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Samstag, 11. November 2023

Meine 45. Kalenderwoche 2023

 "Zu viel Empathie 
kann einen Menschen nutzlos machen! 
Auf diesem Drahtseil zu laufen ist nicht immer leicht. 
Aber es ist der wahre Wert der Liebe."
Siri Hustvedt


Auch an diesem Samstag wie an dem der letzten Woche gab es nur ein sehr begrenztes Zeitfenster zwischen den Regengüssen, welches ich genutzt habe, um mich mit Vitaminen zu versorgen. Wie sehr frau sich darüber freuen kann, vor allem wenn man nur einen Umhängebeutel füllen & nach Hause tragen kann!




Sonntagfrüh beim Aufstehen: Ich sehe wieder, dass ich Nachbarn gegenüber habe. Noch ist einiges Blätterwerk am Baum, aber als es tagsüber Böen gegeben hat, konnte man ihrem Fallen zuschauen ( was ich mag ). 

Abgelenkt davon hat mich ein Besuch der Schwägerin am Nachmittag, die mit Kuchen vorbeigekommen war:


Am Montag war ein Kontrollbesuch beim Operateur meiner neuen Hüftendoprothese angesagt. Von dort, im 5. Stock, schaut man über die dichte Innenstadtbebauung am Ring in Richtung Colonius.




Anschließend bin ich mit der Straßenbahn zum Neumarkt gefahren, wo die Herrnhuter Sterne des Weihnachtsmarktes in den Platanen aufgehangen wurden. Bei einem Tee hab ich eine Pause vom Schaufensterbummel eingelegt. Auch das wieder ein Zeichen der Normalisierung!


In der siebten Woche nach der OP ist mein Alltag doch noch sehr geprägt von den Folgen des Eingriffs. Jedenfalls muss ich viel dafür tun, damit ich an Kraft & Ausdauer zurückgewinne und die diversen unangenehmen Gefühle in einigen Teilen des Beines bzw. des unteren Rumpfes in Grenzen halte. 



Noch immer nehme ich die Stützen, wenn ich mich draußen bewege: Zu viele Menschen, zu rutschige Untergründe dank Laubfall, zu viele Hindernisse auf dem Weg. Nur im Haus und in der unmittelbaren Nachbarschaft laufe ich seit der Rückkehr aus der Reha ohne. Mit zunehmendem Alter bin ich vorsichtiger bzw. ängstlicher geworden, merke ich. Und mir fehlt mein Gefährte: Sich jeden Tag immer wieder alleine zu Unternehmungen zu bewegen, ist auch anstrengend. Sonnenschein ist da ein hilfreicher Motivator und lässt die Laune steigen.




Fünf Monate ist es her, dass ich an der Stickmaschine gesessen habe. Die Dame war denn auch schwer beleidigt, und für Arbeiten, die höchstens eine Stunde in Anspruch hätten nehmen dürfen, brauchte ich nen halben Tag, örks! Aber es wird noch rechtzeitig zum Geburtstag des Großneffen ankommen, das ist die Hauptsache. Und der Nebeneffekt: Von meinen Malästigkeiten habe ich in der Zeit nichts gemerkt.

Von denen befreien mich immer auch immer zuverlässig meine Physiotherapeuten. Auf die könnte ich immer wieder das Hohelied singen. Im Anschluss an die Behandlung gehe ich dann auch gerne durch die Gegend und lande auch schon mal bei "Törtchen, Törtchen".


Am Donnerstagabend dann ein langer Martinszug vor meiner Haustür. Die schönen Laternen, vor allem auch die mit den Klassentieren, haben mir die Tränen in die Augen getrieben, denn ich habe an die tolle Zeit in der Schule in Riehl mit meiner Freundin, der Lieblings-Ex-Kollegin, vor 15 Jahren gedacht. Herzliche Grüße auf die Schääl Sick!

Und an dich, liebe Frau Frieda, auch herzliche Grüße und ein Dankeschön für die witzige Gänsekarte, die auf dem Foto rechts unscharf im Hintergrund zu ahnen ist!


Der Freitag war ein echter Hausfrauentag, allerdings erst, nachdem der Paketbote mich um zehn aus dem Bett geklingelt hatte. Da ging es los mit Betten beziehen, Sommerkleidung verräumen, Blumen dekorieren, Wäsche waschen & falten. Zwischendurch gab es allerdings ein nettes Schwätzchen mit einer Nachbarin über Gott & alle Welt, unsere Enkelkinder & Ehemänner, unsere gemeinsame Krankheit und überhaupt. Das hat gut getan, liebe Marie - Anne! 

Am Nachmittag bin ich dann erstmals eine längere Strecke ohne Stützen zum Arzt gelaufen. Als ich mir zu Hause einen Espresso und drei Stückchen Spekulatius ( das ist für mich das, was für Nicole/Frau Frieda der Weckmannn ist: Martinstradition) gegönnt habe, regnete es auch schon wieder.



Die Erinnerungstage zuletzt - hundertster Jahrestag des Hitlerputsches in München am Mittwoch, am Donnerstag dann die Erinnerung an die Pogromnacht vor 85 Jahren - lassen mich in diesem Jahr mehr als beklommen zurück, beschäftigen mich natürlich auch die Ereignisse von vor einem Monat bzw. der letzten Wochen & Tage. Besonders die Reaktionen darauf hierzulande bzw. auch international in diversen Organisationen & Einrichtungen. Wieder einmal muss ich wie in den letzten Jahren konstatieren, dass mir Positionen & Anschauungen, denen ich auch mal zugeneigt war, im Alter gar nicht mehr passen. Ich habe zwar nicht wie (zu) viele Menschen mein physisches Zuhause verloren, aber meine geistige Heimat. Plötzlich fällt es mir schwer, die sich stets für das Existenzrecht beider Nationen eingesetzt hat, den israelischen Militäreinsatz zu kritisieren ( da steh ich wohl nicht alleine da ). 

"Dass Juden nicht toleriert werden, selbst wenn sie sich mit Palästinensern solidarisieren, ist das Gegenteil von Menschlichkeit, nämlich Antisemitismus in seiner radikalsten Form",- da stimme ich mit Navid Kermani vollkommen überein. Und "gut versorgt im sicheren Deutschland, sollte jedem das Mitgefühl für die Opfer gleich welcher Seite möglich sein." Dass ich eine Pause gemacht habe, mich zu diesem Thema zu äußern, hat nicht nur mit meiner akuten persönlichen Situation zu tun, sondern die Empathie für die tausendvierhundert ermordeten Menschen ließen mir die Worte versagen. Für die Reaktionen der eher links verorteten Israelkritiker schäme ich mich. Da bestätigt sich wieder die Beobachtung, die ich schon bei Butscha machen musste: "Mitgefühl mit den Opfern ist offenbar nur möglich, solange die Täter dem Westen zugeordnet werden können", um nochmals Navid Kermani zu zitieren. 

Das ist nicht mehr meine politische Gedanken - Welt. Das sind nicht mehr meine Ideen und Werte, die mir  jahrzehntelang den Weg gewiesen haben, nämlich Humanismus, Feminismus und Liberalismus. "Die Linke ist zu einer Eisdiele geworden, in der man sich aussuchen kann, auf welche Geschmacksrichtung von Menschenrechten man gerade Lust hat", sagt die israelische PEN-Gründerin  Julia Fermentto-Tzaisler. Sehe ich auch so. Schlimmer noch...



Natürlich setze ich mich auch heute wieder zu Andrea Karminrot an den Tisch zum Samstagsplausch,  verlinke mich mit der Gartenwonnemit "Niwibo sucht... Schöne Dinge" ( auch diese Woche hab ich wieder einiges gefunden ) und Heidruns "Mosaic Monday".

Samstag, 28. Oktober 2023

Meine 43. Kalenderwoche 2023

"Trost heißt nicht, dass alles gut wird"
Gabriele von Arnim

"Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken,
verstehst du?
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich."
Michael Ende "Momo" 

Der zweite Morgen nach einer Nacht im eigenen Bett: Vielversprechend! Herbst heißt für mich auch: Rosa-Multiflora-Hagebuttenzweige für die Vase

Das gute Wetter haben wir genutzt, um auf den Friedhof zu gehen. Immerhin habe ich erstmalig wieder nach über einem Jahr den Weg durch den alten Teil des Friedhofs zu Fuß bis zum Bus geschafft. Der Bus war aber eine grenzwertige Erfahrung...


Rücksicht auf Menschen mit Behinderungen? Nein, danke! Evver: Et hätt noch emmer joot jejange ( Paragraph 3 des Kölschen Grundgesetzes ), doch die Muskeln waren vom plötzlichen Aufprall nachhaltig irritiert.





Dennoch ein schöner Ausflugstag, den wir mit gutem Essen gekrönt haben. Ich habe jeden Abend für die Schwester und mich gekocht ( wollte ihr beweisen, dass ich das kann, denn sie sorgt sich immer um mich und mein Wohlergehen ).





Abends haben wir es uns gemütlich gemacht und morgens lange geschlafen. Und sie hat sich gekümmert, besser als die Pflegekräfte in der Reha.




Sie wollte mich auch unbedingt nach dem Schocker im Bus in der U-Bahn auf dem Weg zur Bank en d'r Sity begleiten.

Am Dienstag  ( und dann auch am Donnerstag ) gab es wieder Physiotherapie - Sitzungen, die ersten nach dem Reha- Aufenthalt. Wurde von mir freudig begrüßt, nachdem sich in den letzten Tagen ein paar Muskeln & Nerven unangenehm bemerkbar gemacht hatten, vor allem nachts. 




"Nach der Hüft-OP springen wie ein junges Reh" - das ist schon eine irreführende Aussage mancher Zeitgenossen, die man tunlichst unterlassen sollte. Auch diesmal bestätigte es sich wie vor 6 Jahren, dass frau Geduld haben muss, bis der Körper wieder ins Lot kommt. Physiotherapeuten sind da zu realistischeren Statements in der Lage, dank Erfahrung ( und dazu ausgesprochen verständnisvoll & hilfreich ). Klappe halten täte also gegenüber Betroffenen auch in dieser Nischensituation gut.



Abends war ich mal wieder in der Nachbarschaft zum Essen -  ganz klassisch wie von Muttern! - eingeladen und verbrachte zwei Stunden in netter Gesellschaft. Ich hab's gut, sag ich ja...

Die Magnolie schreitet nun sichtbar voran, was das Einziehen das Blattgrüns anbelangt. Vor elf Jahren war sie zu diesem Zeitpunkt schon völlig gelb...


Und dann war noch in dieser Woche in der Post eine liebe Gabe für mich, von Nina/wippsteerts. Ich hatte mal in einem Kommentar geschrieben, dass ich ihren Oktopus-Druck so toll finde. Jetzt hab ich einen auf einem antiken Leinengeschirrtuch. Vielen, vielen Dank dafür, liebe Nina! Es ist schon in Gebrauch...


Zuerst hab ich mich in dieser Woche etwas geärgert über einen - namenlosen - Kommentar unter meinem "Great-Women"- Post, in dem die Erwartung ausgedrückt wurde, dass ich mich zu den monströsen & inhumanen Vorkommnissen im Nahen Osten äußere. Ja, ich weiß, ich drehe mich momentan um mich selbst, wie ich es bisher in meinem Leben noch nie getan habe. Manos Link zu diesem Video von "Woman Wage Peace" hat mir dann deutlich gemacht, wie kleinlich solcher Groll ist... Weg damit!


 
Wie gewohnt setze ich mich wieder zu Andreas Samstagsplausch an den Tisch & verlinke mich mit der Gartenwonne und Niwibos  "Blätterrauschen"

Montag, 22. Juli 2019

Zwei Jahre mit Hüftendoprothese

Diese Karte lag zum 18. Juli in meinem Briefkasten: Eine zu meinem zweiten Jahrestag mit neuer Hüfte. Ist das nicht süß?



Geschrieben hat sie mir die liebe Andrea, Stille Leserin aus dem Schwarzwald und aufmerksamer Coach in all meinen Lebenslagen.

Gedacht habe ich schon an dieses denkwürdige Datum. Aber am Vormittag waren mir meine Enkelinnen und die Tochter wichtiger. Und am Nachmittag war ich von der Heimreise gefordert. Die Karte hat mich in meiner Idee, über dieses Jubiläum etwas zu posten, dann doch bestärkt. Und so habe ich mich hingesetzt und die beiden Jahre Revue passieren lassen.

Eigentlich ist alles gut, und das Gefühl, einen Fremdkörper in mir zu tragen, hat sich völlig gegeben. Entsprechend sind so manche Verhaltensmaßregeln aus dem Sinn. Auch das ständige "Belauern", ob sich etwas falsch anfühlt, das durch die Veröffentlichung der "Süddeutschen Zeitung" und sechzig andere Medien - den "Implant Files" - im letzten November angestoßen worden ist, hat sich wieder etwas gelegt.

Ich habe nämlich ein Implantat einer Firma, die von dem Freiburger Jürgen Thomas verklagt worden ist, weil schädliche Chrom- und Kobaltpartikeln aus dem Abrieb des künstlichen Hüftgelenkes seine Knochen angefressen und vier Jahre nach der Operation wieder Schmerzen & starke Bewegungsbeeinträchtigungen beschert haben. Das Wissen um diese Missstände bei der Zulassung medizinischer Ersatzteile behalte ich allerdings im Hinterkopf, neige ich doch sonst dazu, alleinig bei mir die Fehler zu suchen, wenn etwas schief läuft...

Ich tue auch Einiges dafür, dass ich nicht wieder in die Situation komme, dass Muskelmasse und Beweglichkeit stark abgebaut werden, wie es im letzten Vierteljahr vor meiner Operation der Fall war, als ich mich immer weniger bewegt habe vor Schmerzen und der Angst vor weiteren Stürzen. Das hat sich dann bei der Rehabilitation ganz schön bemerkbar gemacht!

Inzwischen gehe ich also zwei Mal wöchentlich zum Gerätetraining in der physiotherapeutischen Praxis, in der ich auch nach dem Reha - Aufenthalt auf Rezept trainiert habe. Und einmal in der Woche mache ich in einer weiteren Physiopraxis Aquajogging der intensiven Sorte - für mich die ideale Möglichkeit, ohne Überlastungsgefahr ( und mit viel Spaß ) zu trainieren. Wichtig ist für mich auch, dass meine ganzen Anstrengungen von einem erfahrenen Trainer bzw. Physiotherapeuten begleitet und korrigiert werden. 

Wenn ich einmal länger pausieren muss, merke ich das sofort: an meiner linken Hüfte, die auch inzwischen von Arthritis befallen ist, aber auf abwechslungsreiche Beanspruchung positiv reagiert und sich dann wieder "fängt".

Ja, und was ich noch mitgenommen habe aus dieser Erfahrung? Viel besser auf mich zu achten und meinem Körper das zu geben, was er braucht, um auch mit zunehmendem Alter klar zu kommen...

Dir, liebe Andrea, noch einmal an dieser Stelle ein Dankeschön für  den Anstupser, das kraftvolle Bild, die lieben Zeilen und überhaupt, dass du so oft für mich mitdenkst!


Sonntag, 2. Dezember 2018

Meine 48. Kalenderwoche 2018






















Bäume - das ist mein Vorweihnachtsthema, mehr denn je. Auf dem Weg zu dem Paketshop, bei dem die hübschen Holzbäumchen von Fräulein Otten gelandet waren, fiel mir auf, dass auf diesem Platz in meinem Veedel auch lauter Säulenvarianten der verschiedenen Bäume stehen.

Und hier hat mich einer besonders eindringlich angeguckt - kein Wunder nach diesem Sommer, der auch dem Dümmsten hätte deutlich machen können, auf welchem Weg in die Katastrophe wir uns befinden. ( Mein 12tel Blick ist noch so ein weiteres Dokument dafür. Die Zitronenfalterin hat mich darauf aufmerksam gemacht. )























Je deutlicher mir das wird, umso mehr baue ich Baumältärchen ( ich weiß, das hilft nur meinem Gemüt kurzfristig ).

Auf dem Weihnachtsmarkt wird beleuchtet, geglimmert, gesoffen und gekauft, als ob es keine Erderwärmung gäbe. Mir ist das alles verleidet in diesem Jahr. ( Magdalena/Farbmagie nannte es zutreffend "Klimperglitzer". ) Umso schöner fand ich das Geäst des Wilden Weins...

Am Donnerstag gab es ein Kaffeestündchen im Lieblingslokal in Dom- & Museumsnähe mit einer lieben Leserin meines Blogs aus der Eifel. Schön, wenn man sich gut versteht! Der Haselnuss-Möhrenkuchen hätte mir ohne den Zuckerguss allerdings noch besser geschmeckt.


Wir haben inzwischen gemeinsam alle sechs Sorten Plätzchen gebacken, die der Herr K. auf seiner Agenda hatte...


... die ersten Päckchen sind gepackt und die Adressaufkleber für alle, die in der nächsten Zeit Post bekommen sollen, gedruckt...



...einen Adventskalender neben unserem Küchentischgibt es auch, dank der lieben Frau Mo, ( und einen digitalen von ihr - vielen Dank euch Beiden!) sowie einen kleinen Weihnachtsmarkt voller Menschen auf dem Plätzchen nahebei ...


... und über dem Hauseingang hängt in diesem Jahr wieder ein Mistelzweig ( die einzige Vorweihnachtstradition, die mir sozusagen heilig ist ) - jetzt kann sie kommen, die besondere Zeit, für die mir in diesem Jahr besonders gut der Begriff "stad" gefällt:






Implantate verbessern das Leben vieler Menschen. Meines hat vor sechzehn Monaten eine solche Verbesserung durch eine Hüft-Endoprothese erfahren, die mir wieder möglich gemacht hat, mich laufend zu bewegen...

Inzwischen denke ich, ich bin die Sache viel zu naiv angegangen, denn ich habe mich an den Erfahrungen von Freunden orientiert, deren Operationen ein, zwei Jahre zurücklagen: Zu Beginn dieser Woche hat nämlich die "Süddeutsche Zeitung" & der WDR die Ergebnisse einer weltweiten Recherche zusammen mit rund 60 Partnern ( "International Consortium of Investigative Journalists" (ICIJ)) veröffentlicht, die die gefährlichen Missstände im Geschäft mit Medizinprodukten aufdeckt, die sogenannten "Implant Files". Jedes Jahr werden also Patienten fehlerhafte medizinische Implantate eingesetzt, die Hersteller vertuschen lebensgefährliche Zwischenfälle ( die Teilnehmer am Tagesgespräch von WDR 5 am 26.11. zum Thema haben hanebüchene Erlebnisse zu Insulinpumpen, Herzklappen, Vaginalnetzen berichten können ) auch gegenüber den Krankenkassen, und Lobbyisten verhindern strengere Gesetze, wenn die Krankenkassen Qualitäts- und Kostenkontrollen durchsetzen wollen. So können sich die Hersteller medizinischer Produkte hinter laxen Zulassungsverfahren verstecken und sich vor der Produkthaftung drücken.

Ich habe nach der Hüft-OP ein Zertifikat erhalten, in dem die Herstellerfirma für mein Implantat aufgeführt ist, ich kann also nachhalten, welche Einzelteile mit individueller Nummer des Implantats bei mir eingesetzt worden sind. Allerdings sagt das Zertifikat nichts über die Qualität der Teile aus. Nachdem ich den Bericht über diesen Prozess gelesen habe, der sich gegen die Firma richtet, deren Produkte auch in meinem Körper eingebaut sind, habe ich ordentlich geschluckt.

Offensichtlich haben Patienten in dieser Art Gesundheitsgeschäft keine wirklich guten Chancen, denn Ärzte und Politiker lassen einen im Stich, letztere weil sie sich von der Schaffung eines effizienten Zulassungsverfahren durch Lobbyisten abhalten lassen. Ein Haftung für Ärzte und Implantathersteller gibt es nicht ( was macht man da den Hebammen das Leben seit einigen Jahren schwer! ).

Theoretisch müssen Ärzte ihre Patienten informieren, sobald größere Probleme mit Medizinprodukten auftreten, die sie ihnen eingesetzt haben, seit 2015 sogar binnen drei Tagen. In dem Jahr hat auch der Europäische Gerichtshofs geurteilt, dass der Patient den Fehler an seinem speziellen Implantat nicht mehr beweisen muss. Der liegt nämlich bereits vor, wenn der Hersteller einen Schaden in der Serie gemeldet hat, zu der das Implantat gehört. Bei einer Hüft - TEP  ist der Schadensfall schon eingetreten, wenn ein erhöhter Metallabrieb bekannt geworden ist, auch wenn die eigene Prothese noch gut funktioniert. Als Patient kann man dann bereits Schadenersatz beanspruchen. Weitere Hinweise für Patienten sind hier nachzulesen.

Übrigens für all die, die immer auf die Europäische Union schimpfen:

Die EU-Kommission hat sich 2008 für einen Wandel in der Zulassung und Kontrolle von Medizinprodukten stark gemacht. Wie in den USA sollten die systematisch auf ihren klinischen Nutzen getestet werden, eine staatliche Behörde sollte alles überwachen. Besonders risikobehaftete Produkte sollten von staatlicher Seite getestet werden, nicht mehr von Privatunternehmen wie bis heute üblich. Die Lobbyisten machten aber enormen Druck, sprachen vom "Untergang des Patientenwohls", vom "Bürokratiemonster EU", von "Fortschrittsverhinderung", vom "Ruin mittelständischer Betriebe". 

"Einen solchen Lobbydruck hatte ich noch nie erlebt", berichtete Dagmar Roth-Behrendt, die von 1989 bis 2014 für die SPD im EU-Parlament saß und die sich massiv für die Patienteninteressen eingesetzt hatte. Ganz anders übrigens als unser jetziger Gesundheitsminister und selbst ernannter Kanzleranwärter, der zugegeben hat, dass er sich als gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion wöchentlich zehn bis zwanzig Mal mit Interessenvertretern dieser Industrie getroffen hat. Der ehemalige Chef des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Harald Schweim, meinte, dass die Politiker anschließend besser als seine Hunde pariert hätten...

Nachdem vom "totalitären Anspruch gegen elementare Grundsätze der freien Marktwirtschaft oder des Wettbewerbs" geredet wurde ( und ein entsprechendes Propagandavideo online ging ), stimmte das EU-Parlament im Oktober 2013 dann nur noch für eine entschärfte Version der Verordnung. Die staatliche Zulassungsbehörde und die Verpflichtung, Medizinprodukte auf ihren Nutzen für Patienten zu testen, wurden gestrichen.

Wer beschützt eigentlich kranke Menschen dann noch?







P.S. Wenn jemand in den zurückliegenden Novemberwochen meine Kommentare vermisst hat: Ich kämpfe immer noch mit meinem neuen MacBook bzw. dem neuen Browser, bei dem es eine Wissenschaft für sich ist, wie ich auf jeden Blog individuell eingestellt meinen Kommentar los werden kann. Und nach einem zweiten Versuch gebe ich dann meist genervt auf ( oder kopiert ihr jeden Text, den ihr anderen Bloggerinnen schreibt? ). Besonders schwierig ist das Kommentieren bei selbst gehosteten Blogs, da kriege ich so merkwürdige Rückmeldungen. Nicht immer schaffe ich es dann vor dem Schlafengehen, vom iPad aus noch einmal zu schreiben.

Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot


Samstag, 9. Dezember 2017

Meine 49. Kalenderwoche 2017


Das war es schon, was Frau Holle am vergangenen Sonntag uns Kölnern bei einem Grad Celsius zugestanden hatte. Machte mich etwas bockig, weil gleichzeitig die herrlichsten Schneefotos per Whatsapp eintrudelten. Was mich mit dieser Jahreszeit aber versöhnt: das Isländertum! Den ganzen Tag hieß es "Licht an!" in jeder Form!


Auch vorweihnachtliche Dekorationen steigern das Wohlgefühl, wenn es draußen schon nicht richtig hell wird. In dieser Woche bin ich die letzten drei Male diesen Weg durchs Tälchen zu meinen Therapien gelaufen - meine Verordnungen nach der Hüft - TEP im Juli sind in dieser Woche endgültig ausgelaufen. Jetzt muss ich meine Fortschritte selbstständig in die Hand nehmen.

In dieser Woche habe ich mich nicht nur mit einem Post in die Weihnachtsbäckerei ( ihr dürft euch gerne ganz eifrig verlinken! Und schaut mal vorbei, es sind schon so viele interessante Geschichten und verführerische Rezepte zusammen gekommen... ) eingebracht, sondern auch ganz praktisch, und habe den Herrn K. beim Backen u.a. von Ischler Plätzchen unterstützt. Weil ich ausnahmsweise auch mal früher aufgestanden bin, habe ich auch die Morgenröte begrüßen ( und fotografisch festhalten ) dürfen. Ob die Engelchen schon so früh gebacken haben?
























Hat Spaß gemacht. Aber noch lieber nasche ich die Sterne...

Jetzt haben wir es trotz aller Widrigkeiten der letzten Wochen doch noch geschafft, fünf Sorten Weihnachtsplätzchen zu backen, von denen vier in meiner Sammlung verlinkt sind ( die fünfte Sorte  - Schokobussis - mag ich überhaupt nicht, deshalb weigere ich mich auch, das Rezept aufzuschreiben. Geschmäcker können so verschieden sein! ).

Handgemachter Weihnachtsglitzer ( "ramilletta" - so viel schöner als der Schaufensterglanz! ) fand sich in einem Briefumschlag von Lisa/Strohzugold, zusammen mit einem Kärtchen voll lieber Worte. Und auch Birgitt/Erfreulichkeiten schickte mir in dieser Woche eine Karte mit einem ihrer schönen Rosenfotos  & liebevollem Zuspruch. Ich danke euch von ganzem Herzen. Hat gut getan!





Am Freitag bekam nicht nur mein Auto neue Füße ( sprich: Wintereifen ), sondern auch ich eine Pediküre. Wurde höchste Zeit in beiden Fällen...



Und dann habe ich noch versucht, ein bisschen Gutes zu tun, und einen Siebdruck von meiner Nachbarin Katrin Stangl zugunsten von "Ärzte ohne Grenzen" gekauft und wieder den Ochsenhausener Förderverein "Piela  Bilanga e.V." unterstützt, der Schulprojekte und Brunnenbohrungen in Burkina Faso fördert, einem westafrikanischen Land, dem ich mich persönlich verbunden fühle. Von dort habe ich doch tatsächlich eine schöne persönliche Dankespost bekommen!

Die Geranien vor den Fenstern, leider auf der Nordseite vom Frost angegriffen, haben am Freitag den Weg auf den Kompost genommen und sind durch Tannenzweige ersetzt worden.

Kurze Stippvisite in "d'r Sity" am Samstag, wo wir statt Weihnachtsmann den Pitterman getroffen haben. Ich habe viel gespart, indem ich im Lieblingsladen nichts gekauft habe...

Die Weihnachtsstimmung gab es ja umsonst.






Verlinkt mit Andreas Samstagsplausch und der Raumfee 

Samstag, 18. November 2017

Vom Leben mit Hüft - TEP nach vier Monaten


Heute sind es vier Monate her, dass ich eine neue Hüfte bekommen habe ( medizinisch natürlich richtiger: eine Hüftendoprothese ). Zeit für eine weitere Bilanz, auch für mich wichtig, damit ich später noch einmal nachlesen kann, wie es mir ergangen ist, aber auch weil ich den Eindruck habe, dass Erfahrungsberichte gerne gelesen werden. 

 - Ich laufe inzwischen so schnell, wie es vor vor der Arthrose bei mir üblich war. Für den Weg, den ich mindestens drei Mal pro Woche hin und zurück zu meinen Therapien laufe, brauche ich inzwischen fünf Minuten weniger als vor sechs Wochen. Auch das "Anlaufen" nach dem Sitzen ist kein Thema mehr.
    - Das Treppensteigen klappt wieder ganz normal. Nur wenn ich sehr müde bin, ziehe ich gerne noch mal das operierte Bein nach.



    - Das Angebot beim Muskeltraining mit Geräten ist um Übungen der Balance für mehr Gleichgewicht und Körperstabilität erweitert worden, und ich habe mir für zu Hause ein "Wackelbrett" gekauft - macht Spaß! Vom Physiotherapeuten lasse ich mir inzwischen nur noch alle möglichen Muskelgruppen massieren. Beide Angebote werden in der ersten Dezemberwoche auslaufen. Was ich dann mache, entscheide ich im neuen Jahr.

    - Zu den Aquafitness - Kursen bin ich bis zum Herbst nächsten Jahres angemeldet. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich dort nicht manchmal überfordere, wie in dieser Woche. Seitdem empfinde ich die Prothese wieder als Fremdkörper...

    - Laut Physiotherapeut gibt es bei der Hausarbeit so vielfältige Bewegungsanreize, da benötigt frau keine speziellen andere Übungen mehr. Ich mache den Haushalt auch wieder richtig gerne und genieße meine Schnelligkeit dabei. Beim Aufheben/Bücken muss ich aufpassen, nicht leichtsinnig zu werden.

    - Aus dem Schlaf reißen mich gegen Morgen immer noch mal der eine oder andere Schmerz in Knie oder Unterschenkel. Ich liege halt am liebsten auf der operierten Seite.


    - Gestern bin ich zum ersten Mal in mein Auto gestiegen und wieder ausgestiegen, was mir aufgrund unserer Garagenverhältnisse etwas Angst gemacht hat. Als Hilfsmittel benutze ich eine Plastiktüte auf dem Sitz. Heute werde ich meine erste längere Fahrt auf altbekannter Strecke unternehmen. Bin tatsächlich gespannt...

    - Strümpfe - die man bei den jetzigen Temperaturen ja doch braucht - ziehe ich immer noch mit dem Strumpfanzieher an. Meine Schnürschuhe bleiben alle im Schrank. Zum Glück habe ich aber in meiner hintersten Schrankecke wetter- & rutschfeste, wasserdichte Schuhe nur zum Hineinschlüpfen wiederentdeckt. Der Winter kann also kommen.



    Bebildert ist der Bericht diesmal mit Aufnahmen von meiner üblichen Tour durch's Nippeser Tälchen im Oktober/November.