Donnerstag, 2. April 2026

Great Women #451: Anne Lister

Auf die Frau, die ich euch heute vorstellen werde, bin ich durch die Autorin Angela Steidele aufmerksam geworden, von der ich ein Buch gelesen und im Februar im Blog vorgestellt hatte. Aber auch schon bei meinem Post über die "Rheingräfin" Sibylle Mertens-Schaaffhausen war ich auf Steidele gestoßen als "Expertin" für historische Frauen, die Frauen liebten. Das ist ja nicht ungewöhnlich und eine ganze Reihe der von mir porträtierten Frauen haben weibliche Lebenspartnerinnen gehabt, so z.B. Anita Augspurg, Sylvia Beach, Rosa Bonheur, Therese Giehse, Alice Paul, Maria Reiche, Dusty Springfield, Gertrude SteinMarguerite Yourcenar. Aber keine von ihnen hat so ausführlich darüber Tagebuch geführt wie Anne Lister, die darüberhinaus auch eine abenteuerlustige Reisende gewesen ist.
Shibden Hall

"Die Frauen mögen mich und haben mich immer gemocht 
und keine hat mich je abgewiesen." 

Anne Lister erblickt am 3. April 1791, also morgen vor 235 Jahren, in Halifax in West Yorkshire das Licht der Welt. Ihre Großfamilie verfügt über einen kleineren Landbesitz in Shibden in Calderdale, West Yorkshire. Ihr Vater, Captain Jeremy Lister, geboren 1752, hat als junger Mann 1775 mit einem britischen Regiment in den Schlachten von Lexington und Concord im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gedient und nach seiner Rückkehr 1788 die fast zwanzig Jahre jüngere Rebecca Battle aus Welton im County East Riding of Yorkshire geheiratet, mit der er nach einem ersten, früh verstorbenen Sohn als zweites Kind besagte Anne bekommt. 

Der Landsitz der Familie - Shibden Hall -, ist in der Hand von Listers ältestem Bruder James sowie seiner Schwester Anne. Das historische Herrenhaus mit architektonischen Ursprüngen, die sich bis ins 15. Jahrhundert nachverfolgen lassen, haben die Listers, wohlhabende Mühlenbesitzer und Tuchhändler in der florierenden Textilindustrie von Halifax, im elisabethanischen Zeitalter zu Beginn des 17. Jahrhunderts erworben & ausgebaut.

Anne verbringt ihre Kindheit allerdings größtenteils in Market Weighton, einem historischen Marktort im County East Riding of Yorkshire, wohin die Familie zwei Jahre nach ihrer Geburt gezogen ist. Ein zweiter Sohn, Samuel, wird den Listers dort 1793 geboren. Insgesamt werden sie vier Söhne und drei Töchter bekommen, aber nur Anne und ihre jüngere Schwester Marian (*1798) überleben das 20. Lebensjahr. Anne ist allerdings oft zu Besuch bei Onkel & Tante auf dem 54 Meilen entfernten Landsitz der Familie in Shibden.

Obwohl für Mädchen eine formale Schulbildung auch in diesen Kreisen damals nicht vorgesehen ist, wird Anne mit sieben Jahren in eine Einrichtung, die von einer Mrs. Hagues und einer Mrs. Chettle in der St. Agnesgate in Ripon in North Yorkshire geleitet wird, eingeschult. Das lebhafte Mädchen ist ein Wildfang, ein tomboy, dem die Eltern nicht gewachsen sind, weshalb sie sie  - statt wie sonst üblich mit zwölf  Jahren - schon jetzt in einer solchen Schule unterbringen. Auch dort mag sie den Erwartungen an weibliche Wesen - das Tragen von Häubchen, Unterricht in weiblichen Fertigkeiten z.B. - nicht entsprechen und sie wird deshalb gezüchtigt und nach drei fruchtlosen Jahren nach Hause geschickt. 

Zwischen 1801 und 1804 bekommt sie dann eben Unterricht in Market Weighton zu Hause durch Reverend George Skelding, dem Pfarrer des Ortes, der sie in Latein, Rhetorik und Mathematik unterweist und bei dem sie die ihr später sehr nützlichen Kenntnisse des griechischen Alphabets erwirbt. Dadurch ist Anne in die Lage versetzt, in den Klassikern der Antike Erotisches - unter anderem Texte von Sappho - zu lesen, ganz ohne die christliche Moral, die die zeitgenössischen Übersetzungen zensiert.

Dank ihrer Patentante Anne Lister kann das Mädchen ab 1805 im nahegelegenen York die Manor School, ein Internat für besser gestellte höhere Töchter, besuchen. Aus ihren Briefen aus dieser Zeit wird bereits ihr Interesse an Landwirtschaft und Lesen deutlich sowie eine musikalische Begabung ( sie spielt Flöte ). Großes Interesse bekundet sie nach wie vor an klassischer Literatur und griechischer Geschichte. Ab 1815 wird ihr ständiger Lebensmittelpunkt dann bei Onkel & Tante sein.

In der Manor School lernt Anne ihre erste Liebe, die gleichaltrige Eliza Raine, kennen, die uneheliche Tochter eines Chirurgen der Ostindien-Kompanie in Madras - ein "Halbblut", wie das damals geheißen hat. Anne findet das ganz besonders. Dieses Mädchen ist nach dem Tod des Vaters nach Yorkshire gebracht worden und nun Aspirantin auf ein beträchtliches Vermögen. Eigentlich gehören beide nicht auf so eine feine Einrichtung aufgrund ihrer "Rasse" bzw. der Armut. Im Internat bekommen die beiden unpassenden Mädchen deshalb eine Dachkammer zugeteilt, die sie "the Slope" nennen, abseits vom üblichen Schlafsaal der übrigen Schülerinnen, und sie gewinnen so einen Rückzugsort, wo sie ihrer Liebe frönen können. 

Doch diese Liebe dauert nicht an: Als Anne in die Gesellschaft von York eingeführt wird, lernt sie ca. 1810 ihre nächste Geliebte, die sechs Jahre ältere Isabella Norcliffe - Spitzname "Tib" - kennen. Auch wird sie wieder einmal aus nicht näher bekannten Gründen aus dem Internat nach Hause entlassen. Mit der Geliebten verkehrt frau weiterhin per Post, und Anne fängt an, ihre Tagebucheintragungen in griechischen Buchstaben aufzuschreiben. Da das nicht sicher genug ist vor unerwünschten Mitlesern, entwickelt sie einen Geheimcode, eine Kombination aus altgriechischem Alphabet, Tierkreiszeichen, absurder Interpunktion und mathematischen Symbolen.

Eliza ist untröstlich, weil sie die ungeteilte Liebe Annes verliert, und ihr psychischer Zustand verschlechtert sich immens, so dass sie in die Obhut eines Dr. Belcombe gegeben und später in einer privaten Heilanstalt untergebracht wird, wo sie 1860, 44 Jahre nach ihrer Einweisung, einsam sterben wird.

Anne fühlt sich vom Glanz des opulenten Lebensstils der Norcliffes und dem selbstsicheren Auftreten der besser situierten Familie angezogen. Auch erscheint ihr die wunderschöne, gebildetere, klügere Isabella von größerem Reiz als Eliza. Auch Isabella verliebt sich sozusagen unsterblich - ihr Wunsch, Anne zu gefallen und sie zufrieden zu stellen, sei stärker als alles andere, so Annes Tagebuch. Selbst Isabellas Familie ist begeistert, hofft sie doch, dass deren Einfluss ihre Tochter vom Alkohol & Tabakgenuss abbringen wird. Letztendlich enttäuscht die aber ihre Geliebte, die sich daraufhin selbst zu vernachlässigen beginnt, indem sie sich intensiver der sanftmütigen Mariana Belcombe ( die Tochter des Arztes - siehe oben ) zuwendet. Trotzdem unterhält sie zu beiden über viele Jahre eine Liebesbeziehung, mit Isabella sogar lebenslang mit gelegentlichen sexuellen Kontakten. Anne entwickelt sich also allmählich in das, was man landläufig als "Don Juan" oder "Schürzenjäger" bezeichnet, allerdings in der weiblichen Form. Es scheint auch so, dass die beiden Geliebten dieses Spiel niemals durchschaut haben.

Mariana hat sie 1812 auch auf einer Party der Norcliffes kennengelernt, und es scheint Liebe auf den ersten Blick gewesen zu sein. Viele der Frauen, die Annes Tagebücher später aus ihrer Geheimschrift ins Englische übersetzen, glauben, dass Mariana die große Liebe in Anne Listers Leben gewesen ist. Als ein Beleg für diese Theorie wird herangezogen, dass Mariana als Arzttochter die ärmste unter Annes Geliebten gewesen ist und die einzige Beziehung, die Anne je gehabt hat, die nicht - zumindest teilweise - von finanziellen Motiven geprägt gewesen ist.

Sie schreiben sich täglich und reisen regelmäßig die vierzig Kilometer zwischen York und Halifax hin und her, nachdem Anne endgültig nach Shibden Hall gezogen ist. Sie tauschen sogar Ringe. Doch das Glück wird getrübt, als Mariana den Heiratsantrag eines wohlhabenden, sehr viel älteren Witwers, Charles Lawton, annimmt. Anne Lister und Marianas Schwester, ebenfalls Anne mit Namen, begleiten Mariana in die Flitterwochen, und Annes Tagebucheinträge aus dieser Zeit zeugen von rasender Wut. Und sie rächt sich, indem sie eine Affäre mit der Schwester anfängt. Das hindert sie aber nicht daran, zu Mariana ins Bett zu steigen, als diese Zahnschmerzen vorschützt. Frau betrachtet sich ab da wieder als verheiratet.

Immer wieder gibt es Irritationen im Miteinander, besonders aufgrund der maskulinen, schwarzen Kleidung, die Anne gerne trägt, und ihres unweiblichen Verhaltens. Sie ist sehr selbstbewußt, auch in Bezug auf ihr körperliches Wohlbefinden, deshalb nur bequeme Kleidung. Das sorgt für viel zu viel Aufsehen nach dem Geschmack der Geliebten, und Mariana ist es peinlich, gemeinsam mit Anne in der Öffentlichkeit so angetroffen zu werden. 

Die erste ihrer vielen Reisen unternimmt Anne 1819 mit der Patentante Anne Lister senior nach Paris. Natürlich spricht sie Französisch. Sie übersetzt z.B. Jean - Jacques Rousseau ins Englische, ganz zu ihrem eigenen Vergnügen.

1820
Ihre Beziehung zu Mariana besteht zwar fort, wird aber nie wieder dieselbe. Mariana hinterlässt Anne auch ein unliebsames Andenken: Im Jahr 1820 infiziert sich ihr Ehemann durch eine außereheliche Affäre mit einer Geschlechtskrankheit, steckt Mariana an, die wiederum Anne infiziert. Die Geschlechtskrankheit ist unheilbar und schmerzhaft.

1824, während eines weiteren Aufenthalts in Paris, lernt Anne die Witwe Maria Barlow kennen. Obwohl Anne gerne mit vielen Frauen flirtet, verbringt sie ihre Tage und Nächte nun mit Maria. Ihre Tagebücher belegen ihre Gefühle für diese neue Frau an ihrer Seite. Sie ziehen sogar zusammen. Doch solange noch Hoffnung auf eine Beziehung mit Mariana besteht, wird daraus keine feste Partnerschaft. Da Marianas Mann Charles viel älter ist, hoffen beide noch auf ein gemeinsames Leben nach seinem Tod. Außerdem ist die Witwe nicht wohlhabend genug, und Anne wünscht sich eine Liebhaberin, die nicht nur besonders weiblich & leidenschaftlich ist, sondern auch ihre materiellen Lebensumstände verbessert. 

Nachdem ihr Onkel James gestorben ist, tritt sie 1826 in die Verwaltung von Shibden Hall, kehrt nach England zurück und zieht einen Schlussstrich unter diese Pariser Episode. Shibden Hall wird sie allerdings erst endgültig nach dem Tod ihrer Tante im Jahr 1836 erben. 

In der Zwischenzeit hat sie realisiert, dass es mit der lebenslangen Ehe mit Mariana nichts wird, dazu ist deren Mann zu fit. 1828 gesteht sie sich ein, dass sie ihr Leben mit falschen Hoffnungen zu vergeuden droht und beginnt sich nach einer neuen Lebenspartnerin umzusehen. Die findet sie in Sibella Jean MacLean, von vornehmer adliger Herkunft ( Tochter des 15. Laird von Coll auf den Inneren Hebriden ), Schottin, auf die sie bereits 1820 bei den Norcliffes getroffen ist.

Gemeinsam bereisen sie ab Mai bis Juli 1828 Schottland und kommen sich während dieser Reise näher. Endlich eine Beziehung mit der Möglichkeit des gesellschaftlichen Aufstiegs! Ihr Tagebuch: "Ich würde mein Leben lieber mit Miss MacLean verbringen als mit irgendjemand anderem." Am liebsten in Paris! Anne überredet Sibella sogar, ihr in einem Juweliergeschäft in Glasgow einen Ring zu kaufen, und in einem verschlüsselten Eintrag in ihrem Tagebuch zum 11. Juni des Jahres vermerkt sie: "Miss Maclean steckte mir den kleinen Schutzring an den Finger." Gemeinsam steuern sie viele der üblichen Touristenziele in der Umgebung von Glasgow an, darunter die Trossachs und Loch Lomond, sowie die Region um Tayside, nutzen auch die neuen Dampfschiffverbindungen, um die Ostküste zu bereisen und besuchen St. Andrews, Elgin und Inverness sowie die Highland-Forts und die Äußeren Hebriden.

Isle of Mull, wo Sibella MacLean zu Hause ist
(1815)


In ihrem Bericht über ihre Schottlandreise finden sich zwei parallel verlaufende Erzählstränge: Der eine schildert ihren persönlichen Weg zu einer intimeren und formelleren Beziehung mit Sibella - einschließlich finanzieller Gespräche -, der andere beschreibt die praktischen Aspekte der Reise durch Schottland mit Kutsche und Dampfschiff. Das Tagebuch ermöglicht es Anne Lister, zwei Persönlichkeiten zu bewahren, indem sie mithilfe eines Codes zumindest auf dem Papier "ihr abweichendes Selbst von ihrem öffentlichen Selbst" trennt. Die vielen Reisen bieten der jungen Frau einen Raum, in dem sie die Grenzen zwischen diesen beiden Persönlichkeiten ausloten kann, weil sie damit ihren gewohnten sozialen Kontext verlässt. 

Tatsache ist, dass Anne Lister ihren Wunsch nach sozialem Aufstieg und Anerkennung bei Gleichaltrigen und Vorgesetzten nie aufgegeben hat. Sie ist stolz auf ihre Einhaltung der Etikette und bemüht sich, in der Gesellschaft stets einen honorablen Eindruck zu machen. Sie setzt alles daran, ihre lesbischen Beziehungen zu verbergen, um ihre gesellschaftliche Stellung zu wahren. Rollen wie die der Landbesitzerin oder Touristin, ebenfalls Facetten ihrer Identität, prägen die Wahrnehmung ihrer Zeitgenossen & dienen ihr möglicherweise dazu, nach außen hin Respektabilität zu demonstrieren und gleichzeitig die Grenzen des gesellschaftlich Akzeptablen subtil für sich auszuloten.

Doch aus der gemeinsamen Zukunft mit Sibella wird nichts: Die wird immer kränker und bleibt in Schottland, wo sie 1830 an Tuberkulose stirbt. Anne wendet sich wieder dem Reisen auf dem Kontinent zu mit Paris als Basis: Belgien & Deutschland stehen auf dem Plan, bevor sie in die Pyrenäen reiste, wo sie Wanderungen unternimmt und die Grenze nach Spanien überquert. Dabei stellt sie sowohl ihren ausgeprägten Abenteuergeist als auch ihre beachtliche körperliche Fitness unter Beweis, indem sie den über dreitausend Meter hohen Monte Perdido, den dritthöchsten Gipfel der Pyrenäen, besteigt - allerdings nie in Hosen!

(1830)

Nach ihrer Rückkehr nach Shibden Hall im Jahr 1831 empfindet die nunmehr Vierzigjährige das Leben mit ihrem Vater und ihrer Schwester dort als so unangenehm, dass sie fast umgehend wieder abreist und mit Mariana Lawton einen Kurztrip in die Niederlande unternimmt.

Ann Walker hat Anne Lister schon als Fünfzehnjährige kennengelernt, ist aber damals nicht sonderlich von ihr beeindruckt gewesen. Kein Zufall oder doch? Annes Interesse an Ann erwacht genau zu dem Zeitpunkt, als diese - zwar nicht von Adel - nunmehr Erbin eines beträchtlichen Vermögens wird.

Nur wenige Tage nach Wiederaufnahme der Freundschaft stellt sich die immer auf ihre Vorteile achtende Lister die arglose Ann als ihre Lebensgefährtin vor und innert weniger Wochen werden sie ein Paar. "Vielleicht macht sie mich ja doch glücklicher als alle meine früheren Liebschaften", hält die Tagebuchschreiberin fest. Denn eine romantische Liebe ist die zu Ann Walker beileibe nicht. Sie bittet sie sogar, zu ihr nach Shibden zu ziehen. Die zögert jedoch, denn Ann Walker ist oft von religiösen Schuldgefühlen geplagt.

Frustriert reist Anne deshalb durch Europa und Russland, findet nach wie vor überall genug Liebhaberinnen, während in ihrer Abwesenheit in England die andere Ann einen Heiratsantrag ablehnt. Nach ihrer Heimkehr findet Anne sie mit geändertem Sinn vor. Am Ostersonntag 1834 empfangen sie gemeinsam das Abendmahl in der Holy Trinity Church in York und betrachten sich von da an als verheiratet – quasi die erste bekannte lesbische Eheschließung! Sie unternehmen sogar eine dreimonatige Hochzeitsreise durch Frankreich und die Schweiz.

Bereits seit dem Tod der Tante verfügt Anne über ein Einkommen, dass ihr einen größeren Grad an Freiheit in ihrer Lebensführung ermöglicht. Das sind unter anderem Pachtverträge für landwirtschaftliche Betriebe, Anteile an der Kanal- und Eisenbahnindustrie sowie an Bergbau- und Steinbruchbetrieben. Schon 1830 hat sie den Architekten John Harper aus York & den Landschaftsgärtner Samuel Gray mit umfangreichen Umgestaltungen des Hauses und der Gärten in Shibden Hall beauftragt. Die Gärten erhalten Terrassen, Steingärten, Kaskaden und einen See zum Bootfahren. Eine Kutschenauffahrt zur neuen Straße von Halifax nach Leeds wird installiert, und daneben ein Torhaus. Dem Herrenhaus wird ein gotischer Turm hinzugefügt, der Annes Bibliothek aufnimmt. Für eine Frau im viktorianischen Zeitalter ist die Nutzung einer Bibliothek oder eines Arbeitszimmers das Zeichen einer großen Freiheit, da Studium und Gutsverwaltung als reine Männerdomänen angesehen werden. Unter dem Gebäude lässt sie außerdem einen Tunnel anlegen, damit sich die Angestellten bewegen können, ohne sie zu stören. Mit dem Vermögen ihrer Frau lassen sich all diese Veränderungen erst recht realisieren.

Aus der Serie "Gentleman Jack"
(2019)
Anne ist eine überzeugte Tory, "die sich für die Verteidigung der Privilegien des landbesitzenden Adels einsetzte". Sie wird halt als exzentrische Dame des Landadels von ihrer Umgebung wahrgenommen. Doch als sie beginnt, sich wie ein Mann aufzuführen, offen mit ihrem Reichtum wuchert und sie mit Ann Walker ganz offensichtlich als Paar auftritt ( bei Gottesdiensten setzen sie sich  z.B. ostentativ nebeneinander in die erste Reihe ), richtet sich ihre Sexualität gegen sie. Anne Lister bekommt den Spitznamen "Gentleman Jack" verpasst und einmal werden in der Stadt sogar Strohpuppen von ihr und ihrer Frau verbrannt.

1838 reist sie wieder in die Pyrenäen, diesmal mit ihrer Partnerin und besteigt den Vignemale, den höchsten Gipfel auf der französischen Seite. Im Juni des darauf folgenden Jahres tritt das Paar dann in Begleitung von zwei Bediensteten seine umfangreichste Reise an. Zuvor verfassen beide ihr Testament. Sie gewähren sich das wechselseitige Nießbrauchsrecht an ihren Anwesen und vermachen sich Anteile an ihren jeweiligen Vermögenswerten. 

Das Reisen befreit sie immer wieder von dem sozialen Anpassungsdruck im heimatlichen Yorkshire. Deshalb nutzen sie sich gerne diese Ausflucht. Bei dieser Reise kreuzen sie sogar in ihrer eigenen Kutsche durch Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und erreichen nach drei Monaten schließlich St. Petersburg und drei Wochen später, mitten im Einbruch des russischen Winters, Moskau. 

Mit der widerwilligen Ann Walker im Schlepptau verlässt Anne Lister Moskau im Februar 1840 in einer neuen russischen Kutsche bzw. mit einem Schlitten und warmer Kleidung. Wie immer macht Ann Walker alles mit, wenn auch ohne Begeisterung. Unbeirrt strebt die Lister südwärts auf der zugefrorenen Wolga. Im Sommer bräuchten sie dreimal so lange, hat man ihr gesagt, da wären die Ufer der Wolga aufgeweicht und schlammig. Die Route führte über Nischni Nowgorod und Astrachan Richtung Kaukasus. Ziel: Baku zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Die Bevölkerungen der durchquerten Landstriche sind nicht gerade friedfertig, vor allem, wenn es russisch riecht, denn das das zaristische Regime ist verhasst. Zeitweise benötigen die beiden Frauen eine militärische Eskorte, um weiter fahren zu können. Andererseits verschafft Annes adlige Herkunft die nötigen Passagierscheine und Einladungen in die Paläste und Anwesen an den Orten, die sie passieren. Großzügig werden sie immer wieder von den jeweiligen Landesfürstinnen und -fürsten aufgenommen.

Annes Tagebuch wird diese Tour bis zum 11. August 1840 dokumentieren. Für sie ist die Reise eine Reise durch die Antike. Bei teilweise 40 Grad im Schatten erklettert sie antike Ruinen und achtet nicht auf die Gesundheitstipps vor Ort. Die beiden Frauen erregen immer wieder großes Aufsehen. Anne Lister in ihrem Tagebuch: "Die Leute kamen herein und musterten uns, als wären wir seltsame Tiere, wie sie sie noch nie zuvor gesehen hatten."

Neu-Kutaisi und Fluss Rioni
(1830) 

Nach dem letzten Tagebucheintrag lebt Anne Lister noch sechs Wochen ohne zu schreiben. In ihrer Todesanzeige ist als Todestag der 22. September 1840, Ort: Kutaisi, Grund: "heisses Fieber" vermerkt. Woran sie wirklich gestorben ist, kann niemand wissen. Wie sie nach Kutaissi in Georgien gekommen ist, auch nicht. Ann Walker läßt ihre Gefährtin in Moskau einbalsamieren und dann zurück nach Istanbul bringen, damit der Sarg mit ihr übers Mittelmeer bis nach England reisen kann. Dort wird sie am 29. April 1841 in Halifax  bestattet.

Ann Walker lebt noch zwei Jahre auf Shibden Hall, bis Anne Listers böse Verwandte es schaffen, sie in die Psychatrie einweisen zu lassen. Nachdem sie dort freikommt, bezieht sie ihr eigenes Landgut, Cliffe Hall, wo sie 1854 stirbt. Shibden Hall fällt wieder an die Familie Lister. 

Doch die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende:

Anne Lister ist eine obsessive Schreiberin gewesen, hat immer einen Bleistift zur Hand gehabt und sich Notizen gemacht. Sie wird letztendlich 26 Tagebücher hinterlassen, fette Kladden in feinstes Rindleder gebunden und über tausend Briefe. Sie schreibt alles, alles auf, nicht nur ihre sexuellen Erlebnisse, auch das Wetter, wissenschaftlich Interessantes, Grammatik anderer Sprachen, ihre geschäftlichen Interessen im landwirtschaftlichen Bereich und im Kohleabbau, nationale politische Ereignisse wie internationale - "Ihre Fußnagel-Pflege steht direkt neben der politischen Stellung Preußens in der Welt", enthüllt da z.B. Angela Steidele -  und das alles ist von daher, nicht nur wegen der Geheimschrift, schwer lesbar. Auch der Umfang ist unglaublich: Anne Lister hat in ihrem Leben vom Wortumfang her zwanzig Mal Leo Tolstois "Krieg und Frieden" verfasst!

Der Schlüsselsatz für den Code
Dieses Konvolut fällt an einen über zwei Ecken verwandten Erbneffen namens John Lister. Der blättert gern in den Tagebüchern seiner Erbtante und bittet einen Freund, den Antiquar Arthur Burrell, der mehr Erfahrung in Kryptologie hat, das Geschriebene zu entschlüsseln. Das gelingt, aber dieser Freund ist so erschüttert vom pikanten Inhalt der entschlüsselten Passagen, dass er dazu rät, die Bücher schleunigst zu verbrennen. John Lister befolgt diesen Rat nicht, sondern versteckt die Tagebücher in Shibden Hall hinter einer Wandvertäfelung. Sie werden erst in den 1980er Jahren gefunden, als nach seinem Tod das Landgut in den Besitz der Stadt Halifax übergegangen ist, und anschließend veröffentlicht. Zunächst werden sie - England ist nach wie vor sehr von puritanischen Vorstellungen geprägt - für einen Schwindel gehalten.

Erst die Frauen- und die Schwulen- und Lesbenbewegung hat es gebraucht, bis auch England und auch Halifax so weit gewesen ist, die bahnbrechenden Editionen möglich zu machen, die Helena Whitbread dann 1988 und 1991 in zwei Bänden mit Transkriptionen von Anne Listers Tagebüchern vorgelegen darf. Auf diese Weise erfährt die Welt erstmalig von Anne Lister als Lesbierin.

Die irisch-kanadische Autorin Emma Donoghue verfasst dann 1993 ein Theaterstück unter dem Titel "I Know My Own Heart", das auf den Tagebüchern basiert, die allerdings bis heute nicht vollkommen entschlüsselt sind. 1994 gibt es eine erste Fernsehproduktion bei BBC Two, die sich mit der Ehe zwischen Anne und Mariana Belcombe befasst, 2010 wird eine Produktion über das Leben von Anne Lister "The Secret Diaries of Miss Anne Lister“ sowie die Dokumentation "Revealing Anne Lister" ausgestrahlt.

Im Jahr 2011 werden die Tagebücher in das britische Register des Weltdokumentenerbes aufgenommen. In der Begründung heißt es, dass die Tagebücher zwar einen wertvollen Zeitbericht darstellten, es aber vor allem die "umfassende und schmerzlich ehrliche Schilderung des lesbischen Lebens und die Reflexionen über ihr Wesen" seien, die diese Tagebücher einzigartig machen würden.

Suranne Jones als Anne Lister, die Plakette & die Holy Trinity Church in York

Im Jahr 2018 wird in der Holy Trinity Church in York eine blaue Gedenktafel zu Ehren von  Anne Lister enthüllt. 

Ihre Geschichte dann 2019 noch einmal aufgegriffen in der BBC-Produktion "Gentleman Jack" mit Suranne Jones in der Hauptrolle und nach einem Drehbuch von Sally Wainwright verfilmt und im April  2022 in Großbritannien und den USA ausgestrahlt. Diese Serie macht das Leben der Anne Lister einem weltweiten Publikum zugänglich und trägt maßgeblich zu ihrem Kultstatus bei. Heute wird sie nämlich als Pionierin, Tagebuchautorin und Ikone der LGBTQ+-Geschichte gefeiert und als Symbol für lesbische Sichtbarkeit und Emanzipation gelesen.

                                                 

Biografien von Frauen in meinem Blog, die in diesen Tagen einen Gedenktag haben,
habe ich euch wieder hier aufgelistet:


Dienstag, 31. März 2026

Bücherlese März 2026

  "Ein gutes Buch wird gleich 
zusammen mit seinem Titel geboren."
Thomas Mann
 "Zwischen der Wirklichkeit und der Beschreibung 
gibt es immer eine Differenz, 
die man Erzählung nennt."
Alexander Kluge 
"Niemand kann wirklich alles erzählen."
Norbert Scheuer

Weil es auf dem Grabbeltisch des Buchhändlerfreundes der Tochter in München angeboten wurde und in der näheren Umgebung spielt, habe ich zu  Kerstin Holzers „Thomas Mann macht Ferien“ gegriffen und gleich, noch am letzten Februartag, auf dem sonnigen Balkon bei 19 Grad zu lesen begonnen. Kerstin Holzer ist bekannt für ihre Lebensgeschichten über Thomas Manns Töchter Monika und Elisabeth. In diesem Buch - als „literarisches Sachbuch“ gelabelt - beschreibt sie einen Familienurlaub der Familie Mann am Tegernsee im Jahr 1918.







Als 1914 der 1. Weltkrieg ausbrach, nahm sich der ausgemusterte Kriegsbefürworter vor, seinen Kriegsdienst literarisch zu bestreiten und verfasst die „Betrachtungen eines Unpolitischen”. Jetzt, als ein unrühmliches Kriegsende bevorsteht, liegt ihm die unmittelbare Veröffentlichung im Magen, denn seine reaktionären Betrachtungen zu germanischer Kultur versus moderner, demokratischer Zivilisation entspricht nicht mehr seinen aktuellen Erkenntnissen. Seine trotzige Haltung gegenüber Bruder Heinrich ( siehe auch dieser Post ), der auf der richtigen Seite steht, macht ihm zudem zu schaffen, ebenso wie ein abgebrochener Schneidezahn, der nur unzureichend behandelt werden kann. Freude hingegen macht ihm das „Kindchen“, seine erst jüngst geborene Tochter Elisabeth, sein Hund Bauschan, das Rudern auf dem Tegernsee, überhaupt seine Familie mit der loyalen Katja an seiner Seite. Er beginnt, das kleine Werk „Herr und Hundzu schreiben und erfährt an sich selbst, bei einer Bergbesteigung mit Katja, dass seine Sympathie mit dem Tod einer neuen Liebe zum Leben weicht und er beschließt, eine Verrücktheit zu begehen und den Zauberbergendlich zu Ende zu schreiben.

Ganz und gar neue Einsichten bietet das Buch mit seiner aus vielen Quellen gespeisten Erzählung nicht unbedingt, war aber für mich ein kleines Bonbon im Rahmen der Mann-Manie des letzten Jahres. Ich hab dann aus der Tochter- Bibliothek besagten „Herr und Hund“gefischt, erinnerte ich mich doch, dass diese in der Mittelstufe das Werk mit großem Unwillen lesen musste. Jetzt war ich neugierig und wollte mir selbst ein Bild machen. Eine interessante literarische Abweichung von dem, was mich sonst beschäftigt. Gefesselt hat mich die Sprache und vor allem die Beschreibung der Landschaft rund um die Isar in Bogenhausen, die ich mir bei einem nächsten Besuch mal anschauen will. Als Schullektüre für 14-, 15jährige finde ich die Erzählung einen absoluten Fehlgriff. Da braucht man sich über Desinteresse an der Literatur nicht zu wundern…

Von Annett Gröschner hatte ich noch „Walpurgistag“ auf dem E-Reader, das war praktisch für meine Reise per DB nach Hause. Der  Roman, der an einem einzigen Tag, dem 30. April 2002, in Berlin spielt, ist eine Art Berliner Version des Filmes "Short Cuts", ein "gewaltiges, leicht schmuddeliges Panorama einer Stadt, die nur in Imagefilmen wirklich sexy ist", wie ich bei einem Kritiker gelesen habe.

Ich fand die Idee, rund um die Uhr 24 Stunden lang die Erlebnisse diverser Personen zu schildern, die irgendwann im Laufe des Tages in den von Gentrifizierung und sozialem Abstieg gleichermaßen bedrohten Stadtteilen Wedding, Neukölln und Kreuzberg aufeinandertreffen werden, reizvoll. Die Autorin startet um 0 Uhr am Alexanderplatz, und die erste Figur, mit der der Leser bekannt wird, trägt denselben Namen wie der Ort, nämlich Alex, und ist ein Stadtstreicher mit etwas undurchsichtiger Vergangenheit. 



Es folgen 78 Episoden, deren Helden zumeist ärmere, benachteiligte Menschen sind - insgesamt 25 an der Zahl. Und die bewegt Gröschner durch die Stadt und stellt sie eher nicht in das übliche Sightseeing-Bühnenbild, sondern entwirft teilweise sehr groteske Situationen wie die einer Frau, die mit ihrem toten Vater in der Tiefkühltruhe umzieht. Oder eine andere, die im Rahmen eines Theaterprojekts als Dramaturgin bei wildfremden, merkwürdigen Menschen nächtigt. Auch die, als das sich selbst überlassene Kind einer ewig zugedröhnten Künstlerin das Geheimnis in der Tiefkühltruhe entdeckt und davonstürmt ( und schließlich aber seine Freundin einweiht ). Und dann gibt es unter dem Romanpersonal auch noch drei alte Damen, ehemals im pädagogischen Gewerbe tätig, jetzt abgeschoben ins Betreute Wohnen, die auch Lust auf die in Berlin zu diesem Zeitpunkt üblichen Chaostage & ein Feuer haben. Selbst ein orangefarbenes DDR- Produkt der längst pleite gegangene Kaffeemaschinenfabrik in Schöneweide, das wie ein Ost-West-Symbol durch den Roman wandert, um schließlich bei einer türkischen Familie im Wedding zu landen, spielt mit.

Das und noch viel mehr ist oft schräg und unterhaltsam, vielfach sehr menschelnd, aber auch schon mal bedrückend, weil jeder „wie ein Irrer rumtrampelt und nicht sieht, was [er] kaputt latscht“,so der Stadtstreicher Alex, der durch das ganze Geschehen, immer helfend eingreifend, wandelt und zuletzt so eine Art Puppenspieler zu sein scheint. Doch das war dann selbst mir etwas zu kraus.

Auch auf dem Reader war „Die Kunst der Bestimmung“ von Christine Wunnicke abgespeichert ( mein drittes Buch dieser Autorin ).Und wieder einmal gehört die Mathematik zum Romanbestand, wie auch in dem letzten Werk, das ich von ihr gelesen habe. Die hilft nämlich dem vom Glauben abgefallenen schwedischen Pastorensohn & nun naturwissenschaftlich geprägten Dr. Simon Chrysander seine Furcht vor dem so in ihm entstandenen Chaos zu beherrschen, bis „die ganze unruhige Welt in einer einzigen Formel erfasst und gebändigt wäre“. So bietet er die besten Vorraussetzungen - so die Mitglieder der Royal Society - , ihre krause naturkundliche Sammlung in London zu sortieren. 

Vor der Kulisse der englischen Hauptstadt zu Zeiten des Barock spielend, ist das dennoch kein üblicher historischer Roman; dafür bürgt die Autorin mit ihrer kunstvollen Sprache und ihrer Gewohnheit, die recherchierten Fakten der Fiktion unterzuordnen, indem sie immer wieder zu ganz anderen literarischen Gefilden als denen des stereotypen Genreromans aufbricht. Beim Lesen hatte ich unaufhörlich Bilder im Kopf, wie ausgeschnitten aus zeitgenössischen Kupferstichen, durch die sich wie in Theaterräumen entsprechende Figuren in Schwarz-Weiß bewegten, manchmal nur durch die Farbbeschreibungen der Autorin koloriert, manchmal so verzerrt wie in den Collagen des Max Ernst, der sich ja auch dieser Stiche bedient hat. Ein echtes Verwirrspiel wie der Text! Aber faszinierend.

Danke, liebe Sieglinde, für das hübsche Lesezeichen!
Je mehr es dem Protagonisten gelingt, eine Struktur er in das obskure Durcheinander der königlichen Sammlung zu bringen, desto mehr Chaos tritt in sein persönliches Dasein, ausgelöst durch den jungen, flamboyanten Lord Fearnall, der durch die Paläste und Lasterhöhlen Londons driftet: Chrysander, der knallharte Rationalist, begegnet ihm ganz am Anfang der Geschichte in einem Hurenhaus als "Lucy", die vor ihm in die Knie geht und ihn bittet, ihr Haar zu halten, "bis die Pumpe Wasser gibt". Chrysanders Pumpe will aber nicht so recht, weil irgendetwas an Lucy ihn besorgniserregend fasziniert. Anschließend muss er wahrhaben, dass er in einen schmerzhaften Hinterhalt geraten ist. Aber dann taucht diese irrlichternde Persönlichkeit auch noch an seinem Arbeitsplatz auf! Als Chrysander erkennt, dass Fearnalls Unberechenbarkeit seine Existenz gefährden könnte, ist es zu spät. Sie duellieren sich, Fearnell lässt sich in Chrysanders offene Klinge fallen, der pflegt den fast tödlich Verletzten hingebungsvoll, nicht ohne akribisch jeden medizinisch notwendigen Schritt festzuhalten. Das, was nachts passiert, entzieht sich seiner Beschreibungskunst allerdings.

Was für eine Liebesgeschichte! In der dann auch so ganz nebenbei von Queerness im Subtext erzählt und Beziehungskonventionen auf den Kopf gestellt werden.

In der zweiten Hälfte kommt der Roman etwas zur Ruhe: Lord Fearnell flieht mit Chrysanders Diener nach Skandinavien, Chrysander folgt mit Abstand. Die Landschaft in Richtung hoher Norden, wie gespachtelt in  Grisaille, gibt treffend den melancholischen Resonanzraum für das Gefühlschaos der Hauptpersonen ab, fern der flirrenden Londoner Atmosphäre. Man/frau als Leser*in muss schon Freude daran haben, dass Genregrenzen unbeachtet bleiben, historische Anspielungen, schrille Travestien, wissenschaftliche Begriffe & Betrachtungsweisen und vieles mehr durcheinander gehen. Für mich war diese wunderbar erzählte, opulente Geschichte in Dur & Moll genau das Richtige! Die Lust auf mehr Wunnicke ist nach wie vor da.

Traurig, aber wahr: mein letztes Buch von Norbert Scheuer! Damit hatte ich alles, was er je veröffentlicht hat, gelesen. "Flussabwärts" ist 2002 herausgekommen. Es steckt viel Unglück in der Geschichte, die er diesmal erzählt. Der Ich-Erzähler, Leo, ist etwa Mitte vierzig und fährt samstags gelegentlich mit dem Zug in seinen Heimatort -  Kall in der Eifel natürlich! - wo er aufgewachsen ist und wo seine Mutter in einem Altenheim lebt. Eine Reise in die Vergangenheit der 1960er Jahre also. 

Wer in der Provinz jener Tage aufgewachsen ist, der kennt die Atmosphäre. Vielleicht ist es das, was mich an Scheuers Büchern so fasziniert. Jeder kennt jeden, die Bräuche und Festivitäten, an denen jeder teilnimmt, enden vorhersehbar im Chaos handgreiflicher wie emotionaler Art. Die Arbeit ist hart, kräftezehrend, und wer mehr will, geht fort. Diese überschaubare Welt ist alles, nur nicht intakt. Die Protagonisten sind seelisch verletzt, einsam, verloren.
"Aber alle Wahrnehmungen, die beschrieben werden, sind natürlich von mir. Also ich kann keine Eindrücke erfinden, ich denke mir, das kann überhaupt kein Schriftsteller", äußert sich Scheuer mal in einem Interview.
Leos Geschichte beginnt mit der Gastwirtschaft seiner Eltern, die sie aufgeben müssen, da unrentabel. Die Mutter arbeitet nun in der Großküche und kellnert abends noch bei ihrem Nachfolger im Wirtshaus. Der Vater geht auf Montage, Leo verlässt die Schule, arbeitet im Zementwerk und fängt eine Liebschaft mit einer verheirateten Frau an, fühlt sich aber einer anderen, fast Gleichaltrigen verbunden, die immer wieder durch ein unstetes Leben schlittert und der ein tragisches Schicksal beschieden sein wird. 

Norbert Scheuer ist ein Erzähler, der eng bei seinen Figuren bleibt, der nicht psychologisiert oder allzu viel erklärt, geradezu barmherzig ist er mit ihnen. Sein Stil ist knapp, treffend und schmucklos, ohne Pathos, ohne Ironie. Und dennoch vermag er mich hineinzuziehen in diese Welt, auch aufgrund seiner eingeflochtenen Beschreibungen der Gegend, seiner Sicht über Rüben- und Maisfelder rundherum, Bahndamm, Böschung am Fluss, das große Möbelgeschäft und den Parkplatz vor dem Supermarkt. Immer sehr poetisch, immer an die Breiten erinnernd, in denen ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht habe. Scheuers Bücher verhelfen mir dazu, dass diese Stimmungen für mich nicht verloren gehen, auch die nicht, die tragische Vorkommnisse in der Dorfgemeinschaft hervorgerufen haben. Die Beklemmungen sind literarisch evoziert wie real erlebt.

Noch einen Effekt hatte diese, meine Lektüre: Ich konnte nachvollziehen, welch großartige Entwicklung als Schriftsteller Norbert Scheuer genommen hat, und warum ich ihn heutzutage für einen der Großen in der deutschen Literaturszene halte.


Dann war wieder die "ZEIT"- Liste dran und endlich Giuseppe Tomasi di Lampedusas "Der Leopard", dessen Verfilmung durch Visconti von 1963 einen unauslöschlichen Eindruck bei mir als Teenager hinterlassen hatte ( und auch heute in meinen Augen noch eine mustergültige Buchverfilmung ist. ) In der Bibliothek warteten mehrere Ausgaben, darunter auch eine auf Italienisch ( wohl Hinterlassenschaft der Tochter, die die Sprache studiert hat ). Ich wählte die Übersetzung von 2002 ( wahrscheinlich wegen des schönen filmstills auf dem Einband ), die, die unter dem Titel „Der Gattopardo“in den Buchhandel gebracht worden ist.

Über den Inhalt des Buches schreibe ich jetzt an dieser Stelle nichts, das kann man bei Wikipedia & Co nachlesen, sondern nur über mein Lesevergnügen, welches vor allem durch den eher ungewöhnlichen Stil ( eine so großartige, ordentliche Portion von Ironie & solch subtilen Humor hatte ich nicht erwartet ), die herrlichen, ungewöhnlichen Formulierungen und vor allem die vielen sinnlichen Tableaus an Eindrücken aus Landschaft, Interieurs, Tätigkeiten wie Menschen, farbenprächtig und oft delikat, befördert wurde.

"Als erster (und letzter) eines Geschlechts, das jahrhundertelang nicht imstande gewesen war, seine eigenen Ausgaben zusammenzurechnen und die Schulden davon abzuziehen, besaß er eine starke und tiefe Neigung zur Mathematik; er hatte sie auf die Astronomie angewandt, und das hatte ihm nicht nur genügend öffentliche Ehrungen, sondern auch große private Freuden eingebracht. Man könnte fast sagen, Stolz und mathematische Analyse hatten sich in ihm so eng verbunden, dass er sich der Illusion hingab, die Himmelskörper gehorchten seinen Berechnungen..." 

Eine solche Aussage lässt doch eine durchaus selbst kritische Sichtweise auf die eigene Person & ihre Lebensart durch Don Fabrizio, Fürst von Salina, Hauptperson des Romans und inspiriert von Lampedusas eigenem Urgroßvater, vermuten, der fürstlich lebt, wie er immer gelebt hat und doch mit feinen Sensoren aufnimmt, das etwas ganz anders wird. Das gibt dem in Italien so lieb gewordenen Zitat aus dem Buch - "Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi"*- diese nostalgische Melancholie, die mir so menschlich, überlegt und lebenserfahren vorkommt. Dieser Glaubenssatz des Konservatismus ist allerdings mit Vorsicht zu genießen, wenn man die Entwicklung für alle Menschen im Roman verfolgt. Ein ganzer Lebensstil, der den aristokratischen Protagonisten so, so selbstverständlich erschienen ist, verschwindet allmählich, und am Ende muss man das Ende von allem wahrhaben. Vergänglichkeit ist ein ewiges Thema in der Kunst. Und Tomasi di Lampedusa ist mit diesem Roman das besonders schön geglückt.


Das Buch hat mich auch genötigt, mich intensiver mit der Geschichte des Landes im 19. Jahrhundert zu beschäftigen, mit dem Risorgimento, jener am klassischen Liberalismus orientierten Epoche & Zeit des Umbruchs, in der die italienische Nationalstaatsgründung eingeleitet und vollendet wurde. Diese Lektüre war also in vielerlei Hinsicht ein Gewinn für mich und nie langweilig.


Und weil Ostern nahte, kam schließlich "Hase und Ich" von Chloe Dalton, eine Empfehlung der Zitronenfalterin im März letzten Jahres auf den Nachttisch. Seit nunmehr 65 Jahren lebe ich in der Großstadt, der Natur also reichlich entfremdet. Die Begegnungen mit Feldhasen in meiner Kindheit sind allerdings immer noch recht plastisch in meinem Kopf abgespeichert und eine Liebeserklärung an diese wunderbaren Tiere gebe ich auch gerne ab.  Neugierig war ich auch darauf, wie aus Tierbeobachtung Selbstbeobachtung wird. 


Vorneweg: Für eine gelungene Darstellung der Veränderung im Leben einer umtriebigen Beraterin und Analystin für den britischen Außen- und Sicherheitspolitikbereich, wie es Chloe Dalton beruflich ist, fehlte mir allerdings eine etwas ausgiebigere Beschreibung des "Vorher", um die Wandlungen in ihrer Lebenseinstellung greifbarer ( für mich zumindest ) zu machen. 


Ansonsten ist es eine klug beobachtete, behutsam erzählte Annäherung zweier sehr unterschiedlicher Lebewesen, ohne in Kitsch zu verfallen oder zu verklären. Das ist schon mal ein Pluspunkt gewesen. Bei Helen Macdonald, der Meisterin des britischen Nature Writing, ist mir eine solche Darstellung allerdings schneller unter die Haut gegangen. Die ist aber auch eine professionelle Schreiberin und weiß um dramaturgische Kniffe. Die kamen dann erst im zweiten Teil des Buches zum Tragen, als Dalton die Geburt & das Aufwachsen der Hasenkinder beschreibt. Den habe ich an einem Abend vor lauter Spannung ganz gelesen. Der Lektüre ist es letztendlich gelungen, mich meditativ einzulassen auf Selbstgenügsamkeit und Unaufgeregtheit, aber auch auf die - eigentlich hinlänglich bekannte -Tatsache des übergroßen Missverhältnisses zwischen Menschen & Natur durch unsere Ausbeutung derselben. Gefallen haben mir übrigens auch die zarten Zeichnungen im Buch.

 

Dann was ganz anderes: Katharina Hagena hatte ich durch die Lektüre von „Flusslinien“ ( siehe dieser Post ) schätzen gelernt und auf der Suche nach anderen ihrer Werke bin ich auf „Herzkraft. Ein Buch über das Singen“ gestoßen. Obwohl meine persönliche Stimme quasi eingegangen ist durch Alter & mangelnde Pflege, ist das Singen immer noch so etwas wie eine Labsal, denn - das legt ja der Buchtitel nahe - es stärkt das Herz, die Widerstandskräfte, den persönlichen Mut und sorgt immer wieder für Glücksmomente. Katharina Hagena hat die mir auch zusätzlich verschafft, indem sie jedem Kapitel ein Gedicht voranstellt und mich mit den ersten zweien ( von der Günderode und Rose Ausländer ) gleich mitten ins Herz getroffen hat.

Ansonsten geht es quer durch die Kulturgeschichte: Hagena verlässt immer wieder die gewohnte, liebgewordene, aber auch beschränkte Perspektive auf bekannte Motive in klassischen Sagen oder Märchen. Das ist anregend & inspirierend. Sie erzählt persönlich erfahrene Strategien der Lebensbewältigung ( Singen gegen Übelkeit beim Fahren im Auto! ), vermeidet aber auch nicht nützliche Sachinformationen ( weißt du, was SATP ist?  Und kennst du die Atem-Körper-Therapie Terlusollogie? Auch da gibt es familiäre Bezüge der Autorin ). Überhaupt erfährt man viel über ihre Ursprungsfamilien und deren Hintergrund, was mich zusammen mit der ausgewählten Lyrik am meisten angesprochen hat


Das neueste Buch von Takis Würger "Für Polina" ist ein Geburtstagsgeschenk der Schwägerin gewesen. In der "Süddeutschen" hatte ich in einer Rezension gelesen, es sei eine "'kleine Flucht' in der Flut negativer Nachrichten". Da mache ich erst mal gerne mit. 


In diesem Artikel bin ich auch darüber aufgeklärt worden, was ein "Manic Pixie Dream Girl" (MPDG) ist, nämlich das Fantasiebild einer Frau, die als Projektionsfläche für den männlichen Protagonisten herhalten muss, um ihm zu helfen, das Leben zu leben. Das fand ich bei meiner Lektüre doch etwas weit hergeholt, um die Titelfigur zu charakterisieren. Ich fand Polina durchaus menschlich real und keine, die den hochmusikalischen Hannes Prager nur spiegelt. Sie ist halt nicht die Hauptfigur.


Ich habe den ersten Teil des Romans an einem Abend gelesen und besonders Spaß gehabt an der "Entstehungsgeschichte" des Helden sowie den anderen "Typen", denen er & seine Mutter in den nächsten Lebensjahren begegnen, an der kuriosen Szenerie ( abgeranztes hochherrschaftliches Haus im Moor ). Das ist alles nicht neu erfunden und originell, auch sprachlich nicht, hatte für mich streckenweise märchenhafte Züge, war auch mal verschroben und/oder überzeichnet, und öfter fast satirisch-parodistisch, vor allem, wenn es um das Hamburger Bürgertum und seine Klaviere ging. Die Passagen, die sich um dieses Instrument drehen, fand ich sogar informativ. Klar ist der Autor auf der Höhe der Zeit und flicht entsprechende Zeichen wiederholt ein ( "Molecule 01", dieses Parfümphänomen von vor zwanzig Jahren ), was mich nicht gestört hat. Hannes Prager als verlorene Seele und die paar menschenfreundlich gesinnten Figuren im Buch-Ensemble konnten mich interessieren, so dass ich es am zweiten Abend bis um zwei Uhr zu Ende gelesen habe. So schlecht wie die Literaturkritiker unisono fand ich es dann nicht. 


Auch das nächste Buch war ein Geburtstagsgeschenk, diesmal von der Nachbarin gegenüber: Judith Schalanskys "Verzeichnis einiger Verluste". Das war dann mal ein ganz anderes Kaliber als das von Takis Würger, schon einmal sprachlich: Schalansky pflegt einen eher altmodischen Erzählton - Thomas Mann ist nicht weit -, wechselt gerne den Stil, der melancholisch, deskriptiv bis wissenschaftlich sein kann und schafft damit gleichsam Wunderkammern des Verlustes. Indem sie ein kleines Fitzelchen einer Sache, eines Lebewesens aufnimmt, erfindet sie diese "Dinge" quasi neu, die in Spuren noch in Archiven, in Fantasien oder Erzählungen oder in Konstruktionen da sind, und macht eine große Geschichte daraus, manchmal eher wissenschaftlich anmutend, manchmal poetisch, gerne ganz frei darüber improvisierend. In einem Interview von 2018 erklärt sie ihre Motivation einmal so:"Mich hat interessiert, was von den verschwundenen Dingen übrig bleibt, welche Geschichten sich über sie erzählen lassen."  Und an anderer Stelle: "Wir wissen immer erst, was uns die Dinge wirklich bedeuten, wenn sie weg sind. Das Paradies kommt nicht erst nach dem Tod." Sie schreibe auch lieber ein Buch "über Esel als über Pferde, Kröten statt Frösche", denn ihr Herz schlägt "für die Zukurzgekommenen."

Da muss frau sich beim Lesen erst einmal einlassen und sich von der Sprache hineinziehen und dann treiben lassen. Das mäandert dann ganz schön aufgrund von Assoziationen & Fantasien, lexikalischem & literarischem Wissen. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Spaziergang im Wallis, beschrieben im 3. Kapitel, zu dem eigentlich Otto von Guerickes Einhorn den Impuls gegeben hat, und der unternommen wird, weil menschlicher Kontakt gebraucht wird. Zuletzt landet man nach vielen Schlenkern überraschenderweise wieder im Chalet. Die literarische Technik des Bewusstseinstromes kommt im 5. Kapitel zum Tragen - Ausgangspunkt der verschollene erste Film von Friedrich Wilhelm Murnau "Der Knabe in Blau" - als Greta Garbo einen ihrer ausufernden Spaziergänge durch New York unternimmt und Gedanken und Empfindungen ungeordnet fließen lässt. Vor allem die dabei immer zur Sprache kommende Sache mit dem Badeanzug hat mich sogar nach dem Modell googeln lassen. Als Naturbeschreibung fand ich das 9. Kapitel gut, in dem die Autorin dem Fluss Ryck, Teil des Greifswalder Hafens, ihrer Heimatstadt nachgespürt hat.


Gegen Judith Schalansky ist Christine Wunnicke, was die Sprache anbelangt, ein Waisenkind. Ich war jedenfalls nach dem Lesen eines Abschnittes öfter schon mal schachmatt. Und manche Episoden sind mir trotz wunderschöner, antiquierter Formulierungen auch zugegebenermaßen mal uninteressant gewesen.

Zur "Buchhandlung der Exilanten": hier ist mein Post über Sylvia Beach zu finden

Ich mag japanische Autor*innen, ich mag Buchinhalte rund um die Mathematik bzw. Mathematiker. Da konnte ich Yoko Ogawa mit ihrem "Geheimnis der Eulerschen Formel" nicht ignorieren. Dieser Roman fand in Japan mehr als zwei Millionen Leser und wurde mit Preisen überhäuft.

Wer wie ich mit einem Mathematiker & Physiker verheiratet gewesen ist, der sich so begeistern konnte für sein Wissensgebiet wie der Professor des Buches, entdeckt viele Parallelen und musste oft schmunzeln, z.B. über solche Aussagen wie: Wichtiger als die Lösung ist die Schönheit des Beweises. Ach, Herr K., ich hör dir trapsen! 

Die Ich-Erzählerin des Buches, gänzlich ohne Namen, hingegen ist angestellt bei einer Agentur, die sie als Haushälterin bei Bedarf einsetzt. Und so ist sie irgendwann im Haushalt des Professors gelandet, bei dem es keine ihrer neun Kolleginnen zuvor ausgehalten haben. Der haust, verlottert & mehr gealtert als an tatsächlichen Jahren zählend in einem mindestens so verlotterten primitiven Pavillon im hinteren Teil des Gartens am Haus seiner Schwägerin. Durch einen gräßlichen Unfall hat er das Kurzzeitgedächtnis eingebüßt und kann nichts über 80 Minuten hinaus behalten. Unzählige Notizzettel haften an seinem Anzug, mit deren Hilfe er sich etwas merken will. Nur auf dem Gebiet der Mathematik bewegt er sich beeindruckend souverän.

Nur so viel: Die Haushälterin, eine alleinerziehende Mutter eines zehnjährigen Jungen, bringt eine Unvoreingenommenheit und Wärme mit, die der Professor nicht mehr kannte. Und damit zeigt sich nicht nur die Schönheit der Ordnung der Zahlen, sondern auch die Schönheit des intuitiven zwischenmenschlichen Umgangs. Auf diese Weise treffen drei Menschen, die scheinbar nicht zusammenpassen, aufeinander und finden im jeweils anderen etwas, das ihnen selbst fehlt. Die Autorin schreibt das so ansprechend & verständlich, und - so der "Spiegel" - "... so liebevoll, dass Primzahlen so schön erscheinen, wie ein Sonnentag im Park."

Auf elf Bücher habe ich es in diesem Monat gebracht, eins mehr als im kurzen Vormonat, aber weniger als im Wintermonat Januar. Ich bin's zufrieden, denn neben der Lektüre rein aus Lust & Laune habe ich auch in diesem Monat aus Recherchegründen gelesen für meine "Great-Women"-Posts, auch wieder auf Englisch, was mir weniger Vergnügen bereitet. Besonders gefallen hat mir da dann Sarah Kirschs "Kuckuckslichtnelken". Demnächst dann dazu mehr...


                                                                                    
"Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann muss sich alles ändern."