Donnerstag, 9. Juli 2026

Great Women #462: Marie Bracquemond

Das Damen-Quartett unter den französischen Künstlern des Impressionismus ist hier in meinem Blog mit Berthe Morisot, Eva Gonzalès und Mary Cassatt noch nicht komplett. Das möchte ich heute endlich nachholen und euch die vierte im Bunde- Marie Bracquemond - präsentieren. 


"Ich sehne mich nach der Freiheit, 
alleine ausgehen zu können, 
dass ich kommen und gehen kann, 
wann und wohin ich will."

Marie Bracquemond erblickt das Licht der Welt sozusagen am Ende der Welt, nämlich im bretonischen Nordfinistère, im kleinen Ort Argenton-en-Landunvez, am 1. Dezember 1840 und wird auf den Namen Marie Anne Caroline Quivoron getauft. Ihre Mutter ist Aline Hyacinthe Marie Pasquiou, 1819 geboren, aus einer durchaus wohlhabenden Familie stammend, ihr Vater Théodore Quivoron, geboren 1810. Miteinander verheiratet sind diese seit dem Frühjahr 1838. Marie hat einen älteren Bruder namens Ernest Théodore, geboren 1839. Der Vater, ein Kapitän, kommt nur wenige Monate nach Maries Geburt auf einer Reise nach den Marquesas-Inseln zu Tode, und seine Witwe geht 1843 eine Heirat bzw. eine Lebensgemeinschaft mit einem Émile Langlois in ihrer Heimatstadt Lannion an der bretonischen Côtes-d’Armor ein, mit dem sie zunächst in Le Havre & Paris lebt.

Maries Lebensgeschichte lässt sich aufgrund fehlender Quellen und Archive allerdings nur schwer rekonstruieren. Lediglich ein Manuskript, 1925 von ihrem Sohn Pierre verfasst, gibt ein paar dürre Daten her, um ihre Jugend und prägenden Jahre nachzuzeichnen. Diese lassen den Schluss zu, dass Maries Mutter mit ihrem neuen Mann alsbald ein ziemliches Vagabundenleben führt und die Verhältnisse weit entfernt sind von den gepflegt bürgerlichen der drei anderen impressionistischen Malschwestern. 

Nächstes Ziel der Familie ist das Jura, die Gebirgsregion im Osten Frankreichs. Darauf verlagert sich der Lebensmittelpunkt nach jenseits der Grenze in die Schweiz, von wo sie aber wieder nach Frankreich zurückkehren und sich zunächst im Limousin und dann in Corrèze in der Auvergne niederlassen und in der alten Abtei Bonneaigue leben. Dort wird 1849 Maries Schwester Louise geboren, die den Nachnamen von Maries Vater trägt statt den ihres  leiblichen Vaters Langlois. Wie Marie später ihrem Sohn erzählen wird, ist dies die glücklichste Zeit ihrer Kindheit gewesen, leben sie doch in einer Umgebung mit geheimnisvollen Wäldern, reißenden Bächen und alten Klostergemäuern. Marie erlebt das als eine wahrhaft magische Zeit. 

Schließlich zieht die Familie wieder nach Norden und wohnt in Paris. Marie hat dort wohl so gravierende gesundheitliche Probleme, dass ein Arzt rät, der verschmutzten Stadtluft zu entfliehen. Und so lassen sie sich 1854 in Étampes, einer kleinen Stadt südwestlich der Hauptstadt in der Île-de-France nieder. Dort bekommt sie Unterricht bei einem gewissen Monsieur Auguste Vassort, einem alten Maler, der Gemälde restauriert und junge Mädchen in der Zeichenkunst unterrichtet. Er lässt sie Kopien von Reliefs und Gipsabgüssen anfertigen, die er in seinem Atelier hat, aber auch von Gemälden in seiner Sammlung. Im Sommer nimmt er seine Schülerinnen nach draußen, um im Freien zu aquarellieren. 

Dann greift das Schicksal in Maries Zukunft in Gestalt der Schwägerin ihres Hausarztes, eines Dr. Hache, die mit dem neoklassizistischen Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres verheiratet ist und  ein Treffen zwischen Marie und dem berühmten & geschätzten Künstler jener Zeit arrangiert. Ingres vermittelt Marie wiederum die Zusammenarbeit mit zweien seiner Schüler, Hippolyte Flandrin und Émile Signol, von denen das Mädchen viel lernt. Der Kritiker Philippe Burty bezeichnet Marie als "eine der intelligentesten Schülerinnen in Ingres’ Atelier". 

Marie macht also rasch Fortschritte und kann alsbald ein Familienporträt, auf dem ihre Mutter, ihre Schwester und ihr alter Lehrer zu sehen sind, für den Salon von 1859 einreichen. Das Werk wird tatsächlich angenommen. Im Katalog wird sie als "Pasquioux, Miss Antonine-Marie", allerdings geboren in Albi (Tarn), aufgeführt, aber auch als "Schülerin der Herren Vassort und Ingres" sowie unter der Adresse "72 rue Saint-Jacques, Étampes", was den Schluss zulässt, dass es sich tatsächlich um Marie Quivoron handelt. 

Obwohl sie Ingres für seine Hilfe dankbar ist, missfällt ihr die von ihm geäußerte Geringschätzung gegenüber Künstlerinnen, besonders von Rosa Bonheur ( siehe dieser Post ). In einem Brief schreibt sie: 

"Porträt Aline Pasquiou-Quivoron"
(1860)
"Die Strenge von Monsieur Ingres hat mich erschreckt. Ich sage Ihnen das, weil er den Mut und die Ausdauer einer Frau auf dem Gebiet der Malerei bezweifelte. Er wollte ihr Grenzen setzen. Er wollte ihr nur die Malerei von Blumen, Früchten, Stillleben, Porträts und Genreszenen zuweisen."

Für Marie ist das unangebracht & inakzeptabel und so wendet sie sich von dem sechzig Jahre älteren Meister ab: 

"Ich bin fest entschlossen, alle Hindernisse zu überwinden. Ich möchte malen, nicht irgendwelche Blumen, sondern jene Gefühle ausdrücken, die die Kunst in mir weckt… All das wird nicht in einem Jahr geschehen, aber ich möchte auf keinen Fall zu Monsieur Ingres zurückkehren."

Ihr künstlerisches Talent muss sich wohl unterdessen schon herumgesprochen haben, bald erhält Marie Aufträge, darunter einen vom Hof der Kaiserin Eugénie, der Gemahlin Napoleons III., die eine Darstellung von Cervantes im Gefängnis in Auftrag gibt. 1863 darf sie eine Kopie des Halbfigurenporträts der Kaiserin des "FürstenmalersFranz Xaver Winterhalter anfertigen, für die sie 600 Francs erhält. Das Gemälde soll die Unterpräfektur Vitry-le-François zieren. 1866 bekommt sie einen identischen Auftrag inklusive Bezahlung, allerdings für die Unterpräfektur Morlaix bestimmt, und 1868 wird sie beauftragt, eine Kopie von Winterhalters Ganzkörperporträt der Kaiserin anzufertigen, wofür sie den doppelten Preis als Bezahlung erhält.  

In den Katalogen des Pariser Salons taucht Marie wiederum als Antonine-Marie Pasquioux 1864 mit zwei Gemälden auf, im Jahr darauf ebenfalls. Ab 1866 bis 1868 stellt sie dann im Salon unter dem Namen Pasquiou-Quivoron aus, darunter einem  "Porträt von M***" (1866), "Die Qualen des Tantalus" (1867) und "Cervantes im Gefängnis, wie er seinen Don Quijote ersinnt" (1868, Abbildung links). 

Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten kaiserlichen Auftrags wird Marie vom Generaldirektor der französischen Museen, Graf de Nieuwerkerke, angesprochen, um im Louvre Kopien der berühmtesten Gemälde der Sammlung anzufertigen. Ihre Karriere beginnt sie also als akademische Malerin mit einem ausgefeilten, realistischen Stil. Ihre Arbeit als Kopistin sowie als Zeichenlehrerin sichert ihr den Lebensunterhalt für sich, ihre Mutter und ihre Halbschwester.

"Selbstporträt"
(1870)
Im Jahr 1867, während Marie im Louvre ein Gemälde von Rembrandt kopiert, entdeckt sie dort der sieben Jahre ältere Kupferstecher und Radierer Félix Bracquemond und verliebt sich in die dunkelhaarige Schönheit. Braquemond bittet seinen Freund Eugène Montrosier, den Kunstkritiker, einander vorzustellen. Es folgen zwei Jahre der Werbung, in denen Bracquemond Marie all seinen Künstlerfreunden vorstellt, darunter Jean-François Millet, Camille Corot, Auguste Rodin und Henri Fantin-Latour, sowie Kunstkritikern und Schriftstellern wie Gustave Geffroy, der ein lebenslanger Freund & Bewunderer werden wird. Durch diese Kontakte kommt Marie zu weiteren Aufträgen. 

Trotz der Bedenken ihrer Mutter in Bezug auf Maries Wahl eines Ehekandidaten, heiratet sie ihn im August 1869 und zieht gemeinsam mit ihm in die Rue de l'Université in Paris. Marie ist sich wohl des sehr abweisenden, barschen Auftretens ihres Mannes und seines großen Selbstbewusstseins bewusst, glaubt aber vermutlich, dass sich all das mit der Hochzeit ändern würde. Am 22. Juni 1870 bringt Marie ihr einziges Kind, den Sohn Pierre zur Welt, im Vorfeld der militärischen Auseinandersetzung zwischen Frankreich und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens. Die führt in Paris zur medizinischen Unterversorgung  sowie einem Mangel an Lebensmitteln, was auch der Dreißigjährigen gesundheitlich zusetzt. 1871 werden sowohl Maries Mutter wie ihr Bruder Ernest sterben.

Pierre Braquemond 1878, mit seiner Tante Louise 1886, und 1887


Trotz seiner kompromisslosen, überkritischen Art lernt Marie viel von ihrem Mann und stellt 1874 und 1875 wieder Werke im Salon aus. Es sind vorwiegend Porträts und historische Genrebilder von mittelalterlicher Inspiration, die an Ingres’ Werke aus der Troubadour-Periode erinnern.

Gemeinsam arbeitet das Ehepaar zunächst ab 1871 als künstlerische Leitung für die "Manufacture de Sèvres", dann ab 1872 für Haviland & Co., ein Hersteller von Limoges-Porzellan in Auteuil, wo Félix Braquemond ab 1878 künstlerischer Leiter wird. 

Haviland China war eine Fabrik, die vom amerikanischen Unternehmer David Haviland in Limoges, Frankreich, gegründet und später von seinen Söhnen Charles und Théodore unterstützt wurde. Die Fabrik produzierte feinstes Porzellangeschirr. 1872 eröffnete Davids Sohn Charles das Auteuil-Studio in Paris, das viele der großen Künstler jener Zeit anzog, darunter Manet, Monet und die Brüder Damousse, die Havilands florale Designs maßgeblich beeinflussten.

Der Erfolgin der Fayence-Produktion von Haviland in den 1870er Jahren ist allerdings maßgeblich Marie Braquemond zu verdanken. Besonders hervorzuheben ist ihr Werk "Les Muses des Arts", dieses monumentale Keramikfliesenbild für den Stand der Manufaktur auf der Weltausstellung 1878, das heute verschollen ist. Die Vorstudie für den Entwurf wird auf der Impressionisten-Ausstellung von 1879 gezeigt, und zu ihren größten Bewunderern gehört der Künstlerkollege Edgar Degas.

Aquarellzeichnung für "Les Muses des Arts"
Anstelle der üblichen neun Musen sind sieben dargestellt, darunter die Musen der Malerei, Architektur und Bildhauerei, die die Allegorien der freien Künste in der Komposition ersetzen. 

"Fleurs et Rubans" - Serie (1879), Barbotine-Vase aus französischer Keramik (1880), Blumenteller

Félix und Marie Braquemond fertigen auch die Entwürfe für das Service "Fleurs et Rubans" der Manufaktur. Marie komponiert zwölf Motive für Teller, die Pariser Szenen mit großer dekorativer Fantasie darstellen. Auch undatierte Teller mit Blumenmotiven gehen auf sie zurück.

In einem Artikel der Zeitschrift "Women in the Fine Arts" wird die Autorin Clara Erskine Clement 1904  über Marie Bracquemonds erstaunliches Talent auf diesem Gebiet schreiben:

"Madame Bracquemond beherrschte die Fayencefarben so meisterhaft, dass sie eine Klarheit und Farbtiefe erzielte, die anderen Künstlern nicht gelang. Der Fortschritt der Haviland-Fayence in den 70er Jahren war maßgeblich Madame Bracquemond zu verdanken, deren Stücke aufgrund ihres großen Erfolgs fast immer schon vor dem Brennen im Atelier verkauft wurden."

Felix Braquemond "La Terrasse de la Villa Brancas"
( vorne rechts Marie, hinten links Louise; 1878 )
1874 ist die Familie Bracquemond nach Sèvres in die Villa Brancas übergesiedelt, nachdem sie seit 1871 an anderer Stelle im Ort gewohnt haben. Die Villa bietet eigentlich alle Möglichkeiten,  Künstlerkollegen zu empfangen wie die Impressionisten Edgar Degas - der Marie wiederum mit mit Pierre-Auguste Renoir und Claude Monet bekannt macht, deren Gemälde sie bewundert -, Edouard Manet, Alfred Sisley und Paul Gauguin, der Marie 1886 eines seiner Gemälde widmet. Dennoch wird Marie zunehmend das Gefühl nicht los, dass ihr Mann sie der Pariser Szene durch diesen Wohnort entzieht. Sie verfügt dort auch über kein eigenes Atelier und kann in dem ihres Mannes dem Wunsch nach mehr Licht & Farbe in ihren Arbeiten nicht so nachkommen, wie sie möchte.

Denn schon ab 1880 wendet sie sich von der traditionellen, akademischen Malerei ab und hin zum Impressionismus. Sie verwendet eine lebendige Farbpalette, dynamische Pinselstriche und malte  en plein air. Auf Einladung von Edgar Degas nimmt sie an den drei großen Impressionisten-Ausstellungen von 1879, 1880 und 1886 teil. 

"La dame en blanc", Studie dafür, "Interieur eines Salons"
(ca. 1880 bzw. 1890)


Da ihr ein nur begrenzter Zugang zu Modellen in der Kleinstadt zur Verfügung steht, nutzt die Künstlerin die Gelegenheit, ihre Schwester, die bei ihnen lebt, in ihrem Garten in Sèvres als Modell einzusetzen, um Lichteffekte zu studieren, wie beispielsweise  bei "La Dame en blanc". Maries bis dato eher kleine, zurückhaltende Werke weichen größeren Gemälden mit intensiverer Farbgebung. Neben Edgar Degas und Paul Gauguin werden jetzt auch Claude Monet und Auguste Renoir ihre Mentoren. 

Die Familie
(Louise, Félix, Marie & Pierre; 1886)
Es ist vor allem Gauguin, den Marie zeitweilig bei sich aufgenommen hat, als er wirtschaftlich ruiniert da steht. Der rät ihr, ihre bis dahin eher noch zurückhaltende impressionistische Farbpalette deutlich leuchtender zu gestalten, und zeigt ihr, wie sie ihre Leinwand vorbereiten muss, um die  angestrebten intensiven Farbtöne zu erzielen.

In ihren Gemälden "ist das Licht logisch zerlegt, die Farbe leidenschaftlich und harmonisch gesteigert. Ihre Formen waren weniger skizzenhaft und spontan; sie bewahrten bis zu einem gewissen Grad ihre neoklassizistische Ausbildung sowie die für den akademischen Stil typischen, ausgearbeiteten Oberflächen." Marie  bereitet ihre impressionistischen Gemälde also nach wie vor gewissenhaft nach traditionellen Gepflogenheiten durch Skizzen und Zeichnungen vor.

Das alles ist weiterer Sprengstoff für ihre eheliche Beziehung, da Maries Mann vor allem die Schwarz-Weiß-Druckgrafik dem von seiner Frau geschätzten Medium der Ölmalerei vorzieht. Seine entsprechenden Ansichten hat er 1885 in der Publikation "Du dessin et de la couleur" auch öffentlich verbreitet. Da ist er also wieder, der alte Streit der Kunsttheorie, ob Zeichnung/Linie oder Farbe das wichtigste Element der Malerei sei und durchzieht in diesem Fall sogar den persönlichsten Bereich. Allerdings schafft Marie auch weiterhin meisterliche Radierungen, von denen sie neun 1890 auf der zweiten Ausstellung der Gesellschaft der Maler-Radierer in der Galerie Durand-Reul zeigen kann

Richtig begeistert ist sie aber von der Kunst und Popularität der Impressionisten, was der Ehemann eben nicht mit ihr teilen mag. Er missgönnt ihr auch ihren eigenen Erfolg und die enge Verbindung zu diesen Kreisen und die Anerkennung, die sie dort erfährt. Maries Sohn Pierre, der seine Mutter liebt, ihr größter Bewunderer ist und immer auf ihrer Seite stehen wird, beschreibt später den Groll seines Vaters gegen seine Frau, da sie über eine Anmut und Zartheit verfügt, die er selbst nicht erreicht. Laut Pierre ist er eifersüchtig und zeigt ihre Werke nur selten Künstlern und Freunden, die sie besuchen kommen. 

"Drei Damen mit Regenschirmen (Drei Grazien)" und zwei der vielen Vorstudien dazu
( wahrscheinlich 1880)

Die einst enge künstlerische Beziehung zwischen Marie und Félix, in der beide konstruktive Kritik an den Werken ihrer Partner geübt haben, ist nun für immer vorbei. Pierre beschreibt seinen Vater als arrogant, herrschsüchtig, aufbrausend und eigensinnig. Laut Gustave Geffroy, der Journalist & Kunstkritiker, Freund des Paares, der jeden Sonntag zum déjeuner bei den Bracquemonds ist, duldet das tyrannische Wesen des Félix Bracquemond keinerlei ästhetische Differenzen. Mutmaßlich hat sich Marie als junge Frau noch seiner autoritären Disziplin unterworfen, die ihr der damals schon berühmtere Kupferstecher auferlegt hat. Nun will sie, inzwischen in der Lebensmitte, ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen. Monets Bilder lösen beispielsweise in ihr Empfindungen aus, die sie glücklich machen. So jedenfalls äußert sie sich.

"Auf der Terrasse von Sèvres (Villa Brancas)" sowie Studie dazu
(1880-87)

Die immer angespanntere Atmosphäre in ihrer Ehe stellt die Malerin geradezu beklemmend in diesem Werk dar:

"On vient d'allumer la lampe/ Unter der Lampe"
(1887)
Der große Tellerstapel lässt eigentlich vermuten, dass viele Gäste erwartet werden. Doch nur das Ehepaar sitzt am Tisch, was darauf hinweist, dass die Künstlerin sich immer mehr in sich zurückzieht. Der Ehemann scheint sie regelrecht zu belauern, während sie etwas verloren ins Nichts schaut. Nach Kommunikation sieht die Szenerie nicht aus. Zu dieser Zeit hat der ständige Streit mit ihrem Mann Marie zur Introversion getrieben: Sie verlässt tatsächlich kaum noch das Haus und besucht keine Ausstellungen mehr. Ihre Schwester Louise formuliert ihre Missbilligung gegenüber ihrem Schwager, weil sie ihn als herrisch und unhöflich im Umgang mit ihrer Schwester findet.

1890 unterzieht sich die knapp Fünfzigjährige einer Kur in Divonne-les-Bains im französischen Jura, nicht weit von Genf entfernt. Dort entstehen noch etliche meisterliche Landschafts-Aquarelle:



Die ständigen Reibereien zwischen ihr und Félix Bracquemond fordern schließlich ihren Tribut. Marie kann die Haltung ihres Mannes gegenüber ihrer Malerei nicht mehr länger ertragen und gibt, bis auf wenige Ausnahmen, ihre Kunst auf. Eines ihrer letzten Werke ist das Gemälde „Der Sohn und die Schwester der Künstlerin im Garten von Sèvres" ( siehe weiter oben ), das sie  noch 1890 vollendet. 

"Selbstporträt in spanischer Tracht"
(1880-86)

Der spätere Nachruf im Pariser "Figaro" bezieht "die freiwillige Zurückgezogenheit, in die sich dieses Talent zurückzog“, noch sehr beschönigend auf ihre "übermäßige Bescheidenheit". 

Im Vorwort zur posthumen Ausstellung in der Galerie Bernheim 1919 beschreibt Gustave Geffroy, der dem Paar  ja sehr nahe gestanden hat, sowohl Marie Bracquemonds angeschlagene Gesundheit als auch das äußerst schwierige Temperament ihres Mannes. 

Der Kolumnist von "La Renaissance de l'Art Français et des industries de Luxe" meint: "Ihr Leben ließe sich in einem Kapitel mit dem Titel 'Die Nachteile, die Frau eines großen Künstlers zu sein' zusammenfassen", während der Kolumnist von "La Presse" von einer "aufgeopferten Frau [...] an der Seite des autoritären und herrschsüchtigen Meisters" schreibt. Das Problem scheint also öffentlich bekannt zu sein...

Trotz ihres anhaltenden Ehe - Elends scheint Marie zu Lebzeiten weiter eine leidenschaftliche Verfechterin des Impressionismus geblieben zu sein und erklärt einmal: "Der Impressionismus hat [...] nicht nur eine neue, sondern eine sehr nützliche Sichtweise hervorgebracht. Es ist, als ob sich plötzlich ein Fenster öffnet und Sonne und Luft in Strömen ins Haus gelangen."

Am 17. Januar 1916 stirbt Marie Bracquemond mit 75 Jahren in der Villa Brancas in Sèvres. Sie findet ihre letzte Ruhestatt auf dem Cimetière des Bruyères neben ihrem Ehemann, der zwei Jahre zuvor gestorben ist. Pierre wird seine Mutter nur um zehn Jahre überleben.

Doch zuvor, drei Jahre nach ihrem Tod, organisiert er noch eine retrospektive Ausstellung in der Pariser Galerie Bernheim-Jeune, in der etwa 90 zum großen Teil nur skizzenhafte Gemälde, 34 Aquarelle und neun Stiche gezeigt werden. Doch schon kann der Kunstkritiker Arsène Alexandre ihren Status beklagen als "eine jener Künstlerinnen, die ignoriert wurden, deren seltenes Talent und der selbstgewählte Schatten, in den sich dieses Talent hüllte, die Zukunft noch in Erstaunen versetzen werden."

"La pêche aux écrevisses"
(1870-80?)

Noch 1934 organisiert der "Salon des Femmes Artistes Modernes" (FAM) eine Retrospektive der Werke von Marie Bracquemond zusammen mit jenen der Camille Claudel ( siehe auch dieser Post ). Dann wird es still um die Malerin. Erst ab den 1980er Jahren gerät sie im Rahmen der Frauenbewegung langsam zurück ins Blickfeld. 2019 stellt das Musée d'Orsay im Rahmen der Ausstellung "Frauen, Kunst und Macht" Zeichnungen und Aquarelle von Marie Bracquemond aus. 

Seit einer Rekordauktion im Jahr 2024 hebt der Kunstmarkt ab, da Museen und Sammler nun verstärkt nach Werken von Künstlerinnen suchen, die lange Zeit wenig Anerkennung gefunden haben. Bei einer Auktion im April 2025 hat ein Gemälde Marie Bracquemonds einen neuen Auktionsrekord von 288 640€ erzielt. Die Summe übertraf die Höchstschätzung von 20 000 € also bei weitem.

Diese Wertschätzung bzw. Wiederentdeckung freut mich natürlich. Es ist an der Zeit, dass die Kunstwelt ihre Narrative neu bewertet, hat sie doch lange durch eine Linse gespäht, die viele Malerinnen-Persönlichkeiten marginalisiert hat. Marie Bracquemond und ihre Wiederentdeckung ist da nicht nur notwendig, sondern schon geradezu bahnbrechend. Ich persönlich habe gewonnen, indem ich außer den paar bekannten Werken nunmehr auch einen Einblick in ihr gesamtes Schaffen erlangt habe, ihre technische Versiertheit, ihre Herangehensweise ( ich schätze Vorstudien ja oft mehr als das Endergebnis ) und ihre Vielseitigkeit bis hin ins Kunstgewerbe. Letzteres scheint ein weibliches Phänomen zu sein, was von "Kennern" schon mal abgewertet wird und auf das ich bei meinen "Forschungen" öfter treffe. Schönheit zu gestalten - das gehört zur weiblichen Daseinsfürsorge, denke ich.

Wer einen umfangreicheren visuellen Eindruck bekommen will, sei auf diese Seite verwiesen.

                                                                                 

Diese von mir bereits porträtierten Frauen 
haben in dieser Woche einen Gedenktag:


Dienstag, 7. Juli 2026

Bauhaus - Chromophobia? Nein danke!

Anlass für diesen Post hat mir gegeben einmal ein Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" ( "Ein Land ergraut" ), zum anderen mein Besuch im Kolumba Museum und ein Text im aktuellen Museumsführer desselben...


Im Zeitungsartikel wie im Museumsführer wird auf ein großes Missverständnis der Bauhaus - Kultur aufmerksam gemacht:

"Das typische „Bauhaus-Weiß“ der Moderne, auf das viel zu oft rekurriert wird, ist übrigens ein ideologischer Irrtum: Gropius, Taut und Le Corbusier waren in Wahrheit Farbfantasten – wie heute nur noch Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch als Heroen einer endlich wieder farbigeren Architektur", heißt es da. 



Und im Museumsführer zum Raum 11:

"Es widerlegt das Klischee des 'White Cube', da es ausgerechnet Bauhaus - Künstler waren, die dazu beitrugen, dass Farbe das beherrschende Thema der Malerei des 20. Jahrhunderts wurde. Laszlo Moholy - Nagy schrieb 1925 "dass das 'Thema ' farbiger Gestaltung die Farbe selbst ist, dass man damit, ohne gegenständliche Beziehung zu einem reinen, primären, einem gestalteten Ausdruck gelangen kann'."

Im Museum geht dieser Raum von einem Bild des Bauhaus - Meisters Josef Albers aus und fokussiert sich bei den ausgestellten Bildern & Objekten auf Gelb und Orange, die sich im Fundus des Museums finden ließen. Die Kuratoren empfinden den Raum als eine ästhetische Werkstatt und zeigen, dass Fragen der Gestaltung jeglicher Dinge auch immer mit Farbe verbunden sind.


Besucher*innen der Bauhaus-Siedlungen in Dessau machen die Erfahrung, dass die Häuser der bekannten "Namen", also die sogenannten Meisterhäuser, ganz schön farbig sind: Von Weiß und Schwarz bis zu Rosa, Gelb oder auch Gold und Silber. Im Haus Feininger wurden sogar über 40 verschiedene Farbtöne eingesetzt! Haus Anton in der Bauhaussiedlung Dessau - Törten zeigt den Originalszustand und ist auch von den Farben her eine Überraschung. Ein weiteres Beispiel ist das Haus Auerbach ( auch W33 genannt ) in Jena, von Walter Gropius, dem Bauhausgründer, geplant. Dort wurden keine Primärfarben, sondern sog. verhüllte Farben und Pastelltöne eingesetzt, womit ein weicherer Farbklang entstand, dem kräftige Töne entgegengesetzt wurden.


Mein heutiges Plädoyer für die Farbe greift mal wieder thematisch ähnliche Posts hier im Blog auf, weil ich irgendwie einen Zusammenhang sehe zwischen dem gedanklichen Mehltau, der sich über unsere Gesellschaft zu legen droht, und dem äußeren Farbbild unserer Städte in Stahlgrau, Zementgrau, Asphaltgrau. Farblose Wände, versehen mit Schießscharten als Fensterformen, wie es die aktuelle Architektur bevorzugt. Ein bisschen Farbpsychologie tut not. Bleibt die Hoffnung, dass die Politiker im Neubau "Luisenblock West", geplant von Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch, von der Farbe stimuliert werden und endlich den mentalen Grauschleier durchdringen.

Die Fotos sind bei meinem Besuch im Museum vor einer Woche entstanden.

                                                                   
Verlinkt mit dem Creativsalat

 

Samstag, 4. Juli 2026

Meine 27. Kalenderwoche 2026

 "Fast alle technischen Errungenschaften 
basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: 
Handys, Autos, das Internet 
werden für selbstverständlich gehalten, 
aber Fakten, die viel grundlegender sind, nicht.
.....
Das Leben wird unbezahlbar 
durch die Veränderung im Klimasystem Erde."
Özden Terli, Meteorologe

"Weil sie an einer Welt leiden,
die bunter und wilder ist als die, die sie gerne hätten,
verlieben sich politische und 
mediale Führungskräfte dieser Tage 
wieder in die Idee eines gehärteten Kerns 
einer idealen Kultur."
Carsten Brosda, Präsident/Deutscher Bühnenverein




Boah, was für eine Nacht mit tropenanalogen 25°C als Tiefsttemperatur! Da brachte auch das Lüften so gut wie nichts mehr. Ich hab dann auch mein Vorhaben aufgegeben, an der Eröffnung der Ausstellung im Kolumbamuseum teilzunehmen, bei der die Schülerarbeiten gezeigt werden, an denen ich vor zwei Wochen beteiligt gewesen bin. Stattdessen: Lesen in Räumen ( die auch nicht mehr unter 25°C herunter gekühlt werden können ). Das bringt Unterhaltung & Freude, denn ich mag nicht rumnöhlen über das Wetter, ist eh sinnlos und frau schwitzt unnötig mehr. Ich sorge gut für mich, mental wie physisch ( Eiskaffee, Salat, Aprikosen & Tomaten! ). That's it!
Übrigens wurde der am 27. Juni 1947 in Köln-Stammheim gemessene Wert von 37,9°C klar überboten. Allerdings nur inoffiziell, denn die DWD-Klimastation Köln-Stammheim ist nicht mehr in Betrieb, es gibt nur noch ein Provisorium. Das hat am 26. Juni 2026 39,5°C erfasst. Die Wetterstation am Flughafen registrierte ein Maximum von 37,5°C, womit der bisherige Juni-Rekord in Köln/Bonn von 36,8°C vom 18. Juni 2002  deutlich übertroffen wurde. Selbst drinnen im Dom hatte es 26°C. Die Polizei registrierte von Freitag bis Sonntag 120 ungeklärte Todesfälle – fast viermal so viele wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Man machte zunächst keine Angaben zu den Todesursachen, doch liegt ein Zusammenhang mit den Extremtemperaturen nahe, meint auch der Leiter des städtischen Rettungsdienstes. Krankenhäuser, die Rechtsmedizin und Vertragsbestatter stießen an die Grenzen ihrer Kapazität zur Aufbewahrung von Leichen. Die Stadt richtete am Samstagabend in der Messe ein Notlazarett und eine Kälteinsel ein. KVB-Busse brachten Patienten dorthin, die keine Versorgung während der Fahrt im Krankenwagen benötigten. Und noch ein anderes: Eine Omega-Blockade kann die Wetterlage der letzten Tage erklären, aber sie widerlegt den Klimawandel nicht. Da vertauschen die Leugner mal wieder was, nämlich den Auslöser der Hitze mit dem Verstärker im Hintergrund.
Montagvormittag musste ich unbedingt en d'r Sity. Trotz ( nur ) 23°C fand ich es schlimmer als an den beiden Tagen zuvor, weil ich Schwüle einfach nicht ab kann. Selbst ein Eis sorgte nicht für den erfrischenden Genuss wie sonst üblich.


Aber ich hab erledigt bekommen, was dringend erledigt werden musste.  La vie en rose war mir dann anschließend zu Hause lieber, denn...



...dort ließ ich mir zur Abwechslung mal Kirschen schmecken, die ich unterwegs gekauft hatte. Abends hatte es so frische Luft, dass ich im Wintergarten gelesen habe. Später habe ich noch Stings Konzert im Amsterdamer Riijksmuseum vom Januar dieses Jahres gehört bzw. gesehen. So schön! Auch dass er im Video die Leistungen der großartigen Malerin Judith Leyster hervorgehoben hat, deren Gemälde lange Frans Hals zugeordnet wurden.



Stings "Fragile"ist so ein Song, der schon mal meine Lebensgefühle ausdrücken kann, besonders dann zum letzten Tag des Monats Juni -  immer einer mit den gemischtesten Gefühlen. Die Hitze der letzten Tage führte dazu, dass ich mich eher an den Tag vor 23 Jahren erinnere, als ich neben allem Kummer auch drei Wochen im Krankenhaus geschwitzt habe. Es war der erste üble Hitzesommer des neuen Jahrhunderts. Die beiden Bäume in meinem Garten sind etwas, das mich täglich an meinen "kleinen Bruder" erinnert, der sie vor fast vierzig Jahren mit meinem Mann ausgesucht und gepflanzt hat. Auch an ihn, meinen Lebensmenschen, habe ich wieder einmal mit großer Wehmut gedacht.



Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die einem über solche Stimmungen weiterhelfen: das wunderbare Gemälde von Dagmar Schmidt über meiner Couch, die Gespräche mit der Frau, die mir hilft, mein Haus in Ordnung zu halten, ein weiteres bewegendes, kluges Buch, das Grün der Bäume, der Himmel,  der über uns gespannt scheint.

Von links oben im Uhrzeigersinn:
Brokkolisalat mit Granatapfelkernen, Kartoffelsalat mit Trauben, Romanasalat mit pochiertem Ei,
Brezensalat mit Fenchel & Pfifferlingen, Nudelsalat mit Ananas & Edamame,
Reissalat mit Thunfisch & Paprika


Der Mensch lebt aber nicht nur von Gefühlen allein; an den heißen Sommertagen erfreue ich mich täglich an Salatkreationen, wie ich es schon letzte Woche beschrieben hatte. Und da ich die fotografiere und die Bilder mit dem Schwesterherz & Sunni teile, kam mir die Idee, eine Collage aus den Fotos zu machen & hier einzustellen.

Im Juni hat Nicole/niwibo "Beige" als Farbe des Monats propagiert. Wo finde ich die am besten? Jetzt aber endlich auf ins Kolumba - Museum!😆

Na ja, in Wirklichkeit  wollte ich die Arbeiten der Schüler*innen des Veedelsgymnasiums anschauen, u.a. auch "meinen" Beitrag für die Fotoreihe meiner Nachbarin "Menschen und ihre Dinge", zu der sie das "Musée sentimental de Kolumba" angeregt hat. ( Leider habe ich nicht ohne Lichtreflexe fotografieren können. )




Außerdem habe ich die diesjährige Dauerausstellung noch nicht gesehen. Thema: "Kunst in Zeiten der Unvernunft". Spannende Gegenüberstellungen wurden wieder gefunden wie die Bilder von Anna & Bernhard Blume "Transzendentaler Konstruktivismus" und ein "Christus in der Rast" eines oberrheinischen Meisters (links) oder "Ohne Titel" von Jürgen Paatz neben einer Vitrine mit Tongefäßen div. Künstler (rechts).


Victoria Bells "Fliegende Lokomotive" habe ich einem Text gegenübergestellt von Terry Fox "Left Sided Sleeper's Dream".


Der große zentrale Raum im 2. Stock wird u.a. bespielt von einer Skulptur von Erich Bödeker "Cowboy mit Pferd" und den Fotos von den Mitstreiter*innen des Roncalli - Programms "Die Reise zum Regenbogen" von 1981 durch Walter Schels. Die Elfenbeinfigur am Kruzifix ist aus dem 12. Jahrhundert, wahrscheinlich aus dem Rheinland.


Links eine Gemeinschaftsarbeit einer Schülergruppe zum Thema "Identität", links eine Figurengruppe des Dombaumeisters Konrad Kuyn aus dem "Epitaph des Nikolaus von Bueren" aus dem 15. Jahrhundert. Es sind Steinmetze, die da dargestellt sind.


Eine "Ecce Homo"-Darstellung aus Lindenholz (15. Jahrhundert) vor einem Bild, das ich nicht näher identifizieren konnte. Ein Besuch im Kolumba ist für mich immer ein Erlebnis. Es ist mir das liebste Museum in der Stadt.


Seit dem 1. Juli bin ich übrigens Mitglied im Dombau- Verein, damit ich auch weiter kostenlos in den Dom kann, wenn mir danach ist. Die Kölnerinnen, die im Exil leben (müssen), habe ich auch gleich im Verein angemeldet. Das wär doch gelacht, wenn sie bei ihren Besuchen draußen bleiben müssten!

Mein Web-Fundstück der Woche - ganz lustig & informativ:


Zum Schluss möchte ich euch noch eine kleine Geschichte erzählen, die zum heutigen Tag passt. Die Geschichte von Dennis Baum, gerade 82 geworden, wohnhaft im Hudson Valley, etwa eine Zugstunde nördlich von New York, mit seiner Frau und seinen drei Corgis. Aber was hat dieser introvertierte alte Mann mit dem 4. Juli zu tun? Nein, es ist nichts mit dem amerikanischen Nationalfeiertag oder der Hochzeit von Taylor Swift & Travis Kelce, es hängt mit dem 4. Juli 1926 in Weimar zusammen. Und dem 4. Juli 2026 in Erfurt. Merkt ihr was?

Aber zurück zu dem alten Mann, der seit Wochen die Rede seines Lebens einübt. Und die hat ihren Grund in diesem Logo:


Das kennen sicher alle, die in Deutschlands Osten groß geworden sind. Und die Zweiräder gleichen Namens, besonders der berühmten "Schwalbe". Mopeds von Simson werden inzwischen nämlich von den Blaunen für ihren Kulturkampf missbraucht. Besonders der Bernd lässt sich gerne damit fotografieren. Der thüringische Landesverband, als rechtsextrem eingestuft, produziert heute Videoclips, Banner und T-Shirts mit dem Namen Simson. 

Und das ist für Dennis Baum unerträglich. 

Also reist er jetzt aus New York nach Deutschland, um das Erbe seiner jüdischen Familie zu beschützen. Ja, richtig gelesen: Die Firma ist eine jüdische Firma gewesen, die "Waffen- und Fahrzeug-Fabrik Simson Suhl". 
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten startete der thüringische Gauleiter Fritz Sauckel ein Untersuchungsverfahren mit der Behauptung, das Deutsche Reich sei durch das jüdische Unternehmen bei der Abrechnung der staatlichen Aufträge übervorteilt worden. Der Reichsrechnungshof konnte keine übermäßigen Gewinne feststellen; trotzdem kam es 1934 auf Initiative von Sauckel in Meiningen zu einem Schauprozess gegen Arthur Simson und einige leitende Angestellte wegen 'Übervorteilung des Reiches'. Die inhaftierten Angeklagten wurden ein Jahr später aus Mangel an Beweisen in allen Punkten freigesprochen.... Im August 1935 erwirkte Sauckel ein Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht Jena unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Verfahren endete mit einem Schuldspruch und einer Geldbuße von 9,75 Millionen Reichsmark gegen die Inhaber.( Quelle Wikipedia )

Die Familie Simson konnte 1936 in die Schweiz fliehen. Minna Simson, die damals Thüringen verlassen musste, ist die Großmutter von Dennis Baum gewesen. 

"Dass ich mich erhebe und kämpfe in der öffentlichen Arena, das ist etwas, was ich noch nie getan habe. Ich habe noch nie in meinem Leben vor mehr als zwanzig Menschen geredet", bekennt Dennis Baum. 

Er muss aber etwas klar stellen, denn seine Familie lehnt diese Vereinnahmung ab. Auch die Volte mit der deutschen Geschichte. Aber das gehört ja zum Werkzeugkasten für Tatsachenverdreher & Manipulateure. Mit den Simson - Zweirädern wird der Ost - Joker von westdeutschen Akteuren gezogen. Wem gehört das Freiheitsgefühl der Ostdeutschen wirklich?

                                                                            

Wie immer v
erlinke ich meinen heutigen Beitrag mit dem Samstagsplausch, mit "Niwibo sucht...", den Glücksmomenten bei Annette/ Augensternwelt, dem Mosaic Monday, den "Sonntags Top Sieben" bei Anni und mit Nicoles/Frau Frieda "Plausch am Gartenzaun