Freitag, 18. Januar 2019

Friday - Flowerday # 3/19


Doch, doch, Freitagsblümchen gibt es heute auch noch,
aber verknüpft mit einer kleinen Geschichte.
Denn gestern zum Fototermin  hatte ich ganz andere Probleme:
Unsere Heizung war am Morgen nicht mehr angesprungen, 
und da hieß es für mich: Zuerst Handwerker organisieren!
Und dann warten...



Zu meiner Freude hatte mir die Lieblings-Ex-Kollegin am Vortag
zehn rosa Rosen mitgebracht
mit Blüten, groß wie Kinderfäuste,
die sogar duften.

Die wollte ich noch etwas "aufbereiten"
( zumindest die Vase noch einmal putzen, 
die ich am Vortag nur ganz schnell mit Wasser gefüllt habe,
damit die Rosen nicht verdursten ).


Aber dann gab es den einen raren Moment mit Sonnenlicht vor den Fenstern,
und da habe ich schnell zum Fotoapparat gegriffen.


Also heute wieder einmal eine Blumendekoration
ganz aus dem realen Leben.

Inzwischen tut es die Heizung wieder
&
das Wochenende kann kommen.
Dafür wünsche ich euch das Beste.


Verlinkt mit Holunderbluetchen®


Donnerstag, 17. Januar 2019

Great Women # 168: Michelle Obama



Nun habe ich also schon sieben solcher Collagen à 24 Frauen zusammengestellt ( und ein Ende ist noch nicht abzusehen ). Das ist dann auch immer ein ganz besonderer Donnerstag für mich. Deshalb weiche ich heute mal von meinen Prinzipien  - keine Frau, die in aller Munde ist und/oder die jünger ist als ich selbst - ab. Zudem ist heute ihr 55. Geburtstag zu feiern, und ich habe ein Faible für Frauen, die sich aus "kleinen Verhältnissen" und trotz ungünstiger Sozialprognosen dank ihrer eigenen Energie und Willens jene Sphären erobern, die eher Weißen, Reichen, Männern u.ä. vorbehalten sind. Da fiel mir die Entscheidung leicht: Meinen heutigen Post widme ich Michelle Obama.

Die ist also heute vor fünfundfünfzig Jahren am 17. Januar 1964 als Michelle LaVaughn Robinson in Chicago zur Welt gekommen.
Sie ist das zweite Kind ihrer jungen Eltern, des 28jährigen Fraser Robinson III. und der 26jährigen Marian Lois Shields Robinson. Der Vater hat gerade ein paar Tage zuvor Arbeit bei der Stadt ergattert, als Hausmeister in der Wasseraufbereitungsanlage - ein Job, der ihm 6000 Dollar Jahreseinkommen bringen wird. Das ist etwas, was in jener Zeit für einen afroamerikanischen Highschool - Absolventen ein Glücksfall ist.

Source
Sein Großvater, also Fraser Robinson I, war noch in Georgetown/ South Carolina in die Sklaverei hineingeboren worden. Dessen Sohn, Fraser Robinson II, also Michelles Großvater, ist 1934 dann im Rahmen der "Großen Wanderung" nach Chicago gezogen. Diese Bevölkerungsbewegung hat binnen fünfzig Jahren sieben Millionen Afroamerikaner aus den Südstaaten in die großen Städte des Nordens und Mittelwestens der USA "gespült", die dort in Stahlwerken, Schlachthöfen oder bei den Eisenbahnen gebraucht wurden. Alleine nach Chicago ist eine halbe Million gekommen und in der südlichen Stadthälfte ghettoisiert worden.

Auch Michelles Mutter ist als Tochter eines Anstreichers und einer Hilfskrankenschwester in Chicago geboren worden. Ihre Familie mit multi - ethnischen Wurzeln ist ebenfalls mit der "Großen Wanderung" in die Stadt gekommen. Sklaverei ist allerdings nie ein Thema in der Familie, da wahrscheinlich das Erinnern zu schmerzhaft ist. Inzwischen ist belegt, dass der Urgroßvater von Marian der Sohn einer irischstämmigen Bauernfamilie in Georgia war, in die die Urgroßmutter Melvinia als junges Mädchen verkauft worden ist. Der gemeinsame Sohn Dolphus ist ein Jahr vor dem Ausbruch des Bürgerkrieges geboren worden. Dessen Tochter Pearl ist dann später nach Cleveland, Ohio, gezogen.
Die Aufdeckung solcher Verhältnisse rührt an wunde Punkte im historischen Selbstverständnis weißer Amerikaner, denn in Wahrheit sind viele farbige und weiße Bürger des Landes enger miteinander verwandt, als ihnen lieb ist, und die Vorstellung, dass Vorfahren Sklavenmädchen eventuell sogar gewaltsam geschwängert haben, wird als beschämend empfunden und lieber verdrängt. Dabei hatte selbst Thomas Jefferson, einer der Gründerväter der USA und ihr dritter Präsident, Gründer der Republikanischen Partei mit einer unter seinen 200 Sklaven, Sally Hemings, mehrere Kinder und ihr eine privilegierte Stellung im Jeffersonschen Haushalt in Monticello eingeräumt. Am liebsten möchte man diese Geschichte als Liebesgeschichte lesen und in Jefferson einen Vorreiter eines Amerika ohne Rassenschranken sehen. Historischer Fakt  ist, dass er den Zeitgeist und die ökonomischen Zwänge nicht überwinden konnte und damit die Sklaverei.
Michelle ist ein halbes Jahr alt, als der damalige amerikanische Präsident Lyndon B. Johnson den "Civil Rights Act", der die Rassentrennung auf vielerlei Ebenen verbietet, unterschreibt. Das betrifft auch die strenge Segredierung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in verschiedenen Stadtteilen.

South Side 1965
Dass das alles sich nicht so einfach ändert, liegt auch an einem besonderen politischen System in Chicago, welches für die afroamerikanischen Stadtbewohner ein zweischneidiges Schwert ist, dem des demokratischen Bürgermeister Richard J. Daley ( ja, das ist der, der die Dreharbeiten für den ersten Blues-Brothers-Film verboten hat und der im Film öfter Erwähnung findet. )

In diesem System spielt Michelles Vater mit, wenn auch eine kleine Rolle. Fraser Robinson III ist ein sogenannter Precinct Captain, ein Wahlkreisbeauftragter, dessen Aufgabe einerseits ist, bei den Nachbarn die Sorgen, Nöte und Wünsche an die Stadtverwaltung herauszufinden und dann solche Dienstleistungen zu veranlassen, aber andererseits auch, den Leuten klar zu machen, dass sie - aus Dankbarkeit für selbstverständliche Kleinigkeiten - weiterhin Daley wählen sollen. Immerhin bleibt der so 21 Jahre Bürgermeister, und die Aufhebung der Rassenschranken kommt in der Stadt nicht voran, die strikte Trennung von Wohngebieten und Schulen bleibt. Daraus entstehende Spannungen werden aber durch das Daley - System in Schranken gehalten. Ein Precinct Captain kann damit rechnen, als Lohn für seine Dienste eine Anstellung bei der Stadt zu bekommen. Wahrscheinlich ist auch Michelles Vater so zu seinem Job gekommen.

Liza Mundy führt in ihrem Buch den argen Skeptizismus der erwachsenen Michelle gegenüber der Politik im Allgemeinen auf diese Erfahrungen des Vaters mit dem politischen System zurück, betont aber auch, dass sie andererseits den Vater für seine Einstellung zu seinem Job bewundert hat, der täglich zur Arbeit gegangen ist, weil sie zu seinem Selbstwertgefühl beigetragen hat, obwohl ihm das aufgrund seiner Erkrankung an Multipler Sklerose mit 33 Jahren immer mehr Mühe bereitet hat. ( Am Ende sitzt er im Rollstuhl und stirbt auf dem Weg zur Arbeit. )

1970 gelingt es den Robinsons dann doch, in das bessere South -Shore-Viertel zu ziehen, in einen Bungalow, der einer Tante, einer Klavierlehrerin, gehört. Michelle lernt wohl mit großem Eifer das Klavierspiel und bei ihrer Mutter das Lesen, noch bevor sie in die Schule kommt. Marian Robinson kann sich ganz ihren beiden begabten Kindern widmen, da die Einkünfte ihres Mannes das möglich machen. Der Umzug in ein Viertel, das zu diesem Zeitpunkt noch von Weißen bewohnt wird, bedeutet auch eine bessere Schulbildung für ihre Kinder. Michelle besucht die Bryn-Mawr-Grundschule bis zur 8. Klasse und kommt ab der 6. Klasse in den Genuss des Begabtenprogramms dieser Einrichtung. So nimmt sie an Biologiekursen teil und lernt Französisch.

1979
Source
Da sich die Weißen aber immer mehr aus dem Viertel zurückziehen - 1980 sind dann 96% der Einwohner Afroamerikaner - und sich die Infrastruktur negativ zu verändern beginnt, ist für Michelle der sozioökonomischen Aufstieg ihrer Familie mit der Erfahrung verbunden, dass Weiße sie aber nicht als Nachbarn haben wollen. Die Eltern kommentieren das damit, dass "das Leben nicht fair ist. Das ist eben so. Und du bekommst nicht immer, was du verdienst, aber du musst hart arbeiten, um das zu bekommen, was du willst. Und dann bekommst du es manchmal trotzdem nicht; selbst wenn du hart arbeitest und alles richtig machst, bekommst du es manchmal nicht." ( Quelle hier - eine Schule des Lebens, durch die auch meine Eltern gegangen sind und mir vermittelt haben... )

Doch die Familie bildet für ihre Kinder erst einmal eine menschliche Schutzhülle.  Ab Mitte der 1970er Jahre kommt es auch in South Shore zu einer immer tieferen Spaltung in der afroamerikanischen Bevölkerung des Stadtteils, denn die einen gelangen, auch dank Fördermaßnahmen, zu Wohlstand, andere bleiben zurück oder "stürzen ganz ab". Michelle lernt, nicht herauszukehren, wie intelligent und gut ausgebildet sie ist, sie lernt "zwei Sprachen zu sprechen", um nicht jeden Tag nach der Schule den Hintern versohlt zu bekommen. Später wird sie all diese Erfahrungen in ihrem jungen Leben reflektieren und ihre eigene persönliche Stärke, ihr Glück, aber auch ihre Schuldgefühle und ihre Scham beschreiben.

Nach einem entsprechenden Eignungstest, den sie besteht, kann sie 1975 schließlich eine sogenannte Magnet - Highschool besuchen, eine spezielle Schule mit besonderer Ausstattung, in der die Rassentrennung aufgehoben ist. Das bedeutet auch, das sie erstmals ihr "schwarzes Viertel" verlässt, um in die "Whitney M. Young Magnet High School" zu gehen. Und die scheint ein "kleines Biotop der Freundschaft und des Zusammenhaltes" ( Liza Mundy ) in einer Zeit der massiven Rassenspannungen in Chicago zu sein. Michelles Eltern sehen in diesem Schulbesuch die einzige Möglichkeit, dass ihre Tochter ein Leben mit mehr Freiheiten wird leben können, als sie selbst. Und dazu gehört auch die Freiheit, sich den Beruf selbst aussuchen zu können.

Michelle nimmt diesen Auftrag wie selbstverständlich an. Lernen ist & bleibt ihr das Wichtigste während ihrer Schulzeit, so berichten Mitschüler, Lehrer, die Mutter. 1981 gehört sie zu den 33 Besten einer Schule, die ohnehin nur die Besten aufnimmt, und qualifiziert sich für die "National Honor Society". Dennoch gibt es auf Michelles Weg immer wieder Menschen, die sie entmutigen: "Bei jedem Schritt auf meinem Weg gab es jemanden, der mir erzählte, was ich nicht tun könne. Ich habe mich in Princeton beworben. ' Dort kannst du nicht hingehen, deine Testergebnisse sind nicht gut genug.' Ich bin doch hingegangen. Ich habe meinen Abschluss dort mit Auszeichnung gemacht."


In Princeton
In Princeton studiert schon ihr Bruder Craig, und ihre Mutter Marian hat eine Halbtagsstelle als Sekretärin angenommen, um die Studiengebühren ihrer Kinder dort finanzieren zu können. Michelle kommt im Spätsommer 1981 im College an, zu einem Zeitpunkt, als nur zehn Prozent der Studierenden Afroamerikaner sind. Ihr Glück ist, dass zu diesem Zeitpunkt ein Präsident das Sagen hat, der Fördermaßnahmen für Minderheiten befürwortet, damals Gegenstand heftigster Grabenkämpfe.

Was für ein Klima dort herrscht - obwohl das College inzwischen die Vielfalt auf seine Fahnen geschrieben hat - illustriert eine kleine Episode: Michelle wird einer weißen Zimmergenossin aus New Orleans zugeteilt. Deren Mutter, alleinerziehend, hat einen Job in einer Privatschule nur aufgenommen, damit der Tochter der Besuch derselben möglich ist und darüber hinaus die Aufnahme in eine Eliteeinrichtung wie Princeton begünstigt wird. Als die Mutter von der afroamerikanischen Mitbewohnerin erfährt, setzt sie Himmel & Hölle in Bewegung, um diese Entscheidung der Universitätsverwaltung rückgängig zu machen.

Michelle wird später in ihrer Abschlussarbeit schreiben: "Durch meine Erfahrungen in Princeton habe ich mehr als je zuvor begriffen, dass ich schwarz bin." Schließlich wird das von einem afroamerikanischen Studentendekan ins Leben gerufenen"Third World Center" ihr sozialer Mittelpunkt, in dem sie auch Studentenjobs, z. B. als Tagesbetreuerin für Kinder, übernimmt. Zeitzeugen erleben sie dort als ausgesprochen emphatische Person. Insgesamt werden die vier Jahre in Princeton Michelle größeres Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein bringen, sie aber auch oft die Frage nach der eigenen Identität stellen lassen.

Als sie im Herbst 1985 an der Harvard Law School ein Jurastudium beginnt, ist sie 21 Jahre alt und im Innern davon beseelt, zum gesellschaftlichen Wandel beizutragen. Offen politisch agiert sie aber nicht. Sie engagiert sich beim "Black Letter Journal", das sich der Verbreitung juristischer Literatur auf die Fahnen geschrieben hat, die vor allem Bedeutung für Minderheiten hat, und im Rechtshilfebüro, einer Art von Studenten betriebener Anwaltskanzlei für Arme, die weniger betuchte Einwohner von Cambridge & Boston und den umliegenden Counties in Mietrechtsangelegenheiten, Sozialleistungsfragen und bei Scheidungen berät und vor Gericht vertritt - eine immense zeitliche Belastung neben dem eigentlichen Studium, aber auch etwas, weshalb sie das Jurastudium überhaupt aufgenommen hat.

In Harvard
In ihrem dritten Harvardjahr beginnt sie darüber nachzudenken, was sie mit ihrer unmittelbaren Zukunft anfangen will: Arbeit für die Regierung, den öffentlichen Dienst oder eine private Firma?  Dass es ein Privileg ist, in Harvard studieren zu dürfen, ist ihr bewusst, und Michelle sieht es auch als Verpflichtung, etwas zurückgeben. Doch da sie ihren Studienkredit abbezahlen muss, trifft sie die konventionelle Entscheidung für eine Privatfirma - etwas, das sie später kritisch sehen wird.

Schon in ihrem zweiten Harvardjahr hat sie Sommerjobs in der Chicagoer Kanzelei bei Sidley Austin übernommen. Nun sagt sie zu, als ihr 1987 eine Vollzeitstelle geboten wird. Sie "gönnte sich (aber) das Vergnügen, zu den lebensfroheren Anwälten in der 'Marketinggruppe' zu gehen" ( Liza Mundy ), statt sich mit allgemeinen Rechtsstreitigkeiten herumzuschlagen. Die Gruppe ist recht klein, dort arbeiten viele Frauen, der Stoff ist interessant, denn es geht meist um Popkultur. Doch irgendwie bleibt die junge Anwältin unzufrieden. Ihr damaliger Chef: "Ich konnte ihr nichts geben, das ihrem Ehrgeiz, die Welt zu verändern, entsprochen hätte." Und Michelle ist Frau genug und beschwert sich darüber gleich beim obersten Chef.

Was muss passieren, dass eine so ehrgeizige junge, gut verdienende Anwältin fünf Jahre später all das aufgibt?

Source
Da ist sicher der Tod des Vaters 1990, dem Leitstern in Michelles bisherigem Leben. Dann der Tod der wichtigen Freundin aus Princeton, Suzanne Alele, die im selben Jahr an Krebs stirbt, keine dreißig Jahre alt. Diese Freundin hat immer getan, was sie für richtig hielt und nie das, was von ihr erwartet worden ist. Und dann ist da noch Barack Obama, der in seinem ersten Harvard - Jahr schon einen Sommerjob bei Sidley Austin bekommt, und den Michelle auf Wunsch der Kanzelei als Beraterin und Mentorin betreut. Und durch ihn kommt nicht nur die Liebe in Michelles Leben, auch eine andere Sicht auf die Dinge dieses Lebens... Doch diese Geschichte ist inzwischen so oft erzählt worden, auch von Michelle Obama selbst, dass ich sie - ganz anders als sonst in dieser Rubrik bei mir - hier und heute nicht weiter ausführen werden.


Was mir wichtig ist, noch einmal herauszustellen, welchen steinigen Weg Menschen auf sich nehmen müssen, um zu jener Elite zu gehören, die der amerikanische Präsident - selbst mit einem goldenen Nachttopf geboren - ständig beschimpft, verunglimpft, bekämpft. Und seine Anhänger - das ist übrigens bei ähnlich gestrickten Menschen in Europa nicht anders - ihm kritiklos an den Lippen hängen und ihm glauben, dass er für sie alles besser machen wird, ohne dass der eigene Hintern einmal bewegt oder der eigene Kopf mal für mehr benutzt wird, als der Frisur Halt zu geben. Ich nehme mir das Recht zu einem solch harschen Urteil, denn meine eigene Geschichte ähnelt in vielen Punkten der gerade erzählten.

Jetzt will ich aber nur noch ein "Happy birthday, Michelle Obama" singen...




Mittwoch, 16. Januar 2019

White bird on a winter's day

White bird
In a golden cage
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On a winter's day
In the rain
White bird
In a golden cage
Alone
The leaves blow
Across the long, black road
To the darkened skies
In it's rage
But the white bird
Just sits in her cage
Unknown
White bird must fly
Or she will die
White bird
Dreams of the aspen trees
With their dying leaves
Turning gold
But the white bird
Just sits in her cage
Growing old...

Als ich am Samstag mit der Radiosendung "Musikbonus - Mehr als nur Woodstock - 1969 in Pop" auf Zeitreise in ( auch meine ) Vergangenheit ging, wurde also auch dieser Titel der Band "It's A B Beautiful Day" gespielt, der mich damals - ebenso wie das nostalgische Plattencover - auf Anhieb angesprochen hatte. 

Ach ja, und in diesem verregneten grauen Kölner Januar passten die Lyrics auf einmal auch wieder, als ich so in meinem Gehäuse vor mich hin saß und mir eingestehen musste, dass ich das Altwerden spüre. Was verfügte ich vor jenen fünfzig Jahren über ein Gefühl unerschöpflicher Kräfte! Und was wollte ich damit Gutes für die Gemeinschaft bewirken! Bildung für alle zum Beispiel.

Jetzt werden solche wie ich als "Gutmenschen" diskreditiert, ja geschmäht, wird einem Übles unterstellt. Wie habe ich bei Durs Grünbein über den Effekt des so gebrauchten Wortes gelesen?
"Es torpediert nun alles, was auch nur einen Millimeter vom durchschnittlichen Egoismus der Mehrheitsgesellschaft abweicht, von der politisch sanktionierten Gleichgültigkeit, der nationalistisch veredelten Herzenskälte."
Wurde bei meiner Generation der erste Teil des Bibelwortes "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" als harsches Erziehungsmittel überbetont, ist inzwischen der zweite Teil das Leitmotiv und die eigene egozentrierte Einstellung wird als die einzig Wahre betrachtet. Begriffe werden in bester Orwellscher Manier umgedeutet, und die mit den sklerotischen Herzen & den vernagelten Gedächtnissen rüsten unsere Sprache wieder auf wie einst vor neunzig Jahren.

Was so ein Lied alles für Gedanken in einem auslösen kann!