Samstag, 22. September 2018

Meine 38. Kalenderwoche 2018


Nach der vierten Kontrolluntersuchung im Hospital in puncto gebrochenem Ringfinger des Herrn K. - es bleibt bei der konventionellen Behandlungsmethode - haben wir uns den Eiskaffee mal bei unserer Eisdiele gegönnt und Passanten beguckt. Wer weiß, wie lange man noch in diesem Jahr im Straßencafé sitzen kann.


Die Sonne schien auch diese Woche nach wie vor erbarmungslos vom Himmel - 33,1°C am Dienstag bei uns in K., ein Temperaturrekord für diese Jahreszeit - und im Supermarkt stapelten sich schon wieder die vorweihnachtlichen Süßigkeiten im Kassenbereich ( wo einem doch noch eher nach Eis ist )...



Am Abend haben wir auf Einladung des Astrologenfreundes des Herrn K. ein Konzert zum 10. Todestag von Mauricio Kagel besucht ( hier kann man z. B. den aufgeführten "tango alemán" hören ). Anschließend haben wir noch lange draußen in einem Lokal auf dem Bahnhofsvorplatz gesessen & gequatscht.

So sieht es in einer Stadt aus, in der man sich angeblich nachts nicht mehr raus trauen kann. "Das Abschlachten" auf unseren Straßen, wie es eine gewisse Dame behauptet, geschieht nämlich mittels Auto ( 1792 Verkehrstote in den ersten sieben Monaten 2018 in unserem Land, 3177 im ganzen Vorjahr ). Das nur mal so nebenbei zur Kenntnisnahme, weil in diesem Land die Fakten so ganz aus dem Blickfeld geredet werden. Könnte man jeden Tag einen Trauermarsch veranstalten. Nur wem in die Schuhe schieben?

Am Mittwoch musste ich mich mal wieder auf die Suche nach einem Päckchen machen, das zuzustellen der Paketdienst keine Lust hatte  ( ich war nämlich zum Zeitpunkt der Email - Benachrichtigung zu Hause ). Die Paketstation war eine Augenweide, und ich war an das Septemberthema des Mustermittwochs erinnert.



Die Billigläden hier auf der Haupteinkaufsstraße platzten schon aus allen Nähten vor lauter Weihnachtsdeko. Dabei kletterte die Temperatursäule auch an diesem Tag auf 29° C...


Der Donnerstag war ebenfalls noch einmal sommerlich heiß ( 28° C ). Ein Gang zum Optiker musste trotzdem sein, damit der Herr K. endlich einen Ersatz für die beim Schoorler Terrassensturz geschrottete Sehhilfe hat.

Die Nacht auf Freitag war noch einmal eine Tropennacht mit 23° C - Temperaturen, die unseren Schlaf ziemlich "zerhackt" haben ( deshalb weiß ich auch, wie warm es war, weil ich dauernd aufgestanden und ans Fenster gegangen bin ).

Für den Freitagmorgen hatte ich mir eine Fahrt en d'r Sity vorgenommen, denn ich war schon fast zwei Monate nicht mehr bei meiner Bank. Kaum hatte ich die verlassen, gab es eine Böe, alles Mögliche flatterte durch die Gegend und dann: Regen! Ergiebig war er aber nicht.



Bei der "Flucht" in einen Drogeriemarkt habe ich dann endlich Bambuszahnbürsten bekommen und eine farblich passende Sorte Zahnpasta, vegan und vor allem mikroplastikfrei der Marke, die ich schon länger benutze. Damals war Andreas/ Zitronenfalterin Thema "Nachhaltigkeit" ( und ich hatte in meinem Post das Zahnbürstenproblem noch als ein offenes beschrieben ). Jetzt verlinke ich die farbenfrohe Bürste eben mit ihrem Monatsthema "Farbe in den Alltag".



Ein paar Worte muss ich heute noch zu den Ereignissen in meiner Heimat verlieren ( ja, richtig gelesen: als solche betrachte ich die Rheinlande inzwischen ):

In dieser Heimat gibt es nun seit einem Jahr ein veritables Heimatministerium. Und aus eben diesem Heimatministerium kam justement vor zwei Wochen die Anweisung, aus einem kleinen Stück, seit 12.000 Jahre bestehenden Mischwaldes die Menschen zu vertreiben, die dort für seinen Bestand und gegen die Rodung des Waldes protestieren ( und das übrigens seit vierzig Jahren: die Anfänge habe ich mitbekommen, als der Herr K. & ich in Jülich eine Fortbildung zur Gesamtschule abgehalten haben, die alsbald in eine heiße Diskussion um die richtige Energiepolitik überging, die die sogenannte Hambach - Gruppe der RWTH Aachen anstieß ) und ihre Baumhäuser von der Polizei räumen zu lassen. Und das, nachdem schon sechstausend Hektar Landschaft, darunter fast viertausend Hektar Hambacher Forst, vernichtet, sechs Dörfer umgesiedelt bzw. in der Umsiedlungsphase befindlich, viereinhalbtausend Menschen ihre Heimat genommen worden ist.

Die Ministerin, eine sonst eher blasse Dame namens Ina Scharrenbach, ist wahrscheinlich stolz darauf, so eine Volte - Brandschutz! - gefunden zu haben, um dem größten Energiekonzern der Republik entgegen zu kommen. Sie nutzt das Baurecht, statt eine gesellschaftlichen Debatte zu führen, die vielen hier in NRW unter den Nägeln brennt. In Wahrheit arbeitet sie also nicht für unsere Heimat, sondern dagegen...

Längst ist der Hambacher Forst - nicht nur im Rheinland, das nimmt längst die westliche Welt wahr, wie Artikel in der "New York Times", dem "Guardian" oder der "Le monde" zeigen - ein Symbol dafür, dass in der Energiewende in unserer Republik etwas grundsätzlich falsch läuft. Er ist ein Symbol für die Ignoranz der Energiewirtschaft -  das halsstarrige Verhalten der RWE hat was von einem mittelalterlichen Feudalherren, fürwahr -, für die Lethargie der Politik und für die Verlogenheit der wirtschaftlichen & politischen Kräfte in diesem Land, welches sich öffentlichkeitswirksam zur Führungsmacht in puncto Klimawandel hochstilisiert hat, in Wirklichkeit aber der größte Braunkohleförderer der Welt mit der klimaschädlichsten Stromerzeugung ist. Niemand redet gern darüber, dass die Regierungen in Berlin & Düsseldorf einen Energiekonzern unterstützen, der auf rechtskräftige Zusagen pocht, die noch aus einer Zeit stammen, als es keinen Klimavertrag gab und keine Energiewende ausgelobt war, und der nun auf Biegen und Brechen darauf besteht, den Wald quasi zu verfeuern und die CO2 - Bilanz noch mehr in die Höhe zu treiben. Es gibt eine Änderungsklausel in diesem Vertrag, und die ist schon längst überfällig.

Auch wenn der Konzern und die Landesregierung die geballte Macht der Legalität hinter sich wissen - die Menschen wissen immer besser, dass Gesetze und Beschlüsse nicht unfehlbar sind und angesichts der Folgen des Klimawandels für unser aller Leben neu debattiert werden müssen. Diese Menschen sind keine linken Politclowns oder verkappte Kriminelle, sondern solche wie du und ich, die die Sorge um die Zukunft des Planeten umher treibt. Und das ist legitim. Und ebenso legitim ist es, die eventuell noch vorhandene Mehrheit für die Vorgehensweise im Hambacher Forst zu überzeugen und die Bundesregierung unter Druck zu setzen, dass sie sich endlich ernsthaft mit den Fragen der Energiepolitik beschäftigt, statt sich immer nur um den eigenen Nabel zu drehen.

Hört mir auf, von Heimat zu faseln, liebe Politiker! Die Heimat des Menschen ist unser Planet. Und ihr seid an verantwortlicher Stelle mit dabei, diesen Planeten durch unterlassene Hilfeleistung mit zu ruinieren!

Am Mittwoch ist dann der Blogger Vergissmeynnicht/ Steffen im Hambacher Forst zu Tode gekommen und die Räumung wurde fürs Erste gestoppt. Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Moratorium nicht nur Schau ist, um die Angelegenheit aus den Schlagzeilen zu bringen, sondern zum Nachdenken über diese ganze verfehlte Energiepolitik führen würde. Dann wäre der Tod des 27jährigen wenigstens nicht sinnlos gewesen...



Wir leben in Zeiten, in denen ich mich immer mehr bestätigt fühle, dass so ein Blog nicht unpolitisch bleiben kann. Andere sehen das wohl inzwischen auch so. Schaut einmal bei Amely/ Pfauenauge vorbei, die dazu einiges zu sagen hat...





Verlinkt mit Andreas Samstagsplausch

Freitag, 21. September 2018

Meinungs- & Pressefreiheit II


Wenn ich hier freitags zum Zustand der Meinungs- und Pressefreiheit in arabischen oder islamischen Ländern referiere und Beispiele bringe wie die Ermordung von Bloggern auf der Straße in Bangladesh, die Religionsfreiheit oder das Recht auf Homosexualität gefordert hatten ( hier ) oder wie in Mauretanien vom Mob Druck auf die Gerichte ausgeübt wird, damit ein Todesurteil über einen Blogger gefällt wird, der die religiös verbrämte Ungleichbehandlung der Kasten in seinem Land angeprangert hat ( hier ), da wundert sich niemand. Ich finde Zuspruch und Unterstützung und auch Erleichterung darüber, dass das bei uns ja alles anders ist...

Mittlerweile beobachte ich jedoch auch in unserem Land eine zunehmende Tendenz, der Meinungs- und Pressefreiheit zumindest verbal an die Gurgel zu gehen. Da erzählen mir Journalisten, die den Auftrag zur Berichterstattung über die Vorkommnisse in jüngster Zeit in Sachsen hatten, was ihnen so widerfahren ist: Da ist die Rede von "der kriegt seine Strafe noch. Wir haben ja sein Foto." Oder man macht deutlich, dass man den Namen kenne, die Wohnung und Arbeitsstätte, auch, dass der Betreffende Kinder habe. Es gibt Journalisten, die sich inzwischen von Security - Leuten begleiten lassen oder solche Arbeitsaufträge ablehnen.

Opfermythen scheinen hier immer mehr die Gewalt gegen "die Presse" zu entgrenzen ( das sehe wohl nicht nur ich so )...

Hannes Maria Flach: Der Rufer (1928)
Source
Die Vorkommnisse um den satirisch überzeichneten Film des Bloggers Christian Brandes machen mir deutlich, dass das altbewährte Mittel der Einschüchterung und Verhetzung zum Repertoire der Blauen gehören - "Hass ist nicht strafbar", so der Hundekrawattenträger im Bundestag -, man dringt in die Privatsphäre des Bloggers ein, postet das in einem Video, fordert auf, die Adresse aufzusuchen, deutet an, dass da ein jüdischer Name zu lesen ist und schon geht es in den Kommentaren los bis zu Aussagen wie "Ihr Juden seid ein Geschwür. Wir ermorden euch eines Tages."

Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie sich Menschen von einem solchen zerstörerischen Gefühl bemächtigen lassen und bestimmte Gruppen anderer Menschen pauschal hassen und - noch - verbal attackieren und solche Drohhaltungen einnehmen, wie ich sie erzählt bekommen habe. In diesem Verhalten zeigt sich mir eindeutig eine faschistische Tendenz: In meinem weiteren familiären Umfeld gab es einen jungen Fotojournalisten, der vor 82 Jahren von einem SA - Mann frühmorgens auf der Straße erstochen wurde... 

Was da im Umgang mit Andersdenkenden vor sich geht, dafür finde ich keine Rechtfertigung, empfinde es als Angriff auf unsere Freiheit. Und Freiheit kann es nur geben, wenn man sich anständig benimmt. Nicht zuletzt heißt der erste und wichtigste Satz unserer Verfassung: "Die Würde des Menschen ist unantastbar."

Aber wem erzähle ich das...



Friday - Flowerday # 38/18








Mit diesen Farben begrüße ich den diesjährigen Herbst, 
der mit der Tag- und Nachtgleiche 
in der Nacht zum Sonntag um 3.54 Uhr in Köln beginnt. 
  






















                                           In der Vase stehen Pompomdahlien, purpurene Sterndolden, 
Chrysanthemen mit spinnenartiger Blüte, 
Fruchtstände des Kerzenknöterichs ...


... und Minze - 

Nahrung für meine Sinne! 


Ich könnte ins Schwärmen geraten,...

... so tragen Blumen zu meinem Wohlbehagen bei.


Für Helga Holunderbluetchen® die Gesamtschau...

... und für alle einen schönen ersten Herbstsonntag!