Mittwoch, 29. April 2026
12tel Blick April 2026
Dienstag, 28. April 2026
Bücherlese April 2026
Da ich zu Beginn des Monats allerhand familiärem Trubel ausgesetzt war, wollte ich beim Lesen nicht gezwungen sein, mich besonders zu konzentrieren und habe von Laetitia Colombani "Der Zopf" ausgewählt, ein Buch, welches 2018 auf den vorderen Rängen der Spiegel-Bestsellerliste zu finden gewesen ist.
Die Autorin spinnt darin ein in Episoden erzähltes Netz zwischen drei Frauenschicksalen auf drei verschiedenen Kontinenten: Asien, Europa, Amerika. Da ist zunächst einmal Smitta, die mit bloßen Händen die Exkremente ihrer Nachbarn beseitigt, ein Job, den sie tun muss, weil sie eine Dalit, eine sogenannte "Unberührbare" in Indiens Bundesstaat Uttar Pradesh ist. Dann Giulia, die in der seit über einem Jahrhundert familiär betriebenen Perückenfabrik ihres Vaters in Palermo arbeitet und schließlich Sarah, eine äußerst erfolgreiche Anwältin, Teilhaberin einer Anwaltskanzlei in Montreal, zweimal geschieden, drei Kinder und perfekt & erbarmungslos in ihrer Lebensgestaltung. Wie beim Zopf werden diese drei Erzählstränge ineinander nach und nach verschlungen: Mutter & Tochter in Indien opfern, durchaus religiös begründet, ihre schönen, dichten Haare, damit diese in Palermo verarbeitet und der krebskranken Sarah nach einer Chemotherapie als Perücke zugeführt werden können.
Colombani versteht sich als außerszenische Erzählerin, bedient sich einer schlichten, anstrengungslosen Prosa, die ohne Schnörkel in kurzen Sätzen daherkommt, die schon mal anrühren und das, worauf es ankommt, punktgenau in den Blick nehmen, aber oftmals auch plakativ wirken und schon mal hart am Kitsch entlangbalancieren. Sie schafft damit eine Art "Feminismus light" mit einem oberflächlichen Identifikationsangebot. Das Leiden der jeweils singulären Frau wird so geschildert, dass sie aus ihrer jeweiligen Situation – wie der Phönix aus der Asche – mit einigem Widerstand herauskommen, nach dem Motto: Niemand muss sich seinem Schicksal ergeben, wenn genügend Kampfgeist vorhanden ist. Nur wird mir das zu floskelhaft nahe gebracht und hat was von Ratgebermentalität in Frauenzeitschriften. Da hat die Autorin eine Chance vertan.
Mit der Enkelin zusammen habe ich die Graphic Novel von Elisa Macellari "Kusama" gelesen. Das war eine gelungene Aufarbeitung der Ausstellung im Kölner Museum Ludwig, denn die dort ausgehangenen Erklärungen waren wegen der Besuchermassen schlecht zu lesen ( und für die Geduld einer Zehnjährigen schon eine Zumutung ). Das Buch hingegen liest sich in einem Rutsch bzw. der Lebenslauf der Künstlerin ist so spannend, dass er sich über die Bild-Text-Kombination leicht erschließt. Gestört hat mich ein wenig, dass das Werk der Künstlerin im Kern auf Angstbewältigung reduziert wird als Reaktion auf beängstigende Erfahrungen von Entgrenzung und Depersonalisation in der Kindheit ( Kusamas Eltern züchteten Blumen ). Der ungeheure psychedelische, ästhetische und auch philosophische Reiz ihrer Werke bleibt damit außen vor.
Das nächste Buch hat mir Sunni zu Ostern geschenkt: Helga Schubert: "Luft zum Leben", eine Sammlung von 38 Texten, 2025 herausgekommen, aber zwischen 1960 und 2025 entstanden und so das ganze Erwachsenen- und Schriftstellerleben der Autorin umfassend, eine Biografie in ihren Wendungen und Erfahrungen, wenn auch chronologisch ungeordnet. Ich fand für mich lange keinen roten Faden, der die einzelnen Texte miteinander verbunden hätte, manches fand ich informativ, manches berührend, vieles düsterer als mir das freundlich-lebensbejahende Gesicht der über achtzigjährigen Schriftstellerin auf ihren Fotos suggeriert hat. Meine Reise hat dann auch die Lektüre unterbrochen und hinterher fehlte mir erst einmal die Lust, den Faden wieder aufzunehmen.
Fürs Reisen finden ich den E-Reader schon sehr praktisch, denn schweres Gepäck missfällt mir immer mehr. Außerdem sind darauf immer noch etliche Lektüren meines Mannes selig abgespeichert, die ich noch nicht kenne. Dabei habe ich Stewart O‘Nan immer gerne gelesen, "Westlich des Sunset" war aber noch nicht darunter. Das ist eine Romanbiografie, die von den letzten Lebensjahren F. Scott Fitzgeralds handelt, als der Schriftsteller als Drehbuchschreiber nach Hollywood gegangen ist, um seine Schulden, den Klinikaufenthalt seiner Frau Zelda & das Internat seiner Tochter zahlen zu können. Mit dieser Lebensgeschichte bin ich schon etwas in Berührung gekommen, als ich das Great-Women-Porträt über Zelda Fitzgerald geschrieben habe.
Vom einstigen Glanz des spektakulären Paares des amerikanischen jazz age ist zum Zeitpunkt, zu dem O’Nan's Roman einsetzt, also nichts mehr übrig geblieben. Auch literarisch hat Fitzgerald Durchhänger, schreibt nur noch Kurzgeschichten. Doch die Zeit für diese literarische Form ist bei den Printmedien so gut wie vorbei. Jetzt soll er schlechte Drehbücher filmreif machen. In Hollywood trifft er auf Freunde in ähnlicher Lage wie Dorothy Parker ( siehe dieser Post ), die wie er dem Alkohol verfallen sind, ebenso wie sein alter Saufkumpan Ernest ( Hemingway ) oder "Bogie" ( Humphrey Bogart ).
Die Hoffnung auf einen Neustart wird Fitzgerald bis zu seinem "letzten hilflosen Gedanken" nicht verlassen, den O'Nan seinem sterbenden Helden eingegeben hat: "Aber ich bin noch nicht fertig." Grund zur Hoffnung bietet die Liebe zur britischen Klatschkolumnistin Sheila Graham, die ihm der jungen Zelda ähnlich scheint. Eine fragile Beziehung, die O‘Nan einfühlsam beschreibt und die so kontrastiert mit der immer poröser werdenden, einstmals "Großen Liebe" Zelda. Die wird immer mal besucht bzw. Kurzurlaube mit ihr unternommen, aber die Schuldgefühle und die Anspannung dabei auf Seiten des Schriftstellers - wird sie wieder aus der Rolle fallen? - sind eine Qual, auch für mich als Leserin und daher nachvollziehbar.
O'Nan erzählt also wieder einmal - angenehm unpathetisch - die tieftraurige Ballade vom Scheitern des "amerikanischen Traumes", diesmal eines Mannes, der in seinem Leben nichts mehr wollte, als Erfolg und Zugehörigkeit zur Welt der Reichen und Schönen und Gebildeten, der aber immer ein Emporkömmling geblieben, innerlich zerrissen und für den jetzt nur noch „eine aus der Vergangenheit zusammengestückelte Zukunft" übrig ist…
„Ganz ohne gelehrte Anspielungen gelingt es Stewart O'Nan hier, das barocke Vanitas-Motiv neu zu bebildern und aus Illusionen, haltlosen Hoffnungen und falschen Träumen Wahrheit zu destillieren“, meint Ulrich Baron in seiner Kritik am Buch. Dem stimme ich voll zu.
Auch der Roman "Patria" des in Hannover lebenden Basken Fernando Aramburu von 2018 befand sich, von mir noch ungelesen, auf dem Reader. Darin spürt er den geplatzten Träumen und Illusionen der vom Separatisten-Krieg der ETA seinerzeit geprägten Menschen im Baskenland nach. Ich fand lange sehr spannend zu lesen, was diese politische Auseinandersetzung mit zwei dicken Freundinnen, deren Ehemännern, die ebenfalls gemeinsame Leidenschaften teilten, ihren befreundeten Töchtern und den drei Söhnen, ja, mit einem ganzen Dorf nahe San Sebastian gemacht hat. Denn der Ehemann der einen, ein kleiner Fuhrunternehmer, der sich den finanziellen Forderungen der Terroristen nicht beugt, wird zunächst Opfer von Verleumdungskampagnen und schließlich ermordet, der Sohn der anderen geht in den Untergrund und schließt sich der ETA an. Die Gräben zwischen den beiden Familien bilden sich nicht so eindeutig, wie man meinen sollte, die Isolation der Witwe des Ermordeten ist allerdings allumfassend. Und besonders verhärtet & feindselig ist die ehemalige Freundin, die von ihr nur als der Verrückten spricht.
Verwässert wurde die Erzählung durch Kapitel, in dem es um die Entwicklung des Lebens der Kinder der Protagonistinnen ging - mit Ausnahme der der Tochter mit Locked-in-Syndrom nach einem Schlaganfall und der des Sohnes, der für die ETA Anschläge & Ermordungen begeht & letztendlich ins Gefängnis kommt. Deren Schicksal konnte mich noch fesseln. Manches andere erschien mir aber nicht notwendig, um die Frage zu klären, ob und wie – über alle erlittenen Schrecken hinweg – eine Aussöhnung mit denen möglich ist, die einst ihre Urheber gewesen sind. Wahrscheinlich ist das Ziel des Autors gewesen, über 750 Seiten eine Familiensaga auf entsprechendem Tableau zu schaffen. Mir ist dabei etwas die Puste ausgegangen.
Danach war mir nach einem sprachlich vergnüglicherem Text. Christine Wunnicke scheint mir da immer die erste Wahl. "Der Fuchs und Dr. Shimamura", ein weiteres Exemplar ihrer weltliterarischen Reihe an Erzählungen über exzentrische Gelehrte, ist herrlich verschroben. Ihre Sätze sind voller medizinischer Fachbegriffe, und Wunnicke nimmt damit die Neigung der Ärzteschaft, Erscheinungsformen des Alltags mit Fremdwörtern zu belegen, kräftig aufs Korn. Mitunter formuliert sie etwas umständlich und entspinnt auf engstem Raum eine kuriose Geschichte um die Erforschung der menschlichen Psyche. Man hat zwischenzeitlich den Eindruck, einen Originaltext aus dem 19. Jahrhundert vor sich zu haben. Auf jeden Fall schafft es die Autorin mal wieder, in meinem Kopf viele Bilder, ganz im Stil japanischer Holzschnitte, zu evozieren.
Dr. Shimamura, ein historisch verbriefter japanischer Arzt, ist dank seines in Deutschland ausgebildeten Professors von der westlichen Medizin angetan. Die in Japan heimische Besessenheit vom Fuchsgeist muss – das steht für ihn fest – ein Synonym für eine andere Krankheit sein. In der japanischen Mythologie treten Füchsinnen als Zauberinnen und Verführerinnen auf, die Männer vom rechten Weg abbringen. Zeigen Frauen auffälliges Verhalten, gelten sie als vom Fuchsgeist besessen.
Da es im Land mit der Neurologie noch nicht weit her ist, reist Dr. Shimamura, finanziert durch ein kaiserliches Stipendium, nach Europa, trifft dort u.a. in Paris auf Jean-Martin Charcot, dem er in der legendären Salpêtrière bei seinen Versuchen mit Hysterikerinnen assistiert, in Berlin dann auf Ernst von Leyden an der Charité und zuletzt in Wien auf Josef Breuer & Sigmund Freud. Danach fällt er das Urteil, das therapeutische Gespräch sei keine geeignete Behandlungsmethode für Japaner, da es zu lange dauere und mit der japanischen Höflichkeit nicht vereinbar sei.
Nach Shimamuras Heimkehr nach Japan ist er wissenschaftlich kaum mehr aktiv und hat nur einen Ruf wegen eines einzigen Beitrags in seinem Fach, nämlich der Erfindung gepolsterter Wände für tobsüchtige Geisteskranke. Ansonsten lebt er zurückgezogen, bleibt ein erfolgloser Gedächtnisforscher, umsorgt von den vier Frauen seiner Familie, gönnt sich ab und an ein wenig pharmakologische Entspannung mit Scopolamin und nutzt die Angewohnheit der wissenschaftlichen Welt aus, die ihre Zunft schützt, selbst wenn ein Mitglied schlechter als mittelmäßig ist, um wiederum die eigene "Mädchenseele" zu retten. Da ist Christine Wunnicke wieder einmal eine amüsante subtil-ironische Schilderung eines gescheiterten Lebens gelungen, fand ich.
Das liest sich zunächst so süffig, wie wohl auch die Weine schmecken, die die Protagonistin Lily, eine Studentin der Kunstgeschichte, Tochter chinesischstämmiger Wissenschaftler, mit dem wohl mehr als gut betuchten Matthew Allen (Maier), Spross einer Pharma-Dynastie, bei ihren Treffen trinkt ( überhaupt wird viel getrunken im Buch ). Manchmal hatte das was von Instagram, als der Algorithmus mir noch lauter seichte Lifestyle-Posts untergejubelt hat, die Geschichte gleicht also eher einer trivialen Romanze. Viele Beschreibungen der Lebensumstände Matthews & seiner Familie könnten gleich dem Moodboard #oldmoney bei Pinterest entnommen sein.
Tatsächlich kommt es zur Heirat der beiden auf den Hamptons, ein Sohn wird ihnen nach einigen Fehlgeburten in Peking geboren, wo Lily auch etwas über ihre Mutter in Erfahrung bringen kann. Auch entdeckt sie, dass diese gestrenge Mutter, die wohl von der Karriere der Tochter enttäuscht ist, ihren Schwiegervater, den superreichen Pharma-Unternehmer wohl schon von früher kennt. Warum Lilys Ehe so abrupt geendet hat, blieb mir zunächst ein Rätsel.
Dann ein Zeitsprung vom Jahr 1999 ins Jahr 2020: Der Sohn Lilys mit Namen Nick wächst mit ihr alleine auf einer abgeschiedenen Insel im Pazifik bei Seattle auf. Weil ihm die Mutter den Namen seines Vaters verschweigt und ihm das Rätsel um sein Aussehen - er sieht perfekt aus, wie ein real american, groß, blond, blauäugig, wird aber als Asiate kategorisiert - keine Ruhe lässt, macht er bei einer Genealogie - Plattform einen DNA-Test. Hinter dem Rücken seiner Mutter stößt er auf Matthew, inzwischen der mächtige Boss der Maier-Familienstiftung. Den trifft der Junge wiederholt, aber heimlich.
Eine wichtige Rolle spielt zunächst der gleichaltrige Freund, mit dem Nick beschließt an einer Universität der ivy league an der Ostküste ein Studium aufzunehmen - gegen den Wunsch der Mutter. Er landet in Yale, wohl weil die sanfte Gewalt des Kapitals, verkörpert in seinem Vater, ihm, einem sehr mittelmäßigen & unengagierten Schüler, die Türen geöffnet hat. Da die väterliche Familie als Stifter ihren Namen längst an den Wänden von Bibliotheken und Museen verewigt hat, entgeht Nick ihr nicht, unterlässt aber zunächst den weiteren Kontakt. Als Leserin befindet frau sich plötzlich in einem waschechten Campusroman mit allem Drum & Dran: sexuelle Kontakte, Verliebtsein, kurze Beziehungen, Alkohol, Drogen, kleine Jobs.
Sonntag, 26. April 2026
Mein Freund, der Baum: Der Apfelbaum
Eigentlich ist es nicht zu glauben: Da veröffentliche ich fast auf den Tag genau seit dreizehn Jahren jeden letzten Sonntag des Monats einen Baum-Post, aber bisher ist noch nie der Apfelbaum dabei gewesen. Dabei ist er mein absoluter Liebling unter den Obstbäumen. Was seine Blüte anbelangt kenne ich keine schönere, denn der Farbverlauf berührt mich sehr. Und dann noch der zarte Duft! Auch die Früchte mag ich. Doch seit ich in einer echten Großstadt lebe, fehlen mir die Obstwiesen meiner Kindheit ( der Odenwald pflegt eine intensive Apfelkultur. Allein mein Vater selig hatte unter den über hundert Obstbäumen, die er gepflanzt hat, mehr als die Hälfte dieser 'Apfalter'. ) In den Gärten meiner städtischen Nachbarschaft hingegen kommt er höchstens mal am Spalier vor. Also keine Fotomodelle für mich! Doch jetzt hatte ich im Botanischen Garten ein wenig Glück:
Der ( Kultur- )Apfel Malus domestica gehört zu den Kernobstgewächsen Pyrinae mit circa 42 bis 55 Arten und ist ein weithin bekanntes Gehölz aus der Familie der Rosengewächse. Seine Frucht nimmt in Deutschland den Platz eins unter dem Obst ein bei einem jählichen Verbrauch von 19 Kilogramm pro Person. Ob also in der Kulinarik, Mythologie oder Kunst – die Frucht des Apfelbaumes ist tief in unserer Kultur verankert und der Baum selbst spiegelt ein Stück Gartenromantik wieder. ( Die Bilder von Obstbaumwiesen mit blühenden Apfelbäumen durch meine Lebensjahrzehnte kann ich alle bis heute aus meinem Gedächtnis abrufen. )
Der Apfelbaum ist ein laubabwerfender Baum, der je nach Sorte und Pflege eine Höhe von fünf bis zu zehn Metern erreichen kann. Damit gehört er zu den eher kleineren Bäumen. Er hat eine breite, ausladende Krone mit vielen Zweigen und Blättern. Die rundliche Gestalt der Apfelbaumkrone ähnelt stark der Form der Früchte.
Die Blätter sind gestielt, die einfache Blattspreite eiförmig - elliptisch, dunkelgrün von glänzender Oberfläche mit gesägten Blatträndern. Nebenblätter sind vorhanden, verwelken aber oft früh.
Die Früchte des Apfelbaums dürften jedem bekannt sein. Allerdings kann die Farbe der Äpfel je nach Sorte grün, gelb, rot oder eine Kombination daraus sein. Weltweit existieren mehr als 30.000 Sorten. Die Sorte bestimmt nicht nur Größe, Geschmack und Farbe der Frucht, sondern auch die Erntezeit vom Spätsommer bis in den Herbst. Alle Apfelbäume der gleichen Sorte können sich nicht gegenseitig befruchten. Es müssen also mindestens zwei verschiedene Sorten in Bienenreichweite stehen, wenn man etwas ernten will.
Viele Apfelsorten zeigen eine deutliche Farbveränderung, wenn sie reif sind. Ein reifer Apfel lässt sich leicht vom Baum lösen. Der sicherste Weg, um diese zu prüfen, ist: hineinbeißen! Das gilt zumindest für Tafeläpfel. Lageräpfel brauchen dagegen oft einige Wochen oder sogar Monate bis zur Ausprägung ihres typischen Geschmacks. Während der Lagerung durchlaufen die Äpfel nämlich einen natürlichen Reifeprozess, bei dem Stärke in Zucker umgewandelt wird.
Der Apfelbaum ist in gemäßigten Klimazonen in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet und als Kulturpflanze eher selten in der freien Natur zu finden. Er wird stattdessen in Obstgärten, auf Wiesen oder großflächig auf Plantagen angebaut. Apfelbäume bevorzugen sonnige und windgeschützte Standorte mit tiefgründigem, nährstoffreichem Boden. Kalte und feuchte Standorte hingegen beeinträchtigen seine Entwicklung und führen zu vermehrtem Krankheitsbefall. Offene Apfelblüten halten Temperaturen nur bis etwa minus 1°C stand. Standorte, die also anfällig für Spätfröste und Staunässe sind, sollten dem Baum also beim Pflanzen erspart bleiben.
Ein Apfelbaum braucht einiges an Pflege. Bei den meisten Sorten ist ein regelmäßiger Schnitt nötig, damit sich die Fruchtgröße mit der Zeit nicht verringert. Auch benötigen Apfelbäume gelegentlich die Zufuhr von Nährstoffen, damit der Ertrag hoch bleibt. Wichtig sind Stickstoff und Kalium. Deshalb bietet sich an, in der Nähe des Apfelbaumes stickstofffixierende und Kalium anreichernde Pflanzen wie beispielsweise Beinwell zu setzen,
Der Apfelbaum ist wahrscheinlich nicht nur der beliebteste Obstbaum Deutschlands, sondern gar der Welt. Umso erstaunlicher sein botanischer Namen: Malus bedeutet nämlich im Lateinischen schlecht, böse, übel, malum aber auch Apfel. Wie kann eine so gesunde, süße und wohlschmeckende Frucht nur zu einem solchen üblen Namen kommen? Die Antwort liegt in seiner Kulturgeschichte. Der Apfel ist nicht nur ein beliebter Obstbaum, sondern eben auch Protagonist vieler Geschichten und Mythen. In der Erzählung vom Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies in der Bibel des Christentums brachte angeblich ein Apfel Unheil über das Menschengeschlecht. Nur: Die Geschichte vom Sündenfall in Gen. 3, 1-24 vermeidet es konsequent, die Frucht des Anstosses beim Namen zu nennen.
Aber der Apfel hat nicht nur zu schlechten Ideen verholfen: Als ein solcher Sir Isaac Newton am Kopf traf, fing dieser an, über die Gesetze der Schwerkraft nachzudenken.
Auch die botanische Geschichte des Apfels ist spannend und eher verworren. Seine Wildform kommt seit geraumer Zeit in europäischen Wäldern vor. Diese tragen aber nur saure Holzäpfel, wurden allerdings schon in der Steinzeit gegessen. So sind z.B. bei den Pfahlbauten aus der Steinzeit am Bodensee verkohlte Apfelreste gefunden worden. Unser heutiger Speiseapfel stammt dagegen von der süßen Apfelsorte malus sieversii ab, die in der Gegend um Almaty in Kasachstan heute noch wächst. Über die Seidenstraße verbreitete er sich nach Westen und ist wohl seit 6.000 Jahren in Europa bekannt. Die Römer brachten seine Kultivierung ca. 100 v. Chr. nach Mitteleuropa. Sie kannten ungefähr 21 Apfelsorten. Im Germanischen bedeutete "ap-a-la" so viel wie Apfel. Äpfel spielen also schon seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle in der Ernährung der Menschen.
Im 19. Jahrhundert erlebte die Sortenvielfalt ihren Höhepunkt. Nach dem 2. Weltkrieg ersetzten intensive Plantagen mit wenigen Sorten, z.B. "Golden Delicious", "Morgenduft" oder "Jonathan", zunehmend die traditionellen Streuobstwiesen, und auch die Bäume wurden immer kleiner.
Die heutigen verschiedenen Sorten sind immer wieder mit den wilden Holzäpfeln gekreuzt oder auf deren Unterlage veredelt worden. Wer heute einen Apfelkern aus dem Apfel anpflanzt, den er/sie gerade gegessen hat, wird meist einen Baum bekommen, dessen Früchte fundamental anders schmecken. Aus dem Saatgut einen eigenen Baum zu ziehen, ist also nicht ratsam, denn Apfelbäume sind vielfach mit den verschiedensten Holzapfel-Arten rückgekreuzt, um sie resistenter gegen Krankheiten zu machen.
Diese Krankheiten beim Apfelbaum sind Apfelschorf, Feuerbrand, Mehltau und Obstbaumkrebs. Die Anfälligkeit für diese Krankheiten ist je nach Sorte unterschiedlich ausgeprägt. Die Gefahr erhöht sich bei feuchtem Klima. Die häufigsten Schädlinge beim Apfelbaum sind Apfelwickler und Apfelgespinstmotte.
Für die Hautpflege eignet sich eine Apfelmaske. Dazu werden zwei Äpfel zu Brei zerstoßen und mit etwas Rosenblütenwasser vermengt. Diese Mischung kannst Du auf die Gesichtshaut auftragen und 15 Minuten einwirken lassen. Die Pomade ( französisch la pomme, Apfel ) war im Mittelalter eine aus Apfelfruchtfleisch und Fett hergestellte Salbe zur Pflege von Haut und Haar.
Die lange Geschichte der Äpfel in unserer Kultur hat Symbolik und Mythologie befeuert. Wie bereits geschrieben, kam der Apfel zu seinem botanischen Namen wegen des Sündenfalles in der Bibel. Das ist aber nicht die einzige Horror-Story: Auch die Geschichte vom trojanischen Krieg beginnt mit einem Apfel, nämlich mit dem der Zwietracht. Dieser goldene Apfel wurde von der Göttin Erin mit der Aufschrift "Für die Schönste" bei der Hochzeit des Peleus mit Thetis eingeschleust, aus Rache dafür, dass sie nicht eingeladen wurden war. Aus dem daraus folgenden Streit zwischen Hera, Athene und Aphrodite entwickelten sich dann die Epen um Troja und den Irrungen des Odysseus.
In vielen Kulturen symbolisiert der Apfel Leben, Sexualität und Fruchtbarkeit, aber auch den Zwist ( und darin ist der Begriff "Zankapfel" begründet ). In der griechischen Mythologie galt Dionysos, u.a. Gott der Fruchtbarkeit, als Schöpfer des Apfelbaums. Er schenkte den dann aber der Aphrodite, der Göttin der Liebe. Ebenso in der griechischen Mythologie ist die Rede von den goldenen Äpfeln der Hesperiden, den Töchtern der Nacht, die die Begehrlichkeiten von Göttern und Sterblichen auslösen. Die Urgöttin Gaia überreichte sie einstmals Hera und Zeus als Hochzeitsgeschenk. Gehütet wurden sie neben den Hesperiden von dem hundertköpfigen, nie schlafenden Drachen Ladon. Diese Äpfel gewähren Unsterblichkeit. Der griechische Superheld Herakles musste als elfte seiner zwölf Aufgaben die goldenen Äpfel der Hesperiden von einem Wunderbaum rauben.
Wegen seiner Kugelform war er auch Symbol für die Vollkommenheit von Erde und Kosmos. Im Symbol des Reichsapfels wurde die Herrschaft auf Erden durch den gottgewollten Herrscher ausgedrückt. Bis heute sind Äpfel vielfältige und suggestive Symbole geblieben. Nicht zuletzt trägt eines der erfolgreichsten Unternehmen des Internetzeitalters einfach den Namen "Apple". Ein moderner Mythos besagt, dass das Logo eine Hommage an Alan Turing sei, einen Begründer der modernen Informatik. Er entschlüsselte während des Zweiten Weltkriegs die Codes der Deutschen und soll sich später durch einen mit Blausäure vergifteten Apfel getötet haben.
Beliebt ist der Apfel auch in Märchen. So sind in der Geschichte von der Frau Holle, von den Brüdern Grimm überliefert, auf dem Weg durch die Unterwelt die Protagonistinnen mit einen Apfelbaum konfrontiert, der ruft: "Ach schüttel mich, schüttel mich, meine Äpfel sind alle miteinander reif". Prominent ist auch die Rolle eines Apfels in "Schneewittchen", mit dem die böse Stiefmutter mit Hilfe eines vergifteten Apfels das schöne Mädchen töten will. Und goldene Äpfel kommen immer wieder vor. Der zweite Band der "Illuminatus!"-Trilogie von Robert Anton Wilson und Robert Shea trägt den Titel "Der Goldene Apfel", in Anspielung auf den Apfel der griechischen Eris.
Genug erzählt! Nun seid ihr wieder dran, Bilder von Bäumen ( oder gar Geschichten? ) unter diesem Post bis zum 30. Mai zu verlinken!
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