Sonntag, 26. September 2021

Mein Freund, der Baum: Mammutbaum 2

Vor fast vier Jahren habe ich an dieser Stelle den Mammutbaum schon porträtiert. In diesem Post geht es auch weniger um alles Wissenswerte in Bezug auf diese beeindruckenden Baumriesen, sondern um eine Bedrohung, der sie derzeit ausgesetzt sind.

In diesem Post habe ich auch über den größten im Sequoia-/Kings-Canyon-Nationalpark (Kalifornien) vorkommenden  84 Meter hohen "General Sherman Tree" geschrieben. Der hat einen Stammdurchmesser von elf Metern, einen Umfang von 31,3 Metern und wiegt 2000 Tonnen. Sein Lebensalter wird auf  2300 Jahre geschätzt. Solche Bäume wie der "General Sherman" sind quasi ein amerikanisches Nationalheiligtum. 

Sie verdanken ihre enorme Langlebigkeit vor allem ihrer bis zu 70 Zentimeter dicken, feuerfesten Rinde. Diese sondert bei Hitze eine Flüssigkeit ab, die sich schützend über die Außenhaut legt. Mit dem hohen Gerbsäuregehalt der Rinde ist der Baum nicht nur vor Bränden, sondern auch vor Ungeziefer wie Termiten und anderen Insekten sowie vor Pilzen geschützt.

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Nun scheint gerade dieser besondere Mammutbaum durch Waldbrände bedroht, die vor über zwei Wochen in der Gegend immer wieder ausbrechen. Mehr als 350 Feuerwehrleute sind dabei, die Feuerherde einzugrenzen. Diese Einsatzkräfte wickelten auch Bäume wie den "General Sherman" in riesige feuerfeste Aluminiumdecken, um sie zu schützen. Eine Weile kann die Alu-Hülle extreme Temperaturen abhalten, indem sie Strahlungswärme reflektiert und die Bäume vor Glutregen schützt.

Auch Gegenfeuer scheinen ein wirksames Mittel zu sein: Der dadurch entstehende Mangel an Brennstoff verlangsamt die Feuer und stoppt sie gelegentlich auch. In den letzten Jahren sind nämlich bei den mehr als 7400 Waldbränden auf mehr als 2,2 Millionen Hektar Wald zehn Prozent der Riesenmammutbäume zerstört worden.

"General Sherman" scheint zumindest vorerst gerettet zu sein. Der Feuerforscher Stephen J. Pyne, Autor von über 30 Büchern zum Thema, glaubt allerdings nicht, dass es einen Unterschied macht, ob man die Baumstämme in Alufolie einwickelt oder nicht. Mammutbäume können oberflächliche Brände nämlich gut verkraften, sie erfüllen sogar einen ökologischen Zweck. Ja, die Bäume benötigen Brände sogar, um sich fortpflanzen zu können. Diese dünnen das Unterholz aus und liefern fruchtbare Asche - so entsteht Platz für neues Leben. Einige der Bäume öffnen ihre Samenkapseln erst bei dieser extremen Hitze. Ein Zuviel an organischem Abfall auf dem Boden macht das alles unmöglich. Deshalb werden in den Nationalparks auch kontrollierte Waldbrände durchgeführt, um die Regeneration der sonnenbedürftigen Mammutbäume zu fördern. 


Junge Mammutbäume bei uns im Forstbotanischen Garten schauen uns an

Aus Stephen Pynes Sicht ist "das mit der Alufolie politisches Theater. Aber manchmal ist es vielleicht sinnvoll, etwas politisches Theater aufzuführen." Die Gefahren einer natürlichen Feuerlandschaft werden weiter verschärft durch Hitzewellen und Klimawandel, meint er. Darauf aufmerksam zu machen ist gut. "Megafeuer sind eine Pathologie der Gesellschaften, die sich rasant entwickeln, angetrieben durch fossile Brennstoffe."

Wir müssten aber erneut lernen, mit dem Feuer sinnvoll umzugehen, meint Pyne: 

"Es gibt Beispiele für einen guten Umfang mit Feuer. Die Prärie zum Beispiel wurde von den amerikanischen Ureinwohnern früher nutzbar gemacht durch kontrolliertes Brennen, sonst wäre alles verbuscht. Derlei gutes Feuer schützt uns vor unkontrollierten Bränden wie das Impfen vor unkontrollierter Virusausbreitung. Wir müssen wieder lernen, mit dem Feuer zu leben und uns auf den Kontakt mit ihm vorzubereiten wie auf Regen oder Schnee."

Für mich neue Gedanken, die mich sehr beschäftigten, auch anlässlich meines Frauenporträts dieser Woche zu Eunice Foote. Deshalb stelle ich diese Inspiration heute vor statt eines neuen Baumes. Ich hatte in diesem Monat allerdings auch keine Zeit dafür, mich auf die Suche nach einem zu begeben. Aber ihr, liebe Leser*innen, seid ja mehr unterwegs als ich und bringt sicher wieder den einen oder anderen schönen Post zustande. Die Verlinkung eines solchen ist wieder fünf Wochen möglich.


 

 

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Samstag, 25. September 2021

Meine 38. Kalenderwoche 2021

"Nichts ist jemals zu 100% frei von Nachteilen."
Florian Aigner, Physiker

"Es ist interessant, 
dass viele Menschen einen größeren Wert darauf legen, 
ihr Hackfleisch im Kühlschrank wohltemperiert zu lagern, 
als sich darum zu kümmern, 
was zu hohe Temperaturen 
mit der Erde anrichten können,
die wir unsere Heimat nennen."
Mimikama

"Facebook ist ja erstaunlich gut darin, blanke Brüste zu entfernen – 
aber gegen Hakenkreuze, 
Holocaust-Leugnung und 
gefährliche Falschinformationen zur Impfung 
haben sie viel zu lange gezögert."
Michael Blume, Religionswissenschaftler


Unübersehbar: Dä Hervs kütt!
Ich hatte noch einmal Appetit auf die tollen Frangipane Tartes ( aber mit Johannisbeeren ). Flück am Samstagnachmittag gebacken und genossen bei über 23 Grad im lichten Schatten auf unserer Terrasse.

Auch das Auftreten von Kürbissen, selbst im Kitchischen Haushalt, weist doch stark auf das Heranrücken der vierten Jahreszeit hin. Ähnliche Formen, da sehr gefällig, kommen bei mir allerdings das ganze Jahr über vor...




Am liebsten wäre ich am Wochenende allerdings hinter der Mädelsgruppe mit den Enkelinnen auf dem Weg zum Wackersberg im Isarwinkel hergegangen, statt im gut bevölkerten Nippeser Tälchen ( fünf große Feiern auf der Wiese! ) nach einem Plätzchen zu suchen.


Jeder Sonnenstrahl wurde in der ersten Wochenhälfte genutzt, um kleine Runden mit dem Herrn K. zu drehen.


Dass der Herbst Einzug gehalten hat, merkt man auch daran, dass ich erstmals wieder eine Strumpfhose unterm Kleid angezogen habe. Komisches Gefühl.




Die Tag-und-Nachtgleiche erreichten wir dann am Mittwochabend um 21.21 Uhr ( mein Foto entstand drei Stunden früher ). Der Tag war durchgehend sonnig mit Temperaturen von 20°C, nachts aber sehr frisch ( ca. 8°C in Stadtteil Stammheim direkt am Rhein ).




Bei der Gelegenheit - aus dem 2. Stock fotografiere ich selten, denn die Gaubenfenster sind verdammt schwer beim Herunterklappen - habe ich auch die Riesenplatane im Hinterhof in Richtung Norden fotografiert. Die ist nämlich auch ein besonderer Baumfreund. 
Die Klimakrise hat mich in dieser Woche sehr beschäftigt, einmal wegen des Wahlkampfes, in dem sie mir zu wenig Thema ist, zum anderen wegen meines Great-Women-Posts zu Eunice Foote. Die Zeiten, dass ich mit den jungen Leuten auf die Straße gehe, scheinen nun endgültig vorbei, bin ich doch inzwischen sehr auf meinen Lebensmenschen fokussiert, den ich nicht lange zu Hause allein lassen möchte. Alles hat seine Zeit...




... und die ist halt inzwischen voller Herbstanzeichen. Hoffentlich fallen auch bald die Wahlplakate von den Laternenpfählen.



Erkenntnisse der Woche: 
  • So ein Mord wie in Idar - Oberstein musste kommen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis einer umsetzt, was er in den sozialen Medien geschrieben hat: "Ich freue mich auf den nächsten Krieg", hat der Täter schon vor Jahren formuliert. Auf Worte des Hasses folgen immer Taten. Reaktionen auf die Tat auf Telegram: "Kein Mitleid. Die Leute immer mit dem Maskenscheiß nerven. Da dreht irgendwann mal einer durch. Gut so." - "Wenns die richtigen trifft hab ich nichts dagegen" Oder: "Jetzt geht es endlich los." Ja, ernst nehmen muss man die, und wie. Aber nicht so wie es der Herr L. gemeint hat. Ein Kopfschuss ist kein "Zeichen", sondern Mord. Inzwischen mehren sich auch die Anzeichen, dass zumindest verbal immer weiter terrorisiert wird.
  • Dazu passt dann auch der Blick in die Antike: "Leichter erfrechte sich jetzt mancher zu Taten, an die er vorher nur im Geheimen gedacht hatte", schrieb der Historiker Thukydides zur Seuche, die 430 v. Chr. das antike Athen heimgesucht hatte. Wie sich Geschichte doch immer wiederholt! Zwar in anderem Gewande, aber der Charakter der Menschen scheint über die Zeiten hinweg der gleiche geblieben zu sein. Auch damals, so konstatiert Thukydides in seiner Beschreibung der Tularämie, auch Hasenpest genannt, um die es sich nach heutigem Wissenstand wohl gehandelt hat, führte die Seuche zu einem Verlust an sozialem Zusammenhalt, an Unrechtsbewusstsein und an Gesetzestreue.
  • Die Harvard-Universität hat einen Versuch durchgeführt, bei dem die Probanden die Wahl hatten, sich eine Viertelstunde still hinzusetzen und sich den eigenen Gedanken hinzugeben ODER sich in der Zeit schmerzhaften Elektroschocks auszusetzen. 67% aller männlichen und 25% aller weiblichen Probanden verabreichten sich mindestens einen Stromstoß, für so viele ist also der Schock weniger schmerzhaft als die erzwungene Introspektion. Selbsterkenntnis tut wohl weh, dann lieber einen Schocker. Das macht doch einige Beobachtungen, gerade auch in diesen Tagen, deutlich, wie es um die Spezies Mensch bestellt ist.
Lektüre der Woche: 
  • Interessantes, aufschlussreiches Interview mit dem Darmstädter Pneumologen Cihan Çelik über die Entwicklung in seinem Krankenhaus seit August dieses Jahres. Der Arzt ist mir in anderen Zusammenhängen als sehr besonnen, zugewandt, differenziert denkend und fachlich kompetent aufgefallen und ich fühle mich in diesem Urteil  durch die Lektüre wieder bestätigt.
  • Auch spannend in der augenblicklichen Sachlage ist dieser differenzierende Beitrag von Lars Wienand über die unterschiedlichen Strömungen in der Bewegung gegen die Coron*auflagen. Wienand selbst ist schon länger im Fadenkreuz der Leithammel der Bewegung und bereits jetzt in deren Kreisen auf Telegram zu lebenslänglicher Haft verurteilt, bevor er überhaupt vor das Nürnberger Tribunal gestellt worden ist, für das sich der Schwindelarzt bereits eine rote Richterrobe schneidern lässt.
  • Wer wie ich zu Zeiten der Rote-Armee-Fraktion unterwegs immer wieder gefilzt worden ist und dabei Koffer durchwühlt bzw. die ganze Autoinneneinrichtung ausgebaut wurde, weil frau der Altersgruppe der Gesuchten entsprach, der vergisst nicht, wie damals der Staat den Terror bekämpft hat. Aber offensichtlich wundere nicht nur ich mich über das Verhalten von Laschet, Klöckner, Merz und Co. in diesen unseren Tagen. Kia Vahland gibt an dieser Stelle ebenfalls ihrem Erstaunen Ausdruck.
Wochenfreude: über die neue Unterstützung im Haushalt, die in dieser Woche in über einer Stunde Arbeit unserem Badezimmer nach dem halbjährigen Baustellenzustand zu neuem Glanz verholfen hat.



 




Verlinkt wieder mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot und dem Herbstglück von Wolfgang & Loretta

Freitag, 24. September 2021

Update zur Situation in saudischen Gefängnissen

Unter dem Vorwand der Maßnahmen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie verletzt Saudi - Arabien die Rechte von Gefangenen und schränkt deren Grundrechte über die Maßen ein. Das berichtet die Europäische Saudische Organisation für Menschenrechte (ESOHR). Während die  Regierung in internationalen Foren ihre Errungenschaften im Kampf gegen die Pandemie über den grünen Klee lobt,  ermöglichen diese Maßnahmen in Wirklichkeit gerade für die in den Gefängnissen festgehaltenen Menschenrechtsverteidiger eine zusätzliche Strafverschärfung. 

Obwohl die Zahl der erhaltenen Impfdosen nach Angaben des Gesundheitsministeriums 34 Millionen überstiegen hat ( Gesamtbevölkerung 34,2 Millionen 2019 ), und trotz der Versicherung, dass bis Mai 2021 68 % der Insassen in den Staatssicherheitsgefängnissen geimpft sein sollen, sind diese Aussagen das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Die Pandemie-Maßnahmen werden dazu benutzt, gegen Gefangene und ihre Familien immer neue Willkür- und Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen.

Nach Informationen der ESOHR unterstellt z.B. die Leitung des Al-Mabahith-Gefängnisses in Dammam die Häftlinge nach dem Besuch ihrer Gerichtsverhandlungen für 10 Tage einer "Schutzquarantäne", die ihnen untersagt, mit der Außenwelt zu kommunizieren, und bringt sie in einer Zelle ohne Fernseher unter, was einer Einzelgefangenschaft gleichkommt und zu schwierigen psychischen Zuständen führt. Aus den Informationen geht hervor, dass die Gefängnisverwaltung diese Maßnahme als eine Strafe ohne Verbrechen behandelt. Aus den von der Organisation erhaltenen Mitteilungen geht ebenfalls hervor, dass einem Häftling während dieses Zeitraums seine grundlegendsten Rechte vorenthalten werden, einschließlich des Zugangs zu zusätzlicher Kleidung, was den elementaren Sicherheitsbedingungen in Bezug auf Hygiene während einer Pandemie widerspricht.

Darüber hinaus verschärft die saudische Regierung trotz der Förderung verbesserter Reise-, Einreise- und Ausreiseverfahren nach erfolgter Impfung die Gefängnisbesuche weiter. Besuche dürfen nach wie vor nur hinter einer Glasschranke stattfinden und sind nur für eine begrenzte Anzahl von Familienmitgliedern möglich, auch wenn Besucher und Häftling bereits vollständig geimpft sind.

Die ESOHR hat auch von Todesfällen im Zusammenhang mit der Pandemie in den Gefängnissen erfahren. So ist im Mai 2021 der Meinungsgefangene Zuhair Ali Shreida al-Muhammad im Gefängnis al-Ha'ir in Riad, nachdem er sich im Gefängnis mit Corona infiziert und ins Krankenhaus gebracht worden ist, dort nach einen Monat gestorben. Seine Familie hat keine Nachricht über seine Krankheit erhalten. Auch andere politische Gefangene wurden infiziert, darunter der Menschenrechtsverteidiger Mohammed al-Qahtani.

Schon seit Februar 2021 wurden der Familie von Zuhair Ali Besuche wie Anrufe verweigert. Zuhair Ali Shreida al-Muhammad hatte mit mehr als 30 anderen politischen Gefangene im Gefängnis Ha'ir dann im März 2021 einen Hungerstreik angekündigt, um gegen die Schikanen zu protestieren, die mit ihrer Inhaftierung in einer Abteilung mit psychiatrischen Häftlingen zusammenhingen wie der Verweigerung des Kontakts zur Familie und des Zugangs zu Büchern und Zeitungen.

In Ermangelung ernsthafter und unabhängiger Untersuchungen ist medizinische oder vorsätzliche Vernachlässigung eine der Hauptursachen für eine Reihe von Todesfällen während der Pandemie. Dazu gehören der Tod des Menschenrechtsaktivisten Abdullah al-Hamid im April 2020 und der Tod des Journalisten Saleh al-Shehi am 19. Juli 2020, nur zwei Monate nach seiner unerwarteten Freilassung.

Zu all dem kommt eine Einschüchterungspolitik der saudischen Regierung, die Menschenrechtsorganisationen den Zugang zu den Gefängnissen unter der Prämisse der Pandemie mehr als erschwert und damit das Sammeln von weiteren Informationen verhindert.

Vom Blogger Raif Badawi weiß ich keine Neuigkeiten.