Sonntag, 30. August 2020

Mein Freund, der Baum: Olivenbaum

Als Kind kannte ich Olivenbäume eigentlich nicht und brachte sie auch nicht mit den Ölbäumen in den Geschichten in der Bibel in Verbindung, die ich leidenschaftlich gerne im Religionsunterricht der Grundschule illustriert habe. Das sahen sie halt aus wie die Bäume, die ich kannte. Beim ersten Rombesuch haben sie mich irgendwie auch nicht interessiert, aber dann begannen sie mich auf allen Reisen in mediterrane Breiten zu faszinieren, und ich hab eigentlich viele Geschichten rund um Olivenbäume zu erzählen. Aber heute geht es mir nur um die Botanik.


"Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück 
und siehe: 
In ihrem Schnabel hatte sie 
einen frischen Ölzweig. 
Da wusste Noach, dass das Wasser
 auf der Erde abgenommen hatte."
Genesis 8,11

Der Olivenbaum Olea europaea, eben auch Ölbaum genannt, gehört zu den ältesten Kulturpflanzen. Funde aus der Jungsteinzeit in Italien belegen, dass er seit dem 4. Jahrtausend vor unserer Zeit als Nutzpflanze angebaut wird, nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch im Nahen Osten und in Afrika. Fossile Funde von Blattabdrücken auf den Ascheablagerungen des einstigen  Vulkans auf der heutigen Insel Santorin belegen, dass Olivenbäume schon vor 54.000 Jahren im Mittelmeerraum vorhanden  waren.

Mit seinem silbergrauen Laub ist der Baum in unserer Vorstellung charakteristisch für den Mittelmeerraum und von starker Symbolik  auch in anderer Hinsicht: Schon in der Antike stand Olivenlaub als Zeichen für den Frieden, wird, wie schon geschrieben, in der Bibel, aber auch im Koran erwähnt. Ein Olivenzweig ziert auch mehrere Landesflaggen, wie die von Zypern oder Eritrea. Im antiken Griechenland ist die Olive ein heiliger Baum gewesen und der Göttin Athene geweiht. In Olympia galt der Kranz aus Olivenzweigen einstens als höchste Auszeichnung. 

Jahrtausende überdauert hat auch das älteste bekannte Exemplar seiner Art, ein 2.000 bis 4.000 Jahre Olivenbaum auf Kreta, so die Schätzung. 

Die knorrigen Bäume aus der Gattung der Ölbäume (Olea) in der Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae) sind sehr langsamwüchsig und gelten als Kleinbaum, können im mediterranen Raum allerdings über die Jahrzehnte bis zu 20 Meter hoch werden. Wilde Exemplare sind aber kleiner als die Züchtungen. Die Bäume gedeihen nicht nur in trockenem Klima, sie haben auch keine großen Ansprüche an den Boden. Will man den Ertrag in seinem Olivenhain steigern, so werden die Bäume beschnitten, damit sie kleiner bleiben. Es heißt auch, dass je krummer und knorriger der Baum ist, desto reicher die Ernte.

So tolerant Olivenbäume gegen große Hitze sind, so empfindlich sind sie gegen Frost. Auf Minustemperaturen reagieren sie äußerst drastisch: Raue Winter können selbst alte Bäume vollständig vernichten. Davon wissen Olivenbauern in allen Ländern rund ums Mittelmeer zu berichten, denn dann waren oft die Existenzen der Menschen zerstört. Olivenbauern in Griechenland oder der Provence, mit denen wir ins Gespräch kamen, wussten immer genau zu erzählen, wann so eine Katastrophe in früheren Zeiten über ihre Vorfahren hereingebrochen ist.

Die glatte, silbrig-grüne Rinde der jungen Bäume verändert sich mit zunehmendem Alter zu einer rissigen Borke. Der Wuchs der Wurzeln hängt vom Boden ab. In lockerem Boden wächst die Wurzel nahezu senkrecht bis zu 7 Meter in die Erde. Auf felsigem Untergrund entwickeln sich die Wurzeln eher flach und bilden ein verzweigtes Netzwerk um den Stamm herum. Allgemein findet man die meisten Wurzeln, unabhängig von der Bodenbeschaffenheit, jedoch in etwa einem Meter Tiefe.

Das charakteristische Laub besteht aus schmalen, oberseits dunkelgrünen, unterseits silbriggrauen Blätter. Die schimmernde Farbe entsteht durch eine feine Behaarung, die die Wasserverdunstung des Baums reduziert und ihn so vor dem Austrocknen schützt. Die Blätter sind wechselständig und stehen an kurzen Stielen. Die Olive ist eine immergrüne Pflanze, was bedeutet, dass sie zu keiner Jahreszeit all ihre Blätter verliert, sondern mehrere Jahre alte Blätter unabhängig von der Jahreszeit abwirft. 

Die traubenartigen gelblich - weißen Blüten an zwei bis vier Zentimeter langen Rispen erscheinen im Mai und verströmen einen zarten Duft, sind aber sonst eher unscheinbar. Oliven blühen zum ersten Mal, wenn der Baum mindestens vier bis sechs Jahre alt ist. Die Blüten werden übrigens vom Wind bestäubt, Fremdbestäubung erhöht allerdings den Ernteertrag. Mit zunehmendem Alter werden Olivenbäume ertragreicher - am ertragreichsten ist ein Olivenbaum nach etwa 20 Jahren - bringen aber nur jedes zweite Jahr eine gute Ernte. Diese findet je nach Gebiet ab Mitte Oktober, teilweise bis in den März statt. 

In Griechenland, wo ich es selbst erlebt habe, verwendet man Netze, um die herabgefallenen oder herabgeschlagenen Oliven einzusammeln. Manchmal erntet man die Oliven auch durch Absägen ganzer Äste, von denen anschließend die Oliven maschinell abgeschlagen werden. Das Holz findet Verwendung als Brennholz. Die Olivenernte mit Erntemaschinen, vor allem in der Nacht, steht allerdings schon länger in der Kritik, weil dabei in den Bäumen nächtigende Zugvögel in die Maschinen geraten.
Illustration aus "Köhler’s Medicinalpflanzen"
(1887)
Die ersten Früchte entwickeln sich erst ab dem siebten Standjahr des Baumes. Genau genommen sind Oliven Steinobst, allerdings ist Olive nicht gleich Olive: Allein im Mittelmeerraum gibt es über tausend verschiedene Sorten. Die Farbe der unreifen Oliven ist grün, die der reifen schwarz oder violett/braun. 90 Prozent der Oliven werden zu Olivenöl gepresst.

Reif oder nicht, Oliven sind gesund, denn sie enthalten eine Vielzahl von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und ungesättigten Fettsäuren. Schwarze Oliven haben mehr als doppelt so viele Kalorien wie die grünen. Aufgrund ihrer Zusammensetzung sind Oliven und das daraus gewonnene Öl ein Lebensmittel, welches Brustkrebs, Arterienverkalkung, Bluthochdruck und Herzinfarkt vorbeugen kann. Außerdem wirken Oliven entzündungshemmend. Die positiven gesundheitlichen Effekte wirken aber nur, wenn man das Öl nicht zu stark erhitzt, um die wertvollen Inhaltsstoffe nicht zu zerstören.

Aber nicht nur innerlich ist Olivenöl eine Wohltat für den Körper: Man verwendet es auch in der Kosmetik. Zum einen besteht es zu 85 Prozent aus essenziellen Fettsäuren, an denen es trockener Haut meist mangelt. Die Fettsäuren - speziell die im Olivenöl enthaltene Linolsäure - sind notwendig für den Aufbau der natürlichen Barriere, die die Haut vor dem Austrocknen schützt. Die größte Stärke liegt allerdings in der antioxidativen Wirkung des Olivenöls: Es enthält viel mehr als andere Öle Polyphenole, und  Polyphenole sind starke Radikalfänger, die die Zellen schützen.

Erinnerungen an die Olivenhaine im Luberon...


Auch das Holz des Baumes wird genutzt und beispielsweise zu Küchenzubehör, Flöten und anderen Gegenständen verarbeitet. Selten werden auch sehr hochwertige Bodenbeläge oder Furniere aus Olivenholz hergestellt.

Olivenholz ist sehr fein und gleichmäßig gemasert. Diese Strukturen sind deutlich erkennbar und gleichmäßig verteilt. Dunklere Streifen gehören zum typischen Charakter dieses Holzes. Olivenholz ist eines der härtesten Hölzer, die wir in Europa haben. Es hat eine große Dichte, trocknet langsam, quillt im Wasser aber kaum auf. Die Biegsamkeit lässt dann aber auch zu wünschen übrig. Es besteht ein natürlicher Schutz gegen Schädlinge durch die besonderen Inhaltsstoffe des Holzes.

Und nun seid ihr wieder dran!

Die Verlinkung ist bis zum nächsten letzten Sonntag im Monat geöffnet. Den Backlink bitte nicht vergessen!





You are invited to the Inlinkz link party!
Click here to enter




Kommentare:

  1. Hallo Astrid,
    diese knorrigen alten Olivenbäume liebe ich...sie versetzen mich beim Betrachten in ein anderes Zeitalter. Gerne würde ich durch einen Olivenhain wandern und die Stimmung genießen.
    Lieben Gruß in den Sonntag, Marita

    AntwortenLöschen
  2. Ich Dumme habe, als wir einen Garten bekamen, mir einen Olivenbaum, na ja Bäumchen, gekauft. Für eine Pflanze habe ich da damals viel Geld ausgegeben. Und die Bedingungen waren natürlich nicht optimal und drei Jahre später war er eingegangen.
    Kennengelernt hatte ich Olivenbäume in Portugal, so wunderbar, mit diesen "zweifarbigen" Blättern. Und Olivenöl wurde bei uns viel genutzt. Lecker!
    Danke für Dein Portrait
    Liebe Grüße
    Nina

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Astrid,
    danke für die Vorstellung des Olivenbaumes. Ja, Eritrea hat einen goldenen Olivenzweig in seiner Landesflagge. Das Rot in der Flagge steht für das verflossene Blut im Freiheitskampf, blau für den Meeresreichtum und grün für die Landwirtschaft. Was man alles noch im Alter lernt. Die Bedeutung der Flagge habe ich erst erfahren, als ich 2016 an den Interviews eritreischer Flüchtlinge teilgenommen habe. Traurig, dass das Land trotzdem bisher nicht zur Demokratie gefunden hat und die jungen Menschen deshalb in großer Zahl das Land verlassen. Olivenbäume finde ich sehr faszinierend, besonders sehr alte Bäume sind beeindruckend. Während unseres Besuches im letzten Jahr haben wir in Griechenland riesige Plantagen gesehen.
    LG Agnes

    AntwortenLöschen
  4. Ich liebe Olivenbäume auch sehr - auf unserer Terrasse stehen einige Töpfe, die wir mit Zitronen- und Olivenbäumen bepflanzt haben. Auch wenn ich im Herbst über das Schleppen der Töpfe jammer, liebe ich den Duft der Zitruspflanzen und den knorrigen WUchs der Olivenbäume...

    AntwortenLöschen
  5. liebe Astrid !
    schön zu lesen wie wertvoll der olivenbaum ist !
    ja im Luberon überall zu sehen, ausserdem wird heutzutage dort auf freihes land ganz viele kleine baüme wieder gepflanzt :) ps heureusement que l'exportation des très vieux oliviers est désormais interdite en Espagne, j'ai toujours eu un pincement de cœur en voyant des oliviers centenaires exposés dans des sacs plastiques devant les jardineries et plantés en apparat devant des villas neuves comme un trophée, mais je crois que la vente est encore possible ?!?!"
    bon dimanche !
    mo

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Astrid,

    der eingangs gezeigte Olivenbaum hat richtig Charakter, wie alt der wohl sein wird.

    Ich finde es auch toll, dass Du aus der Bibel zitierst.

    LG Bernhard

    AntwortenLöschen
  7. Was für ein wunderbarer Baum, so knorrig und urig! Ich habe es gerne gelesen und bin in Erinnerungen an die Toskana gelandet wo es so alte und schöne Exemplare gab.

    Liebe Grüße
    Kerstin

    AntwortenLöschen
  8. Danke, liebe Astrid, wir lieben die Olivenbäume und auch ihre Früchte so sehr. Ein kleines Olivenbäumchen wächst in einem Kübel auf unserer Terrasse.
    Dieses Mal habe ich auch einen Baum für dich, doch der Beitrag muss warten, bis unser Besuch wieder abgereist ist...
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  9. Guten Morgen, liebe Astrid.

    der Olivenbaum ist mittlerweile bei uns am Niederrhein der Verkaufshit schlechthin. Ich kenne gleich mehrere Neubesitzer.

    Doch heute, Astrid, komme ich auch noch mit einer schönen Überraschung zu Dir!

    Herzlichen Glückwunsch, liebe Astrid! Du hast bei mir das "Give-Away" gewonnen und ich bin mir sicher, die "Vögelchen" sind gut bei Dir aufgehoben. ♥ Hab' viel Freude daran! Alles Liebe, Nicole

    AntwortenLöschen
  10. ich habe heute auch ein paar bäume dabei... zum lesen deines posts komme ich später nochmal vorbei!
    liebe grüße
    mano

    AntwortenLöschen
  11. Vielen Dank, liebe Astrid, für diese wunderbare Vorstellung. Olivenbäumen haben schon etwas ganz besonderes, wie ich finde. Dieser silbrige Glanz, die Wärme, die sie ob ihrer Lage die meiste Zeit des Jahres umgibt, das Knorrige... einfach fantastisch...
    Viele Grüße
    Anni

    AntwortenLöschen
  12. Ein wenig vom Olivenbaum nehmen wir jeden Tag zu uns. Wir verwenden ja immer feinstes Olivenöl für alles. So sind wir täglich mit diesem uralten Baum verbunden.
    Unsere 2 bis 5jährigen Enkel*innen lieben Oliven und futtern sie wie einen Snack. Das konnte ich am Anfang kaum glauben. Feta und Oliven mögen sie - vielleicht haben wir alle griechische Wurzeln?? :-)
    Dass es so alte Bäume noch gibt auf der Welt und sie auch soviel Symbolik haben, finde ich irgendwie tröstlich.
    Danke, dass Du die Olivenbaum-Familie heute vorgestellt hast.
    Eine gute, neue Woche wünscht Dir Sieglinde

    AntwortenLöschen
  13. Heute Abend werde ich Oliven essen! Danke für die Vorstellung dieses so besonderen Baumes, der so uralt werden kann. Ich erinnere mich noch, wie ich gestaunt habe vor Jahren, dass die knorrigen Bäume am Rand des Römerdamms auf Djerba noch aus der Römerzeit stammen sollten.
    Liebe Grüße Ulrike

    AntwortenLöschen
  14. Ich teile Deine Begeisterung sehr. Man hat das Gefühl, es sind Bäume, die Geschichten erzählen können.
    LG
    Magdalena

    AntwortenLöschen
  15. ich mag Oliven nicht ;)
    aber die Bäume strahlen in ihrer Urwüchsigkeit so viel Kraft und "Wahrhaftigkeit" aus
    die würde ich auch gerne einmal in natura sehen ..
    danke für die Vorstellung

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  16. Ich komme gerade vom Urlaub. Unser Zuhause hieß "Olea Dei" und war umgeben von Olivenbäumen. Und als Mitbringsel haben wir natürlich hasueigenes Olivenöl mitgebracht. Na wenn das nicht zu deinem Post passt.
    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  17. Liebe Astrid,
    ich sehe ja jetzt erst, dass dieses Projekt bei dir gelandet ist. Ich mag Olivenbäume sehr und kenne sie auch sehr gut, da wir doch meistens in südlichen Gefilden Urlaub machen. Es ist diese knorrige Form der alten Bäume, die ich immer wieder faszinierend finde.
    Herzliche Grüße - Elke

    AntwortenLöschen
  18. ich habe einen Beitrag für dich
    allerdings nicht unbedingt einen schönen ..

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  19. Guten Morgen liebe Astrid,
    danke für den informativen Post - ich habe noch nie einen Olivenbaum live gesehn (Gartencenter-Töpfe zählen nicht)... aber ich werde jetzt zum Frühstück gleich ein paar Oliven naschen, die mag ich nämlich sehr!
    Bin heut auch endlich wieder dabei...
    Herzliche Grüsze und ein schönes WE
    Mascha

    AntwortenLöschen

Kommentare machen meist Freude. Als Blogadministratorin behalte ich mir vor, Kommentare anonymer Nutzer zu moderieren.

Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. User- oder Klarname, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.