Sonntag, 30. August 2015

Mein Freund, der Baum: Stieleiche







Mit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 und dem Gefühl nationaler Einheit zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein: Auf deutschen Ehrenmalen, Kränzen, Hoheitszeichen und dergleichen diente das Eichenlaub - in ähnlicher Form wie Lorbeerzweige oder Lorbeerkranz - auf Orden, Symbolen und Münzen dazu, etwas weihevoll hervorzuheben, so beispielsweise auf dem Eisernen Kreuz (1. Weltkrieg) bzw. Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub (2.Weltkrieg). Und selbst bei der Nationalen Volksarmee der ehemaligen DDR trug man das Eichenlaub als Hoheitszeichen auf den Mützen bzw. einer Kokarde.
In der Währungsreform zur Gründung der Bundesrepublik wurde aufs Neue die deutsche nationale Symbolik aufgegriffen, einmal in der Abbildung des Eichenlaubs auf Münzen und Scheinen, zum anderen mit der „Eichen-Pflanzerin“ auf den 50-Pfennigstücken der früheren D-Mark

Wer mich kennt, weiß, dass mir davon vieles sehr suspekt ist - leider hat dies auch der schöne Baum mit seinem besonderen Laub abbekommen...



Auch die Verwendung der Bezeichnung "Deutsche Eiche" für die Stiel- oder Sommereiche/Quercus robur, Syn.: Quercus pedunculata wirkte auf mich immer irgendwie nationalistisch verdächtig - ein Grund, warum dieser Baum wenig Chancen hatte, zu meinen Lieblingsbäumen zu gehören.

Hinzu kam, dass der Begriff Eiche über viel Jahrzehnte meines Lebens hinweg synonym für Rustikalität und urigen Landhausstil in der Inneneinrichtung stand - noch so ein Grund, weshalb sie bei mir nicht punkten konnte.

Mit dem Alter kommt Gelassenheit, weicht der Dogmatismus, wächst die Fähigkeit, die ganze Vielfalt einer Sache zu sehen & zu würdigen. Und so hat die Eiche endlich auch bei mir eine Chance bekommen.



Der symbolträchtige Baum der Germanen ( er steht für Unsterblichkeit und Standhaftigkeit ) für ihren Gott Donar begegnete mir als Kind oft in den oft erzählten Legenden zur Christianisierung meines Heimatlandstriches durch Bonifatius, Kilian oder Pirmin, auf die die alte (Acker-)Kulturlandschaft namens Bauland mit ihrem weitmaschigen Siedlungsnetz zurückzuführen ist, in der ich groß geworden bin. 
Auch den Kelten - von denen in meiner Heimatregion bis heute viele beeindruckende Spuren zu finden sind -  galt die Eiche als Sinnbild purer Lebenskraft und Stärke, wahrscheinlich da Eichen zu jenen Bäumen gehören, die ein sehr hohes Alter erreichen können.
Kein Wunder also, dass die neue Religion diesen Bäumen mit der Axt zu Leibe rückte, um die Ohnmacht der alten Götter sinnfällig zu beweisen. Und mich wundert es noch weniger, dass dieser Baum in jenen unseligen Zeiten wieder ein wesentlicher Bestandteil nationalsozialistischer Propaganda und Symbolpolitik wurde.

Nach so vielen kulturhistorischen Aspekten noch ein paar naturwissenschaftliche Fakten:



Die Stieleiche erreicht eine Höhe von 20 bis 40 Meter und einen Stammdurchmesser bis zu drei Metern. Sie bildet eine kräftige Pfahlwurzel aus, dank der sie äußerst sturmfest ist. Die Stieleiche kommt vor allem in Tiefebenen und Auwäldern vor. Eichenwälder in Mitteleuropa sind allerdings meist auf menschliche Pflanzungen zurückzuführen, da die Eichen wegen ihres wertvollen Holzes, ihrer als Viehfutter nützlichen Früchte und ihrer Rinde, benötigt beim Gerben von Leder, geschätzt und genutzt wurden.

Nachweislich gibt es Eichen auf der Erde seit mehr als 12 Millionen Jahren, wie fossile Funde in den Sedimenten des Tagebaus Hambach hier ganz in meiner Nähe gezeigt haben.



Die Früchte der Eichen, die Eicheln, sitzen zu dritt bis fünft an 1,5 bis 4 Zentimeter langen Stielen ( daher der Name ). Früher ein wichtiges Schweinefutter, erfreuen sie heutzutage vor allem die Kinder im Herbst. Bald wird es wieder so weit sein...































Baumfreunde und die, die es werden wollen, treffen sich heute wieder bei Ghislana/Jahreszeitenbriefe. Schaut doch einfach mal vorbei!








Samstag, 29. August 2015

12tel Blick - August 2015






Mein 12tel Blick im August - einmal am 25. Tag des Monats, ca. 17 Uhr: 

























und  noch einmal zwei Tage später, am 27. August um die gleiche Zeit:

















und - am Samstagabend ergänzt - am 29. August um 19.30Uhr:


Touristen sind in diesem Monat immer auf der Domplatte,
gleich, welches Wetter angesagt ist.
Nur die Fotografierlust wird durch den Regen ausgebremst
und man flüchtet sich schneller ins Dominnere.
Am Samstag mischten sich dann auch noch Sommerkarnevalisten unters Volk..


Und so sah in den vergangenen Monaten der 12tel Blick aus:


Im September müsste ich eigentlich mal endlich in der Mittagszeit vorbeischauen!

Freitag, 28. August 2015

Raif Badawi - der 34. Post



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Auch heute ist in Dschiddah die öffentliche Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi ausgefallen. Die erlösende Nachricht erreichte das www. heute wieder gegen 17 Uhr. Dass ich diese gleichbleibende Nachricht nunmehr seit dreiunddreißig Wochen verkünden kann, hat wohl folgenden Hintergrund:

  • In Zeitungsberichten gibt Raifs Ehefrau Ensaf Haidar ihre Informationen darüber weiter, wer die erste öffentliche Auspeitschung ihres Mannes veranlasst hat, und wie die Reaktionen diverser saudischer Regierungsmitglieder darauf ausgefallen sind, zum Beispiel hier. Und das ergibt ein ganz neues Bild, denn es war wohl der Vorsitzende des regionalen Gerichts, der die Auspeitschung angeordnet und der damit bestehende Gesetze verletzt hat. "Er wusste, dass der Fall auch vom höchsten saudischen Gericht untersucht wurde. Und natürlich wusste er auch, dass das Auspeitschen alle internationalen Verträge und Konventionen verletzt, die Saudi-Arabien unterzeichnet hat", so Ensaf Haidar. Der saudische Vertreter bei den Vereinten Nationen, Abdallah al-Muallami, war wohl entsetzt darüber, weil ihm bewusst war, dass die Auspeitschung gegen internationale Konventionen und Verträge verstößt, und äußerte sich entsprechend kurz nach den ersten Peitschenhieben in einer Zeitung in Dschiddah.

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  • An dieser Stelle hatte ich bereits einmal auf das Schicksal des Mauretaniers Mohamed Cheikh Ould Mkhaitir hingewiesen - inzwischen besteht die Möglichkeit, eine Petition an das mauretanische Entscheidungsgremium hier zu unterzeichnen. Der 30-jährige Blogger war im Januar vergangenen Jahres nach Veröffentlichung eines Artikels auf der Website der Zeitung "Aqlame" verhaftet worden, in der er das mauretanischen Kastensystem* kritisiert und auf die Doppelmoral Mohammeds in solchen Fragen hingewiesen hatte. Im Dezember darauf wurde er zum Tode verurteilt.

  • Angesichts der jüngsten Ereignisse in unserem Land bzw. Europa ist es mir eigentlich vergangen, meinen Finger in die Wunden anderer Länder zu legen, tue es aber trotzdem noch einmal und weise an dieser Stelle auf den neuesten Bericht von Amnesty International hin, der die Hinrichtungspraxis in Saudi - Arabien beschreibt. Denn darin kommen Vorstellungen von Recht zum Ausdruck, die ich unerträglich finde, so zum Beispiel die, Ehebruch mit der Todesstrafe zu ahnden. Offensichtlich ist unter den 175 Hinrichtungen seit August 2014 in Saudi - Arabien jede zweite gegen ein Vergehen verhängt worden, das nichts mit der Tötung eines anderen Menschen zu tun hatte wie - neben dem Ehebruch - Drogenhandel, Vergewaltigung oder "Hexerei". Fast die Hälfte der Verurteilten waren laut Amnesty Ausländer. Viele von ihnen hätten kein Arabisch gesprochen und deshalb Probleme dabei gehabt, die Gerichtsprozesse und Strafen zu verstehen. Auch gegen Jugendliche oder Menschen mit geistiger Behinderung wird die Todesstrafe ausgesprochen und vollzogen.

  • Was den Umgang mit dem Vorwurf des Ehebruchs traditionellerweise im Islam anbelangt, möchte ich noch einmal auf diesen besonders aufschlussreichen Blogbeitrag verweisen, in dem ausführlich beschrieben wird, dass der Koran die Bestrafung eines Ehebruches durch Steinigung nicht verlangt. Auf jeden Fall wird durch dies Abhandlung deutlich, welche Veränderungen der Umgang mit den Korantexten im Laufe der Jahrhunderte genommen hat ( und in der Neuzeit (!!!) besonders harsche Formen angenommen hat ). Mir ist es wichtig herauszustellen, dass Religion als Machtinstrument missbraucht wird.

  • In der vergangenen Woche gab es in den Medien auch viele Interviews mit Navid Kermani zu hören und zu lesen, der in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten wird. Mit seinem Statement - "Die Islamisten machen den Islam zu einer Karikatur seiner selbst" - kann ich mich nach wie gut identifizieren, verliere aber momentan die Lust auf weitere kritische Hinweise, wenn hierzulande politische Auseinandersetzungen auf eine Art & Weise stattfinden, die ich nicht gutheißen kann. Ich möchte nicht vereinnahmt, fehlinterpretiert und in eine bestimmte Schublade gesteckt werden, weil ich mich hier kritisch mit dem Islam auseinandersetze, da mir die Doppelmoral mancher Religionsvertreter ordentlich auf den Senkel geht. Ich werde mich in Zukunft also freitags auf das Weitergeben der wesentlichen Nachricht zu Raif Badawi beschränken.









* Seit der Unabhängigkeit von Frankreich ist Mauretanien, eines der ärmsten Länder der Welt, die letzte Hochburg der Sklaverei, die zwar 2007 offiziell verboten wurde,  aber noch immer zwischen vier und zwanzig Prozent - je nach Schätzung - der Bürger im mauretanischen Kastensystem in Sklaverei hält.
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