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Montag, 6. August 2018

Eine kleine Europareise in 15 Stationen

Meine monatliche Linkparty heute einmal ganz anders, denn zum August, dem Sommerurlaubsmonat, habe ich mir gedacht, passt doch, wenn ich hier einmal meine persönlichen Reise - Highlights präsentiere ( auch wenn ich zuletzt immer weniger unterwegs war, aber ich erinnere mich gerne ). Das könnte doch eine schöne Sammlung an Reisetipps werden - Verlinkungsmöglichkeit unterm Post!

1. Fangen wir doch mit dem mir persönlich wichtigsten Nachbarland an: Frankreich. Und das ist für mich hauptsächlich: Paris & Provence. Über Paris mag ich jetzt gar nichts mehr schreiben, da gibt es in der Sidebar einen Extrapunkt, nur so viel: Es ist die europäische Hauptstadt, in der ich am häufigsten war und die ich mir über die Jahre komplett erlaufen habe. Und die Provence ist die europäische Landschaft, in der ich die meisten meiner Sommer verbracht habe. Einfach wundervoll der Gebirgszug des Luberon* oder mein absoluter Lieblingsberg, der Mont Ventoux, die Fontaine de Vaucluse und die Lavendelfelder des Plateau de Valensole. Nicht zu vergessen: Kanu fahren auf dem Verdon. Und dann sind noch viele Ausflüge erwähnenswert, nach Arles zum Beispiel. Oder nach Cassis mit der Calanques - Küste. Oder mehr ins Alpine, nach Moustiers - Sainte- Marie und seinem Stern über der Schlucht. Oder in all die herrlichen Dörfer des Vaucluse, deren Namen duften und nach Zikaden klingen...

Blick von Gordes über das Tal des Calavon  zum Höhenzug des Luberon

















2. Die Niederlande, von uns aus schnell erreicht und zu jeder Jahreszeit attraktiv! Amsterdam ist einfach einmalig in vielerlei Hinsicht, da liegt Grandioses & Kurioses nahe beieinander. Am liebsten bin ich aber in Nordholland mit seinen Tulpenfeldern im Mai, den Spektakeln am Strand im Hochsommer und dem Wolkenkino & Sturmgetose im Herbst. In so einem Dorf wie Schoorl könnte ich immer leben, so stilvolle Häuser und Gärten gibt es da!

Spektakel am Strand von Camperduin/Nordholland


3. Belgien & Luxemburg: Von beiden Ländern habe ich viel vom Auto aus bei der Durchreise gesehen und immer wieder mal die Hauptstädte besucht. Aber noch besser haben mir Brügge und Echternach gefallen für einen kürzeren sommerlichen Aufenthalt.

Echternacherbrück an der Sauer


4.  Der Schweiz bin ich familiär verbunden und ich finde Städte wie Bern, Zürich, Lausanne auch vom kulturellen Angebot recht attraktiv. Aber mein Sehnsuchtsort ist das Berner Oberland mit dem Thuner- und dem Brienzersee und natürlich der "Schweizer Pyramide", dem Niesen. Auf den muss man unbedingt mit der Niesen -Bahn fahren. Oben auf dem Berg beim Blick in die Welt drumherum, das ist eine fast spirituelle Erfahrung! Und beim "Cruisen" mit den Dampfern über die beiden türkisfarbenen Seen holt einen die innere Ruhe ein...

Blick vom Brienzer See in Richtung Niesen


5. Österreich ist für mich gleich "Wien, Wien nur du allein" - das tut mir leid für Salzburg, die Steiermark,  das Weinviertel, Kärnten und Vorarlberg, wo ich auch schon war und es mir gefallen hat. In Wien tauche ich ein in eine Kultur, die einen Teil meiner Vorfahren - und offensichtlich auch mich - geprägt hat: Diese Fülle, kulinarisch, musikalisch, architektonisch und an Persönlichkeiten! Und dann der Schmäh, die Kaffeehaus- und die Friedhofskultur! Da ist es im Nachhinein verwunderlich, dass ich erst vor fünf Jahren zum ersten Mal dort war...

Im Kaffeehaus




6. Tschechien, das Herkunftsland mütterlicherseits, kenne ich nur von der Hauptstadt Prag her. Und dort hat mich nachhaltig der jüdische Friedhof in seiner Düsternis beeindruckt und Fantasien beflügelt wie auch im ehemaligen dritten K.u.K- Land, Ungarn, damals die noch unrenovierten Viertel mit ihren mondänen Gründerzeit - & Jugendstilhäusern in Pest mit ihren Hinterhöfen auf Hinterhöfe. Filmkulissen für mich, beide Orte...

Der alte jüdische Friedhof in Prag

















7. Von Polen kenne ich eigentlich nur Danzig, die gleichnamige Bucht und das Seebad Zopot. Danzig ist schon sehr besonders. Bewundert habe ich vor allem die große Fähigkeit polnischer Restauratoren und die menschliche Großzügigkeit, die die alte deutsche Hansestadt nach der Zerstörung 1945 wieder haben so auferstehen lassen, dass man sich in ihre besten alten Zeiten zurück träumen kann.

Danziger Bürgerhäuser mit ihren "Beischlägen"

8. Bleiben wir im Osten Europas, dem Balkan, dessen kleine Staaten ich noch als Gesamt - Jugoslawien öfter bereist habe. Slowenien hat mich immer beeindruckt mit seinem Loiblpass, der so ganz anders als die mal pinientrunkene, mal karstig kahle Adrialandschaft ist. Der schönste Küstenabschnitt der kroatisch - dalmatinischen Küste: die Makarska - Riviera mit dem Biokovo - Gebirge so dicht dahinter und den interessanten Inseln davor. Der  absolute Höhepunkt bleibt aber Dubrovnik, diese Insel aus Häkeldächern, wenn man von der Küstenstraße oben auf die Stadt herabschaut oder über die über 500 Jahre alte Stadtmauer flaniert. Und wie in fernen Träumen taucht noch vor meinem inneren Auge das Arboretum von Trsteno auf. Kroatien bietet aber auch im Binnenland für den ethnologisch Interessierten viel Anschauungsmaterial, was dörfliche & urbane Architektur diverser Bevölkerungsgruppen anbelangt. Ich fand es immer spannend, über Land zu fahren...

Über den Dächern von Dubrovnik
















9. Wer meint, man habe in Kroatien schon den landschaftlichen Höhepunkt der Küste Dalmatiens gesehen, der war noch nicht in Montenegro! Der südliche Fjord der Bucht von Kotor ist von so beeindruckender Schroffheit, gepaart mit menschlichen Schöpfungen durch die Jahrhunderte, ein kunterbunter Mix durch die Kulturen & Religionen, der verblüfft. Eine Fahrt mit Auto oder Motorrad über die Serpentinenstraße hinauf zum Berg Lovcen fordert viele Halte, so atemberaubend ist die Aussicht auf die Bucht, und lohnt meines Erachtens alle Mühen des Chauffeurs. Hat man die auf sich genommen und sich noch weiter durch die Schluchten und Täler des Balkan und durch das Amselfeld geschlagen, ist in Mazedonien der Ohridsees mit der gleichnamigen Stadt oberhalb auf einem Hügel gelegen eigentümlich & sehenswert.

Die Inseln "Gospa od Škrpjela" (rechts ) und "Sveti Đorđe" bei Perast in der Bucht von Kotor




10. So beeindruckt ich immer von all diesen Landschaften des Balkans war - zu Hause habe ich mich immer erst gefühlt, wenn ich die Grenze nach Griechenland überschritten hatte. Zehn Mal habe ich das Land besucht und manches Mal die ganzen sechs Wochen der Sommerferien dort verbracht. Meine Lieblingsstellen: Die Stadt Ioannina, die orientalischste Stadt Griechenlands im Nordwesten, der Pilion, Halbinsel mit Gebirgszug, mit den schönsten, platanenbestandenen Dorfplätzen und wunderbaren alten Herrenhäusern drumherum, auf dem mittleren "Finger" des Peleponnes die archaische Mani mit ihren Wohntürmen, die ich noch unrestauriert und von allen guten Geistern verlassen erlebt habe. Auf dem Peleponnes außerdem die Festungsstadt Monemvasia und das Theater von Epidavros, wo man im Sommer eine Aufführung mitgemacht haben sollte, so atmosphärisch! Von den Inselgruppen habe ich alle bis auf die Nördlichen Sporaden besucht und dabei die Fahrten mit den abenteuerlichen griechischen Fähren unternommen. Der magischste Moment war die Einfahrt des Schiffes in die Caldera Santorins - das kann kein Foto wiedergeben! So touristisch überlaufen die Insel ist, für mich bleibt sie ein Sehnsuchtsort. Patmos und Kreta können ihr da nicht ganz den Rang ablaufen...

Blick auf die Caldera - Wand Santorins mit den Orten Fira & Imerovigli, im Vordergrund die Insel Nea Kaimeni

11. Italien und ich - ein spezielles Kapitel! Obwohl meine allererste Auslandsreise vor fast fünfzig Jahren nach Rom ging, bin ich trotz Münzwurf in den Trevibrunnen nie mehr dorthin zurückgekehrt ( der Herr K. dafür zigmal ). Florenz, Mailand, Genua und wie die Städte mit all den klangvollen Namen auch heißen, waren immer weitgehend Durchfahrtsstationen. Mein Liebling ist und bleibt "La Serenissima", vor allem seit ich einmal eine ganze Woche unter völlig normalen Venezianern in Cannaregio verbracht habe und ständig mit dem Vaporetto hin und her gefahren bin. Unbedingt einmal die Stadt aus der Vogelperspektive anschauen! Das kann man inzwischen kostenlos von der Dachterrasse des Kaufhauses "Fondaco dei Tedeschi" tun. Und wem die ganze hehre alte Kunst auf den Senkel geht: Bei Peggy Guggenheim kann man sich davon erholen.

Da braucht's keinen Kommentar

12. Noch so ein Land, das mich nicht in seinen Bann gezogen hat: Spanien. Dort war ich nur einmal zu Ostern in Barcelona. Und wenn ich noch einmal dorthin führe, würde ich mir noch einmal den Park Güell von oben nach unten zum Haupteingang erlaufen. Ja, die Konzerthalle müsste es auch noch einmal sein und dann müsste ich Mies van der Rohes Pavillon von 1929 aufsuchen, um mich von der ganzen gaudischen Flamboyanz zu erholen.

Palau de la Música Catalana: Gläserne Kuppel
13. Das südwestlichste Land Europas, Portugal, habe ich nur überflogen auf dem Weg zur dazugehörigen "Blumeninsel" Madeira. Die Werbung hat wirklich gehalten, was sie verspricht, und die Wanderungen entlang der Levadas waen für mich Ungeübte durchaus zu bewältigen ( wenn einen nicht auf einmal die Höhenangst packt ).

Agaphantus & Montbretien  - typische Sommerblumen auf Madeira
14. Großbritannien - das sind für mich die "White Cliffs of Dover", denn anders würde ich mich der Insel nie nähern wollen als mit der Fähre, und die "West Midlands" um Birmingham bis nach Wales, die ich während eines Aufenthaltes von einem Vierteljahr schätzen gelernt habe. London ist mir zu groß in der Fläche - diese Stadt kann man sich im Gegensatz zu Paris nicht erlaufen.

Die Mavern Hills in den West-Midlands
15. Norwegen - mein Winterland! Dort habe ich die Jahreszeit wieder schätzen gelernt bei unserer Reise mit dem Postschiff von der Barentssee bis nach Bergen. Und von dort dann mit der Bergenbahn durch das Winterwonderland bis nach Oslo reisen! So viel Schnee! So viele wundersame Beobachtungen!

Kirkenes, im Inneren des Varangerfjords gelegen



















Sollte jetzt irgendjemand auf die Idee kommen, dass ich hier Tourismuswerbung mache, weil ich Ortsnamen nenne, der hat sie nicht mehr alle, denn in diesem Post sind meine ganz persönlichen Reiseerfahrungen aus fünf Lebensjahrzehnten eingeflossen und es ist meine ganz persönliche Geschichte. Nur bei den Fotos musste ich mir welche bei Pixabay borgen, denn in analogen Zeiten wurden von mir nur Dias "geschossen". Für ein kleines Kaffeegeld darf man sich mit fremden Federn schmücken - danke dafür all den mir unbekannten Fotografinnen und Fotografen!











* Die Krimischriftstellerin Sophie Bonnet nimmt einen hier auf eine kleine Sightseeing - Tour mit durch die Landschaft, in der ihre Romane spielen - sehr schön!

Donnerstag, 19. April 2018

Great Women # 138: Gro Harlem Brundtland


Als bei uns in der Konrad - Adenauer - Stiftung noch in diversen Veranstaltungen diskutiert wurde, ob Frauen überhaupt Bundeskanzler werden können, erlebte ich, dass anderswo schon längst Frauen in solchen politischen Führungspositionen gab. Margret Thatcher war von ihren Standpunkten allerdings so gar nicht mein Fall. Aber da gab es eine in Norwegen, mit deren Schwerpunkten & Ansichten ich sehr viel mehr konform ging: Gro Harlem Brundtland, meine heutige großartige Frau.

Gro Harlem kommt am 20. April 1939 in Bærum zur Welt, weil ihr Vater Gudmund "Gubbe" Harlem damals als Medizinstudent dort im Krankenhaus gearbeitet hat. Ihre Mutter Inga Brynolf, Jurastudentin, stammt ursprünglich aus Schweden. Gro wächst in Oslo auf. Sie ist noch kein ganzes Jahr alt, als die deutsche Wehrmacht in Norwegen einfällt. Der Krieg wird ihre ganze frühe Kindheit überschatten: "My life surely started at a most intense moment of history, four months before war broke out in Europe", sagt sie später ( Quelle hier ).

Gros Vater ist Mitglied der Arbeiterpartei ( Arbeiderpartiet ), und beide Eltern sind Sozialisten & Antifaschisten und schließen sich bald dem Widerstand an. Mit der Regierung von Johan Nygaardsvold gehen sie im Frühjahr 1940 nach Tromsø und vertrauen vorher ihre kleine Tochter der Großmutter Margareta Sandberg, einer Stockholmer Rechtsanwältin, an. Die Beiden ziehen aber nicht weiter mit der Regierung ins englische Exil, denn die Mutter ist schwanger mit Bruder Erik. 

Sie leisten aber im Rahmen ihres Studiums an der Universität Oslo Widerstand, bis Gros Mutter eines Tages im Spätherbst 1943 von der Gestapo verhaftet, dann aber wieder frei gelassen wird. Höchste Zeit für die Eltern, ins Exil nach Schweden zu gehen! Die Großmutter, im Besitz eines Diplomatenpasses, hat zuvor schon Gro & ihren kleinen Bruder nach Stockholm geholt und in einem Heim außerhalb der Stadt untergebracht. Im schwedischen Exil, erinnert sich Gro, hat sie Ruth & Willy Brandt sowie Bruno Kreisky erlebt.

Nach der Rückkehr aus dem Stockholmer Exil erfährt die Familie 1946 eine Erweiterung durch Lars. Der Vater nimmt nicht nur sein Medizinstudium wieder auf, er ist auch wieder aktiv im Vorstand der Jugendorganisation der Arbeiterpartei Norwegens auf nationaler wie auf internationaler Ebene und wird Mitglied des Osloer Stadtrates. Auch nach Abschluss eines Studiums engagiert er sich weiter in der Partei, denn Gudmund Harlem ist ein Mensch, für den Beruf und Politik eine einzige, gemeinsame Sache ist. Damals beschäftigen die Politik die Themen Gesundheit, soziale Unterstützung und soziale Planung als ideologisches Ganze. Gudmund Harlem hat das mit geschaffen, was man bis heute als Wohlfahrtsstaat bezeichnet.

1946
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Auch das Mädchen Gro ist von ihrer frühen Kindheit an gewohnt, alles kritisch zu hinterfragen und politisch zu beurteilen. Schon während ihres ersten Schuljahres an der Ruseløkka School in Oslo, im Alter von sieben Jahren, tritt sie in die Kinder- & Jugendorganisation der Arbeiterpartei ( Framfylkingen ) ein, die von Werna Gerhardsen geleitet wird. Ein anderer prominenter Anführer ist Rolf Hansen, der später unter anderem auch Umweltminister werden wird. "Werna und Rolf waren wahrscheinlich die wichtigsten erwachsenen Vorbilder für mich", wird sie später einmal erwähnen. Eine andere Prägung erfährt sie durch das Erleben von Ungleichbehandlung:
"Seit ich ein kleines Mädchen war, sah ich die unterschiedliche Behandlung von Jungen und Mädchen, Frauen und Männern, und fand sie verrückt und ungerecht. Ich war für Gerechtigkeit, und das war dann die treibende Kraft in meinen jungen und erwachsenen Jahren."
Als sie zehn Jahre alt ist, erhält der Vater als Spezialist für Rehabilitationsmedizin ein Rockefeller-Stipendium, und die Familie schifft sich im August 1949 nach New York ein. Die Erlebnisse in den Vereinigten Staaten sind eine weitere wichtige Erfahrung, die Gros Internationalismus der späteren Jahre und ihr globales Bewusstsein erklären. Sie nimmt auch - vergleichend mit Norwegen - große soziale Ungerechtigkeit & Rassismus wahr und muss feststellen, dass die Natur in den USA nicht allen gehört, sondern oft in Privatbesitz und der Zutritt dort verboten ist. 

1959
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Nach der Rückkehr nach Norwegen übernimmt der Vater den Vizevorsitz der Arbeiterpartei, wird 1955 Sozialminister, 1961 dann Verteidigungsminister. Da ist seine Tochter nach der Reifeprüfung schon in seine Fußstapfen getreten, studiert seit 1957 Medizin in Trondheim und ist nun politisch aktiv bei der Studentenorganisation der norwegischen Arbeiterjugend (AUF).

Während des Studiums heiratet sie 1960 den drei Jahre älteren Arne Olav Brundtland, einen konservativen Politologen & Journalisten, den sie durch ihre politischen Aktivitäten am Institut für politische Wissenschaften kennen gelernt hat, zur Verwunderung ihrer politischen Freunde. Aber, so Gro: "... ich war eine freie Frau. Und ich gehörte nicht der Arbeiterpartei. (...) und wir lebten in einem freien, modernen Land."  ( Quelle hier )

1961 kommt Sohn Knut, 1963 Tochter Kaja auf die Welt, und Gro schließt vorher noch ihr Studium mit der Promotion ab - dank Unterstützung ihres Mannes und ihrer Mutter. Dann geht sie mit Kind & Kegel und einem Stipendium für die Harvard School of Public Health in die Vereinigten Staaten, genießt das kosmopolitische Umfeld und die internationalen Kontakte und gewinnt neue Eindrücke in Bezug auf die Geschlechterungleichheit:
"One might say that I returned home in 1965 with the seeds of several elements of what would later be called new feminism." ( Quelle hier )
Sie macht schließlich einen einen Masterabschluss in Öffentlicher Gesundheit in Harvard. Nach ihrer Rückkehr kommt in Oslo Sohn Ivar - diesmal ein ungeplantes Kind - zur Welt, 1967 schließlich Jørgen. Da arbeitet sie schon als Assistenzärztin im Hygiene-Büro des norwegischen Gesundheitsdirektorats. 1969 wird sie, 30jährig, stellvertretende Generalreferentin beim Schulgesundheitsdienst des Osloer Gesundheitsrats. Ihren Fokus richtet sie auf präventive Gesundheits- und Sozialmedizin.  

Als 1970 die Kontroverse um das Recht der Frauen auf selbstbestimmte Abtreibung aufkommt, ist Gro Harlem Brundtland im Gesundheitsrat tätig, aber auch als Ärztin an der Klinik für Mütter und Kinder und Mitglied der Abtreibungsbehörde im Aker Hospital. Das Thema beschäftigt sie unter verschiedenen Gesichtspunkten: Wie kann man ungewollte Schwangerschaften vermeiden, wie finanziell Benachteiligten Geld für Verhütungsmittel zukommen lassen, wie mindert man das Risiko, illegaler Schwangerschaftsabbrüche, können männliche Ärzte Richter sein, wenn Frauen um Hilfe bitten? Sie ist der Überzeugung, dass die Frau selbst das letzte Wort haben soll und vertritt ihren Standpunkt in öffentlichen Debatten.

Vater Gudmund Harlem scheint offensichtlich stolz
auf seine engagierte Tochter zu sein ( 1974 )
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Die damalige Regierung des Sozialdemokraten  Trygve Bratteli arbeitet 1974 an einem Gesetzentwurf dazu. Als Gro im August 1974 zum Premierminister zitiert wird, denkt sie, er wolle mit ihr über Abtreibung diskutieren. Aber Bratteli meint: "Ich möchte Sie bitten, in die Regierung zu gehen und die Verantwortung für das Umweltministerium zu übernehmen."

Gro nimmt an und avanciert zur Kontrolleurin der mächtigen Ölbranche in Norwegen.
Arne Olav Brundtland sattelt um auf Hausmann. Sein Motto: "Ein Haus muss sauber genug sein, um gesund zu sein – und schmutzig genug, um glücklich zu sein."

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Die 35jährige macht die Umweltpolitik zu einem zentralen Arbeitsfeld der Regierung, denn sie entwickelt Ambitionen, Natur & Umwelt und Industrie & Wirtschaft zu vereinbaren, was sie in Konflikt mit anderen Ministern bringt. Sie erweist sich dabei als hartnäckige Kämpferin und setzt viele ihrer Ansichten durch. Umweltpolitik hat immer eine internationale Perspektive. Gro profiliert sich besonders im Kampf gegen sauren Regen.

Als sich im April 1977 einer der bis dato größten unkontrollierten Blowouts auf Ekofisk Bravo, einer Ölplattform in der Nordsee, ereignet und sich 7 Tage lang 23.000 Tonnen Rohöl in die Nordsee ergießen, sich über ein Areal von 40.000 km² ausbreiten und Seevögel das Opfer werden, ist Gro Harlem Brundtland auf Fernsehbildschirmen in ganz Europa, den Vereinigten Staaten und anderen Teilen der Welt zu sehen. Die junge norwegische Umweltministerin erlangt internationale Anerkennung in Umweltkreisen durch die Art, wie sie das Problem anpackt, und gewinnt an politischem Ruf zu Hause. Gro ist nun der festen Meinung, dass wirtschaftliche Entwicklung und Umwelt nur Hand in Hand weiter entwickelt werden können.

Sie treibt aber auch das Thema der Geschlechtergleichstellung weiter voran. Von 1945 bis 1965 ist in jeder norwegischen Regierung immer nur eine Frau Mitglied gewesen. Als sie in die Regierung eintritt, hat sie immerhin schon zwei Kolleginnen. Als 1975 die Vereinten Nationen ein Frauenjahr proklamieren, wird sie als erste Frau in eine Spitzenposition der Arbeiterpartei ihres Landes gewählt. Zwei Jahre darauf kommt sie als Abgeordnete ins Storting, verliert aber 1979 ihren Regierungsposten, weil die beiden Männer an der Parteispitze sie nach der nächsten Wahl unter taktischen Vorwänden aus dem Kabinett drängen. Sie hat nun genug Zeit, sich im Parlament vorzubereiten auf das, was noch auf sie zukommen wird. Dort übernimmt sie mit Bratteli nämlich die Führung der sozialdemokratischen Fraktion und wird Vorsitzende des Außenpolitischen Parlamentsausschusses.

Mit ihrer Familie ohne den ältesten Sohn (1981)
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Dann, als Odvar Nordli 1981 als Premierminister zurücktritt ( aus angeblichen Gesundheitsgründen ), wird Gro Harlem Brundtland auf den Posten berufen als jüngste Person und erste Frau, die je Premierminister von Norwegen gewesen ist -  "als Übergangslösung, als Retter in hoher Gefahr", wie der "Spiegel" damals geschrieben hat.

So energisch und frisch, voller Erneuerungsbereitschaft, wie Gro damals auftritt, hat sie sich nicht nur Freunde in der Arbeiterpartei gemacht. Besonders in der Gewerkschaftsbewegung ist man gegenüber der jungen "Dame" skeptisch, denn sie gilt denen als zu schulmeisterlich ( in der Bevölkerung wird sie hingegen wegen ihrer Willensstärke bewundert ). Auch ihr Verhältnis zu Reiulf Steen, dem damaligen Parteivorsitzenden, ist angespannt. Schließlich zieht er sich im April 1981 von seinem Posten zurück, und Gro wird neue Parteiführerin.

Ihre Regierungszeit dauert nur neun Monate, weil ihre Partei die Wahlen verliert, die im September des Jahres abgehalten werden. Es folgt eine konservative Minderheitsregierung.

1983
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Gro bewegt sich nun auf internationalem Parkett und wird 1983 Vorsitzende der UNO Weltkommission für Umwelt und Entwicklung, die 1987 den Bericht mit dem Titel "Unsere gemeinsame Zukunft" ( sog. Brundtland - Report ) veröffentlichen wird, der den Begriff der nachhaltigen Entwicklung im weltpolitischen Vokabular verankern und den Anstoß zu einer Serie von Umwelt- und Klimagipfeln geben wird.

1986 führt ein starker Rückgang der Ölpreise zu Turbulenzen & Auseinandersetzungen in der norwegischen Gesellschaft. Im Wahlkampf versucht man sie für die im Fernsehen übertragenen Rededuelle mit ihrem deutlich älteren, staatsmännisch auftrumpfenden Kontrahenten umzumodeln. Aber Gro bleibt sich selber treu: ernst und sachlich, selbstbewusst und entschlossen, gelingt ihr die Revanche und der Gewinn der Wahl und mit ihrer neuen Regierung 1986 das Kunststück, gleichzeitig Sparmaßnahmen im Haushalt, eine Abwertung der Währung und eine Steuersenkung durchzuboxen. Als Sensation gilt aber vor allem, dass sie acht von achtzehn Kabinettsposten mit Frauen besetzt:

1. Regierung als Premierministerin 1981 links, 2. Regierung 1986 rechts














1989 verliert die Arbeiterpartei bei der nächsten Wahl ihre Mehrheit und die bürgerlichen Parteien unter Jan Peder Syse begründen wieder eine Minderheitsregierung, die wegen Meinungsverschiedenheiten über die europäische Politik aber im November 1990 wieder aufgeben muss. Gro Harlem Brundtland hingegen hat sich schon Anfang der 90er Jahre für den Beitritt Norwegens zur Europäischen Gemeinschaft ausgesprochen. Sie übernimmt ein drittes Mal als Premierministerin die Regierung, scheitert jedoch im Referendum von 1994, als 52,2 Prozent der Einwohner Norwegens zum wiederholten Mal gegen den Beitritt zur EU stimmen.

1992 erleidet Gro ihr größtes persönliches Drama, als sich ihr jüngster Sohn Jørgen, der schon länger manisch - depressiv gewesen ist und einige Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken hinter sich hat, selbst tötet. Sie muss für sich feststellen, dass sie, obwohl selber Ärztin, zwar viele Fragen gestellt, aber nicht immer genug Antworten bekommen hat.

"Das Schlimmste war jedoch, überall die Premierministerin zu sein", wird sie später ihre Erfahrungen kommentieren, als sie endlich bereit ist, über die Tragödie offen zu sprechen ( in Norwegen ist darüber nicht berichtet worden ). Sie gibt ihren Parteivorsitz auf. Ihre Trauer überschattet ihre letzte Zeit als Premierministerin. Ein Trost ist ihr , dass dieser Sohn ihr eine Enkelin ( das fünfte von acht Enkelkindern ) hinterlassen hat, die nach seinem Tod zur Welt kommt und zu der sie bis heute eine besondere Beziehung hat.

Letzte Regierungssitzung unter ihrer Leitung (1996)
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Am 25. Oktober 1996, nunmehr 57 Jahre alt, tritt Gro Harlem Brundtland als norwegische Ministerpräsidentin zurück.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wählt die Ärztin Brundtland am 13. Mai 1998 zu ihrer Generaldirektorin, ein Posten, den sie fünf Jahre bis zum 21. Juli 2003 innehaben wird. Danach nimmt sie einen Lehrauftrag an der Harvard University als Health Policy Fellow an.

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Obwohl bei ihr selbst im Dezember 2002 Krebs festgestellt wird, ist sie nach wenigen Wochen wieder bei der Arbeit. Nur ein kleiner Kreis erfährt davon. Und trotz gesundheitlicher Herausforderungen bleibt sie aktiv wie zuvor: 2007 wird sie zur Sonderbeauftragten für den Klimawandel berufen und gründet mit anderen Politikern die "Global Elders". Dort engagiert sie sich u.a. gegen Kinderheirat. Sie unterstützt die Global-Zero-Bewegung zur weltweiten Abschaffung der Nuklearwaffen und ist Mitglied der Academia Europaea.

Die Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt ihr eine Herzensangelegenheit, denn sie weiß, "dass es den Ländern am besten geht, in denen die Frauen am meisten am politischen und wirtschaftlichen Leben teilhaben."

Einer Frau mit ihrem Ruf, ihren Fähigkeiten, ihrem Engagement sind auch immer wieder Kritiker auf den Fersen, die den Boulevard bedienen. Da gibt es negative Berichte einer Ex-Schwiegertochter zum tatsächlichen Verhältnis der Eheleute Harlem - Brundlandt, da ist die Affäre um angeblich ausgebliebene Steuerzahlungen ( wegen eines französisch-norwegischen Abkommens über Beamtenpensionen ist sie an ihrem neuen Wohnort Nizza, wohin sie zur Linderung ihrer Hüftgelenksarthrosen übersiedelt ist, nicht steuerpflichtig ). Die Politikerin wahrt ihren Ruf, indem sie 2008 mit ihrem Mann wieder nach Norwegen zurückzieht.

Im Sommer 2011 steht sie in Norwegen unter anderen auch im Blickpunkt des Interesses, denn auch sie sollte dem Terroranschlag auf Utøya zum Opfer fallen ( sie hat die Insel jedoch kurz vorher schon verlassen  ). Utøya hat in ihrem Leben als Mitglied der norwegischen Sozialdemokraten auch immer eine Rolle gespielt:

Neben Jens Stoltenberg 1985 und 2012 bei der Gedenkfeier zum Anschlag
Frauen wie Gro Harlem Brundtland sind immer wieder anderen ein Dorn im Auge, sind sie doch selbstbewusst & willensstark, strahlen Autorität aus und haben oft einen Arbeitsstil, der für die meisten Menschen übermenschlich zu sein scheint. Doch sie ist auch eine Person, die Kritik annehmen kann, ja selbstkritisch genug ist und mehr mit ihrer Verantwortung als mit ihrem Machterhalt beschäftigt gewesen ist. Intellektuelle Sauberkeit und rationales Denken sowie Selbstdisziplin sind ihr wichtige Werte, die sie von kleinauf erworben hat, wie sie sagt:
"Ich hatte Glück, in einer Familie mit starken Überzeugungen, tief verwurzelten Werten der Solidarität, Gerechtigkeit und Gleichheit erzogen worden zu sein." Aber hört sie selbst:


Dienstag, 24. Februar 2015

Pitsch, patsch Pinguin*



Pinguine stehen hier hoch im Kurs ( siehe hierhier, hier und hier ). Deshalb hat mich nicht verwundert, dass das kleine M etwas aus dem Stoff & Stil - Jersey haben wollte, als es ihn am letzten Wochenende bei mir auf der Waschmaschine entdeckte...

Wird gemacht, Chef!






























Da ich den "Peblum" - Schnitt aus der Ottobre 1/2015 ja noch mal nähen wollte, habe ich gestern losgelegt, als ich überraschenderweise Zeit zum Nähen fand.

Als kleine persönliche Note habe ich die Ringelbündchen an den Ärmeln beigebracht.





















So winterlich wie auf dem Norwegen - Foto ist es hier allerdings auch nicht mehr. Schnee war gestern, aber nur für ein paar Stündchen.








* Refrain aus einem bei Schul- wie eigenen Kindern sehr beliebten Lied von Frederik Vahle

Donnerstag, 13. Februar 2014

Eisig { BIWYFI }







Nics Februarmotto "Eisig" ist in diesem Winter in unseren Breiten so gar nicht fotografisch realisierbar.

Und da bei mir sowieso im Moment alles Drunter & Drüber geht, habe ich die Suche nach Eisigem auch auf meine externe Festplatte beschränkt & auf Aufnahmen vom eisigsten Tag in meinem Leben zurückgegriffen, als wir vor sechs Jahren ( am 29. Februar ) nach einer Nacht mit minus 28 Grad Celsius im vereisten Varangerfjord ein norwegisches Postschiff bestiegen... 

Für mich bis heute ein sehr beeindruckendes Unternehmen!



Donnerstag, 31. Januar 2013

Winterland




Sandnessjøen
Brønnøysund


Mein Winterland ist Norwegen. Dort habe ich mich wieder am Winter erfreut wie zuletzt als Achtjährige damals in meinem  Dorf, welches ich im Jahr darauf verlassen musste. 
Heute kommt es mir vor, als ob ich damals auch die Liebe zum Winter begraben hätte, denn jahrzehntelang hatte ich eine sehr ablehnende Haltung ihm gegenüber. Aber in einer Großstadt gibt es auch viele Gründe, die Jahreszeit nicht zu mögen...

Ganz anders war es in Norwegen: 
Selbst sonst als hässlich empfundene Industrieanlagen wie die in der Hafeneinfahrt von Sandnessjøen strahlen im Schnee eine solche Harmonie & exquisite Farbigkeit aus. Harmonisch fügen sich Zäune, Brücke & Navyboot in die Landschaft mit dem Torghatten ein!

Ich habe mich geschlagen gegeben angesichts solcher Schönheit und lasse seitdem die Liebe zum Winter bei mir wieder zu. Kalten oder nassen Füssen kann man trotzen mit wasserdichten Winterstiefeln von Landsend, den Widrigkeiten beim Autofahren durch das Benutzen der öffentlicher Verkehrsmittel der vielgescholtenen KVB. Dem Gefühl, durch die Witterung in seinen alltäglichen Möglichkeiten eingeschränkt zu sein, kann man entgegentreten, indem man mit Kindern zum Schlittenfahren ins nahe Nippeser Tälchen geht & ihre Freude am winterlichen Treiben einfach mitgenießt. Wunderbar, wie frei die Nase wird bei kalter Luft! Und wunderbar, wie gut ein heißer Tee dann zu Hause tut!
Astrid


Weitere Winterland - Freunde könnt ihr heute finden bei Nic im Rahmen von "Beauty is where you find it".

Montag, 20. August 2012

Sehnsucht nach Kirkenes



...da hatte es in der Nacht minus 28 Grad & ich habe wundervoll geschlafen.
;-) Astrid