Donnerstag, 4. Februar 2021

Great Women #248: Annette Kolb

Als ich diesen Post für die Blogparade der Monacensia in der bayerischen Landeshauptstadt vorbereitet habe, bin ich wieder auf ihren Namen gestoßen, ein Name, der in meiner Jugendzeit in den frühen 1960er Jahren noch recht bekannt war. Als Protagonistin der deutsch-französischen Versöhnung und Verständigung spielte sie damals eine ansehnliche Rolle: Annette Kolb.

"Meine Chance besteht 
in der Verachtung der Nazis für Frauengehirne." 

Anna Mathilde Kolb kommt am 3. Februar 1870 in München zur Welt. Sie ist die Tochter des namhaften Gartenarchitekten Max Kolb und der Pariser Konzertpianistin Sophie Danvin. Man munkelt, dass der Vater ein illegitimer Spross des Hauses Wittelsbach sei, doch zu solchen Gerüchten um die Herkunft ihres Vaters wird sich Annette später nie offiziell äußern mögen. Tatsache ist allerdings, dass Max Kolb vom bayerischen Königshaus besonders gefördert worden ist. 

Die 30jährige Mutter wiederum ist eine Tochter eines Landschaftsmalerpaares, Constance Amélie und Félix Danvin, und eine Schülerin des gebürtigen Kölners Jacques Offenbach und als Pianistin durchaus geschätzt. Annette ist die dritte Tochter der Kolbs, die insgesamt neun Kinder haben, von denen aber nur sechs das Säuglingsalter überleben: Louise (*1865), Germaine (*1868), Emil (*1874), Paul (*1876) und Franziska (*1880).  

Blick über den Botanischen Garten Richtung Justiz- und Glaspalast
(ca.1900)
Annette wächst in der Dienstwohnung des königlichen Gartenbauinspektors in der Sophienstraße 7 am alten Botanischen Garten auf. Mit ihnen lebt dort auch die französische Großmutter. 
"Der Haushalt der Kolb wurde in einer bald stadtbekannten Mischung aus Bürgerlichkeit und Bohème, aus finanziellem Leichtsinn und Beinahe - Bankrott geführt - oder vielmehr: improvisiert", beschreibt es Armin Strohmeyr in seiner Biografie
Die Mutter scheint sich in ihre musikalische Welt eingesponnen zu haben und gibt entsprechende Soireen, was mit dem damaligen geistigen Klima in München bis zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870 harmoniert. Der Vater ist eine "umherschweifende Natur, ein Perpetuum mobile, sehr schwer zu fangen, viel auf Reisen (... ) und, obwohl seiner Familie sehr verbunden, oft ungeduldig darüber, daß er sich um jemanden zu kümmern habe. Er liebte die Familie zärtlich aus der Ferne...", wird die Tochter ihn später charakterisieren. "Zuerst kamen die Gärten."

Die kleine Annette zeigt schon früh einen "Hang zur Melancholie, eine Uneinigkeit mit sich selbst, das Bewußtsein eigener Unzulänglichkeit, vermehrt um eine gewisse hektische Ungeduld mit sich und anderen." ( Armin Strohmeyr ) Eine Erfahrung als Fünfjährige bei einem Urlaub in Tirol, als sie in einem Mühlbach treibend sich mit großer Anstrengung noch vor dem Mühlrad retten kann, lernt sie, sich von schrecklichen Gefahren nicht lähmen zu lassen, was ihr später auf der Flucht vor den Nazis zugute kommen wird. Mit Hilfe eines "alten Fräuleins" bringt sie sich selbst das Lesen bei, bevor sie in die Schule kommt. "Bücher waren meine Puppen."

Kloster Thurnfeld

1876 wird sie im Internat bei den Salesianerinnen von Thurnfeld bei Hall in Tirol untergebracht. Der Grund dafür ist nicht das pädagogische Renommée der Einrichtung, sondern ein pekuniärer: 

Der Vater bekommt für die neuen Gartenanlagen, die er dort gestaltet hat, nämlich keine finanzielle Gegenleistung, stattdessen eine kostenfreie Schulzeit für seine Tochter. Für das Mädchen wird diese Zeit aber zur Qual: 

Der spartanische und restriktive Internatsbetrieb ist für die von zu Hause an Freiheit gewöhnte Annette nicht geschaffen. Sie leidet unter den Zurechtweisungen der Nonnen, ihrer Härte & Abgestumpftheit, sie leidet unter ihrer heuchlerischen Frömmigkeit und ihrem Mystizismus. Annette, die dennoch gläubige Katholikin bleiben wird, erfährt eine echte Persönlichkeits- & Glaubenskrise.

Annette ( Mitte )
mit ihren Schwestern Louise und Germaine
(1885)
Neben den seelischen Schäden trägt sie zudem bis ins Erwachsenenleben an den geistigen Versäumnissen der Schule, die weder auf klassisch-humanistische Bildung noch eine handwerkliche Ausbildung Wert legt. Zudem haben Kälte, Hunger & Mangelernährung ihre körperliche Verfassung beeinträchtigt, auf die ihr ausgesprochen schütteres Haar hinweist ( und weshalb sie immer Hüte tragen wird, es sei denn, sie ist alleine ). 

Schließlich erbarmt sich die Mutter der Tochter und holt sie 1882 nach München zurück, wo Annette das Aschersche Institut als Externe besucht.

Von der Mutter wird sie im Klavierspiel unterwiesen und mit deren Leidenschaft für Richard Wagner infiziert. Dessen Schriften werden Annette eine Lebenshilfe und bringen sie durch die Krise der Adoleszenz, auch, weil ihr die Kunst nun Religionsersatz wird. Unter unserer heutigen Sichtweise auf Wagner ist es allerdings nicht mehr nachvollziehbar, dasWagners nationalistische und antisemitische Denkungsart dem jungen Mädchen zu Liberalität und Kritikfähigkeit verholfen hat, dass sie ihm "den Glauben an die Kraft der Gesinnung, an das umstürzlerische Moment des  Ideals" verdankt. Mithilfe seiner Gedanken kann sie sich nach eigener Aussage aus ihrer Mutlosigkeit jener "greisenhaft verlebten Jugend" befreien und das Bewusstsein eines Rechts auf eigene Meinung entwickeln, die sie mitunter verteidigt mit: "Ich habe  etwas zu sagen. Was ich zu sagen habe ist wichtig."

So tritt sie denn auch gegenüber Zeitungsverlagen auf, denen sie ab 1900 ihre Artikel zur Veröffentlichung anbieten wird. Im Jahr zuvor hat sie ihr erstes Buch "Kurze Aufsätze" selbstfinanziert herausgegeben, das allerdings eher zum Gespött in ihren Münchner Kreisen wird.

Dort, im Salon der Mutter trifft Annette auf zahlreiche Künstler, Bohèmiens und Diplomaten, die sie auch in verschiedene europäische Länder einladen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts reist Annette Kolb also  unabhängig und ohne männliche Begleitung. Das Reisen ist wichtig fürEntwicklunng ihrer Intellektualität und späteren Weltläufigkeit.

Im französischen Diplomaten Camille Barrère findet sie nicht nur jemanden, der gemeinsam mit ihr musiziert, mit ihm verbindet sie auch die Überzeugung, dass  die Politik - 1888 ist in Berlin Wilhelm II. an die Macht gekommen, dem Annette sehr misstraut - den Menschen eine Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich förmlich einrede. Sie entwickelt in diesem Sinne eine Art Privatdiplomatie, muss aber auch erkennen, dass man eine junge Frau und beginnende Schriftstellerin nicht ernst nimmt. Eine lebenslange Freundschaft erwächst in jenen jungen Jahren auch zum künftigen Diplomaten Richard von Kühlmann, der wie Annette für die Völkerverständigung eintritt, womit er sich später viel Kritik einhandeln wird.

1900
Doch das Leben ohne Beruf erscheint der jungen Frau bald schal, und auf Rat des väterlichen Freundes Adolf von Hildebrandt geht sie täglich ins Café Fahrig am Karlstor - "wie ein Mann in seine Kanzelei geht" - und schreibt dort täglich zwei Stunden. Ihre schriftstellerischen Anfänge "waren brav und alles andere  als außergewöhnlich: Rezensionen und Betrachtungen über Pianisten, Künstler, Opernaufführungen [... ] Reiseimpressionen aus Rom und Paris", und ihre Lebensumstände geprägt von Anspruch und Wirklichkeit, denn sie bleibt weitgehend mittellos, muss doch die Familie die Mitgift der Schwestern für die Spielschulden des Bruders Emil opfern, der 1896 Deutschland fluchtartig verlassen hat.

Annette selbst lebt lange von Übersetzungsarbeiten - sie spricht neben Französisch und Deutsch auch gut Italienisch und Englisch - u.a. "Die Briefe der Heiligen Catarina von Siena" 1906 und kann schließlich & endlich die Novelle "Torso" in der "Neuen Deutschen Rundschau" bei S. Fischer, dem führenden Literaturverlag der Zeit, unterbringen. 1906 erscheint auch ihr Essayband "Sieben Studien. L’Ame aux deux patries", der ihr den Vorwurf einbringt, sie solle das Politisieren den Berufspolitikern  überlassen, und der sich als schwer verkäuflich herausstellt. "... ich sehe nicht ein, warum ich nicht in hundert Jahren recht haben sollte," so ihre Reaktion. Ihr Kollege & Freund Franz Blei, Lektor im Verlag der Weißen Bücher, unterstützt sie, indem ihr immer wieder neue Übersetzungsaufträge verschafft.

Ende 1908 heiratet Annettes geliebte Schwester Germaine einen englischen Literaturprofessor aus Dublin. Die Trennung von der Schwester verkraftet sie schwer, aber sie wird aufgrund der vielen Reisen ins Land dieses in ihr Herz schließen und die erste sein, die die "Grüne Insel" literarisch entdeckt ( mit Heinrich Böll, dem dieses Verdienst gewöhnlicherweise bei uns zugerechnet wird, wird sie 1960 in Köln gemeinsam den Literaturpreis der Stadt erhalten und bemerken, dass sein "Irisches Tagebuch" nicht so ganz stimme ). 

In diesen Jahren scheint bei Annette die Einsicht gewachsen zu sein, ihre Erfüllung nicht in der Beziehung zu einem Mann zu sehen. Schon seit 1902 hegt & pflegt sie eine Freundschaft mit dem englischen Diplomaten John Ford, Legationssekretär an der britischen Botschaft in München. Doch das ganze scheint eine eher unglückliche Liebelei gewesen zu sein. "Ich konnte mich verlieben. Aber heiraten wäre mir ein schrecklicher Gedanke gewesen. Dazu fand ich mich nicht schön genug."
 
Ihr erster Roman "Das Exemplar", 1913 mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet, setzt jenem John Ford als "Exemplar" ein Denkmal: Mariclée - Annettes alter ego - reist nach England, um ihn zu treffen, verpasst ihn aber um einen Tag, und vertreibt sich demzufolge die Wartezeit in London, England und Irland, bis sie ihm schließlich in Begleitung seiner Ehefrau und Schwiegermutter auf einem Passagierschiff begegnet- alles andere als eine klassische Liebesgeschichte!

Da wundert es einen denn auch nicht, dass Annette in ihren Aufsätzen den Standpunkt äußert, dass es nicht die Emanzipation sei, die die Liebe verhindere. Vielmehr sei es die neue Kälte des modernen Mannes und seine Passivität, die die Frauen zur Emanzipation getrieben habe.

Mit "Das Exemplar" ist der inzwischen 43jährigen Schriftstellerin endlich ein großer Erfolg beschieden. Rainer Maria Rilke gratuliert ihr in einem Brief:
"[...] aber nun kann ich Ihnen, gar nicht rasch genug für mein Bedürfnis, versichern, wie schön, wie vollkommen, wie meisterhaft der Schluß vom "Exemplar" ist. Wenn nicht diese infame Entfernung wäre, ich würde Ihnen alle Blumen ins Haus schicken, die ich zu sehen bekomme, um nur etwas zu tun, was meiner Freude und Ergriffenheit gleichkommt, denn Worte sind da schon zu weit und urteilerisch, so was müßte im Schweben bleiben und schwebend sich mitteilen."

Aber nicht nur Irland wird eine große Liebe der Schriftstellerin, auch Österreich, welches sie durch Einladungen ihres Verlegers Samuel Fischer in seine Villa in Bad Ischl im Salzkammergut kennenlernt. Sie ist allerdings auch überzeugt, dass dem "Bayern [... ] die Liebe zu Österreich angeboren" sei. "Seine einzige Sentimentalität ist Österreich, seine einzig instinctive Abneigung ist Preussen."

Ja, Preußen! Die Freude über ihren literarischen Erfolg wird bei Annette getrübt durch die sich immer stärker zuspitzende politische Situation in Deutschland unter der Führung dieser Preußen und das Scheitern der Bemühungen ihrer diplomatischen Freunde. Sie selbst versucht mit den ihr eigenen publizistischen Mitteln gegen das drohende Unheil anzuschreiben. In "Wege und Umwege" sind u.a. kritische Abhandlungen über die Völkerfeindschaft enthalten. Es erscheint justament am Tage des Kriegsausbruches. Und der ist für Annette ein primär männliches Problem ( "jene Meisterprobe männlicher Stupidität" wird sie noch 1932 schreiben ).

Georg Kolbe: Annette Kolb
(1916)
Sie beobachtet, wie die Propaganda nun auch die Atmosphäre in München verändert, die Menschen in - je nach Gesandtschaft oder Konsulat, vor dem sie sich versammeln - Jubelnde oder Tobende verwandelt, "sanfte, friedliebende Damen" "ganz wilde Geschichten" herbei fantasieren, aufbrausend und leichtgläubig werden. 

In Annette hingegen formt sich der Widerstand gegen die sinnlose Kriegsführung und die Hetze und sie vernetzt sich mit Gleichgesinnten wie u.a. Rilke und Franz Blei. In diese Zeit fällt auch die Bekanntschaft mit René Schickele, mit dem sie bald eine besonders enge Freundschaft verbinden wird. Auch er hat deutsch-französische Eltern und kann den Konflikt, der Annette zentrales Lebensthema werden wird, gut nachempfinden.

Hohe Wellen bzw. Tumulte schlägt dann ihre pazifistische Rede vor der Literarischen Gesellschaft in Dresden 1915. Sie übt darin u.a. scharfe Kritik an der kriegstreiberischen Hetze, die in deutschen und französischen Zeitungen an der Tagesordnung ist. Sie wird niedergeschrien, und die Versammlung aufgelöst. Selbst ihren Freund Thomas Mann, in dessen Haus in Bogenhausen sie schon lange verkehrt, schont sie in dieser Rede nicht und kritisiert sein Bekenntnis zum Unpolitisch-Sein. Eine Verstimmung bleibt nicht aus.

Persönlich belastend ist in diesem Jahr zudem der Tod der Mutter im Mai 1915 und der des Vaters sechs Monate später.

Doch politisch einschüchtern lässt sich Annette nicht: Als sie im Jahr darauf die "Briefe einer Deutsch-Französin", in denen sie sich nachhaltig für eine Aussöhnung und Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich einsetzt, erscheint, wird ihr endgültig das Etikett der Vaterlandsverräterin angeheftet. Sie wird vom bayerischen Geheimdienst überwacht, und ihre Post ohne ihr Wissen kontrolliert. "Die Akten über Annette Kolb zeigen, daß die Geschichte des Geheimdienstes schon lange vor Gestapo und Staatssicherheit ansetzt", schreibt dazu Armin Strohmeyr. 

Von links nach rechts:
Adolf von Hildebrand, Franz Blei, René Schickele, Thomas Mann, Harry Graf Kessler






Schließlich verhängt das bayerische Kriegsministerium wegen "pazifistischer Umtriebe" eine Reise- und Briefsperre. Daraufhin setzt Annette sich mit einer Ausnahmegenehmigung, die auf Betreiben Walter Rathenaus erlassen wird, im Februar 1917 in die Schweiz ab und hat fortan in Bern ihren Stützpunkt, treibt aber umher zwischen allen Städten & Kantonen, um sich mit Freunden wie Gegnern auszutauschen. Moralische und materielle Unterstützung erfährt sie im Exil durch René Schickele und den französischen Schriftsteller Romain Rolland. Sie wiederum verhilft über ihre Bekanntschaft mit dem Diplomaten Harry Graf Kessler, zu dieser Zeit in Bern tätig, französischen Familien aus Elsass-Lothringen, denen die Abschiebung droht, zu Schweizer Pässen.

Ihr eigener  Pass ( hier zu sehen ), der ihr die Ausreise ermöglicht hat, ist auf immer mit einer besonderen Anekdote aus Annette Kolbs Leben verbunden: Auf ihm ist nämlich das Geburtsdatum durch einen Tintenfleck verdeckt. Und bei der Neuausstellung 1919 wird als Geburtsdatum 1875 eingetragen, nachdem Annette dem ausstellenden Beamten erklärt hat, dass ihn ihr Alter nichts angehe. Gelegentlich der Feier zu ihrem 90. Geburtstag lässt sie die Sache auffliegen...

"Als Kaiser Wilhelm II. am 9. November zurücktrat, notierte sie dies emotionslos in ihrem Tagebuch. [... ] Nur als sie die Nachricht erhält, das Haus Wittelsbach sei gestürzt, empfindet sie für einen Augenblick nostalgische Trauer."

Doch den vom Volk geschmähten Ludwig III. ist Annette dann doch froh los zu sein. Sie hegt eine große Sympathie für die bayerische Republik unter Kurt Eisner, bleibt aber vorerst bei René Schickele in Uttwil am Bodensee, um erst im Herbst 1919 nach Deutschland zurückzukehren. Dort bleibt sie ohne festen Wohnsitz, ist also ständig auf Reisen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien. 

Kolb-Haus in Badenweiler
Da auch die Phalanx der einst pazifistischen Freunde allmählich  zerfällt - "Zarastro. Westliche Tage" von 1921 berichtet davon, quasi ein "Tagebuch der Enttäuschungen" - wächst die Sehnsucht nach einem Zuhause, wo sie sich wieder mehr auf ihre schriftstellerische Tätigkeit konzentrieren kann. Zudem kränkelt die inzwischen über Fünfzigjährige, die sich in den Jahren zuvor oft körperlich wie geistig zu stark gefordert hat.

Gerne greift sie darum den Vorschlag ihres Freundes Renée Schickele auf, nach Badenweiler zu kommen, einem kleinen Kurort im Markgräfler Land nahe der französischen und schweizerischen Grenze. In der Nachbarschaft zum Ehepaar Schickele lässt sie ein Haus mit freiem Blick auf den Rhein und die Vogesen bauen. "Was mir an meinem mannshohen Hause am besten gefällt, so muß ich sagen: es ist dessen Weite."

Die Zeit zwischen 1922 und 1933 wird nun die produktivste und wahrscheinlich glücklichste Phase in Annettes Leben. Sie genießt Anerkennung bei Leserschaft, Kritikern und Kolleg*innen und wird auf eine Stufe mit Thomas Mann, Hermann Hesse oder Stefan Zweig gestellt. Mit den Kollegen kommt die ihre Marotten pflegende alternde Schriftstellerin nicht immer gut aus, "ihr wachsender literarischer Ruf macht sie spottlustig und unbequem." Und neben der Verehrung durch ihre Anhänger gibt es auch nach wie vor verleumderischen Kampagnen, besonders in ihrer Heimatstadt, nicht nur von rechtsnationalen, franzosenfeindlichen "Patrioten", sondern Damen der Münchner "Gesellschaft", die Annette zu schaffen machen. Auch in der Freundschaft zu den Schickeles herrscht nicht nur eitel Sonnenschein, denn Annette ist besitzergreifend, kokettiert mit ihrer Hilflosigkeit & Ungeschicktheit, um ihre Erwartungen an die Familie, besonders René, durchzusetzen.

Doch immer wieder ist sie auch unterwegs auf Reisen, was Spannungen abmildert, zu Lesungen, Verhandlungen mit Verlegern, Konzerten, Besuche bei Freunden. Sie nimmt an Treffen des "Cercle de Colpach" in Luxemburg teil, die der Förderung der deutsch-französischen Beziehungen als Kern einer künftigen friedlichen, europäischen Einigung dienen sollen. 1926 ist sie als deutsche Vertreterin bei der 3. Generalversammlung des Verbandes für Kulturelle Zusammenarbeit in Wien, die das Ziel einer geistigen Annäherung und Kooperation der europäischen Staaten hat. "Ihre Reisen waren ihr Zerstreuung, Manie und Beschwernis zugleich. Immer wieder wurde sie dabei krank und sehnte sich reumütig nach Badenweiler zurück.

1928 erscheint Annette Kolbs zweiter Roman "Daphne Herbst", benannt nach einer strahlend jungen Frau der Münchener Gesellschaft der Prinzregentenzeit, für die ihre Schwester Germaine die Vorlage gegeben hat. Die Auflösung der feudalen Gesellschaft vor dem 1. Weltkrieg gibt den Hintergrund ab für eine romantische Liebesgeschichte zwischen einer Katholikin und einem Hugenottenabkömmling. Der angesehene Gerhart-Hauptmann-Preis, ihr 1931verliehen, würdigt ihre Leistungen als Chronistin der "Belle Epoque".

Sorgen bereitet Annette die politische Entwicklung, die Massenarbeitslosigkeit, die Straßenschlachten, die Regierungskrisen in Deutschland. Sie glaubt zwischenzeitlich an eine "Anti-Hitler-Welle" vor der Reichstagswahl und setzt auf die Intellektuellen, vermittelt unter ihnen bei Kontroversen, bleibt aber unversöhnlich bei Abtrünnigen wie dem "Simplicissimus"- Zeichner Olaf Gulbransson, der noch 1930 eine karikaturhafte Titelzeichnung von ihr für ihr Buch "Kleine Fanfare" geschaffen hat und nun als Franzosenhasser auftritt.

"Nein es ist kein Scherz lebenslänglich nirgends ganz daheim zu sein", schreibt Annette Kolb 1932 an Kurt Tucholsky. Das Ehepaar Schickele verlässt schon im gleichen Jahr Deutschland in Richtung Südfrankreich - ein Schlag für die Schriftstellerin! Bei einer Gesellschaft bei Thomas Mann in München wird sie damit konfrontiert "in den Händen der Juden zu sein". Nach damaliger Logik konnte eine, die frankophil ist, eben nur Jüdin sein.

Einziger Lichtblick in diesen Tagen: Sie macht den Führerschein und erwirbt einen kleinen Ford. Von ihren besorgten Freunden erhält sie allerlei Christophorus - Plaketten dafür.

Und dann wird auch schon ein neuer Abschnitt im deutsch-französischen Drama der Annette Kolb eingeläutet. Am Tag des Wahlsiegs der NSDAP 1933 schaltet sie das Radio an, um eigentlich ein Konzert zu hören: 

"Und statt dem kommt der Hitler. Und da habe ich mir gesagt: Das ist der Krieg! Bei dieser hündischen Bosheit! Diesem Hass!"...."Dann Worte, von mir zum ersten- und letzten Mal vernommen – in einem niederträchtigen Deutsch, eine Stimme, die in Gebell ausartete. Töne und Untertöne des Hasses, der Rachgier, der hündischen Wut... Vom Bewusstsein der Macht war dieser unbefugte Redner getragen, und wenn er sie behielt, dann war Krieg, ein neuer, unmenschlicher Krieg unabwendbar. Aber nicht mit mir."

Am 21. Februar packt sie ihre Koffer, besteigt ein Taxi, das sie an die nahe Schweizer Grenze bringt, zuvor gewarnt vom Kollegen Manfred Hausmann, der ihren Auftritt beim Westdeutschen Rundfunk vom 5. Februar gehört hat: "Und das, was Sie geäußert haben kann Ihnen von einem wohlwollenden Staatsanwalt glattweg als Hochverrat oder Landesverrat (...) ausgerechnet werden. Die Folgen kennen Sie."  

Ob ihr klar gewesen ist, dass sie so schnell nicht wiederkehren wird? Jedenfalls sinkt sie auf Basler Boden auf die Knie. Dann macht sie sich nach Luxemburg auf, wo sie eine Freundin durch den "Cercle de Colpach" hat. Verschiedene Orte in der Schweiz, in England, Irland und Frankreich folgen, bevor sie sich 1934 mit Hilfe des emigrierten Bankiers & Sozialdemokraten Hugo Simon in Paris in der rue Casimir Périer niederlassen kann. Anna Schickele ist es unterdessen gelungen, in Badenweiler Teile ihrer Möbel mittels einer Spedition auf den Weg nach Paris zu schaffen, eine andere Freundin überführt das Auto mit weiteren Wertgegenständen in die Schweiz. 

In Paris kommt Annette schnell zurecht, es bleiben - wie so oft - die Finanzen als ihr Hauptproblem. Eine beachtliche literarische Produktivität ist die Folge. Sie kann sogar den noch schlechter gestellten Freund Schickele - "René, halt mer z'amm" - unterstützen ( auch wenn sie dafür einmal Thomas Mann anbetteln muss ). 1934 kommt ihr Roman "Die Schaukel" heraus, der mit einer Anmerkung zur Romanfigur Frau James, einer Jüdin, ihren Verleger Gottfried Bermann Fischer ganz schön in Verlegenheit bringt: In dieser Anmerkung spricht der jüdische Bevölkerung Deutschlands die Anerkennung ihrer Leistungen für das Land aus ( ab der 6. Auflage muss das gestrichen werden, mehr passiert allerdings nicht ). 

Ab da enthält sie sich dann öffentlicher politischer Äußerungen, denn nach dem von ihr  "Emigrantenparagraph" genannten "Gesetz über Widerruf von Einbürgerungen und Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit" vom 14. Juli 1933 droht ihr nicht nur der Verlust ihres Hauses und ihrer Ersparnisse, sondern auch der der zu erwartenden Honorare, also eine missliche materielle Situation. Auf diesem Hintergrund ist auch ihre Rolle im Eklat um Klaus Manns Exilzeitung "Die Sammlung" in jenen Tagen zu verstehen, bei der sie abgelehnt hat mitzumachen. Im Nachhinein beurteilt Annette Kolb ihr Verhalten als "Emigrantenpsychose".

Der bereits erwähnte Roman "Die Schaukel" mutet sehr modern an, denn er setzt sich kühl & ironisch mit der feinen Münchner Gesellschaft  auseinander, allerdings ohne genaue Chronologie oder feste Handlungsstränge. In der Familie Lautenschlag charakterisiert sie auch sich selbst und ihre Familie.

"Es ist die Chronik eines Jahres aus dem Leben der musisch hochbegabten, durch ihre prekäre finanzielle Situation und kritisch-unabhängige Haltung in gesellschaftlichen Fragen jedoch randständigen Familie Lautenschlag. Ihr Grundbefinden pendelt ständig zwischen originärer Lebensfreude und einer gesellschaftlich und finanziell bedingten Lebensangst. Die Chronik setzt ein mit der Nachricht vom Brand des Münchner Glaspalasts am 6. Juni 1931, in dessen unmittelbarer Nähe sich das Wohnhaus der Familie Kolb befunden hatte." ( Edda Ziegler an dieser Stelle )

Joseph Roth reagiert begeistert: "Sie schreiben, wie ein Vogel und ich wie ein Elephant. (... ) Jeder Satz eine Perle, jedes Bild ein Leben, jeder Gedanke eine Wahrheit, jede Beobachtung eine Weisheit." Das Buch ist bis heute das beliebteste Kolb - Buch & wird übrigens 1983 von Percy Adlon verfilmt werden.-

Die französische Staatsangehörigkeit, die "Naturalisation", bekommt Annette schließlich 1936 verliehen:

"O, ich hätte eine so kategorische Entfremdung von Deutschland nicht für möglich gehalten. Abneigung, Kälte, so gern man die Natur und die Einzelnen hat, mais l’ensemble. - Es war keine schmerzhafte Trennung, aber es ist ein endgültiger Bruch, ein Nichtdazugehören bis ins Tiefste."

Sie kann, dank einer frappierenden Erklärung gegenüber dem "Reichsverband deutscher Schriftsteller" einen Zwangseintritt in die Organisation verhindern, indem sie sich zur ausschließlichen Pianistin erklärt, und weiter unbehelligt publizieren. 1937 kann sie noch ihre Mozart - Biografie herausbringen, die von Schubert entsteht dann unter extremen Exilbedingungen - "unter Angstzuständen"- und erscheint 1941 bei Bermann Fischer in Stockholm und 1942 bei Allert de Lange in Amsterdam, denn inzwischen hat sich alles in eine noch dramatischere Richtung weiterentwickelt:

Nachdem die Nationalsozialisten im September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen haben und 1940 in Frankreich einmarschiert sind, muss sich Annette Kolb wieder auf die Flucht begeben. Mit dem letzten Zug erreicht sie noch vor dem Eintreffen der Deutschen in Paris im Juni Vichy. Von dort gelangt sie mit Hilfe des Schweizer Gesandten Ende August nach Genf. 

Doch die Angst, dass Hitler auch die Schweiz überfallen könnte, lässt sie nach Auswegen suchen. Es ist äußerst bedrückend zu lesen, was diese 71 Jahre alte Frau mitmachen muss, um Einreisegenehmigungen für Spanien, Portugal und die Vereinigten Staaten zu erhalten, die zeitlich aufeinander abgestimmt sein müssen, Züge, Flugzeuge, Hotelzimmer zu organisierenm wie oft sie "je suis perdue"murmeln muss und sich ihr dann doch in aussichtsloser Situation eine neue Perspektive eröffnet. Was ihre Finanzen anbelangt, gibt es auch immer wieder Hilfe, und letztendlich schafft sie es Ende März 1941 auf einen Flieger, der sie von Lissabon nach New York bringt.

Welch ein Unterschied zu ihrem ersten Besuch anlässlich einer Einladung des PEN - Clubs als Ehrengast im Mai 1939! Sie sei "dankbar und unglücklich" äußert sie sich gegenüber Alma Mahler - Werfel. Immerhin ist sie in der Lage, sich auf Englisch zu verständigen, doch dem harten journalistischen Geschäft ist sie nicht gewachsen und dem Stadt - Moloch New York mit seinem Tempo erst recht nicht. "Ich bin zu alt, um anderswo Wurzeln zu schlagen, obwohl ich dieses Land bewundere, je mehr ich es kennenlerne," wird sie rückblickend 1944 schreiben. Wovon sie in den viereinhalb Jahren auf amerikanischem Boden lebt, ist kaum rekonstruierbar.

In Klaus Manns Exilzeitschrift "Decision" warnt sie davor, den Nationalsozialismus allein als ein deutsches Problem zu betrachten.  Solche kritischen Worte werden in Amerika nicht gern gehört, doch bespitzelt, wie andere Exilanten, wird sie nicht.

Der D-Day bzw. die Tatsache, dass Charles de Gaulle, Chef des französischen Komitees für die nationale Befreiung (CFLN), Mitte Juni 1944 wieder den Boden seines Heimatlandes betritt, weckt in Annette Hoffnung. De Gaulle wird ihr Held, und als er einen Monat später Gast der französischen Kolonie in New York ist, ist sie selbstverständlich dabei. Sie sieht ihn als "Garant ihrer seit Jahrzehnten verfochtenen geistigen und politischen Visionen."

Bevor der Krieg endgültig zu Ende ist, hat Annette noch einen Unfall: Sie wird von einem Bus angefahren und muss an Krücken gehen. Hilfreich zur Hand geht ihr eine Nichte Samuel Fischers, Ruth Landshoff - Yorck. Doch als sich im Frühjahr 1945 die alliierten Truppen auf Berlin zubewegen, wird der Wunsch, nach Europa zurückzukehren trotz ihrer Handicaps groß. Aber erst am 25. Oktober kann sie den Rückflug antreten, zunächst nach Irland, wo sie vorübergehend bei ihrer Schwester lebt. Im unzerstörten Irland kann sie sich noch keine Vorstellung machen, wie zerstört ihre beiden Heimatländer sind.

In Badenweiler
(1960er Jahre)
Im November fährt sie in die Schweiz und dann nach Frankreich, wo sie das ganze Ausmaß der Zerstörung & des Leids erschüttert. Ihre Pariser Wohnung findet sie von einem  Paar Kollaborateure belegt. Den deshalb geführten Prozess verliert sie aber, und so wird das Hotel Cayré ihr hauptsächlicher Wohnsitz bis 1961 bleiben. 1946, als sie ein Einreisevisum erhält, fährt sie nach Badenweiler & München. In Deutschland trifft sie statt auf Reue vor allem auf Verdrängung und Selbstmitleid und sie fühlt sich nicht willkommen:

"Es gibt viele nationalsozialistische Naturen, die geblieben sind als Erben. Und das ist das, was mich entfremdet, was mich unglücklich macht." 

Deshalb vermietet sie 1949 ihr Haus und bleibt eine "unruhige Wanderin" zwischen den Städten und Ländern. Geldnöte zwingen sie dazu, bis ins hohe Alter weiter zu schreiben. 1947 kommt ihr Buch "König Ludwig II. von Bayern und Richard Wagner" sowohl in Amsterdam wie Paris heraus. Auch Übersetzungsarbeiten übernimmt sie wieder. 

Schon im Oktober 1946, zunächst in Genf, beginnt sie auch wieder für die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu werben. 

Ab den 1950er Jahren wird sie dann aber mit Ehrungen überhäuft: 1950 erfolgt die Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste, 1951 wird ihr der Kunstpreis für Literatur der Stadt München verliehen, 1955 der Goethe-Preises der Stadt Frankfurt am Main, 1959 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, überreicht in Paris. 1961 wird sie dort zum "Chevalier de la Légion d’Honneur" ernannt, erhält den Bayerischen Verdienstorden und den Literaturpreis der Stadt Köln. 

Bei den Nachkriegslesern kommt ihre Art des Schreibens, ihre Literatur beim Publikum nicht mehr an, doch ihre politische Idee der deutsch-französischen Aussöhnung trifft endlich auf breiten Widerhall. Eng schließt sie sich, die in der Weimarer Republik eher "links" Verortete, nun dem konservativen deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer an, den sie verehrt.

Im Mai 1961 dann doch eine Heimkehr in ihre Geburtsstadt: Sie nimmt endgültig Wohnsitz in der Händelstraße 1 in Bogenhausen. Richtig zuhause fühlt sie sich nicht in der Enge ihrer Heimatstadt.  Doch als Charles de Gaulle 1962 zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in die junge Bundesrepublik kommt und in München mit großem Zeremoniell empfangen wird, kommentiert sie das in "Zeitbilder", einem ihrer letzten Bücher, dann doch zufrieden:

"Das bayerische Volk ist wieder, wie es war: friedliebend und ohne Hass auf andere Völker. Wie hat es die von der Bonner Regierung zustande gebrachte deutsch-französische Versöhnung und Verständigung von Herzen aufgenommen! Immer mit dem Ruf: 'Vive de Gaulle!' – diese guten Bayern, von denen die wenigsten ein Wort Französisch lernen durften."
Noch im Alter von 97 Jahren, im März 1967, erfüllt sich ein Herzenswunsch und sie kann nach Israel fliegen. Diesmal kann sie ihre Eindrücke nicht mehr schriftlich festhalten, da sie fast blind ist. Im Herbst des gleichen Jahres lassen ihre Kräfte immer mehr nach. So stirbt sie am 3. Dezember 1967, drei Stunden nachdem sie noch Klavier gespielt hat. Ihre letzte Ruhestätte findet sie auf dem kleinen Bogenhausener Friedhof von St. Georg.

"Von ihr hatte sich in den 50er und 60er Jahren das Bild festgesetzt, sie sei eine schrullige und liebenswürdige Alte, die riesige Hüte trägt, ein Schafsgesicht besitzt, die sonntags nach der Messe zum Weißwurstessen in den Franziskanerkeller geht und mit Prinzen und Baronessen verkehrt. Wenngleich Goppel dies in seinem Brief so nicht ausdrücklich schreibt: der Hinweis, Annette Kolb gehöre "zu den unseren", schiebt sie doch – bewußt oder unbewußt – in die Ecke des Heimatlichen, Folkloristischen, Vaterländischen. Gerecht wird er der komplexen und paradoxen Persönlichkeit der Jubilarin damit nicht. Und er legt sie auf ein Bayernbild fest, das sie in so einfacher, fest umrissender Form nie erfüllte und auch nie erfüllen wollte. " ( Armin Strohmeyr an dieser Stelle )

Erstaunlich, dass in 23 Städten der Bundesrepublik ihr Name durch Straßenwidmungen lebendig gehalten wird, darunter Bremen, Erlangen, Hannover, Ingolstadt, Kassel, Köln, Leonberg, Leverkusen, Ludwigshafen, Nürnberg, Ratingen. Schon seit März 1966, also noch zu ihren Lebzeiten, trägt das "Städtische Mädchenrealgymnasium mit Oberrealschule Traunstein" auf eigenen Wunsch den Namen "Annette-Kolb-Gymnasium, Neusprachliches und Sozialwissenschaftliches Gymnasium für Mädchen". 

Aber erst 2017 werden ihre "eigensinnigen" Werke erst wieder durch eine vierbändige Ausgabe von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung im Wallstein Verlag, betreut durch Hiltrud und Günter Häntzschel, einer heutigen Leserschaft zugänglich gemacht. Auch für mich eine Aufforderung, mich mit mit den Werken der "Tochter zweier Vaterländer" bekannter zu machen.







Kommentare:

  1. Auf den Bogenhausener Friedhof wollte ich eh mal wegen der Liesl Karlstadt. Annette Kolb ist dort ja in bester Gesellschaft, sind ja noch ganz viele KünstlerInnen dort begraben. Dass sie in ihrer Geburtsstadt München ihre letzte Ruhestätte gefunden hat, sie die zeitlebens Ruhelose, freut mich für sie.
    Ich habe noch nie etwas von ihr gelesen, aber natürlich war sie mir über ihre politischen Ambitionen bekannt. Da hat sie ihre deutsch-französische Herkunft sehr gut ins Spiel gebracht.
    Ein wahrhaft wechselhaftes Leben und so lang. Das alles wusste ich nicht.
    Danke für dieses höchst interessante Portrait, liebe Astrid.
    Herzlichst, Sieglinde

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  2. Bislang kannte ich zwar Annette Kolbs Namen und nur wenig über ihr Werk und Leben. Diese Lücke hast Du wieder aufs Interessanteste aufgefüllt.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Danke dafür! Badenweiler, René Schickele, Romain Rolland, das sind für mich so viele vertraute Namen. Dieser Wahnsinn der Gesinnungsdiffamierung, Pazifismus als Schimpfwort, die ewig wiederkehrende Entwurzelung. Das ist gerade auch mein Lesethema.
    LG
    Magdalena

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  4. Danke, es war wie immer sehr informativ, ich freue mich immer über Deinen Donnerstag der starken Frauen.
    LG
    Gritli

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Ich freue mich eigentlich über Kommentare. Doch es gilt auch die uralte Spruchweisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus." Da wird dann schon mal der Freischaltknopf nicht gedrückt, wenn der Ton daneben ist...

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