Eigentlich hatte ich vor, euch mitzunehmen in die endlich zugänglichen Gewächshäuser im Botanischen Garten. Aber schon im Mai fand Heike/3hefecit, Gewächshäuser im Sommer, dass sei keine gute Idee. Und ich sah es nun in der zweiten Hitzewelle dieses Sommers genau so. Museum mit Klimaanlage ist da schon ein etwas angenehmeres Ziel. Letzten Sonntag war das meine Idee, wo doch draußen 32°C angesagt war. Viele Fotos habe ich "geschossen", mehr als ich bei "12 von 12" unterbringen konnte. Und da wuchs schnell die nächste Idee heran, ich zeig das einfach als meinen Monatsspaziergang, halt indoor.

Das Kölner Schnütgen-Museum ist untergebracht in der ehemaligen Kirche St. Cäcilien. Dieser Kirchenbau geht auf ein im späten 9. Jahrhundert gegründetes Damenstift zurück, das nach der Heiligen Cäcilia von Rom benannt worden ist. Es ist ein Bau aus der Stauferzeit, eine heute turmlose dreischiffige Pfeilerbasilika mit Chor und runder Apsis.
St. Cäcilien besitzt kein Querschiff. Das südliche Seitenschiff schließt mit einer runden Apsis ab.
Seinen Namen hat das Museum vom Domkapitular Alexander Schnütgen, der seine umfangreiche Sammlung christlicher Sakralkunst im Jahr 1906 der Stadt Köln geschenkt hat. Schnüttgen rettete viele Kunstwerke, teilweise aus den säkularisierten Kirchen, vor dem endgültigen Verfall. Vieles erwarb er auch aus dem Antiquitätenhandel. Schnütgens Motiv war, Kunstgegenstände über die Zeit hinweg zu retten, in der sie als altmodisch oder wertlos erachtet wurden. Heute verfügt das Museum Schnütgen über mehr als 13.000 Werke.

Das Museum mit seinen Schätzen ist oftmals umgezogen. Zunächst, dem Wunsch des Sammlers entsprechend, war es in einem Anbau des Kunstgewerbemuseums am Hansaring zu Hause. 1932 gelangte es auf die Schääl Sick in Räume der wiedererrichteten Abtei St. Heribert, ganz im Stile des Bauhauses & der Neuen Sachlichkeit gestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Exponate in Klöster, Schlösser und in den Keller des Kunstgewerbemuseums ausgelagert und das Museum geschlossen. In der Nachkriegszeit fand der größte Teil der Kunstwerke ein Zuhause im Schloss Alfter vor den Toren Bonns bzw. bis Ende 1950 in Räumen der Kölner Universität.

Der legendäre Kölner Regierungsbaumeister
Karl Band verfolgte konsequent die Idee, das Museum in der romanischen Basilika St. Cäcilien neu zu eröffnen. Das ehemalige Stift war 1802 unter französischer Besatzung säkularisiert worden. Das Gemäuer diente zuletzt als Kapelle des "Bürgerspitals" und war reichlich ramponiert durch die Bombardierung Kölns in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 1942, bei dem die Royal Air Force über 1000 Bomber gleichzeitig einsetzte ( sog. 1000-Bomber-Angriff ). Im Mai 1956 öffnete das Museum als erstes der Kölner Museen nach dem Krieg seine Tore. Es war allerdings lange nur als Provisorium betrachtet worden. Erst 2001 wurde eine umfassende Sanierung in Angriff genommen und in das bis 2010 entstandene, westlich der Cäcilienkirche liegende neue Kulturquartier am Neumarkt integriert.

Heute stammt nur noch ein kleinerer Teil aus der Original-Sammlung von Schnütgen. Alltagsgegenstände und die Gemäldesammlung gingen ins Kunstgewerbemuseum und ins Wallraf-Richartz-Museum über, dafür erhielt das Schnütgen-Museum sakrale Bestände aus den anderen Kölner Museen. Eine nicht unwesentliche Anzahl Stücke erwarb der Förderverein "Pro Arte Medii Aevi". Eine Patenschaftsaktion unter dem Motto "Lassen wir sie nicht verschimmeln" im Jahr 2001 regte Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen zur Übernahme von Restaurierungskosten an. So konnte eine größere Anzahl von Kunstwerken, die bis dahin nur im Depot aufbewahrt worden waren, wiederhergestellt werden. In den Ausstellungsräumen kann allerdings nur circa 10 Prozent des gesamten Sammlungsbestandes gezeigt werden. Momentan sind dort auch Glasmalereien aus der Sammlung des Khanenko Museum in Kyjiw gesichert, denn dieses Museum wurde bereits im ersten Kriegsjahr durch einen Raketeneinschlag in unmittelbarer Nähe in Mitleidenschaft gezogen.

Mir eine Herzenssache sind die originalen Figuren aus dem "Dreikünnijepöötzche", über die ich schon bei diesem Monatsspaziergang von vor zwei Jahren erzählt habe.
Ich liebe all die Gesichter, die viele der Skulpturen aus Holz, Elfenbein oder Stein wiedergeben. Deshalb kommt jetzt eine ganze Serie auf euch zu:
Die offenen Haare der Skulptur links zeigen, dass es sich um eine Jungfrau handelt, nämlich die Hl. Luzia aus Syrakus, ein Werk des 15. Jahrhunderts aus Kalkar oder Zwolle. Rechts die Hl. Margarete von Antiochien wiederum war in römischer Zeit zur Ehe gezwungen worden. Es ist eine Darstellung aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Wiedergabe der extravaganten modischen Kleidung ist typisch für Skulpturen der südlichen Niederlande.

Rechts der Hl. Hieronymus als Kardinal mit einem Löwen an seiner Seite - eine Skulptur aus Lindenholz von 1520.
Reliquienbüsten gibt es natürlich auch zuhauf und viele wunderschöne Frauengesichter:
Mariendarstellungen sowieso.
Auch Fröhliches oder Kurioses wie der Wilde Mann aus dem späten 14. Jahrhundert.
Oder der Christus auf dem Palmesel, eine Arbeit aus dem frühen 16. Jahrhundert, der bis 1778 immer noch durch die Straßen Kölns gezogen wurde.
Ein wenig Textiles gibt es auch, wie die Kissenplatte mit der Dame und dem Einhorn aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Obwohl kein biblisches Tier, spielte das Einhorn in der christlichen Welt des Mittelalters eine Rolle. Es gab das Narrativ, dass nur eine Jungfrau ein Einhorn fangen könne.
Memento mori "Bedenke, dass Du sterben wirst!" – seit dem ausgehenden Mittelalter entstanden in diesem Sinne kleine Kunstwerke, die die Betrachtenden oft sehr drastisch mit Tod und Verfall konfrontieren. In den frühen 1980er Jahren hat sich der "Sprayer von Zürich", Harald Naegeli, dem Thema in Köln gewidmet. Nachdem die Schweizer Strafverfolgung auf ihn aufmerksam geworden war, hatte er sich durch Ausreise ins Rheinland dem entzogen. Seine Zeichnung auf dem zugemauerten Westportal der romanischen Basilika ist die letzte ihrer Art im Stadtbild.
Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in so eine ganz eigene Welt hat euch Freude gemacht.