Donnerstag, 7. November 2019

Great Women # 199: Joni Mitchell

Wenn ich an sie denke, kommt mir immer sofort dieses Lied in den Sinn:
Es ist ein Lied wie ein Springseil. Ein Kinderreim. Doch bei all den Kreationen, die es von meiner heutigen großartigen Frau gibt, ist es eine Tragödie, wenn man sie auf dieses Ding reduziert. Das sagt sie selbst, Joni Mitchell, die heute ihren 76. Geburtstag begehen kann.

"I've looked at love from both sides now
From give and take and still somehow
It's love's illusions that I recall
I really don't know love 
Really don't know love at all

Tears and fears and feeling proud
To say, "I love you" right out loud
Dreams and schemes and circus crowds
I've looked at life that way"



Geboren wird Joni Mitchell als Roberta Joan Anderson am 7. November 1943, also heute vor 76 Jahren, in Fort Macleod in der kanadischen Provinz Alberta. Sie ist das einzige Kind von Myrtle McKee, einer Lehrerin, und Bill Anderson, der dort bei der Royal Airforce stationiert ist. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ziehen sie nach Maidstone bzw. North Battleford in der Provinz Saskatchewan, wo der Vater einen kleinen Laden betreibt und die Lebensverhältnisse der Familie eher bescheiden sind. Sie wächst also zunächst in den Weiten der Prärie auf unter "himmelsorientierten Menschen, die auf wechselndes Wetter eingestellt sind".

Als kleines Mädchen, das immer wieder umziehen muss, zieht sie sich gerne in ihre eigene Welt zurück, malt und erfindet Geschichten. Als Siebenjährige bekommt sie für anderthalb Jahre Klavierunterricht und bewundert den älteren Freund, der als Wunderkind am Piano gilt und sie mit den Klassikern Schubert und Mozart, aber auch anderen Komponisten bekannt macht: "I loved Debussy, Stravinsky, Chopin, Tchaikovsky," wird sie später in einem Interview erzählen, "anything with romantic melodies, especially the nocturnes." 

In ihrem Kopf hört & entwickelt sie aber auch ihre ganz eigenen Melodien. Aber als sie die auf dem Klavier spielen will, meint ihre Lehrerin: "Warum möchtest du deine eigenen Lieder erfinden, wenn du die Meister unter deinen Fingern haben kannst?" Damit erstickt sie jegliche Motivation des Kindes, und Joni hört mit dem Unterricht auf.

Als sie neun Jahre alt ist, zieht sie mit ihrer Familie in die größte Stadt der Provinz nach Saskatoon, einem Verkehrsknotenpunkt in der Prärie, berühmt wegen ihrer acht Brücken. Saskatoon wird Joni später als Heimatstadt betrachten.

Dort wird sie Opfer der letzten Polio-Epidemie Kanadas von 1952. Es gibt in jenen Tagen weder einen Impfstoff noch ein Heilmittel gegen die Kinderlähmung, es hätte also auch durchaus tödlich für Joni ausgehen können. Die, bis dahin ein echter Wildfang, der lieber in der Nachbarschaft mit den Jungen draußen gespielt hat, muss nun monatelang im Krankenhaus bleiben, und lange weiß man nicht, ob sie je wieder würde laufen können.

Doch Joni weigert sie sich hartnäckig, dieses Schicksal anzunehmen, und beginnt quasi mit einer höheren Macht zu verhandeln, verkörpert in einem Weihnachtsbaum, den ihre Mutter ihr ins Krankenhaus gebracht hat. Dank durchaus sehr schmerzhafter Behandlungen erholen sich ihre Beine tatsächlich. Schließlich bleibt nur eine Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit ihrer linken Hand von der Erkrankung zurück. Von wilderen Spielplatzaktivitäten bleibt sie aber ausgeschlossen und muss sich mit der Rolle der Beobachterin abfinden. Ihre ohnehin vorhandene Neigung zur Introspektion & kritischen Analyse baut sie so zu einem bestimmenden Wesenszug aus.
"Meine Kindheit war sehr schwierig. Ich hatte jede Kinderkrankheit, aber meine Eltern haben mich nie verhätschelt, sie haben mich allein gelassen, als ich diese Kämpfe führte. Ich denke, das war sehr kanadisch, sehr stoisch. Aber es ist gut. Ich musste ein Krieger werden. Ich musste die Hoffnung aufgeben und einen Ersatz für die Hoffnung finden, der weitaus stabiler sein würde."
Als Teenager bringt sie sich selbst das Gitarrespielen bei und entwickelt dabei ihre eigene Art aufgrund der geschwächten Hand, weil sie bestimmte Griffe am Gitarrenhals nicht ausführen kann. Später wird das die besondere Klangfarbe ihrer Musik ausmachen: Eine merkwürdig offene, bei aller Intensität vage bleibende Atmosphäre in ihren Stücken wird eine Konstante in Jonis Musik.

Zu dieser Zeit schleicht sie sich in Tanzlokale, um ihrer Liebe zum Rock'n'Roll nachzugehen. Sie ist überhaupt sehr rebellisch, eine Raucherin schon seit ihrer Polio - Erkrankung, und sie wird den moralischen Erwartungen der Mutter nie gerecht. Halloween 1962 hat sie einen ersten bezahlten Auftritt in einem Café in Saskatoon. Von Anfang an ist ihr klar, dass ihr Aussehen wirkt, und sie setzt das ein, will aber gleichzeitig in ihrer Begabung als Musikerin ernst genommen und bewundert werden.

1963 schreibt sich Joni am "Alberta College of Art" in Calgary ein, um Malerei zu studieren -  sie behauptet bis heute, dass Malen ihre erste Liebe gewesen sei und die Musik mehr oder weniger ein Zufall. Es scheint jedoch, dass ihr, die an konkreter, naturalistischer Malerei interessiert ist, der an der Kunstakademie vorherrschende Stil des Abstrakten Expressionismus nicht das richtige Umfeld bietet, um Kreativität und Intellekt weiterzuentwickeln. Zur gleichen Zeit taucht sie immer wieder in die Folk-Bewegung der frühen 1960er Jahre ein und beginnt in den Kaffeehäusern in Edmonton und Calgary aufzutreten.


1964 macht sie sich auf nach Toronto. Noch auf der Drei-Tage-Fahrt im Zug schreibt sie ihren ersten Song "Day After Day". Der Grund für ihre "Flucht" ist aber nicht ihre Enttäuschung über das misslungene Kunststudium, sondern eine Schwangerschaft, von der ihre Eltern nichts erfahren sollen. Denen erzählt sie, dass sie nun eine Karriere als Folksängerin machen wolle. Der Vater des Kindes, ihr Kommilitone Brad McMath, begleitet sie, macht sich dann aber weiter auf nach Kalifornien, und die 21jährige muss sehen, wie sie alleine klar kommt. Im Februar 1965 bringt sie ihre Tochter Kelly Dale im gemeinnützigen Hospital für Frauen in Toronto zur Welt. Da sie weder über einen angemessenen Lebensraum noch über ausreichende finanzielle Mittel verfügt, wird ihr das Baby abgenommen, ihr selbst die Brüste abgebunden, um den Milchfluss zu verhindern, und das Kind einer Pflegefamilie übergeben...

Etwas überstürzt heiratet sie im Juni darauf den Folksänger Chuck Mitchell, der eigentlich gar nicht zu ihr passt, ihr aber zunächst zusichert, Mitverantwortung für das Kind zu übernehmen. Doch bald verhält er sicht schon wieder ganz anders, und Joni gibt schließlich das Baby zur Adoption frei. Diese ganze Geschichte ist für die junge Frau so mit Leid & Scham verbunden, dass sie erst 1994, mit fünfzig Jahren also, dazu stehen und darüber sprechen kann.

Von links nach rechts: Mit Chuck Mitchell (1965), Leonard Cohen (1967), David Crosby und Graham Nash (1968)




Zunächst geht sie mit Chuck nach Detroit, wo sie als Gesangsduo reüssieren. Sie selbst kommt auch ins Fernsehen und nimmt drei Plattentitel auf. Nach anderthalb Jahren trennt man sich wieder, und Anfang 1967 zieht die Sängerin, nun Joni Mitchell, nach New York City, spielt in Clubs im Osten der USA, baut sich eine Fangemeinde auf und weckt das Interesse des Agenten Elliot Roberts. Es gelingt ihr, sich einen guten Ruf als Songwriterin zu verschaffen, und Buffy Sainte-Marie und Judy Collins nehmen ihre Lieder auf. Beim Newport Folk Festival lernt sie ihren Landsmann Leonard Cohen kennen und beginnt mit ihm eine intensive Liebesbeziehung, die aber kaum ein Jahr andauert. Cohen macht sie mit den Werken von Federico García Lorca und Albert Camus bekannt, was Joni in ihrer eigenen Arbeit inspiriert.



Bei einem Auftritt in Florida wird Joni bekannt mit David Crosby, mit dem sie eine neue Beziehung eingeht, und der hilft, dass Reprise Records einen Plattenvertrag mit ihr abschließt. Joni, die bereits einen eigenen Verlag, Siquomb Music, hat, kann sich ein gutes Geschäft sichern: Zum einen wird ihr völlige künstlerische Freiheit gewährt - damals immer noch ziemlich ungewöhnlich, dass eine Frau ihr eigenes Material schreibt und aufnimmt. Zum anderen akzeptiert man, dass sie ein unbegleiteter "Solo-Act" bleibt. David Crosby wird auch der Produzent ihres ersten Albums "Song to a Seagull" von 1968 .

In dem Jahr zieht sie an die Westküste nach Südkalifornien, wo sie im Laurel Canyon ( siehe auch dieser Post über Cass Elliot ) wohnt und nun mit dem Engländer Graham Nash eine zweijährige Liebesbeziehung anfängt. Im Dezember 1968 gelangt Jonis Songtitel "Both Sides Now" in der Version von Judy Collins in die US- Top-Ten und ebnet ihr selbst den Weg für ihr zweites Album "Clouds" im April 1969, das ihre Songs "Chelsea Morning", "Both Sides Now" und "Tin Angel" in ihrer eigenen Version enthält:


Im gleichen Jahr tourt sie als "Vorgruppe" mit Crosby, Stills & Nash und wird wie diese zum Woodstock - Festival eingeladen. Aber Joni fährt auf Anraten ihres Agenten nicht hin, weil der befürchtet, dass sie nicht rechtzeitig zu ihrem Fernsehauftritt in der "Dick Cavett Show" in New York zurück sein wird. Das Großereignis verfolgt sie also nur auf einem Fernsehgerät in ihrem Hotelzimmer und schreibt dann den Song, der bis heute als die Hymne des Festivals gilt ( und ein Hit für Crosby, Stills, Nash und Young wird. Hier Jonis Version. ) Die Zeilen

"We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden"

gehen mir bis heute nicht aus dem Kopf, so gefällt mir das Bild...

1969
1970 gewinnt sie ihren ersten Grammy für "Clouds". Ihr drittes Album "Ladies of the Canyon" bringt ihr ihre erste goldene Schallplatte ein. Neben "Woodstock" enthält dieses Album das eingangs erwähnte "Big Yellow Taxi". Da schimpft sie fast visionär auf das Transportmittel in der Sorge, dass das Paradies zugepflastert würde, um einem Parkplatz zu weichen.

Obwohl Joni sehr in Graham Nash verliebt ist ( und der ans Heiraten denkt ), plagen sie immer mehr Zweifel, ob sie dann noch ihre eigene Karriere und ihre Identität behalten kann. In den Sinn kommen ihr ihre Großmütter, beide mit ungenutzten musikalischen Talenten gesegnet ( das Album "Clouds" ist ihrer Großmutter Sadie J. McKee gewidmet ). In dem von Männern dominierten Musikgeschäft befürchtet sie, verheiratet mit einem erfolgreichen Musiker, selbst ins Hintertreffen zu geraten.

Nach einer Tour und dem Film "Celebration at Big Sur" ( zum gleichnamigen Festival 1969 ) und der Erkenntnis, dass es nicht ihr Ding ist, vor Tausenden von Menschen aufzutreten, genehmigt sie sich ein verlängertes Sabbatjahr und reist nach Europa. Von dort schickt sie Graham Nash ein Telegramm aus Kreta: "if you hold sand too tightly in your hand it will run through your fingers."

Sie hält sich länger bei den Hippies in den Höhlen von Matala auf Kreta auf, verschafft sich so Distanz und sammelt neue Einsichten. Ihre einzigartigen Erfahrungen dort sind das Rohmaterial für ihre nächste Langspielplatte: "Blue".

Mit James Taylor (1969)
Das kommt im Juni 1971 heraus. Da hat sie schon eine weitere Liebesbeziehung hinter sich gebracht, die zu James Taylor, für sie eine große Liebe ( den Sänger hat sie bereits auf dem Newport Festival 1969 kennengelernt ), der sie aber eher unvermittelt im Stich gelassen hat, als seine eigene Karriere Fahrt aufnimmt. Joni ist ziemlich am Boden zerstört. "I wish I had a river so long, I would teach my feet to fly, I wish I had a river I could skate away on, I made my baby cry", singt sie im Lied "River" auf "Blue". 

Ihr Liebesleben ruft in einer Zeit, in der eigentlich die freie Liebe mal wieder beschworen wird, aber durchaus zwiespältige Reaktionen hervor: Was Männern Ansehen bringt, schickt sich noch lange nicht für eine Frau. Dabei tut sie doch nur, was Männer seit Äonen von Jahren für sich in Anspruch nehmen!

Der "Rolling Stone" veröffentlich in dem Jahr eine Karikatur von Joni als "Freundin des Jahres" mit dem Wortspiel "Queen of El-Lay", was auf ihren Wohnort in Los Angeles anspielt, aber gleichzeitig auch klingt wie das englische Wort für "flachlegen". Auf jeden Fall wachen die Medien ab da geradezu pedantisch über ihr Liebesleben und spüren bei jedem neuen Titel, jedem neuen Album der Frage nach, von welchem Lover welches Stück handelt. Dabei ist Joni Mitchell einfach eine Künstlerin, die das Verliebtsein als Inspiration braucht: "Viele ihrer kreativen Impulse kommen von dem Phänomen, das uns passiert, wenn wir uns verlieben", wird ihr zweiter Ehemann das einmal erläutern.

"Blue" markiert mit seiner schonungslosen Offenheit tatsächlich einen ersten Höhepunkt in der Karriere Joni Mitchells. Drei Titel reflektieren die Erlebnisse mit James Taylor und seiner Heroinsucht. In "This Flight Tonight"- eigentlich bekannt durch die Hardrock-Band "Nazareth" - zeigt sich die manisch-depressive Stimmung der Sängerin nach einem Treffen mit Taylor. Der Song gilt als einer der schönsten Love-Songs der 1970er Jahre. Ein weiterer Titel ( "Last Time I Saw Richard" ) betrifft ihren Ex-Mann Chuck,  der nun zuhause trinke und alle Lichter brennen lasse, um seine Ängste zu verdrängen.

In dieser Zeit schwimmt Joni sich frei von ihren bisherigen Musiker- Freunden, legt ihre Folk-Orientierung ab und wagt sich an Popmusik, so bei "You Turn Me On, I'm A Radio" auf dem Album "For The Roses" von 1972.








Vom Popzirkus hat sie allerdings schnell die Nase voll und wendet sich ab da einem jazzigeren und experimentelleren Genre zu. "The Hissing of Summer Lawns", das siebte Studioalbum, das 1975 veröffentlicht wird, enthält u.a. den Jazzstandard "Centerpiece" von Harry Edison und Jon Hendricks. Während dieser Zeit ist sie verlobt mit dem Session - Schlagzeuger John Guerin.

Beleg ihrer musikalischen Neuausrichtung ist aber vor allem das Album "Hejira" von 1976. Jonis Gesang und Gitarre wird von Jaco Pastorius auf dem Bass begleitet. ( Das Cover führt der "Rolling Stone" auf Platz 11 der 100 besten Albumcover ). 1976 ist sie nach einer Nordamerika-Tournee mit  dem "L.A. Express" quer durch das Land nach Maine gereist und dann anschließend von der Westküste auf eigene Faust nach Auckland - eine ideale Gelegenheit zum Nachdenken und Meditieren. Während dieser Reise komponiert sie mehrere Songs, die später auf "Hejira" veröffentlicht werden. Der Albumtitel ist eine Transliteration des arabischen Wortes Hijra, was "Reise" bedeutet und sich auf die Wanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina bezieht.

Im November des gleichen Jahres ist Joni auch beim Abschiedskonzert von "The Band" anzutreffen, das auch erfolgreich als Film "The Last Waltz" vermarktet wird:


"Coyote", das erste Lied auf dem Album, beschreibt wieder ein kurze Liebesepisode ( zum Schauspieler Sam Shepard während ihrer Teilnahme an der "Rolling Thunder Revue" des Bob Dylan im November 1975 ). 

Auf dem Roadtrip, der die Lieder auf "Hejira" hervorgebracht hat, hat die Sängerin auch die Bekanntschaft mit Chögyam Trungpa, einem Lehrer des tibetischen Buddhismus,  gemacht, der sie vom Kokain abbringt. Der Song "Refugee of the Roads" handelt von ihm. Sam Shepard widmet wiederum Joni eine Seite in seinem Logbuch zur Tour, in der er den Text von "Don't Interrupt the Sorrow" zitiert. 

Bei der "Rolling Thunder Revue" mit Bob Dylan u.a.
Das Album wird von Fans und Kritikern gefeiert, denn Joni spricht offenbar wieder in einem persönlicheren Sinne über ihr eigenes Leben. Es erklimmt Platz 13 der Billboard-Charts und ist schnell verkauft: Drei Wochen nach seiner Veröffentlichung erreicht es den Goldstatus.

Mit Charles Mingus (1978)
Im Sommer 1977 beginnt Joni mit der Arbeit an ihrem ersten Studio-Doppelalbum mit dem Gefühl, es lockerer angehen zu können, weil ihr Plattenvertrag ausläuft und sie nicht nur einen Vertrag erfüllen muss. Sie arbeitet mit alten wie neuen Musikern wie dem Schlagzeuger Don Alias ​​und dem Saxophonisten Wayne Shorter zusammen. "Don Juan’s Reckless Daughter" ist ein experimentelles Album, das den Jazz-Fusion-Sound von "Hejira" weiterführt, was ihre treuen Fans entäuscht. Doch Joni Mitchell lässt sich nicht von deren Vorlieben einschränken. Sie muss ihrem Bedürfnis folgen und Neuland betreten, so ist sie nun mal gestrickt.
Bald nach der Veröffentlichung dieses Albums wird Joni von dem großen Jazz-Musiker Charles Mingus kontaktiert, der das orchestrierte Lied "Paprika Plains" gehört und ihrem künstlerischen Mut Bewunderung zollt. Aus einer Zusammenarbeit mit dem legendären Bassisten entsteht "Mingus", ihr zehntes Album und sein letztes, denn der Musiker stirbt am 5. Januar 1979. Das Album wird sie noch ein paar mehr ihrer einstigen Getreuen kosten... 

Ungefähr eine Woche vor dem Erscheinen des Albums im Mai 1979 nimmt Joni zusammen mit Herbie Hancock, Tony Williams, Don Alias ​​und Jaco Pastorious am "UC Jazz Festival" in Berkeley, California teil, die eigentliche Premiere der fertigen Mingus-Songs. Joni ist auch der Headliner des "Playboy Jazz Festes" am 15. Juni in Los Angeles.

Im gleichen Sommer werden erstmals 43 Gemälde und Zeichnungen, die Joni zwischen 1968 und 1978  geschaffen hat, in einem Coffee Table Book mit Werken von sechs Popstars veröffentlicht, und sie damit als Malerin in den Blickpunkt einer überraschten Öffentlichkeit gerückt.

"Hommage To Matisse" (1981)
Die folgenden Jahre - die Achtziger - gestalten sich für die nunmehr 40jährige Musikerin schwieriger als die Jahrzehnte zuvor.

Sie selbst wird später über die Entwicklung in der Szene wie in der Nachbarschaft lästern:
"Damals schlug der reine Materialismus zu, Madonna – ,gib mir dies, gib mir das, gib mir Kleider, gib mir Autos‘. Seither bauen sie hier überall diese riesigen Protzhäuser. Darin wohnen dann unglückliche Menschen, die über Marmorböden klappern."                                                           
Im Februar 1981 nimmt sie am "Juno Award" teil, bei dem es um Kanadas beste Sängerin geht und sie gegen Anne Murray verliert ( immerhin wird sie in die kanadische Music Hall of Fame aufgenommen ). Sie entflieht für sechs Wochen in die Karibik, um wieder einmal Abstand zu gewinnen. Sie trifft sich mit Freunden, schreibt Lieder und malt ausgiebig, auch große Wandbilder, macht Bekanntschaft mit dem Reggae und der Musik von Gruppen wie "Steely Dan", "Talking Heads" und "The Police" und verliebt sich in deren Polyrhythmik.

Zurück in den Staaten sucht sie nach Musikern, die ihre entsprechend inspirierten neuen Songs mit ihr aufnehmen können. Ihr Problem: Niemand kann sie mehr einordnen. Ist sie Jazzmusikerin, ein Folkie, eine Popsängerin, eine Rocksängerin oder was? Ihre neuen Songs sollen auch wieder zugänglicher für den Mainstream werden...

"Solid Love" (1982)
( Selbstporträt mit Larry Klein )
Eineinhalb Jahre lang arbeitet Joni akribisch an den Tracks für ihr neues Album, viermal mit verschiedenen Musikern, bis sie schließlich den Schlagzeuger Vinnie Colaiuta und den Bassisten Larry Klein, der auch Tontechniker ist, kennenlernt - das sind die Richtigen! Larry Klein sogar als Mann fürs Leben: Am 21. November 1982 heiratet Joni ihn.

Zuvor ist "Wild Things Run Fast", Jonis elftes Album, im Pop - Sound des Jahrzehnts, erschienen. ( Mit ihrem Mann wird sie noch vier weitere Alben produzieren. )
"Gedanken an die Liebe huschen durch diese Lieder wie Füchse im Unterholz, scheinen sofort Antworten zu finden und dann über Widersprüche zu stolpern", schreibt der "Rolling Stone" in seiner damaligen Kritik.
Anschließend geht Joni auf Welttournee durch die USA, Europa, Asien und Australien.

Auf das nächste Album - "Dog Eat Dog" - reagiert die Kritik überwiegend negativ, und es verkauft sich nur mäßig. Pläne für eine sechsmonatige Tournee, die im Sommer 1986 beginnen soll, verwirft die Musikerin deshalb und zieht es vor, zu Hause zu bleiben und zu malen. Ihr kurzfristig zugesagter Auftritt bei einem "Amnesty International" - Benefizkonzert in New Jersey bringt ihr dann noch den Titel "Worst Performance of the Year" durch den "Rolling Stone" ein. Joni urteilt später: "It was an anti-love period, and my work (...) was a joyous celebration of love, which basically made people sick."

Von "My Secret Place" aus ihrem nächsten Album "Chalk Mark in a Rain Storm" von 1988 wird ein Video, - ein wunderschöner Schwarz-Weiß-Film mit Joni und Peter Gabriel - auf dem Musiksender VH-1 veröffentlicht und bringt sie ihren Kritikern und Fans wieder näher.

Cover des "Telegraph Magazine"
mit einem Interview zu "Night Ride Home"
(1993)
Auch in den folgenden 1990er Jahren gewinnt Joni Mitchell ihre Popularität immer mehr zurück. "Night Ride Home", im März 1991 erschienen, steht ihrer früheren, akustisch geprägten Musik näher. Mit ihrem nächsten Album, "Turbulent Indigo" (1994), das von den Kritikern noch gnädiger angenommen und als starkes Comeback bezeichnet wird, gewinnt sie zwei Grammy Awards, darunter als bestes Pop-Album. Während der Arbeit an diesem Album beschließen Joni und Larry, sich zu trennen.

1993 hat eine ehemalige Zimmergenossin an der Kunstakademie in Calgary der Presse das Geheimnis um Joni Andersons Mutterschaft verraten. Daraufhin macht die Musikerin sich selbst auf die Suche nach ihrer Tochter, inzwischen eine Kilauren Gibb. 1996/97 kommt es zu einem Wiedersehen.

Nun, mit 54, ist Joni Mitchell auf einmal Mutter und Großmutter zugleich. Für jemanden, dessen Kunst und Leben immer miteinander verwoben gewesen sind, hat diese Entwicklung auch Auswirkungen auf die Musik. "I used to be monastic, almost. Now I'm like a Tibetan that has discovered hamburgers and television. I'm catching up on Americana'', beschreibt sie die Veränderung in ihrem Leben hier.

"Taming the Tiger", 1998 veröffentlicht, ist ein wunderschön gesungenes Jazz-, Rock- und klassisches Fusion-Album, das Joni Mitchells fünfzehntes ist. Es ist gleichzeitig schön und frustrierend, mit Momenten voll schwarzer Schärfe und solchen mit ( überladenen ) romantischen Gefühlen. Zur Jahrtausendwende erfolgt eine Reprise von "Both Sides Now" auf einem Album gleichen Namens. Weltmüde klingt jetzt ihre Interpretation, mit einer unvergesslichen Stimme, die nur täglich vier Päckchen Zigaretten hervorzubringen vermögen ( "Rauchen ist eines der größten Vergnügen, die das Leben zu bieten hat", so Joni Mitchell einmal in einem Interview ).
"Ihre Version erinnert uns daran, "wie viele neue Bedeutungen sich aus den vielen Leben angesammelt haben, die Joni seit dem Schreiben dieses Liedes gelebt hat" im Jahr 1967. Das einsame Mädchen, das an Kinderlähmung erkrankt war, hatte überlebt, um eine großartige Künstlerin zu werden", schreibt das "New York Times Magazine" hier. Unbedingt anhören!

Das Album wird ausgezeichnet mit einem Grammy in der Kategorie "Best Traditional Pop Vocal Album".

''Ich lebe gerne in einem Tschechow-Spiel mit Verwandten und Tanten und den langen weißen Tischen mit grünen Flaschen unter dem Apfelbaum. Das ist wirklich der Ort, an dem ich sein sollte'', malt sie ihren damaligen Lebensentwurf mit Worten. Doch 2001 zerbricht die Beziehung zur Tochter, warum auch immer.

Im Jahr darauf kommt "Travelogue" mit 22 alten, neu interpretierten Stücke auf einem Doppelalbum heraus - ihr angeblich letztes. Sie verlasse nun die "Jauchegrube" der Musikindustrie und kümmere sich um ihre Malerei und ihre Ausstellungen.

2003 verwendet Richard Curtis in seiner romantischen Komödie "Love Actually" ( "Tatsächlich... Liebe" ) mit Hugh Grant und anderen berühmten englischen Schauspielern in der Szene am Weihnachtsabend Joni Mitchells "Both Sides Now". Alle, die danach ihren Namen gegoogelt haben, machen die Erfahrung, die Susan Stiller im "Rolling Stone" so beschreibt:
"Sie sahen die junge Joni und gerieten in ihren Bann. Dieses Wesen sprach wie eine Schülerin und sang mit einer Autorität, die einem den Atem stocken ließ. Sie stand etwas linkisch am Mikrofon, aber wenn sie die Saiten spielte, erkannte man, dass sie Dinge wusste, die man selbst nur ahnte."
Ein Jahr später, mit 71, legt sie eine Box mit vier CDs vor, in der sie Stücke aus 40 Jahren neu geordnet hat – ohne Rücksicht auf ihre alten Fans, die für eine solche Sammlung anderes ausgesucht hätten - ein Angebot an neue Verehrer!

"Love Has Many Faces", Untertitel: "A Quartet, A Ballet, Waiting To Be Danced", heißt die Sammlung und lädt nachdrücklich ein, die musikalische Entwicklung der Joni Mitchell zu würdigen. Ihren Irrungen und Wirrungen zu lauschen, ihren Worten wie Akkorden, die sie über die Jahrzehnte für die Liebe gefunden hat, ist ein ziemlich spannender Trip. Selbstbewusst lässt sie auf Stücke mit ihrer glockenhellen Stimme der jungen Jahre solche folgen, auf denen sie ihre Soprantöne verloren hat. "Aber das sind für mich keine Kategorien. Der Vortrag des Textes war besser. Und darum geht es hier!", kommentiert sie in Interviews.

Und 2007 überrascht sie die Öffentlichkeit wieder, als auf dem Label der Kaffeehauskette "Starbucks" ein weiteres neues Album - "Shine" - erscheint. Nach neun Jahren gibt es darauf neue Songs der Liedermacherin ( zuletzt auf  "Taming the Tiger" ) zu hören, ihre früheren Partner Larry Klein und James Taylor sind mit von der Partie. In den Vereinigten Staaten verkauft sich das Album in der ersten Woche ungefähr 40.000 Mal und rückt auf Anhieb auf Platz 14 der Billboards. Das ist Joni Mitchell zuletzt 1976 mit "Hejira" geglückt. Sie selbst beurteilt dieses Album als "die bedeutsamste Arbeit, die ich jemals gemacht habe."

Mit Herbie Hancock (2007)
Herbie Hancock, der Jazzpianist, mit dem sie aufgetreten ist, veröffentlicht in demselben Jahr sein Album "River: The Joni Letters", welches ihrer Musik gewidmet ist und mit zahlreichen hochkarätigen Stars aufwartet und das erste Jazzalbum ist, das bei den Grammy Awards zum "Album des Jahres" deklariert wird. Hier ein gemeinsamer Live - Auftritt!

Im April 2010 gibt Joni der "Los Angeles Times" jenes berühmt-berüchtigte Interview, in dem sie von ihrer Morgellon-Krankheit berichtet. Dieses umstrittene Syndrom taucht um die Jahrtausendwende in Kalifornien auf und findet rasante Verbreitung im Internet. Die Betroffenen berichten davon, dass unter ihrer Haut Nanopartikel und Parasiten herumkröchen, ihre Haut bunte Fasern produziere und nässende Wunden aufweise. Die Medizin geht von einer psychische Störung aus. Joni Mitchell: "Ich bin eine Polio-Überlebende, also weiß ich, wie konservativ der medizinische Körper sein kann." Die Berichterstattung über ihre Krankheit entgleist daraufhin, konzentriert sie sich alleinig darauf, ob Morgellons real sind oder nicht. Damit wird ihre Glaubwürdigkeit auf Dauer untergraben. Erschwerend kommt hinzu, dass es eine engagierte Community im Netz gibt, die glaubt, dass Morgellons ein Symptom für die Sprühaktivität von Chemtrails auf der ganzen Welt sind, von der NASA produziert.

2015 erleidet Joni zudem einen Schlaganfall, so dass öffentliche Auftritte bis zu ihrem 75. Geburtstag unterbleiben.

2018

Diese letzte Geschichte beginnt fast zu überlagern, mit was für einer beachtlichen Künstlerin man es bei Joni Mitchell zu tun hat ( ihre Auszeichnungen sind hier aufgelistet ). Man wird ihr auch nicht gerecht, wenn man sie nur als "Grande Dame der Singer-Songwriterinnen" ansieht - ein ganzes Leben lang hat sie versucht, so viel mehr zu sein! Trotz aller Anerkennung wirkt sie zuletzt immer etwas unzufrieden.

Ihr Ego ist halt eine komplexe Sache: In ihrem Selbstverständnis ist sie eine der größten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Doch in ihrem Herzen nagen Zweifel, von der Frustration herrührend, dass sie trotz besserer musikalischer Arbeit in ihren späteren Jahren die Popularität ihrer  jungen Jahre hat nie übertreffen können.

"Joni exorziert ihre Dämonen, indem sie diese Songs schreibt", hat einst Stephen Stills über sie gesagt. Und die Filmemacherin Susan Lacy: "... wenn ich gestört war oder über Dinge nachdenken musste, setzte ich mich ans Klavier und spielte Joni Mitchell-Lieder. ( ... ) Ihre Lieder waren ein Prüfstein für meine eigenen Erfahrungen und Gefühle. ( ... ) Ich sah sie als den freien Geist, den wir alle sein wollten. Sie repräsentierte eine unglaublich interessante Mischung aus Mystik, Schönheit, Talent und Weiblichkeit, aber mit einem Rückgrat aus Stahl. Sie tat es auf ihre Weise. Würden wir nicht alle gerne so sein?"

Doch!



Kommentare:


  1. Eine interessante Aufzeichnung über diese Leute.

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  2. Guten Morgen liebe Astrid,
    ohhhhh, Joni Mitchell - wie wundervoll!!!! Ich liebe diese Frau!!! Und du hast sie wirklich mit exzellenter Feder porträtiert.
    Eine schöne Zeit und liebe Umarmung
    Elisabeth

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  3. Was für ein schönes Portrai wieder. Natürlich kenne ich die Sängerin, aber die Geschichte dahinter bis jetzt nicht.
    Wie so oft scheinen kreative Menschen häufig durch physische und psychische Jammertäler gehen zu müssen, um gleichzeitig solche Kraft für wunderbare Kunst zu haben. Diese Stimme ist einfach einmalig und ich finde, wer Künstler in eine Schublade steckt und sie da nicht wieder rausholen mag, ist arm dran. Ich mag Jonis jazzige Seite zB. sehr, aber auch viele andere Stücke.
    Liebe Grüsse
    Nina

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  4. Liebe Astrid, Du siehst mich (in Deiner Vorstellung zumindest!) hellauf begeistert! Warum? Weil auch in meinem Selbstverständnis Joni eine der größten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts ist!!! Mein Vorbild! Ich finde sie toll! Es hat mit "Blue" angefangen... und ich habe so gut wie alle Alben von ihr gehört und geliebt.
    Joni Mitchell ist für mich ein grandioses Frauenvorbild, weil sie das getan hat, was andere möglicherweise als "Egoismus" bezeichnen würden (und damit nehme ich bewusst Bezug auf meinen letzten Post) Joni verkörpert das alles, was ich meine.
    Auch, wenn ich zugeben muss, dass ihre (junge, noch "rauchfreie") Stimme manchmal echt bis zur Schmerzgrenze nervt :-) Joni und Tom Waits hab ich immer nur heimlich gehört, das konnte irgendwie keiner verstehen ;-)
    Aber: wie kann man in jungen Jahren einen Song wie "Both sides now" schreiben? Wie kann so viel Weisheit schon so früh entstehen? Frag ich mich bis heute.
    Liebe Grüße!

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    1. Da gebe ich Nina/Wippsterts recht: Mir fällt mir bei vielen Frauen-Lebensgeschichten auf, die ich bisher studiert & beschrieben habe, dass große Kunst erst entsteht, wenn man Jammertäler durchschritten hat. Und Jonis erste 21 Jahre reichen da schon, um eine Reife zu erlangen, die andere vielleicht mit sechzig nicht erreichen.
      Mit nem Sopran tue ich mich als Alt auch meist recht schwer, bei ihr hat es mich nie so gestört wie bei Joan Baez.

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  5. Liebe Astrid,
    Jino Mitchell ist eine der wenigen Künstlerinnen, die uns unser ganzes Leben lang begleitet hat. Dein Beitrag berührt mich sehr und ich habe gleich mal alle Tonträger und die wunderbare DVD rausgekramt um ihr heute Tribut zu zollen. Danke für Deinen wundervollen Beitrag !
    Viele Grüße, Synnöve

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  6. Was für eine schöne und berührende Biographie einer Künstlerin, die ich auch immer wieder gerne höre!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  7. eine großartige Frau ..
    ihr Talent hätte für drei gereicht ;)
    ich kannte sie nicht habe aber mal reingehört
    eine tolle Stimme
    eine Frau die ihren Weg ging und sich nichts aufzwingen ließ
    leider hat sie privat nicht richtig ihr Glück gefunden
    aber wie du oben geschrieben hast
    die persönlichen Tragödigen bringen oft diese starken Frauen hervor

    danke für das Portrait

    liebe Grüße
    Rosi

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  8. Vielen Dank für diesen informativen Artikel, liebe Astrid. Ich kenne und liebe ihre Musik (insbesondere Both Sides), wusste aber bisher eigentlich nicht viel über ihr Leben.

    Herzliche Grüße

    Andrea

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  9. Ohja liebe Astrid, da hast Du wieder eine großartige Frau mit einer Lebensgeschichte die für drei reichen könnte niedergeschrieben. Ich mag ihre Stimme sehr aber die Lebensgeschichte die dahinter steckt wusste ich nicht. Danke dafür!!

    Liebe Grüße
    Kerstin

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  10. von Helga:

    Liebe Astrid,

    jetzt ist fertig! Deine 199. konnte ich nicht ganz auf einmal zu Ende bringen. Es ist sehr intensiv zu lesen und sich hineinzuversetzen in dieses Leben. Wenn ich lese möchte ich lesen und nicht aus meinen Gedanken gerissen werden. Stets ist irgend etwas oder es will jemand etwas wissen, das Telefon oder an der Tür klingelt es. Häng nun mal ein Schild an den Türgriff, "Bitte nicht stören, lese gerade". Obwohl, man könnte ja davon sprechen: Es ist meine Zeit und bis auf 4 Jahre auch mein Jahrgang gewesen und außer die Lieder bzw. Melodien wußte ich nichts über die Person selbst. Man war höchst beschäftigt damals mit der eigenen Familie, Häusle bauen, Kinder erziehen.
    Zu Deiner Recherche kann ich nichts hinzufügen, außer daß es Dir wieder super gut gelungen ist uns dieses Leben der Joni Mitchell nahe zu bringen. Für diese Arbeit gebührt Dir stets mein Dank.
    Mit Deinen Schnittblumen am Freitag kann ich leider nix anfangen, ich glaub da war in meiner Seele grad kein Plätzchen frei, als diese Ecke besetzt wurde, sorry. Hach, ich bin halt der ehrliche Typ, ich kann nicht schreiben "ach wie schön" wenns nicht so ist. Ja schön sind die Gestecke schon, aber ich muß sie nicht haben. Die Natur da draußen ist mir halt lieber. Leider wachsen diese Knospen hier nicht alle vor der Haustüre und wo diese herkommen und unter welchen Bedingungen die Menschen dafür arbeiten müßen, da denkt man in diesem Moment nicht daran. Auch Verpackung und Flugstunden sind wieder mit der zu schützenden Umwelt verbunden.
    Wünsche Dir ein schönes Wochenende mit vielen Tätigkeiten die Dein Herz erfüllen, mit lieben Grüßen, Helga

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    1. Man kann nicht alles richtig machen, liebe Helga, ohne dass einem alle Freude am Leben vergeht: Ich fliege nicht mehr, habe kein Auto mehr, mache keine Kreuzfahrten, habe keinen Kamin, mein ökologischer Fußabdruck ist daher schon recht dezimiert. Und die Blumen in meiner Wohnung tun mir immer wieder gut, auch wenn sonst alles bescheiden ist. An die fotografierte Stelle mit den Blümchen bin ich gestern und heute immer wieder vorbeigelaufen und mein Herz hat gehüpft. Diese Freude lasse ich mir nicht nehmen.
      Inzwischen kommen auch viele Blumen aus Holland. Und der Sohn meines früheren Floristennachbarn, ein Ökologe, hat auch die Blumenplantagen besucht und sich um faire Produktionsverhältnisse gekümmert. Supermarktblumen kommen mir nicht ins Haus, da weiß ich nicht, wie die produziert werden. Die Probleme sind mir bewusst. Hoffentlich denjenigen auch, die mal für ein Wochenende irgendwohin fliegen, wie das im Bloggerland ja immer noch gang und gäbe ist. Für mich ist niemand ein schlechterer Mensch, wenn er keine Blumen mag. Eines schickt sich nicht für alle.
      In diesem Sinne: ein schönes Wochenende!

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  11. Das Lesen hat jetzt lang gedauert, weil ich natürlich alle Musik anhören musste, so lang nicht mehr gehört!
    Danke für dieses wieder so informative Portrait, liebe Astrid!
    Grüße - Ulrike

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  12. Ja, ich geb's zu - auch ich hab Joni Mitchell erst mit "Tatsächlich... Liebe" kennen gelernt. Das Lied passte perfekt zur der Szene mit Emma Thompson.

    Liebe Grüße
    Astrid rechtsrheinisch

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