Montag, 21. Juni 2021

Paperbag - Shorts mal wieder

Für das ehemals kleine M sind inzwischen kurze Hosen das Nonplusultra im Sommer. Und die sommerlichste aller kurzen Hosen ist die mit der Paperbag-Taille, dem markanten, hochsitzenden Bund, der durch einen Gürtel zusammengebunden wird und so an eine geknautschte Papiertüte erinnert. Diese lässige und lockere Passform ist einfach angenehm zu tragen und sieht dazu noch hübsch aus:



Ein Schnittmuster dafür hatte ich hier gefunden und bereits hier schon ein Exemplar gezeigt. Aus Baumwollpopeline mit Streublümchen, marinegrundig, entdeckt bei Farbenmix ( selbstverständlich selbst gekauft & bezahlt, gewaschen & gebügelt ) habe ich vor der großen Hitzeperiode noch welche genäht:

Eine hübsche Ergänzung finde ich dazu das Blüschen aus besticktem Baumwollbatist aus meinem Fundus nach einem nicht mehr erhältlichen Schnittmuster von Stoff & Stil, auch schon mehrmals in anderen Posts gezeigt.




Verlinkt mit dem Creativsalat

Samstag, 19. Juni 2021

Meine 24. Kalenderwoche 2021

 "Die soziale Spaltung, die sie zu bedauern behaupten, 
ist ihre tiefste politische Sehnsucht."
Carolin Emcke

"An allen Ecken und Enden wird versucht, 
die Gewichtung der politischen Ereignisse zu verschieben. 
Bis die Gesellschaft die Statik eines Kartenhauses hat."
Harry Bergmann

"Eine aufgedrehte konservative Medienöffentlichkeit 
arbeitet zurzeit daran, 
die Maßstäbe... zu verrücken. 
Verbreitet Hans-Georg Maaßen antisemitische Verschwörungstheorien 
oder relativieren im Gegenteil die Grünen den Holocaust? 
Es verschwimmt in den Augen der Zuschauer. 
Und das ist wohl auch das Ziel. "
Judith Liere

"Internetausfall - Update: 9. Juli"
......
"#GreatReset ist ein Buch, das man kaufen kann. 
Deshalb kann das kein Verschwörungsmythos sein."
.....
"Wann ist offen zur Schau gestellte Dummheit so trendy geworden?"
Netzfunde




Bei "12 von 12" am vergangenen Samstag hatte ich ja Zweifel, ob wir auf der Terrasse den Nachmittagskaffee trinken können wegen ein paar Regentröpfchen. Hat dann doch noch hingehauen.
Das Licht um diese Jahreszeit, so kurz vorm richtig tintigen Nachtblau, fasziniert mich immer wieder und erinnert mich auch jedes Mal an die Abendstimmungen im einsamen Haus in  der Provence damals.


Aber auch morgens früh um halb sieben ist es besonders, auch im Garten ( wenn ich es denn schaffe, aufzustehen ).





Leider gelingt es mir nicht, bei strahlendem Sonnenschein, meinen blühenden "Rasen" fotografisch befriedigend einzufangen:



Was da so emsig blüht, ist die Hängepolster-Glockenblume Campanula poscharskyana, der wir vor Jahren, während wir noch überlegt haben, was an Stelle unseres Schattenrasens treten soll, einfach überlassen hatten, unseren Garten zu erobern. Jetzt freue ich mich jeden Frühsommer über den Anblick.


Die meisten Abende in der Woche forderten geradezu heraus, draußen auf der Terrasse zu sitzen und dabei in Erinnerungen zu schwelgen im wahrsten Sinne des Wortes: Den Nudelsalat habe ich schon als Studentin für Ausflüge zum Schwimmen im Basaltsee zubereitet.




Ein bisschen Urlaubsstimmung kam ins Haus, als mir Karin ein Foto meiner Kindheitslandschaft aufs Handy und Birgitt eine Karte von der Ostsee schickten. Dankeschön, hat mir gut getan!




Und Sunni ließ mich an ihrem Ausstellungsbesuch im fernen Apolda teilnehmen und schickte mir Büchlein und Programm. Auch bei dir möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bedanken.





Die letzten Nächte dieser Woche waren dann wieder echte Tropennächte ( 22°C in der Nacht auf Freitag, auf heute knapp 21°C ), grausam für jemand, der zum Team "Winter" gehört. Zum Zudecken herausgeholt habe ich mir wieder den Granfoulard, der schon in der Provence ( es ist und bleibt meine Sehnsuchtslandschaft im Sommer ) in den 1980er/90er Jahren treue Dienste geleistet hat. Sich im Garten aufzuhalten bei tagsüber 35-33 °C ist inzwischen gar nicht mehr mein Ding. Wie habe ich das früher nur ausgehalten? Es fehlt halt ein Schwimmbecken.


Dass Sinn entnehmendes Lesen und Verstehen der deutschen Sprache manchen Menschen doch recht schwer fällt, begegnet mir häufig, seit ich mich in verschiedenen sozialen Netzwerken bewege. Ich mag nicht immer die Deutschlehrerin herauskehren, das wird ja von vielen als arrogant empfunden und Fachkompetenz als autoritär & anmaßend sowieso. Deshalb schreibe ich im Blog eher nichts dazu bzw. zeige keine entsprechenden Netzfunde. 

Jetzt muss es mal sein: Euch, liebe Leserinnen, fordere ich mal auf, sich dieses Zitat genau zu Gemüte zu führen:
"Die radikale Wissenschaftsfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt werden bleiben. Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen oder die Virologen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscher."  ( Carolin Emcke in einem Redebeitrag am 11.6. auf dem Parteitag der Grünen )
In ein und demselben Satz kommen u.a. die Begriffe Juden und Klimaforscher vor. Es wird aufgezählt aus der Erfahrung heraus, welche Gruppen schon über die Jahre verunglimpft worden sind, und es wird eine Vorausschau gegeben - deshalb wird im Futur gesprochen und daher das Wort "vermutlich" verwendet -  wer als nächste geächtete Gruppe dran sein könnte. Ein Vergleich setzt das Wörtchen "wie" voraus. Parallelisiert werden hingegen die Methoden der Hetze gegen verschiedene Gruppen.

Das Revolverblatt dieses Landes ( und die "feinere" Variante im Verlag zieht mit und schreibt das Zitat in einem Kommentar gleich noch passend für die eigene Absicht um ), macht am Samstag dann daraus eine Schlagzeile und  den Terminus "geschichtsvergessene Entgleisung", konstruiert eine Gleichsetzung von "verfolgten Juden" & Klimaforschern, die so gar nicht ausgesprochen worden ist. Seriöse Medien sind was anderes als die beiden Organe des Springer - Verlages! Bei Menschen, die täglich mit Sprache umgehen, setze ich voraus, dass sie verstehen, was sie da lesen. Bleibt letztendlich das Gefühl von Böswilligkeit und Absicht zurück.
Der Generalsekretär der Partei mit dem großen C ( "unglaubliche+geschichtsvergessene Entgleisung" ) und unsere reizende Weinkönigin greifen es dann auch noch auf und stimmen lauthals twitternd in den Desinformations - Chor mit ein. Das kann nur ein ganz, ganz hässlicher Wahlkampf werden, wenn weiter solche Kampagnen gefahren werden. 

Carolin Emcke hat all das ja in ihrer Rede prophezeit... 

Dass der Herr Z. am Dienstag getwittert hat, er habe mit Carolin Emcke telefoniert und sie sei keine Antisemitin, macht die Sache nicht besser. In die Welt hinaustrompetet ist ja das Gegenteil. Wer nimmt schon so eine Art Rückruf wahr? Eine altbewährte Strategie der Manipulation von Meinungen...

Dass auch bei uns vor der Wahl eine Schlammschlacht nach US-Vorbild anlaufen könnte, darauf weist unter anderem die ( im übrigen ebenfalls sehr mehrdeutige, perfide ) Anzeigenkampagne einer finanziell potenten Lobbyorgansation in der letzten Woche hin. Richtig gut in einen größeren Zusammenhang gestellt hat das Christian Stöcker im "Spiegel". Leseempfehlung!

die sich jetzt an den Kaffeetisch in Berlin zu Andrea und den anderen Teilnehmerinnen des Samstagplausches setzt, denn dort ist frau näher dran, wenn heute Georg H. aus Karlsruhe und seine zwei bis drei Millionen Getreuen die Bundesregierung zum Rücktritt bringen.
Nachdem ich aber um 11.42h die Nachricht bekommen habe, dass alles abgeblasen worden ist, kann ich mich endlich zu Wolfgang & Loretta in ihrer Gartenwonne aufmachen. Die Revolution kommt jetzt am 1. August.

Freitag, 18. Juni 2021

Raif Badawi, aber auch Mustafa al-Darwish †

Sieben Wochen sind es her, dass sich hier in meinem Blog ein Post um den saudisch- arabischen Blogger gedreht hat.

Inzwischen hat seine Ehefrau Ensaf Haidar einen Roman veröffentlicht, inzwischen dürfen Frauen in Saudi - Arabien ohne männlichen Vormund auf die Haddsch, also die Pilgerfahrt nach Mekka, gehen und der Kronprinz arbeitet damit weiter an einem weniger frauenfeindlichen Image seines Landes. Aber Raif Badawi, der u.a. solche Veränderungen in seinem Blog gewünscht und formuliert hat, sitzt seit dem 17. Juni 2012 deshalb im Gefängnis, immer noch, seit nunmehr neun Jahren.

Offiziell soll die Haft am 28. Februar 2022 enden. Angesichts seines Zustands - laut seiner Ehefrau befindet er sich in großer seelischer Not -wie auch der familiären Situation hofft sie immer noch auf vorzeitige Haftentlassung. Ist es doch so, dass Veränderungen in Saudi - Arabien vorgenommen werden, die Raif auf seiner Agenda stehen hatte.

"All das wollte auch Raif für unser Land", so Haidar. "Was mich aber zusätzlich beunruhigt, ist der Umstand, dass es ihm auch nach zehn Jahren Gefängnis noch verboten sein wird, das Land zu verlassen."

Es ist allerdings so, dass das Gericht auch ein mehrjähriges Ausreiseverbot für die Zeit nach Raif's Freilassung verhängt hat. Bereits im Frühjahr hatte es in Kanada eine Initiative im Parlament gegeben, dem Blogger die kanadische Staatsbürgerschaft zu verleihen und ihm damit aus der Haft zu helfen. Der Antrag blieb ohne konkrete Ergebnisse: Anfang des Monats startete die Senatorin Julie Miville-Dechêne eine neue Petition, die sich an Kanadas Minister für Immigration, Flüchtlinge und Staatsbürgerschaft, Marco Mendicino wendet. Nach internationalem Recht könnte Kanada auf Zugang zum Inhaftierten bestehen, wenn er Staatsbürger des Landes wäre.

Hierzulande bleibt es bei Mahnwachen, so gestern in Berlin zum Jahrestag der Inhaftierung, organisiert von "Reporter ohne Grenzen".


Wie unerbittlich das saudische Regime nach wie vor ist, hat sich wieder einmal zwei Tage zuvor gezeigt: 

Mustafa al-Darwish

An Dienstag wurde der 26 Jahre alte Mustafa al-Darwish in Dammam, einer Stadt in der ölreichen Ostprovinz, hingerichtet. Das Gericht hatte ihn des "Aufruhrs" für schuldig befunden. Die Anschuldigungen gegen ihn gründeten auf dem Umstand, dass al-Darwish in den Jahren 2011 und 2012 - der Zeit des so genannten "Arabischen Frühlings" - an zehn regierungskritischen Protesten teilgenommen hatte. Da war er sechzehn, siebzehn Jahre alt, also minderjährig. Er wurde im Jahr 2015 verhaftet und in Einzelhaft gesteckt. Seine Familie sagte, er habe während der brutalen Verhöre mehrmals das Bewusstsein verloren. Der ganze Prozess beruhte auf einem Geständnis, das durch Folter erzwungen worden war. Mustafa al-Darwisch widerrief seine "Verbrechen" im Prozess und machte auf die Folterungen aufmerksam. Laut Reuters enthielten Gerichtsdokumente jedoch keine Angaben zu den Daten seiner Straftaten. Nach seiner Verurteilung hat er sechs Jahre im Todestrakt verbracht, bevor er am Dienstag hingerichtet wurde.

Appelle von arabischen und internationalen Menschenrechtlern, den jungen Mann zu verschonen, blieben vergeblich. Der König gewährte keinen Gnadenakt..

Seine Familie erfuhr erst durch einen Bericht in einer Online-Zeitung von der Hinrichtung. 

Wie ernst ist es einem Land damit, dass seit fünf Jahren wiederholt verspricht niemanden für Straftaten hinzurichten, die er als Kind begangen hat? Wie ernst ist es mit der Justizreform im vergangenen Jahr, als angekündigt wurde, u.a. die Todesstrafe für Minderjährige abzuschaffen? Laut königlichem Dekret sollte das neue Gesetz auch rückwirkend auf diejenigen angewendet werden, die bereits zum Tode verurteilt worden waren.

Noch im Februar dieses Jahres teilten die Behörden in Riad dem UN-Menschenrechtsrat mit, dass "jeder, der als Kind ein todeswürdiges Verbrechen begeht", nur mit "einer Höchststrafe von zehn Jahren in einer Jugendstrafanstalt" zu rechnen hat.

Laut "Reprieve" hat Saudi-Arabien in der ersten Hälfte des Jahres 2021 die gleiche Anzahl von Menschen hingerichtet wie im gesamten Jahr 2020. 

Ich finde, diese Hinrichtung bringt das wahre Gesicht des Regimes ans Licht und ist nicht im ewigen Gesäusel von Mohammed Bin Salman und in seinen Reformversprechen zu suchen!