Montag, 1. Mai 2023

Mein Freund, der Baum: Kaukasus - Fichte & Vilmorin - Tanne

Bei meinem Osterspaziergang vor drei Wochen in unserem Botanischen Garten hab ich mal endlich wieder neue Bäume für diese Reihe entdeckt, Koniferen zwar, aber die meisten Laubbäume waren auch noch nicht so weit, sich zu outen bzw. sich fotografieren zu lassen.

Der Baum, den ich heute vorstellen will, scheint eine echte Alternative für die bei uns übliche Picea abies zu sein: Die Kaukasus-Fichte Picea orientalis ist viel trockenheitsverträglicher, wurzelt tiefer und bildet auch wesentlich mehr Harz. Das hilft ihr, sich gegen die Borkenkäfer zu wehren. Der Baum wird auch unter dem Namen Orient-Fichte, Morgenländische Fichte und Sapindus-Fichte geführt und ist eine Pflanzenart aus der Gattung Fichten (Picea) in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae).

Die Kaukasus-Fichte stammt aus den Höhenlagen der Türkei, vor allem aus dem dortigen Pontischen und dem Taurus - Gebirge, und aus dem gesamten Kaukasus-Gebiet. Sie bildet dort riesige Reinbestände bis 2000 Meter Höhe, kommt aber auch in artenreichen Mischwäldern  mit Türkischer Tanne, Orientbuche, Schneeball-Ahorn, Hopfenbuche, Hainbuche, Libanon-Zeder und Blumen-Esche vor.

In ihrer Heimat wird die Kaukasus-Fichte bis zu 60 Metern hoch. Bei uns erreicht sie eher nur die Hälfte dieser Höhe. Die Krone ist schmal kegelförmig und weist viele verdrehte Äste auf. Dieser skurrile Wuchs ist  der Grund dafür, weshalb diese Fichte bei uns eher nur als Ziergehölz vorkommt. Sie bildet aber schöne gleichmäßige und gerade Stämme mit einem Brusthöhendurchmesser von ca. einem Meter. In der Türkei und im Kaukasus wird diese Fichte deshalb in den Sägewerken und der Papierindustrie sehr geschätzt. 


Die Kaukasus - Fichte ist ein langsamwüchsiger Baum, der tiefgründige, lockere, frische und humose Böden bevorzugt. Dann erreicht sie gute Wuchsleistungen. Sie kommt aber auch mit der Trockenheit zurecht und nimmt auch schlechtere und steinigere Böden sehr gut an.  Die Baumscheibe sollte allerdings nicht bepflastert und verdichtet sein, denn die Wurzeln sind flachstreichend. Die Fichte ist widerstandsfähig gegen Frost und ein Nährbaum für Vögel. Die schlechte Luft in Industriegebieten verträgt die Picea orientalis gut. 

Diese Fichte ist vom Boden bis zur Spitze dicht und regelmäßig verzweigt und wintergrün. Die jungen Zweige sind hellbraun. Die Nadeln sind steif, lackartig glänzend, dunkelgrün und die kürzesten aller Fichten. An der Oberseite des Zweigs liegen die Nadeln mehr oder weniger flach am Trieb an, was den Zweigen  filigrane Erscheinung verleiht. An der Unterseite stehen die Nadeln etwas bürstenartiger ab. Sie zeigen stets nach vorn.

Die Rinde der Kaukasus-Fichte ist grau, weist wenige Risse auf und löst sich in kleinen Platten ab.


Die schmal länglich-ovalen Zapfen, 5-10 Zentimeter lang, sind grün bis purpurfarben beim Reifen und färben sich später rotbraun bis purpurbraun. Sie sind ca. 7 cm lang und hängen vor allem an den oberen Gipfeltrieben. Die Kaukasus-Fichte ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Die weiblichen Zapfen wachsen bei jüngeren Bäumen fast ausschließlich nahe am Gipfel, bei alten Bäumen dagegen in der ganzen Baumkrone verteilt. Die hängenden, reifen Zapfen sind etwa 7 cm groß, gekrümmt, spitz, braun und harzig. Die Samen sind geflügelt.

Die Zapfen und die Endknospen an den Trieben sind sehr harzig. Diese Harztropfen werden Sapindus-Tränen genannt. 

Obwohl bereits im 18. Jahrhundert von den europäischen Botanikern entdeckt, wurde die Kaukasus-Fichte erst gegen 1840 nach Europa gebracht.

Eine Variante ist Picea orientalis 'Aureospicata', die Gelbe Kaukasus-Fichte, so wegen ihres hellgelben Austriebs genannt, die nur eine Höhe von zwölf Metern erreicht.

Mit einer nicht weniger bizarren Konifere möchte ich euch noch bekannt machen; der Vilmorin - Tanne Abies x vilmorinii Mast, auch Wilmorinova-Tanne genannt. Das ist ein Hybrid aus Griechischer Tanne Abies cephalonica und Spanischer Tanne Abies pinsapo, gezüchtet von Vilmorin - heute ein börsennotiertes Saatgutunternehmen -  in Verrières, Frankreich, im Jahr 1867. Gegründet wurde das Unternehmen von dem Botaniker Philippe-Victoire Levêque de Vilmorin (1746–1804), der u.a. die Rübe Beta vulgaris unters Volk gebracht hat.

Vilmorin hat als Pollenelternteil die griechische Tanne und die Spanische Tanne als Samenelternteil verwendet und einen einzigen fruchtbaren Samen erhalten, der im nächsten Jahr keimte. Echte Sämlinge wurden 1888 aus dem ursprünglichen Baum gezogen. Diese Kreuzung kann wohl überall dort vorkommen, wo die Eltern ursprünglich wachsen. Die Vilmorin - Tanne gilt als selten, wird aber seit 1913 im Baumschulhandel angeboten. Beschrieben worden ist sie vom englischen Botaniker und Arzt Maxwell Tylden Masters, weshalb der Name der das Autorenkürzel "Mast" trägt.

Sie ist ein Baum von bis zu 30 Metern Höhe mit einer breit konisch-pyramidenförmigen Krone und langen & kräftigen Ästen, die sich im Alter horizontal ausbreiten. Die vegetativen Knospen sind eiförmig, dick, an der Spitze stumpf, harzig. Die Nadeln gleichen denen von Abies pinsapo, sind aber länger, weniger steif und etwas gekämmt angeordnet, dunkelgrün und breit gefurcht. Zapfen sind oft reichlich vorhanden, schmal länglich oder spindelförmig, 14–16 Zentimeter lang.

In der Jugend braucht diese Tanne Schatten und nährstoffreiche, feuchtere Böden, ansonsten bevorzugt sie wärmere, vorzugsweise sonnige Standorte oder lichten Halbschatten. In Gebieten mit mittleren Jahrestiefsttemperaturen braucht sie besonders in der Jugend Winterschutz.

Die Vilmorin - Tanne ist eher ein Gewächs in botanischen Gärten oder Arboreten. Im  Arboretum der belgischen Stadt Tervuren östlich von Brüssel ist ein Exemplar mit einem Stammumfang von 3,5 Metern & einer Höhe von 32 Metern anzutreffen. Das Exemplar im Kölner Botanischen Garten kam mir hingegen eher als ein Busch vor.

Und nun eröffne ich euch, liebe Baumfreundinnen, vier Wochen lang mit dem Linktool die Möglichkeit, eure Baumentdeckungen im Mai zu verlinken.









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7 Kommentare:

  1. ui
    da hast du aber interssante Entdeckungen gemacht
    vielleicht ist der erste Baum ja als Ersatz für die Fichte geeignet
    und wird bald öfter mal angepflanzt
    einen schönen ersten Mai
    wünscht Rosi

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  2. Wie gut, dass es Bot. Gärten und Arboreten gibt, die uns eine Sammlung der verschiedensten Gehölze aus nah und fern auf ihrem Areal zeigen. Fichten kennt man schon aber die unterschiedlichen Arten eher nicht. Wobei...mir die Laubbäume doch noch lieber sind. ;-)) Diese Baumliebe entwickelte sich erst in den letzten Jahren intensiver und gerade in den heißen Sommern sollten wir sie besonders wertschätzen und schützen.
    Liebe Astrid, hab einen schönen Maientag - lieben Gruß von Marita

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  3. Liebe Astrid, Bäume, die sowohl mit Trockenheit gut zurecht kommen als auch widerstandsfähig gegen Frost und schlechte Luft in Industriegebieten sind und dann auch noch Nährbäume für Vögel darstellen, sind eindeutig wertvolle Gehölze. Bestimmt eignen sie sich außerdem gut als Nistbäume - im Nachbargarten werden die Nadelbäume für diese Zwecke den Laubbäumen vorgezogen, vielleicht weil sie höher wachsen oder aber auch, weil sie von Katzen nicht so gut erklommen werden können.
    Von mir bekommst du heute die historischen Obstbäume aus dem Kagraner Schulgarten verlinkt.
    🌸❤️🌸
    Hab einen wunderbaren Mai!
    Alles Liebe, Traude 😘
    https://rostrose.blogspot.com/2023/04/monets-garten-ein-blumiger-tag-in-wien.html

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  4. Liebe Astrid,
    wir teilen auch die Baumliebe und ich musste grad schmunzeln, weil ich mir tatsächlich die Kaukasus-Fichte einmal für meinen Garten ausgesucht hatte ... nun, die Dame ist dann wohl zu groß! ABER sie ist sehr sehr schön.
    Alles Liebe und einen guten, aufrechten und schönen Mai
    Elisabeth

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  5. Sehr interessante Bäume. Nadelbäume sind doch auch berichtenswert. Und am Liebsten hätte ich jetzt ein paar (gefüllte) Zapfen, damit ich welche aussähen könnte.
    Danke für einen weiteren Monat mit Baumgeschichten
    Liebe Grüße
    Nina

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  6. Mich würde interessieren, welche Zapfen die Kaukasus-Fichte wohl hat, teilen unser Nachbar zur Rechten und wir uns einen Fichte, die ich nicht wirklich zu ordnen kann. Doch auf Deinen Bildern sehen sie sich sehr ähnlich, liebe Astrid. Vielen Dank für den schönen Beitrag. Alles Liebe, dat Nikölleken

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  7. die kaukasusfichte habe ich bestimmt schon mal in botanischen gärten oder in parks gesehen, wusste aber ihren namen nicht. die zapfen habe ich mir bei g. angesehen und meine, dass sogar eine im kleinen lieblingspark in destedt steht. beim nächsten besuch dort schaue ich nach.
    ich habe dir heute imposante kastanien und linden mitgebracht. und einen rosablühenden baum. vielleicht kennst du ihn ja.
    liebe grüße
    mano

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Danke, dass du dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst!

Ich wünsche mir allerdings nach wie vor, dass ein Name am Ende des Kommentars steht.
Da die anonymen namenlosen Kommentare zuletzt wieder zugenommen haben, hier der ausdrückliche Hinweis:

Ich werde sie weiterhin konsequent NICHT freischalten. ( Ausnahme: die amerikanische Gepflogenheit, nicht zu unterschreiben )

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