Donnerstag, 23. Juli 2026

Great Women #464: Käte Strobel

Der Frau, der wir heute zu ihrem 119. Geburtstag gratulieren dürften, habe ich sogar einmal als Jugendliche die Hand geschüttelt, denn ich war als Schülerzeitungsredakteurin 1969 zu einer Pressekonferenz in ihrem Ministerium, dem der Gesundheit, geladen, als sie den ersten Sexualkunde - Atlas des Landes vorgestellt hat. Diese Ministerin war Käte Strobel und ich sehe sie heute noch vor mir mit Perlenkette und der damals üblichen toupierten Frisur wie die meiner Mutter...

 


"Politik ist eine viel zu ernste Sache, 
als dass man sie allein den Männern überlassen könnte."

Käte Strobel kommt also am 23. Juli 1907 als Katharina Elsa Müller, viertes von sechs Kindern - Karl (*1899), Richard (*1902) und Erna (*1905) sind schon vorher da gewesen, Hugo & Hanna werden noch folgen - der Anna Breit, 29 Jahre alt, und des gleichaltrigen Friedrich "Fritz" Müller im  Arbeiterstadtteil Gibitzenhof im südlichen Nürnberg zur Welt. Die Mutter kommt aus Weidenbach in Mittelfranken und hat vor ihrer Ehe als Köchin gearbeitet, ihr Mann stammt aus einer Schäferfamilie im 23 Kilometer von ihrem Heimatort entfernten Sammenheim. Noch ist er als selbständiger Schuhmacher tätig. 

Das Haus im Jahr 2014
1912 zieht die Familie in ein Häuschen im Buchenschlag 3 in einer genossenschaftlichen Gartenstadtsiedlung. Das ist schon erwähnenswert, denn damit bekommt das kleine Mädchen in die Wiege gelegt, solche Prinzipien wie die Liebe zur Natur, zur Gemeinschaft, zum solidarischen Einstehen füreinander, denn die Grundstücke sind Gemeineigentum der - zunächst von 155 wohnungssuchenden, mehrheitlich
der Sozialdemokratie nahestehenden Menschen 1908 gegründeten - Baugenossenschaft Gartenstadt Nürnberg. Die Häuser werden mit gegenseitiger Unterstützung gebaut, oft in Eigenleistung. Hinter den Häusern im damals verbreiteten Heimatstil gibt es Gärten, die der Selbstversorgung mit Gemüse dienen und der Kleintierhaltung, auch einen Spielplatz für die vielen Kinder. Sebst ein Konsumverein wird installiert, in dem die Müllers Mitglied werden, und der die Lebensmittel über die GEG zu günstigeren Preisen organisieren kann. Die Familie sieht sich auch in der Lage, unter diesen Umständen ein Pflegekind aufzunehmen.

Im September 1913 wird "Käddala", so wird sie gerufen, in Gibitzenhof im Herschelschulhaus  als Schülerin aufgenommen. Mit den anderen Kindern aus der Siedlung macht sie sich jeden Tag auf den halbstündigen Weg dorthin, im Sommer gern entlang eines alten Kanals. Sie ist eine gute Schülerin, die nach vier Jahren an die Simultanschule am Rangierbahnhof wechselt, auf der Kinder aller Konfessionen wie auch solche ohne Religion unterrichtet werden. Käte ist zwar getauft, die Eltern erziehen sie aber nicht religiös, und sie wird nach ihrer Konfirmation mit sechzehn Jahren den Austritt aus der evangelischen Kirche erklären. 

Sie ist eigentlich eine, die in Betragen immer eine "Eins" auf dem Zeugnis hat. Aber dennoch gibt es Situationen, in denen sie sich "Pfötschla" vom Lehrer einhandelt, nämlich beim Vorsagen zur Unterstützung ihrer Banknachbarin oder wenn der Federhalter Tintenflecken am Finger hinterlässt. Ihre größere Schwester Erna trifft es allerdings schlimmer, als die im Religionsunterricht auf eine Frage nach Jesus antwortet: "Jesus war der erste Sozialdemokrat." Und der Bruder Richard erhält eine öffentliche Bloßstellung wie eine schlechte Note, weil er in einem Aufsatz zum Berufswunsch "August Bebel" angeben hat.

Ja, die Müllers sind eine Familie, in der an den Abenden aus Büchern von Sozialisten vorgelesen wird, darunter August Bebels "Die Frau und der Sozialismus". Käte hört auch gerne von Rosa Luxemburg, weil die sich nicht mit der Ungerechtigkeit in der Welt abfinden mag. In der Familie wird gerne diskutiert und schon früh engagieren sich die ältesten Kinder politisch. Sie sind auch dabei, als es bei einem Besuch des Prinzregenten Luitpold von Bayern schulfrei gibt und die Gartenstädtler auf ihren Hunger aufmerksam machen statt zu jubeln. Käte wird aber später auch bekennen: "Da sind die Courths-Mahler-Heftchen, meine Schwester und ich haben sie leidenschaftlich gern gelesen. Wenn meine Mutter kam, haben wir sie immer vor ihr verstecken müssen! "( Quelle hier )

Erst 1916 wird der Vater zum Kriegsdienst eingezogen, weil er zunächst an der Armenkrankheit Lungentuberkulose gelitten hat. Und auch der Bruder Karl muss mit sechzehn Jahren in den Krieg. Glücklicherweise kehren beide wieder heil zurück. Der Vater arbeitet in einer fränkischen Schuhfabrik und wird einmal, da Vertrauensmann, gekündigt. Doch die Kollegen treten in den Streik für seine Wiedereinstellung. Später wird er Gewerkschaftssekretär im Zentralverband der Schuhmacher und engagiert sich in der 1917 gegründeten Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), kehrt aber 1922 in die SPD zurück. Bis 1933 wird er dann Stadtrat in Nürnberg sein.

"In meiner Schulzeit hat mich immer belastet, daß wir Freischüler waren und die Bücher nicht selber kaufen konnten. Von daher stammt mein Engagement für Erziehungsfragen, für die kostenlose Bereitstellung sämtlicher Lehr- und Lernmittel und für die Simultanschule. Ich habe meinen Kopf durchgesetzt, daß ich wenigstens die Handelsschule besuchen konnte."

Das ist 1921 der Fall. Sie ist immer eine Kämpferin. Und da sie nicht Gärtnerin werden kann - der Vater meint, das habe keinen Sinn, wenn man nicht Eltern hat, die einem eine Gärtnerei verschaffen können - wählt sie diesen Weg. Wie ihre Schwester Erna ist sie ab 1920 in der Sozialistischen Proletarierjugend, der Jugendorganisation der USPD. "Bei uns herrschte eine gewisse Überheblichkeit gegenüber der Arbeiterjugend, die wir als 'Tanzjugend' bezeichneten. Für uns waren das Volkstänzer, während wir uns auf Bildung konzentrierten."

1925
"In meiner Jugend habe ich alles verschlungen, was es zu lesen gab. Geographische und naturkundliche Schriften haben mich ungemein interessiert. Die Anregungen bekam ich über die Sozialistische Proletarierjugend und auch über den '
Offenen Zeichensaal' in Nürnberg, wo Weiterbildung am Abend angeboten wurde. Der 'Offene Zeichensaal' war von der Stadt organisiert, erst später gab es daneben die Volkshochschule. Damals habe ich auch an der Volkshochschule ein Seminar über die Vereinigten Staaten von Europa besucht. Mich hat das schon immer bewegt."

Mit achtzehn tritt sie dann in die SPD ein, nimmt aber schon ab ihrem 14. Lebensjahr an Treffen der Kinderfreundebewegung (RAG) teil. Die Gruppe in der Gartenstadt nennt sich "Die Falken", diskutiert, singt, bastelt miteinander und gibt sich Gebote wie "Wir trinken keinen Alkohol, rauchen nicht und lesen keine schlechten Bücher." Die wird von Schwester Erna geleitet. Mit siebzehn bekommt Käte dann ihre eigene Gruppe.

Die Kinderfreunde sind in der Weimarer Republik Teil der "Sozialdemokratischen Familie" wie  Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Frauenorganisation. Trotz der von der Sozialdemokratischen Partei gewährten Entscheidungsfreiheit in ihren eigenen Angelegenheiten ist die RAG eine unselbständige Parteigliederung gewesen. Bei der RAG lernt Käte auch deren Nürnberger Vorsitzenden Hans Strobel kennen, drei Jahre älter als sie, der als Schriftsetzer bei der SPD-geführten "Fränkischen Tagespost" arbeitet. Sie, die bis dahin noch nie aus Nürnberg herausgekommen ist, ist fasziniert von der Weltläufigkeit des jungen Mannes, der zwei Jahre als Geselle auf Wanderschaft gewesen ist.

Kinderrepublik Seekamp
(1927)
Sie selbst verdient nach ihrer Ausbildung als Bürokraft ihren Lebensunterhalt ab 1923 als Kaufmännische Angestellte beim bayerischen Landesverband für Obst- und Gemüseanbau - immerhin hat sie jetzt indirekt mit dem Gartenbau zu tun! 

Abends nach der Arbeit verfassen die beiden jungen Menschen im Büro der Parteileitung Positionspapiere, vervielfältigen sie auf Matrizen, führen gemeinsam Gruppenabende und am Wochenende Wanderungen mit  Kindern durch. 1925, mit achtzehn, wird Käte schon Landesvorsitzende der Kinderfreunde in Bayern, 1932-33 Mitglied im Reichsvorstand. 1925 macht sie es für die Kinder ihrer Gruppe möglich, zum großen Zeltlager in Seekamp am Westufer der Kieler Förde zu fahren und an der Kinderrepublik mit zweitausend anderen Kindern teilzunehmen, um dort Demokratie zu lernen!

1928 heiraten Käte und Hans Strobel, einundzwanzig- bzw. vierundzwanzigjährig.

"In unseren ersten Ehejahren hatten wir keine Zeit für eigene Kinder, weil wir uns um die Kinder anderer Leute gekümmert haben. Wir wollten auch noch keine Kinder. Das hing auch mit dem § 218 zusammen. Wir waren damals in einem Verein für Sexualhygiene. Das war eine Organisation, die Hilfe bei der Empfängnisverhütung und, wenn nötig, auch für einen Schwangerschaftsabbruch anbot."

Das sind also schon damals Fragestellungen, die Käte Strobel erst Jahrzehnte später wieder als Bundesministerin aufgreifen wird, denn 1933 wurde auch sexuelle Aufklärung zum Tabu. Mit der Macht­übernahme durch die NSDAP und dem Parteien­verbot für die SPD 1933 ändert sich für die poli­tisch aktiven Ehe­leute auch ihre Lebens­situation grund­legend. Julius Streicher, der selbsternannte Frankenführer, suspendierter Volksschullehrer aus der Scharrerstraße, gibt jetzt in der Stadt den Ton an. 41,7 Prozent der gültigen Stimmen hat die NSDAP bekommen, die SPD 33,2 Prozent ...

Während Käte Strobel in ihrer alten Firma ver­bleiben kann, verliert ihr Mann aufgrund seiner Tätig­keit für die sozial­demokratische Jugend­organisation "Kinder­freunde" seinen Arbeits­platz. Er wird als "roter Lump" bezeichnet, von SA- Männern zu Hause abgeholt, später ins braune Haus in der Marienstraße gebracht. Kätes Gesuch, ihm Lebensmittel bringen zu dürfen, wird "aus grundsätzlichen Erwägungen" abgelehnt.

"Mein Mann war zum Beispiel im Loch-Gefängnis unterm Rathaus. Das sind die alten Loch-Gefängnisse, wo die Gefangenen in Einzelhaft bis zum Bauch im Wasser standen. [... ]Mein Mann hat darüber nie gesprochen, auch über Dachau nicht."

Mit dem Verbot der SPD und ihrer Einrichtungen wird nicht nur ihr Mann, auch ihr Vater und zwei ihrer Brüder arbeitslos. Ihr Schwager Karl Maly, der Mann der Schwester Erna, wird als Stadtrat sofort nach Dachau deportiert. Sie selbst kann ihren Arbeitsplatz als Buchhalterin bis zur Geburt der ersten Tochter im Jahr 1938 behalten, weil sich ihr Chef, ein sehr engagierter Mann bei der Bayerischen Volkspartei, mutig vor sie stellt, auch als der Gerichtsprozess in München nach fünfzehn Monaten in Haft gegen ihren Mann beginnt. Hans Strobel ist aufgeflogen, weil er mit gemeinsamen Freund aus der Kinderfreunde-Bewegung eine Widerstandsgruppe gegründet hat:

"Nach 1933, als die meisten Männer einen Zeitschriftenverteiler organisiert hatten, war mein Mann der Kontaktmann zur Nachrichtenübermittlung über Fritz List in Berlin zur Partei in der Tschechoslowakei. Er hat mit Tinte, die man nachher nicht mehr lesen konnte, seine Berichte geschrieben, die Fritz List bei uns abgeholt wie auch im ganzen Reich gesammelt hat. In dieser Zeit konnte ich nie schlafen - aus purer Angst. Mein Mann sagte immer: 'Ich kann gut schlafen, ich habe ein ruhiges Gewissen.' Sein Gewissen war nur beruhigt, weil er etwas gegen die Nazis tat."

1934 wird er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Hochverrats verurteilt und anschließend in das Konzentrationslager Dachau deportiert, aus dem er 1937 entlassen wird. Erst nach einem Jahr findet er wieder Arbeit als Schriftsetzer, kann sogar seinen Meister machen. 1938 bekommen Käte und Hans, wie schon erwähnt, ihr erstes Kind, die Tochter Traudel. Ilse wird 1941 folgen. 1943 wird Hans einem Strafbataillon im Zweiten Weltkrieg zugeteilt. Bei einem Bombenangriff auf Nürnberg wird die Wohnung Kätes zerstört und sie muss mit den Kindern Zuflucht auf einem Bauernhof im zwanzig Kilometer entfernten Götzenreuth nehmen, wo schon ihre Eltern untergekommen sind. 

1940er Jahre
Hans gerät  bei Kriegsende in jugoslawische Kriegsgefangenschaft. Da ist Käte schon wieder in einer kleinen Wohnung in Nürnberg untergekommen und engagiert sich wieder politisch, hilft beim Wiederaufbau der SPD in Nürnberg. Auch setzt sie sich ein, dass ihr Mann als Antifaschist frei kommt. "Hoffentlich hast Du jetzt trotz unserer zwei Kinder Zeit für die Politik!", schreibt er ihr aus der Kriegsgefangenschaft. "Frauen brauchen wir jetzt besonders notwendig." 1946 kann er, mit Malaria geschlagen, heimkehren. 

"Als mein Mann zurückkam, war ich bereits Kandidatin für den Bayerischen Landtag. Dann wurde ich für den Bundestag aufgestellt." 1947 findet der erste Parteitag der SPD in Nürnberg statt, Käte mittendrin. 1949 wird sie also in den Bundestag gewählt, dem sie bis 1972 angehören wird. 28 von 410 Abgeordneten sind damals Frauen, also knapp 7 Prozent.

"Steht nicht dauernd an der Klagemauer, sondern leistet praktische Arbeit auf Gebieten, in denen wir den Männern beweisen können, daß wir nicht nur Sozial- und Frauenpolitik machen", fordert sie ihre Parteigenossinnen auf, muss aber auch immer wieder hinnehmen, dass männliche Kandidaten bevorzugt werden: "Hier werden keine Weiber gewählt", bekommt sie zu hören. Das Parlament erreicht sie nur über einen sicheren Listenplatz. Erst 1957 wird sie als Direktkandidatin für Nürnberg akzeptiert. Da ist sie auch schon im Europaparlament, dessen Vizepräsidentin sie 1962-64 ist.

Hans Strobel hält Käte den Rücken frei. Er arbeitet in der Nürnberger Stadtverwaltung und kümmert sich um Haushalt und Kinder, während seine Frau zwischen Bonn und Nürnberg und später Straßburg pendelt. "Er war hundertprozentig für die Gleichberechtigung", wird sie in einem späteren Interview bekennen. Frauen wird es im Bundestag schwer gemacht ( vergleiche auch diesen Post ). Die in der Not des Krieges selbständiger gewordenen Frauen sollen ihren angestammten Platz in der Gesellschaftsordnung wieder einnehmen, so will es das Patriarchat, geradezu verkörpert im Bundeskanzler Konrad Adenauer.

Von links nach rechts: Herta Gotthelf, Käte Strobel, Irma Keilhack, Marta Schanzenbach, Annemarie Renger

Käte Strobel macht sich schnell einen Namen als Expertin für Verbraucher- und Ernährungspolitik. Sie sucht das Gespräch über Parteigrenzen hinweg und bringt die wenigen Frauen im Parlament zusammen. Das ist auch in ihrer Partei nicht einfach:

"Im geschäftsführenden Vorstand war bis 1958 Herta Gotthelf für die Frauenarbeit und die 'Gleichheit! zuständig. Wir haben die Herta alle geliebt. Sie war ungemein aktiv, sie kam aus der Emigration. Aber es gab immer Meinungsverschiedenheiten mit Herta, weil sie dagegen war, daß wir in den überparteilichen Organisationen mitgearbeitet haben, also in der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie war für die Isolation - so haben wir es genannt."

1958 wird Käte auf dem Stuttgarter Parteitag der SPD in den Parteivorstand gewählt. Zusammen mit Irma Keilhack und Marta Schanzenbach repräsentiert sie eine neue Generation von Frauen in der Parteiführung. 1961 bereiten sie im Bundesfrauenausschuss die sog. "Frauenenquete" vor, die auf Antrag der SPD - Frauen eingerichtet werden soll. Der Bundestag wird diese Enquete "Frau und Gesellschaft" 1964 in Auftrag geben und sich am 25. Januar 1965 mit dem ersten Bericht kritisch auseinandersetzen. Später gehört Annemarie Renger dazu, die 1966 Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses wird.

Käte sucht den Austausch auch im sog. Hofgartenkränzchen ( genannt nach der Lokalität in Bonn ), ein kleiner, offener Diskussionskreis, in den unterschiedliche Gesprächspartner eingeladen werden, um auch alternative Möglichkeiten zu diskutieren, darunter Sozialdemokraten aus dem Wirtschaftsrat.  Es ist typisch für sie, dass sie keine Entscheidung treffen kann, ohne vorher mit Menschen anderer Meinung gesprochen zu haben.

Vor dem Haus in der Minervastraße 30,
wo sie mit ihrer Familie wohnt
(1961)
© Archiv/Fried.-Ebert-Stiftung
Sie selbst ist über die Zusammenarbeit mit Herbert Kriedemann in der Landwirtschafts- und Verbraucherpolitik in diesen Kreis geraten. Als der ihr einmal in einer Diskussion um die Erhöhung des Butterpreises in der ersten Wahlperiode vorgeworfen hat: 
"Wenn man natürlich von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, kann man leicht für einen niedrigeren Butterpreis eintreten", hat ihm Käte gekontert: "Ich habe zwar nicht wie du sechs Semester Volkswirtschaft studiert, aber als Hausfrau gelernt, wie sich eure Gesetze aus dem Wirtschaftsrat auf uns ausgewirkt haben." 
Durchsetzen kann sie sich nicht, erhält aber später von einem der Befürworter die Rückmeldung: "Ich habe mit meiner Frau darüber gesprochen. Sie hat gesagt, Frau Strobel hat Recht!"

Kätes weiterer Aufstieg hängt nun eng mit dem Wandel der SPD  und der politischen Sphäre im Nachkriegsdeutschland zusammen. Seit dem Godesberger Programm 1959 ist die Partei mehrheitsfähig und bereit, den ewigen Kanzler Adenauer abzulösen. 

Dieser wird von seinen Parteikolleginnen immer offensiver gedrängt, endlich auch eine Frau als Ministerin zu nominieren. "Was sollen wir mit einer Frau im Kabinett? Dann können wir nicht mehr so offen reden", soll er entgegnet haben. Als bekannt wird, dass er auch 1961 keine Frau in einem solchem Amt vorgesehen hat, gibt es eine Sitzblockade durch Helene Weber, die "katholische Frauenrechtlerin", und Aenne Brauksiepe, Vorsitzende der Frauen-Union. Ein bestehendes Ressort will Adenauer nicht hergeben, Elisabeth Schwarzhaupt wird deshalb die allererste Gesundheitsministerin der Bundesrepublik Deutschland. 

In der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger ab dem 1. Dezember 1966 löst Käte sie dann ab. Eine Frau in der Mannschaft ist den Männern eigentlich immer noch eine zu viel. Käte hält Elinor Hubert, eine Ärztin und führend in der Gesundheitspolitik der SPD, für viel besser geeignet:

"Ich weiß nur, daß ich dachte, wenn also schon ein Ministeramt einer Frau angeboten wird, dann darfst du nicht nein sagen. Das war eigentlich die grundsätzliche Überlegung, so daß ich dann ja sagte."

Es ist ein Ministerium, das wenig Kompetenzen hat und von Juristen dominiert - auch Schwarzhaupt ist Juristin gewesen, ihr Staatssekretär ebenfalls, auch einige Abteilungsleiter.

"Im Ministerium herrschte eine massive Antistimmung. Es war ein ganz schwarzer Laden. Ein Mediziner, der eine Unterabteilung leitete, hatte in der Kantine öffentlich darüber gesprochen, daß ich nicht einmal wisse, wie man Fremdwörter ausspreche. Eine Volksschülerin werde den Ärzten vor die Nase gesetzt. In diese Richtung gingen die Angriffe. So etwas hat bei mir immer dazu geführt, daß ich mir sagte: 'Denen werde ich beweisen, was ich kann.'"

"Bambi" für "Helga"
(1969)
© DPA
Mit einer Grundgesetzänderung im Bundestag setzt sie zunächst mehr Zuständigkeiten für ihr Ministerium durch. Gegen die Kindersterblichkeit führt sie Pflichtuntersuchungen für Mütter und Säuglinge ein, sorgt dafür, dass Krankenhausgeburten eine Kassenleistung werden, gründet 1967 die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kämpft für die Liberalisierung von Abtreibungen und ordnet die Antibabypille auf Rezept an. Da ist es also wieder, Kätes Thema aus der Weimarer Republik! 

Für Wirbel sorgt allerdings der Aufklärungsfilm "Helga - Vom Werden menschlichen Lebens", der erstmals eine Geburt auf der Kinoleinwand zeigt - ein Horror für konservative Berufspolitiker! Ob sie die eine Million Mark, die er in die Staatskasse gespült hat, verachtet haben?

Besonderes Aufsehen erregt auch die Publikation des eingangs erwähnten Sexualkunde-Atlasses, der für alle 13- bis 15-jährigen Schüler*innen als einheitliches Unterrichtsmittel zur Sexualerziehung dienen soll. 
"Der Atlas umfasste 48 Seiten, die in zwölf Kapitel unterteilt waren. Er enthielt Themen wie Geschlechtsorgane, Befruchtung und Schwangerschaft. Ethische, soziale oder emotionale Aspekte wurden nicht behandelt. Kritische Themen wie zum Beispiel Homosexualität sowie Masturbation wurden ausgespart." ( Wikipedia )
Auch die Diskussion  über das Aufklärungswerk polarisiert die Gesellschaft der damaligen Zeit. In meiner ( Nonnen- ) Schule ist er jedenfalls nicht zum Einsatz gekommen, und mir als Siebzehnjährige hat er auch viele meiner Fragen nicht beantwortet. Er ist einfach zu sehr konservativ - familienorientierten Werten verpflichtet gewesen, der jungen Generation ist es damals um viel mehr als Aufklärung gegangen. Hanna-Renate Laurien, damals Oberstudiendirektorin der Königin-Luise-Schule in Köln ( die sich 1967 eingesetzt hat, dass eine schwangere Schülerin entgegen damals geltenden Gesetzen zum Abitur zugelassen wurde! ), äußert sich: "Es soll noch Leute geben, die von keuschen und unkeuschen Küssen sprechen und diese auch genau unterscheiden können." Genau das war das Thema im Lehrerzimmer meiner Schule, was Begegnungen mit Schülern der Jungengymnasien auf gemeinsamen Festen anbelangt hat.

Immerhin landet das Buch auf der Spiegel- Bestsellerliste und ist im Buchhandel schnell ausverkauft und die Popularität der Ministerin steigt ( 1971 ist sie laut INFAS die bekannteste Politikerin Deutschlands ). Ihrem Mann wird beim Einkauf von einer Mutter mit Kind allerdings auch zugeraunt: "Wissen sie eigentlich, dass ihre Frau in die Hölle kommen wird?" Natürlich erhält sie viele anonyme Drohbriefe.

Der Sexualkundeatlas wird in sechs Sprachen übersetzt und kommt auch in Skandinavien heraus, wo man im Grunde wesentlich weiter in diesen Fragen gewesen ist. 

Käte Strobel nimmt die Ideen der 68er auf, die Autoritäten und Rollenbilder offen infrage stellen. Ihre Rolle bei der Aufhebung von Tabus im Sexualbereich ist bedeutend. Ich möchte auch behaupten, dass ihr Beitrag zur Reform des § 218  heute gerne unterschätzt wird. Im Gesundheitsministerium wird das Problem eifrig diskutiert, zuständig  für die Gesetzesvorlage bleibt aber das Justizministerium. Doch die rührige Politikerin bleibt bis heute ein blinder Fleck in der Zeitgeschichtsschreibung: Sie lässt sich halt schwer vereinnahmen, weder von den Männern ihrer Generation noch von den Feministinnen danach. In den Augen der zweiten Frauenbewegung ist sie dann zu konservativ, meint auf jeden Fall Nadja Lissok in einem Artikel für die "Süddeutsche".

Ebenso Kätes Beitrag zum Gesundheitsschutz in Ernährungsfragen wie die ersten Initiativen ihres Ministeriums für die Umweltpolitik mit dem ersten Lärmschutzgesetz fallen heute gerne unter den Tisch. Auch ein Gesetz zur Luftreinheit ist so gut wie fertig gewesen bis zur Bundestagswahl 1969. Auch das ist völlig untergegangen, dass das Gesundheitsministerium damals in der Großen Koalition federführend in Sachen Umweltschutz gewesen ist.

"Es gab einige harte Erlebnisse. Mein Mann hat immer gesagt, ich sei ein Pflichtmensch. Und ich bin es der Partei gegenüber auch immer gewesen. Ich habe mich immer gefragt, ist das für die Partei gut, oder hast du jetzt etwas gemacht, was der Partei schadet?

Mit Willy Brandt beim Oktoberfest
(1970)
Im Bundestagswahlkampf von 1969 hat ihre Partei propagiert, dass die Zahl der Ministerien verringert werden müsse. So kommt es, dass sie im Oktober 1969 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit wird. Alleine als Gesundheitspolitikerin abgestempelt zu sein - das hat sie nicht gewollt. So muss sie jetzt aber auch zu ihrem Leidwesen den Schwerpunkt "Umwelt" an das Innenministerium mit Friedrich Genscher abtreten.

In ihrem neuen Amt betreibt sie die Reform des Ausbildungsförderungsgesetzes ( BAFÖG ) und des Jugendwohlfahrtsgesetzes und führt die Förderung von Schülern und Schülerinnen aus Arbeiterfamilien, insbesondere der Mädchen, ein, um ihnen den Besuch einer weiterführenden Schule zu ermöglichen. 1972 richtet sie bzw. ihr Ministerium ein Naturfreundehaus im Oberbergischen, damals noch "Familien-Ferien-Zentrum Lieberhausen", später in Käte-Strobel-Haus umgetauft, als Familienerholungsstätte ein, um sozial benachteiligten Familien einen Urlaub zu ermöglichen.

im Gespräch mit Hans-Dietrich Genscher
während einer Plenarsitzung des Bundesrats,
( Juli 1971 )
CC BY-SA 3.0 DE


An der Abstimmung über den Entwurf des Justizministers Gerhard Jahn zum § 218 - Indikationsregelung oder Fristenregelung - ist Käte Strobel nicht mehr beteiligt: 1972 ist sie auf eigenen Wunsch hin aus ihrem Amt ausgeschieden und nicht mehr im Bundestag vertreten. Sie ist nun  65 Jahre alt, im Rentenalter also, und seit 23 Jahren Bundestagsabgeordnete. Zu ihrem Geburtstag reist sie mit ihrem Mann nach Hammerfest in Norwegen.

Aber sie wird noch weitere sechs Jahre politisch aktiv bleiben, obwohl ihr Mann gehofft hat, sie würde sich jetzt mehr auf das Private einlassen. Auf Platz eins der SPD-Stadtratsliste in Nürnberg führt das bei der Bevölkerung überaus beliebte "Käddala" die SPD im Jahr der Brandt-Euphorie mit 56,1 Prozent zu ihrem bis heute besten Ergebnis. Sie wird im Stadtrat Fraktionsvorsitzende. "Sie war eine tolle Frau, die uns Junge auch gleich in die Verantwortung genommen hat", sagt  SPD-Chef und Nürnberger Bürgermeister bis 1996, Willy Prölß, später. Ihre Tochter Ilse Hammes wird 1996 selbst Stadträtin in Nürnberg.

1978 stirbt Hans Strobel an Lympdrüsenkrebs. Zusammen mit ihrer Tochter Ilse und deren Familie zieht sie nun nach Herpersdorf in ein Doppelhaus, denn alleine leben möchte sie nicht. Der älteste Enkel lebt bei ihr in der Wohnung. Als Babysitterin für die drei Kinder ihrer Tochter versteht sie sich aber nicht, denn sie ist ja noch immer Vorsitzende des Seniorenrates ihrer Partei.

Geburtstag 1992
Nürnberg verleiht ihr dann auch als erster Frau 1980 die Ehrenbürgerwürde ihrer Heimatstadt. Dort ist auch eine Straße nach ihr benannt. Ihren 80. Geburtstag feiert sie in der Meistersingerhalle mit 1500 Nürnberger*innen, die wie sie 1907 geboren sind ( den 85. dann allerdings nur noch in ganz kleinem Rahmen ).

1990 würdigt Hans-Jochen Vogel Kätes Arbeit bei ihrer Verabschiedung als Vorsitzende des Seniorenrates der SPD mit folgenden Worten: "Du hast bewiesen und vorgelebt, wie produktiv und erfolgreich kooperatives Arbeiten in der Politik ist. Eine Arbeitsform, die Frauen leichter fällt als Männern."

Schließlich wird bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Sie weiß, dass eine Operation bei diesem Krebs meist nichts mehr bringt. Sie will statt Therapien ihre letzten Tage mit ihrer Familie verbringen und ihre "Sachen ordnen".

Am 26. März 1996 stirbt sie mit 88 Jahren im Nürnberger Nordklinikum. Die Fahnen in Nürnberg werden auf Halbmast gesetzt, eine Trauerfeier am 2. April veranstaltet. Dann findet sie ihre letzte Ruhestätte im Familiengrab neben ihrem Mann auf dem Nürnberger Südfriedhof.

"Wie wollen wir überhaupt andere für uns gewinnen, wenn wir nicht mit denen diskutieren und denen unsere Politik begreiflich machen?", fragt sie einmal während des Wahlkampfes 1968, als sie durch das Land getourt ist. Das ist doch ein Spruch fürs Poesie-Album manch unserer Politiker, finde ich.

                                                                           

Über weitere Frauen aus Politik & Kultur könnt ihr Porträts bei mir finden:


Sonntag, 19. Juli 2026

Monatsspaziergang Juli 2026

Eigentlich hatte ich vor, euch mitzunehmen in die endlich zugänglichen Gewächshäuser im Botanischen Garten. Aber schon im Mai fand Heike/3hefecit, Gewächshäuser im Sommerdass sei keine gute Idee. Und ich sah es nun in der zweiten Hitzewelle dieses Sommers genau so. Museum mit Klimaanlage ist da schon ein etwas angenehmeres Ziel. Letzten Sonntag war das meine Idee, wo doch draußen 32°C angesagt war. Viele Fotos habe ich "geschossen", mehr als ich bei "12 von 12" unterbringen konnte. Und da wuchs schnell die nächste Idee heran, ich zeig das einfach als meinen Monatsspaziergang, halt indoor.
Das Kölner Schnütgen-Museum ist untergebracht in der ehemaligen Kirche St. Cäcilien. Dieser Kirchenbau geht auf ein im späten 9. Jahrhundert gegründetes Damenstift zurück, das nach der Heiligen Cäcilia von Rom benannt worden ist. Es ist ein Bau aus der Stauferzeit, eine heute turmlose dreischiffige Pfeilerbasilika mit Chor und runder Apsis. St. Cäcilien besitzt kein Querschiff. Das südliche Seitenschiff schließt mit einer runden Apsis ab.  


Seinen Namen hat das Museum vom Domkapitular Alexander Schnütgen, der seine umfangreiche Sammlung christlicher Sakralkunst im Jahr 1906 der Stadt Köln geschenkt hat. Schnüttgen rettete viele Kunstwerke, teilweise aus den säkularisierten Kirchen, vor dem endgültigen Verfall. Vieles erwarb er auch aus dem Antiquitätenhandel. Schnütgens Motiv war, Kunstgegenstände über die Zeit hinweg zu retten, in der sie als altmodisch oder wertlos erachtet wurden. Heute verfügt das Museum Schnütgen über mehr als 13.000 Werke.


Das Museum mit seinen Schätzen ist oftmals umgezogen. Zunächst, dem Wunsch des Sammlers entsprechend, war es in einem Anbau des Kunstgewerbemuseums am Hansaring zu Hause. 1932 gelangte es auf die Schääl Sick in Räume der wiedererrichteten Abtei St. Heribert, ganz im Stile des Bauhauses & der Neuen Sachlichkeit gestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Exponate in Klöster, Schlösser und in den Keller des Kunstgewerbemuseums ausgelagert und das Museum geschlossen. In der Nachkriegszeit fand der größte Teil der Kunstwerke ein Zuhause im Schloss Alfter vor den Toren Bonns bzw. bis Ende 1950 in Räumen der Kölner Universität. 

Der legendäre Kölner Regierungsbaumeister Karl Band verfolgte konsequent die Idee, das Museum in der romanischen Basilika St. Cäcilien neu zu eröffnen. Das ehemalige Stift war 1802 unter französischer Besatzung säkularisiert worden. Das Gemäuer diente zuletzt als Kapelle des "Bürgerspitals" und war reichlich ramponiert durch die Bombardierung Kölns in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942, bei dem die Royal Air Force über 1000 Bomber gleichzeitig einsetzte ( sog. 1000-Bomber-Angriff ). Im Mai 1956 öffnete das Museum als erstes der Kölner Museen nach dem Krieg seine Tore. Es war allerdings lange nur als Provisorium betrachtet worden. Erst 2001 wurde eine umfassende Sanierung in Angriff genommen und in das bis 2010 entstandene, westlich der Cäcilienkirche liegende neue Kulturquartier am Neumarkt integriert.


Heute stammt nur noch ein kleinerer Teil aus der Original-Sammlung von Schnütgen. Alltagsgegenstände und die Gemäldesammlung gingen ins Kunstgewerbemuseum und ins Wallraf-Richartz-Museum über, dafür erhielt das Schnütgen-Museum sakrale Bestände aus den anderen Kölner Museen. Eine nicht unwesentliche Anzahl Stücke erwarb der Förderverein "Pro Arte Medii Aevi". Eine Patenschaftsaktion unter dem Motto "Lassen wir sie nicht verschimmeln" im Jahr 2001 regte Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen zur Übernahme von Restaurierungskosten an. So konnte eine größere Anzahl von Kunstwerken, die bis dahin nur im Depot aufbewahrt worden waren, wiederhergestellt werden. In den Ausstellungsräumen kann allerdings nur circa 10 Prozent des gesamten Sammlungsbestandes gezeigt werden. Momentan sind dort auch Glasmalereien aus der Sammlung des Khanenko Museum in Kyjiw gesichert, denn dieses Museum wurde bereits im ersten Kriegsjahr durch einen Raketeneinschlag in unmittelbarer Nähe in Mitleidenschaft gezogen.


Mir eine Herzenssache sind die originalen Figuren aus dem "Dreikünnijepöötzche", über die ich schon bei diesem Monatsspaziergang von vor zwei Jahren erzählt habe.

Ich liebe all die Gesichter, die viele der Skulpturen aus Holz, Elfenbein oder Stein wiedergeben.  Deshalb kommt jetzt eine ganze Serie auf euch zu:



Die offenen Haare der Skulptur links zeigen, dass es sich um eine Jungfrau handelt, nämlich die Hl. Luzia aus Syrakus, ein Werk des 15. Jahrhunderts aus Kalkar oder Zwolle. Rechts die Hl. Margarete von Antiochien wiederum war in römischer Zeit zur Ehe gezwungen worden. Es ist eine Darstellung aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Wiedergabe der extravaganten modischen Kleidung ist typisch für Skulpturen der südlichen Niederlande.






 Rechts der Hl. Hieronymus als Kardinal mit einem Löwen an seiner Seite - eine Skulptur aus Lindenholz von 1520.


Reliquienbüsten gibt es natürlich auch zuhauf und viele wunderschöne Frauengesichter:



Mariendarstellungen sowieso.


Auch Fröhliches oder Kurioses wie der Wilde Mann aus dem späten 14. Jahrhundert.

Oder der Christus auf dem Palmesel, eine Arbeit aus dem frühen 16. Jahrhundert, der bis 1778 immer noch durch die Straßen Kölns gezogen wurde.

Ein wenig Textiles gibt es auch, wie die Kissenplatte mit der Dame und dem Einhorn aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Obwohl kein biblisches Tier,  spielte das Einhorn in der christlichen Welt des Mittelalters eine Rolle. Es  gab das Narrativ, dass nur eine Jungfrau ein Einhorn fangen könne.


Memento mori "Bedenke, dass Du sterben wirst!" – seit dem ausgehenden Mittelalter entstanden in diesem Sinne kleine Kunstwerke, die die Betrachtenden oft sehr drastisch mit Tod und Verfall konfrontieren. In den frühen 1980er Jahren hat sich der "Sprayer von Zürich", Harald Naegeli, dem Thema in Köln gewidmet. Nachdem die Schweizer Strafverfolgung auf ihn aufmerksam geworden war, hatte er sich durch Ausreise ins Rheinland dem entzogen. Seine Zeichnung auf dem zugemauerten Westportal der romanischen Basilika ist die letzte ihrer Art im Stadtbild.

Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in so eine ganz eigene Welt hat euch Freude gemacht.

                                                                         

Verlinkt auch mit "niwibo sucht...

Samstag, 18. Juli 2026

Meine 29. Kalenderwoche 2026

"Und dann merke ich, 
dass es im Leben nicht darum geht, 
möglichst lange zu leben, 
sondern möglichst lange lebendig zu bleiben."
Gerald Hüther, Hirnforscher 

"Niemand ist zufrieden mit seinem Vermögen, 
und jedermann ist zufrieden mit seinem Verstande."
Lew Tolstoi

"Schwimmen -
die sportliche Variante von Selbstliebe.
Wasser ist im besten Sinne ein großer Gleichmacher."
Lara Fritzsche


Von Kind an habe ich gerne Beerenfrüchte genascht; sie waren der Ersatz für Süßigkeiten, die es damals einfach nicht gab. Aber entsprechende Büsche im Garten der Patin und später auch im Garten meiner Eltern. Gerne esse ich sie auch im Quark als sommerlichen Mittagsimbiss - bis heute. Bei Temperaturen um die 30°C für mich das Richtige.


Mein Sonntag ist eigentlich schon bei "12 von 12" verbloggt. Aber es gab so viel zu fotografieren, zum Beispiel auch...

... noch etwas Beige für Nicole/niwibo, wie  den Hl. Melchior vom "Dreikünnijepöötzche".

Die Sonne bescherte uns Kölnern fast 33°C. Da habe ich es unter den Kastanien & Robinien im Hof des  Kulturquartiers am Neumarkt bei angenehmem Wind gut eine Weile aushalten können. Nur die U-Bahnen anschließend waren gut aufgeheizt, denn sie fahren ja auch längere Strecken oberirdisch.


Aus heimatlichen Gefilden bekam ich so einen liebevoll aufgemachten Lyrikband per Post. Absenderin war Roswitha, die Weggefaehrtin. Danke dafür und für deine lieben Worte!


Donnerstagmittag erreichte uns auch ein leichtes Gewitter mit einem kräftigen Schauer ( schlau, dass ich mir morgens das Gießen erspart habe ).


Nach einer Viertelstunde schien wieder die Sonne und es wurde verdammt schwül.




Am Freitag, spätnachmittags, habe ich die Gelegenheit genutzt, in der Böhm-Kirche St. Gertrud die Arbeit des deutsch-israelischen Bildhauers Gil Shachar  in Augenschein zu nehmen, eine 14 Meter lange, lebensechte Abformung eines Buckelwals. 



2009 hatte der Künstler einen gestrandeten Wal in seiner Ganzheit abgeformt und ihn damit in seiner faszinierenden Größe künstlerisch eingefangen ( mehr dazu hier ).


Ich bin dann, obwohl es warm war, noch durch die Neustadt-Nord gestromert...

...  hin zum Ebertplatz.

Gelesen: Christine Wunnicke:"Die Nachtigall des Zaren", Audrey Magee: "Die Kolonie", Axel Spilcker: "Hitlers  Gefolgsmann", meine beiden Online- Tageszeitungen und natürlich etwas Lyrik von Selma Meerbaum - Eisinger; angefangen zu lesen habe ich "Die Günderode" von Bettina von Arnim

Gehört: Chilly Gonzalez "Solo Piano II"


Gesehen: die neusortierte Sammlung des Schnütgen - Museums in Köln ( mehr dazu am Sonntag )

Erlebnis: dieser Wal und die Kirche im Stil des Brutalismus von 1965

Genuss: diverse Sommersalate

Von links oben im Uhrzeigersinn: Nudelsalat à la 1970,
Salat mit Spinat, Melone, Radieschen & Himbeersoße, Kartoffelsalat nach Art des Hauses,
Tortellinisalat, Kartoffelsalat mit schwarzen Linsen, Paprika & Hähnchenfleisch,
Ofenkartoffeln mit Chicoree, Rucola & Bergkäse















Drinnen/Draußen: bei 30°C bis 33°C ab Montag  am liebsten drinnen, draußen nur gegen 5 Uhr am Morgen im Garten

Hobbys: Lesen ( siehe weiter oben ), Nähen eines Täschchens für ein Give-away ( siehe letzten Mittwoch ) und für den "Lieblingslehrer" der Jüngsten

Web-Fundstück/e: Zuerst mal wieder das Diagramm, weil so grauslich veranschaulicht, was Sache ist: 


Und dann eines, gefunden bei "Made My Day" auf Instagram:

Seit 1881 gibt es in Deutschland Wetteraufzeichnungen.
Von 1881 bis 2000 gab es einen einzigen Tag, an dem 40 Grad oder mehr gemessen wurden.
In 119 Jahren: einen Tag.
Von 2000 bis 2025 gab es 9 solcher Tage.
In 25 Jahren: 9 Tage.
Vor drei Wochen gab es
4 Tage mit 40 Grad.
In einer Woche: 4 Tage.

@brodnig schreibt zudem: "Die Realität ist das, was nicht weggeht, auch wenn man nicht daran glaubt.  Merkt man derzeit bei der Klimakrise deutlich."

Was ich davon halte, wenn ein Politiker sich sagt: "Gesetze gelten für mich nicht. Ich kann machen, was ich will, und ich nehme mir, was ich will" - zu dieser Anstands-Amnesie brauche ich wohl nichts mehr zu schreiben bzw. sagen. Und dann ist da noch dieser "Kabarettist", der eigentlich ein Hetzer ist! Matthias Brandt hat dazu einen Beitrag in der "Süddeutschen" veröffentlicht, den ich voll unterschreibe: 
"Das war keine mutige Grenzüberschreitung und kein Beitrag zur politischen Aufklärung. Er hat Bilder der Ermordung und Hinrichtung der Menschen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus mit lebenden demokratischen Politikern verbunden und der Name eines Mannes, der im Kampf gegen eine mörderische Diktatur sein Leben ließ..." 
Dieser "Kabarettist" hat mit seinen Aussagen bereits eine rote Linie überschritten, denn das, was er da von sich gegeben hat ist eine "Billigung von Straftaten", Paragraf 140 Strafgesetzbuch.

Jetzt reichts! Ich sehe jetzt lieber meinem völlig unverplanten, ruhigen Sommerwochenende entgegen, suche vorher nur noch die anderen Blogs auf, mit denen ich mich verlinken will, als da sind: Andrea Karminrots Samstagsplausch, Nicoles "Niwibo sucht...", Annette/ Augensternwelt mit ihren Glücksmomenten, der Mosaic Monday von Heidrun, die "Sonntags Top Sieben" bei Anni und Nicoles/Frau Frieda "Plausch am Gartenzaun".

Macht et joot!