Samstag, 29. April 2017

Mein Freund, der Baum: Gemeine Hasel


Es verwundert mich inzwischen selbst, dass bisher in meinen Posts über meinen Garten nie von den beiden Haselbäumen ganz hinten rechts an der Grenze zur Nachbarin die Rede war ( in der Ecke gegenüber steht übrigens "Mutter Holunder" ): "Frau Haselin" ist doch seit Alters her ein Symbol für Lebens- und Liebesfruchtbarkeit, die Unsterblichkeit, den Frühling als glückhafter Beginn eines neuen Jahres. Bei uns im Garten ist sie immer das erste Gewächs, das blüht, meist schon Anfang Januar - das sichtbare Versprechen, dass auch der schlimmste Winter vorübergeht!


Die Hasel hat ( wie der Schwarze Holunder ) in Mitteleuropa eine lange kulturelle Tradition: Zumindest aus germanischer Zeit ist überliefert, dass die „Frau Haselin“ nicht gefällt werden durfte. Haselzweige finden sich übrigens häufig in heidnischen wie auch christlichen Gräbern. Als Nahrungsmittel ist die Hasel schon bei Steinzeitkulturen zu finden und scheint einen hohen Stellenwert besessen zu haben.

Weil die Hasel so verehrt wurde, wollte sie in den Vorstellungen unserer Altvorderen auch gegrüßt und gefragt werden, wenn man etwas von ihr wollte, zum Beispiel einen Zweig, um aus ihm eine Wünschelrute zu machen. ( Mit einer solchen Wünschelrute lassen sich Wasseradern, Erzgänge und verborgene Schätze finden. )



In der Sexualsymbolik gilt die Haselnuss als Sinnbild der Wolllust und der Fruchtbarkeit, der Haselstrauch selbst als beliebter Ort der außerehelichen Liebe. Daher rührt die Redewendung "in die Haseln gehen". Und trägt diese Liebe noch Früchte, so sind die Kinder eben "aus der Hasel entsprungen".

Nach altem Volksglauben konnte man mit einem Haselstecken Zauber und Unheil abwehren und Blitze und Erdstrahlen ableiten. Man glaubte sogar, dass nicht anwesende Personen damit - unter Aufsagen bestimmter Beschwörungsformeln -  auf Entfernung verprügelt werden konnten.



Die Gemeine Hasel/Corylus avellana ist ein sommergrüner, schnellwüchsiger Laubbaum bzw. Strauch, der 5 - 6 Meter hoch und ca. hundert Jahre alt werden kann. Dabei ist der Wuchs mit vielen dünnen, reich verzweigten Stämmen ab dem Boden eher strauchartig zu nennen. Diese Stämme bilden keine dicke Borke aus, sondern die Rinde bleibt glatt, eher hell und mit sichtbaren Korkporen (Lentizellen) zum Gasaustausch. Ältere Stämme erreichen eine Dicke von 10-18 Zentimetern, die stets durch junge Schösslinge ersetzt werden, die im ersten Jahre mehrere Meter hoch werden können, sich aber erst im folgenden Jahr verzweigen.


Die Blätter sind rundlich, 6-10 cm lang und fast ebenso breit. Sie fühlen sich durch kleine Härchen weich an und haben einen gesägten Rand. Im Herbst werden sie schön gelb bis gelbbraun.

Die Hasel hat männliche und weibliche Blüten am selben Baum. Die weiblichen sind klein und völlig unscheinbar, die männlichen sind gelblich-grüne, später braune Kätzchen von 8 bis 10 Zentimeter Länge. Schon ab Februar entlässt die Hasel aus diesen Kätzchen große Mengen an Pollen zur Windbefruchtung der weiblichen Blüten. Dieser Pollen ist einer der häufigsten Auslöser für Heuschnupfen.

Source
Im Herbst reifen die Nüsse, die über Tiere verbreitet werden. Eichhörnchen & Co legen Wintervorräte mit ihnen an. Und die, die im Winter vergessen werden, sind Grundlage für neue Haselnusssträucher. Die Nussfrüchte sind 16-18 mm lang, bis zu dritt beieinander liegend, aus einem Fruchtbecher ragend. Die bei uns im Handel erhältlichen Haselnüsse stammen allerdings nicht von der Gemeinen Hasel, sondern von der südosteuropäischen Lamberts-Hasel/ corylus maxima. 

Die Äste der Hasel wurden in der Vergangenheit für viele unterschiedliche Zwecke verwendet: Die langen, biegsamen Triebe des ersten Jahres dienten der Herstellung von geflochtenen Zäunen, Gerten, Stöcken, Körben, Vogelschlingen und anderem, stärkere Äste für Spazierstöcke und Armbrustbögen. Das wenig dauerhafte Holz wurde bei Drechsler- und Tischlerarbeiten verwendet.




Bei Ghislana/Jahreszeitenbriefe findet ihr morgen noch mehr Bäume.

Freitag, 28. April 2017

Von Raif Badawi, Deniz Yücel und dem Hambacher Fest


Ja, was haben die denn schon wieder miteinander zu tun? 

Darauf hat mich ein Beitrag von Ursula Wöll im "Marburger" gebracht, den sie aus Anlass des Tages der Pressefreiheit am kommenden Mittwoch, dem 3. Mai, geschrieben hat. 
"Beide sitzen hinter Gittern, weil sie ihren Journalistenberuf ernst nahmen und nicht nach der Melodie der Herrschenden sangen. An sie und all die namentlich unbekannten KollegInnen in Haft möchte ich zum 3. Mai erinnern", steht da.   
Und weiter: 
"Nicht nur um Badawi, auch um Deniz Yücel droht es langsam still zu werden, ganz zu schweigen von den vielen namenlosen Inhaftierten, die etwas schrieben, was dem Regime missfiel. Öffentlichkeit bedeutet  einen gewissen Schutz für die Eingesperrten. Und vor allem eine psychische Stärkung der Verhafteten in ihrer furchtbaren Situation. Deshalb ist der 3. Mai ein wichtiges Datum, an dem wir uns in unserer kommoden Lage an andere weniger Glückliche erinnern sollten."
Und weiter erzählt sie in dem Artikel darüber, dass eine freie Presse - und damit Meinungs- und Informationsfreiheit - , den Menschen auf dieser Erde nicht immer gegeben war, sie aber notwendig ist, wo individuell sehr unterschiedliche Menschen in einer Gesellschaft zusammenleben. Um diese Freiheit ist einst gekämpft worden, denn lange wurde von den Herrschenden alles schriftlich Verbreitete vorher und nachher zensiert. ( Das kenne ich allerdings auch noch aus meiner Schulzeit, als ich mit einer Freundin eine Zeitung in unserer Schule herausgab, deren Beiträge von der Schulleiterin kontrolliert wurden, obwohl wir nur die christliche Bergpredigt ernst nahmen und umsetzen wollten. )

Doch das Bedürfnis der Menschen, frei reden, schreiben und lesen zu können, war unerschütterlich. Und so "bezwangen über 20.000 Männer und Frauen ihre Angst und zogen zum Hambacher Schloss hinauf. Ihre Hauptforderung war Pressefreiheit."  Dieses "Hambacher Fest" fand vor  185 Jahren statt, am 27. Mai 1832. 

Source: wikipedia
Für unser Land ist die Presse- und Informationsfreiheit seit dem 23. Mai 1949 im Artikel 5 unseres Grundgesetzes festgeschrieben. Auch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen, Artikel 19,  sieht die Pressefreiheit für alle vor.

"A darker and darker map..." betitelt "Reporter ohne Grenzen" diese Karte
in der Mail, die ich von ihnen erhalten habe


Doch immer mehr müssen wir in unseren Tagen mitansehen, dass dieses Recht oft nur auf dem Papier besteht. Darüber informiert jedes Jahr "Reporter ohne Grenzen" mit einem Bericht und bringt einen Bildband "Fotos für die Pressefreiheit" heraus. Dieses Jahr werden darin zwanzig Reporter & Reporterinnen vorgestellt, darunter der mexikanische Fotoreporter Emmanuel Guillen Lozano. Mexiko gilt als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. Den Spitzenplatz nimmt wieder Saudi - Arabien ein. Aber auch die Türkei ist auf dem besten Wege dahin, denn bis jetzt hat Erdogan über 120 Presseleute in Haft nehmen lassen, darunter eben Deniz Yücel:
"Er sitzt seit Wochen in Untersuchungshaft, in der 6-Quadratmeter-Zelle eines Istanbuler Gefängnisses. Yücel ist Korrespondent der WELT und sicherlich frei von Terrorabsichten, die ihm Erdogan vorwirft. Ich möchte nicht in Yücels Haut stecken und noch viel weniger in der Haut der vielen anderen Inhaftierten, die wir namentlich nicht kennen", so noch einmal Ursula Wöll.
Sich einmal in diese Situation hineinzuversetzen, hilft, manche Erscheinungen, manches Geschrei & Getöse im politischen Leben hierzulande geradezu absurd oder aber schlichtweg unverschämt zu finden...




Friday - Flowerday # 17/17






Es war höchste Zeit,
Flieder von meinem Baum zu schneiden, 
um mich im Haus daran zu erfreuen 
( vor allem am einmaligen Duft ). 























Nun schmückt  er - unter anderem - meine Konsole im Eingangsbereich. 












Ergänzt um Hasenglöckchen im geliebten Blau...

und Tulpen - alles aus meinem Garten diesmal.


Bon week - end!




Verlinkt mit Holunderblütchen®
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