Sonntag, 28. April 2024

Mein Freund, der Baum: Koreanische Eberesche

Aufgefallen war er mir bis dahin nicht, dieser Baum, der als kleine Allee entlang der Lokomotivstraße in meinem Veedel gepflanzt worden war. Dabei war ich gleichwohl jede Woche zwei Mal in der Nähe zur Physiotherapie. Zu Beginn des letzten Novembers lagen dann diese toll gefärbten Blätter zu meinen Füßen. Jetzt fühlte sich meine Spürnase herausgefordert...


Es hat auch etwas gedauert, bis ich herausgefunden habe, wem ich da begegnet bin, nämlich Bäumen aus der Gattung der Mehlbeeren Sorbus innerhalb der Familie der Rosengewächse bzw. einer Unterordnung der Kernobstgewächse, zu denen auch die Vogelbeere oder Eberesche ( hier vorgestellt ) gehört oder die Echte Mehlbeere ( hier porträtiert ). Doch die wahnsinnige Farbe des Herbstlaubes wollte zu den identifizierten Arten einfach nicht passen...

Also weiter recherchiert! Schließlich wurde ich auf einigen Umwegen auf dieser Seite fündig:
"Samen von Sorbus 'Dodong', botanisch Sorbus commixta 'Dodong', wurden 1976 bei einer Expedition auf einer koreanischen Insel gesammelt. Dodong leitet sich vom Namen des Inselhafens ab. Synonym gibt es die Bezeichnung 'Olympic Flame' – wahrscheinlich deshalb, weil mehrere Exemplare im Olympischen Dorf für die Londoner Spiele im Jahr 2012 gepflanzt wurden. Im Handel ist das Gehölz auch als Mehlbeere 'Dodong' oder Eberesche 'Dodong' zu finden."

Da haben wir sie also, die Koreanische Eberesche Sorbus commixta 'Dodong', ein mittelgroßer Baum von maximal zehn Metern Höhe, der also auf der koreanischen Insel Ulleungdo, Heimat der endemischen Art Sorbus ulleungensisvor sich hinwuchs und vermutlich ein Hybrid des Sorbus commixta ist, der sich allerdings morphologisch von jenem Artgenossen unterscheidet. Eine schwedisch-dänische Botanikergruppe hat die von ihr gefundenen Samen dann an der Universität für Agrarwissenschaften in Alnarp in Schonen/Südschweden ausgesät.

Frühling - Herbst


Diese Eberesche hat einen relativ kurzen Stamm bzw. fächert sich schon in ziemlicher Bodennähe in mehrere Stämme auf. Der Baum wächst recht moderat in die Höhe. Bei uns im Handel sind vor allem Exemplare erhältlich, die schon als Hochstamm gezogen worden sind. Eine weitere Verwendungsmöglichkeit von Sorbus 'Dodong' ist die als Heckenpflanze. 

Die Krone ist anfangs schmal - vasenförmig, denn die Zweige wachsen kegelförmig  in die Höhe, so dass die Krone zunächst eiförmig erscheint. Erst mit zunehmendem Alter gewinnt sie an Breite und erreicht einen Kronendurchmesser von drei bis vier Metern. Die Krone bleibt licht, was eine Unterpflanzung gut möglich macht. 



Die junge Rinde des Baumes ist braun, die ältere gräulich gefärbt und in jeder Altersphase relativ glatt. Die Wurzel dieser Ebereschenart wächst bei entsprechend gutem Boden herzförmig, bei geringer Substrattiefe  breitet sie sich eher flach aus.

Die Blätter bestehen aus fünfzehn Fiederblättern von fünf Zentimetern Länge, wobei jede Fieder paarig besetzt ist mit gesägten lanzettlichen Blättern mit einer markanten Spitze. Den Sommer über sind die Blätter glänzend grün und nehmen dann im Herbst ihre spektakuläre Färbung an, von Orangerot über Rot bis zur Purpurfarbe.



Nach dem Blattaustrieb zeigen sich im Mai/Juni die weißen Blüten von Sorbus commixta ‘Dodong’ in Dolden - für Schmetterlinge und andere Insekten ein geschätztes Nahrungsangebot. Die Früchte hingegen - orangerot und rundlich bis birnenförmig - werden häufig von Vögeln verzehrt. Sie hängen bis weit in den Winter hinein an den Bäumen. Durch die Kälte werden Stoffe, welche die Früchte bitter machen, umgewandelt. Für den Menschen sind sie aber nicht genießbar. 

Vermehrt wird diese besondere Sorte über Veredlung, nicht durch Samen, um die besonderen Eigenschaften zu erhalten.



Weshalb der kleine Baum wohl auch in dieser innerstädtischen Siedlung in meinem Veedel als kleine Allee angepflanzt worden ist, ist wohl seine Fähigkeit, im Sommer Trockenheit zu ertragen sowie Bepflasterung im Wurzelbereich. Frosthärte ( Klimazone 4 ) und Resistenz gegen Wind sind weitere Pluspunkte unter den Bedingungen der Klimaverschärfung. Bevorzugt wird zwar ein nährstoffreicher, durchlässiger Boden, aber da ist der kleine Baum recht tolerant. Nur zu kalkhaltig sollte das Erdreich nicht sein. 

Was man allerdings bedenken sollte, wenn man ihn im Garten pflanzen will: Vorher sollen an der Stelle keine anderen Pflanzen der Familie der Rosengewächse Rosaceae gewachsen sein. Dann kommt es zu Wuchsproblemen. Anders als bei den anderen Rosengewächsen ist die Koreanische Eberesche allerdings resistent gegenüber Feuerbrand.



Eine weitere Eberesche mit einer tollen roten Herbstfärbung ist die Herbsteberesche Sorbus aucuparia 'Autumn Spire', die gelbe Früchte ausbildet, die im Gegensatz zu denen der Koreanischen Eberesche zu Marmelade und Gelee verkocht werden können. Bei 'Autumn Spire' handelt es sich um eine schmale und aufrecht säulenartig & rasch wachsende Eberesche. Sie erzielt eine Höhe von bis zu fünf Metern und wird nur bis zu 1,5 Meter breit. Sie ist ansonsten Sorbus aucuparia 'Ulong' ähnlich, was die Herbstlaub-, aber nicht die Fruchtfarbe betrifft. Letztgenannte Eberesche wird auch größer in der Höhe und der Ausbreitung der Krone.

Die Gattung der Mehlbeeren, heimisch auf der ganzen nördlichen Erdhalbkugel, weist eine große Vielfalt auf. Das habe ich inzwischen gelernt.

Und nun ist es wieder an euch, liebe Baumfreund*innen! Zeigt & verlinkt hier, welch großartigen Bäumen ihr wieder im Monat Mai begegnet seid! Das Linktool steht bis zum 25. Mai bereit.



You are invited to the Inlinkz link party!

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6 Kommentare:

  1. Was für ein wunderschöner Baum, liebe Astrid. Die Blätter der heimischen Eberesche verfärben sich im Herbst auch schon ganz bezaubernd, aber diese Farbe hier. Ist echt der Knaller. So schön! Ganz liebe Grüße in den Sonntag, Deine Nicole

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  2. Liebe Astrid, die Herbstfärbung dieses Baumes ist wirklich wunderschön, aber auch in frischem Grün ist der Baum attraktiv. Klimaresistenz wird bei Stadtbäumen immer wichtiger. Und wenn dann auch noch die Blüten und Beeren für diverses Getier Nahrung bieten, ist das eine gute Sache.
    Alles Liebe, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2024/04/weltreise-2024-2-station-sydney.html

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  3. Ich mag die große Familie der Mehlbeeren. Wunderschöne Bäume eigentlich alle. So schöne Baüme, Blätter, Farben und Früchte (und so nützlich für die Natur)
    Danke Dir für ein weiteren schönen Baum

    Liebe Grüße
    Nina

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  4. dieser baum kommt mir anhand seiner feinen blätter bekannt vor, aber wo ich ihn mal gesehen habe, weiß ich nicht mehr. auf jeden fall sehr interessant, wenn er das "neue" klima gut verträgt. die früchte unsere einheimischen ebereschen sammele ich gerne und verwende sie zusammen mit anderen wildbeeren für marmelade.
    liebe grüße von mano

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  5. Sehr schön sieht die Japanische Eberesche aus!
    Ihre Blätter erinnern mich an Bambus? In unserer Gegend sind Eschen selten, vielleicht gedeihen sie eher im angrenzenden Ried? Aber an den Fischteichen (ein Ausflugsziel in unmittelbarer Nähe), dort habe ich schon Ebereschen entdeckt, wenn diese Früchte tragen, dann sind sie nur schwer zu übersehen.
    Ich kenne die Ebereschen auch aus den Märchenbüchern, ein gewisser Zauber geht von ihnen aus, das ist nicht zu leugnen. Jedenfalls habe ich wieder dazugelernt.
    LG Heidi

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  6. Wunderschön liebe Astrid, ein wirklich ganz besonderer Baum ist das. Die Färbung alleine ist schon ein besonderer Genuss für die Augen. Während unseres Koreaaufenthaltes hatten wir ja auch einen Park vor der Haustüre und ich glaube dort standen diese Bäume auch. So schön ist er mein Freund der Baum♥

    Liebe Grüße
    Kerstin und Helga

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Danke, dass du dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst!

Ich wünsche mir allerdings nach wie vor, dass ein Name am Ende des Kommentars steht.
Da die anonymen namenlosen Kommentare zuletzt wieder zugenommen haben, hier der ausdrückliche Hinweis:

Ich werde sie weiterhin konsequent NICHT freischalten. ( Ausnahme: die amerikanische Gepflogenheit, nicht zu unterschreiben )

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