Donnerstag, 9. April 2015

Great Women # 18: Peggy Guggenheim



Barbara/barbarabee hatte seinerzeit den Anstoß für diese Reihe gegeben und damit angefangen, donnerstags in ihrem Blog bemerkenswerte Frauen in Wort und Bild vorzustellen. Da dies eines meiner Lebensthemen ist, habe ich mich gerne angeschlossen.


Die großartige Frau, die ich heute vorstelle, dürfte vielen bekannt sein: Es ist die Sammlerin & Mäzenin Peggy Guggenheim. Was mich mit ihr verbindet? Deux amours: Die zu den Skulpturen des  Constantin Brancusi und die zur Stadt Venedig...

Als ich einmal gelesen habe, mit welcher Hartnäckigkeit Peggy Guggenheim während des 2. Weltkrieges in Paris versucht hatte, eine Skulptur des eigenwilligen rumänisch - französischen Bildhauers von ihm selbst zu bekommen, hat mich das sehr beeindruckt. Ein solches Werk muss man besitzen, um es immer wieder auch haptisch, nicht nur optisch zu erfassen, das war mir immer klar, seit ich sein ( nachgebautes ) Atelier beim Centre Pompidou betreten hatte...

"Bird in Space" ( 1932-40 )
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Und ebenso bestimmt kehrte Peggy Guggenheim - als sie nach dem Ende des 2. Weltkrieges wieder nach Europa kam - 1946 in die Stadt Venedig zurück, um sich dort einen Palazzo zu kaufen. Keine Frage: Auch das gelang. Nachdem sie sich im Frühjahr 1948 erst einmal im Palazzo Barbaro am Canale Grande eingerichtet & ihre Sammlung auf der XXIV. Biennale für zeitgenössische Kunst präsentiert hatte, fand sich das Haus ihrer Träume: der unvollendete Palazzo Venier am Canale Grande:

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Ein Ort, der mich bezaubert hat! Und ich wollte mehr über die Schöpferin wissen:

Marguerite Guggenheim kommt am 26. August 1898 in New York zur Welt. Ihr Vater ist der Geschäftsmann Benjamin Guggenheim, ihr Onkel Solomon R. Guggenheim, der Stifter des gleichnamigen Museums in New York, die Mutter Florette Seligman. 

Sie schreibt in ihren Erinnerungen zur Familie: "Ich stamme aus zwei der besten jüdischen Familien der Vereinigten Staaten. Einer meiner Großväter ist in einem Stall geboren wie Jesus Christus, der andere war Hausierer." ( 1923, Quelle hier ) Die Seligmans stammten aus einem kleinen Dorf bei Nürnberg, Baiersdorf, und die Guggenheims aus dem Surbtal in der Schweiz. Der erste Seligman war 1837 ausgewandert und holte seine Familie nach und nach in die Vereinigten Staaten, die gesamte Guggenheimsche Sippschaft machte sich 1848 auf den Weg dorthin. Obwohl beide Familien zu großem Reichtum gekommen waren, war die Verbindung von Peggys Eltern unter Vorbehalt zustande gekommen, denn nur deutsche Familien gehörten zur guten jüdischen New-Yorker- Gesellschaft...

Peggy wächst mit ihren Schwestern Benita & Hazel in einem Haus an der Ecke Fifth Avenue/East Street auf. Der Vater nimmt seine kleinen Töchter auf Reisen nach Europa mit, wo Peggy vom berühmten Maler Franz von Lenbach in München porträtiert wird:

1902
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Benjamin Guggenheim liegt die Bildung seiner Töchter sehr am Herzen. Noch mehr aber nutzt er die vielen Reisen für seine amourösen Abenteuer. Als er sich 1912 wieder einmal nach Hause aufmachen will, bucht er die Schiffspassage für sich & seine Geliebte auf der "Titanic. Das Ende ist hinreichend bekannt.

Da ist Peggy vierzehn Jahre alt, und die Familie ahnt nichts davon, dass sich der Geschäftsmann am Rande des Ruins befindet. Die überlebende Geliebte wird abgefunden, die Gläubiger von Benjamins Firma "International Steampump Company" ebenfalls und für Florette bleiben 800.000 Dollar, für die Töchter jeweils 450.000. Peggy empfindet die Situation als besonders schmerzlich & entwickelt einen Minderwertigkeitskomplex.

1919 mit ihrer Schwester Benita
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1919 - mit ihrer Volljährigkeit - erhält sie die Verfügungsgewalt über ihr Vermögen. Peggy reist erst einmal durch die Vereinigten Staaten und lässt sich in Cincinatti die Nase operieren ( wenig erfolgreich ):

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Die eigentliche Umwälzung in ihrem Leben ist aber weder das Geld noch die Nase: Es ist das Leben in Unabhängigkeit! Als trotz alledem Langeweile aufkommt, verdingt sich Peggy 1920 in der Buchhandlung eines Cousins zu irrsinnigen Bedingungen: Ihr Gehalt beträgt 10 Prozent Preisnachlass auf alle Bücher. Ihr Vorteil: Sie lernt die New Yorker Bohème kennen. Alfred Stieglitz & seine Frau Georgia O'Keeffe gehören dazu & Laurence Vail, ein junger, in Paris geborener Autor. Liebe auf den ersten Blick! Doch Laurence ist schon wieder nach Europa entschwunden...

Ihre Mutter unterstützt die Idee, zusammen mit einem Ehepaar aus dem Bekanntenkreis nach Paris zu reisen, dem Mekka aller amerikanischen Intellektuellen nach dem Ende des 1. Weltkrieges. Es ist nicht schwer, dort Laurence wiederzutreffen, aber ihn zu erobern! Gelingen sollte es Peggy dank ihrer Reproduktionen erotischer Wandbilder aus Pompeji. Er macht ihr sogar einen Heiratsantrag auf dem Eiffelturm & auf der Hochzeitsreise 1922 nach Italien erweitert sie auch ihre Kenntnisse der italienischen Meister. Bald ist Peggy schwanger, und die junge Familie übersiedelt nach London, wo der Sohn Sindbad im Mai 1923 zur Welt kommt. Doch bald geht die junge Familie wieder nach Paris zurück, wo diese Aufnahme in einem Kleid von Poiret durch Man Ray entsteht:

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Laurence feiert in Paris gerne aufwändige Feste, endlose Soireen, auf denen er sich in Szene setzen, Zufallsbekanntschaften einladen & die Welt mit neuen Augen betrachten kann. Seine Schwiegermutter amüsiert sich mit. Nur Peggy, die nicht trinkt, hat das Gefühl, sie müsse herumgehen und ihre Besitztümer kontrollieren. Doch auf Dauer machen ihr die extravaganten Verhaltensweisen ihres Mannes und seiner Bekanntschaften selber Mut, die Konventionen über Bord zu werfen & sich mit entsprechenden Freundinnen zu umgeben.

Ansonsten reist sie mit ihrem Mann durch Europa, lässt sich mal hier, mal da nieder, überquert auch immer wieder den Atlantik. Im August 1926 bringt sie ihre Tochter Pegeen in der Schweiz zur Welt, um sich anschließend in Südfrankreich niederzulassen. Auch dort pflegt sie ihre Kontakte zur Avantgarde der 20er Jahre.

Im Sommer 1927 verliert sie ihre Schwester Benita, was ihr Leben völlig durcheinander bringt. Von einer Wahrsagerin, die sie konsultiert, erfährt sie, dass sie bald den Mann ihres Lebens träfe...
Der kommt als Liebhaber einer ihrer Freundinnen  in ihr Leben und krempelt dieses im Juli 1928 völlig um. John Holms, ein Schotte mit irischer Mutter & Liebe zur Poesie, verdreht ihr den Kopf dermaßen, dass sie den ahnungslosen Laurence verlässt, Holms nachreist und ihren Rechtsanwalt Trennungsvereinbarungen aufsetzen lässt. Dann begeben sie sich auf diverse Reisen uns lassen sich im Herbst 1930 in Paris in einem Haus des Malers Georges Braque nieder, immer in Kontakt mit der intellektuellen Szene der Stadt. Laurence Vail lernt bald Kay Boyle kennen & heiratet sie. Der Sohn Sindbad lebt bei ihnen.

Mit ihren Kindern in den 30er Jahren
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Über John schreibt Peggy: "Wie kein anderer erweckte John den Eindruck, ein Genie zu sein. Ich meine, dass er einer der bemerkenswertesten Männer seiner Zeit war, vielleicht sogar aller Zeiten." ( Quelle hier )
1933, bei einem gemeinsamen Aufenthalt in England, stürzt John vom Pferd, bricht sich das Handgelenk & muss mehrfach operiert werden. Bei einer letzten OP im Januar 1934 wacht er aus der Narkose nicht mehr auf. Peggy fühlt sich schuldig, geht aber bald eine neue Liebesbeziehung zu Douglas Garman ein, der ihren Schmerz gut in Gedichtform zu fassen vermag. Mit ihm lässt sie sich in einem elisabethanischen Haus in der Nähe Londons nieder & tritt ihm zuliebe sogar in die Kommunistische Partei ein.

Doch 1937 ist schon wieder alles aus, und eine Freundin empfiehlt ihr zur Ablenkung, Galeristin zu werden.
Während eines Besuchs bei ihrer kranken Mutter in Paris nutzt Peggy die Weltausstellung, um sich zum ersten Mal in ihrem Leben eingehend mit neuer Kunst zu beschäftigen. Marcel Duchamp, der Lebensgefährte ihrer Freundin, ermöglicht ihr zudem, ihre Bildungslücken zu schließen. Er überzeugt sie auch, ihre Galerie "Guggenheim Jeune" in London mit einer Ausstellung der Werke Jean Cocteaus im Januar 1938 zu eröffnen. Doch erst die kurze, intensive Affäre mit Samuel Beckett bringt Peggy dazu, selbst Sammlerin zeitgenössischer Kunst zu werden.

Samuel Beckett mit Peggys Tochter Pegeen &
der Tochter von Douglas  Garman
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Wassily Kandinsky, in London unbekannt ist, stellt sie als Nächstes aus. Eine von Duchamp konzipierte Ausstellung moderner Skulpturen kommt nur zustande, weil die britischen Behörden die Inhalte der Kisten aus Paris als "Bronze-, Marmor-, Holz - Stücke" deklarieren, da sie deren künstlerischen Wert nicht  kennen ( darunter befinden sich Werke von Brancusi, Calder, Arp, Laurens usw. ).

Anschließend präsentiert Peggy den Surrealisten Yves Tanguy, mit dessen rätselhaften Landschaften sie einen überraschenden Erfolg verbuchen kann. Trotzdem schreibt die Galerie rote Zahlen, und Peggy plant, um die kommerziellen Risiken zu minimieren, ein Museum für moderne Kunst, ähnlich dem Museum of Modern Art in New York, in London einzurichten. Den Kunsthistoriker Herbert Read gewinnt sie als künftigen Direktor:

Mit Herbert Read 1939
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Die Furcht vor dem bevorstehenden 2. Weltkrieg setzt dem Plan ein Ende: Auf Anraten ihres Exmannes kehrt Peggy nicht nach London zurück. Die für das Museum vorgesehenen Gelder investierte sie fortan in die Maxime: „Jeden Tag ein Kunstwerk kaufen!“
In Paris herrscht Weltuntergangsstimmung, und es spricht sich in Künstlerkreisen herum, dass Peggy in der Lage ist, alles zu kaufen.  In diese Zeit fällt auch der Erwerb der ersten Brancusi - Skulptur "Maiastra":

Mit der "Maiastra" 1940 in Paris
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Sie ersteht Werke von Jean Hélion ( ihrem späteren Schwiegersohn ), René Magritte, Francis Picabia, Georges Braque, Dali, Giacometti, Man RayLeonora Carrington ( der Geliebten von Max Ernst ) und von Fernand Léger. Der schlägt ihr vor, ihre Sammlung vor den Kriegswirren dem Musée du Louvre anzuvertrauen. Das lehnt ab: Die Sammlung sei zu modern. Schließlich werden Peggys Kunstwerke in einer Scheune unter Heubündeln bei einem Schloss in Vichy versteckt, und Peggy verlässt, drei Tage vor dem Einmarsch der Deutschen im Juni 1940 Paris in Richtung Lac d'Annecy.

1941 planen Peggy & ihr Exmann zusammen mit den Kindern die Ausreise in die Vereinigten Staaten. Vorher finanziert sie dem Surrealisten André Breton die Flucht von Marseille aus. Auch dem Deutschen Max Ernst will sie die Flucht bezahlen, als Entgelt soll er ihr Kunst überlassen. Sie erhält unter anderem dieses Werk:

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Aber etwas noch Entscheidenderes geschieht: Peggy verliebt sich in den schönen Mann und seinen Ruf als Don Juan ( was ihr in der Folgezeit aber auch sehr viel Kummer einbringen wird ).
Als alle Papiere beisammen sind, macht sich Peggy mit ihrem Exmann, dessen ( zweiter ) Exfrau, den gemeinsamen sechs Kindern und ihrem Liebhaber auf nach Lissabon, um von dort aus nach New York fliegen zu können. Das Warten auf den Abflug gleicht einem Melodram, denn in der Zwischenzeit ist auch Leonora Carrington wieder aufgetaucht, & Max Ernst fühlt sich erneut angezogen...

Am 13. Juli 1941 hebt das Wasserflugzeug endlich ab & landet 36 Stunden später in New York. Dort werden sie von Ernsts Sohn Jimmy in Empfang genommen. Die Zeitungen schreiben: "Während die Hauptstädte des alten Kontinents in Schutt und Asche gelegt werden, rettet Miss Guggenheim die Kunstschätze.", und veröffentlichen dieses Foto:


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Max Ernst befindet sich als Deutscher in den Vereinigten Staaten in einer schwierigen Lage, und Peggy kann ihn schließlich überzeugen, dass eine Heirat alles einfacher machen würde: Im Dezember 1941 wird sie endlich die dritte Madame Ernst. Doch einfach wird gar nichts: In Maxens Kopf spukt nach wie vor Leonora herum, und Peggy tröstet sich mit ihrem Exmann Laurence. Beide Männer werden von ihr finanziell unterstützt, und alle zusammen leben in einem Haus, das sich zu einem echten Treffpunkt europäischer Exilkünstler, von denen etliche auf diesem Foto zu sehen sind, entwickelt:

1942
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Peggy gelingt es also, in New York eine Bohème wie einst in Paris zu installieren und deren Mittelpunkt zu sein. Der Krieg der europäischen Kunstrichtungen hat zwar die Atlantiküberquerung überlebt, doch Peggy Guggenheim bringt jetzt alle zusammen...

Als sie Räume sucht, um ihre Kunstsammlung zeigen zu können, legt ihr die Direktorin der Solomon R. Guggenheim Foundation ihres Onkels, Baronin Rebay, alle möglichen Steine in den Weg und wirft ihr vor, den Namen kommerziell ausschlachten zu wollen. Doch Peggy lässt sich nicht beirren, findet Räume, lässt sie umgestalten und ergänzt ihre Sammlung um "wichtige Bausteine": 170 Werke von 67 Künstlern unterschiedlicher Stilrichtung aus den letzten drei Jahrzehnten nennt sie ihr eigen, als sie die Ausstellung "The Art of this Century" am 20. Oktober 1942 eröffnet. Peggy trägt zu diesem Anlass u.a. einen ihrer berühmten Ohrringe von Alexander Calder:

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Es wird ein großes Fest ( den Eintritt von einem Dollar pro Person bekommt das amerikanische Rote Kreuz )...

1943 eröffnet sie eine Ausstellung mit Werken von "Einunddreißig Frauen", darunter Frida Kahlo,  Sophie Taeuber - Arp, Kay Sage u.a. Auch die Geliebten ihres Ehemannes sind mit Werken vertreten. Den hatte sie beauftragt, New Yorker Künstlerinnen ausfindig zu machen, ein typischer Fall von "den Bock zum Gärtner machen", denn Max Ernst lernt so seine Ehefrau Nr. 4 kennen, Dorothea Tanning.

Trost findet sie in ihrer Ausstellungstätigkeit. Und so reaktiviert sie eine Idee aus ihrer Londoner Zeit: eine jährliche Frühjahrsausstellung mit jungen Talenten. Robert Motherwell gehört dazu und Jackson Pollock. Dem bietet sie ein monatliches Gehalt von 150 Dollar und erhält so seine gesamte Produktion. Peggy hat ihre Aufgabe gefunden! Und so ist sie daran beteiligt, eine neue Kunstrichtung aus der Taufe zu heben, den "Abstrakten Expressionismus".

Noch 1943 wird die Ehe mit Max Ernst geschieden, und Peggy findet Trost & Ruhe bei einem einfühlsamen, englischen Sammler, Kenneth MacPherson, mit dem sie ein neues Haus bezieht. Jackson Pollock schafft für den Wohnraum dieses Hauses ein riesiges Werk in Drip Painting Manier:

Peggy & Jackson Pollock 1943
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Pollock bekommt bei ihr zwei große Ausstellungen, und Lee Krasner, seine Ehefrau schreibt ihr zu, den "Abstrakten Expressionismus" erst richtig bekannt gemacht zu haben.

Kaum ist der Waffenstillstand nach Kriegsende in Europa unterzeichnet, kehren die Künstler, aber auch Kenneth MacPherson & Peggys Kinder in die Alte Welt zurück. Die Galerie gerät in Schwierigkeiten. Peggy veröffentlicht ihre Erinnerungen im März 1946 und reist dann im Sommer mit der Schriftstellerin Mary McCarthy nach Venedig, vorher aber zu ihren Kindern in Frankreich. Im Oktober 1946 & Mai 1947 präsentiert sie noch zwei Ausstellungen in ihrer New Yorker Galerie, dann wird diese endgültig geschlossen. Dank des Kulturattachés der französischen Botschaft, dem berühmten Claude Levi - Strauss, erhält sie ein Visum, um nach Europa übersiedeln zu können...

Ihre Sammlung bringt sie erst einmal in einem Lagerraum unter und macht sich auf, ihren finalen Traum zu verwirklichen: Venedig!

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Nachdem sie ihre einzigartige Sammlung 1948 erst einmal auf der Biennale erfolgreich zeigen konnte, muss sie anschließend eine Lösung finden, um die hohe italienische Einfuhrsteuer auf die Kunstwerke zu vermeiden. Zuerst schickt sie die Werke nach Florenz, dann nach Mailand, dann wieder zurück nach Venedig, wo sie hin und wieder einige Bilder im Museum für moderne Kunst zeigen darf.

Aber in ihrem inzwischen gefundenen venezianischen Zuhause, dem Palazzo Venier, darf sie sie wegen des beschränkten Einfuhrrechtes nur zeitweilig beherbergen. So sind die Kunstwerke auf Tournee durch ganz Europa, so z.B. nach Amsterdam, Brüssel und Zürich, bis sich bei einer Rückführung über einen kleinen Grenzübergang in den Alpen durch einen schläfrigen Zöllner, der ihren Wert nicht kennt und eine lachhaft niedrige Taxe erhebt,  das Problem für immer gelöst ist. Endlich kann sie ihr Palazzo so einrichten, wie sie es sich vorgestellt hat!

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Der Palazzo wird hinreißend schön umgebaut. Um den Ort nach außen hin abzuschirmen, gestaltet die Bildhauerin Claire Falkenstein ein Flechtwerk aus Schmiedeeisen:

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Marino Marinis Bronzeplastik "Engel der Zitadelle" lässt Peggy im gepflasterten Hof zum Canale Grande aufstellen:

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In der Eingangshalle begrüßt ein großes Mobile von Alexander Calder:

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Sie führt ein Leben als letzte Dogaressa, reist, hält Kontakt zu den einstigen Künstlerfreunden, knüpft neue zu jungen italienischen Bildhauern, leiht ihre Sammlung an große Museen aus.

1967, während einer Reise in Mexiko, erfährt sie vom Tod ihrer Tochter Pegeen, 1968 stirbt ihr Exmann Laurence Vail - der Himmel über der Lagune wird auf einmal düster für eine alte Dame von siebzig Jahren...
Zur Erinnerung an die Tochter richtet sie einen Saal im Palazzo ein, verbringt die Ferien mit dem Enkel, was sie wunderbar findet. 

Die Sommer in Venedig sind wegen der vielen Besucher kurzweilig. Die Winter aber lassen eher düstere Gedanken an die Vergangenheit und den Tod aufkommen. Sie bietet ihre Sammlung der Stadt Venedig an, die dankend ablehnt. Doch plötzlich tut sich eine Möglichkeit auf, ihre Sammlung dem von ihrem Onkel gegründeten Museum als Schenkung zu überlassen. Es sei, so schreibt sie, als habe sie "den Heiratsantrag von jemandem angenommen, der es kaum erwarten konnte, sie zu heiraten." ( Quelle hier )

1979 bricht Peggy sich beim Springen aus einer Gondel die Hüfte. Kurz nach der Operation erleidet sie eine Herzattacke und fällt ins Koma. Am 23. Dezember 1979 stirbt sie. 
Ihre Asche wird zwischen dem Steinthron und dem Grab ihrer Hunde beigesetzt. "Kunst ist eine Frage der Persönlichkeit", steht auf ihrem Epitaph.

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Ich kann den Besuch des Museums nur jedem Venedigreisenden empfehlen. Es ist ein wunderbarer Ort in einer wunderbaren Stadt. Und ein Platz der Erinnerung an eine Frau, die Leidenschaften kannte...







Kommentare:

  1. so ein volles leben.. hätte ich nie gedacht...danke für deine ausführliche beschreibung...
    zweimal war ich vor dem schönen portal in venedig...und zweimal war es zu! es wird, so hoffe ich, doch ein drittes mal geben... liebe grüsse

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  2. ... ja manche Leben sind prall - und die Bilder sind genial - diese alten Fotografien haben ihren ganz eigenen Charme - wirklich wunderbar.

    Liebe Grüße - Monika

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  3. Hallo Astrid, hier bin ich wieder. Aus den Urlaub ein paar kurze Worte. Ich hatte zum Schluss richtig Gänsehaut. Sehr schön geschrieben und eine große, ich nenn es mal Vorgabe - ihr Leben.
    Ihre Fotos zeigen eine anmutige, lebenslustige Person. Ich kannte sie nicht und habe mich um so mehr über deine Vorstellung gefreut. Viele liebe Grüße Christin

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  4. Was für eine Frau - danke für deine so ausgiebige Recherche und diesen wunderbaren Post dazu!
    Sollte ich jemals nach Venedig reisen, dann werde ich deinem Rat gern folgen.

    Hab' einstweilen einen schönen Tag!
    Sonnige Grüße ... Frauke

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  5. Jetzt kenne ich die Geschichte hinter dem berühmten Namen. Was für ein pralles Leben wieder einmal!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Mal wieder ein faszinierendes Frauenleben, das du uns vorstellst. Spannend so ein reich-haltiges Leben... LG mila

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  7. Noch so eine interessante Frau, die viel herumgekommen ist, in der Welt und bei den Männern ;-)
    LG, Ingrid

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  8. Den Engel der Zitadelle vergisst man nie mehr :-) Danke für diesen ausführlichen und sehr sehr interessanten Post! Frau müsste sich das eigentlich alles merken und in Gesprächen einbringen, aber hilft ja auch schon mehr über diese Künstlerin zu wissen und es ist unfassbar, dass sie nicht bekannter ist....

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    1. Liebe Elisabeth, ich merk mir das alles auch nie, weiß aber immer, wo es in welchem Buch steht...
      GLG

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  9. Liebe Astrid,
    Wieder einmal ein sehr interessanter Bericht! Solchen Mäzenen hat die Kunst viel zu verdanken. Die Förderung der aufstrebenden Talente, die Hartnäckigkeit bei ihrer Unterstützung, der richtige Riecher und nocht zuletzt uns die Möglichkeit zu geben, die von ihnen gesammelten und protegierten Werke betrachten zu können. Das ist ganz eindeutig ihr Verdienst. Trotzdem glaube ich nicht, dass mir Frau Guggenheim sympathisch geworden wäre, hätte ich ihr begegnen können. Zu sehr ein Mensch, der sich mit Luxusproblemen herumschlagen musste und doch irgendwie von dem großen Namen profitiert hat - aber vielleicht tue ich ihr da auch unrecht, ich will mich da nicht aus dem Fenster lehnen, ist nur so ein Gefühl...ich hoffe, du verstehst, was ich meine!
    Gros bisou
    Sandra

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    1. Da ich ihre Sammlung und dieses Haus so sympathisch fand, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie mir unsympathisch gewesen wäre. Letztendlich haben ja all diese Kinder der Gründerzeitkapitalisten unter großen Selbstzweifeln gelebt und auf ganz andere werte als ihre Vorväter gesetzt & etwas geschaffen. Ich arbeite gerade an einem neuen Bio - Post, da taucht das Problem auch wieder auf...
      GLG

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  10. Liebe Astrid,
    das geflochtene Portal habe ich im Herbst fotografiert, so gerne wäre ich ins Museum gegangen, leider wollten meine Mitreisenden weiter. Ich lese derzeit per Smartphone Deine Posts, wie immer beeindruckt mich Dein Wissen über Frauen.
    Herzlich Judika

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Der Kommentar ist für den Blogger wie der Applaus im Theater - also: worauf wartest du?

Aber bitte nicht vollkommen anonym - ein Name ist erwünscht! Und ein gewisses Maß an Herzensbildung auch - ansonsten schalte ich den Kommentar nicht mehr frei. Das kann auch schon mal dauern - dann bin ich vom Schreiben neuer Posts gefesselt!

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