Dienstag, 2. März 2021

12tel Blick - Februar 2021


habe ich mich in diesem Jahr für zwei Ansichten beim
12tel Blick
entschieden.

Der erste gilt meinem Terrassentisch,
den ich zum Monatsende,
ermuntert von den Frühjahrsgefühlen in den letzten Tagen des Februar, 
mit Frühblühern bestückt habe:




( Wie der Tisch vor vier Jahren ausgesehen hat, kann frau/man hier nachschauen. ) 

Der zweite Blick dann vom Wilhelmsplatz, unserem Markt:


Freitagvormittag bei dunstigem Himmel und Temperaturen um die zehn Grad
geht es auf dem Markt lebhaft zu.
Es fehlen noch immer die Stände auf der Freifläche,
an denen unter normalen Umständen Textilien & Kleinkram angeboten werden.

Unter normalen Umständen hätte ich auch im Februar
den Platz und das Geschehen an Weiberfastnacht fotografiert,
denn dort wird immer schon um neun Uhr der Straßenkarneval vom Dreigestirn eröffnet,
eine schöne, intime Veranstaltung mit toll maskierten Menschen,
ganz anders als - fernsehreif - am Alter Markt um elf Uhr elf.
Im letzten Jahr war der Platz so gefüllt:




Und dort, wo ich meinen Standpunkt zum Fotografieren einnehme, 
war es so:




Hätte mir mehr Spaß gemacht...

Zum Schluss wieder die Übersichten:

Nummer 1:




Nummer 2:












Eva Fuchs sammelt wieder dankenswerterweise die 12tel Blicke aller Teilnehmerinnen
auf ihrem Blog.


Montag, 1. März 2021

Jahresprojekt 2021: Sich trennen II

Als Andrea, die Zitronenfalterin, hier beschrieb, was sie sich für eine Linkparty für das frisch geschlüpfte Jahr ausgedacht hatte, war mir klar, dass ich kein (neues) Projekt werde anleiern können, welches in irgendeiner Weise ihren Vorschlägen nahe kommen würde. Im Blog habe ich zwei eigene Großprojekte laufen, die viel zeitlichen Einsatz verlangen. Und dann ist da noch mein Alltagsleben als pflegende Angehörige, ein Projekt, das auch ein ganz ordentlicher Zeit- und Nervenfresser ist. Ich muss schon so viele Vorhaben immer wieder stornieren!

Eine Absatz-Überschrift ist dann aber doch hängen geblieben: "Gegenseitig unterstützen, einander wahrnehmen". Derartigen "Begleitschutz" für mein Projekt, nämlich dem des Sich-Trennens von Dingen, die sich überlebt haben, könnte ich gebrauchen. Die erste Aktion ist in meinen Augen ganz gut gelaufen, bekam ich doch zusätzlich von Christine/Buntpapierfabrik den Hinweis auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei Oxfam, wo Schuhe immer gerne entgegengenommen werden. Also habe ich noch einmal meine Sammlung kritisch gesichtet und einen Karton gepackt, den ich versenden werde, wenn die Läden wieder geöffnet sind...

 

"Es gibt mehr Schätze in Büchern 
als Piratenbeute auf der Schatzinsel… " 
Walt Disney

Für den Februar hatte ich mir ein sehr viel weniger kniffliges Sujet ausgesucht, insofern als mir da das Abschiednehmen nicht so viele Verluste vor Augen führen würde. Es ging nämlich um meine Sammlung von Frauenbiografien, die doppelreihig im Regal standen und dort einstaubten. Schon seit über dreißig Jahren sind solche Biografien mein absoluter Leseschwerpunkt, da sammelt sich allerhand an. Vielleicht haben ja andere Menschen ähnliche Interessen?

Inzwischen habe ich selbst das Gelesene oft in Great-Women-Porträts auf meinem Blog umgewandelt, es sozusagen digital komprimiert. Und der Platz, der so frei würde, könnte von Neuzugängen in meiner Sammlung an Künstlerinnenbüchern eingenommen werden, so meine Vorstellung.

Ich habe mich schon öfter von Büchern getrennt, u.a. Kochbüchern und Sach- & Lesebüchern meiner ehemaligen Klassenbücherei, die ich nicht in meiner letzten Schule hinterlassen habe. Der beste Ort ist dafür der Bücherschrank in unserem Bürgerzentrum, von einer meiner ehemaligen Referendarinnen dort vor langer Zeit noch in einer alten Telefonzelle installiert & lange betreut. 

Wir haben uns schon manches Mal früher in Vor-Corona-Zeiten in das Café nebenan gesetzt und beobachtet, wie schnell unsere eingestellten Bücher neue Leser*innen finden. Nach spätestens einer Woche war immer alles weg. Also war für mich klar, dass ich dort meine Biografien einstellen werde. 

Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, in meinem Falle verbunden mit etlichem Staub, Niesen & Husten. Bücher, die nicht mehr gelesen werden, rächen sich auf diese Art & Weise... 

Mit dieser "Trennung" war also auch erst einmal ganz viel Putzer- & Räumerei verbunden, bevor ich mich dem eigentlichen Thema widmen konnte. Ich ziehe auch schon mal gerne Tätigkeiten vor, die mit angenehmeren Gefühlen verbunden sind, in diesem Fall die Neuordnung meiner Künstlerinnenbücher. Also wanderten erst einmal Bücher aus der obersten Regalreihe nach unten in die ausgeräumten Fächer, um dort wiederum Platz zu schaffen für all die neu hinzugekommenen Bände, die in chronologischer Folge einsortiert wurden. Sehr befriedigend, wenn dann alles wieder "stimmt".

Die Entscheidung, was jetzt von dem Sammelsurium auf dem Fußboden endgültig wegkommt, ist dann immer unangenehmer. Als Prämisse hab ich mir auferlegt: alle Biografien von Frauen, über die ich schon geschrieben habe, kommen ohne große Überlegung weg. ( Das das nicht immer so klappt, beweist das Buch über Dorothea Viehmann, der Märchenfrau - die alleroberste Abbildung - denn die ist wieder zurück ins Regal gewandert. )

Etwa achtzig Bücher fanden ihren Weg in meinem kleinen Einkaufswagen auf zwei Spaziergängen in den Bücherschrank des Bürgerzentrums. Ein halbes Dutzend könnte Material für Collagen bieten und wurde deshalb in den 2. Stock transferiert. Für ein weiteres Dutzend interessierte sich eine Freundin des Entlastungspflegers, und die wird sie demnächst in Augenschein und eventuell mitnehmen.

Und ich? Ich bin überglücklich über meine wieder sinnvoll strukturierten Kunstbände in staubfreien Regalfächern, über den aufgefrischten Überblick über Biografien von Frauen, die ich noch auf dem Schirm habe, und das Interesse fremder Leser an meinen Büchern: Bei zweiten Besuch waren schon etliche, auffällige Exemplare verschwunden...

In diesem Monat war die Aufgabe im Jahresprojekt eher eine, die mich physisch gefordert hat. Was die nächste anbelangt, bin ich noch mit mir uneins. Hängt auch davon ab, wie und ob die Pandemie- Maßnahmen gelockert werden...

Sonntag, 28. Februar 2021

Mein Freund, der Baum: Gelb-Kiefer & Schirmtanne

Vor genau einem Jahr, als alles noch "normal" war, habe ich Ende Februar unseren Botanischen Garten aufgesucht wegen eines besonderen Baumes. Der war allerdings den Bauarbeiten an den neuen Gewächshäusern zum Opfer gefallen. Doch ich habe die Gelegenheit genutzt, einige andere Bäume mit der Kamera zu sammeln. Die zwei heutigen waren sogar mit Schildern versehen, so dass es mir ein leichtes war, mich nach so langer Zeit an sie zu erinnern. Sie sehen sich eigentlich sehr ähnlich, und doch gehören sie zwei sehr unterschiedlichen Familien in der Ordnung der Kierfernartigen Coniferales an. 

  



Die Gelb- Kiefer Pinus ponderosa ist eine von über hundert Kiefernarten weltweit. Sie stammt aus dem westlichen Nordamerika und ist der Nationalbaum des US-Staats Montana. Die Gelb-Kiefer ist die Kiefer mit den längsten Nadeln, die bereits in der Jugend durch malerischen Habitus besticht.

Nach Herkunft unterscheidet man zwei Varietäten: Zum einen die Varietät ponderosa ( bei uns oft auch Großzapfige Gelbkiefer genannt ), die vor allem in Kalifornien und Nevada vorkommt, zum anderen die Varietät scopulorum ( Kleinzapfige Gelb-Kiefer oder Felsengebirgs-Gelb-Kiefer ) , die aus den Rocky Mountains, North und South Carolina sowie Mexiko stammt. Letztere bleibt kleiner, hat kleinere Zapfen und kürzere Nadeln. 

In Ihrer Heimat erreicht die Gelb-Kiefer eine Wuchshöhe von bis zu 60 Metern, ist also ein ansehnlicher, riesiger Waldbaum. Exemplare bei uns in Mitteleuropa kommen nur auf etwas mehr als 40 Meter. Bei der Gelb-Kiefer handelt sich um eine mittelstark wachsende Art mit einem Jahreszuwachs zwischen 20 und 30 cm. Der Stamm schafft dabei einen Brusthöhendurchmesser von ca. anderthalb Metern. Das maximale Alter der Gelb-Kiefer liegt bei 600 Jahren.

Der Waldspezialist bildet eine kräftige Pfahlwurzel und ist somit windfest. Leider bildet die Gelb-Kiefer, wie alle anderen Kiefern auch, nur wenig Seitenwurzeln aus, was den Baum anfällig für Bodenerosionen und Bodenverdichtungen macht. Wie Kiefern generell ist Pinus ponderosa für trockene oder sandige und lockere, tiefgründige Böden geeignet, gerne am Waldrand, denn die Gelb-Kiefer benötigt viel Sonne und Licht und schätzt die Beschattung durch andere Bäume nicht. Dann reagiert sie mit Kümmerwuchs oder geht gar ganz ein. Auch auf Staunässe reagiert Pinus ponderosa mit Wurzelfäule.

Die Gelb-Kiefer ist sehr konkurrenzstark, d.h. sie kann ohne menschliche Eingriffe in relativ kurzer Zeit große, weitläufige Bestände mit großen Abständen zwischen den Bäumen bilden. Das liegt daran, dass in der Heimatregion Waldbrände häufig vorkommen. Dagegen ist die Gelb-Kiefer mit ihrer Rinde bestens gerüstet, anders als andere Arten, deren Abkömmlinge durchs Feuer vernichtet werden. In Mitteleuropa sind die Verhältnisse allerdings ganz anders, was bei forstwirtschaftlichem Anbau zu berücksichtigen ist.

Typisch für diese Kiefer ist der absolut gerade Stamm bis in die Spitze, die leuchtende Rinde und die locker aufgebaute Krone. Die Borke setzt sich bei alten Bäumen aus großen bräunlich-gelben bis zimtfarbenen Platten zusammen. Sie ist bis zu fünf Zentimeter dick, so dass sie auch Waldbrände übersteht. Die gelbliche Rinde hat der Kiefer auch ihren deutschen Namen gegeben. 


Die Äste stehen nicht dicht, sondern locker verteilt, was dem Baum ein malerisches Aussehen verleiht. Die Knospen sind rotbraun. Auffällig sind die steifen, leicht in sich gedrehten und dunkelgrünen Nadeln: Sie werden mit bis zu 30 Zentimetern am längsten von allen Kiefernarten. Die spitzen Nadeln stehen in Dreiergruppen zusammen und sitzen dicht gedrängt an den Triebenden.

Die männlichen Blüten, Pollenzapfen genannt, sind anfangs rot und stehen starr vom Zweig ab, werden bei der Reife im Juni gelblich durch die sich öffnenden Pollensäckchen. Danach hängen die Pollenzapfen schlaff herab und sind braun. Die elliptisch-zylindrischen weiblichen Blüten-Zapfen von anderthalb bis drei Zentimeter Länge sind zunächst auch rot, färben sich aber rasch violett, verändern sich bei einsetzendem Größenwachstum zu grünen Frucht-Zapfen und reifen danach gelblich aus bzw. sie verholzen. Sie sind eiförmig, symmetrisch bis leicht asymmetrisch, 5 - 15 cm groß und dunkelpurpur, später dunkelbraun gefärbt.




Die Gelb-Kiefer ist eine der wichtigsten Baumarten der nordamerikanischen Forstwirtschaft. Sie bildet absolut gerade Stämme und das härteste Kiefernholz überhaupt. Vor allem in der Zeit der Besiedlung Amerikas des vorletzten Jahrhunderts sind ganze Schluchten mit Brücken aus ihrem Holz überwunden worden. Diese Brücken trugen sogar ganze Eisenbahnlinien mit all ihren Passagier- und Frachtzügen. Viele dieser Brücken existieren heute noch.

Zudem ist das Holz sehr hell und kann als Konstruktionsholz, für den Innenausbau und für Masten aller Art verwendet werden. Das Holz schrumpft und arbeitet nur sehr wenig. Das spezifische Trockengewicht liegt bei ca. 450 kg pro Kubikmeter. Die Artbezeichnung ponderosa vom Lateinischen für "schwer" bezieht sich auf dieses hohe spezifische Gewicht des Holzes.


Der zweite Baum, den ich heute vorstellen möchte, die Japanische Schirmtanne Sciadopitys verticillata, ist  einzigartig. In seiner Pflanzengattung Sciadopitys gibt es keine zweite Art und zugleich ist sie die einzige Art der Familie der Schirmtannengewächse Sciadopityaceae innerhalb der Ordnung der Kiefernartigen Coniferales.

Ganz besonders sind auch ihre "Nadeln": Die photosynthetisch aktiven Laubblätter sind linealisch, das bedeutet lang und mit parallelen Rändern, und flach, fast so wie Kiefernnadeln, sie haben aber einen ganz anderen inneren Aufbau, denn sie entwickeln sich durch das Verwachsen von zwei Blättern. Diese Laubblätter sitzen zu zehn bis dreißig gebündelt an Kurz- oder Langtrieben. Sie haben eine Länge von 6 bis 13 Zentimeter, sind 2 bis 3 Millimeter breit und 1 Millimeter dick. Drei bis vier Jahre halten sie sich am Baum. Es gibt aber noch eine zweite Sorte Blätter am Baum, die dreikantig, braun und nur 1 bis 6 Millimeter groß sind und schuppenartig am Stamm sitzen.

Die Schirmtanne ist - daher das Attribut japanisch im Namen - im südlichen und mittleren Japan auf den Inseln Honshu, Shikoku und Kyushu beheimatet. Sie wächst dort in Höhenlagen zwischen 500 und 1000 Metern in gemischten Wäldern, wo es viel regnet und nebelig ist. In einem solchen, ihr genehmen Klima wächst die immergrüne Schirmtanne zu einem Giganten von bis zu 40 Metern heran. In unseren Gefilden schafft sie es für gewöhnlich jedoch nur auf eine Höhe von 10-20 Metern und wächst obendrein sehr langsam. In den ersten 10-15 Jahren wirkt sie denn auch eher wie ein buschig kompakter Strauch, bevor sie sich zu einem kegelförmig wachsenden Baum mit durchgehendem Stamm entwickelt.

Vor Millionen von Jahren waren Schirmtannen auch in Mitteleuropa heimisch und ein wesentlicher Bestandteil der Braunkohlewälder. Die Familie der Sciadopityaceae umfasste früher sehr viel mehr Arten. Versteinerte Überreste sind weit verbreitet und seit der oberen Trias belegt, die Hauptentwicklungszeit dieser Familie liegt in der unteren Kreidezeit, in Europa vor allem im Tertiär.


Inzwischen sieht man die Schirmtanne oft in unseren Vorgärten. Sie ist allerdings ein recht anspruchsvolles Gewächs, bevorzugt sonnige bis halbschattige Plätze - im Winter mag sie allerdings keine direkte Sonneneinstrahlung - und braucht einen wind- und wettergeschützten Standort.

Da die Schirmtanne ein Flachwurzler ist, kann sie nicht von der Feuchtigkeit in der Tiefe des Bodens profitieren, langanhaltende Trockenheit ist nichts für sie. Auch auf sehr kalkhaltigen oder schweren lehmhaltigen Böden gedeiht sie nicht. Staunässe führt zum Absterben oder Verfaulen der Wurzelbereiche. Sie ist sehr auf die klimatischen wie Bodenverhältnisse ihrer Ursprungsheimat angewiesen: hohe Luftfeuchtigkeit, nährstoffreicher, gut durchlässiger sandig-humoser Boden, der gut durchfeuchtet ist.

Die Schirmtanne ist einhäusig getrenntgeschlechtig. Die männliche Blüten sind gelb, kugelförmig, 1,2 cm lang und in Büscheln am Triebende zu finden, die weiblichen Blüten sind unscheinbar und dunkel. Die sich aus ihnen entwickelnden Zapfen von 6 - 10 cm Länge mit einer eiförmig länglichen Form mit dicken, breitrunden Schuppen wachsen aufrecht. Eine Samenschuppe enthält fünf bis neun orange-braune Samen, die 18 bis 20 Monate nach der Bestäubung reif sind.

Die Schirmtanne gehört in Japan zu den fünf heiligen Bäumen und wird besonders verehrt. Sie wird aber nicht nur in Parks und Gärten, sondern auch zur Holzgewinnung angepflanzt, denn das weiche, elastische Holz ist sehr widerstandsfähig im Wasser und eignet sich deshalb für den Bootsbau. Auch ein Öl wird aus der Schirmtanne gewonnen, das als Firnis und Farbstoff verwendet wird.

Nun seid wieder ihr dran, liebe Leser*innen: Einen ganzen Monat könnt ihr unter diesem Post eure Beiträge zu/über Bäume verlinken. Die einzigen Bedingungen: Die Posts sollten aktuell sein und einen Backlink haben. Ich freu mich schon darauf!

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