Sonntag, 27. Februar 2022

Mein Freund, der Baum: Die Kornelkirsche

Als ich dieser Tage bei einer kleinen Runde ihn vor unserer alten Wohnung blühen sah, da fiel mir ein: Über die Kornelkirsche hast du auch noch nicht geschrieben! Was ich dann hiermit tue!

Die Kornelkirsche Cornus mas hat viele lustige Namen: Herlitze oder Hirlnuss, Dirndl oder Dirndling in Österreich, Tierlibaum in der Schweiz. Da sie zu den Hartriegeln gehört, ist auch der Name Gelber Hartriegel nicht selten. Sie ist ein in Süd- und Mitteleuropa weit verbreiteter Großstrauch bzw. kleiner Baum, der häufig anzutreffen ist und gerne angepflanzt wird, auch als Hecke.

Als alleinstehender Strauch oder Baum wächst die Kornelkirsche sparrig, also mit weit abstehenden Ästen, und kann eine Höhe von vier bis fünf Metern in 25 Jahren erreichen, mit 50 Jahren knapp acht Meter. Mit der Zeit kann der Strauch eine ebensolche Breite erreichen. Pro Jahr wächst Cornus mas etwa 30 Zentimeter in die Höhe und 25 Zentimeter in die Breite und gehört damit eher zu den langsam wachsenden Gehölzen. Im Balkan, Nahen Osten und Kaukasus, wo der Kleinbaum ursprünglich beheimatet gewesen und von wo er nach den Eiszeiten nach Mitteleuropa eingewandert ist, findet man sogar noch höhere Exemplare. 

In Deutschland wurde die Cornus-Art schon vor Jahrhunderten auf vielen ihrer Naturstandorte verdrängt. Natürliche Vorkommen gibt es heute nur noch im südlichen Harz, in der Eifel und am Niederrhein, in der Saar-Mosel-Region sowie an Main, Donau und Saale, im Ilmtal, wo ein Berg Herlitzenberg heißt. Grund für die Reduktion der Bestände war neben dem aufkommenden Weinbau das begehrte Holz: Es zählt neben Eibenholz zu den härtesten Holzarten Europas und ist so schwer, dass es im Wasser untergeht. 

Die Stämme werden 15–20 cm dick. Die anfangs gelbgraue Rinde bildet später eine in dünnen, Schuppen abstehende und abblätternde Borke. Junge Triebe sind grünlich behaart, später dann aber kahl. 

Aus "Deutschlands Flora" von Jakob Sturm
(1796)

Die Wurzeln der Kornelkirsche dringen tief in den Boden ein. Sie braucht aber zur Wurzelatmung auch ein oberflächennahes Wurzelnetz, was allerdings Überschwemmungen, Bodenverdichtungen oder gar Streusalz gar nicht gut verträgt. In der freien Natur ist die Kornelkirsche ein Standortspezialist: Sie hat ihre ökologische Nische auf eher trockenen, kalkreichen Hängen gefunden, wo es keine größeren Bäume gibt, die ihr das Licht streitig machen könnten. Die Standorte können sonnig bis halbschattig sein, Hitze und Trockenheit machen ihr nichts aus, auch starker Wind nicht.

Die Kornelkirsche wird etwa 100 Jahre alt



Völlig zweifelsfrei ist die Kornelkirsche selbst vom Laien ab Ende Februar, Anfang März zu identifizieren, denn dann öffnet sie ihre kleinen gelben Blüten. Sie gehört zu den ersten Blütensträuchern bei uns, noch vor der Forsythie, aber nach der Zaubernuss. Die goldgelben Blüten verströmen von Februar bis April einen honigsüßen Duft und locken dadurch Bienen und auch Vögel an. Die Blüten sind zwittrig und stehen in kleinen, kugeligen Dolden. Sie erscheinen schon lange vor dem Blattaustrieb.

Die Blätter sind eiförmig-elliptisch und zugespitzt von 4–10 Zentimeter Länge. Die Oberseite ist glänzend grün mit 3 bis 5 deutlich sichtbaren Aderpaaren. Im Herbst färben die Blätter sich gelb, manchmal auch orange, können aber in manchen Jahren bis zum Laubfall grün bleiben.



Je nach Klima und Standort sind die essbaren, leuchtend roten, glänzenden Früchte zwischen Ende August und Anfang Oktober erntereif.  Man sollte diese Steinfrüchte aber gut ausreifen lassen, denn sie erreichen - ähnlich wie Weintrauben - erst im vollreifen Zustand den höchsten Zuckergehalt.

Der Glaube, die Kornelkirsche sei giftig, scheint nach wie vor verbreitet. Tatsächlich kann intensiver Hautkontakt mit den feinen Härchen auf den Blättern bei empfindlichen Menschen zu Rötungen und Juckreiz führen, der sich durch einfaches Waschen aber schnell beseitigen lässt. Ernten sollte man also lieber durch Schütteln.

Die sauer-herben Früchte weisen einen hohen Vitamin C- und B-Gehalt auf und sind reich an Mineralien, besonders Kalium, Magnesium und Kalzium. Außerdem enthalten sie Glukose, Fruchtsäuren, Schleim- und Gerbstoffe, was den Geschmack bedingt. Dadurch entsteht auch die mild adstringierende Wirkung der Früchte, die die Mundschleimhaut leicht zusammenziehen lässt, was wiederum die Angriffsfläche für Keime reduziert. In früheren Zeiten war diese Wirkung in der Heilkunde geschätzt, besonders bei Zöliakie, Besenreisern und Krampfadern, Durchfall, Nierenleiden. Hildegard von Bingen riet Gichtpatienten zu Bädern mit den Blättern und dem Holz des "Kornellenstrauchs". Auch aphrodisierende Wirkung wird der Kornelkirsche zugeschrieben. 

Man kann die Früchte roh essen, aber gekocht schmecken sie eindeutig besser. Im Kaukasus legt man die Kornelkirschen in Honig oder Zuckersirup ein und genießt sie zum Tee. In der Türkei macht man eine Limonade aus dem Sirup der Früchte. In Österreich wird aus der "Dirndl" ein Schnaps gebrannt. Als Bohnenkaffee noch ein Luxusprodukt war, wurden zerstoßene Kornelkirschkerne als Kaffeeersatz empfohlen. Die Früchte hat man aber auch lange gerne den Vögeln überlassen, denn die Kerne sind in Relation zur Frucht recht groß. Als Saft, als Püree, Gelee oder Chutney werden die Kornellen in der Küche inzwischen gerne verwendet.

Von der Kornelkirsche gibt es eine Reihe Zuchtformen, so mit gelben oder gerandeten Blättern, mit weißen, gelben, violettroten oder kugeligen Früchten. Der Ertrag kann übrigens von einem Jahr zum anderen stark variieren.

Rechts ein "Ziegenhainer" ( Source )


Zum Schluss noch, warum auch der Name "Gelber Hartriegel" gebräuchlich ist:

Das Holz der Kornelkirsche ist sehr hart, weshalb man ganz spezielle Verwendungen dafür hatte: Da es elastisch und robust ist, eignet es sich für Werkzeuge und Drechselarbeiten, Zahnräder in Mühlen, Radspeichen und für spezielle Waffen wie Bögen und Armbrüste, darin dem Eibenholz qualitativ gleich. Man nannte es auch Eisenholz, weil es so schwer ist, dass es im Wasser untergeht, wie ich schon geschrieben habe.

Eine besondere Geschichte hat es mit dem Spazierstock namens "Ziegenhainer" auf sich, der im 18. und 19. Jh. der Spazierstock der Jenaer Studenten gewesen ist und notfalls auch als Schlagwaffe benutzt werden konnte. In Ziegenhain in der Nähe von Jena machte man diese gewendelten Stöcke, indem man Waldgeißblatt Lonicera periclymenum um einen Ast der Kornelkirsche wachsen ließ, das das Holz eindrückte. Solche Knotenstöcke wurden noch lange von Wandergesellen auf der Walz benutzt. Da sind sie auch unter dem Begriff "Stenz“ bekannt ( damit hat auch der Begriff in der Bedeutung von "selbstgefälliger, geckenhafter junger Mann" zu tun ).

So, und jetzt heißt  es wieder "Bühne frei!" für eure Fotos und Posts über unsere Baumfreunde. Genau vier Wochen habt ihr wieder zum Verlinken Zeit!




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14 Kommentare:

  1. Danke für's Vorstellen. Wir haben Kornelkirschen im Garten. Ich liebe die zarten Blüten.
    LG
    Magdalena

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  2. ein lehrreicher Beitrag ;)
    ich habe mich früher immer gewundert was da so früh
    z.B. an utobahnböschungen blüht
    erst hier in der Bloggerwelt habe ich dann mehr über die Kirsche erfahren
    jetzt blüht sie ja wieder überall

    liebe Grüße
    Rosi

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  3. Ein ganz wunderschöner Beitrag. So vieles, was man vielleicht schon gelesen und gehört hatte, nun weiss man genauer wo es her kommt!
    Ich mag diesen früh blühenden Strauch/Baum sehr. Für die Natur so wichtig.
    Danke Dir und einen schönen Tag noch, bestimmt sitzt Ihr auch etwas in der Sonne
    Liebe Grüße
    Nina

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  4. Als Stadtbaum hab ich sie früher öfter in Erinnerung, heute kaum mal eine noch zu sehn. Mein Opa schwärmte von diesem Holz und kam mal ganz glücklich damit heim, wo eine gefällt worden war. Er fertigte sich ja sein Werkzeug selbst und konnte stabiles Holz gut gebrauchen.

    Bei meinen Eltern stand bis 2021 eine Kurilenkirsche, Bruder hat auch diese nun umgehaun, wie alle Bäume dort...
    Vorfrühlingssonnengrüsze
    Msascha

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  5. Liebe Astrid,

    vielen Dank für die Vorstellung. Bei uns am Friedhof wächst und blüht eine Kornelkirsche. Das weiß ich, weil daneben eine kleine Tafel steht. Aber obwohl dort auch das Gärtnerei-Amt ist ( oder wie man das nennt), keine weiteren Informationen dazu. Die habe ich jetzt dank dir.

    LG
    Claudia

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  6. Ab und zu sehe ich die Kornelkirsche auch hier, aber seltener.
    Schön sieht sie aus und dass man die roten Früchte essen kann, wusste ich gar nicht.
    Wieder was gelernt, danke Dir liebe Astrid.
    Diesen Monat habe ich auch wieder einen Baum für Dich.
    Bis dahin ganz liebe Grüße
    Nicole

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  7. Liebe Astrid,
    den Cornus mas kenne ich eigentlich erst seitdem ich Cornus kousa in meinem Garten habe...schön isser als Vorfrühlingsblüher.
    Hab einen guten Start in die neue Woche - lieben Gruß von Marita

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  8. Ich weiß auch erst seit ein paar Jahren, das er eßbar ist. In diesem Jahr will ich mal etwas ernten von einem entdeckten Baum.
    VG, Karen

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  9. Wir haben auch mehrere größere Sträucher Kornelkirschen im Garten. Einmal habe ich mir die Mühe gemacht, die Früchte zu Marmelade zu kochen. Schmecken apart, aber es ist wirklich viel Arbeit. Die Sträucher erfreuen mich aber jedes Jahr, weil sie die ersten Blüher im Garten sind.
    Danke fürs ausführliche Vorstellen sagt herzlich,
    Sieglinde

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  10. Einfach Danke- für diesen Beitrag und überhaupt- dies ist ein wunderbar angelegter Blog- kann ich nur staunen! LG Herbstfrau

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  11. Bei uns stehen sie jetzt in voller Blüte und sind eine Bereicherung im Garten oder auch draußen im Freien wie in Feldholzinseln.
    Marmelade habe ich noch keine gemacht aus den roten Früchten. Vielleicht wage ich das mal.
    Der Name "Gelber Hartriegel" hat auf jeden Fall seine Berechtigung. :-)

    Ein sehr informativer Beitrag über die Kornelkirsch, liebe Astrid. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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  12. wir haben erst vor 2(?) Jahren entdeckt, dass einige Meter vor der benachbarten Schule ein Dirndlbäumchen steht und uns die Früchte geholt, gab lekkerste Marmelade. Letztes Jahr trug er nicht, aber momentan blüht er wie sonstwas. Ich bin gespannt.... ganz liebe Nachtgrüße und danke für Blümmschen und Deine lieben Worte. Eva

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  13. Na bitte, da "dindlt" es ja bei dir, liebe Astrid!
    Bei uns sieht man die Dirndlsträucher auch schon seit einiger Zeit blühen und ich hoffe auf eine reiche Ernte im Herbst. Übrigens gibt es viele Kornellkirschsträucher, die viel älter sind als 100 Jahre; der angeblich älteste in Österreich ist (durch Dokumente verbürgte) ungefähre 1000 Jahre alt - http://www.tuernitz.gv.at/Paulinenhoehle
    Ich habe heute eine wunderschöne alte Baum-Hasel aus Mistelbach für dich!
    Alles Liebe
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2022/03/zeit-fur-einen-ruckblick-auf-den.html

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  14. je ne vois pas souvent cet arbre ici * seulement dans les parcs
    liebe grüsse
    mo

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