Der Frau, der wir heute zu ihrem 119. Geburtstag gratulieren dürften, habe ich sogar einmal als Jugendliche die Hand geschüttelt, denn ich war als Schülerzeitungsredakteurin 1969 zu einer Pressekonferenz in ihrem Ministerium, dem der Gesundheit, geladen, als sie den ersten Sexualkunde - Atlas des Landes vorgestellt hat. Diese Ministerin war Käte Strobel und ich sehe sie heute noch vor mir mit Perlenkette und der damals üblichen toupierten Frisur wie die meiner Mutter...
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| Das Haus im Jahr 2014 |
"In meiner Schulzeit hat mich immer belastet, daß wir Freischüler waren und die Bücher nicht selber kaufen konnten. Von daher stammt mein Engagement für Erziehungsfragen, für die kostenlose Bereitstellung sämtlicher Lehr- und Lernmittel und für die Simultanschule. Ich habe meinen Kopf durchgesetzt, daß ich wenigstens die Handelsschule besuchen konnte."
Das ist 1921 der Fall. Sie ist immer eine Kämpferin. Und da sie nicht Gärtnerin werden kann - der Vater meint, das habe keinen Sinn, wenn man nicht Eltern hat, die einem eine Gärtnerei verschaffen können - wählt sie diesen Weg. Wie ihre Schwester Erna ist sie ab 1920 in der Sozialistischen Proletarierjugend, der Jugendorganisation der USPD. "Bei uns herrschte eine gewisse Überheblichkeit gegenüber der Arbeiterjugend, die wir als 'Tanzjugend' bezeichneten. Für uns waren das Volkstänzer, während wir uns auf Bildung konzentrierten."
"In meiner Jugend habe ich alles verschlungen, was es zu lesen gab. Geographische und naturkundliche Schriften haben mich ungemein interessiert. Die Anregungen bekam ich über die Sozialistische Proletarierjugend und auch über den 'Offenen Zeichensaal' in Nürnberg, wo Weiterbildung am Abend angeboten wurde. Der 'Offene Zeichensaal' war von der Stadt organisiert, erst später gab es daneben die Volkshochschule. Damals habe ich auch an der Volkshochschule ein Seminar über die Vereinigten Staaten von Europa besucht. Mich hat das schon immer bewegt."
1925
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| Kinderrepublik Seekamp (1927) |
Abends nach der Arbeit verfassen die beiden jungen Menschen im Büro der Parteileitung Positionspapiere, vervielfältigen sie auf Matrizen, führen gemeinsam Gruppenabende und am Wochenende Wanderungen mit Kindern durch. 1925, mit achtzehn, wird Käte schon Landesvorsitzende der Kinderfreunde in Bayern, 1932-33 Mitglied im Reichsvorstand. 1925 macht sie es für die Kinder ihrer Gruppe möglich, zum großen Zeltlager in Seekamp am Westufer der Kieler Förde zu fahren und an der Kinderrepublik mit zweitausend anderen Kindern teilzunehmen, um dort Demokratie zu lernen!
1928 heiraten Käte und Hans Strobel, einundzwanzig- bzw. vierundzwanzigjährig.
"In unseren ersten Ehejahren hatten wir keine Zeit für eigene Kinder, weil wir uns um die Kinder anderer Leute gekümmert haben. Wir wollten auch noch keine Kinder. Das hing auch mit dem § 218 zusammen. Wir waren damals in einem Verein für Sexualhygiene. Das war eine Organisation, die Hilfe bei der Empfängnisverhütung und, wenn nötig, auch für einen Schwangerschaftsabbruch anbot."
Das sind also schon damals Fragestellungen, die Käte Strobel erst Jahrzehnte später wieder als Bundesministerin aufgreifen wird, denn 1933 wurde auch sexuelle Aufklärung zum Tabu. Mit der Machtübernahme durch die NSDAP und dem Parteienverbot für die SPD 1933 ändert sich für die politisch aktiven Eheleute auch ihre Lebenssituation grundlegend. Julius Streicher, der selbsternannte Frankenführer, suspendierter Volksschullehrer aus der Scharrerstraße, gibt jetzt in der Stadt den Ton an. 41,7 Prozent der gültigen Stimmen hat die NSDAP bekommen, die SPD 33,2 Prozent ...
Während Käte Strobel in ihrer alten Firma verbleiben kann, verliert ihr Mann aufgrund seiner Tätigkeit für die sozialdemokratische Jugendorganisation "Kinderfreunde" seinen Arbeitsplatz. Er wird als "roter Lump" bezeichnet, von SA- Männern zu Hause abgeholt, später ins braune Haus in der Marienstraße gebracht. Kätes Gesuch, ihm Lebensmittel bringen zu dürfen, wird "aus grundsätzlichen Erwägungen" abgelehnt.
"Mein Mann war zum Beispiel im Loch-Gefängnis unterm Rathaus. Das sind die alten Loch-Gefängnisse, wo die Gefangenen in Einzelhaft bis zum Bauch im Wasser standen. [... ]Mein Mann hat darüber nie gesprochen, auch über Dachau nicht."
Mit dem Verbot der SPD und ihrer Einrichtungen wird nicht nur ihr Mann, auch ihr Vater und zwei ihrer Brüder arbeitslos. Ihr Schwager Karl Maly, der Mann der Schwester Erna, wird als Stadtrat sofort nach Dachau deportiert. Sie selbst kann ihren Arbeitsplatz als Buchhalterin bis zur Geburt der ersten Tochter im Jahr 1938 behalten, weil sich ihr Chef, ein sehr engagierter Mann bei der Bayerischen Volkspartei, mutig vor sie stellt, auch als der Gerichtsprozess in München nach fünfzehn Monaten in Haft gegen ihren Mann beginnt. Hans Strobel ist aufgeflogen, weil er mit gemeinsamen Freund aus der Kinderfreunde-Bewegung eine Widerstandsgruppe gegründet hat:
"Nach 1933, als die meisten Männer einen Zeitschriftenverteiler organisiert hatten, war mein Mann der Kontaktmann zur Nachrichtenübermittlung über Fritz List in Berlin zur Partei in der Tschechoslowakei. Er hat mit Tinte, die man nachher nicht mehr lesen konnte, seine Berichte geschrieben, die Fritz List bei uns abgeholt wie auch im ganzen Reich gesammelt hat. In dieser Zeit konnte ich nie schlafen - aus purer Angst. Mein Mann sagte immer: 'Ich kann gut schlafen, ich habe ein ruhiges Gewissen.' Sein Gewissen war nur beruhigt, weil er etwas gegen die Nazis tat."
1934 wird er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Hochverrats verurteilt und anschließend in das Konzentrationslager Dachau deportiert, aus dem er 1937 entlassen wird. Erst nach einem Jahr findet er wieder Arbeit als Schriftsetzer, kann sogar seinen Meister machen. 1938 bekommen Käte und Hans, wie schon erwähnt, ihr erstes Kind, die Tochter Traudel. Ilse wird 1941 folgen. 1943 wird Hans einem Strafbataillon im Zweiten Weltkrieg zugeteilt. Bei einem Bombenangriff auf Nürnberg wird die Wohnung Kätes zerstört und sie muss mit den Kindern Zuflucht auf einem Bauernhof im zwanzig Kilometer entfernten Götzenreuth nehmen, wo schon ihre Eltern untergekommen sind.
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| 1940er Jahre |
"Als mein Mann zurückkam, war ich bereits Kandidatin für den Bayerischen Landtag. Dann wurde ich für den Bundestag aufgestellt." 1947 findet der erste Parteitag der SPD in Nürnberg statt, Käte mittendrin. 1949 wird sie also in den Bundestag gewählt, dem sie bis 1972 angehören wird. 28 von 410 Abgeordneten sind damals Frauen, also knapp 7 Prozent.
"Steht nicht dauernd an der Klagemauer, sondern leistet praktische Arbeit auf Gebieten, in denen wir den Männern beweisen können, daß wir nicht nur Sozial- und Frauenpolitik machen", fordert sie ihre Parteigenossinnen auf, muss aber auch immer wieder hinnehmen, dass männliche Kandidaten bevorzugt werden: "Hier werden keine Weiber gewählt", bekommt sie zu hören. Das Parlament erreicht sie nur über einen sicheren Listenplatz. Erst 1957 wird sie als Direktkandidatin für Nürnberg akzeptiert. Da ist sie auch schon im Europaparlament, dessen Vizepräsidentin sie 1962-64 ist.
Hans Strobel hält Käte den Rücken frei. Er arbeitet in der Nürnberger Stadtverwaltung und kümmert sich um Haushalt und Kinder, während seine Frau zwischen Bonn und Nürnberg und später Straßburg pendelt. "Er war hundertprozentig für die Gleichberechtigung", wird sie in einem späteren Interview bekennen. Frauen wird es im Bundestag schwer gemacht ( vergleiche auch diesen Post ). Die in der Not des Krieges selbständiger gewordenen Frauen sollen ihren angestammten Platz in der Gesellschaftsordnung wieder einnehmen, so will es das Patriarchat, geradezu verkörpert im Bundeskanzler Konrad Adenauer.
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| Von links nach rechts: Herta Gotthelf, Käte Strobel, Irma Keilhack, Marta Schanzenbach, Annemarie Renger |
"Im geschäftsführenden Vorstand war bis 1958 Herta Gotthelf für die Frauenarbeit und die 'Gleichheit! zuständig. Wir haben die Herta alle geliebt. Sie war ungemein aktiv, sie kam aus der Emigration. Aber es gab immer Meinungsverschiedenheiten mit Herta, weil sie dagegen war, daß wir in den überparteilichen Organisationen mitgearbeitet haben, also in der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie war für die Isolation - so haben wir es genannt."
1958 wird Käte auf dem Stuttgarter Parteitag der SPD in den Parteivorstand gewählt. Zusammen mit Irma Keilhack und Marta Schanzenbach repräsentiert sie eine neue Generation von Frauen in der Parteiführung. 1961 bereiten sie im Bundesfrauenausschuss die sog. "Frauenenquete" vor, die auf Antrag der SPD - Frauen eingerichtet werden soll. Der Bundestag wird diese Enquete "Frau und Gesellschaft" 1964 in Auftrag geben und sich am 25. Januar 1965 mit dem ersten Bericht kritisch auseinandersetzen. Später gehört Annemarie Renger dazu, die 1966 Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses wird.
Käte sucht den Austausch auch im sog. Hofgartenkränzchen ( genannt nach der Lokalität in Bonn ), ein kleiner, offener Diskussionskreis, in den unterschiedliche Gesprächspartner eingeladen werden, um auch alternative Möglichkeiten zu diskutieren, darunter Sozialdemokraten aus dem Wirtschaftsrat. Es ist typisch für sie, dass sie keine Entscheidung treffen kann, ohne vorher mit Menschen anderer Meinung gesprochen zu haben.
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| Vor dem Haus in der Minervastraße 30, wo sie mit ihrer Familie wohnt (1961) © Archiv/Fried.-Ebert-Stiftung |
"Wenn man natürlich von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, kann man leicht für einen niedrigeren Butterpreis eintreten", hat ihm Käte gekontert: "Ich habe zwar nicht wie du sechs Semester Volkswirtschaft studiert, aber als Hausfrau gelernt, wie sich eure Gesetze aus dem Wirtschaftsrat auf uns ausgewirkt haben."
Kätes weiterer Aufstieg hängt nun eng mit dem Wandel der SPD und der politischen Sphäre im Nachkriegsdeutschland zusammen. Seit dem Godesberger Programm 1959 ist die Partei mehrheitsfähig und bereit, den ewigen Kanzler Adenauer abzulösen.
Dieser wird von seinen Parteikolleginnen immer offensiver gedrängt, endlich auch eine Frau als Ministerin zu nominieren. "Was sollen wir mit einer Frau im Kabinett? Dann können wir nicht mehr so offen reden", soll er entgegnet haben. Als bekannt wird, dass er auch 1961 keine Frau in einem solchem Amt vorgesehen hat, gibt es eine Sitzblockade durch Helene Weber, die "katholische Frauenrechtlerin", und Aenne Brauksiepe, Vorsitzende der Frauen-Union. Ein bestehendes Ressort will Adenauer nicht hergeben, Elisabeth Schwarzhaupt wird deshalb die allererste Gesundheitsministerin der Bundesrepublik Deutschland.
In der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger ab dem 1. Dezember 1966 löst Käte sie dann ab. Eine Frau in der Mannschaft ist den Männern eigentlich immer noch eine zu viel. Käte hält Elinor Hubert, eine Ärztin und führend in der Gesundheitspolitik der SPD, für viel besser geeignet:
"Ich weiß nur, daß ich dachte, wenn also schon ein Ministeramt einer Frau angeboten wird, dann darfst du nicht nein sagen. Das war eigentlich die grundsätzliche Überlegung, so daß ich dann ja sagte."
Es ist ein Ministerium, das wenig Kompetenzen hat und von Juristen dominiert - auch Schwarzhaupt ist Juristin gewesen, ihr Staatssekretär ebenfalls, auch einige Abteilungsleiter.
"Im Ministerium herrschte eine massive Antistimmung. Es war ein ganz schwarzer Laden. Ein Mediziner, der eine Unterabteilung leitete, hatte in der Kantine öffentlich darüber gesprochen, daß ich nicht einmal wisse, wie man Fremdwörter ausspreche. Eine Volksschülerin werde den Ärzten vor die Nase gesetzt. In diese Richtung gingen die Angriffe. So etwas hat bei mir immer dazu geführt, daß ich mir sagte: 'Denen werde ich beweisen, was ich kann.'"
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| "Bambi" für "Helga" (1969) © DPA |
"Der Atlas umfasste 48 Seiten, die in zwölf Kapitel unterteilt waren. Er enthielt Themen wie Geschlechtsorgane, Befruchtung und Schwangerschaft. Ethische, soziale oder emotionale Aspekte wurden nicht behandelt. Kritische Themen wie zum Beispiel Homosexualität sowie Masturbation wurden ausgespart." ( Wikipedia )
Käte Strobel nimmt die Ideen der 68er auf, die Autoritäten und Rollenbilder offen infrage stellen. Ihre Rolle bei der Aufhebung von Tabus im Sexualbereich ist bedeutend. Ich möchte auch behaupten, dass ihr Beitrag zur Reform des § 218 heute gerne unterschätzt wird. Im Gesundheitsministerium wird das Problem eifrig diskutiert, zuständig für die Gesetzesvorlage bleibt aber das Justizministerium. Doch die rührige Politikerin bleibt bis heute ein blinder Fleck in der Zeitgeschichtsschreibung: Sie lässt sich halt schwer vereinnahmen, weder von den Männern ihrer Generation noch von den Feministinnen danach. In den Augen der zweiten Frauenbewegung ist sie dann zu konservativ, meint auf jeden Fall Nadja Lissok in einem Artikel für die "Süddeutsche".
Ebenso Kätes Beitrag zum Gesundheitsschutz in Ernährungsfragen wie die ersten Initiativen ihres Ministeriums für die Umweltpolitik mit dem ersten Lärmschutzgesetz fallen heute gerne unter den Tisch. Auch ein Gesetz zur Luftreinheit ist so gut wie fertig gewesen bis zur Bundestagswahl 1969. Auch das ist völlig untergegangen, dass das Gesundheitsministerium damals in der Großen Koalition federführend in Sachen Umweltschutz gewesen ist.
"Es gab einige harte Erlebnisse. Mein Mann hat immer gesagt, ich sei ein Pflichtmensch. Und ich bin es der Partei gegenüber auch immer gewesen. Ich habe mich immer gefragt, ist das für die Partei gut, oder hast du jetzt etwas gemacht, was der Partei schadet?"
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| Mit Willy Brandt beim Oktoberfest (1970) |
In ihrem neuen Amt betreibt sie die Reform des Ausbildungsförderungsgesetzes ( BAFÖG ) und des Jugendwohlfahrtsgesetzes und führt die Förderung von Schülern und Schülerinnen aus Arbeiterfamilien, insbesondere der Mädchen, ein, um ihnen den Besuch einer weiterführenden Schule zu ermöglichen. 1972 richtet sie bzw. ihr Ministerium ein Naturfreundehaus im Oberbergischen, damals noch "Familien-Ferien-Zentrum Lieberhausen", später in Käte-Strobel-Haus umgetauft, als Familienerholungsstätte ein, um sozial benachteiligten Familien einen Urlaub zu ermöglichen.
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| im Gespräch mit Hans-Dietrich Genscher während einer Plenarsitzung des Bundesrats, ( Juli 1971 ) CC BY-SA 3.0 DE |
An der Abstimmung über den Entwurf des Justizministers Gerhard Jahn zum § 218 - Indikationsregelung oder Fristenregelung - ist Käte Strobel nicht mehr beteiligt: 1972 ist sie auf eigenen Wunsch hin aus ihrem Amt ausgeschieden und nicht mehr im Bundestag vertreten. Sie ist nun 65 Jahre alt, im Rentenalter also, und seit 23 Jahren Bundestagsabgeordnete. Zu ihrem Geburtstag reist sie mit ihrem Mann nach Hammerfest in Norwegen.
Aber sie wird noch weitere sechs Jahre politisch aktiv bleiben, obwohl ihr Mann gehofft hat, sie würde sich jetzt mehr auf das Private einlassen. Auf Platz eins der SPD-Stadtratsliste in Nürnberg führt das bei der Bevölkerung überaus beliebte "Käddala" die SPD im Jahr der Brandt-Euphorie mit 56,1 Prozent zu ihrem bis heute besten Ergebnis. Sie wird im Stadtrat Fraktionsvorsitzende. "Sie war eine tolle Frau, die uns Junge auch gleich in die Verantwortung genommen hat", sagt SPD-Chef und Nürnberger Bürgermeister bis 1996, Willy Prölß, später. Ihre Tochter Ilse Hammes wird 1996 selbst Stadträtin in Nürnberg.
1978 stirbt Hans Strobel an Lympdrüsenkrebs. Zusammen mit ihrer Tochter Ilse und deren Familie zieht sie nun nach Herpersdorf in ein Doppelhaus, denn alleine leben möchte sie nicht. Der älteste Enkel lebt bei ihr in der Wohnung. Als Babysitterin für die drei Kinder ihrer Tochter versteht sie sich aber nicht, denn sie ist ja noch immer Vorsitzende des Seniorenrates ihrer Partei.
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| Geburtstag 1992 |
1990 würdigt Hans-Jochen Vogel Kätes Arbeit bei ihrer Verabschiedung als Vorsitzende des Seniorenrates der SPD mit folgenden Worten: "Du hast bewiesen und vorgelebt, wie produktiv und erfolgreich kooperatives Arbeiten in der Politik ist. Eine Arbeitsform, die Frauen leichter fällt als Männern."
Schließlich wird bei ihr Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert. Sie weiß, dass eine Operation bei diesem Krebs meist nichts mehr bringt. Sie will statt Therapien ihre letzten Tage mit ihrer Familie verbringen und ihre "Sachen ordnen".
Am 26. März 1996 stirbt sie mit 88 Jahren im Nürnberger Nordklinikum. Die Fahnen in Nürnberg werden auf Halbmast gesetzt, eine Trauerfeier am 2. April veranstaltet. Dann findet sie ihre letzte Ruhestätte im Familiengrab neben ihrem Mann auf dem Nürnberger Südfriedhof.
"Wie wollen wir überhaupt andere für uns gewinnen, wenn wir nicht mit denen diskutieren und denen unsere Politik begreiflich machen?", fragt sie einmal während des Wahlkampfes 1968, als sie durch das Land getourt ist. Das ist doch ein Spruch fürs Poesie-Album manch unserer Politiker, finde ich.













Liebe Astrid,
AntwortenLöschendann hast du sicher einen ganz besonderen Bezug zu ihr, wenn du sie persönlich getroffen hast.
Ein beachtliches Leben hatte sie, und viel getan in der Politik und bewirkt.
Wenn man manche Sätze liest in deinem Beitrag dann kann man nur mit den Augen rollen.
"Eine schwangere Schülerin sollte nicht zum Abitur zugelassen werden."
"Keusche und unkeusche Küsse", ich fass es nicht.
Gut, dass sie soviel bewirken konnte.
Ich habe mal in meinem Gedächtnis gekramt , wieviel Frauen in der Politik ich während meiner Schulzeit "kannte".
Da fallen mir nur 2 Namen ein,
Hannah-Renate Laurien und
Annemarie Renger.
Sonst nur Männer.
Liebe Grüße,
und danke für deine Arbeit, :-)
Claudia
Ja, so war das: In meinem Abiturjahrgang 1970 waren drei (!) Mädchen, die vorher eine Schwangerschaft abgebrochen haben, um ihren Abschluss machen zu können. Es war ganz großes Thema in der gesamten Mädchengemeinschaft auf einer letzten gemeinsamen Fahrt in den Taunus ( da waren sie schwanger ). Es jagt mir heute Schauer über den Rücken, macht immer noch wütend. Gleichzeitig aber auch Dankbarkeit gegenüber all denen, die sich unter diesen Bedingungen eingesetzt haben und es leider immer noch tun müssen.
LöschenGLG
An Käte Strobel und Annemarie Renger kann ich mich noch gut erinnern. An so etwas wie Sexualkundeunterricht an meiner Schule - Gymnasium für Mädchen - nicht. Allerdings war ich 1969 schon in der Oberstufe. Da war es dafür vermutlich vom Unterrichtsplan her auch schon zu spät. Witzig ist ja schon, dass noch wenige Jahre zuvor der Plan, die neue Helene-Lange-Schule in der Nähe des Leibniz-Gymnasiums - nur Jungen - zu bauen, abgelehnt wurde. Wir dann aber kurz nach meinem Abitur 1971 tatsächlich eine gemeinsame Oberstufe für beide Gymnasien in einem weiteren Gebäude bekam. Das war schon eine Zeit des Umbruchs auf der ganzen Linie. Aber es ist schon interessant zu lesen, dass "modernes" Denken in manchen Köpfen auch schon vorher existierte. Wenn wir nun allerdings zulassen, dass die AfD plötzlich die Inhalte schulischer Lehrpläne bestimmt, dann gute Nacht . . .
AntwortenLöschenLiebe Grüße – Elke
Wie meine Vorkommentatorin habe ich überlegt, wie viele Frauen in der Politik ich in meiner Schulzeit in den 80ern kannte. Und kann mich an keine erinnern. Petra Kelly, ja, aus anderen bekannten Gründen. Käte Strobel war mir kein Begriff, sie schied allerdings aus der aktiven (Bundes-)Politik aus, als ich gerade meine ersten Schritte etwa 50 km östlich von Nürnberg machte. Den Sexualkundeunterricht, auch diverse Aufklärungsfilme, gab es in meiner Schulzeit noch, da habe ich viel gelernt und verstanden.
AntwortenLöschenDer Lebensweg von Käte Strobel ist bemerkenswert, vor allem gegen diese Widerstände. "Was sollen wir mit einer Frau im Kabinett? Dann können wir nicht mehr so offen reden" macht mich wütend und jagt mir gleichzeitig Schauer über den Rücken, überlegend, über was denn im Kabinett geredet wurde, das keine Frau hören durfte? Und es hat sich seit Jahrzehnten nicht allzu viel daran geändert. Kenne ich den Satz doch in der Variante "Jungs, heute müssen wir uns benehmen, es ist eine Frau anwesend" von diversen Baubesprechungen. Im Großen wie im Kleinen immer die gleiche Sch...
Interessanterweise waren es in D und in Ö immer die SP-Frauen, die Frauenrechte voranbrachten (die Fristenregelung in Ö war allerdings etwa zur gleichen Zeit wie in D, und somit viele Jahre vor Johanna Dohnal, aber auch hier war es die SPÖ, die alleine ÖVP und FPÖ überstimmte).
Du siehst, dein heutiges Frauenporträt hat bei mir wieder viel angestoßen, Danke dafür.
Liebe Grüße heike
Durch mein späteres Geburtsjahr hatte ich schon einen sehr "ausführlicheren Sexualkundeunterricht", war aber auch von daheim schon gut aufgeklärt.
AntwortenLöschenAber so viel mehr hat sie ja noch erstritten und es war besonders, dass sie einen Mann hatte, der sie gleichberechtigt sehen wollte. Besonders zu der Zeit.
Dankeschön und sende liebe Grüße
Nina
liebe astrid, über diese frau dachte ich viel zu wissen, und ich erfahre wieder neues. die hochachtung für ihre arbeit verband sich vor 50 jahren mit einem schulterzucken wg. ihres alters. die spd hat ihre arbeit zu dieser zeit nicht angemessen gewürdigt, wir jusos waren in den siebzigern mit alternativvorschlägen beschäftig. leider sahen wir nicht, worauf wir hätten aufbauen können, was schon da war, machten uns nicht zu verbündeten z. b. dieser kampferfahrenen und - erprobten frau. ich kenne das haus und den friedhof in nürnberg, es macht mich traurig, wie mit frauen in der politik auch heute umgegangen wird(hat jemals jemand sich über einen anzug lustig gemacht? aber frauenkleidung...). die männer schützen immer noch ihre netzwerke und wollen oft nicht, dass mutige frauen wesentliche stellen besetzen. danke dass du an diese frau erinnert hast. herzlichen gruß, roswitha
AntwortenLöschenLiebe Astrid,
AntwortenLöschengerne habe ich als hier in Nürnberg geborenes Kriegskind den Beitrag zu unserem Kätchen gelesen. Eine ganz liebe Frau, ich kenne niemanden der sie nicht hätte mögen.
Es stimmt mich natürlich auch traurig, denn Erinnerungen erhellen nicht immer die Stimmung, denn dazu gibt es auch Ereignisse wie die Zahl 1905 wo meine Mama geboren ist in unserer Stadt Nürnberg zwei Jahre vor Käte, hier zur Schule ging und ebenso mit 89 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs verstarb. Mamas Bruder hatte in der Gartenstadt so ein Siedlerhaus mit Gartentüre, hinaus zum alten Kanal. Hach war das eine wunderbare Zeit. Stücke des alten Kanals sind noch erhalten geblieben und in den Sommermonaten fährt auch noch das Treidelschiff mit der Elfriede.
Der Radweg am alten Kanal bis Neumarkt wurde von Helga und Helmut zigmal abgeradelt.
Nein, jetzt bin ich echt traurig gestimmt, die Käte hat auch unsere Wege oft gekreuzt. Mama kann ich leider nicht mehr fragen.
Strobel und Renger waren stets in der Tageszeitung präsent. Ein
Dankeschön und liebe Grüße von Helga und Kerstin für die ja Kätchen auch ein Begriff war.
Käte Strobel persönlich kannte ich nicht, wohl aber kenne ich ihre Tochter Ilse, die praktisch mit ihr die letzten Jahre zusammenwohnte, wie Du es schon schreibst.
AntwortenLöschenIhre Mutter war eine so außergewöhnliche Frau für die damaligen Zeiten und auch für heute wäre sie dies. Darüber haben wir öfters gesprochen.
Käte Strobel war bodenständig und weltoffen, kritisch und integer, gebildet und nicht akademisch. Sie konnte mit vielen Leuten und wusste, mit wem sie nicht konnte und wollte.
Einfach eine kluge Frau, die viel bewirkt hat, und der ich sehr dankbar bin.
Sie hat Themen vertreten, für die sich die Männer nicht interessierten und die sie auch nicht wollten. Ihre Art hartnäckig und dabei freundlich zu bleiben, hat diese Themen letztlich in gewisser Hinsicht erfolgreich werden lassen.
Heute müssen wir darauf achten, dass wir nicht einiges davon wieder verlieren.
Nürnberg hatte in vielerlei Hinsicht historisch keinen Grund zum Stolz sein, aber auf Käte Strobel dürfen wir es sein. Und auf ihren Mann ebenso.
Danke, dass Du an sie erinnerst und an die Zeiten, die mir ihr verbunden sind.
Herzlichst,
Sieglinde
Kleiner Nachtrag, da fällt mir noch dazu Sophie Rieger (grüne) ein, auch eine engagierte Nürnbergerin mit Abi, die erst 2022 verstarb mit 89 Jahren. Liebgruß Helga
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