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Samstag, 8. August 2026

Meine 31./32. Kalenderwochen 2026

 "Wenn man etwas wiederholt, 
auch wenn es eine Unwahrheit ist, 
ist das schon der erste Schritt einer guten Propaganda.
.....
Das Denken wird entpriorisiert. 
Es wird breit und dünn ausgestrichen 
und alles ist gleich wichtig.
.....
Eine Gesellschaft im Daueralarm 
diskutiert nicht. Sie verteidigt sich."
Pablo Hagemeyer, Psychiater &-therapeut

"Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert
 eine Größenordnung mehr Energie als dessen Produktion."
"Brandolinis Gesetz" meint auch:
"Empfänger von Falschmeldungen mit Richtigstellungen 
zu erreichen, ist schwierig."

"Deine Meinung ist der Grund,
warum man Meinungsfreiheit manchmal bereut." 
Netzfund

Meine kleine Blog - Auszeit hatte diesmal auch viel mit meinem früheren Berufsleben zu tun, bin ich doch zu meiner Familie nach München gereist, um einmal meine jüngste Enkelin bei ihrem Abschied aus der Grundschule zu begleiten ( vor vier Jahren war ich auch bei ihrem ersten Schultag dabei ), zum anderen das Schulfest ihrer größeren Schwester zu besuchen.



Doch vor die Wiedersehensfreude hatte die Deutsche Bahn eine harte Probe gestellt, denn mein Zug kam zweieinhalb Stunden später als beabsichtigt am Ziel an, und man hat mich vorher durch Landschaften expediert, in denen ich zuvor noch nie gewesen bin und mir dann auch noch einen ungeplanten Zugwechsel beschert. Ein Erlebnis der besonderen Art! 

Ich habe unterwegs ein ganzes Buch auf dem Reader gelesen, immerhin. Zum Glück hatte ich auch genug Proviant dabei. Und die beantragte Gutschrift war dann auch schon bei meiner Heimkehr im Briefkasten.


Bei 37°C ging es zum Schulfest der Großen. Ich habe ihre zwei tolle Luftakrobatik- Auftritte gesehen, bei der Kunststücke an senkrecht herabhängenden Stoffbahnen, sogenannten Vertikaltüchern, gezeigt werden. Dabei kommen Kraft, Beweglichkeit und elegante Wickeltechniken zum Einsatz. Fotos davon wollte sie aber nicht im Netz haben - d'accord! Ihre Ma sollte auch nicht schwitzend am Grillstand des Elternbeirats gezeigt werden: ein vierstündiger Einsatz, alle Achtung bei diesen Temperaturen!



Am nächsten Tag war die Schule der Jüngeren mein Ziel.


Die wurde, wie schon gesagt, aus der Grundschule verabschiedet, indem sie durch ein Spalier aller Schüler*innen der 1. bis 3. Klassen laufen musste. Ihr Lehrer wurde üppig mit Aufmerksamkeiten bedacht, unter anderem auch von mir mit diesem Mäppchen.


An diesem Tag zeigte das Thermometer 38°C. Da verschnaufte Oma gerne mal im Schatten auf einem "Kann-Mitgenommen-Werden" - Sessel auf der Straße.



Am Abend der geliebte Biergartenbesuch mit allerlei Freunden & Bekannten. Aber immer wieder kleine Schauer mit Gewittereinschlag verschlugen uns dann ins Lokal. Mein Genuss: der Backhendl-Salat.



Am Samstag - mit 30°C deutlich kühler - wurden Zeugnisse wie all die anderen Schuljahrshinterlassenschaften verräumt. Der Opa steuerte auch einen kleinen Gruß bei, während die Koffer für die Reise am nächsten Tag gepackt wurden. Diesmal war mir die Bahn wohl gesonnen, und ich kam nur mit zwanzigminütiger Verspätung zu Hause an.



Am Morgen das Haus ausgelüftet ( die Tochter in M. hat das immer so toll hingekriegt, dass es schön kühl in der Wohnung blieb ). Dann musste ich nach dem Frühstück meine Post einsammeln und dafür quer durchs Veedel. Auf einer Schattenbank hab ich schon mal ausgepackt & geschnuppert. Gehört habe ich nur das Gurren der Tauben; die Mauersegler sind leider fort.

Höchstwert des Tages: 36°C, nachts Gewitter mit Regenschauern ( 2 Liter Niederschlag sagte die Wetterstation am Flughafen ). 

Mein erstes Webfundstück wieder mal von dieser Website:

Jetzt ist es auch amtlich: Der Juli 2026 war in Köln der trockenste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. An der Messstation am Flughafen Köln/Bonn wurden im gesamten Monat nur 6,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen. Das war nicht mal halb so viel Regen wie beim bisherigen Tiefstwert aus dem Juli 1983 mit 13,9 Litern pro Quadratmeter.

Der Kanzler hat sich ja die Stärkung der Wirtschaft besonders auf die Fahnen seiner Regierung geschrieben: Nur noch 20 Zentimeter beträgt nun der Pegelstand des Rheins beim geliebten Kaub. Bei diesem historisch niedrigen Wasserstand wird dieses Nadelöhr für die meisten Frachtschiffe unpassierbar. Ein Monat Niedrigwasser an der Stelle im Rhein lässt die Industrieproduktion um rund ein Prozent schrumpfen. Das sagen diverse Wirtschaftsexperten wie die vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Und das ist ja nicht nur beim Rhein so, Elbe und Donau sind auch betroffen. Der neue Verkehrsminister will Frachttransporte über Land ausbauen und das Sonntagsfahrverbot für Lkw aushebeln ( Ländersache! ), um Lieferengpässe zu vermeiden. Wie soll das gehen, wenn hier im Rheintal eine Brücke nach der anderen marode wird?

Noch was ganz anderes: Wenn die Flüsse insgesamt weniger Wasser führen, nimmt die Konzentration von Schad- und Giftstoffen im verbleibenden Wasser zu. Was das für die Wasserversorgung mit Uferfiltrat wie hier bei mir in Köln linksrheinisch bedeutet, mag ich mir gar nicht ausmalen.



Wenn ich den Begriff "Hundstage" höre, dann habe ich immer so einen Tag im Sinn wie den letzten Dienstag: 33°C, Taupunkt bei 21°C, grauer Wolkendeckel. Mir ist dann so gut wie alles zu viel, zumindest fehlt die Unternehmenslust. Am Mittwoch fand ich es kaum besser, nachmittags nur windiger ( 32°C ). Den Bäumen sieht man den Hitzestress überall an, vom Rhein ganz zu schweigen.

Blasenesche



Weitere Webfundstücke, die ich in dieser Woche beschäftigt haben, sind einmal die vielen social-media-posts rund um die Geschehnisse an der spanischen Enklave Ceuta, die vor Falschmeldungen und Lügen strotzen. Mimikama hat sie analysiert und auf dieser Seite veröffentlicht. Zum anderen die unendlich vielen Hasskommentare auf diverse Instagram-Posts, die bis zu Vergewaltigungs- und Morddrohungen gehen und ganz nebenbei noch dokumentieren, wie deren Verfasser*innen der immer so hochgehaltenen deutschen Sprache NICHT mächtig sind, nämlich so schreiben, dass Duden, Grammatik und Rechtschreibung gemeinsam einen Krankenschein einreichen müssten. Stramm Deutsch geht anders...

Nebeneinander am Eigelstein


Das ist schon schockierend, was da mit den Mitmenschen los ist. Ich habe in dieser Woche ganz real erlebt, wie einer am öffentlichen Aufzug auf eine Frau eingeschlagen hat, die ihn darauf hingewiesen hat, dass eine junge Mutter mit Kinderwagen schon lange vor ihm angestanden hat. Das kann ja nicht nur alleine auf die Hitze zurückzuführen sein, das liegt sicher auch an der aufgehetzten Stimmung, an dem Egoismus & Hass, was wohl inzwischen für normal unter zivilisierten Menschen gehalten wird.

Um mich nach solchen "Erlebnissen" wieder auf die Reihe zu kriegen, verfolge ich täglich ein Hilfsprojekt in England unter dem Titel "Helping Rick Live Safely In His Later Years" auf Instagram ( bei YouTube sind die langen Videos zu finden ) - noch so ein Webfundstück. Da räumen Freiwillige mit Handwerkern einem 78 Jahre alten Mann namens Rick, der mit seinem Alltag nicht mehr klar kam, das völlig, völlig runtergekommene, von Ratten, Tauben und dem Holzwurm verseuchte Haus auf und versuchen es zu sanieren, während er im Hotel untergebracht ist. Das ist so ein ganz anderes, ( wohltuendes ) Verständnis vom Miteinander, was mich hindert, vom Glauben an die Menschen abzufallen. Und das brauche ich manchmal. Irgendwie ist die gute Gemütsverfasstheit aus der Zeit in M. schon wieder verflogen...

                                                                                                


Verlinkt mit Andrea Karminrots Samstagsplausch, Nicoles "Niwibo sucht...", Annette/ Augensternwelt mit ihren Glücksmomenten, der Mosaic Monday von Heidrun, die "Sonntags Top Sieben" bei Anni 

Samstag, 18. Juli 2026

Meine 29. Kalenderwoche 2026

"Und dann merke ich, 
dass es im Leben nicht darum geht, 
möglichst lange zu leben, 
sondern möglichst lange lebendig zu bleiben."
Gerald Hüther, Hirnforscher 

"Niemand ist zufrieden mit seinem Vermögen, 
und jedermann ist zufrieden mit seinem Verstande."
Lew Tolstoi

"Schwimmen -
die sportliche Variante von Selbstliebe.
Wasser ist im besten Sinne ein großer Gleichmacher."
Lara Fritzsche


Von Kind an habe ich gerne Beerenfrüchte genascht; sie waren der Ersatz für Süßigkeiten, die es damals einfach nicht gab. Aber entsprechende Büsche im Garten der Patin und später auch im Garten meiner Eltern. Gerne esse ich sie auch im Quark als sommerlichen Mittagsimbiss - bis heute. Bei Temperaturen um die 30°C für mich das Richtige.


Mein Sonntag ist eigentlich schon bei "12 von 12" verbloggt. Aber es gab so viel zu fotografieren, zum Beispiel auch...

... noch etwas Beige für Nicole/niwibo, wie  den Hl. Melchior vom "Dreikünnijepöötzche".

Die Sonne bescherte uns Kölnern fast 33°C. Da habe ich es unter den Kastanien & Robinien im Hof des  Kulturquartiers am Neumarkt bei angenehmem Wind gut eine Weile aushalten können. Nur die U-Bahnen anschließend waren gut aufgeheizt, denn sie fahren ja auch längere Strecken oberirdisch.


Aus heimatlichen Gefilden bekam ich so einen liebevoll aufgemachten Lyrikband per Post. Absenderin war Roswitha, die Weggefaehrtin. Danke dafür und für deine lieben Worte!


Donnerstagmittag erreichte uns auch ein leichtes Gewitter mit einem kräftigen Schauer ( schlau, dass ich mir morgens das Gießen erspart habe ).


Nach einer Viertelstunde schien wieder die Sonne und es wurde verdammt schwül.




Am Freitag, spätnachmittags, habe ich die Gelegenheit genutzt, in der Böhm-Kirche St. Gertrud die Arbeit des deutsch-israelischen Bildhauers Gil Shachar  in Augenschein zu nehmen, eine 14 Meter lange, lebensechte Abformung eines Buckelwals. 



2009 hatte der Künstler einen gestrandeten Wal in seiner Ganzheit abgeformt und ihn damit in seiner faszinierenden Größe künstlerisch eingefangen ( mehr dazu hier ).


Ich bin dann, obwohl es warm war, noch durch die Neustadt-Nord gestromert...

...  hin zum Ebertplatz.

Gelesen: Christine Wunnicke:"Die Nachtigall des Zaren", Audrey Magee: "Die Kolonie", Axel Spilcker: "Hitlers  Gefolgsmann", meine beiden Online- Tageszeitungen und natürlich etwas Lyrik von Selma Meerbaum - Eisinger; angefangen zu lesen habe ich "Die Günderode" von Bettina von Arnim

Gehört: Chilly Gonzalez "Solo Piano II"


Gesehen: die neusortierte Sammlung des Schnütgen - Museums in Köln ( mehr dazu am Sonntag )

Erlebnis: dieser Wal und die Kirche im Stil des Brutalismus von 1965

Genuss: diverse Sommersalate

Von links oben im Uhrzeigersinn: Nudelsalat à la 1970,
Salat mit Spinat, Melone, Radieschen & Himbeersoße, Kartoffelsalat nach Art des Hauses,
Tortellinisalat, Kartoffelsalat mit schwarzen Linsen, Paprika & Hähnchenfleisch,
Ofenkartoffeln mit Chicoree, Rucola & Bergkäse















Drinnen/Draußen: bei 30°C bis 33°C ab Montag  am liebsten drinnen, draußen nur gegen 5 Uhr am Morgen im Garten

Hobbys: Lesen ( siehe weiter oben ), Nähen eines Täschchens für ein Give-away ( siehe letzten Mittwoch ) und für den "Lieblingslehrer" der Jüngsten

Web-Fundstück/e: Zuerst mal wieder das Diagramm, weil so grauslich veranschaulicht, was Sache ist: 


Und dann eines, gefunden bei "Made My Day" auf Instagram:

Seit 1881 gibt es in Deutschland Wetteraufzeichnungen.
Von 1881 bis 2000 gab es einen einzigen Tag, an dem 40 Grad oder mehr gemessen wurden.
In 119 Jahren: einen Tag.
Von 2000 bis 2025 gab es 9 solcher Tage.
In 25 Jahren: 9 Tage.
Vor drei Wochen gab es
4 Tage mit 40 Grad.
In einer Woche: 4 Tage.

@brodnig schreibt zudem: "Die Realität ist das, was nicht weggeht, auch wenn man nicht daran glaubt.  Merkt man derzeit bei der Klimakrise deutlich."

Was ich davon halte, wenn ein Politiker sich sagt: "Gesetze gelten für mich nicht. Ich kann machen, was ich will, und ich nehme mir, was ich will" - zu dieser Anstands-Amnesie brauche ich wohl nichts mehr zu schreiben bzw. sagen. Und dann ist da noch dieser "Kabarettist", der eigentlich ein Hetzer ist! Matthias Brandt hat dazu einen Beitrag in der "Süddeutschen" veröffentlicht, den ich voll unterschreibe: 
"Das war keine mutige Grenzüberschreitung und kein Beitrag zur politischen Aufklärung. Er hat Bilder der Ermordung und Hinrichtung der Menschen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus mit lebenden demokratischen Politikern verbunden und der Name eines Mannes, der im Kampf gegen eine mörderische Diktatur sein Leben ließ..." 
Dieser "Kabarettist" hat mit seinen Aussagen bereits eine rote Linie überschritten, denn das, was er da von sich gegeben hat ist eine "Billigung von Straftaten", Paragraf 140 Strafgesetzbuch.

Jetzt reichts! Ich sehe jetzt lieber meinem völlig unverplanten, ruhigen Sommerwochenende entgegen, suche vorher nur noch die anderen Blogs auf, mit denen ich mich verlinken will, als da sind: Andrea Karminrots Samstagsplausch, Nicoles "Niwibo sucht...", Annette/ Augensternwelt mit ihren Glücksmomenten, der Mosaic Monday von Heidrun, die "Sonntags Top Sieben" bei Anni und Nicoles/Frau Frieda "Plausch am Gartenzaun".

Macht et joot!


 

Dienstag, 7. Juli 2026

Bauhaus - Chromophobia? Nein danke!

Anlass für diesen Post hat mir gegeben einmal ein Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" ( "Ein Land ergraut" ), zum anderen mein Besuch im Kolumba Museum und ein Text im aktuellen Museumsführer desselben...


Im Zeitungsartikel wie im Museumsführer wird auf ein großes Missverständnis der Bauhaus - Kultur aufmerksam gemacht:

"Das typische „Bauhaus-Weiß“ der Moderne, auf das viel zu oft rekurriert wird, ist übrigens ein ideologischer Irrtum: Gropius, Taut und Le Corbusier waren in Wahrheit Farbfantasten – wie heute nur noch Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch als Heroen einer endlich wieder farbigeren Architektur", heißt es da. 



Und im Museumsführer zum Raum 11:

"Es widerlegt das Klischee des 'White Cube', da es ausgerechnet Bauhaus - Künstler waren, die dazu beitrugen, dass Farbe das beherrschende Thema der Malerei des 20. Jahrhunderts wurde. Laszlo Moholy - Nagy schrieb 1925 "dass das 'Thema ' farbiger Gestaltung die Farbe selbst ist, dass man damit, ohne gegenständliche Beziehung zu einem reinen, primären, einem gestalteten Ausdruck gelangen kann'."

Im Museum geht dieser Raum von einem Bild des Bauhaus - Meisters Josef Albers aus und fokussiert sich bei den ausgestellten Bildern & Objekten auf Gelb und Orange, die sich im Fundus des Museums finden ließen. Die Kuratoren empfinden den Raum als eine ästhetische Werkstatt und zeigen, dass Fragen der Gestaltung jeglicher Dinge auch immer mit Farbe verbunden sind.


Besucher*innen der Bauhaus-Siedlungen in Dessau machen die Erfahrung, dass die Häuser der bekannten "Namen", also die sogenannten Meisterhäuser, ganz schön farbig sind: Von Weiß und Schwarz bis zu Rosa, Gelb oder auch Gold und Silber. Im Haus Feininger wurden sogar über 40 verschiedene Farbtöne eingesetzt! Haus Anton in der Bauhaussiedlung Dessau - Törten zeigt den Originalszustand und ist auch von den Farben her eine Überraschung. Ein weiteres Beispiel ist das Haus Auerbach ( auch W33 genannt ) in Jena, von Walter Gropius, dem Bauhausgründer, geplant. Dort wurden keine Primärfarben, sondern sog. verhüllte Farben und Pastelltöne eingesetzt, womit ein weicherer Farbklang entstand, dem kräftige Töne entgegengesetzt wurden.


Mein heutiges Plädoyer für die Farbe greift mal wieder thematisch ähnliche Posts hier im Blog auf, weil ich irgendwie einen Zusammenhang sehe zwischen dem gedanklichen Mehltau, der sich über unsere Gesellschaft zu legen droht, und dem äußeren Farbbild unserer Städte in Stahlgrau, Zementgrau, Asphaltgrau. Farblose Wände, versehen mit Schießscharten als Fensterformen, wie es die aktuelle Architektur bevorzugt. Ein bisschen Farbpsychologie tut not. Bleibt die Hoffnung, dass die Politiker im Neubau "Luisenblock West", geplant von Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch, von der Farbe stimuliert werden und endlich den mentalen Grauschleier durchdringen.

Die Fotos sind bei meinem Besuch im Museum vor einer Woche entstanden.

                                                                   
Verlinkt mit dem Creativsalat

 

Samstag, 4. Juli 2026

Meine 27. Kalenderwoche 2026

 "Fast alle technischen Errungenschaften 
basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: 
Handys, Autos, das Internet 
werden für selbstverständlich gehalten, 
aber Fakten, die viel grundlegender sind, nicht.
.....
Das Leben wird unbezahlbar 
durch die Veränderung im Klimasystem Erde."
Özden Terli, Meteorologe

"Weil sie an einer Welt leiden,
die bunter und wilder ist als die, die sie gerne hätten,
verlieben sich politische und 
mediale Führungskräfte dieser Tage 
wieder in die Idee eines gehärteten Kerns 
einer idealen Kultur."
Carsten Brosda, Präsident/Deutscher Bühnenverein




Boah, was für eine Nacht mit tropenanalogen 25°C als Tiefsttemperatur! Da brachte auch das Lüften so gut wie nichts mehr. Ich hab dann auch mein Vorhaben aufgegeben, an der Eröffnung der Ausstellung im Kolumbamuseum teilzunehmen, bei der die Schülerarbeiten gezeigt werden, an denen ich vor zwei Wochen beteiligt gewesen bin. Stattdessen: Lesen in Räumen ( die auch nicht mehr unter 25°C herunter gekühlt werden können ). Das bringt Unterhaltung & Freude, denn ich mag nicht rumnöhlen über das Wetter, ist eh sinnlos und frau schwitzt unnötig mehr. Ich sorge gut für mich, mental wie physisch ( Eiskaffee, Salat, Aprikosen & Tomaten! ). That's it!
Übrigens wurde der am 27. Juni 1947 in Köln-Stammheim gemessene Wert von 37,9°C klar überboten. Allerdings nur inoffiziell, denn die DWD-Klimastation Köln-Stammheim ist nicht mehr in Betrieb, es gibt nur noch ein Provisorium. Das hat am 26. Juni 2026 39,5°C erfasst. Die Wetterstation am Flughafen registrierte ein Maximum von 37,5°C, womit der bisherige Juni-Rekord in Köln/Bonn von 36,8°C vom 18. Juni 2002  deutlich übertroffen wurde. Selbst drinnen im Dom hatte es 26°C. Die Polizei registrierte von Freitag bis Sonntag 120 ungeklärte Todesfälle – fast viermal so viele wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Man machte zunächst keine Angaben zu den Todesursachen, doch liegt ein Zusammenhang mit den Extremtemperaturen nahe, meint auch der Leiter des städtischen Rettungsdienstes. Krankenhäuser, die Rechtsmedizin und Vertragsbestatter stießen an die Grenzen ihrer Kapazität zur Aufbewahrung von Leichen. Die Stadt richtete am Samstagabend in der Messe ein Notlazarett und eine Kälteinsel ein. KVB-Busse brachten Patienten dorthin, die keine Versorgung während der Fahrt im Krankenwagen benötigten. Und noch ein anderes: Eine Omega-Blockade kann die Wetterlage der letzten Tage erklären, aber sie widerlegt den Klimawandel nicht. Da vertauschen die Leugner mal wieder was, nämlich den Auslöser der Hitze mit dem Verstärker im Hintergrund.
Montagvormittag musste ich unbedingt en d'r Sity. Trotz ( nur ) 23°C fand ich es schlimmer als an den beiden Tagen zuvor, weil ich Schwüle einfach nicht ab kann. Selbst ein Eis sorgte nicht für den erfrischenden Genuss wie sonst üblich.


Aber ich hab erledigt bekommen, was dringend erledigt werden musste.  La vie en rose war mir dann anschließend zu Hause lieber, denn...



...dort ließ ich mir zur Abwechslung mal Kirschen schmecken, die ich unterwegs gekauft hatte. Abends hatte es so frische Luft, dass ich im Wintergarten gelesen habe. Später habe ich noch Stings Konzert im Amsterdamer Riijksmuseum vom Januar dieses Jahres gehört bzw. gesehen. So schön! Auch dass er im Video die Leistungen der großartigen Malerin Judith Leyster hervorgehoben hat, deren Gemälde lange Frans Hals zugeordnet wurden.



Stings "Fragile"ist so ein Song, der schon mal meine Lebensgefühle ausdrücken kann, besonders dann zum letzten Tag des Monats Juni -  immer einer mit den gemischtesten Gefühlen. Die Hitze der letzten Tage führte dazu, dass ich mich eher an den Tag vor 23 Jahren erinnere, als ich neben allem Kummer auch drei Wochen im Krankenhaus geschwitzt habe. Es war der erste üble Hitzesommer des neuen Jahrhunderts. Die beiden Bäume in meinem Garten sind etwas, das mich täglich an meinen "kleinen Bruder" erinnert, der sie vor fast vierzig Jahren mit meinem Mann ausgesucht und gepflanzt hat. Auch an ihn, meinen Lebensmenschen, habe ich wieder einmal mit großer Wehmut gedacht.



Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die einem über solche Stimmungen weiterhelfen: das wunderbare Gemälde von Dagmar Schmidt über meiner Couch, die Gespräche mit der Frau, die mir hilft, mein Haus in Ordnung zu halten, ein weiteres bewegendes, kluges Buch, das Grün der Bäume, der Himmel,  der über uns gespannt scheint.

Von links oben im Uhrzeigersinn:
Brokkolisalat mit Granatapfelkernen, Kartoffelsalat mit Trauben, Romanasalat mit pochiertem Ei,
Brezensalat mit Fenchel & Pfifferlingen, Nudelsalat mit Ananas & Edamame,
Reissalat mit Thunfisch & Paprika


Der Mensch lebt aber nicht nur von Gefühlen allein; an den heißen Sommertagen erfreue ich mich täglich an Salatkreationen, wie ich es schon letzte Woche beschrieben hatte. Und da ich die fotografiere und die Bilder mit dem Schwesterherz & Sunni teile, kam mir die Idee, eine Collage aus den Fotos zu machen & hier einzustellen.

Im Juni hat Nicole/niwibo "Beige" als Farbe des Monats propagiert. Wo finde ich die am besten? Jetzt aber endlich auf ins Kolumba - Museum!😆

Na ja, in Wirklichkeit  wollte ich die Arbeiten der Schüler*innen des Veedelsgymnasiums anschauen, u.a. auch "meinen" Beitrag für die Fotoreihe meiner Nachbarin "Menschen und ihre Dinge", zu der sie das "Musée sentimental de Kolumba" angeregt hat. ( Leider habe ich nicht ohne Lichtreflexe fotografieren können. )




Außerdem habe ich die diesjährige Dauerausstellung noch nicht gesehen. Thema: "Kunst in Zeiten der Unvernunft". Spannende Gegenüberstellungen wurden wieder gefunden wie die Bilder von Anna & Bernhard Blume "Transzendentaler Konstruktivismus" und ein "Christus in der Rast" eines oberrheinischen Meisters (links) oder "Ohne Titel" von Jürgen Paatz neben einer Vitrine mit Tongefäßen div. Künstler (rechts).


Victoria Bells "Fliegende Lokomotive" habe ich einem Text gegenübergestellt von Terry Fox "Left Sided Sleeper's Dream".


Der große zentrale Raum im 2. Stock wird u.a. bespielt von einer Skulptur von Erich Bödeker "Cowboy mit Pferd" und den Fotos von den Mitstreiter*innen des Roncalli - Programms "Die Reise zum Regenbogen" von 1981 durch Walter Schels. Die Elfenbeinfigur am Kruzifix ist aus dem 12. Jahrhundert, wahrscheinlich aus dem Rheinland.


Links eine Gemeinschaftsarbeit einer Schülergruppe zum Thema "Identität", links eine Figurengruppe des Dombaumeisters Konrad Kuyn aus dem "Epitaph des Nikolaus von Bueren" aus dem 15. Jahrhundert. Es sind Steinmetze, die da dargestellt sind.


Eine "Ecce Homo"-Darstellung aus Lindenholz (15. Jahrhundert) vor einem Bild, das ich nicht näher identifizieren konnte. Ein Besuch im Kolumba ist für mich immer ein Erlebnis. Es ist mir das liebste Museum in der Stadt.


Seit dem 1. Juli bin ich übrigens Mitglied im Dombau- Verein, damit ich auch weiter kostenlos in den Dom kann, wenn mir danach ist. Die Kölnerinnen, die im Exil leben (müssen), habe ich auch gleich im Verein angemeldet. Das wär doch gelacht, wenn sie bei ihren Besuchen draußen bleiben müssten!

Mein Web-Fundstück der Woche - ganz lustig & informativ:


Zum Schluss möchte ich euch noch eine kleine Geschichte erzählen, die zum heutigen Tag passt. Die Geschichte von Dennis Baum, gerade 82 geworden, wohnhaft im Hudson Valley, etwa eine Zugstunde nördlich von New York, mit seiner Frau und seinen drei Corgis. Aber was hat dieser introvertierte alte Mann mit dem 4. Juli zu tun? Nein, es ist nichts mit dem amerikanischen Nationalfeiertag oder der Hochzeit von Taylor Swift & Travis Kelce, es hängt mit dem 4. Juli 1926 in Weimar zusammen. Und dem 4. Juli 2026 in Erfurt. Merkt ihr was?

Aber zurück zu dem alten Mann, der seit Wochen die Rede seines Lebens einübt. Und die hat ihren Grund in diesem Logo:


Das kennen sicher alle, die in Deutschlands Osten groß geworden sind. Und die Zweiräder gleichen Namens, besonders der berühmten "Schwalbe". Mopeds von Simson werden inzwischen nämlich von den Blaunen für ihren Kulturkampf missbraucht. Besonders der Bernd lässt sich gerne damit fotografieren. Der thüringische Landesverband, als rechtsextrem eingestuft, produziert heute Videoclips, Banner und T-Shirts mit dem Namen Simson. 

Und das ist für Dennis Baum unerträglich. 

Also reist er jetzt aus New York nach Deutschland, um das Erbe seiner jüdischen Familie zu beschützen. Ja, richtig gelesen: Die Firma ist eine jüdische Firma gewesen, die "Waffen- und Fahrzeug-Fabrik Simson Suhl". 
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten startete der thüringische Gauleiter Fritz Sauckel ein Untersuchungsverfahren mit der Behauptung, das Deutsche Reich sei durch das jüdische Unternehmen bei der Abrechnung der staatlichen Aufträge übervorteilt worden. Der Reichsrechnungshof konnte keine übermäßigen Gewinne feststellen; trotzdem kam es 1934 auf Initiative von Sauckel in Meiningen zu einem Schauprozess gegen Arthur Simson und einige leitende Angestellte wegen 'Übervorteilung des Reiches'. Die inhaftierten Angeklagten wurden ein Jahr später aus Mangel an Beweisen in allen Punkten freigesprochen.... Im August 1935 erwirkte Sauckel ein Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht Jena unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Verfahren endete mit einem Schuldspruch und einer Geldbuße von 9,75 Millionen Reichsmark gegen die Inhaber.( Quelle Wikipedia )

Die Familie Simson konnte 1936 in die Schweiz fliehen. Minna Simson, die damals Thüringen verlassen musste, ist die Großmutter von Dennis Baum gewesen. 

"Dass ich mich erhebe und kämpfe in der öffentlichen Arena, das ist etwas, was ich noch nie getan habe. Ich habe noch nie in meinem Leben vor mehr als zwanzig Menschen geredet", bekennt Dennis Baum. 

Er muss aber etwas klar stellen, denn seine Familie lehnt diese Vereinnahmung ab. Auch die Volte mit der deutschen Geschichte. Aber das gehört ja zum Werkzeugkasten für Tatsachenverdreher & Manipulateure. Mit den Simson - Zweirädern wird der Ost - Joker von westdeutschen Akteuren gezogen. Wem gehört das Freiheitsgefühl der Ostdeutschen wirklich?

                                                                            

Wie immer v
erlinke ich meinen heutigen Beitrag mit dem Samstagsplausch, mit "Niwibo sucht...", den Glücksmomenten bei Annette/ Augensternwelt, dem Mosaic Monday, den "Sonntags Top Sieben" bei Anni und mit Nicoles/Frau Frieda "Plausch am Gartenzaun