Am 5. Mai 1775 wird Maria Clementine Martin unter dem bürgerlichen Namen Wilhelmine Martin in Brüssel geboren. Ihr Vater ist der königlich-kaiserliche Leutnant Johann Heinrich (de) Martin, aus Österreich stammend - unklar ob aus Linz oder Lienz in Tirol -, 36 Jahre alt, die Mutter die gleichaltrige Christine Wilhelmine von Mergenthal. Das Paar hat schon eine um einiges ältere Tochter namens Anna.
Schon 1779 hat sich im protestantischen Jever nach dem Toleranzedikt des Zerbster Fürsten in einem Nebengebäude des Schlosses eine katholische Gemeinde etabliert, zu der auch die Martins gehören. Höchstwahrscheinlich ist von dort auch der Impuls gekommen, sich einem Orden anzuschliessen, in welchem die franziskanische Spiritualität in ihrer strengsten Fassung gelebt wird, den Annuntiantinnen. Der Orden, einst gegründet von der Tochter des französischen Königs Louis XI., Jeanne de Valois, nach der Aufhebung ihrer Ehe mit Louis XII., unterhält ein Kloster in Westfalen, in Coesfeld im "St. Annenhus".
Die ausführliche Klosterchronik von St. Anna berichtet übrigens nichts darüber, dass im Kloster Wissen über das Arcanum - bei Paracelsus ein spezifisches, geheimnisvolles und innerlich wirksames Heilmittel, das eine Krankheit an ihrer Wurzel bekämpft - vermittelt worden ist. Auch dem Artikel über das Coesfelder Annuntiatinnenkloster im "Westfälischen Klosterbuch" ist nicht zu entnehmen, dass das Kloster über ein derartiges Mittel verfügt hat. Das wird später noch eine Rolle spielen.
Die Chronik von St. Anna erwähnt Schwester Maria Clementine Martin nur ein einziges Mal, und das 1803, also im Jahr der Aufhebung des Klosters, als sie eine kranke Mitschwester auf der Reise nach Venlo begleitet.
Ein weiteres Dekret von Napoleon verfügt im Jahr 1811 die Auflösung aller Franziskanerklöster und besiegelt damit auch das Schicksal des Klosters der Tertiarinnen in Glane, denn diese sind Franziskanerinnen der 3. Regel. Und es betrifft auch die Annuntiatinnen, die sich ja mit ihnen das Kloster teilen. Die Kirche und größeren Gebäude werden abgebrochen, nur ein kleines zweistöckiges Gebäude aus dem Jahre 1757 ist bis heute übrig geblieben. Die bei Auflösung aufgestellten Inventar- und Vermögensverzeichnisse sind von der Oberin, ihren beiden Vertreterinnen und schließlich auch von Maria Clementine Martin unterzeichnet. Ihre Ruhe & Sicherheit, die ihr das Klosterdasein sichern sollte, ist aber nunmehr dahin. Ab da ist sie auf sich allein gestellt und muss sich im weltlichen Leben behaupten. Sie ist 36 Jahre alt.
Auch wenn die Annuntiatinnen wegen des von ihnen streng einzuhaltenden Armutsgelübdes ein entbehrungsreiches Leben kennen, ist für den eiteren Lebensunterhalt der Maria Clementine nur sehr dürftig gesorgt durch Pensionen, die die Landesherren, die sich im Wege der Säkularisation in beachtlichem Umfang Güter und Einkünfte zahlreicher Klöster und Stifte angeeignet haben, nach dem Gesetz zu entrichten haben. Es reicht kaum zum Leben, und die Zahlungen erfolgen sehr unregelmäßig. Ein "Deja-vu", denn das kennt Maria Clementine von ihrer Mutter. Sie selbst muss die rückständigen Zahlungen ihrer Rente bei der Rheingräfin
Wilhelmine Fürstin Friederike zu Salm in Erinnerung bringen.
Maria Clementine hält sich zu dieser Zeit in der nahe Brüssel gelegenen Kleinstadt
Tirlemont in Brabant auf. Darüber, wie sie dort lebt, welcher Tätigkeit sie nachgeht und wie ihr Zuhause aussieht, ist nichts Näheres bekannt. In einem Brief an das preußische Königshaus vom Juli 1821 begründet sie den Aufenthaltsort damit, sie habe die Weisung erhalten, an ihren Geburtsort - Brüssel - zurückzukehren. Sie erwähnt in ihren Briefen auch, dass ein Pater mit Namen Sintaxius für sie sorge. Ob die ehemalige Ordensschwester und der Pater in Tirlemont zusammenleben oder sie durch ihn nur gelegentliche Hilfe erhält, ist nicht bekannt.
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| Habit einer Karmelitin |
Bis 1815 wird sie dort bleiben, nun alimentiert durch das Kaiserreich Frankreich. Dann rückt ihr Name im Juni 1815 im Zusammenhang mit der Schlacht von Waterloo ins Blickfeld, da sie sich bei der Versorgung der verwundeten "
vaterländischen Krieger" Verdienste erworben habe. "
Feststellungen dieser Art gehören eher zu den über Maria Clementine Martin kursierenden Legenden, die es nicht wenige gibt", meint dazu Helmut Heckelmann, der Quellenforschung zur Klosterfrau im Rahmen seiner Dissertation an der Universität Regensburg betrieben hat.
Erst im Juli 1821 leitet Maria Clementine ein Gesuch an den preußischen König, in dem sie betont, sie habe sich in den Lazaretten in
Waterloo der tapferen preußischen Kämpfer angenommen, was sowohl der Bürgermeister von Tirlemont als auch der preußische Generalfeldmarschall Blücher bestätigen könnten. Daraufhin wird sie für ihre besonderen Verdienste um die Versorgung verwundeter preußischer Soldaten von König Friedrich Wilhelm III. mit einer Leibrente von jährlich 160 Talern bedacht. Inzwischen ist sie auch wieder in Westfalen, in Münster, ansässig. Wenn sie ab etwa 1826 behauptet, sie habe sich acht Jahre im Kloster der Karmelitinnen in Brüssel aufgehalten, fehlen dafür bis heute jegliche Beweise. Eine Klosterangehörige ihres Namens ist im Brüsseler Karmel nicht verzeichnet.
1821 ist für die durch die politischen und gesellschaftlichen Zeitumstände auf sich gestellte ehemalige Ordensfrau auch aus einem anderen Grund von besonderer Bedeutung, denn im Sommer des Jahres wird gegen sie ein Verfahren wegen Quacksalberei angestrengt. Münsteraner Ärzte und Wundärzte verklagen sie wegen Heilbehandlungen, die die in der Medizinkunde nicht ausgebildete Nonne an "Fistel- und Krebsschäden" erkrankten Patienten durchführt. Auch aus diesem Grund wendet sie sich an den König und bittet darum, die gegen sie eingeleitete fiskalische Untersuchung niederzuschlagen und gleichzeitig um die Erlaubnis, Fistel- und Krebsschäden behandeln zu dürfen. Sie schreibt:
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Unbekannt mit dem Gesetze, welches das Verboth enthält, daß keiner ohne vorherige Erlaubniß des Staats aus der Kur der Wunden ein Gewerbe machen dürfe, leistete ich manchen am Fistel- und Krebs-Schaden hart danieder liegenden Patienten, an deren Aufkommen schon mehrere hiesige Wundärzte gezweifelt hatten, den thätigsten Beystand und war durch meine erworbenen Kenntnisse, und mit Beyhülfe der Arcani so glücklich, beynahe alle Patienten, die ich, laborirend an den gedachten Krankheiten behandelte, die so lange entbehrte Gesundheit wieder zu verschaffen." (Quelle
hier)
Wie schon ihre Behauptung über ihren angeblichen Karmel-Aufenthalt in Brüssel, sind auch den Ausführungen über ihr Wissen zum Arcanum bzw. Krebsmittel, das sie angeblich damals in St. Anna in Coesfeld erworben hat, mit Vorsicht zu genießen, denn auch dafür gibt es keine Beweise. Mit ihren Gesuchen hat Maria Clementine keinen Erfolg: Die preußischen Beamten stellen weder das gegen sie eingeleitete Verfahren ein, geschweige denn erlauben sie ihr, ihre Heiltätigkeit fortzusetzen. Wovon sie anschließend in Münster ihren Lebensunterhalt bestreitet - ob sie ausschließlich von ihrer Pension lebt oder andere zusätzliche Einkünfte erzielt - weiß man nicht. 1825 zieht sie dann nach Köln um.
In Münster hat die ehemalige Nonne - sie trägt wohl ein selbst kreiertes Habit aus Wollkleid, Schürze und einer Art Schleier über den Haaren - in Häusern des Domkapitels gewohnt und in Kontakt zum Domdechanten Spiegel gestanden. Jener
Graf Ferdinand August von Spiegel wird 1825 zum Erzbischof von Köln berufen. In Köln lebt Maria Clementine wieder in einem Haus des Domkapitels. 1829 schreibt sie, sie stände unter Spiegels ausdrücklichem Schutz.
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| Erzbischof Spiegel, Domhof im 1. Viertel des 19. Jahrhunderts |
Fünfzig Jahre ist Maria Clementine mittlerweile und sie scheint mit frischem Mut eine neue Perspektive zu verfolgen:
Am 6.11.1825 inseriert sie in der Kölnischen Zeitung ein von ihr hergestelltes Eau de Cologne, welches im Haus des Domvikars Gumpertz, Auf der Litsch 1, für 6
Silbergroschen & 3 Pfennige die Große Flasche zu haben sei. Die Rezeptur dafür habe sie durch Vermittlung guter Menschen erhalten. Das Haus des kranken 86-jährigen Domvikars, den sie pflegt, liegt im unmittelbaren Schatten des noch unvollendeten Domes. 1826 eröffnet sie dort ihr Unternehmen, die Destillerie "
Maria Clementine Martin, Klosterfrau". Nach dem Tod des Domvikars 1827 zieht sie dann um in das Haus Domhof 19, welches Maria Clementine für jährlich 60 Taler Preußisch Courant anmietet. 1829 nimmt sie den 14-jährigen
Peter Schaeben, Sohn einer vielköpfigen Familie aus dem Kölner Viertel Unter Krahnenbäumen, bei sich auf und baut ihn zu ihrem Nachfolger auf.
Melissengeist ist nach den damaligen gesetzlichen Bestimmungen ein Kosmetikum, also Parfümware. Daher die Bezeichnung als Kölnisch Wasser. Es als Arznei oder Geheimmittel anzupreisen, unterliegt einem gesetzlichen Verbot - die Herstellung und der Verkauf von Arzneien ist allein Apothekern vorbehalten. Maria Clementine bewirbt daher das Produkt auch als "Wasch- und Riechmittel".
Angesichts von dreizehn duftenden Kräutern plus hochprozentigem Alkohol in ihrem Melissengeist hat Maria Clementine offensichtlich den richtigen Riecher: Die stürmische Entwicklung des preußischen Kölns zu einer Wirtschaftsmetropole geht mit einem entsprechendem Bevölkerungswachstum einher. Und damit steigt auch der Bedarf nach mehr medizinischer Versorgung und Beruhigungsmitteln verschiedenster Art.
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| Gebrauchszettel |
Der schillernden Geschäftsfrau gelingt ein erster bedeutender propagandistischer Schachzug zuungunsten ihrer Konkurrenten, als sie König Friedrich Wilhelm III. mit Schreiben vom 7.11. 1829 um die Erlaubnis bittet, ihre Waren mit dem Preußen-Adler ausstatten zu dürfen. Mit einer Kabinettsorder vom 28.11. 1829 wird dem stattgegeben.
In einem nächsten Schritt 1831 hinterlegt sie ihr Fabrikzeichen, zu denen das Preußen-Wappen und das Ordenszeichen der Karmeliter gehören, beim Rat der Gewerbeverständigen in Köln. Dieses Signum wird auf ihren Waren und Gebrauchszetteln angebracht, weicht allerdings markant von dem Originalwappen der Karmeliten - zwei Sterne sind bei diesem links und rechts neben dem zu einem Kreuz stilisierten Berg Karmel angeordnet, der dritte Stern befindet sich im unteren Teil des Wappens. Bei der Klosterfrau fehlt dieser dritte Stern.
Sicherlich resultiert Maria Clementines geschäftlicher Erfolg aber weniger aus der Hinterlegung ihrer Markenzeichen, zumal die Schutzfunktion zu dieser Zeit noch nicht sehr ausgeprägt ist, als vielmehr auf der Tatsache, dass sie ihren Melissengeist weitgehend konkurrenzlos anbieten kann, während unter den Kölnisch-Wasser-Produzenten ein heftiger Konkurrenzkampf tobt. Mitte der 1830er Jahre hat sie nur noch eine Mitbewerberin, Therese Sturm, die den aus dem Königreich Bayern importierten Regensburger Karmelitengeist in Köln vertreibt.
Therese Sturm ist ursprünglich Haushälterin des ehemaligen Prokurators des Kölner Karmeliterordens gewesen, der nach Aufhebung des Kölner Karmels von seinen ehemaligen Ordensbrüdern aus Bayern diesen Regensburger Karmelitengeist bezogen, in Köln verkauft und vor seinem Tod mit einer vertraglichen Vereinbarung mit den Verantwortlichen in Regensburg die Weiterbelieferung an Therese Sturm gesichert hat. Maria Clementine zeigt Ellenbogen, als besagter Ex-Mönch, Johann Schmitz mit Namen, nicht mehr seine schützenden Hände über die Sturm hält. Sie bringt die Behörden dazu, mehrere Verfahren wegen illegalen Verkaufs von Geheimmitteln gegen die Mitbewerberin anzustrengen. Dagegen wehrt sich ein Neffe der Therese Sturm vehement ( seine Stellungnahme ist heute noch in den Unterlagen der Regierung Köln zu finden ). Darin schont er Maria Clementine nicht, indem er von der
"Verfolgungssucht einer Klostergeistlichen" spricht, "welche leider schon zu lange im Gewande der Scheinheiligkeit, Armuth bei nicht unbedeutendem Reichthum heuchelnd, unverdinte Gunst und Mitleid vielseitig sich erschlichen hat ."
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Das Geschäftshaus der Firma am Domkloster 3, ca. 1880. Heute ist hier das Dom-Forum. ©Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv Köln |
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Von einer gleißerrischen gewinnsüchtigen Dienerin des Herrn" ist bei ihm auch die Rede. Die Tatsache, dass Maria Clementine in jenen Tagen das Gebäude Am Domhof 19 als Eigentum erwerben kann, spricht für ihr ausgefuchstes, erfolgreiches Geschäftsgebaren. Brisant ist, dass Maria Clementine, während sie Therese Sturm wegen verbotswidriger Benutzung ihrer Gebrauchszettel polizeilich und gerichtlich verfolgen lässt, sich selbst genau solcher Beipackzettel bedient. Die Polizeibehörde belässt es lediglich bei einer Androhung, im Falle der Zuwiderhandlung den Vorrat an Melissengeist der Klosterfrau zu konfiszieren und gegen sie gerichtlich vorzugehen, ahndet dagegen ihren Gesetzesverstoß, der durch die Vorlage der von ihr ausgegebenen Gebrauchszettel nachgewiesen ist, nicht.
Noch während dieser Auseinandersetzungen wendet sich die Martin im Februar 1835 wieder einmal an den König Friedrich Wilhelm III. mit der Bitte, ihr das Alleinvertriebsrecht für ihren Melissengeist einzuräumen. Doch jetzt ist sie wohl zu weit gegangen: Nicht zuletzt unter Berufung auf die eingeführte Gewerbefreiheit lehnt das zuständige Ministerium am 2.5.1835 das Gesuch ab, ebenso einen weiteren Antrag, ihren Melissengeist als Arznei anzuerkennen. Die Konkurrentin hat zwar gerichtlich letzten Endes nach fünf Jahren Erfolg, doch "dat arme Nönnche" hat in der Zwischenzeit ohne jede Konkurrenz erfolgreich ihr Geschäft ausbauen können. Und es kehrt einmal etwas Ruhe ein rund um die "Klosterfrau"...
Doch zunächst eher im Untergrund widmet sie sich der katholischen Sache im protestantischen Preußen. Als dies nämlich im Rahmen ihrer Stadtverwaltung den recht unbeliebten, katholisch-frömmelnden Erzbischof
Clemens August Droste zu Vischering 1837 unter Hausarrest stellen, wird sie verdächtigt, allen voran von dem Kölner Polizeidirektor Arnold Matthias Heister, Verfasserin von Schmähschriften gegen den Staat, aber auch gegen das Kölner Domkapitel zu sein. Das ist jedoch nicht mehr endgültig zu klären. Liest man jedoch ihre Briefe an
Joseph Görres, dem einflussreichsten Publizisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bleiben keine Zweifel mehr zurück an dem von der preußischen Regierung gegen sie geäußerten Verdacht.
Maria Clementines Ruf als "königstreue Untertanin" ist also hinüber: Obwohl sie ihren Geschäftserfolg zu einem großen Teil der Protektion des preußischen Staates aufgrund ihres schmeichlerischen Benehmens verdankt ( was auch die jahrelange Schonung durch die Kölner Bezirksregierung bei der Ausübung ihres Geschäftes umfasst ), erweist sich die Protegierte nun alles andere als dankbar und zieht ohne jede Zurückhaltung gegen den Staat und seine Repräsentanten zu Felde. Insgesamt wird der Geschäfts- und Klosterfrau ohnehin eher wenig Warmherzigkeit attestiert.
Am Ende ihres Lebens hat ihr Unternehmen Filialen in Bonn, Aachen und Berlin. Wenige Monate vor ihrem Tod, im April 1843 bestimmt Maria Clementine Martin ihren Gehilfen Peter Gustav Schaeben testamentarisch zu ihrem Universalerben. In ihrem Testament gibt sie ihm den Rat auf den Weg, sich nicht "mit einem Compagnon in Theilung des Geschäftes" einzulassen. Schaeben wird das Unternehmen unter der von der Erblasserin vorgegebenen Firma Maria Clementine Martin Kloster fortführen und zahlreiche Auszeichnungen für seine Produkte auf mehreren Weltausstellungen erringen.
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Skulptur für den Kölner Rathausturm Grab auf Melaten |
Maria Clementine Martin stirbt am 9. August 1843 als wohlhabende Frau mit 68 Jahren. Sie wird in unmittelbarer Nähe einer Kapelle auf dem Kölner Friedhof Melaten beigesetzt, wo ihr Grab bis heute erhalten ist.
Es hat mich nicht überrascht, dass das über Maria Clementine Martin Geschriebene mit wenigen Ausnahmen mehr auf Legenden und romanhaften Darstellungen als auf nachweisbaren Tatsachen beruht hat, denn das gehört auch zur gewieften Firmendarstellung.
Neuere Erkenntnisse aus sorgfältigem Quellenstudium haben mich veranlasst, die berühmte Klosterfrau in dieser Blogserie vorzustellen. Maria Clementine Martin war eine Zeitzeugin eines sehr großen europäischen Umbruchs. Kommt daher ihre "aktive Anpassungsfähigkeit" ( Tanja Schurkus )? Oder ist sie dem Aufwachsen unter prekären materiellen Verhältnissen mit einer Mutter, die für ihre Familie gekämpft hat, geschuldet? Wie erfolgreich darf eine Frau sein, vor allem, wo sie doch in jugendlichen Jahren ein Armutsgelübde abgelegt hat? Leider gibt es nichts, das Antworten auf diese Fragen geben könnte, denn Maria Clementine Martin hat so gut wie kein Selbstzeugnisse hinterlassen. Das Gebäude ihres Unternehmens samt möglicher Schrifttümer ist in den Bombennächten des 2. Weltkrieges völlig zerstört worden.
Bis 1929 bleibt das von ihr gegründete Unternehmen unter der Führung der Schaebens in Familienhand. 1933 gelingt es Wilhelm Doerenkamp, ein pharmazeutischer Unternehmer und Kommandist bei "Klosterfrau", die Schaeben-Brüder - infolge der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in Bedrängnis geraten - im Rahmen eines Zwangsvergleichs als Hauptgläubiger in der Insolvenz aus der Firma hinauszudrängen. Der Vorgang wird "Klosterfrau" prägen – wann immer der Markt eine Chance bietet, ist das Kölner Unternehmen zur Stelle. Erst als Partner, dann als Käufer. Ein wenig erinnert das auch an das Gebaren seiner Begründerin, oder? Auch nach dem 2. Weltkrieg fährt Klosterfrau geschickt im Windschatten der Pharmakonzerne und kauft einige "Juwelen" der Branche wie Taxofit und kapert die Kölner Firma Nattermann.
Heute wird Klosterfrau Melissengeist von einem Zürcher Unternehmen, der healthcare group ( die als Familienunternehmen etikettiert wird ), produziert. Im Rahmen des 200jährigen Unternehmensjubiläums wird in diesem Jahr zum ersten Mal der Maria Clementine Martin-Award verliehen an Gründerinnen, die mit ihren Ideen und Projekten "einen ebenso positiven Einfluss auf die Gesellschaft und die Gesundheitsbranche ausüben" wie die Namensgeberin des Preises.
Und wie immer mein Hinweis auf weitere Frauenposts!
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Danke, dass du dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst! Kommentare ohne ein Blog- Konto bei Google oder Wordpress bitte nur mit Namensnennung!
Wenn jemand im Kommentar Menschen nach Herkunft, Religion, Liebe oder Behinderung sortiert und einen Teil davon zur Zielscheibe erklärt, ist für mich Schluss. Egal wie berechtigt der Ärger ist, den sie eingesammelt hat. Das hat nichts mit links oder rechts zu tun, das steht im Grundgesetz, in Artikel 1 und Artikel 3.
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