Never trust a mirror
Erin Hanson
Never trust a mirror,
For the mirror always lies,
It makes you think that all your worth,
Can be seen from the outside.
Never trust a mirror,
It only shows you skin deep,
You can't see how your eyelids flutter,
When you're drifting off to sleep,
It doesn't show you what he sees,
When you're only being you,
Or how your eyes just light up,
When you're loving what you do,
It doesn't capture when your smiling,
Where no one else can see,
And your reflection cannot tell you,
Everything you mean to me,
Never trust a mirror,
For it only shows your skin,
And if you think that it dictates your worth,
It's time you looked within.
Traue keinem Spiegel,
ER lügt immer,
er lässt dich glauben, dass dein ganzer Wert
äußerlich sichtbar ist.
Traue keinem Spiegel,
er zeigt nur deine Oberfläche,
er spiegelt nicht, wie deine Augenlider blinzeln,
wenn du allmählich in den Schlaf gleitest,
er spiegelt nicht, was zu sehen ist,
wenn du nicht weniger als du selbst bist
oder wie deine Augen glänzen,
wenn du tust, was du liebst,
er erfasst das Lächeln nicht,
das keiner von dir je zu sehen bekommt
und ja: dein Spiegelbild kann dir nie sagen,
was du mir alles bedeutest.
Traue keinem Spiegel,
denn er zeigt nur deine Oberfläche,
und wenn du zum Schluss kommst, dass er deinen Wert bestimmt,
ist es Zeit, nach Innen zu schauen.
( Übertragung durch mich )
Auch an diesem Dienstag wieder ein Gedicht, in mein Blickfeld gerückt durch einen Instagram - Beitrag, dieses Mal von Stage Door Johnny. Der bezeichnet sich selbst als "purveyor of internet nonsense", der neben Sketchen über die Ungereimtheiten und Widersprüche der englischen Sprache, "beruhigende" Hörbuch- und Gedichtlesungen veröffentlicht.
Das Gedicht selbst ist von Erin Hanson, einer jungen Australierin aus Springfield/Queensland, die ab ihrem 15. Lebensjahr den Blog "thepoeticunderground"geführt hat. Dort ist es am 30. Mai 2013 gepostet worden, da war sie also siebzehn Jahre alt. Erin Hanson hat bis 2016 auch drei Gedichtbände veröffentlicht. "Never trust a mirror" ist in der ersten Anthologie erschienen.
Das Gedicht scheint sich in der virtuellen Welt großer Beliebtheit zu erfreuen, denn alleine bei tiktok sind 24 Rezitationen gelistet. YouTube mag sich da nicht zurückhalten und hält weitere Versionen bereit. Die, die sich da präsentieren, decken ein weites Altersspektrum ab, vom Teenie bis zum Senior.
Es ist wohl ein Thema, das viele Menschen beschäftigt, diese Überbetonung & Auseinandersetzung mit äußerer Schönheit, die ständige Sorge ums eigene Körperbild, gerade eben in diesen social media, und der Mangel an Selbstliebe bzw. Selbstakzeptanz. Inzwischen fällt auf, dass vieles in den Präsentationen möglich wird: ungeschminkt sein, mit Haaransatz oder ganz grau, Kleidergröße 46 und mehr, Pickel, schiefe Zähne. Die Reaktionen sind dann - wenn man nicht zu den Dumpfbacken gehört, die alles und jeden runtermachen - so, dass nun immer wieder gesagt wird, dass frau/man großartig aussähe. Aber die andere Seite ist: Es bleibt nach wie vor das Äußere Thema, frau/man wird nur kurz eingewickelt in die flauschige Wärme eines Kompliments. Erholsamer wäre, nicht immer nur auf das Äußeren abzuzielen, auch nicht positiv. Ist nicht gerade einfach, da herauszukommen.
Die gewählten Bilder, der Ton in diesem Gedicht versuchen ermutigend zu sein - und damit hoffentlich auch inspirierend, sich mit dem eigenen Wert zu beschäftigen, mit dem eigenen inneren Leuchten in Verbindung zu kommen. Beim Umherschweifen im Netz sticht mir das auffallend große Bedürfnis nach "healing poems" immer wieder ins Auge...
Selbstreflexion ist übrigens auch Thema im Gedicht "Mirror" von Sylvia Plath ( hier nachzulesen ), welches kurz nach ihrem Tod 1963 im "New Yorker" publiziert worden ist.
das ist ein sehr schönes und treffendes Gedicht
AntwortenLöschenein Spiegelbild wirft Äußerlichkeiten zurück
er kann nie ins Innere schauen
so wie ein Gegenüber es manchmal schafft
es bleibt oberflächlich
mein Spiegel ist fast arbeitslos
er sieht mich maximal 5 min am Tag ;)
liebe Grüße
Rosi
Genau deshalb haben wir auch nur zwei Spiegel, liebe Astrid. Beide im Badezimmer, damit sich meine Männer ordentlich rasieren können und ich mir vor dem Kosmetikspiegel die Wimpern tuschen kann. Herzlichst, Nicole (die sich niemals nur die äußeren Werte anschaut!)
AntwortenLöschenDas ist doch wunderbar, dass der Spiegel so wenig zu melden hat. Klar, wenn die Haare mal gerichtet werden müssen oder der Lippenstift aufgetragen wird, aber sonst? Soll er doch spiegeln, er muss ja nehmen, was kommt, eine eigene Meinung hat er nicht und eigene Ideen auch nicht...
AntwortenLöschenDu hast das Gedicht fein stimmig übersetzt und es ist erstaunlich und erfreulich, dass die Poetin erst 17 war.
Danke für die inspirierende Poesie im Alltag!
Herzlichst,
Sieglinde
danke für die übersetzung dieses schönen gedichtes mit viel anregung. ich käme mich uinzwischen oft "auswendig", ohne spiegel. lieben gruß, roswitha
AntwortenLöschen