Sonntag, 25. Juni 2017

Mein Freund, der Baum: Araukarie


Meinen heutigen Baumfreund habe ich vor Jahrzehnten ins Herz geschlossen, nicht, weil mich die steife Gestalt des jungen Baumes, oft in die Vorgärten von neu erbauten "repräsentativen" Häusern gesetzt, begeistert hat, sondern weil ich so mochte, wie er in Mikis Theodorakis Oratorium "Canto General" nach Lyrik von Pablo Neruda besungen wird. Bei der Beschäftigung mit dem Eye - Poetry - Beitrag für den Monat Mai bin ich an diese Liedzeilen erinnert worden und die alte Begeisterung stellte sich bei mir wieder ein.

Als mir dann zufällig ein Exemplar vor die Fotolinse kam, stand fest, dass ich diese Baumsorte hier vorstellen werde...


Gemeint ist die Araukarie Araucaria araucana, auch Affenschwanz- oder Schlangenbaum, Schmuck-, Schuppen-, Chile- oder Andentanne genannt, ein immergrüner Baum, der ursprünglich auf der südlichen Erdhalbkugel heimisch ist. Sein Name ist von der südchilenischen Provinz Arauco abgleitet. In der Sprache der Mapuche, jenes indigenen Volkes, das diesen Teil Südamerikas bewohnt, heißt der Baum Pewen ( spanisch Pehuén ). Für die Mapuche ist er ein heiliger Baum, und in seinem Schatten wurden auch heilige Versammlungen abgehalten.

Botanisch gesehen gehört die Araukarie zur Familie der Araukariengewächse ( Araucariaceae ) in der Ordnung der Nadelhölzer ( Coniferales ), ist also verwandt mit unserer Tanne und Fichte.

Araukarien gehören zu den ältesten Pflanzenarten dieser Erde: Archäologen haben versteinerte Exemplare aus dem Jura-Zeitalter gefunden. Das älteste derzeit noch lebende Exemplar dieses Baumes soll bereits tausend Jahre alt sein. Nur durch Kultivierung wurde verhindert, dass die Araukarie ausgestorben ist, wie es mit ihren Verwandten auf der Nordhalbkugel passiert ist.

Bei der Araukarie handelt es sich um einen immergrünen Baum, der in seiner Heimat in Höhenlagen bis zu 1700 Metern ü. d. M. vorkommt ( bei uns kann er nur in milden Regionen den Winter gut überstehen ). Dort werden die Bäume auch bis zu 50 Meter hoch und erreichen einen Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern. 

Bei uns hingegen wächst die Araukarie im Jahr nur um 10-30 cm und erreicht nur eine Höhe von 15 Metern. Darin - und in der Tatsache, dass die meisten Araukarien bei uns noch ein recht "junges Gemüse" sind - liegt begründet, dass wir den Baum nur in dieser steifen, künstlichen Form, die eher an ein Plastikgewächs denken lässt, kennen. In ihrer Heimat erinnert die Baumgestalt an eine Pinie mit ihrer großen Schirmkrone. Es ist nämlich so, dass die Araukarie mit hundert Jahren ihre unteren Äste abwirft und eine schirmartige Krone übrig bleibt, die sich immer dichter verzweigt. 

Die Äste stehen in regelmäßigen Etagen, in Quirlen von 5-7 Zweigen und fast waagerecht ab. Sie sind sehr biegsam und schlangenförmig gewunden. Der Stamm ist stets gerade und zylindrisch.

Die Äste erinnern an lange Bürsten mit kleinen grünen "Stacheln". An den noch jungen Bäumen sind diese Blätter nadelförmig und spiralig angeordnet. Bei ausgewachsenen Bäumen hingegen sind diese meistens schuppenförmig, in einen spitzen Dorn auslaufend, aber auch spiralig oder in zwei Schichten, die sich überlappen, strukturiert.  Diese Blätter überdauern 5 - 10 Jahre.

Der Stamm der Araukarie besteht zu einem Viertel nur aus Rinde. Diese dunkelgraue Rinde kann bis zu 14 Zentimeter dick werden und wirkt wie ein Schutzpanzer, denn in Chile wachsen die Bäume in unmittelbarer Nähe zu aktiven Vulkanen. Ihre Rinde schützt sie also bei Vulkanausbrüchen vor Feuer und herabregnender heißer Asche, macht den Baum quasi feuerfest. 

Als Nutzholz wurden meist etwa 500 Jahre alte Bäume zum Hausbau, zum Bau von Booten und auch von Brücken verwendet. Heute ist der Handel mit Araukarienholz weltweit verboten und es gilt - zumindest offiziell - ein striktes Nutzungsverbot. 


Von der Nutzung ausgenommen sind die Früchte ( Piñones ), die aus den 15 bis 20 cm großen rundlichen Zapfen ausfallen. Diese Samen sind fett- und eiweißreich und waren über die Wintermonate oft die einzige Nahrungsquelle für die Mapuche. 

Araukarien sind zweihäusig, d.h. es gibt männliche und weibliche Bäume, die man nur an den Blüten im Frühsommer unterscheiden kann. Die männlichen, meist hellbraunen Blüten stehen endständig in kätzchenartigen Büscheln, die großen weiblichen Blütenstände stehen aufrecht auf stärkeren Ästen der Baumspitze und sind zunächst grün, später braun ( hier sind Abbildungen zu finden ). 

Nach 2-3 Jahren sind die Samen reif und fallen ab. Bei uns kommt es eher selten zur Befruchtung und Ausreifung der Samen.

Im Jahr 1795 wurde die Araukarie vom Biologen und Mediziner A. Menzies in Europa bekannt gemacht: Als Schiffsarzt der Vancouver-Expedition gelang ihm auf dem Schiff die Anzucht aus Samen, welche die Expeditionsteilnehmer von südamerikanischen Indianern als Nahrung mitbekommen hatten. Etwa 50 Jahre später gelangten die ersten Züchtungsversuche aus Samen im Kew Garden in London, wo der Baum die durch den Golfstrom beeinflussten mäßig harten Winter Englands gut überlebte.

Besonders auf den britischen Inseln, aber inzwischen auch in milden Gegenden Europas ist die Araukarie als Park- und Zierbaum beliebt. Mano hat in ihrem Blog Exemplare aus einem der Herrenhauser Gärten in Hannover gezeigt.

Verwandt mit diesem heutigen Baumfreund ist übrigens die Zimmertanne Araucaria heterophylla (Salisb.) Franco, auch Norfolk-Tanne genannt, die auf der Insel im Pazifischen Ozean, die zu Australien gehört, heimisch ist. 

Was andere Bloggerinnen über andere Bäume geschrieben haben, sammelt heute wieder Ghislana von den Jahreszeitenbriefen.


Samstag, 24. Juni 2017

Meine 25. Kalenderwoche 2017


Noch so eine ereignislose Woche, die zweite in Folge!

Wurde dann auch nicht besser, weil dazu noch eine bemerkenswerte Hitze kam: montags 31°C, dienstags 33°C, mittwochs 33°C, donnerstags 37 °C, freitags 29°C - liebe Klimaleugner, die Temperaturen dieser Woche sind ein weiteres Puzzlesteinchen, welches sich zum Gesamtbild "Klimaerwärmung" fügt!!!

Frau schlich sich also mehr oder weniger durch den Alltag bei diesen Temperaturen, erst recht, wenn man wie ich am Stock geht. All ihr lieben, vom Sommer begeisterte Leserinnen, nehmt es mir nicht übel, wenn ich eure Freude so wenig teilen kann und jetzt auch noch den Gesang anstimme: "Kommt erst einmal in mein Alter":

Als vor vierzehn Jahren ein solcher Extremsommer zehn- bis fünfzehntausend alten Menschen zusätzlich das Leben gekostet hat, konnte ich mir das nicht recht vorstellen. In meinen jungen Jahren habe ich auch stundenlang an griechischen oder französischen Stränden in Hitze und vollem Sonnenschein verbracht ( demnächst mehr dazu am ersten Montag im Juli ).

Seit ich die Sechzig erreicht habe, setzen mich aber Sommer mit Temperaturen jenseits der 27°C - vor allem aufgrund der schlaflosen Tropennächte -  schachmatt. Und wenn ich schachmatt sage, meine ich das auch so: Ich bin dann kaum noch in der Lage, die minimalsten Anforderungen meines Alltags zu erfüllen. Seltsamerweise bestätigen mir das viele Bloggerinnen im Rentenalter, also scheint das kein individuelles Problem zu sein. Mir wird, oft beängstigend, bewusst, dass ich früher nie ernst genommen habe, wenn mir was übers Altern erzählt wurde. Jetzt bin ich schlauer. Aber irgendwann geht es so allen...






















Meist habe ich mir also von drinnen das Spiel der Sonne in den Blättern unserer Bäume angeschaut und am Donnerstagnachmittag dann misstrauisch die Entwicklung der Cumulonimbuswolken beäugt. Zu mehr hat es selten gereicht!

Ein Vorteil des Ebook - Readers ist mir erst in den heißen Sommernächten so richtig bewusst geworden: Man kann im Dunkeln auf der Terrasse lesen, auch wenn die Beleuchtung streikt - yeah!

Am Dienstag habe ich einen ganz lieben, handgeschriebenen Brief von einer stillen Leserin aus dem Schwarzwald erhalten, der mich beim Lesen sehr gerührt und meine schlechte Laune vom Vormittag augenblicklich vertrieben hat. Sie hat eine CD beigefügt, die ihr besonders am Herzen liegt. Das nenne ich Glück, solch einen Moment überraschender Wertschätzung durch einen bis dato unbekannten Menschen! Danke, Andrea!


Ansonsten auch im Hause K. die üblichen Rezepte fürs Überleben bei Hitze: viel trinken, Leichtes essen ( Jogurteis liebe ich heiß!  ), zu den Hitzehöhenpunkten im Haus bleiben und Siesta halten.



Die angekündigten Gewitter am Donnerstag schlichen südlich und nördlich um Köln herum, ließen uns auf dem Trockenen sitzen und in der Tropennacht schlaflos im Bett schwitzen. Der Herr K. verließ die nächtliche Ruhestätte dann auch schon gegen fünf Uhr morgens und sprengte fast zwei Stunden den Garten.










Im Netz habe ich in dieser Woche natürlich wieder viel gefunden. Heute beschränke ich mich aber auf zwei Dinge ohne viel Text!

Einmal - aus gegebenem Anlass. aber nicht nur, weil ich vor fünfzig Jahren leibhaftig unter den unzähligen Menschen mit meinem Vater am Rheinufer gestanden habe, sondern weil das meine Vorstellung von einem angemessenen Staatsakt ist  - dieses kleine Video:


Sic transit gloria mundi.....

Und dann habe ich noch eine tolle Inspiration gefunden, wenn ich mal wieder einen Hut für den "Pulse of Europe" brauche - thank you your majesty!


Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...


Ausnahmsweise setze ich mich schon am Samstagvormittag zu Andrea an den Tisch der Samstagsplauscher, denn morgen stelle ich euch im Blog wieder einen Baum vor. Mein Gartenglück bezieht sich ja fast nur auf Abendstunden ( aber vielleicht ist das auch mal was für Loretta & Wolfgang? ), Grün für Mascha habe ich aber auch anzubieten. Und ein bisschen Glück für Lottas "Bunt ist die Welt" ist auch noch dabei.



Freitag, 23. Juni 2017

"Wir sind des Wartens müde...


...ich und meine Kinder". sagte Ensaf Haidar laut übersetztem Redetext bei einer Veranstaltung am Samstag in Tübingen. "Von hier aus möchte ich seine Majestät König Salman bitten, Raif freizulassen und seinem Leidensweg ein Ende zu setzen und unsere Familienzusammenführung zu ermöglichen."

Ensaf Haidar neben Max Steinacher & Christopher Gohl
Source
Zur 131. Mahnwache der Tübinger Initiative zur Freilassung des in Saudi - Arabien inhaftierten Bloggers Raif Badawi ist seine Frau Ensaf Haidar aus dem kanadischen Exil in die württembergische Stadt gekommen. Dort steht auch Max Steinacher auf den Treppen der Tübinger Stiftskirche mit seinem halben Freundeskreis und etlichen weiteren Aktivisten. Viele Lehrer, Juristen, Professoren im Ruhestand, viele älter als 60, alle motiviert, so lange Plakate in die Höhe zu halten, bis Raif Badawi wieder ein freier Mann ist. Weder Minusgrade, Hitze noch Platzregen haben sie von ihrem Protest abgehalten, seit im Januar 2015 der 69-jährige ehemalige Lehrer Steinacher begonnen hat, jeden Samstag Punkt elf Uhr eine Stunde lang die Freilassung des saudischen Bloggers öffentlich zu fordern.

"Ich war anfangs überrascht, wie viele meinem Aufruf gefolgt waren", erinnert er sich. Doch mittlerweile gehört der Termin selbstverständlich zum Samstag. Dank seines Mitstreiters Christopher Gohl vom Tübinger Weltethos-Institut ist die Veranstaltung auch bestens organisiert. 

Unter dem Motto "Fünf Jahre sind genug. Tübingen für Familie Badawi" hatten das Weltethos-Institut und weitere Institutionen am vergangen Wochenende Ensaf Haidar eingeladen. Sie wurde im Rathaus empfangen, und es wurde eine Lesung sowie eine Podiumsdiskussion über Pressefreiheit mit dem türkischen Journalisten und Kritiker des Herrn E., Çan Dündar, organisiert.

Die Ausdauer der Menschen an einem Ort der Welt, an  dem sie noch nie zuvor war, gibt Ensaf Haidar Kraft: "Ihr seid wie meine Familie. Es tut so gut, dass ihr solange durchhaltet."

Und ein klitzekleines bisschen fühle ich mich mit meinem heute hundertzwanzigstem Post zu Raif auch dazugehörig...

Wie meinte doch der Berliner "Tagesspiegel"? "Badawis Gefangenschaft ist ein fortwährender Skandal ohne dauernde Empörung. Sein Bekenntnis zur Meinungsfreiheit hat ihn hinter Gitter gebracht, unseres muss ihn da rausholen. Es ist zu still um ihn geworden."


Ja, es ist eine Riesenschweinerei, dass ein Mensch zehn Jahre im Gefängnis bleiben soll und tausend Peitschenhiebe erleiden, nur weil er in seinem Blog gesagt hat, was er denkt, das geht mir auch immer wieder durch den Kopf. Auch in Bezug auf die Türkei und die dort Inhaftierten. Das Land begibt sich immer mehr auf einen ähnlichen Weg wie Saudi - Arabien:

Dort wurden Menschen inhaftiert, weil sie die Kommunikations - App "Bylock" auf ihrem Smartphone installiert hatten: Sie gilt den türkischen Behörden als das Instrument, mittels der sich die angeblichen Putschisten & Gülen - Anhänger verständigt hatten.

Besonders spektakulär ist der Fall des Richters Aydın Sefa Akay, der nun zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt wurde ( bis zur Berufungsverhandlung darf er zu Hause bleiben, das Land aber nicht verlassen ), weil er die App aus dem Google Play Store auf sein Handy heruntergeladen hatte.

Die bittere Ironie an diesem Fall: Akay ist Mitglied des fünfköpfigen UN-Panel namens MICT ( Mechanismus der Vereinten Nationen für internationale Strafgerichte ), welches mit der Prüfung des Urteils gegen den ruandischen Planungsminister Ngirabatware beauftragt worden ist, und genießt deshalb diplomatische Immunität. Die UN hatte also der Türkei eine Frist bis Mitte Februar gesetzt, um Akay freizulassen, das Gerichtsverfahren einzustellen und damit seine Immunität zu gewährleisten - die Behörden verweigern dies, da es sich ja ihrer Meinung nach um eine Sache handle, die nicht Akays Richtertätigkeit beträfe.

Akay gehört zur "weißen Elite" des Landes, ist überzeugter Republikaner und lebt mit seiner Familie in einem der säkularsten Viertel Istanbuls. Außerdem ist er Mitglied der "Großloge der Freien und Angenommenen Maurer der Türkei". "Ein Gülenist und zugleich Freimaurer zu sein, das ist wie dem Likud und zugleich der Hamas anzugehören",  erklärt Yavuz Baydar diesen Widerspruch.

Wenn das kein "Geschmäckle" hat...







Nachtrag: Wie ich - inzwischen mehrfach - gelesen habe, hat die G20-Delegation Saudi - Arabiens das gesamte Luxushotel "Vier Jahreszeiten" in Hamburg für den Zeitraum vom 4. bis zum 9. Juli als ihr Quartier ausgewählt. Dem Vernehmen nach haben die Saudis das Hotel mit 156 Zimmern und Suiten für König Salman und sein Gefolge gebucht. Weitere Unterkünfte wurden dem Vernehmen nach im "The Westin" in der Elbphilharmonie und im "Sofitel" am Alten Wall gewählt - da wäre doch auch eine Solidaritätsbekundung für Raif Badawi möglich, liebe Hamburger, oder? ( Quelle u.a. hier  )
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