Schon wieder 'ne Jüdin, könnte frau sagen. Mich hat sehr beeindruckt, aus einer so weit zurückliegenden Zeit etwas über ein alltägliches Frauenleben zu erfahren. Und meine heutige great women hat doch das erste Werk jüdisch-deutscher Literatur verfasst, das wir kennen, und ihr Leben darin geschildert. Mein Post könnte uns vielleicht auch helfen, Informationslücken zu schließen. Die Frau, um die es heute geht, ist Glückl von Hameln...
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| Modell von Hamburg in der Zeit der Glückl von Hameln CC BY-NC-ND 4.0 |
"Die ganze Welt ist voll Pein, ein jeder find't das Sein."
... die eigentlich Glikl bas Judah Leib ( hebräisch גליקל בת יהודה לייב ) heißt und vermutlich 1645 ( manchmal heißt es auch 1647 ) bzw. im Jahre 5407 nach Erschaffung der Welt in Hamburg auf die Welt gekommen ist. Wie ihr Name schon andeutet, ist sie die Tochter ( = Glikl ) des Judah Leib ( ( jiddisch für "Löwe" ), auch unter dem Namen Judah Joseph ben Nathan bzw. Juda Lob Pinkerle oder Staden geführt, bei ihrer Geburt schon fünfzig Jahre alt. Sie wird in eine wohlhabende aschkenasische Familie hineingeboren, denn der Vater ist als Kaufmann erfolgreich: Judah Leib macht "Geschäfte mit Edelsteinen und andern Sachen, wie ein Jude, der von allem etwas nascht." ( Quelle hier )
Als Aschkenasen oder Aschkenasim bezeichnet man die Nachfahren jener jüdischen Gemeinschaften, die sich im Mittelalter ab dem 9. und 10. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum, besonders in den Zentren Mainz ( ab 917 ), Worms und Speyer ( ab 980 ) niedergelassen haben ( die Gemeinde von Köln ist sogar die erste, im Jahr 321 n. Chr. belegte jüdische Gemeinde ). Der häusliche Bereich von aschkenasischen Juden ist eine ganz eigene Welt, nach religiösen Vorschriften und überlieferten Sitten geregelt, gewesen. Juden wie Nichtjuden haben zwar täglich Umgang miteinander gehabt und dennoch ist die Stimmung unter den Hamburger*innen immer leicht umgeschlagen. Immer dann nämlich, wenn "von den Kanzeln, den Stätten öffentlicher Verkündigung, Hetz- und Schmähreden lutherischer Geistlicher die Juden als Gottesmörder geißelten und ihre Entfernung aus der Stadt verlangten", so Ingrid Grolle an dieser Stelle.
Die Mutter Glückls ist Beila (Bele) bas Nathan, geborene Melrich oder Mehlreich, ursprünglich aus Ellrich im heutigen Thüringen und viel jünger als ihr Ehemann. Ihre Familie hat u.a. in Detmold gelebt, von wo sie auch wieder vertrieben worden und somit in Altona gelandet ist. Beila ist Judah Leibs zweite Ehefrau und die erste, mit der er leibliche Kinder bekommen hat, wahrscheinlich einen Sohn und vier Töchter. Vor der Ehe ist Beila eine versierte Klöpplerin von Gold- und Silberspitzen gewesen und hat darin andere Mädchen unterwiesen. Auf diese Weise hat sie für sich & ihre verwitwete Mutter den Lebensunterhalt erarbeitet.
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| Synagoge in Altona, 1770 erbaut, vor 1930 gemalt |
Nach Glückls Geburt im Jahr 1646 werden alle Juden aus Hamburg vertrieben und lassen sich im nahe gelegenen Altona, das zu Dänemark gehört und eine Viertelstunde entfernt ist, nieder. In Altona hat es bis dahin erst ca. 25 jüdische Haushalte gegeben, aber eine Synagoge und einen Friedhof. Der dänische König stellt den Juden "gute Schutzbriefe" aus. Die Altonaer Juden sind - wie die meisten in Hamburg auch - Sepharden von der iberischen Halbinsel, die Glückl als Portugiesen bezeichnet, und die rechtlich besser gestellt sind als die Aschkenasim.
Die Altonaer Juden erhalten gegen eine Gebühr Pässe, mit denen sie vier Wochen lang täglich tagsüber ihren Geschäften in Hamburg nachgehen können, um abends vor Toresschluss heimzukehren, wobei sie unterwegs immer wieder Opfer des Judenhasses werden.
Als Glückl elf Jahre alt ist, rückt die schwedische Armee, die mit dem Dänenkönig Krieg führt, von Norden her vor und treibt die Juden wieder zurück nach Hamburg, illegal, da ohne Passierschein, wo sie notdürftig bei anderen jüdischen & nichtjüdischen Mitbürgern unterkriechen müssen. Eine Synagoge haben sie dort auch nicht und ihre Gebetsversammlungen in Privatzimmern dürfen dem Rat der Stadt nicht zu Ohren kommen, werden aber stillschweigend geduldet. Grund für das Wegschauen: die wirtschaftliche Effektivität der jüdischen ( überwiegend sephardischen ) Kaufleute, die höchst bedeutsam für Hamburgs Handel und Schifffahrt ist. Deren gute Handelskontakte tragen nämlich dazu bei, dass Hamburg nach und nach zu einer Drehscheibe des Warenim- & -exports wird.
Das Mädchen Glückl besucht unterdessen sogar drei Jahre lang eine Cheder, eine traditionelle jüdische Elementar- und Religionsschule, und lernt die Tora gut kennen. Das ist bemerkenswert, denn diese Form der Unterrichtung ist in der Regel nur Jungen vorbehalten. Mädchen lernen meist bei den Müttern nebenher. Glückl ist auch in der Midraschliteratur bewandert, in einem speziellen deutschen Dialekt geschrieben, der sich später zur jiddischen Sprache entwickeln wird.
"Ich bin noch ein Mädchen von kaum zwölf Jahren gewesen, da hat mich mein Vater schon verlobt und ich bin ungefähr zwei Jahre verlobt geblieben. Meine Hochzeit war in Hameln. Meine Eltern fuhren mit mir und einer Hochzeitsgesellschaft von etwa zwanzig Personen dorthin. Damals gab es noch keine Postwagen [auf dieser Strecke]; so mußten wir uns von Bauern Wagen mieten bis gen Hannover. Sobald wir nach Hannover kamen, schrieben wir nach Hameln, sie sollten uns Wagen nach Hannover schicken."
Zur Enttäuschung von Glückls Mutter schickt man ihnen Bauernwagen, gezogen von eher kränkelnden Pferden entgegen, auf die sie notgedrungen aufsteigen, um zum Festmahl am Abend in Hameln zu sein. Der künftige Schwiegervater bittet um Verzeihung: "Hameln ist nit Hamburg, wir haben hier keine Kutschen, wir sind schlichte Landleute." Der künftige junge Ehemann ist Chajim von Hameln, auch Hein Goldschmidt geheißen, ein Verwandter des Kaufmanns Chajim Fürst, des reichsten Mannes der Gemeinde in Altona. Als Mitgift bekommt das Mädchen 2000 Reichstaler: "... das war damals eine große Mitgift."
"Ich war damals ein junges Kind, das in aller Lust auferzogen war, und mußte nun in meinem jungen Alter von Eltern, Freunden, allen Bekannten, von einer Stadt wie Hamburg fort in eine Kleinstadt, wo nur zwei jüdische Familien wohnten. Und Hameln ist an sich ein lumpiger, unlustiger Ort. Aber das alles habe ich für nichts geachtet gegen die Herzensfreude, die ich von der Frömmigkeit meines sel. Schwiegervaters hatte."
Ihr Schwiegervater Joseph von Hameln ist während des Dreißigjährigen Krieges in die Stadt gekommen. Er handelt vor allem mit Getreide und besitzt ein Haus in der Fischpfortenstraße. Er verkörpert das traditionelle Bild des Juden, der Handel UND jüdische Gelehrsamkeit verbindet, wie es in der jüdischen Oberschicht damals verbreitet gewesen ist. Die Bürger der Stadt ersuchen öfter den Rat, man soll die beiden jüdischen Familien, die damals in Hameln leben, "herauslassen" oder ihnen wenigstens eine große Geldbuße auferlegen. Durch ihren Getreidehandel nähmen sie nämlich den anderen Einwohnern das Brot weg ( sic! ). Der Rat bleibt taub auf diesem Ohr.
"Damals war das Geschäft mit Juwelen noch nicht so stark wie jetzt und Bürger (=Ehepaare) und Verlobte bei Nichtjuden haben wenig oder gar keine Juwelen getragen. Die Mode war damals, daß sie rein goldene Ketten trugen, und wenn man etwas schenken wollte, so ist es in Gold gewesen. Obzwar daran nicht so großer Verdienst wie an Juwelen war, so war doch dieses meines Mannes erstes Geschäft, daß er mit Gold gehandelt hat."
In Hamburg wird die blutjunge Ehefrau zum ersten mal schwanger - fast gleichzeitig mit ihrer Mutter. Und so kommt es, dass sie das Wochenbett miteinander verbringen, nachdem sie ihre erste Tochter Ziporra 1662 zur Welt gebracht hat und die Mutter wenige Tage später ihre kleine Schwester Riwka. Wie so oft in ihren Erzählungen weiß sie auch dazu eine nette kleine Anekdote zu berichten.
Weil es doch etwas eng im Elternhaus wird, mietet man ein "hübsches Häuschen" für 50 Taler das Jahr und zieht mit Magd und Knecht ein.
"Als meine Tochter Ziporra zwei Jahre alt gewesen ist, bin ich wieder ins Kindbett gekommen mit meinem Sohn Nathan. Was für eine Freude mein sel. Mann da hatte und was für ein schönes Beschneidungsfest er ausgerichtet hat..."
"Der liebe Gott aber, der unsere Unschuld gesehen, hat uns, ehe vier Wochen vergangen sind, ein so gutes Geschäft beschert, daß wir unsern Schaden fast wieder eingeholt haben. Mein Mann hat auch nachher mit Juda Berlin in guter Einigkeit und Vertraulichkeit gelebt."
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| Brautpaar unter dem Trauhimmel |
"Viele Leute haben es nicht glauben wollen; es ist sogar viel Geld auf der Börse darüber verwettet worden, ob die Heirat stattfinden würde. Denn Elia Cleve ist ein sehr reicher Mann gewesen und hat den Namen gehabt, 100 000 Reichstaler oder mehr zu besitzen, was auch die Wahrheit war."
Nach der Feier mit einer illustren Gesellschaft reist Glückl mit ihrem Mann nach Amsterdam, wo sie vierzehn Tage bleiben und anschließend - für sie das erste Mal - mit einem Schiff übers Meer bzw. den Dollart, die Bucht im Mündungsgebiet der Ems, überqueren. Die Seekrankheit macht ihr so zu schaffen, dass sie sich in "Todesnot" fühlt. Weiter nach per Schiff nach Hamburg können sie nicht reisen, denn die offene See ist voller Kaperschiffe. Doch auch auf dem Landweg lauert viel Militär herum. Sie können also nur mit Hilfe eines Passes, ausgestellt von einem General, und in Begleitung eines Offiziers als Salveguardia weiter kommen. Glückl muss sich auf Geheiß ihres Mannes auch sicherheitshalber in Lumpen kleiden. Angekommen in Oldenburg, will der Kutscher dann nicht mehr weiter und nur für "teures Geld" können sie die fahrt nach Hannover fortsetzen, wo sie "die Pflicht der Elternverehrung erfüllen und die Festtage" ( das Laubhüttenfest ) bei den Schwiegereltern verbringen können. Den Preis für diese Reise - 400 Taler - findet Glückl erwähnenswert.
Während sie noch mit ihrer Tochter Esther (1677) niederkommt, wird bereits die Hochzeit des ältesten Sohnes arrangiert, der bereits die Geschäfte in Stettin betreibt. Seine Braut ist die Waise Mirjam Bali aus Hamburg. Deren Vater selig hat unter den Juden und Nichtjuden der Stadt einen sehr guten Namen und ist viele Jahre bis zu seinem Tode Vorsteher ihrer Gemeinde gewesen und "4000 Taler Banco war auch eine schöne Mitgift".
Immer wieder muss sich das Paar Glückl-Chaim mit Betrügereien und Übervorteilungen herumschlagen und hinnehmen, dass sie beim Bankrott anderer Geld einbüßen. Glückl sorgt sich mehr darum, dass sie ihren "ehrlichen Namen" verlieren, so dass sie "vor Gram darüber ganz krank" wird. Ihr Mann, der auf seiner Reise nach Frankfurt Halt in Harburg macht, trifft auf einen Freund, einen Philosophen, der ihm seinen Kummer ansieht und sagt:
"Nun, mein guter Freund, wenn du willst, komme mit mir auf das Dach; so will ich dir alle Häuser in der ganzen Stadt zeigen und will dir sagen, was für Leiden und Unglück in einem jeden Hause steckt, und wenn es dir beliebt, so wirf deine Leiden zwischen die andern Leiden hinein und nimm dir eins heraus; vielleicht kannst du etwas finden, was dich befriedigt."
Welch Form der Lebens- & Alltagsbewältigung! Wahrscheinlich würde man das heute Resilienz nennen, die Juden unbedingt brauchten, um mit den Widrigkeiten & Unsicherheiten ihres Lebens in einer durch und durch antijüdischen Gesellschaft klar zu kommen.
Dreißig Tage nach dem Tod ihres Vaters, der sie sehr trifft, bekommt Glückl wieder einen Sohn, dem sie seinen Namen - Loeb - gibt - ein Schreikind würde man heute sagen, ihr aber in dieser Lage ein großer Trost. Ihre eigene, 44jährige Mutter bleibt mit drei noch unverheirateten Kindern zurück. Die Juwelen, die ihr Vater hinterlassen hat, werden von Chaim von Hameln mit einem Schwager auf einer Auktion verkauft, um Geld für die Hochzeiten dieser Halbwaisen zu erhalten. Die Mutter selbst bleibt lieber für immer im Witwenstand.
Auch in Glückls eigener Familie wird weiter verheiratet & geboren: Zunächst Hanna, dann wird die noch sehr junge Esther verlobt, der Sohn Joseph kommt auf die Welt ( mit braunen Flecken, was wieder Glückl eine Anekdote wert ist ) und bald darauf ist die inzwischen Dreißigjährige schon wieder schwanger. Dieses Kind lebt jedoch nur kurz.
"Danach bin ich mit meiner Tochter Hendelchen ins Kindbett gekommen, zwei Jahre danach mit meinem Sohn Samuel, dann mit meinem Sohn Moses, meiner Tochter Freudchen und meiner Tochter Mirjam; diese beiden Jüngsten haben ihren Vater nicht viel gekannt."
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| Grabstein des Chaim von Hameln |
"Meine liebe Mutter und meine Geschwister haben mich getröstet; aber mit solcher Tröstung ist mein Leid nur alle Tage größer geworden und es ist damit nur Oel ins Feuer gegossen worden, so daß die Flamme noch größer geworden ist. Solcher Zuspruch und solche Tröstungen haben zwei bis drei Wochen gedauert; dann hat man mich nicht mehr gekannt und gerade diejenigen, denen wir große Wohltaten erwiesen hatten, haben sie uns mit Bösem vergolten, wie es so der Lauf der Welt ist."
Nach den vorgeschriebenen dreißig Tagen der Trauer macht sie sich an die Geschäftsbücher und an einen Kassensturz: 20 000 Reichstaler Schulden! Das hat sie allerdings gewusst und sie ist nicht bange, damit klar zu kommen. Sie lässt ihren Schwager den Wert ihrer Waren taxieren. Und der meint, sie haben alles zu billig angesetzt, da müsse man ja bankrott machen! Sie veranstaltet eine Auktion und kann ihre Schulden vom Erlös bezahlen und ihre Barschaften gegen gute Zinsen weiter verleihen. Eine weniger glückliche Hand beweist sie bei der Verheiratung ihres noch sehr jungen Sohnes Loeb nach Berlin, denn der Vater der Braut bricht die Verlobungsvereinbarung. Und der Sohn selbst scheint auch recht gutgläubig gewesen zu sein und lässt sich übers Ohr hauen. Glückl kommt für seine Schulden auf.
"Mein Sohn Loeb ist nun wieder nach Berlin gereist und hat angefangen wieder ein bißchen zu quackeln und zu handeln; er hat ein Loch zugestopft und ein anderes wieder aufgemacht, wie es solche Leute tun, und hat immer gemeint sich zu helfen."
Glückl selbst hat sich zu einer sehr erfolgreichen Geschäftsfrau weiterentwickelt: Jeden Monat kann sie für mehr als fünfhundert oder sechshundert Reichstaler Waren verkaufen und ein eigenes Gewölbe in Hamburg unterhalten. Sie betreibt Handel mit Paris, Amsterdam, Wien, Leipzig, Berlin und Metz und ist nun auch selbst häufig auf Reisen. Neben dem Diamanten- und Perlenhandel lässt sie in Hamburg Strümpfe herstellen. Regelmäßig besucht sie, meist unterstützt von ihrem Ältesten, die Messen in Braunschweig, Leipzig und Frankfurt. Ein gefährliches und für eine Frau höchst ungewöhnliches Unterfangen, zumal sie manchmal auch nur mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn unterwegs ist.
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| Metz um 1700 |
Mit dieser Partie ist Glückls Eheschließung 1770 mit dem etwa 60jährigen Witwer Hirsch (oder Cerf) Isaac Levi Rabbin gemeint, einem reichen Bankier und Gemeindevorsteher in Metz, auf Empfehlung ihres Schwiegersohnes, Moses Krumbach, ebenfalls Gemeindevorsteher. Der Mann wird ihr als zuverlässig und ehrlich beschrieben. Ohne dass sie den Bräutigam vorher persönlich kennengelernt hat, lässt sie sich darauf ein. Sie hofft auf ein behagliches Alter, nachdem alle Kinder bis auf ihre Jüngste, Miriam, verheiratet sind. Die Verlobung muss heimlich geschehen, denn der Hamburger Rat hätte ihr ein ordentliches "Abzugsgeld" abverlangt.
Doch es kommt alles anders: Die schwere Erkrankung ihres kleinen Enkelchens in Metz ist der erste Sturm, den sie in dieser Stadt aushalten muss. Danach geht der neue Mann alsbald bankrott. Nur die Mitgift für Miriam kann Glückl retten, was umso erstaunlicher ist, als bei der Eheschließung das Vermögen der Frau auf den Ehemann übergeht. Das Paar ist nun auf die Unterstützung seiner Kinder angewiesen. Glückl handelt nebenher noch etwas mit Juwelen, muss aber nach seinem Tod 1712 auf die Annehmlichkeiten und Mittel verzichten, die ihr ihr früheres Leben erleichtert haben. Zunächst lebt sie bei Verwandten und zieht 1715 trotz innerer Widerstände zu ihrer in Metz lebenden Tochter Esther, wo sie 1719 die Niederschrift ihrer Erinnerungen, die sie bereits 1699 begonnen hat, abschließt.
Glückl von Hameln stirbt am 19. September 1724 im hohen Alter von 79 Jahren im Haus ihrer Tochter Esther.
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| Leopold Pilichowsky "Bertha Pappenheim im Kostüm der Glikl bas Judah Leib." |
Der Budapester Gelehrte David Kaufmann ediert 1896 die "Sichrojnes maras Glikl Hamil" ( auf Deutsch: "Erinnerungen der Frau Glikl Hamil" ) in jiddischer Sprache ( Alt- oder Westjiddisch wird zur Zeit dieser Veröffentlichung von der breiten Öffentlichkeit nicht mehr verstanden ). Es ist die österreichische Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim, eine entfernte Verwandte Glückls ( ihre Mutter war eine geborene Goldschmidt ), und der Lehrer an der Israelitischen Realschule in Fürth, Alfred Feilchenfeld, die sie 1910/13 in deutscher Übersetzung herausgeben. Die Pappenheim lässt sich sogar 1925 von Leopold Pilichowski im Kostüm der Glückl malen.
Das Jüdische Museum Berlin hat der hamburgischen Kauffrau ein Kapitel in der bis 2017 gezeigten Dauerausstellung gewidmet und anhand ihres Lebens die Schwierigkeiten vor der Jüdischen Emanzipation, der Integration der Juden in die Nation, aufgezeigt. Seit 2016 gibt es in Hamburg-Altona-Nord eine Glückel-von-Hameln-Straße.










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