Donnerstag, 19. März 2026

Great Women #450: Annedore Leber

Bekannt war die heutige Frau einstens, weil sie in der unmittelbaren Nachkriegszeit, was einer Tabuverletzung gleichkam, über den Widerstand gegen Nazideutschland geschrieben hat. In den ihr noch verbliebenen 23 Jahren nach der Ermordung ihres Mannes trug sie Trauerschwarz und lebt das politisch-publizistische Vermächtnis ihres Mannes fort. Doch bald ist die Erinnerung an die sozial engagierte, zupackende, politisch aktive Frau - wie es vielen bedeutenden Frauen immer wieder passiert - verblasst: Die Rede ist heute von Annedore Leber, und es wird mir hoffentlich gelingen darzustellen, dass sie viel mehr war als die Frau von.

"Warum kommt man gerade zu mir? 
Es kann doch wohl nur so sein, 
dass man spürt, dass mein Leben von einer Idee erfüllt ist 
und von ihr getragen wird, 
also, will man doch wohl von mir das, 
was man Mut und Kraft nennt."

Am 18. März 1904, also gestern vor 122 Jahren, wird Annedore Weber als Annedore Rosenthal in der Pariser Straße 14a in Wilmersdorf in ein typisch wilhelminisches, gut bildungsbürgerliches Elternhaus hineingeboren. Sie ist das zweite Kind ihrer Eltern, Emilie Auguste Franziska Bauch und Dr. Georg Rosenthal, die seit vier Jahren miteinander verheiratet sind. Bruder Helmut ist schon vorher zur Welt gekommen.  Aber über ihn gibt es keinerlei Informationen. Annedore verbringt  mit ihrer Familie die ersten zehn Lebensjahre in Berlin. 

Mit Mutter & Bruder (1909)
"Besonders umhütet vom Elternhaus wuchs ich in der Welt bürgerlicher Vorrechte und selbstverständlicher Privilegien auf. Alles wurde mir aus dem Weg geräumt. Selbst den Zwang einer Schule wollten meine Eltern mir vorenthalten."

Der Vater, Sohn eines Kaufmanns mit jüdischen Wurzeln, ein klassischer Philologe, ist deutschnational eingestellt, aber auch Anhänger der Reformpädagogik. Annedore besucht keine öffentliche Schule, sondern erhält durch ihn Privatunterricht.

Im Frühjahr 1914 übernimmt er, vom Magistrat in Fürstenwalde zum Gymnasialdirektor gewählt, die Leitung des dortigen Gymnasiums.  Die Familie übersiedelt nun in das 23.000 - Einwohner - Provinzstädtchen, fünfzig Kilometer ostsüdöstlich von Berlin entfernt. 

Doch schon vier Jahre später steht erneut ein Umzug an: Diesmal ist es die Hansestadt Lübeck, in der Annedores Vater die Leitung des des humanistischen Gymnasiums Katharineum übertragen bekommt. Zu dessen 400-jährigen Bestehen 1931 wird der auch Thomas Mann mit einer Rede zu Wort kommen lassen. Nach antisemitischer Hetze wird er bereits Mitte März 1933 entlassen und durch einen überzeugten Nationalsozialisten ersetzt. Genau ein Jahr später wird der Vater sterben.

Doch zurück zu Annedore und dem Jahr 1922: Die legt als Externe in Lübeck mit achtzehn Jahren ihr Abitur ab. Sie entscheidet sich für das Studienfach Jura und geht dafür nach München, gewinnt damit wohl Abstand zur allzu behütenden Familie, denn im Krisenjahr der jungen Weimarer Republik 1923 ist die  Bayernmetropole ein besonders spannendes politisches Umfeld, das die junge Frau politisiert:

1921

"Ich geriet damals in die aufgeregten politischen Debatten der Jahre 1923/24 der Münchner Studentenschaft, die selbstverständlich auf ein junges, aufnahmebereites Gemüt eine gewisse Wirkung haben mussten. Alles das, was früher schon als Zweifel gegen die bürgerliche Welt in mir aufgestiegen war, formte sich fester." ( Quelle: Lebenslauf im Nachlass )
Bei ihrer ersten Wahl 1925 – vermutlich die Reichspräsidentenwahl nach dem überraschenden Tod von Friedrich Ebert - wählt sie "links". Auch mit ihren beruflichen Perspektiven beginnt sie zu hadern. Zwar ist inzwischen die Aufnahme von Frauen in den juristischen Aufnahmedienst auf dem Weg zum Anwaltsberuf und Richteramt endlich gesetzlich geregelt. Aber die junge Frau trifft eine andere Entscheidung: Im Studium lebe man mit dem "Druck, nur Halbes getan zu haben". Sie aber wolle "den Tag erfüllende Arbeit", erklärte sie ihren Eltern. Sie wolle eine Geschäftsfrau werden, denn da sie... 

"... nicht mit einer Heirat rechne, muss ich einen richtigen durchführbaren Beruf haben. Und als solcher ist für mich der des Schneiders am besten und natürlichsten geeignet. Ich werde mich durchsetzen und nicht nur als kleine Schneiderin mein Leben fristen."

Anderthalb Jahre hat sie sich mit diesen Gedanken herumgeschlagen und sie weiß wohl, dass sie ihre akademisch ausgerichteten Eltern damit enttäuscht. Was die nächsten ein bis zwei Jahre genau passiert und wo sich Annedore zur "Schneiderakademie" anmeldet, ist bislang nicht eindeutig belegt. Die Modemetropole Berlin ist ein Zentrum mit privaten und öffentlich betriebenen Schulen in diesem Metier sowie mit großen Konfektionshäusern und einer ebensolchen Theater- und Filmindustrie. Mit den neu geschaffenen Modezeitungen bietet die Stadt zudem ein journalistisches Betätigungsfeld. Mit dem Beruf der Moderedakteurin liebäugelt Annedore nämlich auch. Es heißt in manchen Quellen, sie habe als Volontärin im Modehaus Gerson ( siehe auch dieser Post ) gearbeitet.

Doch  dann kommt alles anders:

Am Schiffbauerdamm trifft Annedore 1926 zufällig auf Julius Leber, den sie noch aus Lübeck kennt, wo dieser als SPD-Politiker, Chefredakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung "Lübecker Volksbote", seit 1924 Reichstagsabgeordneter und ein entschiedener Gegner der Nationalsozialisten sozusagen ein bunter Hund ist. 

Julius Leber,
am 16. November 1891 in Biesheim, Elsass als nichtehelicher Sohn von Katharina Schubetzer geboren und später von deren Ehemann, dem Maurer Jean Leber, adoptiert, durch seinen frankophilen Großvater geprägt und durch die Fürsprache des Ortsgeistlichen 1902 auf die Höhere Bürgerschule im badischen Breisach vermittelt, schließt die Ausbildung mit der Mittleren Reife ab und absolviert eine kaufmännische Ausbildung in einer Tapetenfabrik in Breisach. 1910 greift er erneut in Freiburg im Breisgau den Schulbesuch auf, schreibt nebenbei Zeitungsberichte und gibt Nachhilfeunterricht, um seine Ausbildung zu finanzieren. Zeitgleich mit dem Beitritt in die SPD  legt er 1912 das Abitur ab und studiert Nationalökonomie und Geschichte. Freiwillig zum Kriegsdienst angetreten, wird er zweimal verwundet und erleidet eine Gasvergiftung. Nach anschließendem weiterem Studium wird er 1920 an der Universität Freiburg zum Dr. rer. pol. promoviert und nimmt eine Stelle beim "Lübecker Volksboten" an. Dort trifft er 1927 auch auf den ganz jungen Herbert Frahm, der später als Willy Brandt deutscher Bundeskanzler werden wird. In Lübeck ist er berühmt-berüchtigt für seine scharfen Polemiken unter dem Kürzel "Dr. L." und seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.

Eigentlich ist sie schon an ihm vorbeigelaufen, dreht sich dann aber noch einmal um. Ein coup de foudre, denn im Juli 1927 verloben sie sich schon, im November des Jahres heiraten sie, sie 23 Jahre, er 36 Jahre alt, und die Eltern Rosenthal müssen erneut eine Enttäuschung hinnehmen. Die "liebe Frau Rosenthal" möge nicht böse sein, aber man "bringe es nicht übers Herz, Ihnen und Ihrem Herrn Gemahl zu diesem Ereignis Glück zu wünschen", schreibt eine Freundin der Familie Rosenthal Annedore zur Hochzeit. 

Julius Leber nennt seine junge Frau in Anspielung an ihre Bekehrung zu sozialdemokratischen Werten "mein lieber Paulus", denn sie bricht nun endgültig mit der konservativen, bürgerlichen Welt ihrer Eltern und wird Mitglied in der SPD. Eine Revolutionärin wird sie, der stets ein Sinn für Eleganz und Mode nachgesagt wird, durchaus nicht. Ihr Enkel David Heinemann wird später berichten, seine Großmutter habe Zeit ihres Lebens eine Damastserviette mit silbernem Serviettenring in Gebrauch gehabt und sei eine grande dame der alten Schule gewesen. Aber sie packt es, gegen die Konventionen und sich für ihre Sache einzusetzen und nicht nachzugeben. Das betrifft wohl auch ihre Weltanschauung.

In Lübeck bezieht das junge Ehepaar ein Haus in der Gertrudenstraße, unweit der Trave, und bekommt alsbald die Kinder Katharina (*1929) und Matthias (*1931).

Mit ihrem Mann und ihren Kindern
(1930er Jahre)


Aus der wohl zunächst nicht einfachen Ehe aufgrund der unterschiedlichen Wesensart der Partner, erwächst keinesfalls ein trautes Eheglück nach konservativen Rollenverständnis. Ordentlich durcheinander gewirbelt wird ihr gemeinsames Leben durch die sich drastisch entwickelnden politischen Ereignissen, und es entwickelt sich - die Tochter wird es später so ausdrücken: Dank der Gestapo - eine beeindruckende Schicksalsgemeinschaft. Schon 1930 haben Nationalsozialisten Leber gedroht, dass sie dereinst an seine Tür klopfen werden und er "zwei Stunden nach unserem Sieg (...) auf dem Marktplatz" hängen wird. Noch im Wahlkampf 1932 profiliert er sich unbeeindruckt & dank seiner agitatorischen Fähigkeiten als führende Kraft der Sozialdemokratie.

Am 31. Januar 1933 kommt es auch in Lübeck im Rahmen des Fackelzuges anlässlich der Machtübertragung an Hitler zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den rechtsgerichteten Kräften auf der einen und Reichsbanner und Antifaschistischer Aktion auf der anderen Seite. In den Morgenstunden des 1. Feburar werden Julius Leber und seine Begleiter, darunter Willi Rath, in der Großen Burgstraße von Nazis angegriffen. Julius Leber trägt schwere Gesichtsverletzungen davon. Seine Immunität als Mitglied des Reichstages wird ignoriert und er kommt in Untersuchungshaft, wird aber am 16. Februar gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt. Schon drei Tage später fährt er zu einer Kundgebung der Eisernen Front und spricht dort, reichlich angeschlagen, als letztes das Wort: "Freiheit".
Menschenansammlung vor dem Gewerkschaftshaus in Lübeck, Julius Leber auf der Kundgebung am 19.2.1933


Am 23. März verhaften die Nazis ihn erneut, beim Betreten der Kroll-Oper in Berlin auf dem Weg zur Reichstagsabstimmung über das "Ermächtigungsgesetz". Am 27. Mai wird er als "geistiger Urheber" der Tat von Rath, der sich bei dem Überfall Ende Januar mit einem Messer zur Wehr gesetzt hat, zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Rath selbst erhält nur ein Jahr Haft.
Ab jetzt läuft sich Annedore die Hacken ab, um eine Freilassung ihres Mannes zu erreichen, schreibt Briefe an die Gestapo, sogar an Himmler, an Hitler, lange ohne Erfolg. Ihre Kinder betreut derweil die verwitwete Mutter. Nach Ende seiner Haftzeit wird Julius Leber 1935 nicht freigelassen, sondern in das KZ Esterwegen gebracht. Seine Frau weiß vier Wochen nichts über seinen Verbleib. Der Briefwechsel der Beiden liest sich zwischen den Zeilen wie eine Einstimmung auf das Fegefeuer. Doch zu Beginn seiner Leidenszeit schreibt er noch:
"Du weißt, dass mich die Haft nicht bedrückt. Was sollte ich mit der Zeit draußen anfangen? Mit gedemütigtem Herzen und eingezogenen Schultern den traurigen Blick der Lübecker Arbeiter achselzuckend standhalten und ihnen sagen, dass ich auch nichts ändern konnte. Da ist es schon besser, selbst äußerlich unfrei zu sein und innerlich mit ganzer Seele das Gesicht der Zukunft zuzuwenden."
Über die Misshandlungen, die Folter, die Dunkelzelle in Esterwege schweigt er. Den Kindern erklärt Annedore die Abwesenheit des Vaters damit, dass ihr Vater bei Kinderlärm einfach kein Buch schreiben könne. Sie wollen es glauben, Irritationen bleiben dennoch nicht aus: Einmal bekommen sie mit, wie die blutige Wäsche Lebers zum Waschen nach Hause gebracht wird.

Annedore kämpft nicht nur für die Freiheit Lebers, sie ist für ihn mit ihrem "Optimismus eine Kraftquelle ohnegleichen". Er ist stolz auf sie und schreibt ihr im August 1933: 
"Im letzten Brief vergaß ich das zu schreiben. Paulus, ich empfinde deinen Mut, deine Tapferkeit und deinen Stolz als etwas für mich ungeheuer Großes, und ich bin stolz auf dich und bewundere dich manchmal in meiner Zelle.“
Sie ist gezwungen, weil das kleine Vermögen der Familie durch Kautionzahlungen u.ä. aufgebraucht ist, den Lebensunterhalt für sich, ihre Kinder wie ein weiteres aus einer vorehelichen Beziehung ihres Mannes sowie ihre Mutter zu verdienen. Um näher an den zuständigen Stellen zu sein, zieht sie 1935 nach Berlin und legt dort daneben ihre Meisterprüfung als Schneiderin - "in einer Zeit ab, wo ich Tag um Tag durch Gestapostellen, Ministerien und KZ-Lagern meinem Mann nachjagte."

Als Anfang 1936 ihr Bruder Helmut stirbt und Frau & Kind hinterlässt, zieht Annedore ins Haus der Schwägerin, wo sie ein eigenes Modeatelier einrichten kann. Von ihrer Arbeit lebt die Großfamilie und alsbald zehn Angestellte. Ihre Entscheidung von 1925 stellt sich als richtig, wenn nicht sogar überlebenswichtig heraus. Gleichzeitig hält sie den politischen Freundeskreis ihres Mannes zusammen:
"Ich werde allmählich ein Asyl für Trostbedürftige, denen es äußerlich gesehen meist besser geht als mir", notiert sie in einem Brief.
Nach vielen Bittbriefen an die obersten Persönlichkeiten der NS-Führer, ständiges Vorsprechen bei der Gestapo sowie dem Inspekteur der Konzentrationslager, darunter auch der des KZ Sachsenhausen, in das ihr Mann inzwischen überführt worden ist, unermüdlich unterstützt durch den katholischen Osnabrücker Bischof Wilhelm Berning, gelingt es ihr schließlich, dass Julius Leber im Mai 1937 - mit Schreibverbot - entlassen wird.

Kohlehandlung an der Torgauer Straße
(2013)
Nach außen führt die Familie Leber ein unauffälliges Dasein. Doch Leber, "ungebrochen, körperlich geistig, seelisch" so Gustav Dahrendorf, nimmt seine Widerstandstätigkeit sofort wieder auf, unterstützt von seiner Frau, getarnt als Kohlenhändler. Durch Vermittlung von Dahrendorf kommt er in der Firma "Bruno Meyer Nachf." unter. 1939 wird er sogar Teilhaber. Als Großhändler beliefert er vor allem Hausverwaltungen in Berlin. Die unauffällige Kohlenhandlung mit den kleinen Holzbuden auf dem Lagerplatz in der Torgauer Straße 26, Ecke Gotenstraße, wird zu einem geheimen Treffpunkt und ein Ort des Netzwerkens und Kontakthaltens. "... in der Hinterstube, auf verhockten Sesseln, hatte die politische Leidenschaft ihre Herberge", wird sich der spätere Bundespräsident Theodor Heuss an seinen Besuch in der Kohlenhandlung erinnern.

Annedore ist in die konspirativen Tätigkeiten zwischen den "Kohlekunden" eingebunden. Das Paar wird sozusagen zum Nucleus des Widerstands, indem sie eine moralische Notgemeinschaft schmieden. Adelige, Militärs, Demokraten und Kommunisten, so konträr ihre Vorstellungen von Staat und Gesellschaft auch sein mochten: Gemeinsam ist das Ziel die Befreiung Deutschlands vom NS-Terror. Das Annedore ein angesehenes Mitglied dieser Kreise gewesen ist, legt eine Aussage des Widerstandskämpfers Fritz Dietlof Graf von der Schulenburg  nahe:
"Sie ist wie eine stählerne Klinge, diese Frau, federnd und nicht zu zerbrechen."
Was kann den Respekt der Militärs dieser Frau gegenüber noch mehr dokumentieren? Man kann also sagen, Annedore Leber war eine Widerstandskämpferin aus eigenem Recht, das meint jedenfalls die Historikerin Frauke Geyken, die über sie forscht.

Da Tätigkeiten, die geheim bleiben müssen, in ihrem Modeatelier mit den Angestellten nicht ungestört möglich sind, gibt Annedore ihre Selbständigkeit auf und übernimmt 1938 eine Tätigkeit als Erstellerin von Schnittmustern beim Deutschen Verlag, wo sie 1941 Leiterin der gesamten Mode- und Schnittmuster-Produktion wird. Ihr Büro im Deutschen Verlag dient als Kontaktpunkt. Bekannt ist, dass Schulenburg sie dort besucht hat.

Letztes gemeinsames Foto im Frühjahr 1944
Die Lebers organisieren Widerstand in einem  Netzwerk unterschiedlicher Gruppierungen. Insbesondere 1943/44 treffen sich in der Kohlehandlung führende Köpfe des christlich-sozialen Kreisauer Kreises und des militärischen Widerstands mit Julius Leber. Der Kreisauer Kreis ist der zivile Unterstützerkreis für den militärischen Staatsstreich gewesen, der allein die Möglichkeit hat, Hitler zu beseitigen. Die Kreisauer entwerfen Pläne für das nach einem geglückten Attentat neu zu gestaltende Deutschland. Leber ist als Innenminister vorgesehen. Zwischen Leber und Claus Schenk Graf von Stauffenberg( siehe auch dieser Post ) entwickelt sich in dieser Zeit eine tiefe Verbundenheit.

Ende März 1944 wird das Grundstück der Kohlenhandlung durch Bomben schwer getroffen. Das Büro zieht gegenüber in das Erdgeschoss des beschädigten Hauses Torgauer Straße 7, während der Betrieb weiterläuft.

Julius Leber vor dem "Volksgerichthof"
(1944)
Nach einem Gespräch mit Vertretern der ( kommunistischen ) Widerstandsgruppe um Anton Saefkow ( siehe auch dieser Post ), an dem ein NS-Spitzel teilgenommen hat, erhält Leber dort zwei Wochen vor dem schicksalhaften 20. Juli 1944 Besuch von der Gestapo, wird erneut verhaftet und im KZ Ravensbrück gefangen gehalten. Dort trifft ihn Isa Vermehren ( über die ich in 5 Wochen berichten werde ), die ihn aus Lübeck kennt und die am Ausdruck seiner Augen eine voll resignative Trauer erkennen muss. Diesmal zweifelt Leber nicht an seinem baldigen Tod. Dem widerwärtigen, berüchtigten "Blutrichter" Roland Freisler tritt er bei seinem Prozess im Oktober 1944 dann auch ohne Zittern und Furcht entgegen.

Nach dem Attentat vom 20. Juli wird Annedore von August bis September 1944 selbst in Sippenhaft genommen und in das Untersuchungsgefängnis Moabit eingeliefert. Ihre Kinder kommen zwangsweise nach Dessau in eine fremde Familie. Annedore wird wohl nicht als Widerstandskämpferin wahrgenommen, sondern wie die anderen, meist eher uneingeweihten Ehefrauen der Männer des 20. Julis behandelt. Man weiß aber aus der historischen Forschung, dass die Frauen des Kreisauer Kreises die Entscheidungen zum Widerstand gemeinsam mit ihren Männern getroffen haben. Darauf haben sie auch immer viel Wert gelegt. Nach dem Krieg wird auch Annedore ihre Rolle verbal einfordern: 

"Auch ich war über alles, was geschah, ja, über alle Gespräche informiert. Auch über meinen Schreibtisch lief die Organisation des Widerstandes. Ich bin eine Widerstandskämpferin aus eigenem Recht. Ich bin nicht nur die Ehefrau des Widerstandskämpfers Julius Leber."

In einem seiner letzten Briefe schreibt dieser an seine Frau: 

"Meine Seele hat ihre Heimat gefunden! … Und ich glaube und weiß jetzt, daß man einem anderen Menschen nichts Höheres und Besseres sagen kann, als daß er für einen die Heimat seiner Seele sei. … – für mich bist Du es!"

Sie antwortet ihm u.a.: "Durch den großen Reichtum unserer Ehe habe ich die Kraft und die Stärke, die das Schicksal von mir fordert."

1944

Am 5. Januar 1945 wird Julius Leber in Plötzensee hingerichtet. Annedore ist am Boden zerstört; in den folgenden 23 Jahren ihres Lebens trägt sie Trauerschwarz oder, wie ihr Enkel sagt, immer "eine Träne im Knopfloch". Als sie in schwarzem Mantel und Hut zu ihren Kindern nach Hordorf bei Magdeburg kommt, wo diese seit 1943 bei Verwandten untergebracht waren, um sie abzuholen, bricht für diese die Welt zusammen. Die knapp sechzehnjährige Tochter wird, vor allem nachdem sie die brutalen, unmenschlichen Hinrichtungsmethoden in Plötzensee erfahren hat, schwer krank, verlässt ohne Abitur die Schule, geht nach Paris, um in der Modebranche zu arbeiten. Später wird sie einige Semester an der Berliner Kunsthochschule studieren. Sie wird lebenslang mit dem Engagement ihres Vaters im Widerstand, das ihn das Leben gekostet hat, hadern. Sie hätte, so berichtet sie Jahrzehnte später in einem Interview, ihren Vater lieber lebend gehabt statt als toten Helden. Später wird Katharina klar, dass ihr Vater nicht für sie & den Bruder gestorben ist, sondern für die Deutschen, die den Krieg überlebt haben. Matthias wird sich als junger Arzt 1963 im Haus seiner Mutter das Leben nehmen.

Die zwölf Jahre der ständigen Verfolgung der Familie durch die Nationalsozialisten bleiben also nicht ohne Folgen für die Lebers. 1945 tritt Annedore in die katholischen Kirche ein. Ihr gelingt es nach und nach, den überwältigenden Schmerz durch die im Widerstand erfahrene Gemeinsamkeit mit anderen in Kraft zu verwandeln. 

Sie übernimmt die Kohlenhandlung und wird bereits im Oktober 1945 Leiterin des Frauensekretariats und Mitglied in den Zentralausschusses der SPD. Als es im April 1946 zur Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED in der Sowjetischen Besatzungszone kommt, erklärt sie ihren Austritt und wechselt in die von Kurt Schumacher wenig später neu gegründete Westzonen-SPD. Für die wird sie in die Berliner Stadtverordnetenversammlung in der ersten Legislaturperiode 1946 entsandt. Gleichzeitig startet sie ihre publizistische Tätigkeiten, einmal durch Beteiligung als Lizenzträgerin an der SPD-nahen Zeitung "Telegraf". Für eine Sonderausgabe der Zeitung zum Jahrestag des 20. Julis wird sie den Beitrag "Den toten immer lebendigen Freunden. Eine Erinnerung zum 20. Juli 1944" schreiben. Damit umreißt sie auch ihre selbstgestellte Lebensaufgabe ab diesem Zeitpunkt: Das ideelle Erbe des Widerstandes weiterzutragen. Sie möchte auf jeden Fall die gemeinsamen Ideen nicht verraten, nicht vergessen, sondern jetzt für die neue deutsche Demokratie fruchtbar machen. Annedore Leber übernimmt quasi die  Rolle der "Nachlassverwalterin“" des deutschen Widerstands - keine leichte Aufgabe in einer Gesellschaft, die die Widerstandskämpfer und -kämpferinnen als Landesverräter diffamiert.

"Was im Grunde den Frauen fehlt, ist ein gewisses Zutrauen zu sich selbst. Anders als viele ihrer selbstbewussten männlichen Kollegen fürchten sie einen Mangel an Vorkenntnissen, einen nicht zureichenden Einblick in größere Zusammenhänge, Lücken des Wissens und der Erfahrung auf politischem Gebiet. (...) Die Zeit erlaubt keinem von uns zu ruhen und auf ein Wunder zu hoffen. Was aus Deutschland wird, liegt bei uns selbst. Es liegt zum großen Teil in der Hand der Frau. Also ihr Frauen, nur Mut!"

Aus dieser Erkenntnis heraus, gründet sie in den ausgebauten Räumen der Kohlenhandlung den Mosaik-Verlag und publiziert dort ein gleichnamiges Magazin für Frauen, um die in ihren Augen politisch zu passiven Mitbürgerinnen für die neue demokratische Republik zu gewinnen. 

Das Monatsmagazin  ( hier sind die Themen der einzelnen Ausgaben aufgelistet ) sucht in seiner Mischung noch heute seinesgleichen: Politische Essays und Frauenporträts stehen da neben Modeschnittmustern, Einrichtungs- und Überlebenstipps für Nachkriegsfrauen & Ideen für Alleinerziehende, von denen es nach dem Krieg mehr als genug gibt. 1950 gibt sie das Magazin nach Unstimmigkeiten mit ihrem Mitstreiter Arno Scholz auf.


Annedore Leber ist nicht nur in der Politik tätig, sie beschäftigt in den 1950er-Jahren mehrere Angestellte für den Kohlenhandel und den Mosaik-Verlag. Mit dem geschäftlichen Erfolg ist 1953 eine Erneuerung des Fuhrparks möglich. Mit den Gewinnen des Kohlenhandels finanziert sie ihre Buchprojekte. Das erste Buch ist "Ein Mann geht seinen Weg". Zusammen mit dem ehemaligen sozialdemokratischen Weggefährten und Widerstandskämpfer Gustav Dahrendorf gibt sie die Schriften, Reden und Briefe von Julius Leber heraus. 1953 folgt "64 Lebensbilder aus dem deutschen Widerstand 1933–1945", gemeinsam mit Willy Brandt. 1954 erscheint "Das Gewissen steht auf", ein Buch mit kurzen biografischen Skizzen von Widerstandskämpfern und –kämpferinnen. Es ist sofort enorm erfolgreich, die Auflagen gehen in die Hunderttausende. Ab 1956 arbeitet sie zusammen mit Freya von Moltke an einem Schulbuch, das 1960 unter dem Titel "Für und Wider" publiziert wird, eine Darstellung der jüngsten Vergangenheit für junge Leser über die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus. Diese Bücher werden bis in die 1960er, vielleicht sogar bis in die 1970er Jahre immer wieder aufgelegt.

1953 ist auch an der Gründung der Handwerker-Lehrstätten Britz beteiligt, denn ihr Augenmerk gilt neben den Frauen speziell den Jugendlichen. Ab 1979 heißt die Schule Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin. Dort werden heute junge Menschen mit Behinderungen und besonderem Förderbedarf in mehr als 35 Berufen ausgebildet.

Ihre politische Laufbahn setzt sie 1954-1962 als Bezirksverordnete von Berlin-Zehlendorf und 1963-1967 dann als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses fort. Als der damalige amerikanische Justizminister Robert Kennedy 1962 Berlin besucht, begleitet sie den Staatsgast zur Gedenkstätte Plötzensee. 

Mit Robert Kennedy & Willy Brandt in Plötzensee
(1962)


Ihr kompromissloser Einsatz, den sie beharrlich von sich selbst fordert, obwohl gesundheitliche Probleme sie zu mehr Rücksichtnahme auf sich selbst hätten veranlassen müssen, führt wohl dazu, dass Annedore Leber am 28. Oktober 1968 in Berlin mit nur vierundsechzig Jahren stirbt. Auch von dem Schlag, den ihr der Tod ihres Sohnes versetzt hat, hat sie sich nicht erholen können. 

Eine große Beerdigung mit vielen Trauergästen auf dem Berliner Waldfriedhof Zehlendorf ist die letzte Ehrung, die der Widerstandskämpferin zuteil wird. Wenig später ist der Name Annedore Leber aus dem Gedächtnis der bundesrepublikanischen Gesellschaft getilgt. Die Tochter Katharina Christiansen hat eine Zeit lang in Dänemark gelebt, weshalb es niemanden gegeben hat, der über die Widerstandstätigkeit der Annedore Leber Zeugnis abgelegt hat.

Wer heute Spuren ihres Lebens sucht, findet sie in ihren Veröffentlichungen, den im Internet abrufbaren Ausgaben von Mosaik, im Annedore-Leber-Berufsbildungswerk und am Gedenkort Kohlenhandlung an der Torgauer Straße 24-25 in Berlin, der auf Initiative des Stadtteilvereins Schöneberg  e.V. nach einem Nutzungsvertrag mit dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg - die Stadt Berlin ist seit 2009 Eigentümerin der Fläche -  für die ehemalige Kohlenhandlung ab 2016 eingerichtet worden ist.

Eine derart exponierte Frau, die es auch ausgehalten hat, so exponiert zu sein, obwohl die Mehrheit im Land sich innerlich wie äußerlich in den Anfangsjahren der Republik gegen die Wahrheit, ihre Schuld verwahrt haben, weil sie davon ausgingen, dass sie alleine Opfer für ihr Deutschtum gebracht haben - was sagt das über uns aus, dass sie vergessen wurde?

Abschließend möchte ich noch all denen, die es aus dem Blick verloren haben, in die Agenda folgende Aussage von Annedore Leber schreiben:

"Vertrauen ist das Element der Demokratie. Vertrauen kann sich aber nur da bilden, wo das Wort etwas gilt und wo die Tat dem Wort folgt, wo ein Vertrag lebendige Substanz ist und nicht nur ein Stück Papier, das man Stück um Stück abzupfen kann, bis man eines Tages feststellt, dass nichts mehr von diesem Papier übrig ist."
                                        


Und hier liste ich euch wieder Links zu Great-Women-Posts auf,
die in dieser Woche aktuell sind:


Sonntag, 15. März 2026

Monatsspaziergang März 2026

Von 1989 bis 2007 habe ich im Nachbarveedel als Lehrerin gearbeitet, in einer Schule, die den Namen des Zoo- Mitbegründers Caspar Garthe trägt und dicht beim hinteren Eingang zum Kölner Zoo gelegen ist. Damals gab es für Kölner Schulkinder per "Zooschein" freien Eintritt und auch einer der Lehrer der Zooschule war mal eine gewisse Zeit Mitglied unseres Kollegiums. Schon aus diesen Gründen gehörte "Ene Besuch im Zoo" zu meinen regelmäßigen Gewohnheiten. Nach meiner Pensionierung war ich, glaube ich, das letzte Mal 2018 mit meiner Enkelin dort. ( Ich bin nicht so die Liebhaberin von großen Tieren. ) Dann hat mir aber die Lieblings-Ex-Kollegin aus jener Garthestraße zum diesjährigen Geburtstag die Patenschaft über einen Baum auf dem Zoogelände geschenkt, was eine Jahreskarte für den Zoobesuch inkludiert. Und die habe ich vor drei Tagen zum ersten Mal genutzt.

 


Die Schulkinder haben das ( alberne ) Lied von Hans Muys, die Musik von Hans Knipp, geliebt und immer wieder gerne gesungen. ( Hier ist eine Interpretation von Willi Millowitsch & Lotti Krekel zu hören. ) Und da heißt es doch: 

"Wenn de rin küss, siehste die Kamele:  Nä, wat sin die gross, nä, wat sin die gross. Un die Pukkele op ihrem Rögge, die sin esu gross, die sin unwahrscheinlich gross!"

Die Kamele stehen immer noch da, wo sie schon vor fuffzig Jahren gestanden haben. Nur sind es, mal so rein zoologisch betrachtet, Trampeltiere. 


Rechts von ihnen ist der Fischotter zu Hause. Aber der tut gerne geheimnisvoll.


Da lobe ich mir doch die extrovertierten Erdmännchen anschließend - für mich das erste Highlight. 


Dreht man sich um 180 Grad hat man diese Szenerie vor Augen.



Diese Vögel sind mir aber lieber.


Saurier hab ich so was von über! Aber wenigstens ist Fauna und Flora aus der gleichen erdgeschichtlichen Epoche, nämlich der Kreidezeit. Passt also!


An meinem Besuchstag hatte ich es aus Gründen mit den Großkatzen. Der 
Acinonyx jubatus mit seiner Hyperaktivität ( verglichen mit den meisten Tieren im Zoo ) weiß zu faszinieren.


Ich bin auch leicht ablenkbar durch disparate Architektur ( ehemaliges Vogelhaus im Stil einer russischen Kirche aus der Jahrhundertwende vor AXA - auch Colonia - Hochhaus von 1976, zweithöchstes Wohnhaus Deutschlands ).

Das ist kein verunstalteter Oster-, sondern ein Pampashase, auch die Große Mara geheißen, beheimatet in Patagonien.


Eigentlich wollte ich nur dem vier Monate alten Zweifinger-Faultier Choloepus didactylus meine Aufwartung machen. Gezeigt hat sich nur die Greifhand eines seiner Erwachsenen.


Na ja, Piranhas find ich auch ganz nett.


Die echten Fotoprofis lauerten auf den Auftritt der Löwenkinder, geboren im November 2025.


Mir eher wurscht, mit dem Bronzelöwen gegenüber verbinde ich dagegen viele wunderbare Erinnerungen, denn alle Kinder & Kindeskinder haben ihn "besessen".


Der Persische Leopard Panthera pardus saxicolor spielte am Donnerstag auch nicht mit und versteckte sich in luftiger Höhe.


Zwischendurch auch mal "Blömcher". Auf dem Gebiet hat sich der Zoo ganz nach meinem Geschmack positiv entwickelt.


Im Zoo-Lied heißt es in der zweiten Strophe: "Wigger durch, do sin die Elefante. Nä, wat sin die deck, nä, wat sin die deck. Un beluhr mer dänne ens ihr Quante, die sin esu deck, die sin unwahrscheinlich deck!" Also nichts wie hin!


So große Pflanzen wie die Euphorbia characias subspecies wulfenii imponieren mir allerdings ebenso.


Jetzt kommen noch ein paar richtige Lieblingstiere! Was habe ich mit dem damals kleinen M das Papa - Pinguin - Lied gesungen! Und dann musste auch ein entsprechendes Karnevalskostüm sein.


Ja, auch wenn ich wenig für große Tiere übrig habe: Das Rhinozeros - in diesem Falle ein Spitzmaulnashorn Diceros bicornis - vermag mein Herz zu rühren.


Das war früher in diesem alten Elefantenhaus, 1863 erbaut im maurischen Stil, untergebracht: Sehr schön, aber eine Zumutung für die Tiere! Denn darin waren auch - wie der Name sagt - die Elefanten und auch das nächste Tier einquartiert:


Warum ich diese Pflanzenfresser, die überwiegend friedlich in ihrer Umgebung leben, solange ihr Territorium respektiert wird, trotz ihrer enormen Größe und potenziellen Gefährlichkeit mag, kann ich nicht sagen.


Den kleinen Mungo nehme ich in diesem Post mal mit, weil ich die Erzählung von Rudyard Kipling im Dschungelbuch mag.


Und die Ziege hat es noch in diesen Post geschafft, war sie doch das Lieblingstier meiner kleinen Tochter als Schulkind. Der penetrante Bocksduft weckt in mir durchaus keine Antipathien.


Übrigens treibt mein "Patenkind", der Fächerahorn, jetzt auch aus.

Ich hoffe, "ene Besuch im Zoo" hat gefallen. Verlinkt wird er wieder bei Heike/3hefecit.

                                                                                               


Samstag, 14. März 2026

Meine 11. Kalenderwoche 2026

 "Alles ist Pose, alles Selbstkommentar, 
alles schon einmal ironisch gebrochen, 
bevor es überhaupt ernst werden könnte, 
weil Ernst gefährlich ist 
und weil im Internet 
jeder Gedanke sofort zurückschlägt."
Thore Rausch
"Ich bin als Frau 
echt nah am Mittelfinger gebaut."
Barbara Ruscher, Kabarettistin
"Wahnsinn ist, 
immer und immer wieder das Gleiche zu tun 
und andere Ergebnisse zu erwarten."
Albert Einstein 
"Nur dumme Menschen ändern ihre Meinung nicht."
Franz Beckenbauer




Gesehen habe ich in dieser Woche Gelb, die Monatsfarbe bei Nicole/niwibo, alldieweil ich auf meinem großen Tisch drinnen endlich das winterliche Burgunderrot abgeräumt und gelbe Wohnaccessoires aus Keller & Schränken geholt habe. Außerdem blühen die Narzissen so schön in den Töpfen auf der Terrasse, da durften auch welche abgeschnitten werden. Aber nicht nur gelbe Blümelein erfreuten mein Gemüt: Die Kirschpflaumen an der "kleinen Kirche " stehen wieder in voller, weißer Blüte. Sie sind immer etwas schneller als meine Magnolie im Garten.


Gesehen habe ich auch am Sonntagabend diesen kleinen Hasen auf dem Esstisch der holländischen Freundin, die mich wieder einmal zum Abendessen eingeladen hat. Das war wieder ein echter GenussToll, wenn frau solche Freunde hat!


Gehört habe ich allabendlich den Amselgesang. Da wird auf dem Kamin auf dem Haus gegenüber das Revier markiert...


Ich denke, ich bin schon ein langmütiger Mensch. Aber es gibt immer mal Zeitgenossen, die mein Gemüt über den Tag hinweg anhaltend & länger verfinstern. Das tut nicht gut. Deshalb hab ich mir dieses Buch zugelegt und darin wird den Betreffenden eine Seite zugeeignet, auf der ich mir sprachlich oder mit bildnerischen Mitteln Luft mache. Die gestalte ich, wenn ich merke, dass es zu lange in mir rumort. Auf diese Weise erlangt meine Seele wieder ihre Ruhe. Psychohygiene ist das, der rohe Humor des Lebens.




Gelesen  habe ich - neben meinen Online - Zeitungen - einmal für meine Great-Women-Posts, aber auch für mein pures Vergnügen. Das hat mir in dieser Woche wieder Christine WunnickeNorbert Scheuer und Guiseppe Tomasi di Lampedusa beschert. Auf dem Weg zum Bücherschrank im Bürgerzentrum haben mich die Narzissen geleitet & verleitet, das "Potpourri" aufzusuchen auf einen Kapuziner & 'ne Möhrentorte...


Vorfreude auf den Mai kam mit der Post. DAS Erlebnis draußen in der zurückliegenden Woche: Mein Zoobesuch am Donnerstag, verbloggt unter "12 von 12" ( und morgen noch mehr dazu beim Monatsspaziergang ).



Am Freitag war es  richtig usselig. Da habe ich dann ein Erlebnis drinnen allem anderen vorgezogen und bin ins Kino gegangen. Auch  so ein - lebenslanges - Hobby von mir. Tief eingetaucht bin ich damit in meine Cineasten-Jugend, selig im Film - Club damals, nun mit dem SW-Film "Nouvelle Vague" von Richard Linklater über Jean-Luc Godard und seine Verfilmung von "Außer Atem" seinerzeit, heute eine Ikone des Weltkinos und eine wunderbare Hommage an die wunderbare Jean Seberg


Hach, war der Film schön, Paris in jenen Tagen! Und auch die Akustik im Kino war für eine Hörgeräterträgerin ideal. Nur das Drogenelend hinterher im Dunkeln auf dem Friesenplatz hat mich dann etwas heruntergezogen, und ich bin schnell im Regen ( eiskalt ) nach Hause geeilt.                                                                                                                                                                                                                            
Viele Web-Fundstück/e gibt es diese Woche bei mir nicht. Ich hab auch nicht wirklich Ausschau danach gehalten, sondern lieber ( Bücher) gelesen, gesehen, gelaufen...

Ich verlinke mich wieder mit dem Samstagsplausch, mit "Niwibo sucht...", den Glücksmomenten bei Annette/ Augensternweltdem Mosaic Monday und den "Sonntags Top Sieben" bei Anita...

Bon week-end!