Donnerstag, 15. Oktober 2026

Great Women # 473: Hannah Arendt

Die Frau, die ich euch heute  näher bringen will, begleitet mich eigentlich schon seit dem Philosophie-Unterricht während meiner Schulzeit. Warum ich mich immer davor gedrückt habe, ihr Leben in meiner Blog-Reihe zu skizzieren, kann ich nicht wirklich begründen, nachdem ich mich damit befasst habe. Die Rede ist von Hannah Arendt.

"Freiheit besteht nicht darin, tun zu können, 
was wir wollen, sondern nicht tun zu müssen, 
was wir nicht wollen."
.....
"Mein Beruf, 
wenn man davon überhaupt sprechen kann, 
ist politische Theorie. 
Ich fühle mich keineswegs als Philosophin."

Mit Großvater Max
(1907)
Hannah Arendt kommt am 14. Oktober 1906 - also gestern vor 120 Jahren - in Linden, heute zu Hannover gehörend, als Johanna Arendt, einzige Tochter säkularer jüdischer Eltern, zur Welt. Ihre Mutter Martha Cohn, 32 Jahre alt, wie ihr Vater Paul Arendt, ein Jahr älter und als Ingenieur bei einer hannoverschen Elektrizitätsgesellschaft beschäftigt, stammen ursprünglich aus Königsberg. Als das Mädchen drei Jahre alt ist, kehren die Eltern wegen der schweren Syphilis - Erkrankung des Vaters wieder dorthin zurück, um in der Nähe der Großeltern Arendt zu wohnen. Die leben, wie die meisten jüdischen Geschäftsleute und Akademiker Königsbergs, in einem wohlhabenden Viertel namens Hufen. Die Juden der Arbeiterklasse hingegen hausen zwischen dem Bahnhof und dem Fluss Pregel.
Mit ihrer Mutter Martha
(1912)

In den gebildeten Kreisen im preußischen Königsberg ist die Mädchenbildung eine Selbstverständlichkeit. Hannas Mutter selbst hat bereits drei Jahre in Paris Musik & Französisch studiert und ist politisch interessiert & sozialdemokratisch eingestellt. Der Vater versteht sich als Amateurgelehrter und unterhält eine Bibliothek mit griechischen und lateinischen Klassikern, auf die Hannah später mit Begeisterung zurückgreifen wird. 

Die Arendts sind nicht religiös, schicken ihre Tochter jedoch mit den Großeltern in die Synagoge und schätzen den Reformrabbiner Hermann Vogelstein, auch als Förderer der Sozialdemokratischen Partei bekannt.

Die Mutter beschreibt ihre Tochter als ein ruhiges, aufmerksames, fröhliches und liebevolles Kind, von ihnen "Sonnenkind" genannt. Hannah mag Gesellschaft, knüpft leicht Freundschaften und reagiert positiv auf Freundlichkeit, obwohl sie auch ein aufbrausendes Temperament haben kann. Sie lernt sehr früh sprechen, entwickelt eine eigene Geheimsprache, beweist ein außergewöhnliches Gedächtnis wie ein scharfes Beobachtungsvermögen und ist eher intellektuell denn praktisch bzw. musisch begabt. Mit vier Jahren kommt sie in den Kindergarten.

Im Sommer 1911 erreicht die Krankheit des Vaters ein schweres tertiäres Stadium: Er leidet unter neurologischen und körperlichen Beeinträchtigungen und wird in eine psychiatrische Klinik in Königsberg eingeliefert. Hannah besucht ihn dort zunächst, spielt mit ihm Karten und versucht ihn vor anderen belastenden Gefühlen zu schützen. Neben Liebe, Mitleid, Angst keimt in ihr allerdings auch der Wunsch nach Erlösung für den Vater  - und irgendwie auch für sich selbst - auf.

Das Jahr 1913 bringt für die Sechsjährige zwei große Verluste: Am 18. März stirbt Hannahs Großvater Max Arendt. Da das Mädchen selbst an Mumps erkrankt ist, kann sie den Trauerzug nur vom Fenster aus mitverfolgen, ganz vom Blumenschmuck und den Menschenmassen beeindruckt. Später wird sie sagen, man solle nicht zu viel über traurige Dinge nachdenken. Kurz nach ihrem siebten Geburtstag stirbt dann auch der Vater. Sie fühlt sich verantwortlich dafür, ihre Mutter zu trösten, und nimmt vor allem die Schönheit der Musik & des Gesangs bei der Trauerfeier für sich wahr. Ihr Schutz gegen die großen Erschütterungen ist ihre äußerliche Gelassenheit, hat sie wohl schon in sehr jungen Jahren bereits viel Leid aushalten und verarbeiten gelernt.

Die Mutter ist schon von Anfang ganz allein verantwortlich für die Erziehung ihres Kindes gewesen. Es gelingt ihr,  Hannah Stabilität & moralische Orientierung zu vermitteln, und sie fördert ihre intellektuelle Unabhängigkeit. Noch vor des Vaters Tod ist sie im Sommer in die Grundschule eingeschult worden. Sie nimmt auch am jüdischen Religionsunterricht von Rabbiner Hermann Vogelstein teil. Dieser Unterricht ist die einzige formale Religionsausbildung, die Hannah je erhalten wird. 

Einmal kommt sie von der Schule nach Hause und fragt ihre Mutter, ob es wahr sei, was ein Mitschüler ihr erzählt habe: Ihr Großvater habe den Herrn Jesus umgebracht. 50 Jahre später wird sie sich dazu äußern:

" …der Antisemitismus ist allen jüdischen Kindern begegnet. Und er hat die Seelen vieler Kinder vergiftet. Der Unterschied bei uns war, dass meine Mutter immer auf dem Standpunkt stand: Man darf sich nicht ducken! Man muss sich wehren!" 

1914

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs fürchten die Königsberger einen russischen Angriff. Martha fährt deshalb mit ihrer Tochter nach Berlin zu ihrer Schwester und meldet das Mädchen bereits an einer Schule im Stadtteil Charlottenburg an. Sie kehren dann allerdings zehn Wochen später wieder nach Hause zurück.

Hannah ist nun sehr oft krank. Sie leidet an Fieber, Masern, Keuchhusten und beidseitigen Ohrenentzündungen mit entsprechenden ärztlichen Eingriffen. Emotionale Anspannung äußert sich bei ihr wohl mitunter körperlich, zeigt sich allerdings auch in ihren schulischen Leistungen. 1916 wechselt sie in die "Königin-Luise-Schule", wo sie durchaus erfolgreich mitarbeitet. Ihr Tagebuch endet 1917 mit der Notiz: "Ist schwierig und fängt an undurchsichtig zu werden." 

Mit Stiefvater & Mutter
(1923)
Die Mutter geht viel auf Reisen, wohl auch aus Gründen der Trauerbewältigung, und das Mädchen bleibt bei den Großmüttern zurück, fühlt sich dadurch oft verlassen. Eine jüdische Studentin namens Käthe Fischer, als Untermieterin im mütterlichen Haushalt lebend, etwa fünf Jahre älter als die Zwölfjährige, wird zu einer Freundin. Und diese Beziehung wie die neuen schulischen Herausforderungen, tragen dazu bei, Hannah von ihrer "Undurchsichtigkeit" zu befreien. Auch die Mutter findet einen neuen Lebensinhalt, indem ihre Wohnung zum Treffpunkt für Sozialdemokraten wird. Auch heiratet sie 1920 wieder, den Witwer Martin Beerwald, Inhaber eines florierenden Eisenhandelsunternehmen. Hannah bekommt dadurch zwei Stiefschwestern, sechs bzw. vier Jahre älter als sie, mit denen der eigenwillige & unkonventionelle Teenager nichts anfangen kann.

Gleichgesinnte findet sie in einem Kreis um einen Studenten namens Grumach, in dem die Schüler*innen zusammen über Literatur und Philosophie reden und griechische Texte lesen können. Sie begeistert sich auch für Dichtung, besonders die von Goethe und der Romantik, und liest auch Thomas Mann, den die Schulbehörden damals für den Unterricht ungeeignet gehalten haben. Kurz vor dem Abitur beleidigt ein junger Pädagoge Hannah mit einer Bemerkung, über deren Inhalt sie niemals öffentlich sprechen wird. Sie fordert ihre Mitschüler auf, den Unterricht dieses Lehrers zu boykottieren. Das führt zum Schulverweis, den auch ihre Mutter nicht abwenden kann. Der gelingt allerdings, dass ihre Tochter  einige Semester an der Universität Berlin studieren kann. Sie lernt dort weiter Griechisch und Latein und besucht Vorlesungen über christliche Theologie bei Romano Guardini und wohnt bei Freunden der Familie. 1924 legt sie als externe Schülerin das Abitur, wieder in Königsberg, ab. 

Studentin in Heidelberg
(1927)
Anschließend geht die Achtzehnjährige nach Marburg, um bei Martin Heidegger Philosophie und bei Rudolf Bultmann Theologie zu studieren, aufgeschlossen, wissensdurstig und dialogbereit, wie sie nun mal ist...

Nach einer Vorlesung Anfang Februar 1925 spricht der fünfunddreißigjährige, verheiratete Heidegger Hannah an und lädt sie in sein Büro ein. Er fragt sie nach den Vorlesungen und den Philosophen, die sie gelesen hat. Schon wenige Tage später beginnen sie eine Affäre. 

"Er war von Hannahs Jugend, ihrer Schönheit und ihrem Verstand angetan. Viele Jahre später erklärte er ihr, dass sie es gewesen sei, die ihn in den Jahren Mitte der 1920er Jahre zu seinen Gedanken inspiriert habe (...) Sie waren mehrere Monate lang ein Liebespaar (...) und trafen sich in dem Dachzimmer, in dem sie wohnte." So Derwent May in seiner Arendt-Biographie.
Was wir über die ersten Monate ihrer Liebesbeziehung wissen, stammt größtenteils aus Heideggers Briefen an die junge Studentin, die sie aufbewahrt hat. Hannah akzeptiert, dass er sich nicht von seiner Frau & Familie trennen wird, und willigt ein, die Beziehung geheim zu halten ( was bis 1982 der Fall bleiben wird ). Später wird sie ihn als charakterschwachen Mann und notorischen Lügner einstufen. Aber noch ist sie in einem Alter, wo sie nicht genug Erfahrung damit hat, dass ein betrügerischer und ehebrecherischer Ehemann auch als Liebhaber unzuverlässig sein dürfte.

Auch auf Drängen Heideggers fasst sie Anfang 1926 den Entschluss, den Studienort zu wechseln, und geht für ein Semester zu Edmund Husserl, dem Lehrer Heideggers, nach Freiburg. In Heidelberg studiert sie anschließend weiter Philosophie und promoviert dort 1928 bei Karl Jaspers mit einer Arbeit zum Liebesbegriff bei Augustinus, dem Kirchenlehrer des 4./5. Jahrhunderts. 

Nicht nur mit Karl Jaspers wird sie lebenslang freundschaftlich verbunden bleiben, Hannah scheint geradezu talentiert zu sein für Freundschaften, von denen sie viele in ihrer Heidelberger Zeit knüpft, darunter auch ihr späterer Ehemann Heinrich Blücher. Zunächst unterhält sie aber Liebesbeziehungen mit Erwin Loewenson, einem Schriftsteller aus Berlin, und Benno von Wiese, einem Germanisten & Soziologen. Letzterer sucht aber eine Frau, die dem häuslichen nicht dem intellektuellen Leben zugewandt ist, so dass das Verhältnis nach zwei Jahren vorbei ist. Mit Heidegger trifft sie sich noch bis 1928, bis der den Kontakt abbricht, weil er sie aufgrund seines Ruhms nicht mehr besuchen könne. Sie selbst schreibt darauf noch, dass sie ihn liebe "wie am ersten Tag".

Mit Günther Stern
(1929)

Im Januar 1929 trifft Hannah Günther Stern wieder, den sie seit ihrer Marburger Zeit nicht mehr gesehen hat. Innerhalb eines Monats ziehen sie zusammen, und im September heiraten sie. Später wird sie bekennen, sie habe ihn nur um des Heiratens willen geheiratet.

Heidegger teilt sie kurz vorher noch mit, dass die Kontinuität ihrer Liebe noch immer das Wichtigste in ihrem Leben sei. In der Folgezeit schreibt sie für die Frankfurter Zeitung und besucht Seminare bei dem protestantischen Theologen Paul Tillich und dem jüdischen Philosophen & Soziologen Karl Mannheim, dessen Buch "Ideologie und Utopie" sie rezensiert. Sie zieht immer wieder um: von Berlin nach Heidelberg, Frankfurt/Main und zurück nach Berlin.

Rahel Varnhagen

In dieser Zeit befasst sie sich mit Rahel Varnhagen von Ense, einer intellektuellen Jüdin der Romantik. Dazu hat sie ihre Freundin Anne Mendelssohn angeregt, und Hannah wird sagen, sie habe in der Varnhagen eine Seelenverwandte gefunden, eine unverdorbene, unkonventionelle, intelligente Frau, die sich für Menschen interessierte, leidenschaftlich und verletzlich. Gemeinsam ist ihnen auch die leidenschaftliche Liebe zu Männern, die ihre Liebe nicht im gleichen Maße erwidern. Anhand des Schicksals der Rahel Varnhagen wird Hannah bewusst, dass Juden in Deutschland zwar als gleichberechtigte Menschen zur Staatsbürgerschaft eingeladen worden seien, es aber nie einen Platz für sie in der "guten Gesellschaft" gegeben habe und dass der "Paria"-Status der natürliche Zustand eines Juden in der Diaspora sei. In dieser Zeit entwickelt Hannah also ihre Ansichten zum Antisemitismus.

1932 verfasst sie eine Rezension über das Buch "Das Frauenproblem in der Gegenwart" von Alice Rühle-Gerstel, in der sie die Frauenemanzipation im öffentlichen Leben würdigt, ihr jedoch die Beschränkungen durch die Ehe und im Arbeitsleben gegenüberstellt. Sie sieht die "faktische Geringschätzung" der Frau in der Gesellschaft und kritisiert die Pflichten, die mit ihrer Unabhängigkeit nicht zu vereinbaren seien.

Anders als ihre Eltern ist sie nicht in der SPD aktiv gewesen. Unter der Entwicklung gegen Ende der Weimarer Republik beginnt sie sich immer mehr für Politik zu interessieren. Viele von ihren Freunden sind Zionisten, doch sie weigert sich, der Bewegung beizutreten, da sie deren Tendenz zum Rückzug in eine eigene Kultur ablehnt. Hannah verfolgt die Ereignisse in Deutschland mit großer Sorge. Doch erst der Reichstagsbrand am 27. Februar 1933, nach dem Hitler die Verhaftung führender Mitglieder der KPD und der SPD anordnet hat, bewegt ihren Ehemann im März zur Flucht aus Nazideutschland nach Paris. Karl Jaspers gegenüber, der sie beschwört, sie solle sich als Deutsche betrachten, erwidert sie:
"Für mich ist Deutschland die Muttersprache, die Philosophie und die Dichtung" - mehr nicht.
Vermittelt durch den Zionisten Kurt Blumenfeld wird sie für die "Zionistische Vereinigung für Deutschland" tätig, um die beginnende Judenverfolgung zu dokumentieren. In ihrer Wohnung in Berlin bringt sie Flüchtlinge auf Zwischenstation unter und wird im Juli 1933 verhaftet und acht Tage in Gestapo-Haft behalten.
"Der Brand des Reichstags und die darauf folgenden unrechtmäßigen Verhaftungen in derselben Nacht. Die sogenannte Schutzhaft … Das war ein unmittelbarer Schock für mich, und von diesem Moment an fühlte ich mich verantwortlich. Das heißt, ich war nicht länger der Ansicht, man könne einfach nur Zuschauer sein."

Sie will & kann sich nicht wie andere in ihren Kreisen mit dem Regime arrangieren und riskiert den Bruch mit Freunden, weil sie kämpfen will. Schockiert ist sie von Heideggers und von Wieses Eintritt in die NSDAP im Mai 1933. Noch kurz vor ihrem Tod wird sie konstatieren, dass gerade viele professionelle Denker hinsichtlich des Nationalsozialismus versagt hätten, als sie sich für das Regime engagiert haben.

Die NSDAP nutzt Heidegger geschickt aus. In den Zeitungen erscheinen Bilder von ihm: Heidegger, der führende deutsche Philosoph, mit einem Hitler-artigen Schnurrbart, in einer braunen Tunika mit hohem Kragen und einer NSDAP-Anstecknadel mit Adler, Globus und Hakenkreuz. Es hätte fast lächerlich wirken können, doch dem stand seine internationale Bedeutung als Intellektueller entgegen. Als Rektor der Universität  Freiburg unterzeichnet er alle Entlassungsschreiben für jüdische Dozenten. Darunter ist auch das Schreiben an seinen Freund, Mentor und begeisterten Unterstützer, Edmund Husserl, einen getauften österreichischen Juden, bekennenden Lutheraner und deutschen Patrioten, dessen jahrelange Unterstützung Heidegger den Weg auf den Lehrstuhl für Philosophie geebnet hat.

In Paris
(1933)

Über Karlsbad, Genua und Genf emigriert Hannah Arendt nach ihrer Freilassung aus der Haft zunächst nach Frankreich. In Paris wird sie, nun ohne Papiere, wieder für zionistische Organisationen tätig und verhilft jüdischen Jugendlichen zur Flucht nach Palästina, arbeitet aber auch wissenschaftlich über den Antisemitismus und hält Vorträge vor verschiedenen Vereinigungen sowie in der Freien Deutschen Hochschule Paris.

In Paris trifft sie auch wieder auf ihren Ehemann. Doch sie will jetzt eine Scheidung, was der ablehnt. Und so wohnen sie weiterhin zusammen:

"Meine einzige Möglichkeit schien mir passiver Widerstand, die Beendigung aller ehelichen Pflichten. Mir schien, dass dies mein Recht war; aber nichts anderes. Eine Trennung wäre für den anderen die natürlichste Folge gewesen."

Hannah freundet sich mit mehreren jüdischen Intellektuellen an, darunter Alexandre Koyré, der die Geschichte als eine Reihe dramatischer bis katastrophaler Umbrüche und Diskontinuitäten begreift, Raymond Aron, ein von den Entwicklungen in der Sowjetunion unter Josef Stalin desillusionierter Sozialist ( und für den Stalin schon damals nicht besser war als Hitler ) sowie Walter Benjamin ( siehe auch dieser Post ), in dem sie eine Mischung aus "Verdienst, großen Gaben, Ungeschicklichkeit und Pech" sieht, ein "Universalgenie" aufgrund seines Bildungshintergrundes. Auch der Rechtsanwalt Erich Cohn-Bendit, der Nervenarzt Fritz Fränkel und der Maler Carl Heidenreich gehören später zu ihrem Kreis deutscher Flüchtlinge.

Sie arbeitet zunächst als Sekretärin in einer zionistischen Organisation und anschließend als Assistentin von Baronin Germaine de Rothschild, wo sie die Spenden an jüdische Wohltätigkeitsorganisationen verwaltet. Hannah versteht sich gut mit ihr, ist aber dem Rest der angesehenen Familie Rothschild gegenüber eher feindselig eingestellt.

Mit Heinrich Blücher
( ca.1950 )
1936 reist Günther Stern nach New York, und im August 1937 wird die Ehe offiziell geschieden. Hannah hat sich unterdessen in Heinrich Blücher verliebt, einen acht Jahre älteren ehemaligen Kommunisten, der sich schon früh gegen die Politik Josef Stalins gewandt hat. Blücher stammt aus armen Berliner Arbeiterverhältnissen, hat sich autodidaktisch weitergebildet und die Abendschule besucht, aber nie seinen Abschluss als Lehrer gemacht. Hannah ist fasziniert von dem geradezu militärisch wirkenden Mann mit dem Auftreten eines bürgerlichen Flaneurs wie auch von seinem Intellekt und fühlt sich erotisch stark angezogen. "Man kann sich kaum einen standhafteren oder mutigeren Mann vorstellen, oder einen, der so anders war als Martin Heidegger", so wird er beschrieben.

"Ich kann nur in der Liebe wirklich existieren. Und deshalb hatte ich solche Angst, mich darin zu verlieren. Deshalb habe ich mich unabhängig gemacht. Und über die Liebe derer, die mich als kaltherzig abstempelten, dachte ich immer: Wenn ihr nur wüsstet, wie gefährlich die Liebe für mich sein kann", schreibt sie an Blücher in einem später veröffentlichten Brief.

Vor der Flucht
Im April 1938 wird Hannah Arendt die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. 1939 kann sie noch auf den letzten Drücker ihre Mutter aus Königsberg in Sicherheit bringen. Am 14. Januar 1940 heiratet sie dann Heinrich Blücher - seine dritte, ihre zweite Ehe. Zuvor ist er bei Kriegsbeginn 1939 wie alle männlichen deutschen Einwanderer in Frankreich als potenzielle Gefahr für die französische Sicherheit eingestuft  und in Lagern in der Provinz interniert gewesen. Und als im Mai 1940 die französische Regierung eine deutsche Invasion erwartet, ordnet sie an, dass sich alle Deutschen außer Alten, Jungen und Müttern als feindliche Ausländer in Internierungslagern melden müssen – die Männer im "Stade Buffalo" und die Frauen im "Vélodrome d’Hiver". Hannah Arendt: 
"Die Zeitgeschichte hat eine neue Art von Menschen hervorgebracht – jene, die von ihren Feinden in Konzentrationslager und von ihren Freunden in Internierungslager gesteckt werden." 

Ihr ist klar, dass nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht die Lager den Besatzern übergeben werden, und sie flieht über 320 Kilometer zu Fuß nach Montauban im Département Tarn-et-Garonne in der Region Okzitanien. Auch ihr Mann kann entkommen, und sie werden von den Cohn-Bendits versteckt, die dort mit falschen Papieren - er als katholischer Tagelöhner getarnt - leben, bis ihr erster Ehemann & Freunde in den Vereinigten Staaten es schaffen, die geforderten Affidavits zu beschaffen. Nun hilft, wie in so vielen Fällen, Varian Fry weiter.

Im Mai 1941 gelangen sie, zusammen mit ihrer Mutter, auf dem Schiff "Guiné" von Lissabon nach New York. Eine Flüchtlingsorganisation vermittelt einen zweimonatigen Aufenthalt bei einer amerikanischen Familie in Massachusetts. Dann beziehen sie eine halb möblierte Zweiraumwohnung in Manhattan, 317 West, 95. Straße. Zum Start ihres neuen Lebens in New York hat sie 25 Dollar in der Tasche, 75 Dollar bekommt sie als monatliches Stipendium der "Zionist Organization of America". "Ich muss Englisch lernen, das ist das erste. Wenn ich erst Englisch kann, werde ich mich schon durchschlagen können", notiert sie. Und sogleich begibt sie sich in die nächste öffentliche Bibliothek.

Innerhalb eines Jahres sind ihre Englischkenntnisse so gut, dass sie als  Teilzeitdozentin für europäische Geschichte am Brooklyn College fungieren kann. Ab Oktober 1941 schreibt sie eine zweiwöchentlich erscheinende Kolumne in der deutschsprachigen Zeitung "Aufbau" unter dem Titel "This means you". Blücher kommt zunächst als Hilfsarbeiter in einer Chemiefabrik unter, bevor er für das "Komitee für Nationale Moral" arbeitet, eine Organisation, deren Ziel es zunächst ist, die Vereinigten Staaten zum Eintritt in den Zweiten Weltkrieg zu bewegen. 

1943 erfährt das Paar zum ersten Mal von der Vernichtung der Juden in Europa: "Wir glaubten das nicht, weil es militärisch unnötig und ungerechtfertigt war." Ein halbes Jahr später halten sie Beweise in den Händen...

Noch bezeichnet Hannah sich in dieser Zeit als (säkulare) Zionistin, entwickelt aber eine zunehmend kritische Haltung gegenüber dieser Weltanschauung, die sie mit anderen Ideologien gleichsetzt. Sie hält Freiheit und Gerechtigkeit für Grundprinzipien der Politik, die mit der Vorstellung eines auserwählten Volkes nicht zu vereinbaren seien. Sie glaubt, falls es überhaupt eine Spaltung in der Welt gäbe, dass diese nicht zwischen ethnischen oder nationalen Gruppen bestünde, sondern zwischen Menschen, die sich zur Vielfalt hingezogen fühlen, und solchen, die sich von ihr abgestoßen fühlen. ( Wie aktuell ist das denn? ) Und noch eins: "Das Wesentliche ist, dass die Republik im Gegensatz zu jeder anderen Staatsform darauf besteht, dass die Gesetze herrschen und nicht Menschen."

New York empfindet sie als "ein sehr großes Berlin". Die 131 Seiten ihres Adressbuchs aus dieser Zeit enthalten viele Namen deutscher Emigrant*innen. Sie ist gut vernetzt und eine geschätzte Gastgeberin, die ihre Besucher nachmittags zu Kaffee und Leibniz-Butterkeksen ins Wohnzimmer einlädt. Unter den Emigrant*innen ist auch Charlotte Beradt, mit der Blücher in Berlin eine Liaison gehabt hat. Die flammt alsbald wieder auf.

Nach Kriegsende, im Jahr 1946 schickt Karl Jaspers dem Paar Arendt-Blücher ein Exemplar seines Buches "Die Schuldfrage", das sie sehr kritisch sehen. Hannah schreibt Jaspers, er habe übersehen, dass Verantwortung zu übernehmen mehr bedeute, als die Niederlage und ihre Folgen zu akzeptieren oder sich einer spirituellen Läuterung zu unterziehen. Höchste Priorität habe nicht die Selbstreflexion, sondern das Handeln zugunsten der Opfer. Und weiter:

"Die Nazi-Verbrechen sprengen meines Erachtens die Grenzen des Rechts; und genau darin liegt ihre Ungeheuerlichkeit. Für diese Verbrechen ist keine Strafe hart genug. Es mag unerlässlich sein, Göring zu hängen, aber es ist völlig unzureichend. Diese Schuld, im Gegensatz zu jeder kriminellen Schuld, überschreitet und zerstört jedes Rechtssystem. (...) Ich weiß nicht, wie wir da jemals wieder herauskommen sollen, denn die Deutschen sind nun mit Tausenden oder Zehntausenden von Menschen belastet, die innerhalb des Rechtssystems nicht angemessen bestraft werden können... "

Auf der persönlichen Ebene gerät die Beziehung zwischen ihrem Ehemann und Charlotte Beradt für sie zu einem unerträglichen Konflikt, nachdem sich diese während ihrer zweimonatigen Abwesenheit in New Hampshire intensiviert hat. Später wird sie dazu schreiben: 

"Gewiss, in dieser Welt gibt es keine ewige Liebe und keine gewöhnliche Treue. Es gibt nichts als die Intensität des Augenblicks, das heißt, die Leidenschaft, die noch ein wenig vergänglicher ist als der Mensch selbst."

Hilde Fränkel
Hannah, die nun jahrelang für die gemeinsamen Lebenskosten aufgekommen ist, wirft Blücher vor, "dass man nicht nur als Sohn durchs Leben gehen" könne. In dieser Zeit der Ehekrise schließt sie eine enge Freundschaft mit Hilde Fränkel, der Sekretärin und Geliebten des Theologen Paul Tillich. Hannah beschreibt Hilde als "mit erotischem Genie begabt" und genießt mit ihr eine Intimität, "wie sie sie noch nie zuvor mit einer Frau erlebt hatte". Sie schickt ihr rote Rosen, und als Fränkel später an Krebs sterben wird, sitzt sie tagelang an ihrem Sterbebett, abwechselnd mit Tillich. Es sind sehr private Briefe, die die beiden miteinander getauscht haben. Welcher Art genau ihre Liebesgeschichte ist, ist nicht klar. Mit Fränkels Tod wird die sechs Jahre jüngere Schriftstellerin Mary McCarthy ihre engste Freundin und Vertraute. 
Bei einem Vortrag in Deutschland

Ab 1949 befasst Hannah sich als Generalsekretärin der "European Jewish Cultural Reconstruction Organization" (JCR) mit der Sicherung und Rückführung jüdischen Kulturguts. In einem Offenbacher Depot sind damals über 900 Thorarollen und etwa 250.000 Bücher gesammelt gewesen. Im JCR-Auftrag reist sie 1949/50 erstmals zurück nach Deutschland, um mit den Behörden über Restitutionen zu verhandeln.

Dabei trifft sie ihre akademischen Lehrer Karl Jaspers und Martin Heidegger wieder. Letzterer ist beschämt wie "ein begossener Pudel", aber nicht wegen seiner politischen Fehler, sondern wegen der Art ihrer damaligen Trennung. Heidegger bekräftigt in seinem Haus im Beisein seiner Ehefrau, die Beziehung zu Hannah sei die "Leidenschaft seines Lebens" gewesen. In den folgenden zwei Jahren tauschen sie siebzig Briefe aus. Der amerikanische Schriftsteller Adam Kirsch titelt es als "Quasi-Romanze". Sie verteidigt ihn gegen Kritiker, die seine enthusiastische Mitgliedschaft in der NSDAP bemängeln. Laut Hannah ist die Frankfurter Schule bereit und durchaus in der Lage, Heidegger zu vernichten. Besonders der "Halbjude und einer der widerwärtigsten Männer, die ich kenne" Theodor W. Adorno  ist ihr ein Dorn im Auge.

In dem Essay "Besuch in Deutschland. Die Nachwirkungen des Naziregimes" von 1950 schreibt sie sehr differenziert über die Nachkriegssituation. Sie konstatiert, dass ihre früheren Landsleute die Menschheitsverbrechen in den Konzentrationslagern durch Leistungsfanatismus beim Wiederaufbau verdrängen. Geschäftigkeit als Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit!

1951 folgt ihr Hauptwerk "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft", eine umfassende Synthese ihrer jahrzehntelangen Überlegungen zur Zerstörung der Welt und der Zivilisation, in die sie hineingeboren worden ist. Sie widmet es Heinrich Blücher, der es nun endlich 1952 zum Tutor im Fachbereich Philosophie am Bard College bringt und zum Lebensunterhalt beitragen kann.

Den Antisemitismus erklärt sie sich in ihrem Hauptwerk folgendermaßen:

"Von allen europäischen Völkern waren die Juden die einzigen ohne eigenen Staat und waren gerade deshalb so begierig und geeignet für Bündnisse mit Regierungen und Staaten an sich, ungeachtet dessen, wofür diese Regierungen oder Staaten standen. Andererseits besaßen die Juden keine politische Tradition oder Erfahrung und waren sich der Spannung zwischen Gesellschaft und Staat ebenso wenig bewusst wie der offensichtlichen Risiken und Machtmöglichkeiten ihrer neuen Rolle."

1952 werden das Ehepaar Arendt-Blücher amerikanische Staatsbürger. "Ich habe einen Pass! Das schönste Buch!" Sie unterhalten einen riesigen Freundeskreis. Die meisten der Persönlichkeiten sind mit der "Partisan Review" verbunden gewesen, einer Zeitschrift, die 1934 von einigen Mitgliedern der Kommunistischen Partei der USA als Alternative zu den prostalinistischen Parteizeitung gegründet worden ist. Blücher engagiert sich im Widerstand gegen Joseph McCarthy. Wichtig ist Hannah während dieser Ära ihre politische Unabhängigkeit, beeindruckend ihre treffsichere Charakterisierung der New Yorker Intellektuellen, von denen sich nicht wenige als Opportunisten entpuppen werden. Im Juni 1953 berichtet sie Karl Jaspers über die politische Krise in Amerika und lobt Albert Einstein dafür, dass er öffentlich gegen den McCarthyismus Stellung bezogen und Intellektuelle dazu ermutigt hat, lieber Missachtung des Kongresses zu riskieren, als auszusagen. 
1958

Im Alter von 47 Jahren bekommt sie 1953 endlich eine befristete Professur am Brooklyn College in New York, auch auf Grund des Erfolgs, den sie mit ihrem Totalitarismus-Buch in den USA erzielt hat. In ihrer neuen Heimat ist Hannah Arendt zu einem publizistischen Star geworden. 1959 wird sie an der Princeton University als erste Frau zur ordentlichen Professorin ernannt. Weitere Lehraufträge an diversen Bildungseinrichtungen werden bis 1967 folgen.

Über die Adenauer-Ära in Deutschland äußert sie sich mehrmals kritisch, u.a. an ihren Studienfreund Benno von Wiese, selbst doch ehemaliges Parteimitglied und inzwischen aufgestiegen zum Ordinarius in Bonn:

"Die Adenauer-Administration hat alle Risse zugekleistert. Mörder wurden nicht nur nicht verfolgt, sondern konnten Staatsbeamte, oft in hohen Stellungen, werden."

Einem größeren, weniger intellektuellem Publikum in der Bundesrepublik wird sie 1961 bekannt, als sie für die Zeitschrift "The New Yorker" aus Jerusalem vom Prozess gegen den Naziverbrecher Adolf Eichmann zu berichten beginnt. 
Beim Eichmann - Prozess
(1961)

In ihren Gerichtsreportagen, die später in Buchform erscheinen, bezeichnet sie den Massenmörder als "Hanswurst" und findet die Formulierung von der "Banalität des Bösen". Die fünfteilige Serie im "New Yorker" erscheint dann ab 16. Februar 1963.

Die wird in den USA vehement diskutiert. Sie verstört viele ihrer jüdischen Leser darob, weil ihre Beschreibung eines schlichten, willfährigen Bürokraten verharmlosend sei, weil sie Eichmanns Schlüsselrolle in der Mordmaschinerie der Nationalsozialisten nicht gerecht werde. Der Religionsphilosoph Gershom Scholem attestiert ihr, die sich als Jüdin versteht, einen Mangel "der Liebe zum jüdischen Volk". Die Artikel verärgern auch die israelische Regierung, und es sind Versuche unternommen worden, die Veröffentlichung ihrer Texte als Buch zu verhindern. Andere bezeichnen das Buch als "Meisterwerk des historischen Journalismus" und Hannah Arendt als eine Person mit einem "heroischen Wahrheitsdrang". 

In der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit weckt schon der Prozess ein größeres Interesse an der Aufklärung der NS-Verbrechen. Spätestens mit den ab 1963 folgenden, von Fritz Bauer angestoßenen Frankfurter Auschwitz-Prozessen, wächst ein Bewusstsein dafür, dass die Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen bis dahin unzulänglich betrieben worden ist. 

Heinrich Blücher überlebt 1961 ein Hirnaneurysma und bleibt nach 1963 weiterhin gesundheitlich angeschlagen. Seine Frau veröffentlicht unterdessen weitere kontroverse Bücher. Ihre Aufsatzsammlung "Über die Revolution" (1963) verärgert viele Linke, da sie die Folgen sowohl der Französischen Revolution als auch der Russischen Revolution kritisiert. Eine zweite Textsammlung "Männer in finsteren Zeiten", 1968 präsentiert, umfasst intellektuelle Biografien einiger kreativer und moralischer Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers, Bertolt Brecht und Isak Dinesen ( siehe auch dieser Post ). 

Am 31. Oktober 1970 stirbt ihr Ehemann während des gemeinsamen Mittagessens an einem Herzinfarkt.
1975

Hannah selbst ist ebenfalls eine starke Raucherin und wird häufig mit einer Zigarette in der Hand fotografiert. Im Mai 1974 erleidet sie während eines Vortrags in Schottland einen beinahe tödlichen Herzinfarkt. Obwohl sie sich erholen kann, bleibt ihr Gesundheitszustand labil. Doch sie raucht weiterhin. 

Am Abend des 4. Dezember 1975, wenige Wochen nach ihrem 69. Geburtstag, erleidet sie in ihrem Apartment am Riverside Drive in Manhattan - mit Blick über den Hudson River von ihrem Schreibtisch aus - einen weiteren Herzinfarkt, nachdem sie ein kleines Abendessen für  Freunde zelebriert und man sich auf die bequemen Sessel zurückgezogen hat, um noch einen Kaffee zu trinken und sich zu unterhalten. Noch am Ort des Geschehens wird sie für tot erklärt. Ihre Asche wird erst im nächsten Frühjahr, im Mai 1976, neben der von Blücher auf dem Friedhof des Bard College in Annandale-on-Hudson, New York , beigesetzt. 


Obwohl Hannah Arendt nie eine systematische politische Theorie entwickelt hat und sich ihr Werk nicht ohne Weiteres kategorisieren lässt, ist die Denktradition, die am engsten mit ihr verbunden wird, die des bürgerlichen Republikanismus von Aristoteles bis Tocqueville. Ihr politisches Konzept kreist um aktive Bürgerschaft, die bürgerschaftliches Engagement. Deshalb erscheint sie mir so zeitgemäß.

                                                                                

Weitere Posts zu Frauen, 
die in dieser Woche einen Gedenktag haben:


Montag, 12. Oktober 2026

12 von 12 Oktober 2026

 

 Huch, schon so spät! ( Ich habe nachts länger wachgelegen, davon kommt so was. )
Es ist frisch ( 7°C ), und ich höre das Gerumpel der Müllabfuhr .

( So sah es im letztjährigen Oktober aus.)

Die erwische ich grade noch mit meinen Altpapiertüten.


Dann auf  ins Badezimmer ( Blick von dort auf den Straßenbaum ) zur Morgentoilette !


Anschließend endlich das Frühstück...


... und die obligatorische Stadtanzeiger - Lektüre ( nur noch online ).

Derweil schreien schon die Besen auf der Terrasse nach meinem Einsatz: 
Das Weinlaub von den Hauswänden fällt und fällt.

Aber auch die Wäsche ruft.

Und ich habe mir vorgenommen, heute den Backofen zu putzen. Was für eine Plackerei!

Da ist es eine Erholung, zwischendurch in den Blumenladen zu gehen, 
auf ein paar Blümchen für die Nachbarin.

Nachdem ich den Backofen noch mal mit klarem Wasser abgewaschen habe,
brauche ich eine Pause: Lesen!

Fast vergessen: etwas essen!
Mittlerweile haben wir 16°C.

 Auf zum Kaffeetrinken mit der Nachbarin gegenüber!

Und schon sind wieder Zwölfe beisammen. 
Ab damit zu Caro, der ich von


alles Gute zu ihrem heutigen Geburtstag wünsche!

                                                                

Und weil so viel Orange heute drin ist: verlinkt auch mit "niwibo sucht..."

Samstag, 10. Oktober 2026

Meine 41. Kalenderwoche 2026

"Von der Tradition wissen sie nicht mehr, 
als dass angeblich früher alles besser war, 
auch wenn sie keine Ahnung haben, 
wann dieses Früher zu Ende gegangen wäre. 
Von der deutschen Geschichte haben sie nur gehört, 
dass diese „groß“ und „erfolgreich“ gewesen sei."
.....
"Es braucht den Anstand und die Disziplin, 
die den Rechten völlig fremd sind."
Claudius Seidl

"Was bleibt ist unheimlich laut, 
surreal selbstbewusst, 
unrealistisch eindeutig 
und folglich hohl 
und unsere Gesellschaft nicht weiter bringend."
@blauerelefant

"Egomanie war immer schon schlimm. 
Aber selten so laut! 
Es herrscht den ganzen Tag Topfschlagen."
Micky Beisenherz


Noch ganz schön grün, aber mit kleinen Anzeichen herbstlicher Vergänglichkeit, der Feiertag vor einer Woche!



Besonders der Gleditschie vor meiner Haustüre sieht man den Herbst an. Sonnig war's am Sonntag zum 28. Köln-Marathon und mit 21°C auch recht warm.


Gehört habe ich bis in mein Zuhause die Samba-Trommeln. Und da war klar: Ich muss auch nach draußen!


Mehr als 41.000 Läuferinnen und Läufer waren in Köln auf den Straßen der Domstadt unterwegs - ein neuer Rekord! Das entspricht einer kleineren deutschen Mittelstadt. Es gab auch wieder Streckenrekorde: Der Kenianer Bernard Kiprop Koech lief nach 2:06:20 Stunden als schnellster Mann ins Ziel, seine Landsfrau Jackline Chepngeno als schnellste Teilnehmerin nach 2:21:33 Stunden. Beeindruckt haben mich die doch recht zahlreichen Staffeln mit inklusiven Teilnehmer*innen, darunter auch blinde. Jede Staffel bestand aus je zwei Menschen mit und zwei Menschen ohne Behinderung, die die Strecke gemeinsam bewältigten. Unterstützt wurden sie von 30 Begleitläufern.


Auch die jungen Menschen, die in Siebener - Staffeln für ihre Schulen laufen, habe ich mit Freude gesehen. In diesem Jahr kannte ich allerdings niemanden unter den Teilnehmern ( mein Bruder, den wir früher angespornt haben, läuft keinen Marathon mehr, zu wenig Zeit zum Trainieren ). Aber die tolle Stimmung am Straßenrand in meinem Veedel nehme ich doch gerne immer wieder mit.



Irgendwie ist bei mir trotz spätsommerlicher Temperaturen drinnen die Verveine-Tee-Spekulatius-Zeit angebrochen.

( In etwa mein 12tel Blick der Jahre 2021 bis 2025 )


Am Dienstag eine Art Familientreffen am östlichen Ende der Stadt auf der Schäl Sick bei der ersten Frau des Herrn K., wie wir das jetzt schon fast traditionell jeden Herbst veranstalten. Auf dem Weg dorthin bin ich auch am Thielenbrucher Wald vorbeigekommen:





Der geplante Ausflug am Mittwoch mit meinen lieben Nachbarn musste storniert werden, weil ihnen jemand ins Auto gefahren ist. Dafür hat sie mir einen Blick gegönnt, die Großnichte! Welch ein Erlebnis!




Habe ich den sonnigen Tag halt für meine Hobbys genutzt, im Garten gearbeitet und gelesen. Ab jetzt wird wohl tägliches Fegen als Sport angesagt sein. Am Mittwoch habe ich dabei noch reichlich geschwitzt ( 22°C ). Ab drei Uhr nachmittags trübte es dann langsam ein, ab acht Uhr regnete es. Und seitdem ist es herbstlich hier bei uns, es regnet immer mal wieder, die Temperaturen liegen seitdem um 13-14°C und die Heizung läuft. So gefällt es mir drinnen, denn den geplanten Ausflug konnte ich am Freitag nicht nachholen, weil ich etwas unpässlich war. Määt nix!

Web-Fundstück der Woche: ein tolles Wort!


Wenn die Mitmenschen wenigstens nur besserwisserisch unterwegs blieben! Frau ist ja unterdessen bescheiden geworden in ihren Ansprüchen. Stattdessen wird gehetzt, gehasst, gedroht, selbst mit dem Vergasen in altdeutscher Manier. Hape Kerkeling fand klare Worte im Thüringer Landtag, machte das sichtbar, was für jeden eigentlich offensichtlich sein sollte. Deswegen musste in dieser Woche auf sämtlichen Kanälen gegen ihn geschossen werden, um ihn zu denunzieren, ihn als "geisteskrank" oder "Schwuchtel" usw. zu diffamieren, ihm Gewalt anzudrohen. Geht man so inzwischen mit seinen Mitmenschen um? Ist das der korrekte Weg in puncto Meinungsfreiheit? Ich weiß nicht, liebe Leserinnen meines Blogs, ob ihr damit konfrontiert seid, welche Verrohung sprachlicher Art in den social media nun gang und gäbe ist und den politischen wie privaten Diskurs bestimmt. "Ick kann jar nicht soville fressen, wie ick kotzen möchte." ( Max Liebermann, Maler, 1933 ) 

Sehr gefreut habe ich mich über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die südafrikanische Juristin und Menschenrechtlerin Navanethem "Navi" Pillay, die u.a. von 2003 bis 2008 Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag gewesen ist, ehe sie 2008 bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte wurde. Honni soit qui mal y pense, wenn zur gleichen Zeit die US - Regierung weitere Sanktionen gegen diesen Internationalen Gerichtshof in Den Haag verhängt werden. Man werde Transaktionen mit dem Gericht untersagen, Ressourcen beschneiden und seine Handlungsfähigkeit einschränken. Verlieren konnte das Trampeltier noch nie.

Genießt am Wochenende, was wir noch haben!

                                                                          


Verlinkt mit Andrea Karminrots Samstagsplausch, "Niwibo sucht...", Annette/ Augensternwelt mit ihren Glücksmomenten, dem Mosaic Monday von Heidrun, den "Sonntags Top Sieben" bei Anni 

Und wer ebensolche Freude an der Renovierung von Ricks Zuhause in London hat wie ich, kann hier das aktuelle Video nach über 60 Tagen Arbeit sehen: Incredible!