Montag, 29. August 2016

Meine 34. Kalenderwoche 2016























So sah also der morgendliche Sommerhimmel über Köln - Nippes von Dienstag bis Samstag aus. Die Tageshöchsttemperaturen stiegen von 28 Grad am Dienstag auf 35 Grad am Samstag.

Und ich habe diese Tage weitestgehend im Haus verbracht, denn am ( noch verregneten) letzten Montag habe ich angefangen, mein ganzes Haus vom Keller bis unters Dach ins Chaos zu stürzen.

In irgendeinem Kommentar zu mir habe ich gelesen, warum wir die Arbeit nicht von Handwerkern haben machen lassen.

Ja, warum? Weil es ein ganz eigener Lernprozess ist, sich einzugestehen, dass eine solche Aktion a) nicht mehr wie früher in zwei Tagen gestemmt wird, weil b) die eigenen Kräfte nicht mehr die sind wie vor ein paar Jahren. Wer jemals alte Eltern davon überzeugen musste, dass nach dem fünften Blechschaden am Auto ( wenn es denn nur dabei bleibt - hab Schlimmeres erlebt ) selbiges abgeschafft und der Führerschein abgegeben gehört, der dürfte eigentlich wissen, dass es nicht die einfachste Übung ist sich einzugestehen, dass man manche Dinge nicht mehr kann & von lieb gewonnenen Freiheiten Abschied nehmen muss. Offensichtlich hat für mich dieser Prozess nun auch begonnen. Wer diese Einsichten ohne schmerzhafte Erlebnisse erlangt hat - herzlichen Glückwunsch!

Ich habe mit der Unterstützung des Herrn K. also mehr als fünf Tage gebraucht, um mich in meinem Haus wieder wohl zu fühlen und nun über zwei weitgehend aufgeräumte, inspirierende Plätze für meine Hobbies zu verfügen. Und dank meiner Nachbarin Ella auch jemanden gefunden, der uns unterstützt, die Sachen einigermaßen in Ordnung zu halten. So!

Gedanken zur Endlichkeit alles menschlichen Tuns & Strebens, zum Abschiednnehmen von selbstverständlich und lieb Gewordenem können nicht ausbleiben, wenn man wie wir zum dritten Mal binnen 15 Monaten damit konfrontiert wird, dass unser Leben tatsächlich nur ein kurzer Traum ist.
























Eine Stunde, nachdem ich diesen Himmel fotografiert habe, bin ich zur Waise geworden...


Sonntag, 28. August 2016

Mein Freund, der Baum: Silber - Weide


Den Baum, dem ich mein heutiges Porträt widmen möchte, habe ich eigentlich schon so lange "auf dem Schirm", aber es gab in diesem Sommer wenig Gelegenheit, sich aufzumachen, um besonders schöne Exemplare zu finden und zu fotografieren.

Was war ich froh, als ich dann am ersten Augustsonntag ein Exemplar im Stadtwald entdeckte! Gemeint ist die Silber - Weide/salix alba, ein in Mitteleuropa vor allem im Tiefland und in den Stromtälern bis in 900 m Höhe vorkommender sommergrüner Baum mit steil aufgerichteten Ästen.
























In unseren Regionen gibt es acht unterschiedliche Arten von Weiden, die alle an unseren Flussufern und sonstigen bodenfeuchten Stellen wachsen. Sie bilden mit Erlen und Pappeln gemeinsam den Baumbestand der sog. Weichholzaue. Weil Weiden gerne Bastarde bilden, ist das Bestimmen allerdings für Baumkenner oft sehr schwierig. 

Vielen bekannt sein dürften die sog. "Kopfweiden": Recht früh hatte der Mensch herausbekommen, dass Weiden sehr schnell wieder ausschlagen, und deshalb wurden bevorzugt Silber- und Korbweiden am Stamm auf eine Höhe von etwa 1 bis 3 Metern eingekürzt und die Zweige in den Folgejahren alljährlich regelmäßig zurückgeschnitten. Die langen Gerten wurden zu allerlei Flechtwerk, besonders Körben, verarbeitet, fanden Verwendung bei diversen Bindearbeiten bis hin zu Schnürsenkeln der armen Leute oder wurden in Verbindung mit Lehm als Baumaterial für Häuserwände benutzt ( Fachwerk ). 























Bekannt sind die Blüten, die sog. "Kätzchen", die männlichen -  bis 7 cm lang & gelb - und die weiblichen - gebogen-aufrecht, 5 cm lang, sehr schlank & grün -, die mit ihrem Erscheinen das sehnsüchtig erwartete Frühjahr begleiten.

Die Blätter der Silber - Weide sind schmal lanzettlich, bis zu 10 cm lang und 2 cm breit, ihre Ränder nicht umgeschlagen oder eingerollt, aber am Blattrand fein drüsig gesägt. An der Oberseite sind sie dunkelgrün, auf der Unterseite aber grausilbern & behaart. Diese Behaarung ist ein hervorragender Verdunstungs- und Strahlungsschutz. Damit ist die Silberweide gut an zeitweilige Trockenheit und der extremen Einstrahlung an Gewässerrändern angepasst.

Im Herbst färben die Blätter sich hellgelb.

Die Samen reifen zwischen Juni und Juli aus und tragen lange, weiße Haare ( als Flughilfe ), die wie Wollmäuse den Boden um die Weiden herum bedecken und vom Wind überallhin fortgetragen werden.


Die Wuchshöhe kann bis zu 35 Meter betragen, der Stammdurchmesser bis zu einem Meter. Die Rinde zeigt sich als gräuliche, tiefgefurchte Borke. Die hat die Eigenschaft, an den bevorzugten Standorten der Weide die Beschädigung des Baumes bei Eisgang oder Hochwasser durch mitgeführte Gegenstände zu verhindern. 

Die Weide ist neben der Erle die einzige Baumart, die mit ihren Wurzeln unter die mittlere Grundwasserlinie reicht. Ihre Wurzeln zeichnen sich aus durch ein besonderes Durchlüftungsgewebe. Sie kann dann Wurzelzöpfe ins fließende Wasser ausbilden. 


Der Name Weide hat indogermanische Wurzeln ( "biegsam" ), womit die  Eigenschaft der Zweige beschrieben wird.

In vielen Sagen und Bräuchen gilt die Weide als Baum der Unfruchtbarkeit, der Ehrlosigkeit, der Trauer und des Todes. Gespenster verwandeln sich in Weiden. Die Germanen verehrten die Weide als Sitz der großen Gottheiten. Nach ihrer Christianisierung wurden die Weiden dann aber zum Hort tanzender Dämonen umgewandelt. Die Weide war DER Hexenbaum, und wenn eine Frau nachts in ihrer Nähe gesehen wurde, machte sie sich sofort verdächtig.

Die Weide spielt bis heute in Naturheilverfahren eine Rolle und gilt als Klassiker unter den Schmerzmitteln. Ihre Rinde enthält das Salicin, das nach der Magen-Darm-Passage im Blut und in der Leber nach und nach in die für uns verträgliche Salicylsäure umgewandelt wird. Die synthetische Salicylsäure ist im allseits bekannten "Aspirin" enthalten.

Weitere Baumfreunde treffen sich heute wieder bei Ghislana/Jahreszeitenbriefe...





Samstag, 27. August 2016

Vergiß der Traurigkeit*



























"Vergiß der Traurigkeit, die sich verlor
Ins ferne Spiel der Wasser, und der Zeit
Versunkner Tage. Singt der Wind ins Ohr
Dir seine Schwermut, höre nicht sein Leid.
.....
 
Wir werden immer beieinander bleiben
Im schattenhaften Walde auf dem Grunde.
Die gleiche Woge wird uns dunkel treiben,
Und gleiche Träume trinkt der Kuß vom Munde.
 
Der Tod ist sanft. Und die uns niemand gab,
Er gibt uns Heimat. Und er trägt uns weich
In seinem Mantel in das dunkle Grab,
Wo viele schlafen schon im stillen Reich.«




Requiescat in pace

TK
1929 - 2016



* aus: Georg Heym "Der Tod der Liebenden" - Ich würde so gerne glauben, dass sie all die wieder trifft, die sie so geliebt und die sie Zeit ihres Lebens so sehr vermisst hat.




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