Sonntag, 26. Juli 2020

Mein Freund, der Baum: Zwetschge

Wenn das nicht die Jahreszeit ist, den heutigen Baum zu porträtieren, wann dann? Seit Kindertagen ist mir fast das schönste an diesen oft zu heißen Sommermonaten die Möglichkeit, einen Pflaumen- oder Zwetschgenkuchen zu essen. Und dabei klingt mir immer die Stimme meines Vaters im Ohr, der den "Zwetscheblaatz" geliebt und demzufolge Dutzende dieser Bäume auf seinem Terrain gepflanzt hat...

Der Zwetschgenbaum - oder nur kurz Zwetschge genannt - botanisch Prunus domestica subsp. domestica ist eine Unterart der Pflaume Prunus domestica  und gehört  zu den Rosengewächsen, ist in Europa, Westasien, Nordamerika sowie Nord- und Südafrika als Obstbaum ausgesprochen beliebt und weit verbreitet. Im deutschsprachigen Raum wird sie auch regional unterschiedlich Zwetsche, Zwetschke oder Quetsche genannt. In Norddeutschland ist eher der Begriff "Pflaume" geläufig. Generell ist der Übergang zwischen Zwetschgen und Pflaumen fließend, denn die Früchte sind durch äußerst vielfältig Kreuzungen entstanden.



Ursprünglich stammt der Baum aus Vorderasien, aus dem Raum ums Kaspische Meer, die genaue Abstammung der meisten Sorten bleibt aber im Dunkeln, vermutlich stammen sie von der Wilden Kirschpflaume Prunus cerasifera und der Gewöhnlichen Schlehe Prunus spinosa ab. Und weil sich verschiedene Nachkommen gerne und unkontrolliert hybridisiert haben, haben sich unzählige Sorten entwickelt. 

Im alten Griechenland, von wo aus sie sich weiter nach Italien ausgebreitet hat, war die Zwetschge schon vor über 2500 Jahren ein beliebter Obstbaum. In Mitteleuropa begannen die Menschen erst im Mittelalter, Pflaumen bzw. Zwetschgen anzubauen. Im Tiroler Oberland wird die Zwetschge in Höhenlagen um etwa tausend Metern kultiviert und soll der Legende nach im 16. Jahrhundert vom Jesuiten Petrus Canisius dorthin eingeführt worden sein. Eine sehr viel ältere Unterart der Pflaume ist durch Funde aus der Jungsteinzeit belegt und ist besonders im österreichischen Ostalpenraum und im Waldviertel beliebt, das Kriecherl Prunus domestica subsp. insititia, eine Wildobstsorte, die bei uns Hafer-Pflaume oder Haferschlehe genannt wird.

Zwetschgen gedeihen in den gemäßigten Klimazonen und werden sowohl als Zierpflanze als auch wegen ihrer Früchte in vielen Privatgärten als auch im großen Stil kultiviert. Der Baum bevorzugt einen Standort, der viel Sonne bietet und ihn vor Wind und Frost abschirmt.  An einem Standort im tiefen Schatten grünt der Baum weniger kräftig. An den Boden stellt die Zwetschge keine übermäßigen Ansprüche.


Sie ist ein laubabwerfender kleiner Steinobstbaum, der in der Regel etwa vier bis zehn Meter hoch wird und im Alter eine ausladende Baumkrone entwickelt. Die Rinde ist graubraun, die aufrecht wachsenden und wenig abstehenden Zweige weisen eine leichte Behaarung auf und können bei manchen Wildformen auch von Dornen bis zu fünf Zentimeter Länge bedeckt sein. Einjährige Zweige bleiben mehr oder weniger blattlos.


Diese Laubblätter sind zur Blütezeit erst wenig entwickelt, später von eiförmiger oder elliptischer Form, gekerbt bis gesägt, mit dunkelgrüner Oberfläche und deutlich hellerer, dicht behaarter Unterseite.

Von März bis Mai zeigen sich zu zweit oder zu dritt büschelig angeordneten weißen Blüten - manchmal haben sie einen Stich ins Grünliche - von zwei Zentimeter Durchmesser mit  radiärsymmetrisch angeordneten fünf Blütenblättern.

Manche Sorten können sich selbst befruchten, andere nicht. Deshalb muss man beim Pflanzen einer Zwetschge eventuell einen zweiten Baum einplanen. 






Aus diesen Blüten entwickeln sich - frühe Sorten reifen bereits ab Juli, mittelfrühe im August, späte bis in den Herbst hinein - die eiförmigen Früchte, die im Gegensatz zu Pflaumen eher bläulich als violett, zuweilen auch gelb oder rötlich sind. Je nach Sorte werden sie zwei bis sieben Zentimetern lang und haben an den Enden ausgeprägte Spitzen. Auch ist die Furche bzw. Bauchnaht nicht so deutlich ausgeprägt wie bei den Pflaumen. Während des Wachstums bildet sich auf den Früchten eine weißlich schimmernde Wachsschicht ( "Duftfilm" ), die vor dem Austrocknen schützt und als Barriere gegen schädliche Mikroorganismen dient.

Das Fruchtfleisch der Zwetschge lässt sich vom rauen Stein mühelos ablösen, anders als bei Pflaumen, es ist im Vergleich fester, trockener und hat einen süßsauren Geschmack. Deshalb eignet sich die Zwetschgenfrucht auch besser zum Kuchenbacken als die Pflaume. Letztere eignet sich wegen ihres größeren Wassergehaltes eher für Marmelade und zum Einkochen.



Die beliebte Herbstfrucht zeichnet sich aus durch einen hohen Gehalt an Vitamin C, E und A sowie Mineralstoffen wie Magnesium, Zink und Kalium und gilt damit als äußerst gesundes, wenn auch sehr fruchtzucker- und kalorienreiches Obst. Vor allem die zu den Polyphenolen zählenden Anthocyane sind in der Steinfrucht enthalten, besonders in der Schale ( sie bewirken die blau-violette Farbe der Zwetschge ). Diese Anthocyane sind antioxidativ und schützen vor Krebs und Herzinfarkten. Bekannt und beliebt sind Zwetschgen auch als sanfte Verdauungsregler.

In meiner Kindheit waren die "Bühler Zwetschgen" beliebt und gerühmt. Heute gibt es Sorten wie "Jojo" und "Presenta", die größere und ebenso aromatische Früchte tragen und vor allem gegen das gefürchtete Scharka-Virus, das die Zwetschgen gummiartig & ungenießbar werden lässt, widerstandsfähig ist.

Übrigens: Die großfrüchtigen Pflaumen, die im Supermarkt angeboten werden, stammen von Sorten der Gruppe der Japanischen Pflaumen. Sie werden meist aus südlichen Ländern importiert, lassen sich relativ gut lagern, haben im Vergleich mit europäischen Pflaumen und Zwetschgen aber ein schwaches, wässriges Aroma.

Das Holz des Zwetschgenbaumes ist ein besonderes, schweres Holz mit besonders schöner Oberflächenstruktur und von braun-violetter Farbe. Daraus werden vor allem Blasinstrumente, Kleinmöbel und Schnitzereien gefertigt. Es ist allerdings nicht witterungsbeständig und nicht besonders formstabil.




Und nun seid ihr wieder dran! 

Die Verlinkung ist bis zum nächsten letzten Sonntag im Monat geöffnet. Den Backlink bitte nicht vergessen!
     
You are invited to the Inlinkz link party!
Click here to enter

Kommentare:

  1. Hallo Astrid,
    ganz herzlichen Dank für den heutigen Bericht. Bühler Zwetschgen, das habe ich noch gut in Erinnerung. Wir hatten im Garten 2 Bäume und immer eine sehr gute Ernte. Selbstgebackener Kuchen mit diesen Früchten ist ein wahrer Genuss.
    Liebe Grüsse
    Renate

    AntwortenLöschen
  2. Mmmmmhhh lecker Astrid, ich liebe Zwetschgen, meine Oma hat für mich den besten Zwetschgenkuchen der Welt gebacken. Ich liebe diese Bäume und hätte selber gerne einen im Garten stehen.

    Liebe Sonntagsgrüße
    Kerstin
    P.S.: Ich habe Deinen Post von der Wilhelmine von Bayreuth mit bei mir verlinkt, Dein Einverständnis vorausgesetzt, das passt wirklich perfekt!

    AntwortenLöschen
  3. liebe Astrid,
    ich bewundere immer wieder deine sorgfältige Recherche und dein Wissen über Pflanzen; Bäume, kurz über alle Wesen die die Natur und unsere Erde hervorbringt, wozu auch die Charaktere der Menschen gehören, auch sie sind ein Teil der Natur die lebt und uns Segen und Glück bringt.
    Die Liebe und Sorgfalt die du empfindest wenn du etwas davon beschreibst schimmert in jedem Bericht hindurch. Das ist beispielhaft.
    Ich denke, wir wissen um die Kraft und Macht der Natur, wozu sie fähig ist, das Leben auf diesem Planeten hat sie bestätigt.
    Der Duft eines frisch gebackenen Zwetschgenkuchens ist so köstlich aromatisch und lässt ein freudiges Lächeln über mein Gesicht gleiten, er ruft Kindheitserinnerungen in mir wach, danke dass du mich daran erinnert hast...
    lieben Gruß in deinen tag
    herzlich angelface

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Astrid,

    vielen Dank für das erhellende Portrait der Zwetschge. In meinem Kindheitsgarten gab es zwei große Bäume und im Sommer endlos Zwetschgendatschi, da meine Oma aus dem südtirolerischen kam.

    Vor einigen Jahren habe ich von einer meiner Töchter einen Baum geschenkt bekommen und nun backe ich selber im Sommer und fühle mich mit dem Genuß des Datschi in meine Kindheit zurückversetzt.

    Ich wünsche einen angenehmen Sonntag, liebe Grüße aus dem Münsterland - Brigitte


    AntwortenLöschen
  5. Wir durften früher in Österreich immer bei Freunden Zwetschgen pflücken und dann gab es den leckersten Pflaumen- bzw. Zwetschgenkuchen. Meine Mutter ist Held of Hefeteig. Fett mit frisch geschlagener Sahne und noch gar nicht richtig abgekühlt. Hmmmmmmmm.

    LG Astrid rechtsrheinisch

    AntwortenLöschen
  6. Oh ja, die Zwetschgen. Seit meiner frühen Kindheit haben wir einen Baum im Garten stehen, der leider aus Altersschwäche und durch immer stärker werdenden Wind schon dicke Äste verloren hat. Ja, Zwetschgen sind etwas völlig anderes als Pflaumen. Und hier kommen sie auch nur auf einen Hefeteig mit einem Guß aus gesüßtem Sauerrahm, sehr gut für die Hüften :-) . An den Wegränder stehen sehr viele "wilde Pflaumen", ich meine aber, dass das auch Zwetschgen sind und eben keine Pflaumen, aber der Volksmund betitelt sie so. Im letzten Herbst hatte ich eine Diskussion mit einer Verkäuferin im Supermarkt, da die dort lagernden Pflaumen als Zwetschgen betitelt waren. "Ist doch alles gleich!", meinte diese. Nein, eben nicht....Ganz liebe Grüße, Sunni

    AntwortenLöschen
  7. von Helga:

    Liebe Astrid,

    jawohl, da schließe ich mich meinen Vorgängerinnen und meiner Tochter Kerstin an.
    Mama bzw. Oma und Zwetschgen, das wissen viele noch die Mama kannten. Ein heikles Thema die Zwetschgenzeit mit diversen Anekdoten verbunden, ernsthafte und lachhafte, alle zusammen, ergeben eine Lachnummer. Zwetschgen war für Mama ein ernstzunehmendes Thema, da verstand sie keinen Spaß. Schuld allerdings waren diejenigen, die es nicht erwarten konnten und einen Kuchen einforderten, indem es die von ihr zu verbackenden „Fränkischen Hauszwetschgen“noch gar nicht gab. Erst im Oktober waren sie voll reif, Mama sagte immer, sie müßen schon die Ärsche einziehen, d.h. faltig und etwas schrumpelig werden. Dann war ihr Kuchen auf Hefeteig perfekt und er war manches mal das Abendbrot. Niemand brachte ihr vor Ende Sept. die für sie perfekten Zwetschgen. Mit einem Küchenhandtuch wurde jede einzelne Zwetschge poliert bis sie hochglänzend war und wie Soldaten in sechs Reihen a 33 Zwetschgen ausgerichtet wie mit dem Lineal, aufgelegt. Entsprechend des Endergebnisses saß sie am Tisch und genoß es uns zuzuschauen, wie es der Familie schmeckte. (Kerstin sagte es bereits). Die Frühsorten wollte sie nicht verarbeiten für den Hefeblechkuchen, die ergaben zu viel Saft und versauten den Ofen, wenn dieser vom Blech lief. In der Obsthandlung verkaufte ihr der Mann hinter dem Tresen keine Zwetschge, nein er forderte sie auf zu gehen. Wenn wir mit unserer Familie wieder heimwärts zogen, einen Teller mit Kuchen noch zum mitnehmen hatten, der dann mal kurz auf dem Dach des Autos abgestellt und dann vergessen wurde, tanzte dieser noch die Leyherstraße ein Stück mit entlang, bis einer sich an den abgestellten Teller erinnerte.
    Wir pflanzten dann selbst zwei Bäumchen, die gediehen aber nicht so recht und so zogen wir es vor, uns das eine oder andere Körbchen zu kaufen.
    Mamas eigener Baum wurde bei einem Gewittersturm in zwei Teile gespalten und mußte entfernt werden.
    So und weil es keinen Baum mehr gibt hier, mach ich Schluß mit meiner Huldigung an alle Zwetschensorten und den Liebhabern gutes Gelingen und fröhliches Schmatzen beim gemütlichen Kaffeestündchen mit Zwetschgenkuchen und Sahnehaube.

    Leckere Grüße von Helga

    AntwortenLöschen
  8. Bei uns im Münsterland heißen sie eher Pflaumen, liebe Astrid und ich liebe Pflaumenkuchen mit Schlagsahne...lange wird es nicht mehr dauern, dann wird es wieder selbstgemachten Hefeteig mit Pflaume geben. ;-)
    Lieben Gruß, Marita

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann gehört ihr schon zu Norddeutschland! 😂
      Aber Spaß beiseite, der Kölner nennt auch das ganze, einander ähnliche Obst Prumme.
      Das Wort "Quetsch", das es auch gibt zwecks Unterscheidung, hört man hingegen seltener. Wikipedia nennt sieben Sorten an Pflaumen, die Zwetschge ist eine davon. Meine Obst- & Gemüsehändlerin hat beides im Angebot. Und da sieht man die Unterschiede deutlich. In meinem Heimatdorf wuchsen wohl viele Haferpflaumen. Die wurden auch oft zum (illegalen ) Schnapsbrennen verwendet.
      LG

      Löschen
  9. Pflaumen hießen sie bei uns, obwohl meine Mutter aus dem Osten die Bezeichnung Zwetschgen mitbrachte. Man müsste mal eine Karte zeichnen... Egal, auf dem Kuchen sind sie auf jeden Fall köstlich.
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
  10. Wieder eine sehr schöne Baumvorstellung! Ich liebe Zwetschgenkuchen! Den besten hatte immer meine Mutter gebacken, mit gebutterten Brotbröseln und Zucker-Zimt. Der Baum im Garten der jüngsten Tochter hat dieses Jahr leider kaum Früchte. Aber ich habe sogar noch welche eingefroren und werden jetzt verarbeitet.
    Wünsche dir noch eine schöne Restwoche!
    Liebe Grüße
    Ingrid

    AntwortenLöschen
  11. oh jaaa..
    hier reifen sie auch schon ;)
    die Bühler Zwetschgen sind mir auch noch ein Begriff
    wir hatten Zwetschgenbaume im Großen Garten entlang der Grundstücksgrenze
    leider sind sie im Lauf der Jahre eingegangen
    Zwetschgen nsind für mich die kleineren Frücht
    Pflaumen die etwas größeren
    (aber nicht die ganz dicken.. das waren Eierpflaumen oder Susinen ;) )

    früher habe ich sehr gerne Kuchen damit gebacken

    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen
  12. Ich habe heute schon einen selbstgebackenen Zwetschgenkuchen geggessen!
    Sehr schön hast du uns alles über Zwetschgen, Quetschen und Pflaumen erzählt.
    LG Heidi

    AntwortenLöschen
  13. Liebe Astrid,
    ich wusste gar nicht, dass Du "Mein Freund der Baum" übernommen hast. Da muss ich mich etwas beeilen um noch einen August-Baum zu liefern!
    Zwetschgenkuchen gab es bei uns schon wiederholt. Meist gebe ich gut die Hälfte an meine Kinder oder Enkel weiter, sonst ist die Versuchung deutlich zu groß...
    Dir alles Liebe
    Heidi

    AntwortenLöschen
  14. Liebe Astrid, hier ein paar schöne Bäumchen auch für Dich. ;D Bei uns heißen sie Zwetschgen. LG ♥nic

    AntwortenLöschen

Ich freue mich eigentlich über Kommentare. Doch es gilt auch die uralte Spruchweisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus." Da wird dann schon mal der Freischaltknopf nicht gedrückt, wenn der Ton daneben ist...

Und noch was: Mit dem Abschicken deines Kommentars akzeptierst du, dass der von dir geschriebene Kommentar und die personenbezogenen Daten, die damit verbunden sind (z.B. User- oder Klarname, verknüpftes Profil auf Google/ Wordpress) an Google-Server übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhältst du in meiner Datenschutzerklärung und in der Datenschutzerklärung von Google.