Montag, 1. Juni 2026

Bücherlese Mai 2026

"Ich weiß wirklich ernsthaft meistens nicht, 
warum ich ein Buch schreibe.
......
... ich will niemanden bilden, absolut nicht. 
Unterhalten schon, manchmal ein bisschen ärgern."
Christine Wunnicke
"Die zwei schwierigsten Dinge am Schreiben sind 
das Anfangen und das Nicht-Aufhören."
Stewart O'Nan
"Prosa und Gedichte sind wie Medikamente.
Sie heilen den Riss, den die Wirklichkeit 
in die Vorstellungskraft schneidet."
Jeanette Winterson
"Menschen, die regelmäßig lesen, 
zeigen niedrigere Depressionsraten 
und eine stärkere & emotionale Selbstregulation als Nichtleser."
University of Sussex

Stewart O'Nan oder Christine Wunnicke war da die Frage, als ich überlegte, was ich zum neuen Monat lesen wollte. Das eine Buch hat 347, das andere 112 Seiten. Das war schließlich ausschlaggebend, und ich habe mich für das dünnere Werk entschieden und an einem Abend gelesen.

"Missouri" von Christine Wunnicke ist eine Wild-West-Geschichte zwischen Dichtung und Revolver. Und wie immer bei Wunnicke schießt allerlei Ungeplantes – und sei es die vermaledeite Liebe – quer, bei ihr auch gerne queer. Glatt geht es bei dieser Autorin, wie auch, auch dieses Mal nicht. Und es ist immer wieder große Erzählkunst, auf kleinstem Raum sozusagen, und mit verschrobenen Figuren, was mir immer Amüsement bringt und passende Bilder in meinem Kopfkino erzeugt.

Doch dieses Mal ist alles wenig anders anders: Der kleine Roman besticht durch eine der schönsten Liebesszenen, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Beseligt bin ich nach der Lektüre eingeschlafen.

Der Plot ist folgender: Der vermögende, extravagante Londoner Dichter & Lichtbildner Douglas Fortescue kommt in seinem Mutterland unter Druck und weicht auf Anraten seines Bruders nach Amerika aus für einen Neustart. Dort fallen sie unter die Räuber. Doch Fortescue passiert etwas ganz anderes als den anderen Überfallenen. Als der Bruder seinen Namen laut ruft, wird er von dem sehr jungen Kopf der Bande zu seiner Überraschung ergriffen, auf ein Pferd gebunden und wie eine Geisel mitgenommen. Dieser Joshua Jenkyns, ein Halbblut, hat von seinem Vater den Beruf geerbt, aber durch Zufall ist ihm in der Westentasche eines seiner ersten Opfer ein Buch mit Gedichten von Lord Byron in die Hände gefallen. Deshalb lernt er Lesen von einem Pfarrer, und Lord Byron begleitet ihn nun im Geiste auf seinen Raubzügen.

Bei einem Überfall auf britische Gentlemen in der Nähe des Mississippi hat Joshua ein weiteres Buch mit Gedichten ergattert: Douglas Fortescues "Colours". Gedichte ohne Reime, die der sonst sehr einsilbige Bandit nicht völlig versteht und dennoch immer wieder liest und liest. Byron ist ab da passé. 

Seit der Entführung Fortescues teilt man nun Stille, Ödnis und Einfachheit des Wilden Westens miteinander, man streunt auf Pferden umher, macht beim Essen halbpart, organisiert Überfälle und schläft Seite an Seite beim Nachtlager, man benutzt die Revolver und rettet sich gemeinsam vor Verfolgern. Und dabei redet man nicht viel, bis eines Tages der junge Joshua seinen Revolver Fortescue vor das Gesicht hält und sagt. "Ich liebe Sie, Mister."

Weil der Bruder Fortescues die Suche nach ihm nicht aufgibt - und weil kein Western ohne "High Noon" auskommt - treffen die drei Protagonisten vorhersehbarerweise aufeinander - ein tragisches Finale also. Dennoch ist das spannend zu lesen, und geht über das Western - Genre weit hinaus mit dieser Liebesgeschichte. Wunnicke bleibt nach wie vor eine meiner literarischen Favoritinnen.

Dann also das "Abendlied", das jüngste, gerade erst bei uns in Deutschland erschienene neunzehnte Werk von Stewart O'Nan, gepriesen als "Ode an weibliche Solidarität". Es handelt von vier alten Frauen, die eine Selbsthilfeorganisation für ebensolche, den Humpty Dumpty Club, unterhalten. Das ist für jemanden wie mich, dem nahenden Ende jeden Lebens eher näher stehend als allem anderen, doch eine passende Geschichte, meinte ich.

Doch ich fand es eher langweilig, den Alltag von Frauen in meinem Alter und/oder meiner Situation zu lesen, von der Übernahme von Besorgungen, von Stürzen, Krankenhausbesuchen, Rehaaufenthalten, von Ehemännern, die gepflegt werden müssen usw. Nicht mal die Versuche der Jüngsten im Club, durch eine Dating-App wieder zu einem männlichen Begleiter zu kommen, weckte meine Neugier bzw. Anteilnahme. Ich nehme an, das liegt daran, dass ich selbst mit Ausfällen im Gedächtnis (  welcher Weg war das noch mal? ), verlegten Portemonnaies & vertrauensseligem Umgang mit Kreditkarten, Rauchmeldern & vergessenen Töpfen auf dem Herd usw. regelmäßig zu tun habe ( weniger mit anstrengenden divahaften Katzen oder Hunden ). Die Verhältnisse sind halt so, wie sie sind, die Menschen sind alt, aber noch ist ihnen das Leben eine angenehme Gewohnheit.

Überraschendes bot einzig der Messi-Haushalt eines alten, einst renommierten Pianistenehepaares mit zig Katzen und einem Rolls Royce in der Garage, dessen überlebender weiblicher Part nur mit unermüdlichem Einfühlen, unermüdlichem Einsatz und ebenso unermüdlicher Geduld der Frauen des Humpty Dumpty Clubs durch ihr Dasein mit einem sterbenden Mann bzw. als Witwe kommt. 

Anerkennen muss ich, dass sich Stewart O'Nan so gut in das Fühlen & Denken der alten Damen hineinversetzen konnte. Und: Er ist ein Meister darin, gegen die aggressive Dauererregtheit der Politik auf geradezu provokative Weise die Ereignislosigkeit des Alltags zu setzen. Doch ich frage mich: Wird die von ihm beschriebene Solidarität mit dem Club der Greisinnen nicht aussterben? Das Buch hat so etwas Altmodisches an sich.

Als ich an meinem Post zu Emily Dickinson geschrieben habe, habe ich mich der Dichterin gleichzeitig literarisch genähert und zwar mit dem Buch "Städte aus Papier" der kanadischen Schriftstellerin Dominique Fortier. Einfach schön war das zu lesen. Einen Abend habe ich dafür gebraucht. 

Da mir gerne Vergleiche mit der Malkunst kommen: wie in der Aquarelltechnik tupft die Autorin die Sinneseindrücke aufs Papier, mit denen sie das Leben dieser unerklärlichen Person in der Welt der Dichtung einfängt. Ich konnte mich im Moment verlieren, in den Worten, die Bilder evozieren und auch wieder sich auflösen wie Schneeflocken, in den für mich treffenden Formulierungen ( "Jedes Gedicht ist ein winziges Grab zum Gedenken an das Unsichtbare" ), die den Moment festhalten können, von dem ich weiß, dass er nicht andauern wird. "Und am Ende wird die Welt auf die Spitze der Feder passen, die sie zwischen den Fingern hält." Leicht und federzart, an den lyrischen Stil Dickinsons angelehnt, schafft Dominique Fortier das Bild jener fazettenreichen Frau und vermittelt deren Zugang zum Leben, zu ihrer Welt, ohne sich in den vielen Spekulationen über den Mythos, der sich um Dickinson gebildet hat, zu verlieren. Das Buch legt nahe, was ich auch nach der Beschäftigung mit der Dichterin gedacht habe: Da ist eine, die sich einfach radikal für sich selbst entschieden hat.

Meine "Anna Amalia" von Mano

François-Henri Désérables "Monsieur Piekielny" hat mir seinerzeit gut gefallen. Und Verlaine & Rimbaud haben mir  schon in Schülertagen den leidigen Französischunterricht versüßt ( der Titel greift einen Verlaine-Vers auf ). Also gefolgert, "Mein Meister und Bezwinger" könnte was für mich sein. Vasco, Archivar in der Bibliothèque nationale de France ( BNF), und Tina, eine Schauspielerin, die jeden Morgen zwischen zwei Tassen Kaffee Gedichte derselben zitiert. Literatur ist ihnen ein unentbehrliches L(i)ebeselixier. 

Auf einer Party sind die sich das erste Mal begegnet. Sie verlieben sich auf Anhieb, gestehen es sich aber nicht ein, stürzen sich nach und nach in eine Affäre, die der Autor mit unverhüllter Erotik in Szene setzt. Das hat schon was Schräges, diese Liebesszene auf einem Tisch in der BNF, auf dem die Gutenbergbibel, die korrigierten Fahnenabzüge von "Fleurs du mal" und die Originalausgabe von "Un saison en enfer" von Rimbaud liegen! 

Tina ist allerdings gerade dabei, den Vater ihrer Zwillinge, einen drögen Ministerialbeamten, heiraten zu wollen und da kann eine klassische amour fou nicht ausbleiben, ist ja schließlich ein Roman à la française. Erzählt wird die Geschichte von einem Schriftsteller, Freund Vascos bzw. Vertrauter Tinas, und zwar auf dem Hintergrund einer Zeugenbefragung vor einem Untersuchungsrichter. Das eröffnet  dem Leser die Aussicht auf ein schweres Liebesdrama. 

Auf dieser Ebene gibt es immer wieder Brüche, und der Autor kann gleichzeitig ein wunderbares, raffiniertes literarisches Spiel entfalten: Voltaire kommt vor, Apollinaire, Baudelaire, Mallarmé, all diese Leuchtsterne französischer Dichtkunst des 19. & des frühen 20. Jahrhunderts, sogar der Surrealist Aragon und seine Elsa, und eine besonders direkte Verbindung zu Paul Verlaine und Arthur Rimbaud, den beiden verehrten Lyrikern und Protagonisten des vielleicht berüchtigsten Beziehungsdramas in der französischen Literaturgeschichte, wird ausgesponnen. Er lässt Vasco sogar in den Besitz jener Waffe kommen, mit der Verlaine auf Rimbaud geschossen hat. Es geht um Haikus, Vierzeiler, Sonette, Alexandriner und die Lyrik, die Vasco zwecks Bewältigung seines Liebeskummers verfasst und in einem Heft notiert hat. Und dann kommt - hach! - auch noch ein wenig die Landschaft meiner Sehnsüchte vor, die im Stile Stendhals in ( wärmste ) Erinnerung gerufen wird.

Der Roman ist souverän komponiert, in seiner Eloge auf die Literatur des 19. Jahrhunderts und ihrer Geschichten, die das wahre Leben spiegeln, und dem Spiel mit gängigen Klischees. Das ist vergnüglich zu lesen, auch wenn es bis zum allerletzten Schluss offen bleibt, ob es nun tragisch oder doch komisch ausgeht. Ein nächstes Buch des Autors wartet schon. Aber nicht der Roman, den ihm der Untersuchungsrichter zu schreiben vorschlägt.

Übrigens ein unterhaltsamer, romantischer Film...


Ein wichtiger Bestandteil meiner Lesebiographie im Alter ist das "Abarbeiten" der ZEIT-Liste der Bücher, die man gelesen haben sollte, von 2025. Im zurückliegenden Monat war das erneut Jane Austen, diesmal "Stolz und Vorurteil" in der Ausgabe von 2015, übersetzt durch Manfred & Gabriele Allié. Der Roman hat ja inzwischen eine solche popkulturelle Signifikanz, da konnte ich ihn doch vor meinem Ableben nicht links liegen lassen!

Ich muss mich allerdings bei einem derart dialoglastigen Erzählstil in Form der "erlebten Rede" ( Fontane im "Stechlin" war allerdings schlimmer )  arg konzentrieren, wenn der allwissende Erzähler - in diesem Fall eben die Erzählerin - auf diese Weise etwas wiedergibt, was in den betreffenden Personen vor sich geht, Romanfiguren also in Dialogen lebendig werden lässt. Doch ich war einmal neugierig geworden, wie es sich mit diesem Fitzwilliam Darcy, der ja gleich am Anfang des Romans schlechte Karten hat, entwickelt ( dass es ein Happy End geben wird, weiß frau dank des ständigen medienmäßigen Ausschlachten des Stoffes schon, und ein solcher Plot ist zudem literarisch oft genug aufgegriffen worden ). Und zum anderen reizte mich zu erfahren, wie die Schriftstellerin diese Geschichte angeht. Wissbegierde hat mich also durch die ersten hundertvierzig Seiten getrieben, an einem Abend vor dem Einschlafen gelesen. 

Kurz gesagt: sie hat mich gepackt! Der Roman ist mit gelungenen Spannungsbögen ausgestattet, auch durch die Nebenschauplätze wird es nicht langweilig. Und an Ironie, zwar sehr fein, fehlt es auch nicht wie an witziger Schlagfertigkeit in den Dialogen mancher Figuren. Bildungs- und Klassenunterschiede werden aufs Korn genommen und die Lage der Frauen sowieso. Immerhin hatte sich zu dieser Zeit bereits Mary Wollstonecraft zu Wort gemeldet und Frauenrechte eingefordert. Elizabeth Bennet ist eine beeindruckende, da unabhängige, reflektierte Person, die mir gefallen hat ( sehr viel besser als Emma im gleichnamigen Roman ). Da ist also doch so viel mehr als eine Lovestory in besonders hübschen Kostümen & malerischen Kulissen, wie dieser Roman ( und die anderen von Jane Austen ) aus kommerziellem Interesse heutzutage vermarktet wird. Ich habe ihn an drei Abenden letztendlich verschlungen. Wie schön, dass frau Vorurteile überwinden kann!

"Kintsugi", diese japanische Kunstform, bei der zerbrochene Keramik mit Goldpulver repariert wird, habe ich im Mai auch praktiziert und ich fand es witzig, als ich auf ein Buch mit diesem Titel gestoßen bin. Miku Sophie Kümmel hat es geschrieben. Es war ihr Romandebüt von 2019, das ihr zwei Literaturpreise und einen Platz auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises eingebracht. Mich hat die Lektüre im Kopf ziemlich beschäftigt, aber dann auch ratlos zurückgelassen. Das sollte Literatur eigentlich erreichen. Aber der Impuls, das Ganze ein zweites Mal zu lesen, ist merkwürdigerweise ausgeblieben.

Schon auf Anhieb verfängt er nicht, der Roman. Doch die Zähigkeit der ersten Seiten weicht rasch einem gewissen Sog, auch wenn es mir schwer gefallen ist, die vier Protagonisten zunächst auseinanderzuhalten, als da sind: ein schwules Paar, einer Künstler, einer Archäologie-Professor, dazu ein "Klavierspieler" mit seiner Tochter, Studentin, die sie zu dritt großgezogen haben. Nun steht das zwanzigjährige Jubiläum des Paares an, begangen in einem stylischen Wochenendhaus an einem See in der Uckermark.

Der Autorin beschreibt eine Kühle in diesen Beziehungen, in denen oft von Liebe die Rede ist, diese aber nicht nachvollziehbar wird. Zu viel aus Vergangenheit & Gegenwart wird erzählt, aber am Ende war mir nicht deutlich, warum es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Irgendwie ein schlechtes Kintsugi, da die Einzelteile nur schwerlich zusammenpassten.

"Im Licht der Lofoten" von Sophie van der Linden hat mir Sunni geschickt. Es ist ein biographischer Roman, der auf der Geschichte der schwedischen Malerin Anna Boberg beruht. Bevor sich Anna der Landschaftsmalerei gewidmet hat, war sie als Porzellanmalerin für Rörstrand und Kunstgewerblerin bei der Ausstattung der Bauten ihres Mannes, des angesehenen Architekten Ferdinand Boberg, tätig, den sie 1888 geheiratet hat. Mit Ausnahme einer kurzen Ausbildung an der Académie Julien in Paris ist sie als Malerin Autodidaktin. Gemeinsam unternimmt das Paar viele Reisen in Europa und darüberhinaus. Während einer solchen auf die Lofoten packt Anna zum einen die Leidenschaft für diese nordnorwegische Landschaft, zum anderen - zum zweiten Mal in ihrem Leben - die Lust zu malen, so dass sie in den folgenden 33 Jahren regelmäßig hierher zurückkehrt - und zwar allein: "Um mein unermessliches Verlangen zu stillen, etwas zu erschaffen, muss ich mir selbst gehören." Ihr Mann hat ihr dafür extra eine Hütte in Svolvær konstruiert. 

Dank Sophie Van der Linden dürfen wir die Malerin auf ihrer letzten Reise zu dieser zauberhaften Inselgruppe begleiten. Das Alter beginnt da schon seinen Tribut zu fordern und diesmal soll es, so Annas dringlichster Wunsch, gelingen, das Bild zu schaffen, das ihr in ihrer Heimat zum Durchbruch verhelfen soll. Sie reist im Spätherbst mit dem Zug an, dabei alles aus dem Fenster sinnlich aufnehmend, und gelangt mit dem Postschiff auf die Inseln, als das Wetter unwirtlich wird. Kälte, raue Winde bis zum Orkan, aber auch ein wenig das ersehnte polarlys umfängt sie bei diesem Aufenthalt zwischen den hohen, schroffen, schneebedeckten Bergen an eisigen Fjorden. Und die Autorin weiß das Frieren wohl zu beschreiben, das einen in der Arktis umfangen kann!

Immer wieder erfährt man durch die Gedanken, die während der Reise aufploppen, von der (Er-)Lebensfülle, die bereits hinter der Malerin liegt: Dem erstmaligen Aufkommen des Wunsches zu malen bei einer Familienreise nach Granada, von ihrer Flucht aus dem Schweizer Pensionat nach Paris und dem halben Jahr dort. Von der Zugehörigkeit zur schwedischen Oberschicht inklusive Königshaus, von dem Unbehaustsein mit ihrem Mann nach dem Verlust seines Renommées & ihrer Stadtvilla, von der gemeinsamen Arbeit zwecks Erfassung der ländlichen Architektur Skandinaviens.

Und während sie auf Polarlicht & Schnee wartet, ihre Vorhaben nicht gelingen wollen, kommt sie auf ihre Begegnung mit der Schauspielerin Sarah Bernhardt zurück und angesichts der traditionellen Eröffnung der Fischereisaison an ihren Aufenthalt in Venedig. Als jemand, dessen Arbeitsgerät die Augen sind, wie Anna von sich selbst sagt, kann schon die kleinste Assoziation Bilder der Erinnerung hervorrufen, an Indien, an die Küste der Blumenriviera. Das wirkt wie hingetuscht, und die Erzählung ist ein ständiger Fluss an Gedanken & Beschreibungen auf der Suche der Malerin nach dem "phantasmagorischen Weiß", bis der "fruchtbare Dialog mit diesem Flecken Erde" gelingt: 
"Vielleicht sollte ich mich darüber definieren statt über den hochtrabenden Begriff der Künstlerin. Ein schauendes Wesen. Punkt."
Das Gemälde "Fjäll, Studie från Nordlandet", das ihr letztendlich gelingt & das Bergmassiv auf der Insel Stormolla zeigt, 2021 gesehen auf einer Ausstellung im Pariser Musée d'Art Moderne, hat die Autorin zu ihrem Buch angeregt, und es reiht sich damit ein in eine größere Reihe an Lektüren in meinem Bestand, die von einem Kunstwerk inspiriert worden sind. Und es war leicht, da atmosphärisch dicht, zu lesen.


Irgendwas hat mir den einprägsamen & sprachlich schönen Titel "The Turn of the Screw" einer Novelle des amerikanisch-britischen Schriftstellers Henry James  wieder in den Sinn kommen lassen, und ich habe das schmale Bändchen aus unserem Regal gefischt, weil ich mich nicht mehr recht an den Inhalt erinnern konnte, und es dann noch einmal gelesen. Auf jeden Fall ist es eine spannende, ungewöhnliche, surreale Erzählung, die bis zum Schluss fesselt, deren Inhalt man hier nachlesen kann.

Spätestens als die Protagonistin - die Verfasserin eines Berichtes, den ein Erzähler namens Douglas einer neugierigen Londoner Abendgesellschaft vorliest - ihre erste Erscheinung auf einem Turm des Landsitzes hat, auf dem sie als Erzieherin zweier Kinder arbeitet, konnte ich mich an die Geschichte wieder erinnern. Doch diesmal ist mir weniger der Fortlauf der Handlung wichtig gewesen, sondern die durch den inneren Monolog facettenreich zu Tage tretende innere Verfasstheit der jungen Frau in all ihrer Ambivalenz. Da zeigt sich Verunsicherung, Entfremdung, Angst, und was sie als ihren moralisch festen Grund betrachtet hat, weicht nach und nach auf. Sie setzt sich einer ihr vollkommen unbekannten Gefahr aus, um ihrer Pflicht gerecht zu werden, davon ist sie überzeugt, um die Kinder & ihr Seelenheil zu retten und sie aus dem Einflussbereich ihrer früheren - geisternden - Bezugspersonen zu befreien, die sie "infiziert" ( womit? ) haben.

Erstaunlich - und wahrscheinlich auch ganz zeitgemäß - gelingt es dem Autor in all diesen Beziehungen und Zusammenhängen, ohne jemals explizit zu werden, etwas Verkommenes, etwas Verruchtes anklingen zu lassen, etwas, das der spätviktorianischen Gesellschaft gereicht haben dürfte, um einen Skandal zu wittern und ihre Empörungsbereitschaft hervorzurufen. Ein doppelbödiges Spiel also mit der Zuhörer- bzw. Leserschaft! Denn nach und nach ist bei mir immer mehr in den Vordergrund geraten, dass die Kinder wohl in die Fänge einer selbstvergessenen Gouvernante geraten sind - ihre Umgehensweise mit dem Jungen, der für sich eine altersgemäße Behandlung verlangt, erlebte ich geradezu als übergriffig. Die dauernde Unterstellung in der Geschichte, etwas zutiefst Anstößiges - was ja immer auch sexuell konnotiert ist - habe sich ereignet, hat sich mir diesmal bei der Lektüre immer wieder aufgedrängt.

Und die Kinder? Die spielen eigentlich lange nur die Rolle einer bezaubernden, anmutigen Staffage. Ist das Ganze also nur eine Phantasmagorie dieser überspannten jungen Frau, die all dies aufgeschrieben hat? Das beschäftigte mich nach meiner erneuten Lektüre und überlagerte andere, bisherige Ausdeutungen.



Literarisch blieb ich  dann in England, allerdings nun in dem der 1960er, -70er Jahre. Jeanette Winterson erzählt in "Warum glücklich statt einfach nur normal?" eloquent und mit feinem Witz von einer Jugend im armen Norden Englands, welche in biblischer Rechtgläubigkeit festgefroren ist. Sechsundzwanzigjährig hat die Autorin schon Teile ihrer Kindheit in "Orangen sind nicht die einzige Frucht" verarbeitet. Das Werk hat sie berühmt gemacht. Fast dreißig Jahre später bekennt sie sich nun in diesem Buch von 2012 autobiografisch zu dem ganzen Desaster, das zudem noch ein eindringlicheres Plädoyer für die Literatur ist. Das hat mich ganz besonders mental angefasst. Sie erkennt:

"Ja, die Geschichten sind gefährlich. (…) Ein Buch ist ein fliegender Teppich, der einen davonträgt. Ein Buch ist eine Tür. Man öffnet sie. Man tritt hindurch. Aber kommt man je zurück?"

Ihre Adoptivmutter, eine Pfingstlerin, die das Leben hasst und jeden Tag um den Tod betet, veranstaltet mit Jeanettes Büchersammlung, gehütet unter der Matratze ihres Bettes, sozusagen ein Autodafé, als sie das Zuwiderhandeln des Teenagers gegen ihr Verbot entdeckt. Die nimmt als Erfahrung mit:

"Eine Zeitlang war ich sehr still, aber mir war etwas Wichtiges aufgegangen: Was immer außen ist, kann einem jederzeit genommen werden. Nur was man im Innern hat, ist sicher."

Ihre rigiden religiösen Anschauungen lebt Mrs. Winterson allerdings nie mit der kompromisslosen Konsequenz, die sie von anderen, besonders der Tochter, verlangt ( das kennt frau aus mehrfacher eigener Anschauung ). Sie setzt die Minderjährige dann vor die Tür, weil die ein Mädchen liebt. 

Die Beschreibungen davon, wie sich Jeanette nun weiter durchschlägt bis zum Studium in Oxford, sind immer wieder durchsetzt von den Betrachtungen über ihre Entwicklung als begeisterte Leserin. Dabei geht sie strikt nach Alphabet vor ( englische Literatur von A bis Z ), streikt bei Nabokov, bis sie von einer verrückten Englischlehrerin animiert von diesem Weg abkommt ( und durch Gertrude Stein ). Das macht immer wieder Spaß zu lesen, auch wegen der eingestreuten Poesie und der Kritik am englischen Bildungssystem, dass die einstens selbst in der Arbeiterklasse vorhandene selbstverständliche Kenntnis shakespearscher Sprache & Weltsicht niedergemacht hat. 

"Literatur ist die Allmende. Sie ist Grund und Boden, der nicht ganz und gar von kommerziellen Interessen organisiert wird, noch lässt er sich abtragen wie die Populärkultur - die das Neue ausbeutet und dann weiterzieht."

Den dritten Themenstrang in diesem Buch bildet im letzten Teil die Suche nach der leiblichen Mutter, die nach einer großen Krise, einem Zusammenbruch, nachdem eine Liebesbeziehung abgebrochen worden ist, erfolgt. Das fand ich spannend, war aber auch verstört angesichts des menschenverachtenden Umgangs der Bürokratie & ihrer Handlanger gegenüber der Autorin, die in meinen Augen das Recht hat, ihre Wurzeln zu finden. Es glückt letztendlich dank wohlwollender & fähiger Unterstützerinnen. Ein schönes Buch, fand ich.



Von Iris Wolff hatte ich bereits ein Buch gelesen ( hier besprochen ). "Die Unschärfe der Welt" ist vor "Lichtungen" herausgekommen und hat einen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2020 gefunden. Darin erzählt sie ein Jahrhundert als Familiengeschichten mit Siebenbürgen, Karpaten, Banat als geographischem wie soziologischem Hintergrund, von der Herrschaft des rumänischen Königs Michael bis zum Sturz des Ceaușescu - Regimes und darüberhinaus. 

Aber diese Ereignisse werden nicht als Sensationen ausgeschlachtet, sondern sind eher Kulisse des alltäglichen Lebens der Menschen auf dem Lande. Nur im zentralen Kapitel "Makromolekular" über die spektakuläre Flucht der jüngsten Buchhelden per Propellerflugzeug über den Eisernen Vorhang wird die Autorin konkret. Da schildert sie die perfiden Repressionen der stalinistischen Diktatur schonungslos, der Diktator und seine Frau werden tatsächlich benamt und es wird scharf und gnadenlos mit diesem "Genie der Karpaten" abgerechnet, gleichzeitig mit dem ausdrucksstarken Motiv des Drachens ein Bild für die Auswirkungen der Herrschaft auf die inneren Zustände der Menschen gefunden. Die Sprache der Iris Wolff fasziniert von der ersten Seite an, ihr Klang, der Rhythmus, die Musikalität, ihre träumerisch Formulierungen in kurzen Sätzen sind zugleich äußerst präzise und angenehm unaufgeregt bis sinnlich. Achtsames Erzählen könnte man das nennen. Gleichzeitig vermeidet sie, alles Intime bis in die letzte Tiefe auszuloten, so dass vieles im Kopf des Lesers nachhallt und gedanklich länger beschäftigt.

"Der Blick des Zauberers ist der Blick des Publikums" - das ist der letzte Satz des Buches. Damit wurde ich mit einem Anlass zum "Simelieren" als ( sehr beglückte ) Leserin entlassen.

Die Lektüre wird mir nicht so bald ausgehen

Zum Glück habe ich von Christine Wunnicke noch ein paar Bücher. "Katie" ist nun bereits das sechste, das ich von ihr gelesen habe. Mit diesem Buch nimmt sie einen mit ins viktorianische England: 

Wieder geht es um Wissenschaft, wieder um einen Vertreter derselben, William Crookes, der historisch verbürgt ist als Entdecker des chemischen Elements Thallium, derjenige, der die Kathodenstrahlen sichtbar, die Grundlagen der Lumineszenz und der Isotope entdeckt und Methoden zum Nachweis radioaktiver Strahlung entwickelt hat & Erfinder der UV-Filtergläsern für Sonnenbrillen ist. Aber als inzwischen treue Leserin weiß ich: Wunnicke lässt diese Männer in ihren Büchern oft ein exzentrisches Eigenleben entwickeln. Als Widerpart kommt diesmal ein spiritistisches Medium ins Spiel, Florence Cook, auch eine real existente Figur, sowie die Lust der Zeitgenossen an spiritistischen Sitzungen - also das ganze Gegenteil der Naturwissenschaften, die doch Crookes als Mitglied der Royal Society eigentlich vertritt.  

Beider Leben - auch in realiter existent - verbindet die Autorin in ihrer herrlich ironischen, humorvollen Geschichte, und holt dazu noch eine "Erscheinung" ins Boot, die regelmäßig auftaucht, während die in Trance befindliche Florence gefesselt in einem Schrank verweilt. Dann ist sie die Materialisation der Piratentochter & -kapitänin Katie King, eine ganz, ganz wüste Vertreterin ihrer Zunft, deren Namen niemand mehr aussprechen durfte & die mit zwanzig starb.

Seitdem der Wissenschaftler Crookes in Algerien an einer Exkursion zu einer Sonnenfinsternis ohne Erfolg teilgenommen hat, ist er überzeugt, dass Geld das Einzige sei, worauf wirklich Verlass ist. Also macht er "Begutachten" zu seiner Hauptbeschäftigung, hat er doch acht, bald neun Mäuler zu ernähren. Deshalb nimmt er einen Auftrag an, das Medium Florence zu prüfen  & holt sie in seinen Haushalt, damit er die Bedingungen für die Experimente gut unter Kontrolle hat.

Ein frommer Wunsch! Schon bald entwickelt Crookes unzufriedener Assistent Pratt seltsame Verhaltensweisen und selbst seine erneut schwangere Frau Nelly erliegt ihr. Wunnicke beweist mal wieder, wie unnachahmlich sie erotische Begegnungen beschreiben kann:

Der Geist "war schöner noch als Maxwells Satz von der Kraft paralleler Ströme." Bald darauf in Pratts Bett liegend "erfreute er ihn, seine Stofflichkeit, seine Atome und Nichtatome, seine newtonsch beharrliche Kraft und Masse. Es erfreute ihn, wie sich Pratt bislang nur selbst erfreut hatte... wie alle Zwischenstufen zwischen Energie und Materie (... ) flüsterte gar "p-strich gleich p plus df durch dt", und all das Schöne explodierte langsam und lautlos und lange, nach dem Gesetz der elektrischen Elastizität und oh, dem Durchflutungsgesetz."

Letztendlich stellt der Naturwissenschaftler entmutigt fest, dass auch die Wissenschaft im Grunde nur ein Spuk ist. Das Buch hat mir gefallen, aber nicht von Anfang an. Da gelang der Autorin zunächst nicht so ganz der typische Wunnicke - Stil.


Auf dem E-Reader habe ich auf meinen Ausflug in das Dorf meiner Kindheit Robert Seethalers neuesten Roman "Die Straße" geladen. Ich muss gestehen, dass ich mich schwer getan habe mit seinem literarischen Kniff, statt einer Handlung die Geschichten der Menschen einer Straße "nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand" zu einem Mosaik, bestehend aus lauter Augenblicken, zusammenzufügen. So kreiert er eine Art Wimmelbild sprachlicher Natur voller merkwürdiger Charaktere und Verbindungen. Seethaler verzichtet damit auf eine traditionelle Dramaturgie wie z.B. einen Spannungsbogen, sondern schafft eine Sammlung von inneren Monologen, Alltagsgesprächen, Aktennotizen, Liebesbriefen und anderen kurzen Einblicken, die deutlich machen, wie die Menschen miteinander umgehen in aller Banalität oder auch Fürchterlichkeit. Trotz urbaner Vereinzelung ist auch Zusammenhalt unter den Straßenanwohnern zu entdecken.

Die Meinung des Kritikers der "Frankfurter Rundschau" - "es könnte sein bestes Buch sein" - teile ich allerdings nicht. Geglückt ist der Versuch, den kleinen Leuten ein Denkmal zu setzen, meines Erachtens nicht. Schade! Denn die Bücher von ihm, die ich bisher gelesen habe, haben mich immer sehr angesprochen.

In diesem Monat habe ich zum ersten Mal seit sehr, sehr langem ein Buch per Hörbuch „gelesen“, nämlich Jane Austens "Überredung" ( englisch "Persuasion" ). Dieses Werk der beliebten & gerühmten Autorin hat mir bis jetzt am besten gefallen und hat mich motiviert, mir im Juni "Mansfield Park" vorzuknöpfen.

                                                                         


Sonntag, 31. Mai 2026

Mein Freund, der Baum: Memories are made of this

Bäume sind wahre Wunderwesen mit Superkräften: Sie produzieren Sauerstoff, reinigen die Luft, regulieren den Wasserkreislauf und speichern CO2. Bäume sind der Lebensraum für viele Tiere und spenden uns Menschen - als besonders angenehm erfahren in den heißen Tagen zuletzt - Schatten. Doch nicht genug: Bäume haben eine beruhigende und stimmungsaufhellende Wirkung auf die menschliche Psyche. Studien zeigen, dass das besonders für Menschen gilt, die in der Stadt wohnen. Kein Wunder, dass sich über zwei Drittel der Stadtbewohner*innen mehr davon wünschen. Viele von denen wünschen sich auch, dass mehr für Bäume getan wird, denn die stehen durch Klimawandel, Trockenheit und Krankheiten ganz schön unter Stress.


Meine Liebe zu den Bäumen wurzelt sicher in der Tatsache, dass ich mich von kleinauf in der Nähe von Bäumen super wohlgefühlt habe. Einer der ersten Bäume, den ich bewusst wahrgenommen habe, war ein Walnussbaum. Der stand im Garten meines Elternhauses. Ihm galt mein erster Post im Rahmen dieser Reihe "Mein Freund, der Baum". Hier kann man ihn finden. Dieser Beitrag ist weit über tausend Mal angeklickt worden. Vor vierzehn Jahren hat ihn ein Blitz getroffen, und ein Baumpfleger aus der unmittelbaren Nachbarschaft hat ihn beschnitten.

Der Post eine Woche später, in dem ich beschrieben habe, wie es dem Walnussbaum weiter ergangen ist, hat sogar mehr als 2700 Leser*innen gefunden. Mein Vater, der ihn unbedingt retten wollte, ist zwei Jahre später gestorben. Aber der Walnussbaum hat überlebt, und ich habe ihn vor einer Woche besucht und neue Fotos gemacht.


Ich war fast zu Tränen gerührt, als ich ihn mit einer solchen ausladenden Krone vor mir sah...

Klar, dass ich mich auch nach weiteren Bäumen umgeschaut habe, die mir ans Herz gewachsen sind:


Direkt neben meinen Elterhaus wird ein Sitzplatz im Freien von einer herrlichen Linde beschattet - eine Labsal an den schon sehr heißen Tagen rund um Pfingsten dieses Jahres! Über Sommer- wie Winterlinde habe ich hier & hier gepostet. Über die Unterschiede habe ich eine gute Webseite hier gefunden.


An seinem Geburtstag haben wir den Weiher besucht, um den herum mein Mann selig zusammen mit meinem Vater eine ganze Reihe Erlen gesetzt und ihm geholfen hat, die in Dürrezeiten die zu wässern, um ihnen das Einwachsen zu ermöglichen. Über die Grau- oder Weißerle habe ich 2019 in meinem Blog geschrieben.


Auch an diesem Ort habe ich mich sehr gefreut, dass die Bäume - zusammen mit etlichen anderen Sorten - so prächtig gewachsen sind.

Habt auch ihr solche Bäume, mit denen ihr Erinnerungen verbindet und/oder die ihr wiederholt besucht? Bis zum 27. Juni ist es möglich, solche und andere Baumbeiträge unter diesem Post zu verlinken.

                                                                         

You are invited to the Inlinkz link party!

Samstag, 30. Mai 2026

Meine 22. Kalenderwoche 2026

"... der Mensch wird neurotisch, 
weil er das Maß von Versagung nicht ertragen kann, 
das ihm die Gesellschaft 
im Dienste ihrer kulturellen Ideale auferlegt."
Sigmund Freud

"Es ist ein archaisches Glücksversprechen, 
das darin besteht, 
die quälende Kompromissgesellschaft hinter sich zu lassen – 
was dann kommen soll, ist unklar, 
aber das Orbán-Ungarn und Trump-Amerika gaben 
und geben einen Vorgeschmack.
.....
Die Aufhebung der Hemmung derartiger Impulse 
ist das Potenzial des Rechtspopulismus. 
Er füttert unser Unbehagen, er ruft uns zu: 
Tu es. Und fühl dich gut dabei."
Jost Kaiser

"Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von schönen Tagen."
Johann Wolfgang von Goethe

Diese Woche erzähle ich in Bildern von einer einer Reise, einer Reise, diesmal nicht nur auf dem imaginären Pfad der Erinnerungen zurück in das erste Siebtel meines Lebens, sondern einer ganz realen dorthin. Lange vor mir hergeschoben, aber jetzt endlich realisiert mit meinen beiden Geschwistern. Fast zehn Jahre war ich nicht mehr dort, wo ich geboren wurde, und in meinem einstigen Elternhaus, in dem ich allerdings keine drei Jahre gewohnt habe. Meine Eltern hingegen haben bis vor elf Jahren ihre letzten fünfundzwanzig Lebensjahre darin verbracht.





Mein allerster Hausbaum: Die Walnuss 




Links meine erste Schule 







Darum liebe ich "Zwiebeltürme"
( frühkindliche Prägung sozusagen 🤣 ).

Einer der Dorfbäche
und ein Gast im ehemaligen Kneippbecken am Haus


Spargel à la Schwesterherz

Essen mit den Verwandten im "ersten Haus am Platze"

Dort schnell einen Blick geworfen auf die Architektur von Egon Eiermann,
der den Hotelanbau 1965-67 inklusive Einrichtung entworfen hat

Eine Malerei des Vaters vom Hausberg in alten Zeiten



Weitere Spurensuche

Wieder freigelegt:
Wandgestaltung mit Musterwalze aus den Fünfzigern

Mein zweiter Hausbaum: die Linde;
weiter oberhalb sogar ein ganzes Lindenwäldchen

Dort hat sich ganz doll die Orchidee des Jahres 2017 ausgebreitet:
das Weiße Waldvögelein.
Rechts dem Walnussbaum unter den Rock geguckt.

Der Weiher des Dorfes wurde einst vom Vater geplant.

Die Erlen drumherum hat der Herr K. mit ihm gepflanzt.

Ganze nahebei haben Biber einen Damm errichtet -
wie schön, dass er bleiben durfte!



















Die drei Gläser waren noch übrig von denen,
die ich 1969 meinen Eltern aus Rom mitgebracht hatte.
Jetzt sind sie bei mir.



























Die "Sonntags Top 7" - gelesen- gehört/gesehen - Erlebnis - Genuss - drinnen wie draußen - Web-Fundstück/e - Hobbys - von Antetanni habe ich diesmal nicht explizit aufgelistet im Post, sie sind aber weitestgehend aufgegriffen, finde ich.








Verlinkt mit dem Samstagsplausch, mit "Niwibo sucht...", den Glücksmomenten bei Annette/ Augensternwelt, dem Mosaic Monday, den "Sonntags Top Sieben" bei Anni, mit "Was blüht denn da?" bei Elke und mit Nicoles/Frau Frieda "Plausch am Gartenzaun"