Dienstag, 30. Juli 2024

12tel Blick Juli 2024

 Das Foto vom Terrassentisch,  
geplant für den Samstag - Spätnachmittag,
fiel erst einmal ins Wasser.
( Lust, im Regen zu meinem zweiten Blick zu gehen,
hatte ich plötzlich auch nicht mehr... )


Zuhause schnell ein Foto schießen -
dafür brauchte ich keinen Regenschirm aufzuspannen
& die Füße blieben trocken.

Am Sonntag habe ich ihn dann aber auch noch ein zweites Mal fotografiert:




( Wer findet die Unterschiede? )

Der Juli ist bei mir violett - lila- purpurn.

Der Blick auf die Kreuzung
dann doch wieder bei Sonnenschein
( weil ich ja aus Zucker bin ):


Das war ein Zufallstreffer: Ich war gerade aus anderen Gründen unterwegs....

Abschließend wieder die Übersichten:































Ich freue mich schon auf die Fotos der anderen Teilnehmer*innen im Juli, 
die Eva Fuchs heute wieder auf ihrem Blog sammeln wird.

                                                                                                 

Sonntag, 28. Juli 2024

Mein Freund, der Baum: Die Mispel

Im Mittelalter gehörten sie zum Alltag der Menschen, doch mittlerweile sind die kleinen harten Früchte, die erst im Spätherbst reifen, nahezu in Vergessenheit geraten. Doch sehr sympathisch & passend, dass ich ein besonders schönes Exemplar bzw. ein "Doppel" an der Kirche St. Maria im Kapitol in der Kölner Altstadt vor zwei Wochen entdeckt habe. Da war klar, dass ich diesen Kleinbaum hier vorstellen werde. 

 

Die Mispel Mespilus germanica ( engl. Medlar ), Echte Mispel oder Gemeine Mispel bzw. Steinapfel ist eine Pflanzenart in der Familie der Rosengewächse Rosaceae. Wikipedia kennt noch eine stattliche Reihe von lustigen Namen wie Mispelche, Asperl, Aschperln, Hespelein, Dürgen, Dörrlitzen, Dürrlitzen; Hundsärsch und in der Innerschweiz Näschpli.

Ihre Herkunft ist nicht klar, wahrscheinlich kommt sie aus Vorderasien, obwohl ihr lateinischer Name "germanica" etwas anderes suggeriert. Fossilfunde lassen darauf schließen, dass die Mispel bereits im Tertiär im Bereich des Kaukasus zu finden gewesen ist. Im Orient hat man die dann schon vor dreitausend Jahren kultiviert. Tausend Jahre später haben die Römer die Mispel nach West- und Mitteleuropa gebracht. Charakteristische Steinkerne wurden erstmals in römischen Ausgrabungen im Rheinland und in der Wetterau entdeckt. Der Name "Mespilius" ist lateinischen Ursprungs und wurde von Plinius d. Ä. verwendet.



Im Mittelalter bauten Mönche die Mispel in Klostergärten als geschätztes Obst an und kultivierten sie. Sie  befindet sich schon auf den Anweisungen Karls des Großen für die Gärten seiner Hofgüter. Auch im Bepflanzungsplan des Klostergartens von St. Gallen werden sie um 820 erwähnt.

Noch im 19. Jahrhundert stand das Obstgewächs in vielen Bauerngärten  - da passt dieser Baum doch gut an diese Stelle in Köln, neben einer Kirche, die auf römischen Fundamenten steht, in einem biedermeierlichen Garten auf einem alten Klosterterrain! 

Heute dagegen findet man die Mispel meist nur noch in Parks oder an Feldrainen. Angebaut wird sie inzwischen häufiger in den Balkan- und Donauländern sowie Italien und Holland. In größerem Umfang findet man sie auch um den Vierwaldstättersee in der Innerschweiz.

Die Mispel ist verwandt mit den Zwergmispeln Cotoneaster, den Felsenbirnen Amelanchier, den Quitten Cydonia und den Weißdornen Crataegus. Nicht verwechselt werden sollte sie mit der ähnlichen, aber frostempfindlichen Japanischen Wollmispel Eriobotrya japonica, deren gelbe Früchte säuerlich schmecken und als Loquats bei uns angeboten werden. Diese gehört zu einer ganz anderen Pflanzengattung. In Rezepten ist allerdings häufig die Japanische Mispel gemeint.

Die Echte Mispel wächst baum- oder strauchartig, wird bis zu sechs Metern hoch und entwickelt im Alter eine ovale, ausladende bzw. sparrige Krone, die bis zu 7 Meter erreichen kann. Sie wächst sehr dicht, was das Laub aber auch anfällig für Blattkrankheiten machen kann. 

Wilde Mispeln sind - spärlich - mit Dornen bewehrt, Kultursorten nicht. Der Baum wächst in lichten Laubmischwäldern, Hecken, Gebüschen und sogar auf Felshängen und stellt nur geringe Standortansprüche, bevorzugt aber mäßig trockene, steinige oder sandig-lehmige, kalkhaltige Böden. Da  die Mispel wärmeliebend ist, kommt sie vornehmlich in klimatisch begünstigten Gebieten vor. Gerade in den trocken-warmen Teilen Mittel- und Süddeutschlands findet man die Art verwildert vor. Aufgrund ihrer Herkunft gilt die Mispel als relativ trockenresistent und sie übersteht zeitweise Dürreperioden gut. An geschützten Stellen kann sie auch in einer Höhe bis zu sechshundert Metern gedeihen.

Der Kleinbaum bzw. Großstrauch wächst sehr langsam, meist eben mehr breit als hoch und kann dabei einen Stammdurchmesser von zwanzig Zentimetern erreichen. Die etwas raue Borke ist bräunlich-grau und blättert im Alter in kleineren Platten ab. Die Zweige sind graufilzig. Die Mispel ist ein Tiefwurzler mit stark verzweigtem, weitreichendem Wurzelsystem. Eigentlich wird sie nur etwa 30 bis 40 Jahre alt, aber in Süddeutschland stehen Bäume, die seit circa 70 Jahren dort wachsen. 

Aus den spitz eiförmigen Winterknospen entfaltet sich im Frühjahr das später ledrig dunkelgrüne Laub. Die Blätter werden bis zu 15 Zentimeter lang mit einer Blattspreite von 2 - 4 Zentimetern, und sie sind unterseits leicht behaart, der Blattrand ist ganz bis teils gesägt. Von der Form her werden sie beschrieben als eilanzettlich bis verkehrt-eilanzettlich oder elliptisch bis lanzettlich und abgerundet bis rundspitzig oder spitz bis zugespitzt  - die Blätter sind also von recht variablem Aussehen! 

Im Herbst verfärben die sich von der Spitze her gelb mit unregelmäßigen roten und grünen Flecken, wobei der untere Teil länger grün bleibt. 

Die weißen - seltener rosa -  Blüten des Baumes erscheinen spät, von Mai bis Juni nach dem Laubaustrieb am Ende der Kurztriebe, nicht an Langtrieben. Sie ähneln denen der Apfelblüte, sind sehr groß - fünf Zentimeter - und sehr auffällig mit fünf Blütenblättern und der für Rosengewächse typischen doppelten Blütenhülle. Die Blütenblätter sind auf der Außen- und Innenseite behaart. Sie sind wegen der späten Blütezeit kaum spätfrostgefährdet. Selbstbestäubung ist bei den meisten Sorten der Kulturmispel die Regel. 

Die Früchte sind gut zu identifizieren, denn sie haben eine aufklaffende Fruchtspitze, an der man noch die fünf schmalen Kelchblätter erkennen kann. Der volkstümliche Name "Hundsarsch" bezieht sich auf das eigenwillige Aussehen dieser Frucht.

Von der Form her sind die kugelig und teils etwas abgeflacht an der offenen Seite. Die kleineren Früchte der Wildform haben einen Durchmesser von 1,5 bis 3 Zentimetern und eine Länge von 1,6 bis 2,4 Zentimetern, bei Kulturformen beträgt der Durchmesser 3 bis 6,5 Zentimeter, selten 7 bis 8 Zentimeter. Ihre raue Schale färbt sich gelb- bis orangebraun und ist mehr oder weniger behaart. Die Früchte sind stark von einem Stützgewebe durchsetzt, was der Mispel auch den Namen Steinapfel eingebracht hat. 

Botanisch betrachtet ist die Mispel eine Sammelsteinfrucht mit fünf festen Steinkernen.

Reif werden sie im Oktober, November. Ähnlich wie bei den Schlehen benötigen die Früchte die Frosteinwirkung, damit sie weich und süß werden. Vorher sind sie herb bis bitter im Geschmack. Handelt es sich um sogenannte Wilde Mispeln, reichen kurze milde Nachtfröste um -3 Grad Celsius für diesen Prozess nicht aus. Aber auch Überreife kann das harte Fruchtfleisch teigig machen und die Fruchtsäuren abbauen.

Die Früchte können zu Marmelade, Mus oder Obstwein verarbeitet werden. Wegen des hohen Pektingehaltes gelingen Gelees besonders gut. Für Mispelmarmelade werden Mispelmus und der Saft einer Zitrone mit Gelierzucker im Verhältnis 1:1 oder 2:1 gekocht. Mispelmus stellt man her, indem man die Früchte teilt, weich kocht und passiert. Für Gelee müssen die Früchte erst entsaftet werden. Dieser Saft wird dann mit Gelierzucker im Verhältnis 2:1 verkocht. Die Früchte können auch zu Obstbränden oder Likör verarbeitet werden. Mispelbrand mit seinem fruchtig-herben Aroma gilt bei Liebhabern als echte Spezialität. Getrocknet und vermahlen können Mispelfrüchte auch verbacken werden.

In der Volksmedizin kamen die vollreifen Mispelfrüchte wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung zur Linderung von Nieren- und Harnwegsentzündungen zum Einsatz. Schon Hildegard von Bingen hat den Verzehr der Früchte zur Stärkung schwächlicher Kinder empfohlen ( "... weil sie ihr Fleisch wachsen lässt und ihr Blut reinigt..." ), enthalten sie doch viel Vitamin C. Sie schlug vor, die pulverisierte Wurzel, in warmem Wein getrunken, als Mittel gegen Fieber und Schwächeanfälle zu nutzen. 

Außerdem wurden die unreifen Früchte zum Gerben genutzt, enthalten die doch - wie auch die Rinde und die Blätter - Gerbstoffe.

Die Mispel ist ein wenig anfällig für Pilzkrankheiten. Schorf und verschiedene Blattfleckenkrankheiten sind häufig die Folge eines feucht-warmen Sommers. Ebenso kann es zu einem Befall mit Spitzendürre (Monilia) kommen, die dazu führt, dass die Triebe nach der Blüte absterben. 

Pillenwespen, Pelzbienen, Honigbienen und anderen Insektenarten besuchen gern die Blüten der Mispel. Auch die Früchte werden gern von Vögeln wie  Kernbeißer, Amsel und Ringeltaube gefressen. Sie dient allerdings auch zahlreichen Säugetierarten wie Eichhörnchen, Siebenschläfer, Igel, Marder, Dachs und Wildschwein als Nahrungsquelle. Besonders bei Jägern sind die Früchte beliebt als nahrhaftes Tierfutters für Reh- und Schwarzwild. Mispeln eignen sich übrigens auch bestens als Brutgehölz für die heimische Tierwelt.

Das Holz ist sehr hart, zerstreutporig und von feiner Textur. Das Splintholz ist weiß mit leicht rosa Tönung, das Kernholz ist bräunlich. Die einzelnen Jahresringe sind sehr gut zu erkennen, was dem Mispelholz ein wunderschönes Aussehen verleiht. Es wird von Drechslern und Kunsttischlern gesucht und gerne verwendet, auch für die inzwischen seltenere Intarsienkunst, für die nur wenige Hölzer geeignet sind. Auch zur Gewinnung von  Holzkohle ist der Baum eingesetzt worden. Im 14. Jahrhundert vermerkt ein  Konrad von Megenberg: "Von des nespelbaums holz macht man gar gout Knütel ze kämpfen und ze vehten".

Die Mispelblüte hat am Niederrhein häufig in Stadtwappen einen Platz bekommen. Dort ist sie unter dem Begriff "Geldrische Rose" als heraldische Variante bekannt und ziert in dreifacher Ausführung das Wappen der Stadt Geldern.

Gemäß einer Sage führten die Vögte von Geldern bzw. der Ort Geldern das Mispel-Motiv ungefähr ab 878, als die Herren Wichard und Lupold von Pont gegen einen feuerspeienden, unter einem Mispelbaum hausenden Drachen kämpften und ihn töteten. Das Röcheln des sterbenden Drachens, als „Gelre!“ überliefert, führte zur Namensgebung der bald an der Stelle gegründeten Stadt Geldern und die Mispel erschien als heraldische Rose dreifach im ältesten Stadtwappen, zu der im Mittelalter der Geldrische Löwe hinzukam. ( Quelle hier )

Seit 1970 symbolisieren drei Wappen-Mispelblüten den Zusammenschluss von Viersen, Dülken und Süchteln (Boisheim). Das Viersener Wappen schmückte sie schon seit 1450, als die Stadt zu Geldern gehört hat. In der Stadt wird auch noch heute ein Mispelgeist gebrannt.

Genug erzählt! Jetzt seid ihr wieder dran, liebe Baumfreund*innen! Das Linktool ist diesmal frei geschaltet bis zum Abend des 24. August.

                                                                           

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Samstag, 27. Juli 2024

Meine 30. Kalenderwoche 2024

"Heute reden die Leute schon dummes Zeugs,
bevor sie besoffen sind."
Kabarettfund
 "In dieser Kultur, 
besessen von vorher und nachher, 
ist es schwer, sich daran zu erinnern, 
dass ein gelebtes Leben die Geschichte ist."
Katie Zornes, Plus Size Athlete
"I love you. 
You're probably thinking: 
'You don't even know me.'
But if people can hate for no reason,
I can love."
Schild in einem amerikanischen Garten



Der letzte Samstag war dann der zweite Hitzetag dieses Sommers hier bei uns in Köln. Ich hatte mich schon vorher entschieden, in meinem noch immer recht kühlen Haus zu bleiben. Vorgesorgt hatte ich ja, Eis gab es auch seit dem Vortag wieder.






Ich hab dann schließlich doch noch Lust auf andere Menschen gehabt und bin trotz der Temperatur von über 33°C auf "mein" Plätzchen auf einen Eiskaffee gegangen...

... und habe tatsächlich einen neuen Kontakt geknüpft. Zum Abendessen auf der Terrasse habe ich mir den alten Herrn-K-Klassiker, einen Tortellini-Salat, gemacht, der immer zu unseren Provence - Aufenthalten gehört hat wie die Lavendelfelder und der Pistou. Etwas altmodisch mit Mayonnaise, aber für mich muss das so sein. Memories are made of this. Ab neun Uhr dann wieder Regenschauer und Donnern in der Höhe.

Meine Pläne für den Sonntag habe ich angesichts der Wettervorhersagen schließlich über den Haufen geschmissen, auch, da ich im Falle eines Falles auf den Bus angewiesen gewesen wäre. Wegen des kargen Fahrtaktes am Sonntag aber alles zu ungewiss. 





War auch gut so, den meine lieben Nachbarn von gegenüber kamen auf Besuch, mit vielen Mitbringseln aus der Bretagne und Blumen vom Balkon. Noch schöner war das analytisch-therapeutische Gespräch rund um Dinge, die mich beschäftigen. Gut, wenn frau solche Freunde hat! Klimatisch war der Tag hyperanstrengend, da schwül.

Der vergangene Sonntag war übrigens der heißest Tag, der bisher auf der Erde gemessen worden ist, und hat damit seinen Vorgänger aus dem letzten Sommer "entthront". 

Montags hatte es hier bei uns in Köln abgekühlt, vorteilhaft für komplizierte Bankgeschäfte im Kunibertsviertel am Morgen.


Wunderbare 25°C am Nachmittag haben mich ermutigt, zum Friedhof zu fahren, ...










...  um mich anschließend per pedes in mein Veedel zurückzubegeben. 

Ich habe mir bislang unbekannte, schattige Seitenwege beschritten und habe dadurch Neues entdeckt.






Nachdem ich meine zehntausend Schritte geschafft hatte, hab ich mir im "Potpourri" im Bürgerzentrum eine Rharbarberschorle gegönnt.


Dort unter den blauen Schirmen kamen die Erinnerungen an das letzte gemeinsame Fest, daran, dass damals vor zwei Jahren an diesen Tagen die letzten Wochen meines geliebten Herrn K.s angebrochen waren und er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Da werde ich in den nächsten drei Wochen durch müssen...







Der ach so "launische" Juli gefällt mir eigentlich ganz gut, so lange die Temperaturen unter 30°C sind. In diesem Sommer vertrag ich sogar die über 25°C und bin dann noch gerne unterwegs. Nur Schwüle mag ich gar nicht. 




Es gab zuletzt sogar Nachttemperaturen von zehn Grad, bei denen frau gut durchlüften konnte.




Unter diesen Bedingungen macht es Freude, nach Touristenart in der Innenstadt herumzuspazieren. So habe ich noch mal die Stele zur Erinnerung an die HIV- & Aids-Opfer am Lichhof besucht. Weiter ging's im Kapitolviertel und anschließend über die furchtbare Straßenschneise der Nord-Süd-Fahrt ( Werk des Autowahns der Nachkriegszeit ) ins Agrippaviertel.

Die Kirche St. Peter konnte ich leider dann nicht besichtigen. Die wird nur für Gottesdienste geöffnet. St. Peter ist das einzig noch erhaltene Beispiele für den Usus der Doppelkirchen in Köln, neben Stiftskirchen für den Klerus eine zweite Kirche für die simplen Gläubigen zu setzen ( in diesem Fall ist die Partnerin St. Cäcilien, heute das Schnütgen-Museum ). Vom Baustil her ist St. Peter ein spätgotischer Bau ( allerdings im Krieg vollkommen zerstört und von daher wieder neu aufgebaut ) und enthält als größtes Kunstwerk ein Altarbild von Peter Paul Rubens  ( angeblich sein letztes Gemälde ) sowie eine Skulptur von Eduardo Chillida und eine Spiegel-Installation - "Grauer Spiegel" - von Gerhard Richter ( diesmal das vorletzte bildnerische Werk dieses Künstlers ). Rund um den Turm läuft eine Lichtinstallation von Martin Creed "Don't Worry". Vor knapp zwanzig Jahren hatte mein verstorbener Schwager dort eine Ausstellung kuratiert. Seitdem bin ich nicht mehr in diese Kirche, die auch "Kunststation" ist,  gekommen. Schade!


Bin ich halt weiter flaniert! Gelandet bin ich schließlich auf dem Josef - Haubrich - Hof, an dem die Zentralbibliothek, die Volkshochschule, der temporäre Pavillon des Hauses der Architektur Köln zu finden sind und angrenzend das Rautenstrauch- Joest - Museum.  Ein weiteres Kulturquartier der Stadt also, die in früheren Tagen in dieser Hinsicht reichlich Ehrgeiz hatte. Die Stadtbibliothek ist gerade fertig geworden, nachdem ich in die Stadt gezogen war. Der Betonbau - eine der größten und bedeutendsten öffentlichen Bibliotheken Deutschlands beherbergend - ist inzwischen so marode & muss einer Generalsanierung unterzogen werden, wie so viele Bauwerke in meiner Stadt.



Der Platz ist eigentlich ganz ansprechend großzügig und ruhig, obwohl ein Stückchen weiter um die Ecke der verkehrsreiche und umtriebige Neumarkt liegt. Die Aufenthaltsqualität tendiert allerdings gen Null, leider.

Der Zugang zur U-Bahnstation Neumarkt ist einer der ambitioniertesten bzw. merkwürdigsten in der Stadt, finde ich. Ich betrete ihn immer mit einer gewissen Beklemmung und nutze gerne die Treppengeländer zum Festhalten...



Erkenntnis der Woche: 
"Der bemerkenswerteste Aspekt der modernen Arbeitswelt ist der weitverbreitete Glaube, dass die Arbeit glücklich machen soll. Für alle Kulturen ist die Arbeit ein zentrales Thema, doch unsere ist die erste, die annimmt, dass Arbeit etwas anderes als Bestrafung und Sühne sein kann."( Alain de Botton: "Die Freuden der Langeweile", 2017 ) 
Lektüre der Woche: 

Neben dem gerade erwähnten Alain de Botton mit Neugier & Begeisterung das Brief - Dialog- Buch meines Nachbarn, des Künstlers Rolf Schanko, mit dem Kölner Architekten Gerd Rausch, auch, weil ich ein Kind jener inzwischen weit zurückliegenden Zeit bin, über die die beiden sich austauschen. Darüberhinaus weitere Veröffentlichungen der "School of Life".

Ich hab ja auch immer noch etliche Zeitungen & Magazine online abonniert. Da ist mir ein Interview mit Marlene Streeruwitz untergekommen, das ein - feministisches -  Thema beleuchtet, das mich zur Zeit aus Gründen sehr umtreibt. Ich befürchte allerdings, es befindet sich hinter der Bezahlschranke...

Musik (- Wiederentdeckung ) der Woche: 

Sie waren mein erster Live-Act in der damals frisch eröffneten Kölner Philharmonie: The Manhattan Transfer. "The Quietude (Encuentro de Animales)" habe ich diese Woche rauf & runter gehört, da der Song für mich Sommer in der ( momentan richtig stillen ) Stadtumgebung zum Ausdruck bringt

Ärgernis der Woche: 

Was mich als Privatmensch anbelangt: Ich bin gewillt ( und inzwischen fähig ), mich nicht mehr ärgern zu lassen. Älterwerden ist schön.

Was die Politik hierzulande und in Übersee betrifft:

Bizarr, die Angriffslinie von Tr*mp/ V*nce gegen Kamala Harris: Sie lacht zu laut. Man könne daran erkennen, behauptet T., dass sie "verrückt" sei. Mir ist noch als Mädchen das Sprichwort um die Ohren gehauen worden, man müsse Mädchen, die lachen, und Hähne, die krähen, beizeiten den Hals umdrehen. Da stehen alte, weiße Männer also immer noch. Da muss ich einfach schallend lachen.

Klappt nicht so ganz beim eher beklemmenden Rücktritt des Landrates von Mittelsachsen, Dirk Neubauer. Unter anderem hat der wiederholt die Erfahrung machen müssen, dass Widerspruch häufig schon als Einschränkung der Meinungsfreiheit gewertet wird, womit dann jede Debatte sofort tot ist. Sein "Job" wird von Mitbürgern so aufgefasst, dass er der "Fußabtreter der Wutbrigade" zu sein hat. "Das laute Schweigen der Mehrheit tötet unsere Demokratie. Denn sie überlässt Extremen die Regie." Da hat unsere Gesellschaft ein echtes Problem, vor dem gerne der Kopf in den Sand gesteckt wird und das Lachen daher im Hals stecken bleibt...
 
Wochenfreude: 

Der Austausch mit meiner Tochter, aber auch ( weniger ) mit Freunden, mit Bekannten, über in der Vergangenheit Erlebtes, die Grundlagen unserer Lebenskonzepte, seine Veränderungen, auch & besonders im Sinne einer Fortentwicklung - über unsere Lebensthemen halt. Sehr produktiv, sehr befreiend, sehr aufbauend. Mein zweites Trauerjahr, welches nun bald zu Ende geht, gehört mir ganz allein. Unerhört! Aber auch unausweichlich. Und ein Geschenk, endlich wieder Zeit dafür zu haben und sich die auch zu genehmigen, egal, was sonst da draußen passiert.

                                                                  


Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot, den Sonntagsschätzchen bei Andrea, der Zitronenfalterin, und Heidruns Mosaic Monday.

Freitag, 26. Juli 2024

Friday - Flowerday #30/24

 Auch heute greife ich auf das erfolgreiche Rezept von letzter Woche zurück:


Mische Blumen vom Straßenrand 
mit solchen aus dem Blumenhandel!




Und mein derzeitiger Liebling, die Staudenwicke, ist natürlich wieder dabei:
Ihre Ranken winden sich einfach zu dekorativ!




Kombiniert habe ich sie mit Dill & Japananemonen,
gefunden auf einer Verkehrsinsel in meinem Veedel...

...sowie dunkelblauen Schmucklilien, rosa Schafgarbe, 
Kugeldisteln 
&
Rundblättriges Hasenohr Bupleurum rotundifolium
aus dem Blumenladen in der Innenstadt,
denn meine Floristennachbarn haben ihren wohlverdienten Urlaub.




Damit habe ich eine meiner Lieblingsfarbmischungen -
Rosa/Pink, Dunkelblau & Limettengrün -
in der Vase.



Ich wünsche allen Freund*innen der Freitagsblumen...


... ein angenehmes letztes Juli - Wochenende!


                                                        

Mit einem "Bonusbild" von einer zweiten Vasenfüllung
aus meinen "Funden" vom gestrigen Tag leite ich über zum Linktool:



Ich hoffe, dass auch in dieser Woche -
trotz höherer Temperaturen -
wieder so viele Bloggerinnen diese Möglichkeit wahrnehmen wie bisher.

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Donnerstag, 25. Juli 2024

Monatscollage Juli 2024

Gestartet
bin ich in den Sommermonat
gleich
am ersten Tag 
mit einem Fest:
einer Verabschiedung 
aus dem Schuldienst.
So viel Freude!
Und dann:
Terminjonglage ohne Ende!
Zu viele Baustellen
auf einmal...

Auszeiten
gab es
immer mal in
"heiligen Hallen" -
Ruhe pur!
Und überall
ein
Hortensienrausch
( dem Regen sei Dank! ).

Für
meinen
auf mich zukommenden
"Lieblingsmonat"
wünsche ich mir
Geduld,
Kraft 
&
weiterhin
die Dosis Humor,
die mir 
bislang
geholfen hat,
etwas durchzustehen,
was mir
eigentlich
eher 
zu schaffen macht.

In diesem Monat
ist 
die Teilnahme bei 


nicht so wie sonst gewesen.
Hochsommer halt, oder?
Vier Beiträge wurden bis heute
verlinkt. 
( Möglich ist es noch bis Samstagabend )

Ich danke euch wieder dafür!
                                                
                                       
                                                       



Die Monatscollagen sammelt auch in diesem Monat wieder die_birgitt.




 

Sonntag, 21. Juli 2024

Monatsspaziergang Juli 2024

Eigentlich hatte ich einen ganz anderen Spaziergang für diesen Sommermonat vor, einen, der tief in die Geschichte eintauchen sollte. Doch es gab so viele Terminverschiebungen, so dass meine Zeit knapp wurde. Da kam mir das Angebot der Pensionista- Gruppe meiner alten Schule für genau dieses, mein avisiertes Ziel für den Monat August ganz gelegen & ich habe DEN Spaziergang verschoben und einen kleineren gewählt in einem sehr übersichtlichen Viertel der südlichen Altstadt, das eigentlich mehr oder weniger aus einer großen Kirche mit mehr oder weniger Drumherum besteht: das Kapitolviertel.

 

Das liegt südlich von der west-östlichen Hauptdurchgangsachse der Stadt, die zur Brücke nach Deutz auf der Schääl Sick führt.

Die gabelt sich dann auch noch, so dass man von der Straßenbahn aus eine breite Verkehrschneise überqueren muss. Dann geht's ne Treppe rauf, und schon landet man in einer anderen Welt, einer der kleinen städtischen Idyllen:

Lichhof heißt der Platz, dessen Namen sich auf auf den Friedhof ( lich = mittelhochdeutsch für Leiche ) der Nonnen bezieht, die hier in einem Kloster gelebt haben. Rechts, die Treppe hoch, ist das sogenannte "Singemeisterhäuschen",  die Dienstwohnung des Chorleiters. Linkerhand ist mein erstes Ziel:

Das Dreikönigenpförtchen ( op Kölsch: Dreikünnijepöötzche ) - die einzige noch erhaltene Immunitätspforte in Köln, die im Mittelalter in den "Immunitätsbereich" des damaligen Klosters geführt hat. Dieser Hof ist ausschließlich diesen Nonnen vorbehalten gewesen.

Die Sage berichtet, dass durch dieses kleine Tor fast auf den Tag genau vor 860 Jahren die Knochen der Heiligen Drei Könige, ergaunert in Mailand von Rainald von Dassel, Kölner Erzbischof & Kanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bzw. des deutschen Kaisers Friedrich I. Barbarossa, vom Transportschiff auf dem Rhein in die Stadt gebracht worden sind. 

Ein toller Schachzug war das, brachte das der Stadt doch eine lukrative Einnahmequelle: Im Mittelalter waren diese Reliquien so ein erstrebtes Ziel für Gläubige wie das heute vergleichsweise in Mekka der Fall ist. Und Pilger müssen essen & trinken, kaufen Souvenirs, übernachten gar. Allerdings platzte bei dem Massenandrang, der darauf folgte, der Dom aus allen Nähten. Und so wurde im Sommer 1248 der Grundstein für den heutigen, größeren, gotischen Dom gelegt.


Rechts vom Tor eine ausladende Mispel im Garten des "Singemeisterhäuschen". Und darüber ahnt man schon:


Die Namensgeberin des Viertels: Die Kirche Sankt Maria im Kapitol bzw. ihre Apsis.

Da will ich hin und gehe also weiter durch das Törchen und lande erst einmal auf dem Marienplatz:


Der ist geradezu typisch für Kölner Plätze:

Architektonisch disparat, so weit es nur geht, vollgestellt mit Autos. Kein Platz, um sich niederzulassen, um die Stille zu genießen. Die idiotische Kriegsraserei der Nazis hat im 2. Weltkrieg dazu geführt, dass 90 Prozent der schönen alten, traditionsreichen Stadt hinterher in Schutt & Asche gelegen hat. Die geflohenen & bei Kriegsende wieder heimgekehrten Kölner haben einfach mit den zur Verfügung stehenden Mitteln neuen Wohnraum geschaffen, ohne links und rechts zu gucken. Den Rest hat dann noch der Modernisierungswahn des Wirtschaftswunders erledigt. Der Sinn für Schönheit gehört allerdings eh nicht zur Grundausstattung der autotochthonen Bevölkerung ( leider ).

Also nichts wie weiter um die Ecke, die Kasinostraße entlang bis zum Tor, das in die Anlage der Kirche mitsamt dem den Kreuzgang führt:

Geschafft! Für mich wahrlich ein Highlight in der wuseligen Großstadt, ein Paradiesgärtlein quasi, vom Küster & Hausmeister seit 2008 angelegt & gepflegt.

Hier sitze ich, genieße die Blumenpracht, das Vogelgezwitscher, das Insekten- & Faltergeschwirr und freu mich, dass die städtischen Geräusche trotz der Hörgeräte kaum wahrnehmbar sind.

Und während ich warte, dass der Gottesdienst zu Ende und mir das Betreten der Kirche möglich ist, geht der Blick auch himmelwärts, auf einen der noch erhaltenen beiden Flankentürme der Kirche. ( Der Glockenturm ist schon im 17. Jahrhundert eingestürzt, die Treppentürme im 18. Jahrhundert bis auf die Sockel abgerissen.  )


Vorbei an den Löwen links und rechts vom Eingang ( grinst oder bleckt der die Zähne?) geht's ins Innere des ganz besonderen romanischen Baus: 

St. Maria im Kapitol gilt als älteste der für die Romanik des nördlichen Rhein-Maas-Gebietes typischen Dreikonchenanlagen und ist eine der zwölf romanischen Basiliken Kölns. Konchen sind muschelartige, halbrunde Wandnischen in einem sonst langestreckten Gebäude.

Am Eingang steht auch schon ein Modell des Tempels, auf dessen Fundament die Kirche errichtet worden ist. Der Tempel befand sich etwas außerhalb des politischen Zentrums der römischen Stadt, dem Forum, und wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. für die Kapitolinische Trias Jupiter, Juno und Minerva, also die drei bedeutendsten römischen Gottheiten, errichtet. Anlass zum Bau war die Erhebung des Oppidums zur Colonia römischen Rechts gewesen, Colonia Claudia Ara Agrippinensium geheißen. ( Über Agrippina hab ich schon mal gepostet. )

Diese Dame war es, die die erste Kirche errichten ließ. Plektrudis heißt sie, ist hier bestattet, lebte im 7. Jahrhundert, war die Ehefrau des karolingischen Hausmeiers Pippin des Mittleren und durchaus von gewissem Einfluss & auch politisch aktiv. Ihre Gebeine aus diesem Sarkophag sind im  Zweiten Weltkrieg verloren gegangen.

Im 9. Jahrhundert fiel diese erste Kirche angeblich einem Normannensturm zum Opfer. Im 11. Jahrhundert ist dann an Ort & Stelle ein Frauenstift entstanden.

Ein ganz besonderer Schatz ist eine zweiflügelige Tür, die entsprechendes Interesse hervorruft, denn sie stammt noch aus der Zeit, als die zweite Kirche um 1060 vollendet wurde. Erst in den 1930er Jahren ist sie in den Innenraum versetzt worden, hat also knapp 900 Jahre das Portal der Nordkonche verschlossen. Sie wird zu den bedeutendsten Holztüren der Kunstgeschichte gerechnet.


Inzwischen nehmen mich diese alten Schnitzereien, Bildhauereien bzw. romanischen Architektur - Details gefangen.

Das war nicht immer so. Dazu beigetragen haben der Herr K. mit seinen fundierten Kenntnissen und meine damals noch kleine Tochter. ( Die Madonna mit dem Kind stammt vom Oberrhein & aus dem 13. Jahrhundert. )


Manche Gesichter berühren mich besonders...


... und gehen zu Herzen.





Auch die Darstellung des leidenden Jesus, ein sogenanntes Crucifixus dolorosus aus dem frühen 14. Jahrhundert. In der spätgotischen Epoche, wahrscheinlich im 15. Jahrhundert, ist es farblich noch weitaus drastischer bemalt worden, als in der ursprünglichen Fassung. Wie sagt doch Kiki Smith? Dem Christentum ist es gelungen, für Leid & Schmerz beeindruckende Bildkunstwerke zu schaffen und es damit zu entrücken. Noch in der Neuzeit galt das Kreuz übrigens als wundertätig und war Ziel von Wallfahrten.

Und dann kommt man dermaßen beeindruckt & nachdenklich raus, geht weiter auf die angrenzende Stephanstraße und trifft auf heutige Realitäten bzw. Vorlieben, die genauso irritieren können wie der Gemarterte am Kreuz:

Die Stephanstraße ist tatsächlich auch ein historischer Platz, hat doch hier der Verein "Kölner Schwulen- und Lesbentag" (KLuST) 1991 die erste ColognePride organisiert ( später CSD ), der an diesem Wochenende zum 33. Mal stattfindet. Die Stephanstraße ist nach wie vor Teil des Geländes für die Pride-Veranstaltungen.

Ich bin dann über die Hohe Pforte, ebenfalls ein Zentrum der Bewegung, zurück über die Cäcilienstraße gegangen und habe noch einmal zurückgeschaut auf die alte Kirche. ( Wer noch mehr über sie wissen will, der sei auf den Wikipedia - Artikel verwiesen. )

Dann habe ich habe meinen Spaziergang noch etwas fortgesetzt - unter anderem Blickwinkel. Aber davon war schon im gestrigen Post die Rede. Den heutigen verlinke ich wieder mit Kristina Schapers Blog.