Was spontan vor 8 Monaten begann, nachdem ich den ersten Beitrag bei Barbara/barbarabee gelesen hatte, gehört inzwischen ganz fest zu meinem "Programm": Posts über Frauen, die auf irgendeine Weise in mein Blickfeld geraten sind und mein Interesse geweckt haben. Fünfundzwanzig Porträts sind es inzwischen geworden, heute nun also das 27. Porträt:
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Leider gab es zu dieser Zeit nur einen Züchter in Deutschland, der die Rosen vertrieb, nämlich Ingwer J. Jensen in Glücksburg, und der hatte erhebliche Engpässe. So hat er statt der gewünschten "Constance Spry" der "Gertrude Jekyll" zum Rosenstart in unserem Garten ( und mir zu einer andauernden Leidenschaft ) verholfen.
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Constance Spry kommt als Constance Fletcher am 5. Dezember 1886 als ältestes von fünf Kindern & einzige Tochter des Eisenbahners George Fletcher und seiner Ehefrau Henrietta, Tochter eines Ladenbesitzers, in Derby/Vereinigtes Königreich zur Welt.
Die Eltern sind sehr ehrgeizig & haben den brennenden Wunsch sich zu verbessern: So erreicht der Vater durch den Besuch der Abendschule die Stellung eines Eisenbahnangestellten, was aber den Umzug der Familie nach Irland mit sich bringt.
Auch die Tochter wird ermutigt, sich um Bildung zu bemühen, und so folgt auf den Schulbesuch ein Studium der Krankenpflege inklusive Physiologie & Hygiene. Sie wird anschließend die erste voll bezahlte Dozentin der irischen "Women’s National Health Association" und bildet die Menschen in Erster Hilfe und Heimpflege weiter.
1910 heiratet sie den verwitweten Bergwerksmanager James Heppell Marr und zieht mit ihm aufs Land auf ein Anwesen in der Nähe von Castlecomer, einer Kohlebergbaustadt im Südosten Irlands. Dort entsteht ihr leidenschaftliches Interesse für die Gärtnerei, geboren aus der Notwendigkeit, in ihrem abgelegenen Heim die notwendigen Lebensmittel anzubauen.
Doch die Ehe ist eine arge Enttäuschung. Mit dem Ausbruch des 1.Weltkrieges wird "Connie" Sekretärin des Roten Kreuzes in Dublin und bekommt ihren einzigen Sohn Anthony. Zum Kummer ihrer Eltern verlässt sie ihren Ehemann 1916 und kehrt mit ihrem Sohn nach England zurück. Als Angestellte im Rüstungsministerium lernt sie den ( verheirateten ) Henry “Shav” Spry kennen, mit dem sie später zusammen leben wird, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Sie nennt sich dann allerdings Mrs. Spry, und diese Lüge fällt nicht weiter auf.
Nach Kriegsende kehrt Constance zu ihren Ursprüngen im Sozial- & Wohlfahrtswesen zurück und übernimmt 1921 die Leitung einer Schule im armen East London. Programm der Schule ist, sehr jungen Arbeiterinnen Grundkenntnisse im Kochen und Nähen zu vermitteln. Durch die Blumensträuße, die sie mitbringt, um die trostlose Umgebung freundlicher zu gestalten, erweckt Constance Interesse bei den Mädchen, so dass sie beginnt, in ihnen die Fähigkeiten zu entwickeln, mit Blumen ihre Umwelt zu gestalten. Ihrer Meinung nach sind Blumen ein "Gegenmittel gegen Armut und eine triste Umgebung".
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| Junge Frauen der Schule am Winkfield Place nach dem 2. Weltkrieg Source |
Blumen und Blumenarrangements finden sich zu jener Zeit nur in den Häusern der Reichen, die es sich leisten konnten, Schnittblumen zu kaufen oder einen großen Garten in der Vorstadt zu unterhalten. Constance beginnt mit allerlei "floralen" Materialien zu experimentieren. Ihre Arrangements mit ungewöhnlichen, "billigen" Pflanzen erregen Aufsehen: "Unbewusst, glaube ich, hatte ich einen Moment getroffen, in dem die Leute die üblichen Versatzstücke der professionellen Floristen leid waren (.... ). Auf jeden Fall kamen bald und zahlreich Anfragen für Blumenarrangements , und ich beschloss, mit einem kleinen Laden zu beginnen."
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Sie hört auf, als Lehrerin zu arbeiten und eröffnet 1929 ihren ersten Blumenladen. Das ist auch deshalb ungewöhnlich, weil bis zu diesem Zeitpunkt Floristik ausschließlich eine Domäne der Männer ist. Sie erregt damit einiges Aufsehen: Und in der Tat ist Constance eine Person, die viele gesellschaftliche Barrieren ihrer Zeit überwindet ( mit einer gewissen Würde und Dezenz ).
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| Constance Spry beim Beratungsgespräch mit Eric Bedford bezüglich der Platzierung von Blumenschmuck bei den Krönungsfeierlichkeiten Source |
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and learn and learn and learn... schöne biographie von Constance Spry ! und ihre Rose passt zu ihr !
AntwortenLöschenNa wenn ich dich nicht hätte, liebe Astrid...die Rose kannte ich schon, die Biografie dahinter noch nicht...LG Lotta.
AntwortenLöschenSo eine schöne und ganz andere Biografie! Wiklich spannend!!! Ich mag die Fotos von Constance Spry :) Sie sieht ein wenig bieder aus, aber dennoch sehr in sich ruhend und ich meine auch zielstrebig. Danke für diese Portrait!
AntwortenLöschenLiebe Grüße,
Veronika
Bieder - genau das habe ich bei den Fotos von ihr auch gedacht. Aber dann entdeckte ich eine ganz individuelle Persönlichkeit. Ich glaube, in ihrer Zeit musste man sich noch sehr stark verstecken ( das meine ich auch mit Dezenz ).
LöschenDanke für deine Wertschätzung!
Wow, wie spannend. Danke, dass du dir die Mühe machst, immer wieder tolle Frauen zu portraitieren!!
AntwortenLöschenLieber Gruß
Steffi
Auch dir vielen Dank! es hält mein Gehirn fit. In diesem Falle musste ich mein reichlich eingestaubtes Englisch mehr denn je reaktivieren...
LöschenIch habe schon einige Male versucht zu kommentieren. Hoffe, daß es nun klappt.
AntwortenLöschenGanz besonders liebe ich deine Reihe der "Great Women". Ganz viel hast du mir dadurch bereits nahe gebracht. Mit Rosen hatte ich es nie sonderlich, bis ich die englischen Rosen entdeckte. Leider sind mir bereits Zwei durch harte Winter eingegangen. Aber ich gebe nicht auf. Sie sind einfach uwerfend schön und betörenden Duftes - wie sollte man sie da nicht lieben können?! Constance Spry als Rose war mir ein Begriff. Die Person dahinter ist es erst jetzt geworden.
Danke, liebe Astrid!
das ist wieder ein ganz wunderbares portrait!! ich kannte weder die rose noch die frau dahinter. wie spannend! und ihre aussagen sind großartig! ansonsten hab ich mich sofort in das gemalte, weiße blumenbouquet verliebt! ein traum!!
AntwortenLöschenwusstest du, das tania blixen auch die herrlichstens blumenarrangements gestaltet hat? ich habe ihr haus in rungstedlund (bei kopenhagen) zweimal besichtigt und war ganz begeistert, denn dort stellen sie ihre sträuße nach und es gibt im museum auch viele fotos davon. hast du tania blixen schon auf deiner liste? sie ist eine absolut fasznierende frau und als dänin mir ganz besonders nah (auch wenn ich die dänische sprache nicht beherrsche..).
danke, astrid und ganz liebe grüße!
mano
Mal wieder eine ganz tolle Geschichte!
AntwortenLöschenDie Rose kenne ich, aber die Geschichte der Namensgeberin nicht. Danke dafür!
Greetings & Love
Ines
Blog: www.eclectichamilton.de
Shop: www.eclectic-kleinod.de
Sehr emanzipiert und engagiert die Dame!
AntwortenLöschen(... und ich nun gut informiert!)
:-)
♥ Franka
Was für eine tatkräftige und vielseitige Frau! Wie schön, dass so eine Rose sie immer wieder ins Gedächtnis ruft.
AntwortenLöschenDa werde ich demnächst mal schauen, ob ich diese Rose auch finden kann. ;-)
Liebe Grüße
Andrea
Wieder was gelernt!
AntwortenLöschenWas für eine tolle Rose - und interessante Frau. Wie großartig, dass du dem Namen der Rose nachgeforscht und auf diese Lebensgeschichte gestoßen bist. LG mila
AntwortenLöschenVielen Dank, liebe Astrid, dass du mich auf diesen Post hingewiesen hast, was für eine wunderbare und interessante Frau !!! Wie schön, dass du sie für uns portraitiert hast !!!
AntwortenLöschenGanz herzliche Grüsse und ein herrliches Sommerwochenende, helga
Liebe Astrid,
AntwortenLöschenDeine Frauenportraits schätze ich sehr. Diese Frau beeindruckt mich, was sie alles geschaffen hat.
herzlich Judika
Was für eine tolle Frau!
AntwortenLöschenWie oft habe ich das schon bei Deinen Porträts gedacht!
Und immer lerne ich wieder, mir neue Great Woman kennen und staune, wie emanzipiert sie waren, wie modern, selbstbewusst. Gerade bei Constance Spry dachte ich auch wieder, wie erstaunlich Ihre Biographie doch ist.
Vielen Dank für das Bekanntmachen mit Frauen, die mir zum größten Teil nur vom Namen, oder gar nicht bekannt waren!!
LG, Monika
Das habe ich mit Genuss gelesen. Vor allem deine Einleitung hat mir gut gefallen. -
AntwortenLöschenIhre Blumenarrangements sehen tatsächlich aus wie alte Gemäldestillleben, zwar nicht mein Geschmack, aber dennoch wunderschön.
LG, Ingrid
Also dieses Donnerstags-Frauenjournal muss ich einfach (nach)lesen, sonst verpasse ich wirklich was. Toll!!! Besonders rührend die Blumenbinderei mit den Mädchen in der Hauswirtschaftsschule... So schön, wenn Mädchen natürliche Schönheit entdecken und damit gestalten..., manchmal funktioniert es auch heute noch ;-). Lieben Gruß Ghislana
AntwortenLöschenLiebe Astrid,
AntwortenLöschenviiielen Dank für Deinen Tipp!!!
Was für eine ungewöhnliche, mutige und intelligente Persönlichkeit! Beeindruckend, insbesondere, wenn man die damalige Zeit im Blick hat.
Und wie nett: in meinem Garten klettert die "Constance Spry" an einem Rosenbogen und die "Gertrude Jeckyll" ist eine meiner liebesten Gartenrosen für die Küche. Hast Du auch schon einen Post über Gertrude Jeckyll gemacht?
Auf jeden Fall werde Deine Great-Women-Reihe weiter verfolgen. Gefällt mir seeehr!!! Ich werde noch ein wenig Deine anderen Posts durchstöbern.
Viele Grüße von
Regina
Oh Astrid,
AntwortenLöschenDanke für den Tipp!
Ich habe den Post jetzt 2x verschlungen!
Und habe fast Tränen in den Augen...
Ich weiß gar nicht, warum, aber das spricht mich so dermaßen an...
Auch die florale Ausdruckskraft...
Dieses Spiel mit den Blumen ist echt zu einer kleinen Herzenangelegenheit geworden.
Ein so beeindruckende Frau. Da werde ich mal gleich weiter bei
Google suchen.
1000 Dank für den aufmerksamen Tipp <3
Julia
Liebe Astrid!
AntwortenLöschenWow! Was für eine Frau! Die gleichnamige Rose steht schon seit Jahren in meinem Garten und gehört undschlagbar zu meinen Lieblingen! Dass so eine starke Frau dahinter steckt habe ich nicht gewusst! Ich bin begeistert von deinem Post und sag herzlich
Dankeschön!
Viele liebe Grüsse,
Sandra