Sonntag, 21. Juni 2026

Monatsspaziergang Juni 2026

 Am letzten Donnerstag, dem ersten Hitzetag in diesem Jahr, bin ich sehr früh aufgestanden, denn diesen Ausflug wollte ich nicht, wie jetzt schon so oft, verschieben. Mein Ziel war der Kölner Südfriedhof, der einzige Friedhof in der Stadt, auf dem ich noch nie gewesen bin. Es wurde also höchste Zeit...

Eigentlich ist dieser Friedhof für mich leicht zu erreichen, liegt er doch am Ende der KVB-Linie 12, die aus dem Kölner Norden kommend durch mein Veedel fährt.

Das 2009 wieder neu errichtete Pförtnerhäuschen
Der Südfriedhof liegt im Stadtteil Zollstock und grenzt im Süden unmittelbar an den Militärring an. Er ist ein Teil des sogenannten Kölner Grüngürtels  und mit 61,5 Hektar der größte der Kölner Friedhöfe. Er wurde in den Jahren 1896 bis 1901 nach Entwürfen des Gartenarchitekten Adolf Kowallek ( von dem in meinem Blog schon öfter die Rede gewesen ist ) angelegt und sollte zusammen mit dem Nordfriedhof ( von dem noch öfter die Rede gewesen ist, mindestens einmal im Monat ) den bis dahin einzigen zentralen nicht-konfessionellen Großfriedhof Melaten entlasten.


Schon der Eingangsbereich ist toll, wird doch der Platz links von der Trauerhalle, einem Bau im Stil der Neoromanik von 1912, von wunderschönen, großen Trauerweiden beschattet. Kowallek hat die Anlage als Park geplant mit zahlreichen Alleen und  kreisförmigen Rundwegen, die durch radiale gerade Wege gekreuzt werden. Vorbild für ihn war auch bei diesem Friedhof der Friedhof Ohlsdorf in Hamburg und und deshalb gibt es hier auch Familiengräber inmitten der Pflanzungen, was allem einen verwunschenen Charakter gibt.


Fast umgehauen haben mich die vielen riesigen ( Laub- )Bäume mitteleuropäischer als auch exotischer Herkunft, die teilweise aus der Gründungszeit bis heute erhalten geblieben sind. Der Friedhof wurde bereits 1914 erweitert, dann 1923 und zuletzt 1963. Dabei wurde aber eine schachbrettartige Flächengestaltung bevorzugt.


Die besonders wertvollen Familiengräber, die nach damaligem Plan auf 50 Jahre verkauft werden sollten, liegen auch nicht wie auf Melaten oder dem Nordfriedhof entlang der Hauptwegeachsen, sondern gut verteilt und durch mindestens vier Meter breite Flächen mit Pflanzungen voneinander getrennt.  Von der ursprünglichen gärtnerischen Gestaltung ist man später abgewichen, da sie zu unübersichtlich empfunden wurde ( was ich bestätigen kann: ich hab mich ganz schön verlaufen ).



Kowallek hat übrigens auch seine letzte Ruhestätte auf "seinem" Friedhof gefunden. Bemerkenswert ist, dass aufgrund der für einen Friedhof äußert schlechten Bodensubstratzusammensetzung der Verwesungsprozess auf dem Südfriedhof ungewöhnlich lang dauert, manchmal sogar zu Konservierung führt. Bei Ausgrabungen wurde der Leichnam eines Offiziers gefunden, der 1918 dort beerdigt wurde. Sein Zustand hatte sich in den 60 Jahren unter der Erde kaum verändert. Daher variieren die Ruhefristen auf dem Friedhofsgelände von Bereich zu Bereich. In einigen Zonen mit sehr kiesigem Bodensubstrat beträgt die Ruhezeit 20 Jahre, in Lehm- und Tonboden sogar 30 Jahre.


Ich selbst habe mich letztendlich darauf beschränkt, die verschiedenen Ausdrucksformen für die Trauer aus meinem Konvolut an Fotos für diesen Post herauszusuchen. 

Das war ein besonders berührendes Exemplar, fand ich.



Mal eher konventionell - religiös...


.... mal eher recht abstrakt ( der Friedhof war übrigens von Anfang an für alle Konfessionen offen und das merkt man auch an den multiethnischen Gräbern von heute ).


Mich fasziniert immer wieder diese abstrahierende Darstellung von Rosen.

Ich hab einen ganz verwunschenen Monopteros gefunden...

... oder solch eine Ädikula, ganz offen liegend am Ende einer Sichtachse.



Verschiedene Formen von Vergessen und Verfall...



...wie bei dieser großen Anlage mit vier großen Platten aus rotem Granit, deren Inschriften unter einer dicken Schicht an Staub & Knospenhülsen verschwunden sind.



Eine Besonderheit birgt dieser Friedhof noch, die ich unbedingt anschauen wollte:


Durch dieses Tor betritt man nämlich britischen Boden hier bei uns in Deutschland.


Der Commonwealth-Ehrenfriedhof mit 3000 Gräbern mit Gefallenen aus den beiden Weltkriegen befindet sich bis heute im Eigentum des britischen Staates und wird von der Commonwealth War Graves Commission betrieben und gepflegt. Er ist 1922 eingerichtet worden und entspricht den strengen Regeln für solche Ehrenfriedhöfe: 



Lange Reihen einheitlicher, weißer Grabplatten aus englischem Portlandsandstein, ein Hochkreuz an der Mittelachse sowie gepflegte, kurz geschnittene Rasenflächen. 


Dieser Zustand wird eigens erhalten durch britische Friedhofsgärtner.


Es gibt noch weitere Ehrenfriedhöfe wie einen italienischen ( der allerdings nicht mehr Eigentum des italienischen Staates, sondern der Stadt Köln ist ), einen für die Opfer der Luftangriffe im 2. Weltkrieg und einen für deutsche gefallene Soldaten des 1. Weltkriegs. Aber den Besuch derselben hab ich mir für ein anderes Mal aufgespart, denn diese Flächen liegen nicht unter Baumschatten und an diesem Vormittag hatte es schon um zehn Uhr 27°C.


Symbolisch für die vielen Baumfreunde zeige ich abschließend noch die beeindruckende Esskastanie ( davor ein frisch gepflanzter Gingko ) und schicke euch noch den schönen Mosaik-Engel. An Heike/3hefecit geht der Post zwecks Verlinkung.

                                                                              

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