komplett saniert und heutigen Anforderungen angepasst.

Zwischen den Gebäuderiegeln, die nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet waren, wurden Grünflächen und Vorgärten angelegt - große Flächen mit Rasen, Anlagen zum Wäschetrocknen und wunderbar großen Bäumen.

Aber anders als in den Siedlungen, die ich bis dato besucht habe, war es nicht möglich, die Gartenanlagen zu betreten.


Diese hier wirkte allerdings wenig einladend.


Das war hier schon etwas anders.


Die rund 580 Wohneinheiten waren damals schon bis zu 80 m² groß, ganz anders als beim gegenüberliegenden "Blauen Hof". Vermutlich waren die größeren Wohnungen vor allem für Beamte und Angestellte vorgesehen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Mieter sehr moderne Berufe hatten und für die Zeit sehr fortschrittlich waren. Sie arbeiteten beim Rundfunk oder am Flughafen, waren Bankbeamte, Studienräte oder Kriminalsekretäre. Auch allein lebende Frauen mit eigenem Beruf lebten in der Siedlung.









Die Geschäfte an der Heidelberger Straße sind heute verschwunden, die Pavillions sind teilweise leer. Ebenso fehlt der Buchforster Hof, der - zunächst im Zweiten Weltkrieg zerstört - später in das Erdgeschoss eines siebenstöckigen Hochhauses einzog, welches in den 1950er Jahren an der Hauptstraße neu errichtet worden ist. Übrigens wurde das Veedel erst nach der Fertigstellung dieser Siedlung im August 1932 in Buchforst umbenannt. 





Auch heute ist manchen zu viel Klarheit à la Bauhaus zuwider und dem wird Buntheit entgegengesetzt.


Am stärksten betrifft das die ein- bis zweistöckigen Einfamilien - Reihenhäuser, rechtwinklig zu den Wohnblöcken am südlichen Rand der Siedlung gebaut, die nicht im Besitz der Genossenschaft, sondern Privateigentum sind.


Da wird schon mal Bauhaus in Toskana umgewandelt.


Erfrischend empfand ich da die stupende Klarheit der ehemaligen Auferstehungskirche, ein 1968 eingeweihter, moderner evangelischer Kirchenbau mit Gemeindezentrum, gestaltet von den Architekten Georg Rasch und Winfried Wolsky. Die Kirche gilt als herausragendes Beispiel evangelischer Kirchenarchitektur der Nachkriegszeit und wurde im Jahre 1992 unter Einbeziehung der Hofbepflasterung unter Denkmalschutz gestellt. 

Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GAG Immobilien übernahm 2012 die Trägerschaft und heute finden dort kulturelle Veranstaltungen statt ( "Kulturkirche Ost" ).

An der Stelle des ehemaligen Gemeindezentrums gibt es eine neue Bebauung mit stationären Heimplätzen, einer ambulanten Wohngemeinschaft für Demenzkranke und fünf behindertengerechte Wohnungen.


Die Katholische Pfarrkirche St. Petrus Canisius an der Ecke Cusanusstraße/Voltastraße wurde 1930/31 ebenfalls von den Architekten Wilhelm Riphahn und Carl Maria Grod erbaut. Das konsequent Moderne an der Kirche ist ihre städtebauliche Anbindung an die Siedlung, sie ist aber als Kirche stets erkennbar, die einzige übrigens in Köln im Bauhausstil. In den Jahren 1942 bis 1944 wurde sie zerstört. Den Wiederaufbau leiteten 1948 die Architekten Dominikus und Gottfried Böhm. Die Freifläche zwischen Kirche und Hochhaus an der Straßenkreuzung sieht inzwischen ziemlich verwahrlost aus.




Und damit man es ja nicht vergisst: M'r sein he en Kölle!

Diesen Monatsspaziergang bringe ich wieder nach Graz zu Heike...