Donnerstag, 7. September 2023

Great Women #349: Laura Ashley

Natürlich habe ich den Laden der Laura Ashley, ganz prominent am Eingang zur Kölner Hohe Straße gelegen, regelmäßig aufgesucht, die Kataloge der Home Kollektion gesammelt und  Pre Cuts für die Puppenausstattung meiner kleiner Tochter gekauft. 1987 bei der Neueinrichtung meines Hauses bediente ich mich dann bei den Streifen - Stoffen der "Charlston"-Kollektion. Und bei der Auflösung des Ladens 1998 habe ich dann sogar ein Kleid erstanden. Nicht geblümt und aus schwarzem Samt für den Abschlussball meiner Tochter. So viel zu mir und der Beziehung zur heutigen Protagonistin...

Logo von 1972


"Was du als Designer entwirfst, ist ein Ausdruck deiner selbst."

Laura Ashley kommt am 7. September 1925, also heute vor 98 Jahren, als Laura Mountney im Haus ihrer Großmutter in 31 Station Terrace im Ortsteil Dowlais der südwalisischen Stadt Merthyr Tydfil zur Welt. Der Ort gilt wegen seiner zahlreichen Stahlwerke damals als "Welthauptstadt des Eisens und des Stahls". Allerdings wird nach der Weltwirtschaftskrise, also bald nach Lauras Geburt, die Stahlproduktion vor Ort eingestellt. Die umgebende Landschaft ist da schon erheblich zerstört.

Die Familie gehört den Strict Baptists an, einer Spielart dieser Glaubensrichtung, die an der calvinistischen Interpretation der christlichen Erlösung festhält. Lauras Eltern Margaret Elizabeth Davies und Stanley Lewis Mountney, ein Beamter, leben & arbeiten eigentlich in London, und die Mutter ist nur zur Geburt Lauras in ihr Elternhaus zurückgekehrt, um Beistand bei ihrer Mutter zu finden. 

Nach Laura werden die Mountneys noch drei weitere Kinder bekommen, darunter eine weitere Tochter, Mary, und zwei Söhne, Trevor und Francis. Die Lebensumstände der Familie sind eher bescheiden zu nennen. Laura wächst zunächst im recht disziplinierten Haushalt der Großmutter auf, die wohl ihr Interesse an textiler Gestaltung weckt und Basiskenntnisse vermittelt, ebenso eine Tante.

Obwohl die Sprache der Baptistengemeinde - "Hebron" in Dowlais heißt das Bethaus -, der die Großmutter angehört, walisisch ist, ist Laura ihrer nicht mächtig, liebt aber ihren Klang und besonders den Gesang, aber auch die einfache Kleidung der Gemeindeangehörigen aus gestärkter Baumwolle oder Leinen und schlicht geschnitten. Die streng baptistische Kindheit Lauras hat noch etwas Edwardianisches, obwohl die Zeit längst vorbei ist. 

1939
Bis 1932 besucht das Mädchen die Marshall's School in Merthyr Tydfil, dann zieht es zu den Eltern nach London, wo es den Unterricht in der Elmwood School in Stadtteil Croydon fortsetzt. Die Sommer- & Osterferien verbringen die Mountney- Kinder aber immer bei der Großmutter in Wales.
Als der Zweite Weltkrieg erklärt wird, bricht Lauras Mutter mit den Kindern dorthin auf. Aber da so viele andere Kinder auch evakuiert werden, um sie in Sicherheit vor den Bombenangriffen der Nazis zu bringen, findet Laura keinen Platz an einer allgemeinbildenden Schule mehr. Alternativ beschließt die Familie, dass sie die Aberdare Secretarial School, sechs Kilometer von Merthyr Tyddfil entfernt, besuchen soll. 

Die Ausbildung ist 1942  abgeschlossen, und Laura kehrt nach London zurück, um den Vater und ihren Onkel im Haushalt zu unterstützen. Während dieser Zeit lernt sie den gleichaltrigen Ingenieur Bernard Ashley in einem Jugendclub in Wallington kennen. 

Ab März 1944 wird sie beim Women’s Royal Naval Service (WRENS) zur Telegrafistin ausgebildet und schließlich der Allied Naval Combined Expeditionary Force der Briten & Amerikaner zugewiesen. Einen großen Einfluss auf ihre Vorstellung von guter Kleidung hat nun auch ihre Uniform. Laura später dazu: 
"Die Uniform war aus marineblauem Gabardine von sehr guter Qualität und man konnte sie  gut bügeln und mit einem sauberen weißen Baumwollhemd, Kragen und Krawatte, einem hübschen, frechen kleinen Hut und bequemen Schuhen aus schwarzem Leder tragen."
Es beginnt eine sehr aufregende, prägende Zeit für die 19jährige: Im April des Jahres wird sie in einen kleinen Ort bei Portsmouth und dort in ein stattliches Herrenhaus gebracht, wo sie auf viele, teils erfahrenere Telegrafistinnen stößt. Was Laura nicht weiß: Sie ist jetzt an dem Ort, an dem die Planungen laufen für den D-Day, den Tag, an dem die Landung alliierter Truppen in der Normandie stattfinden soll.

Dort unterliegt sie strikten Auflagen - das Gelände darf z.B. nicht verlassen werden, Post wird zensiert und muss zu einer Deckadresse geschickt werden - und hat einen anstrengenden Dienst in drei Schichten in einem Kellerraum unter dem "War Room". In diesem sammeln sich in den nächsten Wochen viele wichtige Personen wie der König, George VI., und Winston Churchill zu Treffen mit den Generälen Eisenhower & Montgomery und Admiral Ramsey. Geheimhaltung ist angesagt. Am 6. Juni ist es dann so weit, und wenig später meldet sich Laura freiwillig für den Dienst auf dem Kontinent. Da sie noch ein "Zaunkönig" ist ( i.e. unter 21 Jahren alt ), ist dafür das Einverständnis ihrer Eltern nötig.

1944
Nach zwei Wochen Heimaturlaub und kleidungsmäßig bestens ausgestattet tritt die junge Frau ihre Reise von Portsmouth nach Frankreich an. "Unser Alter, die Aufgabe, zu der wir berufen waren, und die Aufregung trugen dazu bei, dass wir vollkommen zuversichtlich waren. [... ] wir dachten immer, wir wären auf der Gewinnerseite", wird Lauras Freundin Margaret Boothroyd später zu diesem Abenteuer sagen. 

Erste Station ist Granville, wo unter den primitivsten Bedingungen sofort die Telegrafenarbeit aufgenommen wird. Aber bald geht es auf eine unvergessliche Fahrt nach Paris. In einem Schloss in La Celle-Saint-Cloud  finden die Fernschreiber und ihre Bedienerinnen ihren Platz zwischen rosa - goldenen Möbeln, und es ist für Laura und die anderen jungen Frauen mit Passierscheinen in ihrer Freizeit möglich, sich in der Pariser City den Luxus bei Chanel, Elizabeth Arden usw. anzuschauen. Beeindruckt ist sie auch von der Freude & Dankbarkeit der Franzosen gegenüber den jungen Engländerinnen, die sie mit Zigaretten, Schokolade und Kekse bedenken.

Nach fast einem Jahr in Paris wird Laura nach Brüssel versetzt, wo die Arbeit viel anstrengender und zeitaufwändiger ist, im September 1945 dann nach Chatham in der Grafschaft Kent. Schließlich erhält Laura eine Position als Sekretärin beim National Federation of Women's Institute, während Bernard Ashley nach Indien versetzt wird, so dass die Beiden nur miteinander korrespondieren können. 1949, nun 24 Jahre alt, heiraten sie schließlich & endlich in London. 

Eine Inspiration zum Quilten erhält Laura durch eine Ausstellung traditionellen Kunsthandwerkes ihres Instituts im Victoria & Albert Museum. Als Laura nach kleinen Stoffflicken mit viktorianischen Mustern sucht, die sie für eigene Patchwork-Arbeiten brauchen könnte, stellt sie fest, dass es solche nicht zu kaufen gibt. Die winzigen Blumenmuster auf den antiken Quilts werden nicht mehr hergestellt, also fertigt Laura Ashley ihre eigenen an und so entsteht ihr lebenslanges Anliegen, alte Drucke und Muster wiederzubeleben.

In ihrer Wohnung in der 83 Cambridge Street in Pimlico beginnt sie mit Druckversuchen auf dem Küchentisch. Unterstützt von ihrem Mann und und einem Einsatz von zehn Pfund erwirbt sie einen Siebdruckrahmen, einige Farben und ein paar Meter Leinen und beginnt, Stoffstücke mit viktorianischen Motiven zu versehen.

Audrey Hepburn in "Ein Herz und eine Krone"
(1953)
Als das Paar 1953 einen Urlaub in Italien verbringt, fällt ihnen auf, dass die Italienerinnen kleine Halstücher tragen, wie es auch Audrey Hepburn in dem Film "Ein Herz und eine Krone" vorführt. Zuhause steigen sie in die Produktion solcher sweater scarfs  ( unter dem Namen Nickytücher habe ich sie kennengelernt und geschätzt ) ein. Zuvor bekommt Laura im September aber noch ihre erste Tochter Jane, ein Jahr später ihren ersten Sohn David.

Bernard bietet die sweater scarfs den Kaufhäusern "Heal's" und "Liberty's" an, wo sie so erfolgreich verkauft werden, dass Bernard, wie Sohn Nick später erzählen wird, grade von "Liberty's" zu Hause angekommen ist, als am Telefon schon nachgeordert wird.

Als Nebenlinie fängt Laura an, auch Geschirrtücher, Tischsets, Teewärmer usw. mit "Victorianas" zu bedrucken. Damit begeistert sie auch den amerikanischen Markt. 1955 zieht das Paar aufs Land, Bernard gibt seinen Job in der Stadt auf und in einer ehemaligen Poststation in Kent werden die ersten fabrikmäßig hergestellten Stoffe der Ashleys produziert - knapp 300 Meter pro Tag! Zu bemerken ist, dass weder Laura noch Bernard Textildesigner sind und nicht zeichnen können. Stattdessen recherchiert sie nach geeigneten Mustern, verbringt viel Zeit in Bibliotheken und Museen, studiert alte Musterbücher - das  ist ihre "einzigartige Idee", die ihrer Schwäche für den Stil vergangener Zeiten entgegen kommt.

Das Unternehmen firmiert ursprünglich unter dem Namen Ashley Mountney, aber Bernard findet, dass "Laura Ashley" besser zu der Art der Produkte passt, die sie herstellen.

Nachdem auch Nick 1957 geboren worden ist, übersiedelt die Familie 1960 nach Mittel-Wales, in ein altes Haus neben der Railway Station in Carno, welches schließlich das Zentrum eines multinationalen Geschäftes werden soll. Dort wird 1965 auch das vierte Kind der Ashleys, Emma, zur Welt kommen.

Als Laura sich in den Kopf setzt, einen eigenen Laden zu haben, wird der 1961 in der 35 Maengwyn Street, Machynlleth, Montgomeryshire, eröffnet. Im Laden verkauft man lokal produzierten Honig und Spazierstöcke sowie die Produkte des Paares. Hier arbeitet Laura mit einer Näherin zusammen, um ihre ersten Versuche in der Mode zu unternehmen und Hemdenkittel und Gartenschürzen herzustellen, wiederum so erfolgreich, dass das in der Londoner "Sunday Times" erwähnt wird. Aufgrund des Erfolgs mit der Schürze expandiert Laura jetzt in die Modebranche. 

1966 produziert sie ihr erstes Kleid, vermischt dabei beliebte Stile und Muster der klassischen englischen Romantik, ruft damit die Erinnerung an die Kindheit auf dem Lande bei ihren Kundinnen hervor und schafft so eine pastorale Idylle für die Städterinnen. Ihre Vorstellungen von der Kleidung der Farmersfrauen mag reichlich naiv sein, wichtiger scheint zu sein, dass es historische Vorbilder gibt. Außerdem glaubt Laura fest daran, dass Frauen lieber in Kleidung schön aussehen wollen, statt nach dem neuesten Schrei gekleidet zu sein.

"Da ich so abgeschieden lebte", erzählt Laura einmal, "habe ich mich nicht von städtischen Einflüssen beeinflussen lassen und wir haben uns einfach auf unsere eigene Art entwickelt." -  "Es geht nicht wirklich um Inspiration, was man als Designerin macht, ist ein Ausdruck seiner selbst, ich liebe Musik und Malerei und ich bevorzuge das Landleben." Ein anderes Mal sagte sie: "Die Idee, vier Babys zu haben, zu kochen, zu nähen und sich um den Haushalt zu kümmern, passte perfekt zu mir." Und zur  Mode bemerkt sie: "Ich mag keine flüchtigen Dinge, ich mag Dinge, die für die Ewigkeit bleiben".

"Swinging London" versus Laura-Ashley - Romantik

Der Erfolg des Laura-Ashley-Stils ist umso erstaunlicher, als sich im Laufe der 1960er Jahre die Modetrends dramatisch verändert haben hin zu Miniröcken und gradlinig geschnittenen Kleidern & Mänteln, gern mit geometrischen Mustern. Doch bald kommt dann auch der Hippie - Stil auf. Und zu dem passen die prairie dresses der Laura Ashley perfekt.

1967 erwerben die Ashleys den Bahnhof in Carno dazu, der zwei Jahre zuvor geschlossen worden ist. 1968 dann eröffnen sie ein erstes Geschäft in London, in der Pelham Street in South Kensington. Es zeichnet sich aus durch Naturholzböden, Schränke und Theken, lackiert in tiefem Blaugrün, altmodische Stühle - insgesamt herrscht dort ein Hauch eleganter Ungezwungenheit. Läden in Shrewsbury und Bath folgen 1970.

Innerhalb eines Jahrzehnts werden es dann mehr als 70 Geschäfte auf der ganzen Welt sein, und sie generieren einen Umsatz von 25 Millionen Pfund. Alleine in London verkauft Laura Ashley 4000 Kleider pro Tag. Dies führt zum Bau einer neuen Fabrik in Newtown, Montgomeryshire. Günstig wirkt sich auf diese Entwicklung die Arbeitsmarktsituation in Wales aus, denn die Ashleys können Schafscherer und Farmersfrauen als Arbeitskräfte gewinnen. Laura ist sich dessen bewusst, dass ihr Erfolg auf diesen Menschen beruht, und bemüht sich um eine freundliche Arbeitsatmosphäre. Das Unternehmen überholt so die Landwirtschaft als größter Arbeitgeber in der walisischen Region und beschäftigt in seiner Blütezeit mehr als 13.000 Mitarbeiter weltweit. Zunehmend wird allerdings die Umweltverschmutzung ein Problem, die die immer größer werdende Fabrik ab Mitte der 1970er-Jahre verursacht und gegen die die örtlichen Wasseraufbereitungsbehörden beginnen, Klage zu erheben.

Einen erneuten push bekommt das Unternehmen der Ashleys durch eine Reihe betörend "natürlicher" Werbeaufnahmen von Jane Ashley, der ältesten Tochter, mittlerweile fast zwanzig Jahre alt. 

"In der Familie herrschte eine starke Arbeitsmoral. Bei jeder Mahlzeit wurde über Geschäfte gesprochen. Meine Eltern hatten einen echten Macher-Ethos", so Jane. 

Janes amateurhafter Fotostil vermittelt, dass echte Menschen diese altmodischen Outfits tragen. Und tatsächlich sind die Fotomodelle Freunde & Geschwister der Fotografin, die die Maxi-Baumwollkleider und Lochstickerei-Blusen vorführen, die Janes Eltern zu Multimillionären machen werden. 

Auch die übrigen Kinder der Ashley sind übrigens im Geschäft involviert: David gestaltet die Shops, Nick & Emma sind im Design -Team.

Während die Designerin Laura Ashley ihr millionenschweres Geschäft mit Franchise-Unternehmen weltweit weiterentwickelt, lebt die Frau Laura Ashley zurückgezogen. Sie trägt lange bis in ihre Vierziger ihre eigenen Designs, und wenn sie in ihrem Privatflugzeug fliegt, ist dessen Innenraum immerhin mit ihren Stoffen dekoriert. 

Wegen Steuerproblemen weichen die Ashley nämlich aus nach Frankreich, wo sie ein Schloss - das Château de Remaisnil - erworben haben. Ein Haus an der Côte d'Azur, auf den Bahamas, in Palm Beach sowie ein Stadthaus in Brüssel und die Villa "Rhydoldog House" nahe Rhaeadr in Wales ergänzen das Portfolio des Familienbesitzes. Zum familieneigenen Luxus gehört neben all dem noch eine Yacht, denn Bernard segelt gerne. Laura, die Angst vor Wasser hat, erträgt ihre Seekrankheit, um ihrem Mann seine Freude nicht zu verderben.

Der transparente Rock, in dem die Kindergärtnerin Diana Spencer zum ersten Mal als königliche Verlobte 1981 fotografiert wird, stammt aus Laura Ashleys erster Londoner Boutique. Das Foto trägt "immens zum Image bei" und schafft die Grundlage für die amerikanische Expansion. Diana bleibt auch als Gemahlin des Prinzen von Wales eine der Bewundererinnen des Stils. 

Eine von Lauras Vorstellungen, durch ihren Glauben geprägt, ist die von einem gemütlichen Zuhause und dem Zusammenhalt in der Familie ( männliche Kneipengänger hasst sie, und dass ihre ältesten Kinder sich schnell der Familie entziehen, mag sie gar nicht ). Da scheint es nur konsequent, dass ihr Unternehmen 1981 auch eine Home-Kollektion in einem aufwändig gestalteten, multilingualen Katalog präsentiert. Im Jahr darauf veröffentlicht das Unternehmen das "Laura Ashley Book of Home Decorating" und präsentiert  Lauras Schwelgereien in Chintz mit "Country Roses", Rüschen und entsprechenden Tapeten.

Die "Charleston" - Kollektion
Bauchschmerzen bereitet ihr, als ihr Sohn Nick erfolgreich die "Charleston"-Kollektionen von Vanessa Bell ( siehe dieser Post ) und Duncan Grant aus den 1930er Jahren kopiert. 

Doch die künstlerischen, farbenfrohen Charleston-Designs holen das Unternehmen aus einer vorübergehenden Flaute heraus. Die Unternehmerin in Laura lässt es schweigend durchgehen: 

"Je mehr sie über den Lebensstil von Bloomsbury im Allgemeinen und von Charleston im Besonderen las, desto mehr machte sie sich Sorgen, dass sich in eine Gruppe einmischen würde, deren moralische Werte weit von ihren eigenen entfernt waren", meint ihre Biografin Anne Sebba. 

Laura fühlt sich nämlich in ihrer Überzeugung bestätigt, dass ausschweifender Sex völlig falsch sei, und dass der tiefste Wunsch der meisten Menschen letztendlich darin bestehe, "eine Familie & einen Garten zu haben und so komfortabel wie möglich zu leben".

Wie schon erwähnt, trägt Laura ab ihren Vierzigern keine eigene Kleidung mehr: Ihre unvermeidlichen Strickjacken kauft sie bei Yves St. Laurent oder in späteren Jahren bei Sonia Rykiel und schneidet die Etiketten heraus, weil sie befürchtet, ihr Mann könne es mitbekommen und darüber verärgert sein, dass sie modisch fremd geht. Überhaupt ist sie jemand, der sich in der Ehe sehr konventionell verhält.

Als Lauras sechzigster Geburtstag bevorsteht, reist sie in die Cotswolds zum Cottage ihrer ältesten Tochter, um sich dort feiern zu lassen. Am frühen Morgen des nächsten Tages stürzt sie eine Treppe hinunter, erleidet eine Hirnblutung und wird ins Warwick Hospital gebracht und schließlich in die neurologische Abteilung des Walsgrave Hospital in Coventry verlegt. Ohne das Bewusstsein wiederzuerlangen, stirbt Laura Ashley am 17. September 1985 dort. Zu ihrem Begräbnis auf dem Friedhof von St. John the Baptist, in Carno kommen über zweitausend Menschen.

Zu diesem Zeitpunkt ist Laura  Ashley stellvertretende Vorsitzende des Unternehmens. Sie hinterlässt eine Firmengruppe, die kurz vor dem Börsengang steht und  einen Wert von 270 Millionen Pfund hat. Die Aktien werden etwa einen Monat später ausgegeben. 1987 gründen ihr Mann und die Kinder eine Stiftung, die Laura Ashley Foundation. 

Mit den aufkommenden 1990er Jahren verlässt das Unternehmen seine Glückssträhne. Versuche, die Verluste aufzufangen, die sich ab 1991 abzeichnen, scheitern. In den nächsten Jahrzehnten erlebt die Firmengruppe also eine sehr wechselhafte Geschichte. 1993 hat sich Bernard Ashley bereits zurückgezogen ( 2009 stirbt er ), diverse Eigentümer folgen. 

2020 wird bekannt gegeben, dass die Investmentfirma Gordon Brothers den Markennamen, die Archive und die geistigen Eigentumsrechte von Laura Ashley übernimmt und eine neue Modekollektion mit der jüdischen Designerin Batsheva Hay aus New York herausbringen wird, die schon länger mit dem Stil experimentiert. In diesem Jahr gibt es eine Kooperation mit Lucky Brand. Inzwischen ist der Laura-Ashley-Stil auch sonst wieder ganz schön en vogue und das Unternehmen gedeiht wieder. Und auch an Laura wird sich wieder erinnert...




14 Kommentare:

  1. Mein allererstes selbstgekauften Kleid war aus dem Laura Ashley Laden in Köln! Mit zarten Blumen. Das hatte ich mir schon sehr lange gewünscht und darauf gespart. Den klassischen Schnitt liebe ich noch immer. Leider passt es (natürlich) nicht mehr, aber liegt gefaltet in der Truhe. Gewisse Sachen haben Erinnerungswert.
    Wie Du habe ich die Werbung (wenn möglich) gesammelt. Zu der Zeit war ich sehr in diesen Stiel und England verliebt. Über L.A. wußte ich nicht allzuviel, ein ganz anderes kreativs Leben, als viele andere kreative Frauen, welche Du vorstellst. Und ein interessantes wiedereinmal!
    Danke und liebe Grüße und schöne, guttuende Tage
    NinaSonnenstunden

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  2. Guten Morgen Astrid,
    eine tolles Porträt, welches ich sehr gerne gelesen habe. Der Name Laura Ashley war mir bekannt, aber die Person hinter dem Namen nicht. Danke für Deine ausführlichen Lebensbeschreibung. Nun kann ich mir ein besseres Bild machen. Bisher habe ich Laura Ashley irgendwie immer im Zusammenhang mit den in den 70er Jahre bekannten Puppen "Sarah Key" gesehen. Liegt wohl an den blumigen Stoffen.

    Liebe Grüße

    Monika

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  3. von Helga:

    Na klar liebe Astrid kenne ich ihre Produkte, leider waren sie für mein Budget nicht tauglich, als junge Familie mit Avancen auf ein Häuschen, musste man standhaft bleiben.
    Einen Laura Ashley Laden hatten wir in der Innenstadt vis a vis von der Marmorecke. Bekannte aus Straubing kamen regelmäßig um diesen Ladens zu plündern, ich erinnere mich an Tapeten oder Wohnungseinrichtungsgegenstände zu Beträgen die uns leider nicht zur Verfügung standen. Doppelverdiener ohne Kinder da konnten wir nicht mithalten. Aber gekannt haben wir diese Produkte schon, andere Dinge waren uns damals einfach wichtiger.
    Für ein Kleid von Betty Barclay musste ich lange sparen, die Kreuzerle zusammentragen und zusammenhalten, nicht schwach werden für andere Begehrlichkeiten.
    So ist mir Laura Ashley wohl ein Begriff und dass Du an sie erinnerst freut mich und ein Rückblick in vergangene Zeiten, wird jetzt im Alter wieder aufgefrischt.
    Danke dafür wie immer, mit besonderem Gruß Helga

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  4. Natürlich kenne ich Laura Ashley und ihre wunderschönen Stoffe. Allerdings fehlte mir der persönliche Background, die Biographie der Designerin. Was für ein spannendes und vielseitiges Leben sie gelebt hat. Und was für ein tragischer Tod. Fein, dass ihre Stoffe und ihr Name wieder aktuell werden!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Der blumige Stil von Laura Ashley war nie meins, meine Schwägerin hingegen war großer Fan ihrer Designs. Trotzdem nenne ich 2 Kleider und mehrere Kissen mein eigen, die ich in den späten 1990ern im Grazer LA-Geschäft gekauft habe. Das Geschäft gibt es schon lange nicht mehr. Die Kissen und die Kleider schon noch. Die Kleider waren aus Seide, schmal geschnitten und mit schmalen Trägern. Eines dunkelblau und eines rot mit großen schwarzen Rosen. Leider passe ich nicht mehr rein, am dunkelblauen hat inzwischen die Schwägerin große Freude. Und eines der Kissen hat es doch tatsächlich letzte Woche bei mir auf ein Foto in einem Blogpost geschafft. Viele Worte um mal wieder meine Freude an einem deiner Frauenporträts auszudrücken. Vor allem weil ich von der Frau hinter dem Namen so gar nichts wusste. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich sie gemocht hätte. Ihre Geschichte finde ich allerdings sehr interessant. Danke für ein weiteres bestens recherchiertes und formuliertes Porträt.
    Liebe Grüße heike von 3he fecit (die leider mit dem Handy bei Blogger nur anonym kommentieren kann)

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  6. Liebe Astrid,

    Laura Ashley bzw. ihre Kleider und Home-Accessoires fand ich ( und ein bisschen heute noch ) toll. Für ein Kleid hat es nie bei mir gereicht. In Bettwäsche habe ich mich auch verguckt, aber auch zu teuer.

    Ich fand die Vorstellung vom englischen Landleben, inmitten einer Schar von Tieren, schön. Mitten im Grünen, den täglichen five o'clock tea. Romantische Vorstellung halt.

    Über die Gründerin der Marke wusste ich nichts, auch nicht, dass Lady Dis Rock von ihr war oder dass sie schon so früh gestorben ist.

    Danke für die interessante Vorstellung
    sagt Claudia

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    1. PS.

      Den Laura Ashley Laden in Köln kannte ich nicht, aber den Crabtree & Evelyn. Das erinnert mich jetzt ein bisschen daran. Und dort habe ich mir dann Schrankeinlagen, die duften, gekauft, Handcreme und Duftkerzen und dort gern gestöbert. Ein bisschen Laura Ashley in klein.

      Liebe Grüße
      Claudia

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  7. Liebe Astrid, ich vermute Laura Ashley ist fast allen Frauen meiner Generation bekannt... so tolle Stoffe und Muster und die Einrichtungsgegenstände bzw. - beispiele hatten es mir immer angetan.
    Danke dir für die Vorstellung dieser Designerin, über deren Vita ich kaum etwas wusste.
    Lieben Gruß von Marita

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  8. Liebe Astrid, mit Laura Ashley hast du bei mir lebendige Erinnerungen an den feinen Laden in Frankfurts nobler Goethestraße geweckt. Mit großem Vergnügen habe ich dort gestöbert. Mich hat die Home-Kollektion mit mit den farbenfrohen Stoffen, passendem Geschirr und Tapeten angesprochen. Ein Geschirrtuch habe ich noch heute in Gebrauch. Die romantischen Kleider waren weniger mein Fall; da war ich eher Typ „Swinging London“. Die Lebensgeschichte der LA kannte ich nicht. Danke für deine wunderbare Schilderung. Herzliche Septembergrüße nach Köln, Margit P.

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  9. Wie wunderbar, eine Biografie von Laura Ashley! Ich dachte eigentlich immer, die gibt es nicht wirklich und der Name ist einfach gut ausgedacht.
    Dass sie so ein interessantes Leben und so einen dramatischen Tod hatte, wusste ich nicht.
    Der Laden bei uns in der City war ein Sehnsuchtsort. Fast nie konnte man sich da etwas leisten, aber schauen konnte ich oft.
    Eine Freundin von mir wurde dann dort tatsächlich Geschäftsführerin und so war ich öfters in diesem Traum von einem Laden. Einmal habe ich z.B. Duftende, gemusterte Papiereinlagen für die Schrankböden dort gekauft. Ein wahrer Luxus.
    Ein bisschen von dem Laden ist nach 40 Jahren auch in meinen eigenen Shop geistig gewandert. Einfach schöne Dinge, die langlebig sind ohne langweilig zu sein...
    Danke für diese feine Biografie, die gleich einen ganzen Film bei mir abspulen liess.
    Herzlichst, Sieglinde

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  10. merci pour ce merveilleux portrait !
    liebe grüsse
    mo

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  11. Als ich nach München kam, gab es in der Sendlinger Straße noch einen Laura-Ashley-Laden, inklusive Home-Collection, das war 1998. Ich glaub, dieser Laden hielt sich bis 2003 oder so. Ich wusste die Hintergründe, die zur Schließung geführt haben, nicht, aber den Laden vermisste ich schmerzlich. Obwohl ich gar nicht so der romantische-Kleider-Typ bin, fand ich manche Dinge einfach schön, weil sie so "britisch" waren. Kann mich z.B. noch an geblümte Tassen erinnern... und einen langen Rock.
    Auch in meinen "schottischen Jahren" war ich in Aberdeen öfter mal bei Laura Ashley, einfach, um zu gucken und zu stöbern.
    Liebe Grüße, Maren

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  12. Laura Ashley ist auch mir ein Begriff
    auch wenn ich nie etwas von ihr gekauft habe ;)
    aber sie "begegnete" einem damals schon öfter mal
    sehr schöne Dinge hat sie kreirt
    ich mag ja alles mit kleinen Mustern
    sie hat ja sehr viel für den Erhalt der alten Drucke getan
    tragisch ihr früher Tod
    danke für das Portrait
    liebe Grüße
    Rosi

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  13. Hallo Astrid,
    nun bin ich endlich zum Lesen gekommen und finde es eine sehr spannende Biografie. Laura Ashley ist mir aus den 90ern bekannt, ich hatte eine Kollegin die immer nach Stuttgart in den Laden ging und sich dort umsah. Gekauft hat sie nicht sehr oft, da dies während der Ausbilgungszeiten viel zu teuer war. Ich kann mich jedenfalls noch gut an die Blümchen aller Art erinnern.
    Danke für den tollen Bericht!
    Liebe Grüße
    Manu

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Danke, dass du dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst!

Ich wünsche mir allerdings nach wie vor, dass ein Name am Ende des Kommentars steht.
Da die anonymen namenlosen Kommentare zuletzt wieder zugenommen haben, hier der ausdrückliche Hinweis:

Ich werde sie weiterhin konsequent NICHT freischalten. ( Ausnahme: die amerikanische Gepflogenheit, nicht zu unterschreiben )

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