Sonntag, 28. März 2021

Mein Freund, der Baum: Die Maulbeere

Etwas großkotzig habe ich an dieser Stelle mal behauptet, ich hätte noch genug Material auf meinem Computer, um noch weitere Baumposts zu veröffentlichen, zum Beispiel über die Maulbeere. Aber da ich die Fotos nicht im Baumordner abgelegt hatte, hab ich sie in den Unmengen von ungeordneten Bildern nicht mehr gefunden, die Maulbeerfotos, im Sommer aufgenommen. Und zur Zeit bringt es nichts, den Baum neu abzulichten, denn er ist kahl...


 

Erinnert habe ich mich an Alben, die ich vor vierzig Jahren gestaltet habe, als ich fünf Wochen inklusive Erdbeben am Golf von Volos verbracht habe. Gewohnt habe ich in einer Fischerhütte mit einer kleinen Terrasse, beschattet von einem Maulbeerbaum:


Der zu den Moraceae gehörende Maulbeerbaum hat bei uns in Europa eine lange Geschichte, ist er doch  - ursprünglich in Asien zu Hause -, in der Antike von Griechen und Römern zahlreich kultiviert worden, zum einen wegen seines knorrigen Stammes und der dekorativen Baumkrone, die angeblich Weisheit verkörperten und daher verehrt worden sind, zum anderen, weil seine Früchte als gesunde Delikatesse geschätzt worden sind. 

Die Weiße Maulbeere Morus alba stammt aus China und wurde dort seit 4.500 Jahren für die Seidenraupenzucht genutzt. Die Schwarze Maulbeere Morus nigra  hingegen stammt aus Südwestasien,  aus einem Gebiet, das vom nördlichen Persien bis zum Kaspischen Meer reicht. Die Rote Maulbeere Morus rubra stammt aus Nordamerika. Sie sind alle in unterschiedlichen Graden trockenheitsverträglich und gelten daher als Zukunftsgehölze im Zeichen des Klimawandels. Als sogenannte Herzwurzler erreichen die Maulbeerbäume tiefe Bodenschichten und sind bei der Wasserversorgung entsprechend anspruchslos.

Der Maulbeerbaum, vorrangig die weiße Maulbeere, wurde, wie schon geschrieben, auch in Europa dann als Futterpflanze für Seidenraupen angepflanzt, um der immer größer werdenden Nachfrage nach hochwertiger Seide gerecht zu werden. Italien und später Frankreich hatten für lange Zeit eine führende Stellung auf diesem Gebiet, ab dem 18. Jahrhundert wurde die Seidenraupenzucht dann auch im deutschen Sprachraum gefördert. Anfang des 20. Jahrhunderts machten dann aber billigere Seidenimporte aus Südostasien die europäische Seidenzucht und damit auch die europäischen Maulbeerbäume überflüssig. Deshalb wurden sie vielerorts wieder verdrängt.

Der Maulbeerbaum ist vielseitig und kann nicht nur nach Belieben geformt werden, sondern lässt sich sogar als Hecke oder Spalier nutzen und überzeugt in diesem Fall mit einem dichten Blattwerk. Er ist zudem ein schöner Schattenspender, und die Früchte der Pflanze runden das Gesamtpaket für viele Menschen perfekt ab, so dass er inzwischen als Hausbaum eine Renaissance erfährt. Inzwischen findet man die Maulbeere wieder in nahezu allen Gegenden Europas mit Weinbauklima, denn sie ist nicht besonders frosthart und bevorzugt einen sonnigen und windgeschützten Standort. Bevorzugt wird ein tiefgründiger, lockerer und nährstoffhaltiger Boden, der gern kalkhaltig sein darf. 



Der Maulbeerbaum ist ein sommergrüner, ein- oder mehrtriebiger Baum ( kann also auch als Strauch wachsen ), der bei uns zwischen 8 und 16 Meter Wuchshöhe und bis zu fünf Meter Kronenbreite erreicht. Dabei besitzen Maulbeeren, mit Ausnahme der Zwergmaulbeeren, einen starken Wuchs und legen bis zu 70 Zentimeter jährlich zu. 

Der Stamm ist in jungen Jahren mit einer graugrünen bis rötlichbraunen Rinde bedeckt, die später dunkel orange wird und viele Risse aufweist. Die Rinde ist recht weich und faserig und zeigt bei älteren Exemplaren deutliche Längsstreifen. Eine Maulbeere kann bis zu 200 Jahre alt werden.

Die Blätter des Maulbeerbaums treiben erst sehr spät aus und können an ein und demselben Baum sehr unterschiedliche Formen aufweisen. In der Regel sind sie breit-eiförmig bis herzförmig, 6 bis 15 cm lang, aber oftmals auch wie Feigenblätter zwei- und dreifach gelappt. Der Blattrand ist in der Regel grob gezähnt. Die meisten Arten zeigen im Herbst eine hübsche gelbe Herbstfärbung, bevor sie ihr Laub abwerfen.

Maulbeerbäume blühen im Mai und Juni. Dann erscheinen ährenförmige Blütenstände mit Blüten in Kätzchen- oder Köpfchenform. Es gibt rein weibliche und rein männliche Blütenstände ( einhäusig ) an demselben Baum. Männliche Blüten haben vier grünliche Blütenhüllblätter und treten in runden Kätzchen auf, weibliche Blüten haben neben den Hüllblättern zusätzlich einen Fruchtknoten mit zwei Narben. Für die Übertragung der Pollen sorgt der Wind. 



Die Früchte des Maulbeerbaums reifen von Juli bis September und erinnern an Beerenfrüchte, sind aber deutlich länger, fast zylinderförmig. Es sind sogenannte Sammelnussfrüchte, die je nach Art und Reifegrad weiß, rot, purpur oder schwarz gefärbt sind. Am leckersten sind die Früchte des Schwarzen und Roten Maulbeerbaums. Die der Weißen Maulbeere schmecken hingegen etwas fad. Alle Maulbeersorten sind nicht lagerfähig. Aber auch Vögel, Eichhörnchen und Insekten freuen sich über die Früchte.




Durch neuen Züchtungen gibt es mittlerweile kleinere Bäume, an denen die Früchte besser zu erreichen sind. Sie werden nämlich nur etwa drei bis vier Meter hoch, zum Beispiel ‘Geraldi Dwarf’. Ein faszinierendes Wuchsbild mit zickzackförmig wachsenden Zweigen und tief gelappten Blättern bildet Morus alba ‘Laciniata’. Von Morbus alba gibt es auch eine Hängeform mit beblätterten Zweigen bis zum Boden sowie eine säulenförmig wachsende, 16 m hohe 'Pyramidalis'. Aus einer Kreuzung von Morus alba und Morus rubra ist die Sorte ‘Illinois Everbearing’ entstanden, die frosthärter ist und wohlschmeckende Früchte produziert. 

Stockfoto Lizenz
Typisch für die gesamte Familie der Maulbeergewächse ist der bei Verletzungen austretende weißliche Milchsaft, der Hautreizungen verursachen kann. Das Holz der Weißen Maulbeere ist hart, dauerhaft und gut polierfähig und von daher hochgeschätzt, im Orient vor allem für Musikinstrumente. Im südostasiatischen Raum wird die Rinde zu handgeschöpften Papieren weiterverarbeitet. Besonders geeignet ist dafür der Papiermaulbeerbaum Broussonetia papyriferia ( einst Morus papyrifera L. ).

Auf Heidis Blog "Griesheimer Sand" kann man in der Rubrik "Im Wandel der Zeit 2021" einen imposanten alten Maulbeerbaum in seiner ganzen Schönheit anschauen.

Nun seid wieder ihr dran, liebe Leser*innen: Einen ganzen Monat könnt ihr unter diesem Post eure Beiträge zu/über Bäume verlinken. Die einzigen Bedingungen: Die Posts sollten aktuell sein und einen Backlink haben. Ich freu mich schon darauf.




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11 Kommentare:

  1. Sehr lecker sind die Früchte, die man übrigens Abschütteln, da sie zum Pflűcken eigentlich zu weich sind.
    Gut zu trocknen und ganz fein dann für Müsli oder zum Süssen von Brei oder Backwerken oder einfach so.
    Danke Dir wieder für die Linkparty, hoffentlich schaffe ich es endlich mal wieder.
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. Bei mir gibt es ein Glas mit den getrockneten dunklen Maulbeeren für den süßen Hunger zwischendurch...
      GLG

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  2. Ohhh, jetzt hatte ich im ersten Moment glatt gedacht, deine Maulbeere wäre identisch mit der schwedischen Mehlbeere. Ein interessanter Baum, an den ich mich nicht erinnere schon mal gesehen zu haben.
    Lieben Dank für die Vorstellung und einen schönen Sonntag, Marita

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  3. Wieder mal ein wunderschöner Baum! Mit biblischem Alter sogar, denn er wird zweimal im Neuen Testament erwähnt. Und dass er nun auch eine Art Heilsbringer für den Klimawandel sein könnte, ist ja umso besser.
    Ich wüßte jetzt gar nicht, wo bei mir einer in der Nähe steht. Aber ich werde mal die Augen offenhalten.
    Sehr schönes Baumportrait, Danke!
    GlG Sieglinde

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  4. Ich hab den Maulbeerbaum auch in Griechenland kennengelernt. Bei deiner Schilderung bin ich gleich wieder in Gedanken nach Kefalonia gereist. Die Früchte waren ein Genuss...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Hmmm Maulbeeren! Letztes Jahr haben wir einen Baum entdeckt am Mainufer, voll und übervoll mit fast scharzen Beeren, wir haben die Trinkflaschen mit Beeren gefüllt und gefuttert. Schönes Portrait! Ich wusste garnicht, dass es rote gibt. Abendgrüße
    Eva

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  6. Die Tatsache, das männliche und weibliche Blüten am selben Baum zu finden sind, das wusste ich noch nicht. Ganz bestimmt werde ich dieses Jahr auch noch einen Beitrag zu den Maulbeerbäumen auf der Düne hier verlinken. Wie du schon erwähnt hast, Maulbeerbäume treiben spät aus, es wird mit meinem Beitrag also noch einige Zeit ins Land gehen.
    An meinem 12tel Blick Fotomotiv, habe ich die Blüten schon oft beobachten können, aber noch nie seine Früchte. Ich glaube, er trägt keine mehr? An einem anderen Maulbeerbaum allerdings schon, aber auch das ist Glückssache, die reifen Beeren verweilen nie lange am Baum, irgenwer muss sie ernten?
    LG Heidi

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  7. Liebe Asrid,
    bis vor etwa zwei Jahren hätte ich ja noch gedacht, Maulbeerbäume wachsen irgendwo auf der Welt, aber sicher nicht bei uns. Aber dann lud mich meine Kollegin Helga in ihren Schrebergarten (!) ein und da fragte ich sie auch nach dem wahrlich riesigen und prächtigen Baum in einer Gartenecke. Da stellte sie mir ihren Maulbeerbaum vor - mit dunklen Beeren übrigens, allerdings ausgesprochen schwer zu erreichen, leider.
    Die Bäume, die ich dir heute mitgebacht habe, sind nicht so exotisch, und ihre Früchte sind auch leichter zu erreichen: Marillenbäume, die derzeit in der schönen Wachau gerade in der Blüte stehen, weshalb wir ihnen einen Besuch abgestattet haben :-)
    Liebe Frühlingsgrüße,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/04/marillen-erlebnisweg-und-gottweig.html

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  8. Ich habe noch nie Maulbeeren probieren können, liebe Astrid. Gesehen habe ich, so glaube ich, auch noch keinen. Aber ich halte die Augen auf. Danke für die Einladung ;)) Herzlichst, Nicole

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  9. Ich bin es nochmal, Astrid. Da ich jetzt offiziell bei Deiner Linkparty mitmache, habe ich auch noch meinen Post um ein paar Informationen rund um die Pappel erweitert ;) Ich kann einfach nicht anders. Habt einen schönen Abend! Herzlichst, Nicole

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  10. dass es einen papiermaulbeerbaum gibt, habe ich noch nie gehört. das klingt spannend. ansonsten weiß ich ehrlich gesagt gar nicht, wann und wo ich schon mal eine maulbeere gesehen habe. sicher schon, aber ich habe sie mir nicht bewusst gemerkt. in zukunft werde ich bei spaziergängen in botanischen gärten und parks besonders darauf achten. die früchte würde ich zu gern mal probieren.
    liebe grüße
    mano

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Ich freue mich eigentlich über Kommentare. Doch es gilt auch die uralte Spruchweisheit: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus." Da wird dann schon mal der Freischaltknopf nicht gedrückt, auch, wenn im Kommentar das Thema verfehlt wird...

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