Donnerstag, 22. September 2016

Great Women # 75: Elisabeth Selbert


"Männer und Frauen sind gleichberechtigt" – dieser Satz stünde heute nicht in unserem Grundgesetz, wenn sich nicht damals vor 67 Jahren eine Frau derart vehement gegen die sogenannten Väter des Grundgesetzes durchgesetzt hätte: Elisabeth Selbert, deren 120. Geburtstag wir heute begehen können. Ein Glücksfall für uns Frauen! Atemlos habe ich das Protokoll der Auseinandersetzungen im Parlamentarischen Rat gelesen und war so begeistert von dieser Frau, dass ich ihr unbedingt hier & heute in meinem Blog ein Denkmal setzen musste:
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Elisabeth Selbert kommt also am 22. September 1896 als Martha Elisabeth Rohde in Kassel, in der Wallstraße 6, zur Welt, zweite Tochter ( von vieren ) des Georg Rohde und seiner Frau Eva Elisabeth Sauer, die von einem kleinen Bauernhof in Niederzwehren abstammt. Die Familie ist stark protestantisch geprägt. Die Mutter arbeitet als Haushälterin, dann als Hausfrau im eigenen Haushalt, der Vater ist eigentlich gelernter Bäcker, wird aber Berufssoldat und arbeitet nach einem Militärunfall als Gefangenenaufseher in der Jugendstrafanstalt „ELWE" in der Leipziger Straße 11 in Kassel. 

Mit ihren drei Schwestern ( Mitte rechts )
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Mit ihren drei Schwestern wächst Elisaberth in der Kasseler Unterneustadt und bei ihren Großeltern in Niederzwehren ( heute ein Stadtteil von Kassel ) auf. Sie besucht von 1903-1907 die Volksschule. Wie die meisten Mädchen ihrer Generation wird sie einer typische Mädchenerziehung unterzogen: Sie lernt sticken, stricken und nähen und hat wenig Zeit zum Lesen.

Es ist der Großvater, der sie in ihren intellektuellen Fähigkeiten, in ihrem Drang, mehr zu lernen, unterstützt. Um eine Mädchenrealschule besuchen zu können, muss Elisabeth eine Prüfung ablegen, damit sie vom Schulgeld befreit werden kann. Als sie 1912 diese schulische Ausbildung beendet, erhält sie - wie alle Mädchen damals im Gegensatz zu den Jungen - allerdings kein Zeugnis der Mittleren Reife -  eine Diskriminierung, die zu dieser Zeit selbstverständlich ist, Elisabeth aber sehr schmerzt.

Da die Familie den anschließenden Besuch einer Höheren Mädchenschule nicht bezahlen kann, besucht Elisabeth die Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins Kassel für ein Jahr. Ihren Wunsch, Lehrerin zu werden, kann der Vater aus finanziellen Gründen nicht erfüllen. So entscheidet Elisabeth sich für die Tätigkeit einer Auslandskorrespondentin bei der Textilfirma Salzmann & Co. in Bettenhausen, ebenfalls ein Kasseler Stadtteil. 

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verliert sie diese Stelle. Doch durch den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften werden bald Frauen in traditionellen Männerberufen beschäftigt. So findet sie 1916 im Telegraphendienst der Post eine Anstellung. 

Schon bald nach dem 1. Weltkrieg – während der Novemberrevolution – lernt sie den drei Jahre älteren Adam Selbert,  einen glühenden Sozialdemokraten & Kommunalpolitiker, kennen, der ihr politisches Engagement weckt.

Adam Selbert hat in Kassel eine Lehre als Buchdrucker absolviert und nach dem Abschluss seiner Lehre ist er Schriftsetzer für den Mainzer Anzeiger, später politischer Redakteur einer Zeitung in Worms geworden. 1913 ist er in die SPD eingetreten und als jüngster Abgeordneter in den Kommunal- und Provinziallandtag von Hessen-Nassau gewählt worden. Am Ersten Weltkrieg nimmt er als Soldat teil und ist während der Novemberrevolution Mitglied, später Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates in Niederzwehren.

Elisabeth selbst tritt 1918 in die Sozialdemokratische Partei ein und wird 1919 in das Gemeindeparlament Niederzwehren gewählt. Diesem Gemeindeparlament gehört auch Adam Selbert als stellvertretender Bürgermeister an, den sie am 2. Oktober 1920 heiratet. Im September 1921 wird ihr Sohn Gerhard, im November 1922 der Sohn Herbert geboren.

Mit der klassischen Frauenrolle, wie sie in der Weimarer Republik üblich ist, gibt sich Elisabeth allerdings nicht zufrieden. Sie ist weiterhin politisch aktiv und setzt sich für die Gleichberechtigung ein, denn die ist ihrer Meinung nach "immer noch eine papierene". Das aktive & passive Wahlrecht besitzen die Frauen zwar seit 1919, aber Elisabeth will mehr als die staatsbürgerliche Gleichstellung. "Wir müssen nun dahin wirken, dass die Gleichberechtigung in der Praxis bis zur letzten Konsequenz durchgeführt wird", schreibt sie schon 1920.

Trotz der beruflichen - sie arbeitet weiter im Telegrafenamt -, häuslichen und politischen Verpflichtungen eignet sie sich im Selbststudium das nötige Wissen an, um an der Luisenschule in Kassel im Jahr 1926 als Externe das Abitur abzulegen. Adam ermutigt sie darin, das nachzuholen, um Rechtsanwältin zu werden. Unterstützt durch Elisabeths Eltern ist er es, der weitgehend den Part des „Hausmannes“ übernimmt.

Ihre Ehe entspricht damit keineswegs dem Leitbild des aus dem 19. Jahrhundert stammenden, gültigen Familienrechts, welches die Frau dem Ehemann rechtlich ausliefert: Er kann über ihr Vermögen verfügen und ihre Stellung kündigen, wenn ihm die Berufstätigkeit seiner Frau nicht passt.

Im Alter von 30 Jahren beginnt sie das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität in Marburg. Da sie dort keinen Doktorvater findet, wechselt sie nach dem dritten Semester nach Göttingen ( wo sie eine von fünf Frauen unter 300 Studenten ist ) und legt nach sechs Semestern 1929 das erste Staatsexamen ab. 1930 promoviert sie im Ehe- und Familienrecht. Ihr Thema: "Ehezerrüttung als Scheidungsgrund". ( Die Abkehr vom Verschuldungs- und die Anerkennung des Zerrüttungsprinzips, die sie in ihrer Dissertation fordert, wird in der Bundesrepublik allerdings erst 1977 festgeschrieben! )

Adam Selbert ist der Meinung, dass es seine Frau in der Politik aufgrund ihrer besseren Bildung weiter bringen würde als er. Doch als sie 1933 für den Reichstag kandidiert, verhindert die Machtergreifung der Nationalsozialisten ihren Einzug ins Parlament. Adam selbst verliert nach dem Machtantritt sein Amt als stellvertretender Bürgermeister in Niederzwehren und wird sogar für einige Wochen im Konzentrationslager Breitenau inhaftiert. Nach seiner Entlassung darf er keine Arbeit mehr aufnehmen und ist wieder zur Hausmannstätigkeit verdammt, während Elisabeth das Referendariat absolviert, im Herbst 1934 mit dem Assessorexamen abschließt und als "Kassels erste Staatsanwältin" in der Zeitung Erwähnung findet. Über die gesamte NS-Zeit ernährt Elisabeth die Familie allein.

Es gelingt ihr noch, unmittelbar bevor dieser Weg 1935 Frauen endgültig verschlossen ist ( weil das einen „Einbruch in den altgeheiligten Grundsatz der Männlichkeit des Staates“ bedeute - sic! ), eine Zulassung als Rechtsanwältin und Notarin zu erhalten und sie übernimmt die Kanzlei zweier jüdischer Rechtsanwälte am Kasseler Königsplatz. Sie bearbeitet Wirtschaftsstrafsachen, Meineidverfahren und Jugendgerichtsdelikte, nutzt aber gleichzeitig mit gleichgesinnten Kollegen die Möglichkeiten des damals gültigen Justizsystems, um Menschen vor Verfolgung, Zwangsarbeit, Dienstverpflichtung und Konzentrationslager zu bewahren.

Beim alliierten Luftangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 wird Elisabeth Selberts Kanzlei völlig zerstört und sie muss nach Melsungen ausweichen.  

An ihrem 50. Geburtstag (1946 )
© Archiv der deutschen Frauenbewegung,
Kassel 
Bald nach dem Zweiten Weltkrieg wird ihr von der amerikanischen Besatzungsmacht eine große Wohnung in der Goethestraße 74  in Kassel zugewiesen, in der sie auch ihre Kanzlei unterbringen und die als Treffpunkt für Sitzungen der Kasseler Sozialdemokraten dienen kann. Ab 1945 ist sie im SPD-Bezirksvorstand, ab 1946 im SPD-Parteivorstand und arbeitet im Ausschuss zur Neuordnung der Justizverwaltung in Kassel mit. Sie ist Mitglied der Verfassungsberatenden Landesversammlung in Hessen und zieht 1946  in den Hessischen Landtag als Abgeordnete ein.

Trotz ihrer hohen Qualifikation und der Fürsprache des SPD-Parteivorstands lehnen es die hessischen Sozialdemokraten jedoch im Sommer 1948 ab, die ihnen zu unbequeme Elisabeth in den Parlamentarischen Rat zu entsenden.

Erst auf Intervention der zentralen Frauensekretärin der SPD, Herta Gotthelf, ist es der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher selbst, der schließlich dafür sorgt, dass die fähigste weibliche Rechts- und Verfassungsexpertin seiner Partei vom Niedersächsischen Landtag ein Mandat erhält, um in Bonn am Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland mitwirken zu können - als eine von vier Frauen unter 61 Männern!

In Bonn ist sie zunächst Mitglied des Ausschusses für Organisation des Bundes sowie des Verfassungsgerichtshofes und der Rechtspflege. Ihr besonderes Anliegen ist dabei zunächst die Schaffung eines unabhängigen Rechtswesens, vor allem eines unabhängigen Richteramtes. In diesem Zusammenhang fordert sie - erfolgreich - ein oberstes Gericht zur Normenkontrolle aller politischen Gremien, das heutige Bundesverfassungsgericht.

Ihre bis heute größten Leistung erbringt Elisabeth Selbert jedoch auf anderem Gebiet: Sie formuliert den Gleichheitsgrundsatz in unserer Verfassung und setzt sich in zähen Verhandlungen für die Aufnahme dieses Grundsatzes in die Grundrechtsartikel ein.

"Allerdings wollte ich über die Fassung der Weimarer Verfassung hinausgehend, eine uneingeschränkte Gleichberechtigung von Mann und Frau, und habe dann den Vorschlag gemacht, die Fassung schlicht und einfach zu formulieren: Männer und Frauen sind gleichberechtigt."

Mit dieser Formulierung stößt sie im parlamentarischen Rat zunächst auf heftigsten Widerstand. Selbst ihre weiblichen Kolleginnen -  Friederike Nadig (SPD), Helene Weber (CDU), Helene Wessel (Zentrum) - sind nicht auf ihrer Seite und befürchten, dass dem gesamten Familienrecht der Boden entzogen und ein juristisches Chaos folgen wird. Für die konservativen Politiker ist die Vorherrschaft des Mannes ohnehin gottgewollt, aber auch mancher Sozialdemokrat fürchtet um seine Stellung in Gesellschaft & Familie.

Die "Mütter des Grundgesetzes":
Von links: Nadig, Weber, Wessel und Selbert
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Nach Ablehnung der Formulierung "Frauen und Männer sind gleichberechtigt" in der Sitzung des Grundsatzausschusses am 30. November 1948 muss die Frage der Gleichberechtigung im Hauptausschuss erneut verhandelt werden. Elisabeth Selbert begründet ihren Antrag persönlich:

In meinen kühnsten Träumen habe ich nicht erwartet, dass der Antrag (...) abgelehnt werden würde (...) Die Frau, die während der Kriegsjahre auf den Trümmern gestanden und den Mann an der Arbeitsstelle ersetzt hat, hat heute einen moralischen Anspruch darauf, so wie der Mann bewertet zu werden.“

Doch die Formulierung wird am 3. Dezember 1948 mit elf zu neun Stimmen wieder abgelehnt.

Daraufhin wendet sich Elisabeth Selbert zwischen Dezember 1948 und Januar 1949 an Presse und Öffentlichkeit. Zwar besteht in der breiten Masse der weiblichen Bevölkerung wenig Interesse an der neuen Verfassung – eine Meinungsumfrage ergibt, dass sie fast der Hälfte der Frauen völlig gleichgültig ist und lediglich ein gutes Zehntel der weiblichen Bevölkerung sich interessiert zeigt –, bei Politikerinnen, z. B. vom Frauensekretariat der SPD, Gewerkschafterinnen und ganz besonders bei den Mitgliedern der überparteilichen Frauenverbände erhält sie aber Unterstützung:

"Damals kamen körbeweise Protestschreiben, etwa um die Weihnachtszeit 1948 im Rat an, darunter, ich glaube 60.000 Metallarbeiterinnen, die dann verlangten, daß meine Formulierung akzeptiert wurde. Das hat natürlich dann eingeschlagen wie ein revolutionärer Akt. Und damals habe ich die revolutionäre Haltung der Frauen noch einmal erlebt, wie etwa in der Weimarer Zeit."

Im Parlamentarischen Rat - Hauptausschuss
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Es gelingt ihr auch zusammen mit Friederike Nadig, die beiden anderen Frauen im Rat, Helene Weber und Helene Wessel, umzustimmen. Und gemeinsam überzeugen sie nach und nach - flankiert vom Beschwerdeansturm der Frauen -  alle Mitglieder des Parlamentarischen Rates: Am 18. Januar 1949 wird der Gleichheitsgrundsatz als unveräußerliches Grundrecht einstimmig in die Verfassung aufgenommen. "Eine Sternstunde meines Lebens", so Elisabeth Selbert später.

( Wer sich einmal vor Augen führen will, wie diese Formulierung noch 67 Jahre später abgelehnt wird, dem sei einmal diese Website zur Lektüre empfohlen... )

"Ich bin Jurist und unpathetisch und ich bin Frau und Mutter und zu frauenrechtlerischen Dingen gar nicht geeignet. Ich spreche aus dem Empfinden einer Sozialistin heraus, die nach jahrzehntelangem Kampf um diese Gleichberechtigung nun das Ziel erreicht hat." ( Die Radioansprache am Tag darauf, ist hier in der Originalaufnahme von damals zu hören. )

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Dem neuen kommenden Bundestag wird die Verpflichtung auferlegt, bis zum Jahre 1953 die Gleichstellung der Frau zu verwirklichen und alle entgegenstehenden Bestimmungen aufzuheben. ( Tatsächlich dauert es noch bis 1957, bis sich der Gesetzgeber zu einer Reform des Bürgerlichen Gesetzbuches durchringt. Erst dann ist die Frau als Ehegattin dem Mann gleichgestellt. Doch die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts im Berufsleben bleibt weiterhin ein heikler Punkt... )

Ihr für die Frauen in unserem Land so bedeutsamer Einsatz hat für Elisabeth allerdings Konsequenzen: Ihr Engagement wird in ihrer Partei, insbesondere auf Bundesebene, nicht gerade geschätzt. Ihrem Rang und Format gemäß wird sie in ihrer politisch aktiven Zeit nie gewürdigt oder eingesetzt: "Das Amt der hessischen Justizministerin, ein Bundestagsmandat, Richterin am neu eingerichteten Bundesverfassungsgericht, Richterin beim Bundessozialgericht in Kassel – alle diese Ämter blieben ihr verwehrt."

Bei den Wahlen zum Ersten Deutschen Bundestag am 14. August 1949 scheitert sie knapp. Sie bleibt Mitglied des Hessischen Landtags und konzentriert sich auf die Umsetzung eines Rechts auf Kriegsdienstverweigerung und betreibt die Humanisierung des Strafvollzugs.

1956 wird ihr das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

1958 zieht sie sich ganz aus der Politik zurück & arbeitet als Anwältin für Familienrecht in ihrer eigenen Kanzlei. An ihren Beruf schätzt sie, dass "man [damit] seine Eigenart und vor allem seine Eigenständigkeit bewahren kann." Jungen Kolleginnen rät sie: "So schnell wie möglich eine eigene wirtschaftliche Existenz aufbauen!"

Zehn Jahre später, am 17. Mai 1968, stirbt ihr politischer Gefährte und Ehemann.

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"Seine Großmutter sei eine Frau mit Bodenhaftung gewesen, die es vorzog, im großen Kreis der Familie zu ruhen. Dort war die Frau, die auf Fotos oft so streng wirkte, fröhlich und lustig. Da spielte die prominente Juristin Federball mit den Enkeln, schnitt die Rosen und rauchte abends gern eine Zigarette bei einem Glas Rotwein. Natürlich wurde auch viel diskutiert", erinnert sich ihr Enkel Axel Selbert, ebenfalls Rechtsanwalt in Kassel, hier. "Ab und zu schmerzte sie es aber doch, dass ihre Partei, die SPD, sich nie genug für sie eingesetzt hatte. (...) auch eine vorgesehene Position als erste Bundesverfassungsrichterin scheiterte, da die SPD sich nicht genug für Elisabeth Selbert einsetzte, die ihr 'politisch zu profiliert' war.

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Da wundert es mich nicht, dass sich Bundesbürger 1981 anlässlich einer Filmreportage befragt, nicht an diese "Mutter des Grundgesetzes" erinnern können. Bis dahin war ja nur die Erinnerung an die "Väter der Verfassung" gefördert worden. Und erst die Frauengeschichtsforschung der 1980er Jahre kümmert sich um die Aufarbeitung ihres Wirkens. Aber von da an findet kein anderes Mitglied des Parlamentarischen Rat auch nur annähernd so viel literarische Aufmerksamkeit wie Elisabeth Selbert...

1983 stiftet die Hessische Landesregierung schließlich einen "Elisabeth-Selbert-Preis" „in Anerkennung hervorragender Leistungen für die Verankerung und Weiterentwicklung von Chancengleichheit von Frauen und Männern“. 1984 wird sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Kassel ernannt.

Am 9. Juni 1986 stirbt Elisabeth Selbert in Kassel, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit.


Inzwischen sind vielerorts Straßen nach ihr benannt, u.a. in Berlin, München, Köln, Bremen, Darmstadt, Mainz, Münster, Mönchengladbach, Moers, Kempten, im modernisierten Dienstgebäude des Bundessozialgerichtes trägt ein Sitzungssaal ihren Namen, ebenso ein Konferenzraum im Bundesministerium der Justiz sowie etliche Schulen in Deutschland, darunter eine Gesamtschule im uns vertrauten Bonn - Bad Godesberg...

1981, also vor 35 Jahren mahnte sie an: "Die mangelnde Heranziehung von Frauen zu öffentlichen Ämtern und ihre geringe Beteiligung in den Parlamenten ist doch schlicht Verfassungsbruch in Permanenz." Wir sind schon ein Stück des Weges weiter gekommen, aber es liegt noch eine beachtliche Strecke vor uns...







Kommentare:

  1. Bravo!!
    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

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  2. Danke Astrid. Wieder einmal eine interessante Geschichte. Ich sollte mich wirklich mal fragen, warum ich so wenig über die starken Frauen weiß!
    Eine tolle Frau.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. aus einer anderen welt kommend finde ich es immer wieder erschütternd wie wenig die emanzipation vorangekommen ist. und wie sehr sich die frauen selbst immernoch als hilfloses anhängsel der männer stilisieren. aber is ja auch bequem....
    zum glück gibts ausnahmen!
    beeindruckende dame, die frau selbert! und herr selbert sollte auch gelobt werden - in einer patriarchalischen gesellschaft den hausmann zu geben erfordert ein breites kreuz!
    xxxx

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  4. Wieder ein ganz tolles Porträt! Und dieser link, oh je, da fühlen sich manche Männer immer noch in ihrer Männlichkeit gekränkt, dass Frauen gleichberechtigt sein sollen...
    liebe Grüße nach Kölle!

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  5. ich bin in kassel aufgewachsen und zur schule gegangen, habe dort meine ausbildung gemacht und später dass abitur. ich habe in göttingen studiert - und kaum etwas über diese starke frau erfahren. ich finde das schier unglaublich!! aber in den 1950/60er jahren hatten frauen ja immer noch zu hause zu bleiben und dem manne untertan zu sein. ich werde später nochmal deinen links folgen - bin aber sehr begeistert von deinem heutigen beitrag. und wie immer: danke, liebe astrid!!
    liebe grüße, mano

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    1. Ganz besonders für dich habe ich die ganzen Adressen in Kassel in den Post eingebracht - vielleicht kannst du ja mal auf ihren Spuren wandeln!
      GLG

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  6. Großartig! Ich ärgere mich immer, dass nur von den "Vätern" des Grundgesetzes geredet wird. Und es bleibt noch viel zu tun!
    LG
    Magdalena

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  7. Wow. Wie beeindruckend. Welche Grösse Ihr Mann auch hat, der sicher auch unter vollem Beschuss stand. Do interessiert, wie immer. Wir sind nicht so weit gekommen seitdem. Wenn ich das im Bekanntenkreis sehe, viel Frauen arbeiten zusätzlich zum Haushalg und Kindern und die Männer leben ihr Lebrn wie vor 50 Jahren und den Frauen geht es schlechter als den Nur-Hausfrauen damals. Und die Frauen sehen es als normal an... Finanzieren mit ihrem Teilzeitgehalt die Kinder, da die Konten getrennt sind. Uarghs! Ich werde nicht müde, was ändern zu wollen. Oder Mütter, die ihren Söhnen alles durchgehen lassen, die nach 24-h-Schichten als Ärztin heimkommen und das Geschirr wegräumen, dass der 12-jährige stehengelassen hat , nachdem er Mutters vorgekochtes Essen verzehrt hat.... Packen wir es an. Heute nach im Radio über die Verrohung der Sprache bereis bei Grundschüler und besonders geschockt ist die öffentliche Meinung über die Mädchen
    Es liesse sich fortsetzen..
    Danke für das Anstossen der Diskussion. LG

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  8. Die "Eltern des Grundgesetzes" wäre doch eine weitaus bessere Formulierung...
    Eigentlich ist es skandalös, wie dieser begabten und engagierten Frau selbst von der eigenen Partei Steine in den Weg gerollt wurden.
    Ja, du hast recht, "es liegt noch eine beachtliche Strecke vor uns"! (Die fängt gerade schon bei der Erziehung von Söhnen an...)

    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Eine großartige Frau, der wir Frauen sehr viel zu verdanken haben.
    Aber man darf auch nicht vergessen, dass sie durch Philipp Scheidemann, motiviert wurde. Eine großartige Politikerin.

    Ich muß dazu auch sagen, dass ich mich nie als Frau in irgendeiner Weise unterdrückt fühlte. Aber auch das haben wir ihr zu verdanken.
    Es wird immer Männer geben, die die Frauen unterdrücken, mich wundert es manchmal, warum die Frauen das zulassen.

    Lieben Gruß Eva danke für deinen Bericht.

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    1. Ich habe nochmals nachgedacht und
      ja, es liegt ein betrachtliche Strecke vor den jungen Eltern, wie sie ihre Söhne und nicht nur die Söhne erziehen.

      Aber es ist doch auch so, dass es inzwischen sehr viele Frauen in der Politik gibt- über die Denkweise dieser Frauen möchte ich mich jetzt nicht auslassen - aber es gibt sie.
      Schließlich haben wir eine Bundeskanzlerin und eine Ursula.

      LG Eva

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  10. Ein tolles Portrait einer starken Frau. Eigentlich sollte man genau solche in den Schulunterricht einbauen. Danke für diesen Post!
    Herzlichst Ulla

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  11. Großartig zusammengetragen!
    Ich hab´s mit regem Interesse gelesen. Einige Links schon angeklickt. Die restlichen werde ich heute Abend nach der Arbeit lesen.
    Danke für deine Mühe.

    LG, Astrid

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  12. frage mich gerade, was wir eigentlich in der schule gelernt haben. bzw. warum ich eigentlich nie hinterfragt habe, warum die jüngere geschichte nur eine männergeschichte ist und frauen nur vorkommen, wenn bereits seit jahrhunderten tot (spontan fällt mir aus dem geschichtsunterricht nur kleopatra ein. wenn das nicht bezeichnend ist?)
    DANKE astrid, dass du meine offensichtlich einseitige schulgeschichtsbildung wöchentlich erweiterst und auf ein neues niveau hebst. lg heike

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    1. Liebe Heike, ich habe selbst als Geschichtsstudentin ab 1971 so gut wie nichts erfahren, obwohl meine Professorin Annette Kuhn heute später die erste Professur für historische Frauenforschung erhalten hat ( was damals schon erheblichen Widerstand hervorrief und sie in den Neunziger Jahren von den Prüfungen zukünftiger Lehrer ausgeschlossen wurde!!! ). Frauen wie sie werden ja heute von Populisten gescholten wegen ihres angeblichen Genderwahnes - das bringt mich immer wieder in Harnisch. Aber motiviert mich auch, bei diesem Thema am Ball zu bleiben.
      GLG

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  13. Ein Hoch auf Elisabeth Selbert und die anderen Frauen der ersten Stunde! Wir haben ihnen so viel zu verdanken. Am liebsten mag ich die Geschichte mit den Wäschekörben voller Postkarten, die aus ganz Deutschland eintrudelten, als sich abzeichnete, dass der Gleichheitsparagraph doch nicht ins Grundgesetz kommen würde. Da wurden Frauen über Frauen mobilisiert. Das hat Eindruck hinterlassen.

    Genauso spannend ist die Geschichte, dass die Anpassung des Rechts an dieses Grundsetz bis in die 1970er Jahre dauerte!

    Ich bin diesen Frauen und allen Frauen und Männern, die sich für Frauenrechte einsetzen, ob in Deutschland oder anderswo, sehr dankbar. Zum Glück arbeite ich im öffentlichen Dienst ...

    Danke für dieses Portrait, Astrid, es ist schön, dass du an die Frauen erinnerst! Leider sind junge Frauen nicht mehr ganz so frauenbewegt ...

    LG
    Sandra

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    1. Ich selbst habe als junge Frau noch unter den rechtlichen Ungerechtigkeiten in Bezug auf Ehefrauen zu leiden gehabt...
      Ich habe mir immer Mühe gegeben, meine Erfahrungen weiterzugeben. Aber die Töchtergeneration muss sich von der Müttergeneration immer abwenden. Die Chance liegt bei den Enkelinnen, die hoffentlich unseren Erzählungen zuhören.
      LG

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  14. Huhu Astrid,

    ich habe deinen tollen Beitrag bereits heute Morgen gelesen, konnte dann aber aus Zeitgründen nicht mehr kommentieren. Deshalb hole ich das jetzt nach: Ganz toll geschrieben, unheimlich interessant, super Reihe! (Ich weiß, solche Kommentare bekommst du - vollkommen zu recht - zuhauf, aber doppelt und dreifach hält ja besser.)

    Ich finde es sehr schade, dass man in der Schule oft nicht die (auch zeitliche) Möglichkeit hat, mehr in die Biografien einiger wichtiger historischer Persönlichkeiten einzutauchen und die meisten Menschen niemals die Namen von den Menschen hören, denen sie eigentlich so viel verdanken.

    Der Beitrag hat mich heute Morgen sehr nachdenklich gestimmt. Ich bin eine junge Frau und für mich ist es selbstverständlich, zumindest schulisch gleichberechtigt mit dem männlichen Geschlecht zu sein. Ich habe das große Glück, oft zu vergessen, dass es Zeiten gab (und auch heute noch Länder gibt), in denen Bildung verwehrt oder zumindest erschwert wird, nur weil man nicht mit dem bevorzugten Geschlecht auf die Welt kommt. Malala Yousafzais Biografie, die sich mit der Bildung von Frauen in Pakistan beschäftigt, hat mich das erste Mal auf dieses Thema gebracht und dein Beitrag hat mich heute wieder daran erinnert (nebst anderen Aspekten, aber primär in Bezug auf Bildung, weil mich dieser Wissensaspekt sehr interessiert). Ich wünschte mehr junge Menschen würden diese Biografien lesen und sich von ihnen zu Bildungsstreben, Durchhaltevermögen und Mut inspirieren zu lassen. Es gibt Dinge - damals wie heute - für die man niemals aufhören darf zu kämpfen. Bildung ist eine dieser Sachen und in vielen Ländern aktueller denn je.

    Noch mal ein großes Lob für diesen tollen Beitrag, wie gesagt: sehr inspirierende Frau, ich bin froh, dass sie mir näher gebracht wurde. (Nachdem ich tatsächlich schon mal in der Oberstufe von den "Müttern der Verfassung" gehört habe - leider nicht genug, wie sich herausstellt hat.)

    Liebe Grüße,
    Antonia

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    1. Ich freue mich ja immer sehr, wenn die Beiträge von euch jungen Frauen wahrgenommen & gelesen werden. Denn alle unsere Errungenschaften sind so alt ja nicht. Und im Moment gibt es ja durchaus populistische Strömungen, die uns Frauen wieder ins zweite Glied drängen wollen...
      LG

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  15. Wieder ein toller und so intenisver Beitrag.Wie radikal konsequent man sein mußte, um sich als Frau Bildung zu erkämpfen, was jetzt so selbstverständlich ist.Was man dann daraus macht ist ja auch heute noch sehr unterschiedlich und eine Form von Freiheit.
    Die Zeit nach dem Krieg wollten die Männer zeigen, dass sie es noch können ohne Frauen, da diese ja inzwischen ihre Arbiet erledigt hatten, was sich so macher wohl vorher nicht vorstellen konnte.
    Jedenfalls können wir allen so zielstrebenden und engagierten Frauen danken.
    Viele Grüße karen

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  16. Liebe Astrid, wieder vielen Dank für deine tolle Reihe und diesen Artikel insbesondere. ich kannte sie tatsächlich nicht (meine politische Bildung lässt sehr zu wünschen übrig) und bin dir dankbar fürs Vorstellen.
    Wie gerne hätte ich deine Great Women-Reihe als Buch im Regal stehen...
    Herzlichen Gruß!
    Doro

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    1. Ich auch! Aber ich scheue die Arbeit um die Bildrechte...
      LG

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    2. Ich auch. Wäre ein tolles Geschenk!!

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  17. Das war spannend!! Wieder einmal habe ich etwas gelernt, das mir sonst entgangen wäre. Gerade als im politischen Bereich arbeitende Frau beäuge ich Gender- und Quotenfragen besonders kritisch. Ein richtiges Urteil mag ich mir nicht bilden, da ich sehe, dass Frauen oft nur um der Quote Willen in Ämter gehievt wären, für die jemand anderes besser geeignet wäre - eine Form der Frauenförderung, die ich seltsam finde... Schwierig!

    Hab' Dank für deine Recherchen und die wunderbare Aufbereitung der Ergebnisse!

    Herzlich
    Steffi

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    1. Ich fand die Begegnung mit dieser Frau auch äußerst aufregend.-Zu deinem Einwand: Gleichberechtigung haben wir dann erreicht, wenn genau so viele unfähige Frauen in Führungspositionen sind wie unfähige Männer. Ich habe so viele männliche "Nullen" dort erlebt, die einzig ausgezeichnet hat, dass sie sich auf diese Stellen berufen & sich befähigt gefühlt haben, während Frauen eher der Selbstzweifel an den eigenen Fähigkeiten befällt und sie ziehen vorher den Schwanz ein, statt eine Karriere für sich anzustreben.

      Bei meinen Recherchen fällt mir immer wieder auf, wie tolle Frauen aber einfach "vergessen" werden, während Männer mit gleicher Leistung durchaus erinnert werden und Spuren in Literatur usw. hinterlassen. Habe heute gerade wieder so ein Beispiel besichtigen können, diesmal auf dem Gebiet der Fotografie.

      Auf Youtube habe ich einen Film einer jungen Youtuberin gesehen, die andere dazu aufgefordert hat, dazu Stellung zu nehmen, ob der Feminismus überflüssig ist. Die Beispiele, die diese jungen gebracht haben bezüglich der Benachteiligung fand ich, ehrlich gesagt, erschütternd - 67 JAhre nach diesem Grundgesetz!
      GLG

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    2. Das ist eine großartige These - danke dafür! Und ja, vielleicht halten sich Frauen öfter zurück, wenn sie sich nicht für geeigent halten, bzw. dies tatsächlich sind... Wäre ja schön, wenn das andere Geschlecht auch mal auf diese Idee käme. :D

      Herzliche Grüße
      Steffi (die leider oft deine Antworten verpasst, weil sie vergisst, noch einmal in deine Posts zu gucken)

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  18. Ja. Habe dies auch zunächst so gesehen, aber ohne Frauenquote wird sich nichts ändern. So wie die Wirtschaft unfähige Männer verträgt, so verträgt diese auch unfähige Frauen. Nachtrag von mir: Schlimmstenfalls ändert sich nur das Geschlecht.

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Der Kommentar ist für den Blogger wie der Applaus im Theater - also: worauf wartest du?

Aber bitte nicht vollkommen anonym - ein Name ist erwünscht!

Ich behalte mir momentan aus gegebenem Anlass vor, Kommentare nicht zu veröffentlichen, die ein gewisses Maß an Herzensbildung vermissen lassen.

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