Freitag, 3. Juli 2015

Friday - Flowerday # 27/15

bietet allen, die Blumenschmuck lieben,
heute wieder ein Forum in ihrem Blog.







Heute finde ich es wieder sehr bedauerlich,
dass ich keinen Duft posten kann.
Denn der, den die beiden Bunde Duftwicken verströmen,
die mir die Freundin vom Wochenmarkt mitgebracht hat,
ist unglaublich intensiv.


Da hält sich die Geranienblüte
geradezu diskret zurück.

Meine Neuerwerbung in puncto Kunst
( eine Buntstiftzeichnung von Heike Herold )
gefällt mir sehr gut,
deshalb taucht sie hier am Freitag schon wieder auf.

Und zuletzt wieder der große Überblick:


Ein schönes Wochenende!

Wer sich übrigens für die Anfänge der modernen Floristik interessiert, dem empfehle ich meinen gestrigen "Great Women" - Post über Constance Spry

Donnerstag, 2. Juli 2015

Und noch einmal: Panoramafreiheit



Heiß ist es geworden hier bei uns. Und ebenso überhitzt ist offensichtlich die Reaktion im Netz gewesen auf die Modifizierungen des sog. Reda- Berichtes im Rechtsausschuss des EU - Parlamentes...

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Da ich im Moment bei dieser Hitze alle meine Kräfte zur Alltagsbewältigung bündeln muss, veröffentliche ich an dieser Stelle nur die Mail, die mir der EU - Abgeordnete Ismail Ertug heute geschickt hat, weil ich die gut verständlich & nachvollziehbar finde. Die darin aufgeführten Links könnt ihr bei Bedarf zu eurer Information anklicken.

"... Die sozialdemokratischen Abgeordneten werden am 9. Juli für den Änderungsantrag stimmen, der die umstrittene Passage streicht]



Vorab eine kurze Klarstellung, was überhaupt in der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments abgestimmt werden soll:
Der so genannte "Reda-Bericht" mit dem Titel " Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und verwandter Rechte in der Informationsgesellschaft" (zu finden hier: http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=REPORT&reference=A8-2015-0209&language=DE) ist kein legislativer Bericht sondern "nur" ein Initiativbericht. Die Gesetzgebungsinitiative liegt grundsätzlich bei der Europäischen Kommission. Durch den Vertrag von Maastricht und dessen Änderung durch den Vertrag von Lissabon wurde dem Europäischen Parlament im Artikel 225 AEUV ein Initiativrecht für den Legislativbereich übertragen, das ihm die Möglichkeit gibt, die Kommission aufzufordern, ihm einen Vorschlag zu unterbreiten.

Was bedeutet das? Das Parlament kann die Kommission lediglich auffordern, gesetzgeberisch aktiv zu werden. Ob und wie sie das allerdings tut ist eine ganz andere Frage. Genau das ist die rechtliche Grundlage des nun viel diskutierten Reda-Berichts. Auch wenn dieser Bericht am 9. Juli vom Plenum in der umstrittenen Fassung angenommen werden würde, hätte das keinerlei Konsequenz für die rechtliche Situation in der EU und ihren Mitgliedsstaaten.

Ich bin mir sicher, dass der Deutsche Journalistenverband an der Sache dran bleiben und sich rühren wird, wenn akut etwas entschieden werden soll. Und das werden wir sicher auch mitbekommen. 

Ich bin froh, dass ich die Kontakte zu den Abgeordneten gesucht habe ( und auch bis heute sechs Antworten bekommen habe ), werde mein Augenmerk aber fürs Erste wieder auf andere Probleme richten. Morgen kann ich allerdings aus persönlichen Gründen meinen üblichen Freitagspost zu Raif Badawi NICHT absetzen…

Ich wünsche euch allen eine entspannte, gewitterfreie Hochsommernacht!


Great Women # 27: Constance Spry


Was spontan vor 8 Monaten begann, nachdem ich den ersten Beitrag bei Barbara/barbarabee gelesen hatte, gehört inzwischen ganz fest zu meinem "Programm": Posts über Frauen, die auf irgendeine Weise in mein Blickfeld geraten sind und mein Interesse geweckt haben. Fünfundzwanzig Porträts sind es inzwischen geworden, heute nun also das 27. Porträt:

Ich wollte nie, nie einen Rosengarten, vor allem, wenn er so aussah, wie es in der Nachkriegszeit üblich war: Ein Rondell voller spirreliger Pflanzengestalten, an deren einem Ende eine große, meist grellfarbige Einzelblüte in Rotorange wuchs, wohlgestaltet, aber ohne Duft. 

Als wir 1986 ein völlig brachliegendes Grundstück mit Haus erwarben, kam ich in diversen Zeitschriften in Berührung mit ganz anderen Rosengärten mit Rosen, wie ich sie mir so vorstellte: Englische Rosen von David Austin. Eine stach mir sofort ins Auge, weil sie so ganz meinem Ideal entsprach: Constance Spry.

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Leider gab es zu dieser Zeit nur einen Züchter in Deutschland, der die Rosen vertrieb, nämlich Ingwer J. Jensen in Glücksburg, und der hatte erhebliche Engpässe. So hat er statt der gewünschten "Constance Spry" der "Gertrude Jekyll" zum Rosenstart in unserem Garten ( und mir zu einer andauernden Leidenschaft ) verholfen.

Der Name aber blieb in meinem Gedächtnis. Nur: Wer steckte dahinter? Eine stilprägende Floristin, Sozialreformerin, Lehrerin und Bestseller - Autorin - genug Gründe für mich, um sie hier genauer vorzustellen.

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Constance Spry kommt als Constance Fletcher am 5. Dezember 1886 als ältestes von fünf Kindern & einzige Tochter des Eisenbahners George Fletcher und seiner Ehefrau Henrietta, Tochter eines Ladenbesitzers, in Derby/Vereinigtes Königreich zur Welt.

Die Eltern sind sehr ehrgeizig & haben den brennenden Wunsch sich zu verbessern: So erreicht der Vater durch den Besuch der Abendschule die Stellung eines Eisenbahnangestellten, was aber den Umzug der Familie nach Irland mit sich bringt.

Auch die Tochter wird ermutigt, sich um Bildung zu bemühen, und so folgt auf den Schulbesuch ein Studium der Krankenpflege inklusive Physiologie & Hygiene. Sie wird anschließend die erste voll bezahlte Dozentin der irischen "Women’s National Health Association" und bildet die Menschen in Erster Hilfe und Heimpflege weiter.

1910 heiratet sie den verwitweten Bergwerksmanager James Heppell Marr und zieht mit ihm aufs Land auf ein Anwesen in der Nähe von Castlecomer, einer Kohlebergbaustadt im Südosten Irlands. Dort entsteht ihr leidenschaftliches Interesse für die Gärtnerei, geboren aus der Notwendigkeit, in ihrem abgelegenen Heim die notwendigen Lebensmittel anzubauen.

Doch die Ehe ist eine arge Enttäuschung. Mit dem Ausbruch des 1.Weltkrieges wird "Connie" Sekretärin des Roten Kreuzes in Dublin und bekommt ihren einzigen Sohn Anthony. Zum Kummer ihrer Eltern verlässt sie ihren Ehemann 1916 und kehrt mit ihrem Sohn nach England zurück. Als Angestellte im Rüstungsministerium lernt sie den ( verheirateten ) Henry “Shav” Spry kennen, mit dem sie später zusammen leben wird, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Sie nennt sich dann allerdings Mrs. Spry, und diese Lüge fällt nicht weiter auf.

Nach Kriegsende kehrt Constance zu ihren Ursprüngen im Sozial- & Wohlfahrtswesen zurück und übernimmt 1921 die Leitung einer Schule im armen East London. Programm der Schule ist, sehr jungen Arbeiterinnen Grundkenntnisse im Kochen und Nähen zu vermitteln. Durch die Blumensträuße, die sie mitbringt, um die trostlose Umgebung freundlicher zu gestalten, erweckt Constance Interesse bei den Mädchen, so dass sie beginnt, in ihnen die Fähigkeiten zu entwickeln, mit Blumen ihre Umwelt zu gestalten. Ihrer Meinung nach sind Blumen ein  "Gegenmittel gegen Armut und eine triste Umgebung".

Junge Frauen der Schule am Winkfield Place nach dem 2. Weltkrieg
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Blumen und Blumenarrangements finden sich zu jener Zeit nur in den Häusern der Reichen, die es sich leisten konnten, Schnittblumen zu kaufen oder einen großen Garten in der Vorstadt zu unterhalten. Constance beginnt mit allerlei "floralen" Materialien zu experimentieren. Ihre Arrangements mit ungewöhnlichen, "billigen" Pflanzen erregen Aufsehen: "Unbewusst, glaube ich, hatte ich einen Moment getroffen, in dem die Leute die üblichen Versatzstücke der professionellen Floristen leid  waren (.... ). Auf jeden Fall kamen bald und zahlreich Anfragen für Blumenarrangements , und ich beschloss, mit einem kleinen Laden zu beginnen." 

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Sie hört auf, als Lehrerin zu arbeiten und eröffnet 1929 ihren ersten Blumenladen. Das ist auch deshalb ungewöhnlich, weil bis zu diesem Zeitpunkt Floristik ausschließlich eine Domäne der Männer ist. Sie erregt damit einiges Aufsehen: Und in der Tat ist Constance eine Person, die viele gesellschaftliche Barrieren ihrer Zeit überwindet ( mit einer gewissen Würde und Dezenz ).



Besondere Aufmerksamkeit wird 1929 einer Dekoration im Schaufenster der Parfümerie Atkinsons in der Old Bond Street, einer der teuersten Einkaufsstraßen in Mayfair bis heute,  zuteil: "she literally stopped the London traffic when she created a winter window display of hops, old man’s beard, copper beech leaves and green orchids" ( Quelle hier ).

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Sie benutzt ungewöhnliche Gefäße und orientiert sich an der niederländischen Blumenmalerei des 17./18. Jahrhunderts, verwendet Samen und Gräser, Weidenkätzchen, Tomaten, Rhabarber oder Zierkohl:

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1934 kann sie ein Geschäft in Mayfair eröffnen und bereits siebzig Angestellte beschäftigen. Sie bringt ihr erstes Buch heraus und begründet die "Constance Spry Flower School".

Mit Syrie Maugham, der ersten englischen Innenarchitektin und Frau von Somerset Maugham, als Freundin wird sie bekannt mit König Edward VIII ( Herzog von Windsor ), dem Fotografen Cecil Beaton, der Modeschöpferin Elsa Schiaparelli und Gluck ( eigentlich Hannah Gluckstein ), einer Malerin von Blumenbildern:

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Mit Gluck verbindet Constance auch eine vierjährige Liebesbeziehung, deren Ende ihr fast das Herz bricht. 

1937 gestaltet sie den Blumenschmuck bei der Trauung des ehemaligen König Edwards VIII mit Wallis Simpson in Frankreich. Wallis Simpson ist eine gute Kundin. Deshalb riskiert Constance Spry die eventuelle soziale & royale Ächtung.

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Doch 1953 - den 2. Weltkrieg hat sie mit der Wiederaufnahme einer Lehrtätigkeit überstanden und 1946 erneut eine Hauswirtschaftschule ( am Winkfield Place ) begründet - hat ihr die junge Prinzessin Elizabeth alles verziehen und betraut sie mit der Dekoration der Westminster Abbey, der Prozessionsrunde sowie des Buckingham Place bei ihrer Krönung zur Königin:

Constance Spry beim Beratungsgespräch mit Eric Bedford
bezüglich der Platzierung von Blumenschmuck bei den Krönungsfeierlichkeiten
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Am Winkfield Place gibt es auch 7 Hektar Anbaufläche für frische Produkte für die Schulküche sowie für Schnittblumen für den Bedarf des Geschäftes, darunter 1200 Rosenbüsche. Constance ist so gar nicht begeistert von den neuen Hybrid-Teerosen ohne Duft.  Sie bevorzugt die alten, duftenden Rosensorten. Diese Liebe führt sie zu Freundschaften mit vielen der englischen Rosenzüchter der Epoche, darunter der aufstrebende David Austin.

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Constance Spry ist eine bienenfleißige Arbeiterin: Neben dem Blumenladen, dem Unterricht an der Schule, Vorträgen und Aktivitäten bei der "Chelsea Flower Show" schreibt sie zwischen 1934 und 1959 elf Bücher, zehn über Blumen, und - zusammen mit Rosmarin Hume - auch ein Kochbuch: "The Constance Spry Cookery Book". Die Bücher werden in der ganzen Welt veröffentlicht, und einige sind auch weiterhin in gedruckter Form erhältlich. Im Jahr 1957 schreibt sie “Simple Flowers ‘A Millionaire for a Few Pence’”, in dem sie betont, dass Fantasie ein Schlüssel zur Verbesserung von Lebensqualität ist.

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Am 3. Januar 1960 stirbt sie in London.


Floristik unterliegt auch der Mode, und was Constance Spry 1926 geschaffen hatte, war sicher nicht wirklich neu, aber neuartig durch ihre Interpretation. Ihre Arrangements enthielten Elemente früherer Zeiten kombiniert mit zeitgenössischen Perspektiven. Ihre Fähigkeiten wurden untermauert von einem äußerst fundiertem Wissen über Pflanzen & Blumenzucht, gepaart mit der sensiblen Wahrnehmung vielfältigster Eindrücke, einer Portion Intuition und vor allem einer großen Leidenschaft für Blumen. Ihr Genialität bestand darin, das alles nahtlos zu vereinen. 

Bei einem Besuch in Australien 1959, einer ihrer letzten Vortragsreisen kurz vor ihrem Tod, sagte Constance Spry: “Beware of stylizing. Accept no rules. Let the flowers remind you of how they looked when growing. You are not human unless you have a way of expressing yourself.”

Das lasse ich mir  allzu gerne sagen, nicht nur bei meinem Umgang mit Blumen...



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