Samstag, 5. November 2016

Eine Welt ohne Insekten


... ist auch für uns Menschen keine lebenswerte ( auch wenn ich auf Stechmücken ehrlicherweise verzichten könnte ). 
Aber die bei uns in der Landwirtschaft benutzten Neonicotinoide machen keine Unterschiede zwischen nützlichen oder schädlichen Insekten...



Es gibt klare Beweise, dass bereits geringste Mengen dieser Gifte chronische Effekte auf Nützlinge haben. So hat sich in Forschungen gezeigt, dass sich der vorbeugende Neonicotinoid-Einsatz unter anderem in einem frühen Tod von Königinnen und einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Wildbienen auswirkt. 
Aber nicht nur Honigbienen, sondern auch Motten und Schmetterlinge sind betroffen, die ebenfalls Pflanzen bestäuben. Auch auf insektenfressende Vögel haben die Pestizide Auswirkungen. 
Da immer mehr Nutzpflanzen benötigt werden, die auf Bestäubung angewiesen sind, gibt es Studien zufolge ein zunehmendes "Bestäubungs-Defizit". In China ist das schon heute Wirklichkeit. Dort müssen Pflanzen von Hand bestäubt werden.

Bienen meiden mit Neonicotinoiden behandelte Pflanzen nicht, sondern steuern sie bevorzugt an. Anscheinend wirken die Neonicotinoide ähnlich wie Nikotin im Gehirn des Menschen, nämlich als Droge. Nahrung mit diesem Schadstoff wirkt auf die Insekten offensichtlich besonders verlockend. Schwedische Wissenschaftler fanden in einer Studie heraus, dass diese Mittel dann auch das Wachstum und die Vermehrung von Wildbienen und Hummeln beeinträchtigen.

Bislang hat man als als ausreichend betrachtet, um Felder herum einen Streifen mit Futteralternativen für die Insekten zu pflanzen. 

Inzwischen weiß man aber, dass die Einschränkung der Neonicotinoid-Verwendung der einzige Weg ist, den Rückgang der Bestäuber-Populationen aufzuhalten. Pestizide, allen voran eben die Neonicotinoide und das Insektizid Fipronil, bedrohen nicht nur Bienen, Schmetterlinge & insektenfressende Vögel, sondern auch Fische und Regenwürmer. Dies belegt eine Studie, für die 29 Forscher aller Kontinente und verschiedener Fachrichtungen rund 800 Einzelstudien der letzten zwei Jahrzehnte ausgewertet haben. 



Seit dem Jahr 2000 hat sich der Schwund von Wildbienen und anderen Insektenarten dramatisch beschleunigt. Wenn der Trend sich fortsetzt, sterben viele Arten in weniger als zehn Jahren aus. Die Grundlage der weltweiten Lebensmittelproduktion ist damit gefährdet. 

In Frankreich hat man auf Druck der Imker ein Verbot der Neonicotinoide ab September dieses Jahres beschlossen ( allerdings mit der Möglichkeit bestimmter Ausnahmeregelungen bis September 2020 ). 

Bei uns haben sich nun siebenundsiebzig Forscher in einer Resolution an Bundesumweltministerin Hendricks gewandt und Sofortmaßnahmen gegen das Insektensterben in Deutschland gefordert. Sie verlangen ein vollständiges Verbot dieser Mittel, bis deren Wirkung abschließend geklärt ist. Außerdem  sprechen sie sich dafür aus, die Bestände von Insekten über einen längeren Zeitraum in einem Monitoring zu erfassen. 

Die Resolution wurde am 25. Oktober 2016 bei der 12. Hymenopterologen-Tagung verabschiedet, einer Fachtagung zum Thema Hautflügler. Die vollständige Resolution kann man hier nachlesen.

Ich werde hier im Blog immer wieder auf dieses Problem aufmerksam machen, damit am Ende nicht nur die wunderschönen Gablonzer - Insekten aus meiner Sammlung übrig bleiben...



Kommentare:

  1. Eigentlich ist es unübersehbar, was diese Neonicotinoide für einen Schaden anrichten. Sofortmaßnahmen ohne Ausnahmeregelungen ist wirklich notwendig, da hast du vollkommen recht.
    Als Hundehalterin weiß ich, dass es anderen Insekten hingegen prächtig geht. Zecken und Flöhe profitieren vom Klimawandel und bilden Resistenzen gegenüber bisher gebräuchliche Schädlingsbekämpfungsmittel. Nützlingen geht es mies, Schädlinge gedeihen prächtig.
    (Parallelen zum politischen Leben sind jetzt rein zufällig. *Hüstel*)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Über dieses Thema kann man gar nicht genug berichten! Schrecklich, dass heutzutage, wo man so viel über ökolgische Zusammenhänge weiß, so ein Schwachsinn so flächendeckend betrieben werden darf.
    LG
    Centi

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  3. Hallo Astrid,
    stimmt, man darf nicht aufhören, darüber zu berichten. Zecken gibt es tatsächlich sehr viele und was die anrichten, darf man auch nicht vergessen.

    Deine Schmuckstücke gefallen mir sehr.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Zecken sind ja keine Insekten, und die kritisierten Pestizide werden nicht gegen sie eingesetzt - ich weiß auch gar nicht, ob sie da wirken würden. Aber auch ihre Weiterverbreitung ist begründet in der Klimaerwärmung, für die wir Menschen verantwortlich sind. Wir haben einfach das ganze ökologische Zusammenspiel durcheinander gebracht und zahlen einen ganz schönen Preis dafür.
      LG

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  4. Konsequent Biolebensmittel kaufen ist momentan der einzige Weg so viel wie möglich von diesem Zeug zu vermeiden. Du und ich, wir können uns das leisten, also sollten wir es möglichs lückenlos tun.

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  5. Auf Stechmücken könnte ich auch sehr gdas steht auf einem anderen Tablett.... Man kann wirklich nicht oft genug darüber berichten... was für die oberen und die Industrie zählt ist nur der Profit... sterbende Bienen? Was schert uns die Welt in ein paar Jahren... da krieg ich das große Ko.... Wir wollen nächsts Jahr vermehrt Unterschlüpfe für Hummeln und andere Insektenhotels aufstellen.... und weiter protestieren... Monsanto und Roundup... auch so ein Thema!!
    Hab trotzdem ein schönes Wochenende liebe Astrid ♥
    Christel

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  6. Eine Welt ohne Insekten, das wäre Horror, nicht wahr?
    Hoffen wir, das es nie so weit kommen wird!
    Denn wenn die Natur keine Natur mehr ist, was machen wir dann?
    LG Heidi

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  7. Hallo Astrid,
    dieses Gift kannte ich bislang nicht, aber das Bienensterben hängt wohl auch damit zusammen. Einige Pflanzenschutzmittel sind ja inzwischen zum Glück verboten. Klar wollen wir keine Heuschreckenplage, die Stechmücken.. "Zika", Tigermücken und Co nicht, auch keine Kartoffelkäfer usw. nicht, aber leider werden immer auch die guten Nützlinge durch das Gift abgetötet. Ein natürlicher Kreislauf, ein gesundes Ökosystem, kann nicht mehr funktionieren. Wo das noch alles hinführt.. erschreckend.
    Warum dauert es Jahrzehnte auf künstliche Pflanzenschutzmittel zu verzichten und auf biologische Schädlingsbekämfung umzustellen? Dahinter kann sich doch nur eine Lobby verbergen.

    LG und einen schönen Sonntag!
    Marita

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  8. Diese ganzen Chemiecocktails, sind nicht wirklich gut. Egal wo sie eingesetzt werden. Nicht nur, das die Nützlinge Schaden nehmen, nein, auch wir Menschen ziehen irgendwann den Kürzeren. Es wird ja erst unsere Kinder und Enkel treffen.
    Die einzigen, die etwas von all diesem Gesprühe hat, sind die Konzerne.

    Andrea

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  9. Darf ich mich hier als Landwirtin mal zu Wort melden?
    Neonics wurden bis vor 2 Jahren als Beizmittel für den Raps verwendet. Der Wirkstoff schützte die Keimlinge in den ersten Wochen vor dem Fraß der Rübenfliege und des Rapserdflohs.
    Seit wir kein derart gebeiztes Saatgut mehr verwenden dürfen, müssen wir gegen den Erdfloh eine deutlich höhere Aufwandmenge an Pflanzenschutzmitteln verwenden, und zwar muss damit die ganze Pflanze gespritzt werden (bei der Beizung wird nur das winzige Rapskorn behandelt), der Traktor muss extra über das Feld fahren (Dieselruß ist auch nicht gerade umweltfreundlich).
    Inzwischen gibt es neuere Untersuchungen, die unter Praxisbedingungen keine schädlichen Auswirkungen der Neonics auf Bienen feststellen konnten.
    Wir selbst habe gute Beziehungen zu unserem Imker, der auch immer in unseren Raps wandert. Der meint selbst, dass für das Bienensterben ganz andere Dinge maßgeblich sind (Varroatosemilben, Viren, fehlende Tracht nach dem Raps).
    Ich will damit nur ausdrücken, dass die Sachlage viel komplizierter ist, als sie von Spendensammel-Umweltorganisationen dargestellt wird.
    Etliche meiner Berufskollegen überlegen, ob sie den Rapsanbau ganz einstellen. Dann fehlt den Imkern dort ihre Haupt-Honig-Quelle.
    Und man sollte auch bedenken, dass bei ständig weiteren Pflanzenschutzmittelverboten hier in D Raps und Getreide dann eben aus anderen Ländern kommen, wo noch ganz andere Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden (die in D schon lange verboten sind). Wir leben schließlich nicht auf einer Insel.

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    1. Ich weiß aus dem medizinischen Bereich, dass die Zigarrettenlobby lange, lange Studien finanziert hat, die die Schädlichkeit des Nikotinkonsums kleingeredet haben, und Mediziner enorm unter Druck gesetzt haben, die da nicht mitmachen wollten. Heute kann man die Zusammenhänge nicht mehr so leicht in Frage stellen.
      Ein ähnliches Problem stellt der Umgang mit atomarer Energie dar, bei dem die langfristigen Folgen immer wieder verharmlost wurden und werden ( und die Bewältigung derselben der Allgemeinheit aufgebürdet ).
      „Folge der Spur des Geldes“ und du wirst feststellen, wer Interesse daran hat, uns und unsere Gehirne weich zu spülen.
      LG

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  10. Ich befürchte, dass unsere Natur aus dem Gleichgewicht gerät bzw. schon ist. Und der Mensch selbst steht immer am Ende der Kette. Aber irgendwann wird es zu spät sein. :-(
    Liebe Grüße, Ingrid

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  11. Toller, fundierter Post, liebe Astrid. Ich gebe dir in allem Recht. Und fordere schon lange, dass sich auch mal die Hobbygärtner an ihre Nasenspitzen fassen. Die Fläche der Hausgärten in D ist so groß wie die der Naturschutzgebiete, wenn da auch mal endlich alles Gift draußenbleiben würde, würden Wildbienen und Schmetterlinge vielleicht in mehr Gärten zurückkehren. Obwohl ich von Jahr zu Jahr mehr Pflanzen für Schmetterlinge und Wildbienen im Garten habe, merke ich den Rückgang der Gesamtmasse der Insekten, es ist furchtbar... Und es geht einher mit dem Verlust von Vögeln. Eine unserer alten Naturschützerinnen, eine Biologin, macht seit Jahren Feldforschung auf dem Gebiet, gibt unermüdlich Hinweise, z. B. zur Ackerrainbepflanzung usw., aber es ist kein Ankommen gegen die Lobby der großflächigen konventionellen Monokulturen-Landwirtschaft. Tun, was man kann, bleibt die Aufgabe, und dazu gehören deine aufklärenden Posts. Danke und liebe Grüße Ghislana

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  12. PS - Deine Gablonzer-Sammlung ist wunderschön... ;-)

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