"Kenne deine Rechte,
kenne deine bürgerlichen Freiheiten,
kenne die Grundprinzipien
demokratischen Denkens und Handelns,
und gib der Autorität niemals einfach deshalb nach,
weil sie Autorität ist. Das ist die Haltung,
die den Totalitarismus nährt und ermöglicht."
Daphne Caruana Galizia kommt am 26. August 1964 zur Welt als Daphne Anne Vella in
Sliema, einst ein Fischerort auf einer Halbinsel gegenüber der Hauptstadt La Valletta an der Ostküste der Mittelmeerinsel Malta gelegen. Da ist die Insel noch britische Kronkolonie. Daphne ist die Älteste von vier Töchtern von Rose Marie Mamo und Michael Alfred Vella, einem Geschäftsmann, der Fahrstühle vertreibt. Mandy ( später verheiratete Mallia ), Corinne und Helen ( verheiratete Asciak ) werden auf sie folgen.
Die Familie väterlicherseits ist seit dreihundert Jahren in La Valetta ansässig, und Daphne die erste Vella, die außerhalb der Zehntausend-Einwohner-Stadt geboren wird. Es ist kein reiches Elternhaus, doch es wird ein grosser Wert auf Etikette und Bildung gelegt, gesellschaftlich ist man liberal. Im Maltesischen gibt es einen Begriff dafür, der halb beschreibend und halb beleidigend ist: "
tal-pepe" – die Klasse, die sich ihres Standes zu bewusst sei. Die Vellas gehören also zu dieser kleinen, bürgerlichen Schicht Maltas, die sich in Sliema ansiedelt und die in den identitätspolitischen Auseinandersetzungen des späten 19. Jahrhunderts überzeugte Unterstützer der britischen Kolonialmacht gewesen sind. Das gilt auch für die Familie von Daphnes späteren Ehemann. Diese Mittelklasse geht nach Abzug der Briten ohne Überzeugung eine Allianz mit der
Partit Nazzjonalista, kurz PN, ein, der zweiten auf Malta existenten Partei neben der
Partit Laburista ( PL, auch Malta Labour Party, kurz MLP ), die die ärmeren Bewohner der Insel um sich schart.
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| La Valetta in den 1960er Jahren; Daphne mit ihren drei Schwestern |
La Valetta ist im 16. Jahrhundert von dem römisch-katholischen Johanniterorden als ummauerte Siedlung auf einer Halbinsel angelegt worden und nach ihrem Großmeister Jean de la Valette benannt. Zuvor haben die Ordensritter die türkischen Osmanen vertrieben. 1798 kommen die Franzosen unter Napoleon, nach deren Kapitulation kolonisieren die Briten nach etlichem Zögern das 316 Quadratkilometern große Eiland ( i.e. die Größe von München ). Sie bauen den Ort im Laufe der Jahre von einem Zollhafen zu einem zentralen, stark befestigten Marine- und Flottenstützpunkt im Mittelmeer aus, der das Stadtbild, die Wirtschaft und die Kultur nachhaltig prägen wird. 26 Tage nach Daphnes Geburt erhält die Insel schließlich die Unabhängigkeit von Großbritannien als Staat im Commonwealth of Nations. Erst zehn Jahre später wird Malta offiziell Republik und schlägt einen Weg ohne britischen Monarchen als Staatsoberhaupt ein. Die letzten englischen Soldaten verlassen 1979 die Insel.
Die Familie Vella ist in einem Stadtviertel nahe an der St.-Pauls-Insel ansässig, also dem Ort, an dem der Apostel Paulus von Kreta kommend im Jahr 60 n. Chr. bei einem Sturm Schiffbruch erlitten haben soll. Jeden 10. Februar, dem Tag dieses Debakels & Nationalfeiertag Maltas, gibt es einen Umzug zu seinen Ehren mit seiner vergoldeten hölzernen Statue und dem goldenen Handreliquar mit dem rechten Handgelenkknochen des Heiligen. Daphne verfolgt natürlich mit ihrer Familie vom großelterlichen Balkon aus die Prozession und schmeißt natürlich, wie das so üblich bei allen Maltesern ist, Papierschnipsel auf die Passanten hinunter. Die Straße versinkt anschließend hüfthoch in Papierfetzen und bietet den Kindern unzählige Spielmöglichkeiten. Ein großes, beeindruckendes Volksfest!
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| Feast of St.Paul's Shipwreck in Valletta, Malta |
Einmal gibt Daphnes Mutter ihren Töchtern gegen die Sommerferienlangeweile Zeitschriften zum Zerschneiden, um solche Papierfetzen zu produzieren. Daphne schaut sich die Magazine sehr genau an, weil sie so offensichtlich ganz anders sind als Bücher und ist fasziniert. So sehr, dass sie sich vorstellen kann, das zu ihrem Beruf zu machen. Ihre Schulzeit beginnt sie in der Primarstufe der Santa Doroteja in Sliema, Ableger der katholischen Konfessionsschule, die sich in ihrer Bildungsarbeit auf die heilige
Paula Frassinetti aus Rom beruft und deren Nonnen seit 1911 auf der Insel tätig sind. In der Sekundarstufe besucht Daphne dann das jesuitische St. Aloysius College in Birkirkara, heute die zweitgrößte Stadt der Insel.
Damit lassen die Eltern Vella ihrer Ältesten die beste Bildung zukommen, die in Malta möglich ist ( und die auch bezahlt werden muss, denn katholische Schulen erheben Gebühren ). Selbst Jahre nach ihrem Tod wird der Familie noch vorgeworfen, sie sei einfach zu elitär, ihre Tochter Daphne zu snobistisch, mit einem tief verwurzelten Gefühl sozialer Überlegenheit sowie einer Feindseligkeit gegenüber abweichenden Weltanschauungen. "Wenn du die Regel ignorierst, mit welcher Gabel am Tisch du anfängst, dann ignorierst du auch andere, wichtigere Regeln", wird sie das kommentieren. Es wird ihr immer um Anstand gehen. Es gäbe Dinge, die man einfach nicht mache, sagt sie.
Nach dem Wegzug der Engländer - Daphne ist da 15 Jahre alt und noch Schülerin - folgt eine Zeit, in der die Partit Laburista herrscht, die die Insel von Westeuropa abspaltet und enge außenpolitische Beziehungen zur damaligen Sowjetunion und anderen Mitgliedern des Warschauer Paktes aufnimmt. Damit beginnt Malta sich zu isolieren und die Spaltung der Bevölkerung wird dadurch weiter befördert, denn die Meinungsfreiheit wird eingeschränkt, häufige Hausdurchsuchungen bei sog. Staatsfeinden durchgeführt, Proteste durch Streitkräfte & Polizei gewaltsam niedergeschlagen und Zeitungsredaktionen von Schlägertrupps heimgesucht. Die Menschen haben Angst, selbst in privaten Gesprächen ihre Meinung kundzutun. Der einzige Hörfunk- & Fernsehsender befindet sich im Besitz der Regierung Mintoff.
Mit neunzehn wird auch die junge Daphne verhaftet und eingesperrt, weil sie an Protesten gegen die Schließung unabhängiger - in diesem Fall katholischer, kostenpflichtiger - Schulen teilgenommen hat. 27 Stunden ist sie in einer fäkalienverschmierten Zelle untergebracht, darf keinen Besuch haben und unterschreibt letztendlich eine falsche Aussage. Aber das hat sie politisiert. Der Polizist, der sie verhaftet,
Angelo Farrugia, wird später Parlamentspräsident von Malta werden. Er geht gegen diese Erzählung Daphnes auch erfolgreich gerichtlich vor.
Unter der Herrschaft der Partit Laburista leidet auch die alte Universität von Malta, schon 1592 von Jesuiten gegründet, die gezwungen wird, sämtliche Fachbereiche zu schließen, in denen nur allgemeine Bildung und nicht nur eine praktische Berufsausbildung möglich ist. Daphne muss ihre Studienwünsche aufgeben und sie wird als Sekretärin arbeiten.
1987 gewinnt die Partit Nazzjonalista knapp die Parlamentswahlen in Malta, nachdem sie für eine Beendigung des Streits mit der Kirche eingetreten ist ( im Mai 1990 wird das mit einen Besuch des Papstes Johannes Paul II. besiegelt ). Deren sog. Versöhnungspolitik empfindet Daphne nach längerer Beobachtung & unerfüllten Hoffnungen allerdings als Schwindel. 25 Jahre wird die PN ab da an der Macht bleiben.
Kaum ein Land ist so gespalten, kaum eines so dicht bevölkert wie Malta: Auf den 316 Quadratkilometern wohnen knapp 400.000 Menschen. Offiziell hat die Insel keine grössere Stadt, aber das täuscht: Der Nordosten ist ein einziger Vorort der Hauptstadt Valletta. Ein urbaner Raum, in dem man den Wechsel in eine andere Gemeinde nur auf der Landkarte bemerkt. Über Ecken kennt jeder jeden, und die Menschen tragen zu allem Überfluss oft auch noch dieselben Nachnamen. Die Folge: Geschichten brauchen wenig Wahrheit, um als Gerücht die Runde zu machen. Persönliche Netzwerke und Beziehungen sind stärker als alle staatlichen Einrichtungen. Um aber einen Rechtsstaat - also keinen Familiarismus oder Patronage auf politischer Eebene - zu haben, braucht man funktionierende Institutionen und integre Menschen. Das politische System Maltas ist ein Relikt, ein Anachronismus, der im übrigen Europa ausgestorben ist, denn es gibt nur die zwei bereits erwähnten Parteien, dazwischen nichts. Die Parteien unterhalten eigene Zeitungen und Medien. "Bei uns ist Politik wie Fussball: Es gibt zwei Mannschaften, und jeder ist Fan, entweder von der einen oder der anderen", sagt Joseph Borg, Professor an der Universität von Malta.
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Mit ihren Söhnen & Ehemann im Hintergrund ( frühe 1990er Jahre ) |
Unterdessen hat Daphne, 21jährig, geheiratet: 1985 Peter Caruana Galizia, seit drei Jahren als Anwalt zugelassen, aus einer namhaften Familie mit lauter Juristen, Philosophen, Architekten & Bauingenieuren, Archäologen und Mitgliedern der Finanzverwaltung der Insel stammend, die eine wichtige Rolle in der Kronkolonie gespielt haben.
Sie wird Mutter von drei Söhnen, Matthew (*1986), Andrew (*1987) und Paul (*1988). 1990 ziehen sie nach
Bidnija, etwas ausserhalb des Ballungsgebiets um Valletta, einem Weiler auf einem Hügel, von dem man gut über die Felder vor der Stadt Mosta blicken kann. "
Dar Rihana", das "
Haus des Myrten-Baums" liebt Daphne sehr. Hoch gewachsene Olivenbäume & Orangenbäume umgeben es. Hunderte Kakteen in Töpfen und im Boden sammelt sie auf ihrem Grund & Boden.
Mit 24 Jahren, 1987, bekommt sie in der "Sunday Times of Malta" eine Kolumne mit dem programmatischen Titel "The good, the bad and the ugly". Maltas Medien sind zu diesem Zeitpunkt inhaltlich wie stilistisch konservativ, von älteren Männern gestaltet, mit einer strikten Trennung von Bericht und Meinung. Artikel erscheinen ohne Autorennamen. Daphnes Kolumne fegt mit neuer Sprache, neuer Polemik und neuem Feuer durch dieses Milieu. Sie ist die erste Frau, die erste Person überhaupt, die unter ihrem echten Namen schreibt. Sie wird immer wieder gefragt, ob ihr Mann oder ihr Vater nicht in Wirklichkeit die Autoren wären und sich nur hinter ihr verstecken würden.
Die Menschen reißen sich jedenfalls um die Texte der jungen Autorin. Ihr Humor, ihre Fähigkeit, Empörung auszudrücken, aber auch über diese korrupten Leute auf Malta zu lachen, ihre Fähigkeit, sich auf subtile und intelligente Weise über sie zu äußern - das ist anziehend in einer Gesellschaft, in der die Kultur der Angst immer noch allgegenwärtig ist. Im Privaten ist Daphne dagegen extrem zurückhaltend, freundlich, beinahe scheu, erzählen die, die sie gut kennen. Nichts da von dem "feurigen Drachen" ihrer journalistischen Texte! Sie will eigentlich nicht im Mittelpunkt stehen, kann aber auch stur sein. Sie verfügt über ein enzyklopädisches Wissen und ein phänomenales Gedächtnis. Und so was verunsichert, besonders an Frauen, auch unter Journalistenkollegen, und lässt sie bald übermächtig erscheinen.
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Kolumnenfoto beim "Malta Independent" |
Als die Verlagsleitung der "Times" einen ihrer Artikel ablehnt, wechselt sie 1992 zu einer neuen Tageszeitung, der "Malta Independent", wo sie zwei Jahre als Redakteurin bleiben wird. In besagtem Artikel ist es um die Begünstigung einer Ministertochter gegangen. Die klagt, und das Verfahren wird eines der ersten von rund siebzig Verleumdungsklagen, die gegen Daphne aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit im Laufe ihres Lebens angestrengt werden.
Unter ihren Kollegen in Malta finden sich Bewunderer, kritische Beobachter, Neider und Gegner, die sie als "Gossip-Journalistin" bezeichnen, weil sie auch über die Kleidung, die Kinder, das Benehmen der Menschen schreibt und ihre Geschichten in Happen veröffentlicht. Man sagt auch, sie stehe der Partit Nazzjonalista zu nahe. Bereits 1996 zündet jemand den Fußabstreifer vor ihrer Haustür an, als nächstes liegt einer ihrer Hunde mit durchgeschnittener Kehle vor dem Eingang.
"Wenn man Pianist ist, muss man Musik komponieren, wenn man Journalist ist, muss man schreiben, und genau das hat sie getan", so ihre Schwester Corinne. "Das heißt aber nicht, dass sie nichts anderes gemacht hätte, wie manche immer wieder behaupteten. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Sie hat es einfach geschafft, all das neben Familie, Haushalt und ihrem eigenen Magazin zu bewältigen."
Im Ausland, wo Daphne vor allem wegen ihrer investigativen Arbeit bekannt geworden ist, weiß man kaum etwas von ihrer anderen Seite, ihrem Sinn fürs Schöne & Schöngeistige, für ein entsprechendes Zuhause. In ihrer "Festung" beherbergt sie diverse Sammlungen an Kunst & Artefakten, die sie von Reisen mitgebracht hat. Als der Fachbereich Archäologie & Anthropologie an der Universität von Malta wieder eröffnet wird, schreibt sie sich für das bis dato vermisste Studium ein und geht dem nach, während ihre Söhne in der Schule sind. In den Sommerferien nimmt sie die Jungen zu Ausgrabungsarbeiten mit, fördert punische Keramiken zutage und legt Steinzeitsiedlungen frei. Der Vater besorgt die Bücher über Historisches aus der sagenhaften Geschichte des Mittelmeerraumes, und ihr Sohn wird später schreiben, dass seine Mutter so, wie sie die Spuren menschlicher Siedlungen auf den Höhenrücken über den fruchtbaren Tälern der Insel gefunden und lesen gelernt hat, sie das auch in Bezug auf die Korruption der maltesischen Politiker anwenden wird. 1997 schließt sie ihr Studium mit einem Bachelor of Arts (Hons) in Archäologie und dem Nebenfach Anthropologie ab.
Als sie die Verbindungen zwischen einem Drogenhändler und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte aufdeckt, wird das Tor zu ihrem Grundstück in Brand gesteckt und ihrem Hund die Kehle durchschnitten. Ihren Kindern erzählt sie, sie habe draußen eine Kerze angelassen und der Hund habe Schneckengift gefressen. Die Jungen müssen, wenn sie mit der Mutter unterwegs sind, anhören, wie sie aufs Schlimmste beschimpft oder mit dem Tod bedroht wird. Sie wird mit einer Hexe verglichen, mal mit grüner Haut, mal mit Hakennase und Besen dargestellt. Man beschimpft sie als Hure, Lesbe, Transvestitin. Daphnes Mutter Rose Vella, einmal wegen eines Schlaganfalls im Krankenhaus, bekommt vom Arzt zu hören, das käme nur wegen Daphne.
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| © Pippa Zammit Cutajar |
Oft wird sie gefragt, warum sie sich die Mühe macht, das zu tun, was sie tut – ob es das Opfer, den Hass, die Ausgrenzung, die Auswirkungen auf ihre Gesundheit und ihre Familie wert sei. Ihre Antwort ist immer dieselbe: Was solle ich denn sonst tun, die Tage mit Kartenspielen am Strand verbringen? "Denn in dem Malta, in dem meine Mutter aufgewachsen ist, wurde von Frauen erwartet, dass sie genau das zur Selbstverwirklichung taten", wird ihr Sohn Matthew später anführen.
Als sich Malta anschickt, in die EU einzutreten und sich Daphne in der Presse dafür einsetzt, wird die gesamte Parteimaschinerie der PL und der Gewerkschaften gegen sie aufgewendet und die junge Frau zur Hassfigur für Hunderttausende gemacht, die allerdings noch nie etwas von ihr gelesen haben. Ihr vermeintlicher Einfluss auf die Wähler wird so groß aufgeblasen, dass sie als Sündenbock für gescheiterte Politik und unzählige gescheiterte politische Karrieren herhalten kann.
"Doch vor der Aufnahme führten die Malteser am 8. März 2003 ein Referendum durch. Für einen Beitritt zur EU war die Nationalistische Partei, während die Sozialisten und Gewerkschaften Werbung dagegen machten. Die Wahlbeteiligung bei den 390.000 Maltesern lag bei 91 %, die Zustimmung bei 53,65 % und somit leicht über den Vorhersagen. " ( Wikipedia )
Daphne Caruana Galizia hat inzwischen eine so herausragende Stellung in Malta, dass es schwierig wird, keine Meinung zu ihr zu haben.
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| Ausgabe 2013 |
2004 gründet Daphne das Hochglanz-Lifestyle-Magazin "
Taste", welches später zu "
Taste & Flair" wird, das sich um all das dreht, was man so "
die guten Dinge des Lebens" nennt, also Kochrezepte, Inneneinrichtung, Gärten & Pflanzen. Es sichert ihren Lebensunterhalt und wird ihr später die unbezahlte Arbeit an ihrem Blog möglich machen.
Als sie, die anerkennt, dass Maltesisch eine semitische Sprache ist - es ist aus einem arabischen Dialekt entstanden, wird allerdings mit lateinischen Buchstaben geschrieben - sich dem unterschwelligen Rassismus im Land entgegen stellt, NGOs unterstützt, die sich um Flüchtlinge kümmern, und sie sich für die Rechte von Asylsuchenden einsetzt, wird im Jahr 2006 versucht, ihr Haus niederzubrennen. Unbekannte haben Lastwagenreifen an der Hauswand aufgestapelt in Brand gesetzt. Der jüngste Sohn Paul kommt wenig später vom Ausgehen nach Hause und die Familie kann das Feuer mit einem Gartenschlauch löschen. Niemand wird dafür zur Rechenschaft gezogen.
Im Jahr 2008, am Vorabend der Parlamentswahlen richtet Daphne Caruana Galizia mit Hilfe ihres ältesten Sohnes, bevor dieser die Insel für sein Studium verlässt, ihren berühmten Blog "Running Commentary" ein, um sich eine von den politischen Einflussnahmen unabhängige Plattform für ihre Enthüllungen zu schaffen: "Null Toleranz gegenüber Korruption" ist ihr erster Beitrag überschrieben. Sie will die Missstände, die Bestechlichkeit und die politischen Skandale in ihrer Heimat ohne die redaktionellen Einschränkungen oder die Zensur, der die traditionellen Medien durch politischen Einfluss ausgesetzt sind, direkt und öffentlich ansprechen. Es wird ihr wichtigstes Projekt:
In 3516 Tagen verfasst sie durchschnittlich sechs Posts pro Tag, darunter längere Abhandlungen, manchmal aber auch nur ein Foto, einen Kommentar, eine Bemerkung, auch zwischen Satire, Zynismus und Polemik schwankend. Der Blog ist durchaus schillernd, denn da gibt es auch schon mal Partyfotos von Politikern oder andere Angriffe auf andere, private Lebensbereiche, die eben nicht politisch sind.
Ihre Quellen, ihr "international network of spies", hat Daphne überall: Von Beamten bis zu einfachen Menschen reichen die, die ihr Informationen zukommen lassen, weil sie ihr mehr vertrauen als allen anderen. Wenn sie einmal ein Thema für wichtig befindet, dann lässt sie nicht locker. Keine Drohungen, keine Verleumdungsklagen, keine Friedensangebote bringen sie zum Schweigen. Sie ist eine exzellente und korrekte Journalistin, was die grossen Investigativgeschichten betrifft, obwohl ihr immer wieder vorgeworfen wird, sie habe wild gepostet, ohne Fakten zu überprüfen. "Daphne war kein einsamer Wolf. Sie hat viel allein gemacht, aber sie existierte nicht im luftleeren Raum", meint ein ehemaliger Kollege. Es gäbe etliche Geschichten, an denen sie parallel oder gemeinsam mit den Leuten des "Independent" oder anderen Journalisten gearbeitet habe.
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Mit ihrer Familie (ohne Jahr ) |
Ihr Blog wird zu den meistgelesenen Webseiten in Malta werden. 400.000 Leser hat sie am Tag, während Wahlkampfzeiten mehr als eine Million; die Zahl der Nutzer übersteigt die Leserschaft sämtlicher Tageszeitungen der Insel. Sie ist eine Kämpferin für ein sauberes politisches System, etabliert mit den Jahren aber auch eine eigene persönliche Machtposition. Sie kann ihre Anhänger mobilisieren und das Leben der Menschen, über die sie schreibt, sehr, sehr ungemütlich werden lassen.
Sie selbst wird jahrelang dämonisiert, entmenschlicht und einer Hexenjagd ausgesetzt, in anderen Medien "die Hexe von Bidnija" oder "die Königin der Galle" gescholten. Die PL klebt im Wahlkampf 2013 Plakate mit ihrem Gesicht und versucht, sie als Freundin der PN zu diffamieren.
Sie schlägt allerdings auch zurück, kann verletzend sein, wird wieder angegriffen - ein permanenter Schlagabtausch! Es gibt anonyme Seiten im Netz, die sich mit Daphnes Vergangenheit beschäftigen und Behauptungen über ihr Privatleben & ihre Familie verbreiten ( ihr Vater habe eine Zweitfamilie auf Sizilien z. B., oder ihre Nichte sei eigentlich ihre uneheliche Tochter ). "In Malta debattieren wir nicht, wir streiten. Wir argumentieren nicht, wir beleidigen", sagt Caroline Muscat, eine andere Investigativjournalistin. Man müsse sich nur die Kommentarspalten in Maltas Medien anschauen.
"Daphne hatte die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen, und aufzudecken, was falsch läuft." Das könne man nicht "hate speech" nennen, wenn es sich gegen diejenigen richte, die sich schuldig gemacht hätten, meint Caroline. Einmal muss Daphne einer Journalistin der PL-Medien 3000 Euro zahlen, nachdem sie sie "eine Bitch, eine Kuh und eine Prostituierte" genannt hat. 47 Verfahren hat sie zuletzt zu verdauen - Journalistenalltag in Malta. Fünf Klagen werden aus juristischen Gründen mit ihrem Tod enden. Am 08. März 2013 wird Daphne auch das erste Mal festgenommen. Die Anschuldigung lautet: Verletzung des politischen Burgfriedens. Sie wird außerdem strafrechtlich verfolgt wegen Steuerhinterziehung.
Nach ihrem Sieg bei den Parlamentswahlen 2013, versuchen die Schlüsselfiguren der PL um den Premierminister
Joseph Muscat Geldwäschestrukturen in Panama aufzubauen und einen großen Teil des maltesischen Stromversorgers an ein chinesisches Staatsunternehmen zu verkaufen, wofür nur eine Schein - Ausschreibung durchgeführt wird. Electrogas, so die Firma, ein Konsortium aus der staatlichen Ölgesellschaft Aserbaidschans und zwei Malteser Geschäftsleuten, gerät allerdings in Schwierigkeiten und Daphne verfolgt die Sache intensiver. Sie entdeckt schließlich 2015 bei der Arbeit an den Panama Papers die Existenz der Offshore - Firma namens Egrant der Premiersgattin Michelle Muscat, der eine Million Dollar von der Familie des aserbeidschanischen Diktators
Ilham Aliyev gut geschrieben worden ist. Abgewickelt worden ist das über eine Bank eines Iraners auf Malta, die
Pilatus Bank, was nach den Geldwäschebestimmungen des Landes allerdings verboten gewesen ist. Die Muscats bezeichnen Daphnes Hinweis als "
die größte Lüge in der Geschichte des Landes."
Aufgrund der Kritik der Opposition muss Muscat letztendlich vorgezogene Neuwahlen ansetzen, die am 3. Juni 2017 erfolgen und ihm eine zweite Amtszeit bescheren. Die Politiker entwickeln eine Strategie, von ihr im Blog veröffentlichte Fakten abzutun, indem sie sagen "In Daphne Caruanas Blog? Das ist eine Lüge." Die PL- Politiker werden damit sehr erfolgreich, gehen aber auch in die Falle und verstricken sich immer mehr in ihr Lügengespinst. Doch Rücktrittesforderungen sitzt man aus.
Die letzten Monate ihres Lebens werden für Daphne Caruana Galizia eine Achterbahnfahrt, eine stetige Eskalation der Feinseligkeiten:
Schon im Februar 2017 friert ein Gericht ihre Konten ein nach einer Klage des Wirtschaftsministers
Chris Cardona und eines seiner Berater wegen einer Geschichte um einen angeblichen Bordellbesuch in Deutschland, über den Daphne berichtet hat. Die Entscheidung über die Klage ist da noch nicht getroffen gewesen und es ist eine einmalige, außergewöhnliche Maßnahme im Land. Daphne tritt auch sehr kritisch gegenüber
Adrian Delia, dem Spitzenkandidaten der PN, auf. Sie beschuldigt ihn, 1,4 Millionen britische Pfund für das Londoner Porno-Bezahlnetzwerk CCBill über sein Konto bei der Bank Barclays International auf der Kanalinsel Jersey geleitet zu haben. Delia bestreitet das bis heute. Viele in der PN betrachteten ihre Enthüllungen & ihre Kritik an Delia als Verrat, und sie wird von PN-Anhängern beschimpft, von den Menschen, die bis dato ihre grössten Fans gewesen sind, als sie Schweinereien der Gegenpartei enthüllt hat. Die Reihe der Feinde wächst.
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| © Pippa Zammit Cutajar |
Am 27. Mai 2017 hat ihr mittlerer Sohn geheiratet. Und während sie Blumen dafür kauft, veröffentlicht die Zeitung, für die sie über die Bestechungsgelder bei Electrogas geschrieben hat, die große Story. Drei Wochen später wird der Wachhund der Familie vergiftet, der einzige Schutz, den ihr Haus zu diesem Zeitpunkt noch besitzt und der sich gerührt hätte, als die Bombe unterm Auto befestigt worden ist.
"Wenn man über hochrangige Verbrechen berichtet, an denen Machthaber und transnationale Geldströme beteiligt sind, und den Genannten nichts passiert, weiß man, dass man der Letzte ist, der den Rechtsstaat vor seinem Zusammenbruch bewahrt. Das war ein extrem gefährlicher Ort. Niemand muss einen anrufen und bedrohen, man weiß, wie gefährlich es ist", sagt ihre Schwester Corinne später vor Gericht. Die Schwester sei nie furchtlos gewesen, sie würde eher sagen, es war der Mut angesichts der Angst, so Corinne.
Daphne verlässt nur noch selten das Haus. In ihren vier Wänden durchsucht sie Dokumente, überprüft Informationen, schreibt ihren Blog. "Überall, wo man hinsieht, gibt es Gauner. Die Lage ist verzweifelt." So endet ihr letzter Blogbeitrag. Ihr ältester Sohn lebt zu diesem Zeitpunkt im Elternhaus .
"Meine Mutter hat mir etwas zu Mittag gemacht. Sie sah, dass ich nichts gegessen hatte. Sie telefonierte kurz und verließ das Haus“, sagt Matthew Caruana Galizia vor Gericht aus. "Sie kam zurück. Sie hatte das Scheckbuch meines Vaters vergessen – ihr Konto war zu der Zeit gesperrt, und er unterschrieb Schecks, die sie benutzen konnte. Dann ging sie endgültig.“
Er geht wieder an seine Arbeit als Softwareprogrammierer, während im Hintergrund Musik läuft. "Kurz nachdem sie das Haus verlassen hatte, hörte ich eine extrem laute Explosion." Er rennt sofort nach draußen auf den Zufahrtsweg in Richtung Hauptstraße, beschleunigt seine Schritte und sieht dann die hohe Rauchsäule. Der Wagen, das erkennt er sofort, den er am Abend zuvor noch vor ihrem Haus geparkt hat, ist explodiert.
"Ich schaute durch das Feuer und sah einen schwarzen Schatten im Auto. Ich dachte: 'Das ist meine Mutter.' Ich sah mich um, ob ich etwas finden konnte, mit dem ich die Tür öffnen konnte. Dann sah ich ein Bein auf dem Boden. Ich dachte: Umsonst. Alles ist vorbei."
Es ist der 16. Oktober 2017, 14.58 Uhr. Für Matthew und seine Familie wird das Leben nie wieder normal sein. "Die Mörder haben unser Leben zerstört, und wir müssen es wieder zusammensetzen, auch wenn ein sehr wichtiger Teil immer fehlen wird", sagt er später vor Gericht.
Eine Schockwelle geht durch den kleinen Staat im Mittelmeer, ja, durch ganz Europa. Lange hat auf Malta der 15. Oktober als Fanal für die Pressefreiheit gegolten, an dem Tag ist 1979 nämlich das Gebäude der "Times of Malta" niedergebrannt worden & die Zeitung ist dennoch am nächsten Tag erschienen. Ab da wird der 16. Oktober der Tag der Pressefreiheit sein.
Andere wiederum feiern den brutalen Mord, posten auf Facebook, Daphne Caruana Galizia habe bekommen, was sie verdient habe. Joseph Muscat, der Premierminister, den sie so konsequent attackiert hat, tritt anderthalb Stunden nach der Nachricht vor die Presse und schwört, nicht zu ruhen, bis der Mord aufgeklärt sei. Nicht alle nehmen ihm die Bestürzung ab.
"Der schlimmste Vorwurf, der von verschiedenen Politikern und Propagandisten der regierenden Partei immer wieder erhoben wurde, war, dass ich meine eigene Mutter ermordet hätte, um die Schuld dem damaligen Premierminister Joseph Muscat in die Schuhe zu schieben", erzählt Matthew sieben Jahre nach dem Mord an seiner Mutter.
Bei der Beerdigung der Journalistin in Mosta am 3. November 2017, zweieinhalb Wochen später, säumen Hunderte Menschen die Strasse, an einer Demonstration in Valletta nehmen Tausende Bürger teil. Am Fuß des Denkmals der "
Großen Belagerung" ( "
Great Siege Monument" ) in Valletta, direkt gegenüber dem maltesischen Gerichtshof, legen Menschen Fotos, Blumen und Kerzen ab. Immer wieder neu, und jeden Monat wird es eine Gedenkveranstaltung geben, organisiert von "
Occupy Justice Malta". Die Regierung wird mit allen Tricks versuchen, den Erinnerungsort zu entfernen. Aber 2020 wird ein Gericht entschieden: Die Kerzen und die Bilder dürfen bleiben!
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| © occupy justice malta |
Mithilfe des FBI und niederländischer Forensiker finden die maltesische Ermittler heraus, dass an Daphnes Auto ein ausgeklügelter Sprengsatz angebracht und ferngesteuert gezündet worden ist. Im Dezember kann man bereits die Brüder Alfred & George Degiorgio sowie Vincent Muscat bei einer spektakulären Razzia im Hafen von Valletta festnehmen, wo sie ein Versteck eingerichtet haben. Das ist gelungen, obwohl sie von einem Polizisten gewarnt worden sind. Die Brüder haben einen denkbar schlechten Ruf, "
rücksichtslose Berufskriminelle" heißt es. ( Wer den genauen Ablauf der Ermordung nachlesen will, sei
auf diesen Artikel verwiesen. )
Die EU schickt ebenfalls im Dezember eine Delegation des
LIBE-Ausschusses des Europäischen Parlaments auf die Insel. Der Bericht, den sie nach Gesprächen mit Politikern, Journalisten und Mitgliedern der Zivilgesellschaft verfassen, ist erschütternd. Es gäbe systematische Probleme in Maltas Justizsystem, weil es keine saubere Gewaltentrennung gibt, so der Tenor.
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Erinnerungsmarsch am 1. Jahrestag ©Miguela Xuereb |
Nach dem Mord kündigt Matthew Caruana Galizia seinen Job in Paris & beendet seine Karriere im Ausland, um in Malta das Daphne-Projekt ins Leben zu rufen. Mit einer größeren Gruppe von Investigativjournalisten, darunter welche der "New York Times", "Le Monde", "Guardian" und Reuters, treibt er die Ermittlungen gegen Electrogas fort, um herauszufinden, wer hinter dem Mord an seiner Mutter steckt.
Ihre Recherchen bringen Beweise ans Licht, die darauf hindeuteten, dass
Yorgen Fenech, ein maltesischer Unternehmer, im Mittelpunkt der Korruption & Geldwäsche steht, als es um die Erteilung einer Konzession für ein Kraftwerk der Electrogas auf der Insel gegangen ist.
Am 20. November 2019 wird Fenech auf seiner Yacht vor der Küste Maltas festgenommen, nachdem der als Kronzeuge eingestufte Taxifahrer Melvin Theuma, im November 2020 verhaftet, erklärt hat, er habe von Fenech 150.000 € erhalten, um sie an drei des Mordes an Daphne Caruana Galizia verdächtigen Mafia-Ganoven weiterzuleiten, die in Untersuchungshaft sitzen. Jetzt erst, am 1. Juli 2026, ist in Valletta der Prozess gegen Yorgen Fenech aufgenommen worden! Er ist der Beihilfe zum Mord angeklagt (
hier ein aktueller Artikel aus Malta dazu ).
Die Auftragsmörder Alfred & George Degiorgio sind hingegen bereits fast auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Mord vor Gericht gestellt und auf der Grundlage eines Vergleichs, um "
lebenslänglich" zu verhindern, zu Haftstrafen von je 40 Jahren verurteilt worden. Im Prozess beschuldigen die beiden Männer den ehemaligen Wirtschaftsminister Chris Cardona und
Keith Schembri, damals Stabschef des Premierministers & Maltas mächtigster nicht gewählter Regierungsbeamter, als "
in den Mord verwickelt". Der Dritte im Bunde der Mörder, Vincent Muscat, ist da schon im Februar 2021 ohne Gerichtsprozess zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt gewesen.
Der maltesische Premierminister Joseph Muscat ist auf den andauernden Druck hin im Januar 2020 bereits zurückgetreten. Den Rücktritt hat er genau an dem Tag angekündigt, als die Anklage gegen den Geschäftsmann Yorgen Fenech erhoben worden ist. "
Dann hat Daphne doch nicht gelogen" - das dämmert den Menschen auf Malta. Der Neue -
Robert Abela - ist allerdings ein Mann des kaputten Systems...
Zum dritten Todestag von Daphne Caruana Galizia ruft das Europäische Parlament den Daphne-Caruana-Galizia-Preis für Journalismus ins Leben. Seit ihrem Tod sind viele Dokumentarfilme & Werke über ihr Leben erschienen, darunter: "
Di' la verità anche se la tua voce trema", eine Sammlung von Daphnes Schriften, dessen deutsche Ausgabe mir Andrea,
die Zitronenfalterin, geschenkt und die damit den Impuls für meinen heutigen Blogbeitrag gesetzt hat. Ich danke dir dafür.
In diesen Tagen möchte ich an weitere Frauen erinnern,
über die gepostet habe, weil sie einen besonderen Gedenktag haben: