Montag, 8. März 2021

Weltfrauentag



Eigentlich feiere ich jeden Donnerstag einen Frauentag, wenn es mir mal wieder gelungen ist, eine Frau dem Vergessen zu entreißen oder sie aus dem Schatten der allgegenwärtigen Männerscharen treten zu lassen. 

Wenn ich es recht betrachte, feiere ich in jeder Stunde, die ich Zeit habe um zu entdecken, zu recherchieren, zu lesen und zu schreiben über all die tollen Frauen. Ich bin immer wieder begeistert davon, was Frauen schaffen - in jeder Bedeutung des Wortes, ohne dass ihnen die Beachtung, Anerkennung, Bezahlung zukommt, die sie verdienen. 251 Frauen habe ich, seit ich mich vor sechseinhalb Jahren auch in meinem Blog mit ihnen beschäftige, inzwischen porträtiert ( an Nr. 252 und 253 sitze ich gerade ) - und ich lege sie euch ans Herz, so wie sie mir ans Herz gewachsen sind, und mir immer wieder bestätigt haben, das wir die Hälfte des Himmels  sind.




All diesen Frauen, wie auch euch, liebe Leser*innen, schenke ich heute eine Rose und hoffentlich auch ein bisschen Lesevergnügen. Hier ist die ( leider nicht ganz vollständige ) Übersicht über meine Porträts.




Samstag, 6. März 2021

Meine 9. Kalenderwoche 2021

"Geduld bedeutet im Kern,
die Gegenwart gegen die Zukunft abzuwägen 
und einem spontanen Bedürfnis zu widerstehen." 
Matthias Sutter, Volkswirt

"Es ist, als könnte Corona die Tage dehnen 
und parallel schrumpfen lassen."
Jonah Lemm,  Jungredakteur

"Ich versuche, eine Bedürfnislosigkeit in mir auszulösen. 
Das ist so eine Art Autosuggestion, 
weil ich das Gefühl nicht mag, im Defizit zu leben. 
Manchmal platzt die Illusion."
.....
"Ich habe ein Grundvertrauen, dass Menschen,
 die mir nahe sind, mir nahe bleiben.
 Ich habe aber Angst, 
meine Lust auf Menschen zu verlieren, 
mein eigenes Menschsein.
Jagoda Marinić, Autorin


Zu Beginn der ersten Maßnahmen zwecks Eindämmung der Pandemie begannen viele Leute Steine zu bemalen und sie draußen zu Schlangen zu legen. Die Tochterfamilie schenkte mir einen solchen bei ihrem Freiluftbesuch an Pfingsten mit dem beziehungsreichen Begriff "Hope". Inzwischen ist die Farbe teilweise abgewaschen, aber er bzw. die Hoffnung wird ja immer noch gebraucht. Eine solche symbolisiert auch der Beginn der Magnolienblüte, diesmal zwölf Tage später als im Jahr zuvor. Am vergangenen Sonntag konnten die ersten Knospenhüllen in Richtung Westen der Sonne nicht mehr widerstehen.









Welch ein sonniger erster Märztag! Und die Nachbarin, die Friseurin war wieder da! Als fünfzehnte Kundin bekam meine Frisur wieder Façon.



Am Dienstag hatten sich bei milden Temperaturen ( 17° C ) die Knospen noch weiter geöffnet, und es war möglich, draußen auf der Terrasse mit einer netten jungen Besucherin auf Abstand und mit Maske zu schwatzen, die zwei Beutel mit Frauenbiografien ( siehe mein Jahresprojekt ) für sich als Lektüre abgeholt hat.

Anschließend habe ich mit dem Herrn K. einen kleinen Spaziergang zum Bücherschrank im Bürgerzentrum unternommen, um die restlichen Bücher einzustellen: Fast alle meine Bücher aus den Vorwochen waren weg! Unglaublich!




Nachdem die Sonne sich in der Mitte der Woche versteckt hatte  und sich die Temperaturen wieder im einstelligen Bereich bewegten, habe ich mir die Küchenunterschränke vorgeknöpft, sauber gemacht, neu sortiert und die Vorräte überprüft. Das hatte ich eigentlich schon nach der Weihnachtsbäckerei vor...



Am Freitag dann wieder blauester Himmel, und die Kirschpflaumen blühen nun auch wieder.


Auf meinen Umwegen zum Gemüsestand begegneten sie mir auch an anderer Stelle als der kleinen Kirche.


Wie allerorten in Bloggershausen in der vergangenen Wochen gab es auch bei mir Gelbes, denn das soll ja auch Energie vermitteln.



Nachdem ich von vielen gehört bzw. gelesen habe, dass in diesem Vorfrühling die Elfenkrokusse so üppig blühen, wollte ich mich vergewissern, ob das in unserem Tälchen auch der Fall ist. Das Ergebnis war enttäuschend.


Aber so haben wir uns - wie so viele andere - ein wenig die Beine vertreten an diesem sonnigen, frischen Freitag.


Erkenntnis der Woche: dass das wirksamste Mittel gegen Dinge, die man nicht ändern kann, ist, sich einer anderen Sache zuzuwenden, zum Beispiel dem Singen, wie es meine Great-Women dieser Woche in ihren Kindertagen für sich entdeckt hat. Das berühmte Marshmallow - Experiment hat das übrigens auch bestätigt. Man kann also die Zeit, in der man etwas zu verpassen glaubt, für sich selbst zurückgewinnen.

Lektüre der Woche: Bin zu keiner gekommen, war etwas stressig hier, nur ein tolles Buch über die nächste Great Women, das ich antiquarisch erstehen konnte ( es geht nichts über Berliner Antiquare! ).

Musikalische Entdeckung der Woche: Klar, die Mugge der 1970er &1980er Jahre der DDR! Rauf und runtergehört: Uschi Brüning, Manfred Krug, Klaus Lenz Band, Günther Fischer Quintett und Luten Petrowsky.

Rezept der Woche: nichts Neues, nur Kitchi - Standards

Ärgernis der Woche: Lange anders versprochen, jetzt verkündete der NRW - Gesundheitsminister, dass die 70-79jährigen erst im Mai zur Impfung zugelassen werden. Ich will jetzt nicht beschreiben, was die zwei weiteren Monate in fast vollständiger Isolation bedeuten und die zurückliegenden zwölf mit einem gemacht haben, denn das zieht nur wieder die anonymen Hyänen an, die sich dann gern mit der ihnen eigenen Einfühlung über einen hermachen.

Wochenfreude: die Skype-Sitzungen mit den beiden jüngsten Enkelinnen!

Und zum Schluss noch das Kalenderbild für den März, das Mascha für mich gestaltet hat:









Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot und dem Vorfrühlingsglück bei Wolfgang & Loretta

Freitag, 5. März 2021

Neues zu Raif Badawi & andere Geschichten

3204 Tage ist Raif Badawi heute in Saudi-Arabien im Gefängnis. Vor über einer Woche twitterte seine Ehefrau, dass er und sein ebenfalls inhaftierter Anwalt Waleed Abulkhair "von diskriminierenden Maßnahmen der Gefängnisbehörden angegriffen (werden.)" So erhielten sie nicht die ihnen verschriebenen notwendigen Rezepte.

Zu Wochenbeginn erreichte mich dann eine Nachricht des Verteidigungskomitees #freeraif, die besagt, dass sowohl gegen den Inhaftierten wie seine Frau Ensaf Haidar in Saudi-Arabien wegen "Beeinflussung der öffentlichen Meinung" und "Schädigung des Ansehens des Königreichs" erneut ermittelt wird.

"Nachdem die neue US-Administration einen Bericht veröffentlich hat, der den saudischen Kronprinzen Mohamed Bin Salman direkt mit der brutalen Ermordung und Zerstückelung des Journalisten Jamal Khashogghi in Verbindung bringt, erhöhen die saudischen Behörden den Druck auf politische Gefangene", kommentiert die Friedrich-Naumann-Stiftung diesen Sachverhalt an dieser Stelle.

Irwin Cotler, der ehemalige Justizminister und Generalstaatsanwalt Kanadas, äußerte sich zur neuesten Entwicklung folgendermaßen:

"Die ungerechtfertigte Inhaftierung von Raif Badawi ist ein permanenter Verstoß gegen internationales Recht und Saudi-Arabiens eigene Rechtsnormen. Es ist Raifs ungerechte Inhaftierung und diese neue Untersuchung selbst, die die öffentliche Meinung aufstachelt und das Ansehen des Königreichs schädigt, nicht seine friedliche Meinungsäußerung." 

Screenshot

Zur gleichen Zeit erschien in meiner Timeline die Nachricht, dass die Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" (RoG) eine über 300 Seiten umfassende Anzeige dem Generalbundesanwalt in Karlsruhe übergeben hat. 

Ein Jahr lang hat ein Team recherchiert, mit Betroffenen gesprochen, Experten befragt, Hinweise gesammelt und damit nun den Vorwurf, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und mehrere hohe Regierungsvertreter Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach dem Völkerstrafrecht begangen haben, belegt. Der grausame Mord an dem Journalisten Jamal Kashoggi im saudischen Generalkonsulat in Istanbul im Herbst 2018 ist da nur der herausragendste Fall. Es geht um die systematische Verfolgung von 35 Journalisten durch die saudische Regierung, darunter auch Raif.   

Vor knapp 20 Jahren wurde das Völkerstrafgesetzbuch in Deutschland verabschiedet. Gleich in Artikel 1 ist das sogenannte Weltrechtsprinzip verankert, welches deutschen Staatsanwälten und Gerichten erlaubt, Verbrechen auch dann zu verfolgen, wenn die Tat nicht in Deutschland begangen wurde und weder Täter noch Opfer Deutsche sind.

Grundsätzlich wären Ermittlungen und Strafverfolgung in unserem Land also möglich. Ein noch besserer Ort wäre der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Doch Saudi-Arabien hat das Rom-Statut 1998 nicht unterzeichnet und sich damit dem Weltgericht nicht untergeordnet.

Die Schwelle zum Völkerstrafrecht hier bei uns in der Bundesrepublik ist erst überschritten, wenn "systematische und ausgedehnte" Angriffe auf ganze Gruppen von Menschen nachgewiesen werden. Die RoG berufen sich deshalb auf die Verfolgung sämtlicher Medienschaffender durch das saudische Regime. Wer hier regelmäßig die Freitagsposts bei mir verfolgt, hat schon eine große Zahl davon kennengelernt.

Allerdings gibt es auch eine politische Dimension, so Wolfgang Kaleck, Jurist der Berliner Nichtregierungsorganisation ECCHR (European Centre for Constitutional and Human Rights): 

"Es gelten unterschiedliche Maßstäbe, wenn es gegen mächtige Menschenrechtsverletzer geht. Und natürlich ist Saudi-Arabien einer der wirtschaftlich mächtigsten Staaten der Erde. Alles, was mit dem saudischen Königshof zusammenhängt, wird mit Samthandschuhen angefasst."

Man darf spekulieren, dass sich die veränderte Haltung der neuen US-Administration  auch auf die Bundesanwaltschaft auswirken könnte. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch in puncto Umgang mit Saudi-Arabien... Die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wäre schon ein starkes Signal.

Und dann ist da noch die EU: Die hat sich jüngst ein Sanktionsregime gegeben, mit dem Einzelpersonen für Menschenrechtsverletzungen bestraft werden können. Danach können Vermögenswerte eingefroren werden, auch Einreisesperren in die EU sind vorgesehen.

Juristischer Ärger steht Kronprinzen übrigens auch in den USA bevor: Saad al-Jabri, ehemaliger Staatsminister im Innenministerium und Geheimdienstchef des Königreichs, wirft ihm vor, dieser habe nur zwei Wochen nach dem Mord an Khashoggi ein Team von Killern nach Kanada geschickt, um ihn ebenfalls zu töten. Seine 200- Seiten- Klageschrift hat er eingereicht beim Bezirksgericht der Hauptstadt Washington. Seine Anwälte beschreiben darin, wie Verbündete des Kronprinzen al-Jabris Familie im Exil ausgespäht und wachsame kanadische Grenzer die Killer an der Einreise gehindert haben. Sie sollen zwei Taschen dabeigehabt haben mit forensischen Instrumenten, wie sie auch in Istanbul benutzt worden sind.