Sonntag, 26. April 2020

Mein Freund, der Baum: Bergahorn

Gestern war der internationale Tag des Baumes. Aus diesem Anlass wurde die Robinie zum Baum des Jahres 2020 gekürt. Über diesen schönen Baum habe ich hier schon einen Post geschrieben. 

Aber heute geht es um "Ahörner". Solche habe ich an dieser Stelle schon mehrmals vorgestellt, allen voran der bei uns in der Stadt oft angepflanzte Spitzahorn, den Silberahorn und seinen nahen Verwandten, den Geschlitzten Silberahornden Blut - Ahornund hier habe ich einen Sammelpost für die drei bekanntesten Ahornarten verfasst. Heute will ich mich einmal speziell mit dem Bergahorn beschäftigen, von dem es ein schönes frei stehendes Exemplar in meiner Nachbarschaft gibt...


Der Bergahorn Acer pseudoplatanus ist bei uns in Europa und darüberhinaus im Westen Asiens weit verbreitet. In Mitteleuropa ist er allgemein die häufigste Ahornart. Nur im äußersten Süden Spaniens und Griechenlands fehlt er. Er ist zudem vom Wuchs her gesehen die größte Ahornart bei uns.

Eigentlich fühlt sich dieser Ahorn im kühl-feuchten Bergklima am wohlsten. In unseren Mittelgebirgen ist er bis auf 900 Meter im Harz und dem Erzgebirge, gar bis auf 1300 Meter im Bayerischen Wald anzutreffen. In den Nordalpen wächst er sogar bis auf 1700 Meter, in den Zentralalpen sogar bis auf fast 2000 Meter. Wenn er in der Norddeutschen Tiefebene, in Skandinavien, Belgien und den Niederlanden angetroffen wird, ist er vom Menschen gepflanzt worden ( in Australien, Neuseeland, Nordamerika und Argentinien gilt er gar als invasive Pflanze, weil er sich dank seiner Flügelnüsschen gut ausbreitet ).


Der Bergahorn gehört bei uns zu den bestandsbildenden Waldbäumen und wächst gerne in Mischbeständen zusammen mit Buchen, Tannen und Fichten bis zur Baumgrenze. Mit ihrem leicht abbaubarem Laub fördern diese Bäume die Humusbildung im Waldboden. Der in der Jugend schnell wachsende Bergahorn gehört so zu den bodenpfleglichen Mischbaumarten und trägt zur Stabilisierung von Nadelwäldern und der Werterhaltung von Buchenbeständen nicht unerheblich bei, was seine grosse Bedeutung für die Forst- und Holzwirtschaft bei uns erklärt. 

Im Vergleich zu Buche oder Tanne ist der Bergahorn relativ spätfrosttolerant. Eine hohe Konkurrenzkraft zeichnet ihn gegenüber Begleitvegetationen wie Gras aus. Daher eignet er sich auch gut für beispielsweise größere Kahlflächen oder für Erstaufforstungen. Typisch ist auch sein enormes Verjüngungspotential: Oft genügen schon einzelne alte Bäume, um für Naturverjüngung auf einer größeren Fläche zu sorgen. 

Als Pionierpflanze kommt er leicht auf nährstoffarmen Böden zurecht, selbst auf Kalksteinschutthalden, aufgrund seiner tiefen, weit verzweigten Wurzeln und seinen Blättern, die eben selbst nährstoffreichen Humus bilden. Ausgestattet ist er als Tiefwurzler mit Herz- und Senkwurzeln, die er schnell in der ganzen Erdumgebung verteilt. Staunässe mag er nicht.


Der Bergahorn wird bis zu 30 Metern hoch, bei engem Stand im Wald auch bis 40 Meter, und 15 bis 20 Meter breit. Freistehende Exemplare können auch eine Kronenbreite von 25 Metern erreichen. Die Krone ist bei jungen und eng stehenden Bäumen meist eiförmig, bei alten, frei stehenden Bäumen breitoval. Zu Beginn wächst der Bergahorn pro Jahr etwa 80 Zentimeter in die Höhe, anschließend beträgt der Jahreszuwachs nur noch 40 bis 50 Zentimeter. Mit seinen aufstrebenden Ästen und einer abgerundeten Krone besitzt er als Solitärpflanze eine eindrucksvolle Gestalt. Einzelexemplare können über 500 Jahre alt werden.

Die Borke dieser Baumart ist schuppig und von brauner bis graubrauner Farbe. Ähnlich wie bei der Platane blättert die Borke mit zunehmendem Alter stückweise ab, was den lateinischen Namen Acer pseudoplatanus erklärt.
Diese Borke hat einen günstigen pH-Wert. Darum sind alte Exemplare geschätzt als Indikatoren für die Luftqualität: Wenn sich auf der Rinde empfindliche Flechten wie die mähnenartig herunterhängenden Bartflechten entwickeln, ist das als Zeichen für hohe Luftreinheit zu werten. 

Die Rinde der Zweige ist graubraun bis olivgrün und die Winterknospen sind frischgrün – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Spitzahorn, der rote Winterknospen trägt!

Die Blätter des Bergahorns sind sommergrün, gegenständig und ähneln in ihrer Form den Blättern des Spitzahorns. Die fünf Lappen des Blattes sind bis zur Hälfte eingeschnitten, an den Enden aber nicht so stark zugespitzt wie beim Spitzahorn. Die Unterseite des Bergahorn-Blatts ist graugrün gefärbt und grau behaart, die Oberseite dunkelgrün. 3-15 cm lang gestielt. Die Blätter führen keinen Milchsaft. Besonders schön sind die Blätter im Herbst, wenn sie sich goldgelb, im Bergland auch leuchtend rötlich verfärben.

Erst im Alter von 25 – 40 Jahren blüht der Ahorn zum ersten Mal und zeigt dann im April/Mai 8 – 15 cm lange, gelbgrüne Blüten an traubenartigen Rispen gleichzeitig mit oder aber auch nach den Blättern. Diese Blüten sind nicht so auffällig wie beim Spitzahorn, der schon vor dem Laubaustrieb blüht. Die Blüten sind zwittrig, oft werden aber auch bei einzelnen Blüten mal die männlichen und mal die weiblichen Anlagen unterdrückt, so dass die Blüten fast eingeschlechtig sein können. Die Blüten des Berg-Ahorns werden durch Bienen und Fliegen bestäubt

Ende August bis Anfang Oktober reifen die bis zu 4 cm langen, geflügelten Früchte. Mit Hilfe der biologischen "Helikopter"verbreitet sich der Ahorn sehr erfolgreich durch den Wind. Als "Nasenzwicker" sind sie bei Jung und Alt sehr beliebt. 

Das Holz des Bergahorns zählt zu den wertvollsten der Edellaubhölzer. Das mittelschwere, elastische, feste Holz hat gute Eigenschaften, dauerhaft ist es aber nur im Innenausbau. Es wird gerne zu Furnieren verarbeitet und auch für Musikinstrumente (Gitarre, Geige) genutzt. Der hellfarbige Ahorn zählt zu den sogenannten "hygienischen" Holzarten, da sich sein Holz aufgrund seiner Feinporigkeit sehr leicht reinigen lässt. Deshalb werden Wirtshaustische oder Brotzeitteller häufig aus Ahornholz angefertigt.

In Mythologie und Volksglauben hat der Ahorn einen festen Platz. Unsere Vorfahren zählten den Bergahorn zu den "heiteren" Bäumen, die für Ruhe, Gelassenheit und Harmonie stehen. Türschwellen aus Ahornholz oder Keile daraus in den Türen sollten Schutz vor Hexen und Zauberern bieten. Kartoffelfelder wurden von den Bauern mit Ahorntrieben umstellt, um Maulwürfe fernzuhalten.

Für die Kelten symbolisierte das helle Holz eine besondere innere Reinheit. Bei den Griechen war der Bergahorn dem Kriegsgott Ares geweiht. Der botanische Gattungsname Acer ist lateinisch und bedeutet spitz, scharf.

In der "Odyssee" wird von Epeios erzählt, der auf Rat des Odysseus ein Pferd aus Ahornholz gebaut hat, um endlich die Stadt Troja erobern zu können. Im Pferd waren griechische Krieger versteckt, welche schliesslich Troja eroberten.

Im schweizerischen Graubünden wurde am 16. Mai 1424 im Ort Trun unter einem riesigen Bergahorn der "Graue Bund" geschworen, zu dem sich Gemeinden aus den Talschaften des Vorder- und Hinterrheintals zusammenschlossen. Das Wappen der Gemeinde ziert heute noch auf weißen Grund ein bewurzelter Ahorn mit schwarzem Stamm und fünf grünen Blättern. Im heutigen Museum Sursilvan in Thun wird im ehemaligen Sitzungssaal des "Grauen Bundes" ein Teil des alten Stammes des Ahorns ausgestellt, unter dem er einst gegründet worden ist.

Wer immer noch unsicher ist, welchen der drei bei uns weit verbreiteten Ahorn - Arten er vor sich hat, findet hier eine vergleichende Tabelle.

Und nun seid ihr wieder dran! Die Verlinkung ist bis zum nächsten letzten Sonntag im Monat geöffnet. Den Backlink bitte nicht vergessen!

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Kommentare:

  1. Liebe Astrid,
    all deine Posts zu den Bäumen sind schon ein regelrechtes Nachschlagewerk, danke dir für die immer so umfangreichen Vorstellungen der grüne Giganten. "Was wären wir ohne sie" geht mir besonders in den Sommermonaten durch den Kopf, wenn wir wie in den letzten Jahren unter starker und wochenlanger Sonneneinstrahlung leiden. Natürliche Schattenspender sind einfach wunderbar.
    Und noch einmal ;-) ... schönen Sonntag, Marita

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  2. Das ist wirklich ein interessanter Post. Ich habe wirklich sehr viel über den Ahorn gelernt.
    Liebe Grüße
    Luisa von https://www.allaboutluisa.com/

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  3. Aha, also ein heiterer Baum. Davon können wir gar nicht genug haben, finde ich. Sehr beeindruckend ist er noch dazu.
    Danke für Deine wie immer grundlegende Recherche, es gab wieder viel Neues zu erfahren!
    Einen schönen Sonntag wünscht Sieglinde

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  4. Danke, liebe Astrid,
    für diese wunderschöne Vorstellung eines wirklich bemerkenswerten Baumes.
    Liebe Sonntagsgrüße
    moni

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  5. Was für eine schöne Baumvorstellung. Sofort merke ich, wie sehr ich meine Inselrunden vermisse. Sonst habe ich keine Mangelerscheinungen, aber meine Baumfreunde dort...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Ich mag den Ahorn sehr, diese wunderschönen Blätter, das helle Holz. Aber erst bedrohte der aus Asien eingeschleppte Käfer ganze Ahornbestände, vor allen Dingen in Städten müssten ganze Strassenzüge gefällt werden. Mit den billigen Zierahornen war dieser Bock eingeschleppt worden.
    Dann viel schlimmer, die nun vermehrt auftretende Türinnenkrankheit, die innerhalb kurzer Zeit dem Baum den Barauszahlung macht und auch für den Menschen sind die Sporen gefährlich. Geschwächte Bäume sind natürlich ein leichtes Opfer, aber ich weiss von meiner Mutter, dass auch gute, junge Bäume innerhalb eines Jahres gefallen würden und sofort gefällt werden müssen.
    Das helle, harte Ahornholz liebe ich sehr. Die Propeller Samen im Herbst auch.
    Hoffentlich bleibt uns der Baum erhalten.
    Liebe Grüße
    Nina

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  7. RUSRINDENKRANKHEIT und die macht den Garaus...
    Entschuldige, wenn ich vom Handy aus schreib und noch ohne Brille...sind noch ein paar Autokorrekturpatzer drin ;(
    LG
    Nina

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    1. Ich hab es mir schon gedacht und gemerkt, dass ich zu diesem üblen Pilz auch etwas hätte schreiben sollen... Ich verfluche die Autokorrektur auch immer mehr.
      😂
      LG

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  8. ein wunderschönes Exemplar habt ihr da in der Nachbarschaft
    im Frühjahr ist es allerdings immer mühsam die jungen Schösslinge über all zu entfernen (egal welcher Ahorn es ist ;) )
    ein schönes Baumportrait ..
    Die Robinien haben sie bei uns reihenweise gefällt weil der Baum nicht hier her gehört..
    an der Bahnböschung bei uns standen welche.. wir sagten Akazien dazu
    und die Blühten pflückten wir zur Frohnleichnahmsprozession
    heute blühen sie schon viel früher .. der Duft ist allerdings immer noch betörend ;)

    liebe Grüße
    Rosi

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  9. Liebe Astrid,

    vielen Dank für die lesenswerten Einblicke und die schönen Anblicke der Bergahorns. Der Shutdown hat meinen Plan, die Hohenheimer Gärten zu besuchen, in den letzten Wochen vereitelt. Man darf zwar noch in den Park, aber es tummeln sich plötzlich so viele Menschen im Park, dass mir das zu viel ist. Ich suche mir wieder stillere Tage dafür aus, die kommen auch wieder.

    Bis dahin und darüber hinaus erfreue ich mich an deinen tollen Geschichten und Bildern zu diversen Bäumen. Eine schöne Aktion.

    Herzliche Grüße

    Anni | antetanni.wordpress.com

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  10. ein schöner großer Baum ist das. ..... im Herbst gefällt mir der Ahorn am besten, weil er dann so schöne bunte Blätter hat

    lg gabi

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  11. Auf speziellen Wunsch der gleiche Weidenbaum am See vom Vormonat. Ist halt an einem Lieblingsplatz von mir.
    L G Pia

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  12. Die Blüten der roten Kastanie leuchten im Moment so wunderschön, daher ein paar Bilder aus meiner Nachbarschaft.
    Lieben Gruß, Marita

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  13. Nun habe ich alle deine Ahorn-Posts gelesen :-). Sehr interessant - und ich bin wieder etwas schlauer. Dann habe ich gerade die Kiefernbäume und Kiefernarten gegoogelt. Davon gibt es auch einige. Und ich habe bei dir noch deinen schönen Post über die Waldkiefer gefunden und gelesen.
    Ob Ahorn oder Waldkiefer, es sind doch imposante Bäume.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße
    Ingrid

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Immer wieder sonntags muss ich es wiederholen:

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