Sonntag, 25. April 2021

Mein Freund, der Baum: Spitzahorn II

Über den heutigen Baum am Tag des Baumes habe ich ganz zu Beginn meiner Teilnahme an "Mein Freund, der Baum" einen Post veröffentlicht. Wenn ich mir den heute ansehe, kommt der mir viel zu dürftig vor, gemessen an dem Standard, den ich heute erreicht habe. Und deshalb habe ich in diesen Zeiten, in denen ich nur in meinem Veedel unterwegs sein kann, entschieden, dass ich eine Fortsetzung schreibe. Denn hier gibt es viele davon und erfreuen mich grade wieder mit ihrer frischgrünen Blüte.


Der Spitzahorn acer platanoides gehört  nicht nur in meinem Wohnviertel, sondern generell in deutschen Städten zu den populärsten Baumarten. Noch vor dem Laubaustrieb im zeitigen Frühjahr sind die Bäume mit ihrem auffälligen grüngelben Blütendolden ein Blickfänger. Und während andere Bäume noch weitgehend kahl sind, entfaltet der Spitzahorn bereits sein frischgrünes Laub - ein  echter Frühlingsbote also!


Zuhause ist der Spitzahorn eigentlich in Laubmischwäldern bestehend aus Linden, Stieleichen und Bergulmen, an Waldrändern und auf Knicks und über weite Teile Europas verbreitet: Im Norden wächst er bis Mittelschweden und Südfinnland, im Osten bis zum Ural. Von den europäischen Ahornarten ist er diejenige, die am weitesten im Norden anzutreffen ist. Die westliche Grenze seines Vorkommens bildet der westliche Rand Mitteleuropas, er fehlt also in Teilen Nordwestdeutschlands und im Großteil Frankreichs. Im Süden findet man den Spitzahorn in den Gebirgen - in den Nordalpen bis auf eine Höhe von tausend Metern -, in den Pyrenäen, im Apennin, in den Gebirgen Griechenlands und Kleinasiens sowie im Kaukasus. Der Spitzahorn ist ein Gewächs des gemäßigt kontinentalen Klimas, eine Halbschattenbaumart und gehört zur Gattung der Ahorne (Acer) innerhalb der Familie der Ahorngewächse (Aceraceae).


Der Spitzahorn wächst in seiner Jugend sehr schnell. Mit dreißig Jahren hat er etwa zwei Drittel seiner Endhöhe erreicht, die zwischen 20-30 Metern liegt. Die maximale Lebensdauer liegt zwischen 150 und 200 Jahren. Mit seinen flach bis herzförmig ausgebreiteten Wurzeln kommt der Baum auf trockenen oder feuchten Böden zurecht. Einen gelegentlichen Wasserstau nimmt er hin und mit kurzzeitiger Hitze und Dürre kommt er gut klar, der Baum passt sich also vielen Situationen bereitwillig an. Auch die Bandbreite, was er an Licht, Wärme und Nährstoffe so beansprucht, ist enorm. Das weitverzweigte Wurzelsystem  widersteht mühelos Orkanböen oder großen Stürmen, auch längeren Frostperioden ist er gewachsen und im Sommer extrem hitzebeständig. Insgesamt also ein robuster, genügsamer Baumfreund!




Als junger Baum bildet der Spitzahorn eine ovale, enorm dichte Krone, denn seine Zweige wachsen eher in die Höhe als in die Breite und verästeln sich vielfältig, ohne überzuhängen. Alte Ahornbäume lassen in ihrer Wachstumsfreude dann nach, und die Krone nimmt eine eher runde Form an. Der schlanke Stamm ist mit einer schuppenlosen Borke bedeckt, die anfangs braun bis blassbraun und an der Oberfläche noch glatt ist. Erst bei älteren Bäumen entwickeln sich die charakteristischen Längsrisse. 


Die gegenständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Sie sind fünflappig geformt, erreichen Größen bis zu 20 Zentimetern und erinnnern in ihrer Form an eine Hand. An jedem Lappen laufen die Blattränder spitz zu. Die Oberseite ist dunkelgrün und glänzend, die Unterseite heller und mit matter Oberfläche. Im Oktober nimmt das Laub des Spitzahorns letztendlich eine leuchtend gelbe Farbe an, die wegen der Fülle des Laubes beeindruckend intensiv ist.




Die gelblich-grünen Blüten des Spitzahorns - denen des Feldahorns nicht unähnlich - stehen in kurzen, endständigen Rispen aufrecht. Es kommen sowohl zwittrige als auch eingeschlechtige weibliche und männliche Blütenstände vor. Oft – aber nicht immer – sind die Geschlechter auf verschiedene Individuen verteilt, d.h. dass der Baum unvollständig zweihäusig ist. Die Blütezeit ist im April/Mai vor dem Austrieb der Laubblätter. Zu den weniger bekannten Eigenschaften der Blüten gehört ihr enorm hoher Nektargehalt. Für Bienen und Hummeln sind diese frühen Blüten eine wichtige Nahrungsquelle. 

Bis September bilden sich aus den befruchteten Blüten die bekannten, paarweise geflügelten stumpf-winkelig bis waagrecht abstehenden Nüsschen. Die Früchte werden vom Wind verbreitet.

Krankheiten werden dem Spitzahorn nur auf ungeeigneten Standorten gefährlich. Blattkrankheiten der Ahornarten kommen verbreitet vor, sie schädigen aber den Wirt in der Regel nicht. Nur Pilzerkrankungen, verursacht durch Verticilium albo-atrum, können Ahorne gefährden.


Zum Schluss noch einmal die Blätter der drei bei uns heimischen Ahornarten, da darüber oft Unsicherheit herrscht. Ganz links also das Blatt des Spitzahorns, in der Mitte das des Feldahorns und rechts das des Bergahorns.

Und jetzt reiche ich den Staffelstab wieder an euch weiter für eigene Baumposts! Die Verlinkung ist diesmal fünf Wochen geöffnet.





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13 Kommentare:

  1. Ja, die Ahörner sind im Frühjahr einfach wunderschön anzusehen, liebe Astrid...die limonengrünen Blütenpuschel sind einfach zauberhaft. Natürlich auch ihr "feuriges" Laub im Herbst ist ein Highlight. Laubbäume ziehen mich immer mehr in ihren Bann und ich finde sie in den letzten Jahren zunehmend interessanter und wunderschön. Ich habe dir die Pflaumenblüte von unserer Wanderung auf dem Pflaumenweg hier im Münsterland mitgebracht.
    Hab einen feinen Abend - lieben Gruß, Marita

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  2. Was für ein wunderschöner Baum zu allen Jahreszeiten! Ich liebe ja die "Ahörner", aber besonders den Spitzahorn. Liebe Grüße, Sunni

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  3. Bei deinem Bericht erinnerte ich mich wieder daran, dass ich Keimlinge vom Ahorn sammeln wollte und junge Blätter. Beides kann, zwar bitter, in der Küche eingesetzt werden. An Ahorn-Sauerkraut habe ich mich bisher nicht gewagt, da ich generell mit Sauerkraut nichts am Hut habe. Vielleicht dieses Jahr. Wer weiß?
    Viele Grüße,
    Karin

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  4. Liebe Astrid,
    auch bei uns im Garten wächst ein Spitzahorn, den ich aber in den letzten Sommern auch schon gegossen habe, weil er doch recht viele Blätter abgeworfen hatte und ich mir Sorgen machte. Mit den extremen Sommern, die wir jetzt leider immer öfters fürchten müssen, kommt zumindest der Spitzahorn bei uns im Garten nicht so gut zurecht. Das trifft aber auch auf die anderen Bäume in unserem Garten zu.
    Ich wünsche Dir einen guten Start in die neue Woche.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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  5. Der Spitzahorn ist einfach ein wunderschöner Baum mit so schönen Blüten und Blättern. Wir haben auch einen im Garten und ich hoffe, er kommt mit dem Klimawandel zurecht.
    Im Herbst mit der Laubfärbung gefällt er mir am besten.
    Schön hast Du ihn hier vorgestellt!
    Herzlichst, Sieglinde

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  6. Ich mag den Spitzahorn so sehr. In dem Biotop, an dem wir oft vorbei kommen, steht auch ein wunderschönes Exemplar. Wie viele Bäume hat er unter der plötzlichen Schneelast im Winter sehr zu leiden gehabt, dass ein Hauptast abgebrochen ist. Nun bange ich, ob er es überstehen wird.
    Wie schön, dass du wieder so interessantes Wissen über diesen Baum geteilt hast!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. stimmt liebe Astrid, du hast mich daran erinnert, beinahe hätte ich`s vor lauter Garten - umgraben verpasst,
    der Tag der Bäume...
    du hast schöne Exemplare herausgesucht...
    Spitzahorn - wunderschöne Farben...
    Ich muss mal unbedingt gucken - wo - ich einen bei mir entdecke...
    gerne geguckt und geschaut...
    grüß ich dich in deinen Tag...
    herzlichst angel

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  8. Liebe Astrid,

    das ist eine ganz wunderbare Vorstellung des Spitzahorns mit vielen interessanten Fakten, ein besonderer Baum.

    Wir haben zwei Kugelahorne im Eingangsbereich, also die kleinere veredelte Ausführung.

    Liebe Grüße
    von Anke

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  9. ich liebe den spitzahorn sehr und erfreue mich auch fast täglich an den blüten, denn hier in der region wachsen sie doch sehr häufig. bei unseren wanderungen und spaziergängen versuche ich übrigens immer der tochter und herrn mano die unterschiede der ahörner beizubringen. bei der tochter klappt es gut...
    liebe grüße, ich muss noch den maulbeerbaumpost suchen!!
    mano

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  10. Liebe Astrid,
    ja, diese wunderbar frischgelbgrüne Blüte des Spitzahorns, die leuchtet mich zur Zeit auch allerorten an (einige Fotos davon hab ich sogar in meinen aktuellen Post eingebaut, obwohl's dort vor allem um Kirschbäume geht...)
    Hab ein schönes Wochenende und einen guten Start in den Mai!
    Herzlichst, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/04/von-blutenwolken-und-kellergassen.html

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  11. Wie versprochen, hier aus dem eigenen Garten ein Blick auf unser blühendes Apfelbäumchen.

    Hab einen schönen Abend, Grüßle von Heidrun

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  12. ich glaube so einer steht auf dem Spielplatz ;)

    liebe Grüße
    Rosi

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  13. ich glaube so einer steht auf dem Spielplatz ;)

    liebe Grüße
    Rosi

    https://rumpelkammerxxl.blogspot.com

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Ich freue mich eigentlich über Kommentare. Doch es gilt auch die uralte Spruchweisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus." Da wird dann schon mal der Freischaltknopf nicht gedrückt, auch, wenn im Kommentar das Thema verfehlt wird...

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