Sonntag, 3. Juni 2018

Meine 22. Kalenderwoche 2018


























Das im letzten Kalenderwochenpost angekündigte verlängerte Wochenende habe ich rheinaufwärts verbracht und in Buntsandsteintönen und architektonischen Formen von der Romanik bis zum Historismus geschwelgt.

Auf die Idee dazu gebracht hat mich einmal Anna Seghers "Ausflug der toten Mädchen", zum anderen die Bekanntschaft mit ihr, deren ganze rheinpfälzische Wesensart mir gut tut. Da wollte ich endlich "die goldene Stadt am Rhein", die Schwester im karnevalistischen Treiben, auch einmal persönlich kennenlernen.
















Es traf sich gut, dass es fast schon ein Ritual ist, den Herrn K. zu seinem Geburtstag an einen anderen Ort zu verfrachten. Das waren schon Städte wie London oder Danzig, aber auch kleine Moselorte und diesmal eben Mainz.











































Dieser Post wird kein Reisebericht werden und keine persönlichen Empfehlungen enthalten...

... sondern nur meine ganz subjektiven Bildeindrücke wiedergeben.
























Die Stadt hat Charme, und die Stunden mit Eva ( in größter Hitze auf dem Marktplatz unter den Sonnenschirmen sitzend ) habe ich genossen:

Von Eva erfuhr ich: All die schönen Häuser sind sozusagen Fake - Architektur, nach dem Krieg wieder rekonstruiert, denn Mainz war an seinem Ende - für diese Stadt der 22. März 1945 -  zu 80 Prozent seiner alten Baussubstanz  in der Innenstadt beraubt. Das "goldene Mainz" gab es ab dem 27. Februar nicht mehr. Vernichtet, die Stadt, die über Jahrhunderte hinweg eine selbstbewusste Metropole, Sitz des wichtigsten deutschen Erzbischofs und im Mittelalter des Reichskanzlers war - so viel dann zu den Folgen unserer jüngsten Geschichte.
Aber wir wissen ja jetzt seit gestern, dass das nur ein "Vogelschiss ist in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte". Gesichtslose - geschichtslose Städte seitdem - ist doch jetzt nicht wirklich der Rede wert, oder? Gegen diesen Versuch, deutsche Geschichte und Geschichtsschreibung radikal umzudeuten, wehre ich mich vehement und wünsche mir viele Mitstreiter...
























Die "Glucke", wie Eva den Dom auch genannt hat, hatte den Feuersturm übrigens überstanden.

Zum Mahnmal an jenen zerstörerischen Luftangriff wurde die Ruine der Christophskirche in der Innenstadt ( auf dem Bild rechts ). Die einstige Taufkirche des Erfinders des Buchdrucks Johannes zu Gutenberg wurde nie wieder aufgebaut und ist heute ein Mahnmal für die Schrecken des von Deutschland ausgelösten Kriegsinfernos an einem ganz ruhigem Platz im Stadtgewühle, an dem wir an den beiden Abenden übrigens sehr lecker gegessen haben...

Auf den Heimweg haben wir im Gedächtnis mitgenommen das heitre sonntägliche Leben in dieser Stadt, die vielen jungen Menschen & Kinder, als wir am Montag die "Godesburg" bestiegen, um einmal wieder den Mittelrhein - für mich eine der schönsten Gegenden unseres Landes - rheinabwärts zu befahren:

Kaum ist das "Binger Loch" erreicht, kommen schon die ersten Burgen:

Burg Ehrenfels ist die erste am rechten Ufer, Burg Reichenstein die zweite am linken. In Bacharach mag ich am liebsten die Ruine der gotischen Wernerkapelle:

Meine liebste Burg kommt aber erst bei Rheinkilometer 456: Die Zollburg Pfalzgrafenstein, landläufig "Pfalz bei Kaup" geheißen:

Eva Fuchs sei Dank für den Hinweis auf GifMaker!

"Dieses steinerne Schiff, ewig auf dem Rhein schwimmend" ( Victor Hugo 1840 ) mit seiner welschen Haube ist mir ein bleibender Eindruck, seit das neunjährige Kind es zum ersten Mal auf der großen Reise in die neue Heimat ( für den Rest meines Lebens ) entdeckt hat. Und wenn man noch einmal die Geschichte von Blücher und seiner Rheinüberquerung liest, wird die Faszination erneut befeuert.

Viele aufgelassene Weingärten beobachteten wir an den steilen Felshängen des Mittelrheintales. Und dann: der Fels der Felsen!


"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten", dass wieder so viele Japaner die Kamera zückten und das Lied auf dem Schiff mitsangen ( wie schon vor elf Jahren erlebt ).

Und nach der Loreley die Burg Katz am rechten Ufer...

... und dann noch Burg Maus oberhalb der Wellmicher Martinskirche. Unterwegs war an diesem Tag auch der letzte Raddampfer auf dem Rhein.

"Und ruhig fließt der Rhein" weiter gen Nordsee. Für uns war die Reise in Boppard zu Ende, denn dort wenden die Mainzer Schiffe wieder.
Inzwischen herrschte eine Bruthitze, und ich habe nicht mehr fotografieren mögen. Den Rest der Strecke bis nach Hause sind wir dann mit dem Zug gefahren.

Die restliche Woche? Von Wäsche waschen & bügeln bis zur medizinischen Fußpflege, von üppigstem Rosenflor im Garten bis zu Mäusen in der Regentonne, vom Enkelgeburtstag bis zur Beerdigung, von Tropennächten bis zu Gewittergüssen & Dauerregen am Freitag war alles dabei.

Ein besonderer Moment? Ich, die Backunkundige, habe uns einen Kuchen gebacken, nachdem ich nach meinem kleinen Gewitterabenteuer bei der Gemüseapotheke noch ein paar Rhabarberstangen "ersammelt" hatte:

Ich habe einfach das Rezept vom besten Pflaumenkuchen überhaupt des Herrn K. abgewandelt. Blätterteig kann ich nämlich ( aus dem Kühlregal des Supermarktes "sammeln" ). Hat sehr gut geschmeckt, sollte ich öfter machen...

Kleine Postkunstwerke habe ich auch bekommen von den Schwestern im Farbton, als "Dankeschön" für meine DSGVO - Unterstützung (?). Gefreut habe ich mich darüber, ihr Zwei!


Inzwischen blüht auch mein "Rasen". Nach den Temperaturen und den Regengüssen ist der Garten wieder ein einziger undurchdringlicher Dschungel.


Gestern hatte ich dann mal was Muße und habe bei einem leckeren Eiskaffee meine abonnierten Online - Zeitungen gelesen. Und da bin ich auf einen Beitrag von Harald Welzer für die "Zeit" gestoßen, der mir sehr gut gefallen hat. Der meint: "Demokratien gehen nicht an zu vielen Feinden, sondern an zu wenigen Freunden und Verteidigerinnen zugrunde." Das sehe ich genau so. In Zeiten, in denen bösartig sein als "cool" gilt und die Menschenverächter das zivilisatorische Niveau unserer Republik peu à peu zu zerlöchern drohen, sollte man sich klar machen: Unsere Situation ist nicht im geringsten mit der am Ende der Weimarer Republik vergleichbar. Dass malende Mulitmillionäre sich vor Wirtschaftsflüchtlingen fürchten, ist einfach nur degoutant. Rosa Loy habe ich jedenfalls von meiner Liste gestrichen...

Dass im Rampenlicht stehen nicht vor Verblödung schützt, hat mir auch der Fall der Roseanne Barr in dieser Woche gezeigt, die nicht in der Lage ist, eine Verschwörungstheorie zu durchschauen, die besagt, dass ( der damals bei der Naziokkupation  seines Heimatlandes 14jährige ) George Soros jüdische Mitbrüder an die Nazis verraten habe, um sich selbst deren Vermögen unter den Nagel zu reißen.

Es ist wahrlich keine komplizierte, zu anspruchsvolle Aufgabe, Vertreter solchen Schwachsinns im eigenen Leben 1.0 auf die Wirklichkeiten hinzuweisen. Es ist nur manchmal ein bisschen ungemütlich...

Zum Schluss noch eine Geschichte, über die man eigentlich nur lachen sollte, wäre da nicht der Hintergrund der Macher dieser "Satire". Wer kennenlernen möchte, mit welchen Mitteln die Rechten uns zu manipulieren versuchen, dem sei der Beitrag ans Herz gelegt.








Wieder einmal verlinkt mit Andreas Samstagsplausch, Loretta & Wolfgangs Gartenglück und dem Naturdonnerstag bei Ghislana  

Kommentare:

  1. liebe astrid,ich bin selbstverständlich ganz begeistert, so eine schöne woche mit dir miterleben zu können ..ein land das ich gar nicht kenne, so schöne burgen , die rheinfahrt und dein auge auf all das! liebe grüsse

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Astrid, ich konnte in Erinnerungen schwelgen. In der Stephanskirche haben wir ein Konzert erlebt, bei großer Hitze gut gegessen.... von der Rheintour ganz zu schweigen. Tja, was die Ansammlung der Äußerungen politischer Geschichtstrottel betrifft, da muss ich noch nach Worten suchen.Den Artikel in der Zeit habe ich auch gelesen. Ich bin etwas ratlos, was man noch tun kann. Gefreut hat mich, dass es mehr Gegendemonstranten in Berlin gab als rechte Schreihälse. Hab einen schönen Sonntag.
    LG
    Magdalena

    AntwortenLöschen
  3. Was für eine feine Reise den Rhein entlang bis nach Mainz. Das war gewiss ein Genuss. Der Rhabarber (für einen Crumble) wartet hier gerade auch auf mich.
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  4. Hallo liebe Astrid,

    was für ein schöner Wochenrückblick. Schiff, Bahn, Stadt, Burgen, normaler Tagesablauf - von jedem etwas. Dazu wieder mit schönen Fotos. Dankeschön :-).
    Habt euch wohl Klara

    AntwortenLöschen
  5. Was für ein schöner Reisebericht, denn für ist er es, subjektiv oder objektiv. Schöne Bilder, die mich an eine Rheinreise als 16-17jährige mit der Familie erinnert. Mein Bruder und ich hatten Burgen gezählt. :D
    Mich hat letzte Woche ein Bericht über die Frauenquote bei Managern in GB verärgert. Solch antiquierte und herabwürdigende Denkweise vrabscheue ich.
    Viele liebe Grüße,
    Karin

    AntwortenLöschen
  6. So tolle Bilder, fühle mich als wäre ich mit gewesen!
    Vielen Danke und liebeGrüße
    Magda

    AntwortenLöschen
  7. Eine Rheintour per Boot steht auch auf meiner Liste, wobei ich befürchte, dass der Mann einen Part der Strecke bestimmt mit dem Fahrrad fahren möchte ...

    Schöne Grüße über den Rhein
    Astrid rechtsrheinisch

    AntwortenLöschen
  8. Du hast mir eine Rheinschifffahrt, die bei uns sehr populär sind, richtig schmackhaft gemacht.
    L G Pia

    AntwortenLöschen
  9. Wunderschöne Bilder, liebe Astrid. Offensichtlich hat die einst goldene Stadt trotz der Nachbauten etwas von ihrem Glanz bewahrt. Die Burgen am Rhein, so abwechslungsreich wie ihre Namen. Wie es da wohl zuging, als sie noch bewohnt waren? Die Bauern im Rheintal müssen fleißige Leut gewesen sein.
    Ob ich es schaffe mit meinen unzähligen geerbten Sammeltassen so ein prima Wandbild zu machen, überlege ich gerade. Sie wegzugeben bringe ich nicht übers Herz.
    Liebe Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nur zu! Meine drei Sammeltassen hätten dafür ohnehin nicht gereicht, sie sind jetzt bei der Tochter.
      LG

      Löschen
  10. Das waren ja richtige Urlaubsbilder! Wieder wunderbar fotografiert und zusammengestellt. Liebe Grüße von einer der Schwestern in Grün (falls ich das richtig verstanden habe).
    Bei mir bewegt sich was in Bezug auf Schule, ich hab mich bei der Bezirksregierung beraten lassen !!!!!

    AntwortenLöschen
  11. ...ach Mainz, liebe Astrid,
    da habe ich mal vor Jahren eine Fortbildung gemacht, leider kannte ich da Eva noch nicht, da wären die Abende bestimmt lustiger gewesen...das ist wirklich eine schöne Tour da über den Rhein vorbei an den viele Burgen,

    liebe Grüße Birgitt

    AntwortenLöschen
  12. hach..
    wenn ich gewußt hätte dass du vorbei fährst hätte ich dir gewunken ;)
    ja.. Mainz ist schon eine schöne Stadt und wurde liebevoll restauriert
    auch wenn mir nicht alles gefällt was neu dazu kam
    aber ihr hattet ja euren persönlichen Stadtführer ..der euch die schönsten Plätze zeigen konnte ;)
    und für eure Rheintour gab es schönes Wetter gratis dazu ..
    ich muss zugeben dass ich noch nicht alle Burgen besucht habe
    und als Namenvergesser kann ich sie mir auch nie merken ;)
    dein Kuchen sieht aber lecker aus

    und zu diesen Zeitgenossen fällt einem wirklich kaum noch etwas ein..
    mich erstaunt immer wieder wie "dumm" Erwachsene sein können

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  13. Liebe Astrid,
    oweh, so viele schöne Bilder vom Rhein. Der Lieblingsmensch ist in dieser Gegend aufgewachsen und vermisst die schroffen Felsen hier im ziemlich flachen Umland sehr. Ich kann es total nachempfinden. Am liebsten möchte ich ihn nun schnappen und auf ein Rheinschiff verfrachten. Danke für diese Idee, vielleicht schaffen wir das ja beim nächsten Besuch! (Letztes Mal waren wir in Bingen und haben uns ausführlichst über Hildegard informiert. War toll!)

    Was den Vogelschiss und seine Auswirkungen betrifft, den hatte ich in meiner Liste tatsächlich nicht drin. Vielleicht sollte ich wieder ein bisschen mehr Augenmerk auch auf diesen Bereich lenken.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    AntwortenLöschen
  14. huch, hier war ich ja noch gar nicht!
    mir ist noch eingefallen, dass ich sogar schon mal auf der loreley war und sehr enttäuscht davon. nur ein felsen... und viele touris. na gut, abgehakt und weitergefahren. da sind mir die vielen herrlichen burgen doch mehr im gedächtnis geblieben.
    danke fürs mitnehmen auf eure reise!
    liebe grüße
    mano

    AntwortenLöschen
  15. Ich liebe die Strecke den Rhein entlang sehr :-). Danke für so viele schöne eindrücke von Eurer kleinen reise. Lieber Gruß, Taija

    AntwortenLöschen
  16. Liebe Astrid,
    was für ein wunderbarer Reisebericht. Ich kenne die Gegend ja nun wirklich, aber ich betone gerne, Du hast die schönsten Plätze, Details und das ganze Drumherum einfach herrlich in Bildern eingefangen. Wie gut, dass auch das Wetter mitgespielt hat, auch wenn es vielleicht etwas zu warm war. Bei Regen wäre das alles nicht möglich gewesen, gell.
    Lieben Gruß
    moni

    AntwortenLöschen
  17. Da waren wir zur gleichen Zeit am Rhein... Und auch mir ging die Melodie der Zeile "...und ruhig fliehießt der Rhein..." nicht aus dem Kopf. Hab Dank für deine Gedanken. Wir hatten bei einem Dreifrauen-Ausflug nach Berlin-Mitte gestern auch das Thema Demokratie dran und stellten genau das fest: Demokratie heißt nicht nur demokratische Rechte zu kennen und zu beanspruchen, sondern auch Verantwortung genau dafür wahrzunehmen. Wir erlebten Berlin gestern so heiter und friedlich und vielsprachig, eine Freude. LG Ghislana 💛

    AntwortenLöschen

Der Kommentar beim Bloggen ist wie der Applaus im Theater: Immer willkommen!
Beachte diesen Hinweis:
Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. User- oder Klarname, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.

Aus gegebenem Anlass betone ich nochmals ausdrücklich: Nur Kommentare mit Namensnennung werden von mir veröffentlicht. Verlinkungen im Kommentafeld, ohne dass erkennbar ist, wer sie gesetzt hat, werde ich nicht veröffentlichen. (27.11.2018)