Dienstag, 17. Juli 2018

Wischleiberl


Was für ein Wort! 

Kennengelernt habe ich es bei Eva Fuchs, die ihrem Sohn ein ebensolches nach heftigem Wunsch des jungen Mannes angefertigt hatte. Davor hatte ich schon so ein Motiv-T-Shirt bei einer anderen Bloggerin entdeckt, die auch für einen Jungen genäht hat, und bei meinem Großneffen ein gekauftes T-Shirt.

Holla, da war ich aber erstaunt!

Als pensionierte Lehrerin kriegt man ja nichts mehr mit, was so unter Kindern angesagt ist! Glitzer nun auch bei Jungen erlaubt, ohne dass der Träger gemobbt wird? Das fand ich, wie Eva, super.

Das sollten sie sich auch für künftige Sportgroßereignisse merken und nicht nur die Dame, die den WM - Pokal & Philipp Lahm schmücken darf, in einen Glitzerfummel stecken. Ich würde den Vorschlag von Kathleen Hildebrandt, den sie in diesem Artikel gemacht hat, dahingehend erweitern, dass dann nicht nur zwölf durchtrainierte männliche Medaillentabletthalter in Slim-Fit-Anzügen eingesetzt werden, sondern dass die Anzüge auch noch aus Paillettenstoff sein müssen. Mannomann, da würde ich dann auch Männerfußball gucken!

Aber zurück zur Familie und meiner Näherei: 

Der Großneffe hatte von mir ja auch einen "Fuchs-Dachs-Wisch-Glitzer" auf ein Shirt appliziert bekommen - am Wochenende schon ausgeführt:


Bei Susanne/mamimade ( glaube ich - ich hab den Post nicht mehr gefunden ) hatte ich die beiden Katzen auf einem Leiberl für die Tochter entdeckt ( ja, die Österreicherinnen inspirieren! ). Die wurden zusammen mit dem Fuchs in den virtuellen Warenkorb gelegt für die Münchner Kindl und zusammen mit einem Organic Jersey ( denn "Klumpert" mag ich auch nicht ) verarbeitet:

Die Schnittmuster für das Exemplar für die Kleine: "Lillesol Basics Nr. 2" mit den ewigen "KleinFanø" - Ärmelchen ( rechts ). Für die Große: "Mareen"/CZM mit den Ärmelchen des "V-Raglan-Shirts"/Kibadoo ( links ).

Bin gespannt, ob es ihnen gefällt. Paket ist unterwegs in den Süden...
Verlinkt mit dem CreadienstagHandmadeontuesday und Dienstagsdinge... 


Montag, 16. Juli 2018

Bellas Jahreszeiten: Estate...


... so heißt ein Dessin von Susanne Bochem/susalabim für Lillestoff, dem ich wieder mal nicht widerstehen konnte.

Gestern, an einem veritablen Sommertag mit 30°C Außentemperatur hier in der Innenstadt, habe ich mich lieber hinter meine dicken Mauern verzogen und daraus schnell ( ja, wirklich schnell ) zwei Kleidungsstückchen für meine beiden Ms genäht:



Für die Große ( rechts ) habe ich mal wieder das Schnittmuster für das "V-Raglanshirt" von Kibadoo heraus gekramt. Und für die Kleine ist es eine Tunika ( "Lillesol Basics Nr.2" mit den geliebten Ärmelchen von "KleinFanø" ).

Fotografiert habe ich während des Fußball - Finales, mehr schlecht als recht. Die Farben des Stoffdruckes sind bei weitem nicht so schrill, wie es das Foto wiedergibt. Aber da hat alle Dreherei am Fotobearbeitungsprogramm nicht viel gebracht...


Samstag, 14. Juli 2018

Meine 28. Kalenderwoche 2018



Kommt mir jetzt glatt wie eine Ergänzung zu meinem Post vom Montagmorgen über Kunst und Kultur in meiner Stadt vor:
Montagabend gingen wir zum letzten Konzert dieser Saison in die Philharmonie. Endlich ist dort auch das Umfeld wieder einigermaßen urban gestaltet mit einem Platz mit zarten Bäumen und Möglichkeiten zu verweilen ( eine Hotelterrasse mit gastronomischem Angebot liegt hinter dem Platz ).

Das städtische Orchester brillierte unter Leitung des französischen Generalmusikdirektors mit dem Schlachtross klassischer Musikaufführungen, Beethovens Fünfter, und einem Highlight der Programmmusik, Mendelssohns Hebriden Ouvertüre.

Dazwischen gab es aber auch eine Uraufführung eines Flötenkonzerts von Philippe Manoury, "Komponist für Köln 2016/17",  mit dem virtuosen Genfer Flötisten Emmanuel Pahud. Ich mag diese engagierte Programmgestaltung und freue mich schon auf die nächste Saison, für die  wir zwölf solcher Konzerte abonniert haben.

Auf der Heimfahrt erwischten wir dann einen Taxifahrer, der auch wie ich von südlich der Mainlinie nach Köln gezogen ist. Das gab eine angeregte Unterhaltung mit dem beiderseitigen Fazit, wie sehr einem Köln doch eine neue Heimat anbieten kann...

Sehr wertschätzende Brief - Post habe ich auch wieder bekommen: Meine treue Stille Leserin aus dem Schwarzwald hat mir in einem mehrseitigen handgeschriebenen Brief ihre Gedanken und Überlegungen zu einem Thema mitgeteilt, das ich im Blog einmal angeschnitten habe. Und Veronika/ Kreativhäxli hatte in einem anderen Post mitbekommen, dass ich mir ein 15x15 - Heft für und mit der Farbe Pink machen wollte ( es bisher aber nur bei er Idee beließ ). Jetzt habe ich eines mit lauter schönen Veronika - Papieren drinnen und dazu einen Druck vom geliebten Niesen. Und tolle Briefmarken hatten die Beiden dann auch noch für mich ausgesucht...

Ein virtueller Drücker in Richtung Südwesten und das Berner Oberland! Danke!



Der intensive Sommer lässt jetzt schon die Früchte der Gleditschie  erröten...

... und die öffentlichen Rasenflächen gelb werden. Da tat ein bisschen Regen am Dienstag- und Mittwochabend gut, wenn es auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein war.

Den Donnerstag dieser Woche habe ich hier schon dokumentiert. Bleibt noch der Freitag:


Da habe ich mich mit meiner Schwester getroffen und auf der Außenterrasse des "Ludwig im Museum" zu Mittag gegessen, bevor wir vor dem Notar gemeinsam mit unserem Bruder unsere "Erbauseinandersetzung" schriftlich fixiert haben. Nun hoffe ich inständig, dass das die letzte Erbgeschichte in meinem Leben war, denn solche haben mich in den vergangenen Jahren ziemlich Nerven, Schweiß & Tränen gekostet.

Überhaupt war ich am Ende der Woche doch ziemlich erschöpft- manchmal war mir von allem zu viel. Aber das kann man ja nicht fotografieren...

Am Samstag zeigte das Thermometer dann auch schon wieder 29°C an. Der Großneffe schwitzte auf einer Hochzeit im Outfit, das ich ihm genäht habe:


Da geht einem immer das Herz auf, wenn ich die Kinder in meinen Kleidungsstücken sehe.

Auch von diesen Shirts habe ich teilweise Fotos geschickt bekommen. Und die älteste Enkelin ist sogar schon in meine Fußstapfen getreten und hat sich ein luftiges Sommerkleid während eines Praktikums genäht, das sie mir stolz auf einem anderen Foto präsentiert hat. Omafreuden!


Zweiundzwanzig Jahre nach dem Sieg der von mir verehrten Steffi Graf hat sie das Turnier in Wimbledon gewonnen - mir sehr viel mehr wert als jeder Fußball - Titel! Nur wird wahrscheinlich medial kaum tagelang davon Aufhebens gemacht werden...



"Wer gerade dabei ist, zu ertrinken, 
der ist weder Flüchtling noch Migrant, 
der ist weder Afrikaner noch Europäer, 
weder Muslim noch Christ, 
der ist ein Mensch, 
der gerade dabei ist, zu ertrinken, 
und man muss alles unternehmen, um ihn zu retten."
Wolfgang Luef

"Menschlichkeit handelt nicht von individuellem Überleben oder von Flucht. 
Es ist ein Mannschaftssport. 
Was auch immer zukünftige Menschen haben werden, 
sie werden es gemeinsam haben.
Douglas Rushkoff, Medientheoretiker


Deutschland ist ein Land mit christlich-abendländischer Kultur, darauf berufen sich viele, auch die, die seit Jahr und Tag mit ihrer Propaganda Gehirnwäsche betreiben und das bis dato vorhandene Maß an Zivilisiertheit in unserer Gemeinschaft immer weiter unterminieren. In bayrischen Amtsstuben hängt zwar jetzt wieder das Kruzifix, es wirkt aber nach dem Reden der Politiker des Landes eher als ein in guter alter Exorzismusmanier benutztes Mittel zur Teufelsbannung, womit diesmal damit die Fremden gemeint sind ( Dagmar Leupold hier ).

All jenen noch einmal zur Kenntnis, die sich auf diese Wurzeln unserer Kultur berufen, was die christliche, katholische Kirche in dieser Frage formuliert hat:
Schutzbedürftige sollen aufgenommen und menschenwürdig behandelt werden, Asylsuchenden ein faires Verfahren garantiert, das Mittelmeer nicht zur Todeszone werden und die Fluchtursachen sollen bekämpft werden.

( Inzwischen gibt es eine Initiative von Christinnen und Christen, die die  Regierungen in der EU, aber auch die Kirchenleitungen auffordern, die Menschenwürde ohne politische Rücksichtnahme zu verteidigen - hier kann man unterschreiben. )

Ich will heute mal ein paar Überlegungen zum Thema "Fluchtursachen bekämpfen" aufschreiben, die ich wichtig finde, weil wir Europäer in der Verantwortung sind, was an Entwicklung auf dem afrikanischen Kontinent schief läuft. Darauf hat mich zum einen ein Gespräch im Radio gebracht, dass dort mit Veye Tatah aus Kamerun geführt worden ist, zum anderen eines mit meinem Bruder, der als Arzt in Burkina Faso gearbeitet hat.

Vorneweg: Die 54 Länder des afrikanischen Kontinents sind nicht homogen. Und nicht alle sind von Armut und Konflikten gezeichnet. Ein Land wie Botswana z.B. hat sich von einem der ärmsten Länder der Erde zu einem mit mittlerem Einkommen entwickelt und verfügt über das höchste Kredit-Rating in Afrika. Der durch Diamantenminen gewonnene Reichtum wird tatsächlich überwiegend in die Entwicklung des Landes investiert. Ruanda wiederum, nach dem Völkermord an den Tutsi ebenfalls eines der ärmsten Länder des Kontinents, hat durch die Ausbeutung von Rohstoffen in den östlichen Kongoprovinzen starke wirtschaftliche Fortschritte erzielt und steht damit in einem Ranking afrikanischer Staaten mit an vorderster Stelle. Dass es mit seinem demokratischen Verständnis nicht unseren Maßstäben genügt, wird nicht bestritten. Veye Tatah meint dazu, dass es einem armen Afrikaner erst einmal wichtiger sei, seinen Bauch zu füllen als über Demokratie nachzudenken.

Menschen fliehen aus Ländern Afrikas, weil sie keine Perspektive haben, keine Arbeitsplätze, keine Garantie auf ein Leben in Sicherheit. Obwohl Afrika reich an Rohstoffen ist, profitiert die Bevölkerung in vielen Länder nicht von diesem Reichtum, weil ausländische, multinationale Firmen daran verdienen und eine Kaste von Oligarchen in den einzelnen Ländern das Geld in die eigene Tasche steckt.

Es dominieren in den Regierungen oft die alten Männer, die ihre Bildung noch in den Kolonialzeiten in Missionarsschulen oder im Ausland wie Frankreich & England erhalten haben und die die Überzeugung pflegen, dass die Menschen in ihren jeweiligen Ländern nicht in der Lage seien, selbst die Verantwortung für ihr Leben zu tragen. Eine mentale Revolution in der Bevölkerung, wenn junge Menschen ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen und für die Allgemeinheit denken und handeln wollen, wird oft ausgebremst und auch von den Ländern des Westens weder ideell & noch moralisch unterstützt. Im Gegenteil, europäische oder amerikanische Politiker hofieren die alten Machthaber mit Entwicklungshilfe und Militärunterstützung und sorgen mit dafür, dass sie ihre Bevölkerung in Schach halten. Man kann aber nicht auf der einen Seite die Flüchtlinge in ihren Ländern halten und andererseits die alten Strukturen weiter unterstützen - siehe oben.

Kontraproduktiv wirkt sich auch die westliche Entwicklungshilfe aus - ja, man kann sie schon fast bösartig nennen - denn sie war immer ein Werkzeug, um die Länder Afrikas in Abhängigkeit zu halten und um geopolitische Entscheidungen des Westens durchzusetzen. Sie hat die Mentalität in diesen Ländern gefestigt, dass wahre Entwicklung nur von außen kommen kann, so dass sich eine nahezu tödliche Passivität und Initiativlosigkeit breit machen konnte. Durch Entwicklungshilfe ist das wirtschaftliche System in den afrikanischen Ländern völlig deformiert. Das ist ein externer Faktor für die Malaise.

Ein interner Faktor ist die fehlende Bewusstseinsänderung der Menschen in Führungspositionen: So lange Geld von außen kommt, ist doch alles egal, denn der eigene Reichtum ist ja garantiert. Was kümmert da die Förderung & Entwicklung eigener kreativer unternehmerischer Kräfte! Es werden also keine Infrastrukturen bereit gestellt, keine Sicherheit geschaffen, produktionshemmende Steuergesetze verändert, bis die Menschen jede Eigeninitiative aufgeben.

Wenn hingegen kein Geld mehr von außen kommt, sind die Regierungen in den Ländern gezwungen, sich selbst darum zu bemühen, dass wirtschaftliche Strukturen aufgebaut, die Rahmenbedingungen dafür verbessert, Arbeitsplätze geschaffen werden, um auch Steuereinnahmen generieren zu können, und so ein wirtschaftlicher Kreislauf in Gang kommt. An dieser Stelle sind dann auch echte Kredite hilfreich, die den Empfänger verpflichten, sein Geschäft erfolgreich zu verfolgen, um diese zurückzahlen zu können.

In der Kritik aus westlicher Sicht steht auch immer wieder das Bevölkerungswachstum in den Ländern, aus denen die Menschen sich nach Europa aufmachen. Dazu nur so viel: Es ist vor allem deswegen so hoch, weil diese Länder so wenig entwickelt sind und die Bewohner wenig Pers­pektiven haben. Erst mit der Aussicht auf ein planbares Leben beginnen die Menschen auch die Größe ihrer Familie zu planen. Perspektiven eröffnen sich erst, wenn eine Gesundheitsversorgung den Menschen und ihren Kindern ein Überleben sichert, wenn sie über Bildung befähigt werden, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und wenn sie eine Beschäftigung finden, von deren Bezahlung sie leben können. Sinkt die Kindersterblichkeit, sinkt auch die Geburtenrate. Bildung von Frauen ist ebenfalls ein sehr effizientes Verhütungsmittel,

Verifizierbar ist diese Aussage an den beobachtbaren Entwicklungen in den Ländern, wo die Regierungen zum richtigen Zeitpunkt in ­Gesundheit, Bildung und Arbeitsplätze investiert ­haben und sich das Wohlergehen der Menschen verbessert hat. Erst dann hat auch die Demokratisierung in unserem Sinne eine Chance.

Bleibt noch ein weiterer, nicht unwesentlicher Punkt: Der Kampf gegen Fluchtursachen muss verbunden werden mit Maßnahmen in den Ländern des Westens, die gegen die Abwälzung von Kosten unseres energie- und ressourcenintensiven Lebensstils auf kommende Generationen, die Natur und die Herkunftsländer der zu uns flüchtenden Menschen gerichtet sind.

Das alles ist nicht so einfach wie permanent & penetrant nach Abschottung zu schreien...






Verlinkt mit Andreas Samstagsplausch und dem Gartenglück von Wolfgang & Loretta und Ghislanas Naturdonnerstag