Im November des vergangenen Jahres hatte ich meinen Beitrag zum Monatsspaziergang mit einem Foto auf die Siedlung, die ich diesmal aufgesucht habe, eingeleitet. Es geht also wieder auf die Schäl Sick, genauer nach Köln-Buchforst. Und diesmal ist mein Ziel die Siedlung "Weiße Stadt" auf der anderen Seite, also südlich der Heidelberger Straße, gewesen.
1926 erwarb die Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau (GAG) große Flächen im "Kalkerfeld" zwischen Buchheim und Kalk. Nach dem "Blauen Hof", den ich in besagtem November vorgestellt hatte, entstand nun südlich der Heidelberger Straße ab 1929 bis 1932 die Siedlung "Weiße Stadt". Geplant wurde sie wieder von den Kölner Architekten Wilhelm Riphahn ( der bei mir schon Kultstatus hat ) und Caspar Maria Grod.
Die Siedlung umfasst in Nord-Südrichtung annähernd rechtwinklig zur Hauptstraße gelegene fünfgeschossige Mehrfamilienhäuser, flach gedeckt und weiß verputzt sowie im rechten Winkel dazu Reihen von ein- und zweigeschossigen Einfamilienhäusern. Zur Heidelberger und Waldecker Straße schließen sich noch heute eingeschossige Ladenlokale an. Ein großer Platz am Kreuzungspunkt von Waldecker und Heidelberger Straße nahm Gemeinschaftseinrichtungen auf, darunter das 1932 erbaute - und 1945 zerstörte - Gemeinschaftshaus, mit Gaststätte, Kindergarten, Mütterberatungsstelle und Bücherei. Am anderen Ende des Platzes wurde, 1930 die katholische Kirche St. Petrus Canisius errichtet. Eine Aufnahme vom historischen Zustand ist hier zu finden.
Die "Weiße Stadt" bildete den Höhepunkt des avantgardistischen Siedlungsbaus in Köln. Zu dieser Zeit war es die modernste Siedlung in der Stadt und zog natürlich die Aufmerksamkeit der Kölner auf sich. Konservativen Kreisen gefiel sie gar nicht. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde diese Architekturrichtung durch ein völkisch begründetes Siedlungsideal ersetzt.
Eine Vielzahl der Gebäude der "Weißen Stadt" sind seit 2006 eingetragene Baudenkmäler im Denkmalverzeichnis der Stadt Köln. Zwischen 2006 und 2010 wurde die Siedlung komplett saniert und heutigen Anforderungen angepasst.
Diese hier wirkte allerdings wenig einladend.
Das war hier schon etwas anders.
Die rund 580 Wohneinheiten waren damals schon bis zu 80 m² groß, ganz anders als beim gegenüberliegenden "Blauen Hof". Vermutlich waren die größeren Wohnungen vor allem für Beamte und Angestellte vorgesehen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Mieter sehr moderne Berufe hatten und für die Zeit sehr fortschrittlich waren. Sie arbeiteten beim Rundfunk oder am Flughafen, waren Bankbeamte, Studienräte oder Kriminalsekretäre. Auch allein lebende Frauen mit eigenem Beruf lebten in der Siedlung.
Die Geschäfte an der Heidelberger Straße sind heute verschwunden, die Pavillions sind teilweise leer. Ebenso fehlt der Buchforster Hof, der - zunächst im Zweiten Weltkrieg zerstört - später in das Erdgeschoss eines siebenstöckigen Hochhauses einzog, welches in den 1950er Jahren an der Hauptstraße neu errichtet worden ist. Übrigens wurde das Veedel erst nach der Fertigstellung dieser Siedlung im August 1932 in Buchforst umbenannt.
Am stärksten betrifft das die ein- bis zweistöckigen Einfamilien - Reihenhäuser, rechtwinklig zu den Wohnblöcken am südlichen Rand der Siedlung gebaut, die nicht im Besitz der Genossenschaft, sondern Privateigentum sind.
Da wird schon mal Bauhaus in Toskana umgewandelt.
Erfrischend empfand ich da die stupende Klarheit der ehemaligen Auferstehungskirche, ein 1968 eingeweihter, moderner evangelischer Kirchenbau mit Gemeindezentrum, gestaltet von den Architekten Georg Rasch und Winfried Wolsky. Die Kirche gilt als herausragendes Beispiel evangelischer Kirchenarchitektur der Nachkriegszeit und wurde im Jahre 1992 unter Einbeziehung der Hofbepflasterung unter Denkmalschutz gestellt.
Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft GAG Immobilien übernahm 2012 die Trägerschaft und heute finden dort kulturelle Veranstaltungen statt ( "Kulturkirche Ost" ).
An der Stelle des ehemaligen Gemeindezentrums gibt es eine neue Bebauung mit stationären Heimplätzen, einer ambulanten Wohngemeinschaft für Demenzkranke und fünf behindertengerechte Wohnungen.
Die Katholische Pfarrkirche St. Petrus Canisius an der Ecke Cusanusstraße/Voltastraße wurde 1930/31 ebenfalls von den Architekten Wilhelm Riphahn und Carl Maria Grod erbaut. Das konsequent Moderne an der Kirche ist ihre städtebauliche Anbindung an die Siedlung, sie ist aber als Kirche stets erkennbar, die einzige übrigens in Köln im Bauhausstil. In den Jahren 1942 bis 1944 wurde sie zerstört. Den Wiederaufbau leiteten 1948 die Architekten Dominikus und Gottfried Böhm. Die Freifläche zwischen Kirche und Hochhaus an der Straßenkreuzung sieht inzwischen ziemlich verwahrlost aus.
Und damit man es ja nicht vergisst: M'r sein he en Kölle!
Diesen Monatsspaziergang bringe ich wieder nach Graz zu Heike...
























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