Sonntag, 31. Juli 2016

Mein Freund, der Baum: Eberesche


Heute bringe ich einen Baum aufs Tapet, der einem eigentlich immer erst so richtig im Herbst dank der leuchtenden Früchte ins Auge sticht: Die Rede ist von der Vogelbeere, gemeinsprachlich häufiger Eberesche genannt, botanisch Sorbus aucuparia, mancherorts auch Drosselbeere, Quitsche oder Krametsbeerbaum geheißen...























Dabei ist sie auch im nur grünen Zustand ein sehr hübscher Baum, wie es mir Anfang Juli aufgefallen ist:

























Die Vogelbeere oder Eberesche ist ein mittelgroßer, bis 20 m (selten 25 m) hoher Baum mit auffallend lichter Krone dank seiner zarten, unpaarig gefiederten, 15 cm langen Blätter. Der Stamm erreicht einen Durchmesser bis zu 40 cm, seltener 60 cm, und wird von einer hellgrauen, glatten und glänzenden Rinde umgeben.Die Eberesche wird maximal nur ca. 150 Jahre. 
Zerreibt man die jungen Blätter einer Eberesche in der Hand, so entsteht ein Marzipangeruch.


Nach der Blüte im Mai bis Juni ( im Gebirge später ) erfolgt die Fruchtreife eigentlich erst im August bis Oktober, bei uns hier in Innenstadtlage kann es jetzt schon so aussehen:























Vögel schätzen die Früchte dieser Baumart sehr, so sehr, dass ihnen das zum Verhängnis wurde, denn die Früchte wurden als Lockmittel beim Vogelfang von den Menschen in früheren Zeiten verwendet. Daher auch der oft gebräuchliche zweite Namen der Eberesche.

Der Name Eberesche kommt von Aberesche, das meint "falsche Esche". Sie ist nämlich nicht mit der Esche verwandt, die zu den Ölbaumgewächsen gezählt wird, sondern gehört zu den Rosengewächsen. Das zeigen ihre Blüten mit fünf Kelch- und fünf Kronblättern sowie einer Vielzahl von Staubblättern.


Was ihren bevorzugten Standort anbelangt, ist die Eberesche außerordentlich flexibel: Sie wächst am liebsten auf nährstoffarmen, humosen und lockeren Lehmböden, ist aber auch Torfböden oder Felsen und Kalkböden zu finden. Nur Staunässe mag sie nicht. Und der Standort muss licht genug sein, so dass sie stets nur an Waldrändern zu finden ist. Sonst bleibt sie klein im Wuchs und wird nicht sehr alt. Auch in höheren Lagen oberhalb 900 m erreicht sie nicht mehr ihre übliche Höhe, sondern bleibt strauchförmig. 
Verbreitet ist sie von der Tiefebene bis in die Gebirge über die Waldgrenze hinaus. Sie ist die einzige Baumart, die bei sehr niedriger jährlicher Wärmesumme noch Wachstum zeigt. Von allen Laubgehölzen ist sie daher am weitesten  bis nach Norden verbreitet.


Mythologisch gesehen ist die Eberesche besonders interessant:
Sie gilt als der Baum des germanischen Donnergottes Donar. Druiden fertigten ihren Zauberstab aus Ebereschenholz, Orakel- und Gerichtsplätze wurden einstmals mit Ebereschen umpflanzt. 
Der schöne, grazile Wuchs des Baumes spielte sicher eine Rolle, dass die keltischen Priester die Eberesche als Baum des Lebens ansahen und zum Symbol des Wiedererwachens nach der Winterzeit kürten.

Personen, die unter der Ägide der Eberesche (1.4. – 10.4. und 4.10. – 13.10.) geboren wurden, gelten im keltischen Baumhoroskop als emotional sehr feinsinnig. Sie verfügen über ein gutes Gespür für die Gefühle anderer Menschen, empfinden aber nicht nur Glück, sondern auch Unglück besonders intensiv. 

Quelle

Das Holz der Eberesche ist relativ schwer und hart, zugleich aber biegsam und elastisch. Wagner, Drechsler, Schreiner, Schnitzberufe, die so nicht mehr existieren, wussten um die Qualität des Holzes der Eberesche und setzten es entsprechend ein. Zunehmend wird es heutzutage als Möbelholz genutzt, da seine Qualität teilweise sogar über der der Eiche lieg. Fein poliert glänzt es auffallend schön.



Der größte Nutzen der Eberesche ist jedoch ökologischer Natur: 

Ihre Früchte sind der Lieblingsfraß vieler Singvögel und vor allem dann vorhanden, wenn im Spätherbst die Insekten ganz rar werden. ( Die Früchte bleiben zudem bis in den Winter hinein am Baum hängen.) Die verschiedenen Vögel oder Säugetiere fördern sehr effektiv die Verbreitung der Eberesche, denn sie scheiden die unverdauten Samen wieder aus bzw. verstecken und begraben die Früchte, die sie später vergessen, was ebenso der Verbreitung dient ( z.B. Eichelhäher und Nagetiere ).


Weitere Baumfreunde treffen sich heute wieder bei Ghislana/Jahreszeitenbriefe, die weiter unten in ihrem Kommentar noch ein paar schöne Ergänzungen zu diesem auffallend schönen Baum aufgeschrieben hat.

Und Amy/e-i-n-f-a-l-l-s-r-e-i-c-h hat mit ihrem Kommentar noch ein schönes Gedicht von Gottfried Benn beigesteuert. Danke!


Kommentare:

  1. wie schön und wie interessant, liebe Astrid. Ich liebe das Eschenholz...und deine Bilder sind schön.
    lg susa

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  2. Hach wie schön ;-). Auch hier ein Lieblingsbaum, unter den wilden wohl der nach Kiefer und Birke am meisten verbreitete, da sie auch mit Trockenheit offenbar gut klar kommen kann. Das mit dem Marzipangeruch der Blätter gehe ich gleich mit dem hier noch verbliebenen Enkelmädchen ausprobieren (das andere ist nun schon im Familienurlaub...). Auf Wanderschaft kauen wir im Herbst oft ein zwei Beerchen gegen Durst und trockenen Hals. Und zusammen mit Äpfeln oder Zucchini lässt sich aus den eingeweichten Beeren (Einweichwasser abgießen) ein herrlich herzhaftes Chutney oder Gelee kochen. Danke für deinen Baum! (Auch wir denken etwas angespannt nach Köln hin, möge alles gut gehen und Demonstrationsfreiheit und Demonstrationsrecht nicht missbraucht, wünschen wir uns...) Herzlich grüßt nach Köln Ghislana

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  3. ich bin gänzlich erstaunt, was du so alles über diesen schönen baum herausgefunden hast. ich mag ihn nämlich auch sehr und klaue im frühherbst gern den vögeln ein paar dolden um die orangfarbigen schönheiten im haus zu dekorieren. übrigens haben die vogelbeeren die schönsten orangetöne, die ich kenne!
    ja, wir sind heute auch in gedanken in köln und hoffen, dass alles gut geht.
    liebe sonntagsgrüße
    mano
    ps: wir hatten hier im juli 26 sonnentage, 4 halbe regen- und 1 ganzen regentag. unglaublich, aber wahr!

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  4. Du hast einen meiner Lieblingsbäume ausgesucht. Er wächst hier am Niederrhein überall und üppig. Ich liebe diese Farbe und die schönen Blätter.Die Früchte haben einen unglaublich hohen Anteil an Vitamin C, aber daraus Gelee zu kochen ist echt aufwändig.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag, der in Köln hoffentlich ruhig verläuft.
    LG
    Magdalena

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  5. Liebe Astrid, das sind ganz wunderschöne Fotos, die Du da gemacht hast und auch die Informationen dazu sind so spannend zu lesen. Ein Baum, den ich sehr mag!
    glg Susanne

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  6. Siehst Du, liebe Astrid, du hast eher die Muße so schön interessant und ausführlich zu schreiben. Dazu reicht meine Zeit und Geduld meist gar nicht.
    Am besten gefällt mir das zweite Foto, da sieht die Vogelbeere so licht und leicht aus. Den Zauberstab aus Ebereschenholz hätte ich gern...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. O.k., o.k., da hast du recht und es macht mir Vergnügen. Liegt auch an meiner Hüftgelenksarthrose, dass ich nicht mehr so viel unterwegs bin...
      LG

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  7. Guten Morgen liebe Astrid,
    ach, Deinen Blog mag ich sooo sehr!!! Diese Vielseitigkeit Deiner Posts - für mich ist das wirklich eine Bereicherung! Sodele, das musste ich nun einfach mal schreiben.
    Deine Great-Women-Reihe liegt mir besonders am Herzen. Aber auch Deine Berichte über die Bäume mag ich besonders gerne! Und das Foto mit dem lichten Blattwerk der Eberesche, das ist wirklich ein Traum.
    Am Freitag war ich abends zum Grillen eingeladen. Wir saßen in einem wunderschönen Garten unter einer 150 Jahre alten Linde. Nun werde ich gleich mal bei Dir stöbern... sicher hast Du auch schon über die Linde geschrieben.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag und sende Dir herzliche Grüßle.
    Regina

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  8. Sowas, du hast die Eberesche herausgesucht, die ich als erstes im Kunstunterricht gemalt habe. Die schönen Farben sind auch genial.

    Früher sagte man, man könnte die Beeren nicht essen. Dieses werde ich mal versuchen Gsälz davon zu machen.

    Lieben Gruß Eva

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  9. Gerade wo heute in Köln die Pro-Erdogan-Demos und rechte Gegendemos stattfinden, ist deine Ebereschen-Sonntagspost gut fürs Gemüt. Danke!

    Ich möchte an dieser Stelle den altirischen Segenswunsch, wo die Eberesche ebenfalls vorkommt & mir gefällt, wiedergeben:

    Ich wünsche dir die Fröhlichkeit eines Vogels
    im Ebereschenbaum am Morgen,
    die Lebensfreude eines Fohlens
    auf der Koppel am Mittag,
    die Gelassenheit eines Schafes
    auf der Weide am Abend.

    In diesem Sinne wünsche ich trotz allem noch einen schönen Sonntag mit viel, viel Gelassenheit :-)

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  10. Bei uns sind die Beeren auch schon reichlich orange, was mich sehr erstaunt hat. Nachher muss ich gleich mal ein Blatt pflücken und es zerreiben. Bin gespannt, ob ich den Marzipangeruch wanhrnehme. Ich mag sie jedenfalls auch sehr, die Eberesche.
    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag
    Jutta

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  11. Nun bekomme ich Finnland-Sehnsucht, denn die Ebersesche gibt es dort überall...Sehr schön fotografiert!Liebe Grüße, Taija

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  12. wunderschön! ich liebe den "vuuchelbärbaam" - im vogtland gibt es ein lied darüber. :-)
    allerdings sah ich im wilden kaiser oberhalb der auf 1293m gelegenen kaindlhütte die allergrössten vogelbeerbäume meines lebens - richtig mächtige für diesen ansonsten eher zierlichen baum..... war vll. ein besonderer platz.....
    danke für die schönen bilder! xxxxxx

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  13. Na, nun hast Du mir aber viel erzählt über meinen zweiten Lieblingsbaum. Dank Dir schön!
    Meine finnisch-karelische Freundin hat mich vor über 30 Jahren die Liebe zur Eberesche gelehrt- in ihrer Heimat pflanzt man sie ans Haus als Schutzbaum. Und man kann aus ihren Früchten sogar Marmelade kochen.
    Und danke für Deinen Kommentar. Ich kann grad auf all den Welten-Schwachsinn nicht eingehen. Zu viel des Schlechten. Ich hoffe, in Köln bleibt es friedlich.
    Und der Ort der Ausstellung ist das Gut, wo auch mein Zweit-Atelier ist. So mussten wir nicht viel suchen:-)
    Lieben Lisagruß!

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  14. sooo interessant und schön!

    Gottfried Benns Gedicht „Ebereschen“
    Ebereschen – noch nicht ganz rot
    von jenem Farbton, wo sie sich entwickeln
    zu Nachglut, Vogelbeere, Herbst und Tod.
    Ebereschen – noch etwas fahl,
    doch siehe schon zu einem Strauß gebunden
    ankündigend halbtief die Abschiedsstunden:
    vielleicht nie mehr, vielleicht dies letzte Mal.
    Ebereschen – dies Jahr und Jahre immerzu
    in fahlen Tönen erst und dann in roten
    gefärbt, gefüllt, gereift, zu Gott geboten −
    wo aber fülltest, färbtest, reiftest du −?

    genieße einen entspannten genussvollen sonntagabend!
    herzlichste grüße & wünsche an dich :-)
    amy

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  15. ...einen besonders schönen Baum hast du da gefunden, liebe Astrid,
    ich habe die Vogelbeeren eher klein und strauchartig in Erinnerung...deine Baumvorstellung ist sehr ansprechend,

    liebe Grüße
    Birgitt

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  16. Liebe Astrid,
    durch deine Blogbeiträge lerne ich immer wieder etwas dazu. Danke! Von einem keltischen Baumhoroskop hatte ich beispielsweise noch nie gehört. Nachdem ich eben danach gegoogelt habe, weiß ich nun, dass ich zum Baumzeichen Esche gehöre.
    Liebe Grüße
    Carmen

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  17. Liebe Astrid,

    mir gefällt der Baum mit seinen noch sommerlich grünen Beeren ganz besonders. Er wirkt so fein und zart! Im Herbst mag ich natürlich auch die leuchtend orangen Beeren - aber herbstlich gesinnt bin ich noch nicht :) Attila ist übrigens eine Esche im keltischen Baumhoroskop!

    Liebe Grüße,
    Veronika

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  18. liebe astrid,
    ich bin damit aufgewachsen, dass die "vuglbierla" giftig seien und habe erst als erwachsene gemerkt, dass sie ein wunderbares gelee ergeben. und einen wunderschönen strauch (könnte in meinem garten auch mal einer aufgehen, bisher haben wir nur schößlinge von vergrabenen walnüssen). in meinen englischen büchern begegnet mir "rowan" sehr oft, dort hat die eberesche und ihr holz noch einen ganz besonderen mysthischen stellenwert. lg heike

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  19. Schöne Fotos, liebe Astrid, und viel Wissenswertes hast Du über die Eberesche zusammengetragen! Es stimmt, die Vogelbeere hat ihren großen Auftritt, wenn die Früchte um die Wette leuchten.
    Liebe Grüße
    Edith

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