Samstag, 15. Februar 2020

Meine 7. Kalenderwoche 2020

Das Sturmtief "Sabine" hat uns zu Wochenbeginn eigentlich zwei sehr häusliche, ruhige Tage beschert, hatte ich doch rechtzeitig am Sonntagmorgen alles Bewegliche auf der Terrasse und im Garten sicher verräumt und ein schneller Einsatz war von daher nicht gefragt. Von persönlichen Nöten abgesehen haben uns allerdings die gesellschaftlichen Orkanböen beschäftigt...

Der Kölner hat da aber so einige Möglichkeiten sich abzulenken: z. B. für Karneval nähen und basteln und sich dabei nen blauen Himmel vorzumachen.



Dienstag wieder ein Konzert in der Philharmonie: Da haben die Floristen doch bei mir abgekupfert...

Musikalisch : Eine Beethoven - Séance ( "Allein Freyheit" ) mit unserem französischen Generalmusikdirektor François-Xavier Roth und meinen Lieblings - Klavierer ( O-Ton meiner damals noch kleinen Tochter ) Pierre-Laurent Aimard, der zu Beginn des Konzertes mit der "Kleinen Nachtmusik" einsetzte, um dann vom Orchester mit einer Komposition Isabel Mundrys abgelöst zu werden. Mich hat es bezaubert, wie der ganze Konzertabend.

DER Kölner Musikkritiker beurteilte das Konzert als "gescheitert auf hohem  Niveau". Ein reiner Beethovenabend hätte MICH irgendwann eher ermüdet. So blieb ich zwei Zeitstunden vollkommen neugierig und wach. ( Auf dem Programm standen neben Beethoven noch Werke von Bernd Alois ZimmermannHelmut Lachenmann und Francesco Filidei. )





Der Mittwoch der Woche wurde ja schon hier ausgiebig dokumentiert, und auch am Donnerstag ging es fleißig weiter in der karnevalistischen Nähstube ( was bei strömendem Regen bis in den Nachmittag auch die einzige Option  bleiben musste... )






















Am Freitag dann an all die Menschen gedacht, die meinem Herzen nahe stehen, besonders an die, die momentan leiden müssen. Ansonsten wieder ein gewöhnlicher Tag mit Sport, Einkaufen, Nähen und Kochen, wenn nicht die Nichte vorbeigekommen wäre...

 ... um für sich und den Freund Kostüme für Karneval auszusuchen. Später kam auch noch die Schwägerin wegen Perücken. Inzwischen hab ich einen echten Kostüm - Verleih.

Täglich beäuge ich jetzt die Magnolienknospen, ob sich schon rosanen Spitzen zeigen.

2016 war es schon am 12. Februar so weit. Zeit für eine kleine Collage musste am Samstagmorgen auch sein, um ein Geldgeschenk zu einem 60. Geburtstag ansprechend & anspielungsreich zu verpacken.



Das war eine ganz schön anstrengende, da aufwühlende Woche, vor allem was die Familie anbelangt. Da gingen die Gedanken ( und manches Mal die WhatsApp- Nachrichten ) hin und her. Was auf gesellschaftlicher bzw. politischer Ebene los war, blieb da oft ausgeblendet.

In einer ruhigen Minute - okay, es war mehr - habe ich im Radio mal länger "Volkes Stimme" gelauscht und zwar beim Tagesgespräch nach dem Rücktritt der Vorsitzenden der Schwarzen. Da haben sich mir fast die Fußnägel aufgerollt, denn da kamen Postulate, immer verbrämt als Konservatismus und "bürgerliche Mitte", die reaktionär, autoritär, patriarchalisch waren, zum Beispiel was den Einfluss der Parteien bzw. der Politik in puncto Familie anbelangt. Da wurde gefordert, ein bestimmtes Familienmodell in Blei zu gießen und verbindlich zu machen und negiert, dass die Menschen schon längst viele eigene Ideen entwickelt haben, wie sie ihr soziales Miteinander gestalten wollen und es selbst in Liebe & Verantwortung zu ihren Mitmenschen aktiv gestalten. Aber offensichtlich gibt es Menschen, denen etwas weggenommen wird, wenn der Nachbar anders leben will als man selbst. 

Gewundert hat mich nicht, dass das alles Männer waren, die sich mit entsprechenden Forderungen zu Wort meldeten und von Politikern ein Familienmodell festgeschrieben haben wollen, dass spätestens seit den 1970er Jahren ausgedient hat. Ich habe noch erlebt, wie in den 1950er Jahren solche Vorstellungen gegenüber Kindern, Jugendlichen, Frauen und Minderheiten durchgesetzt wurden, auch mit Hilfe der Religion und ohne Rücksicht auf Verluste ( und man selbst sich alle, aber auch alle Ausnahmen genehmigte ). Und dieselben Leute werfen heute anderen Parteien eine "Verbotskultur" vor! Was war das denn anderes jahrzehntelang? Ich habe noch erlebt, wie ich als Frau in meinen Entscheidungen vom Ehemann abhängig war, wie junge Mädchen in Ehen gezwungen wurden, wie gleichgeschlechtliche Paare an Selbstverleugnung krank wurden oder in Verhältnissen leben mussten, die ihnen nicht entsprachen.

Angeblich, so der Geschäftsführer der CDU, steht der "Bürger" im Mittelpunkt seiner Partei und zwar "ohne Verbote", aber offensichtlich versprechen sich Anhänger bzw. potentielle Wähler von einem Führungswechsel genau solche Gebote, Verbote, Festschreibungen und statt einer inhaltlichen politischen Auseinandersetzung eine Umkehr in längst vergangene Tage. 

Statt leerer Kampfrhetorik wie bei den Blaunen, dem Gefasel von der "Sozialdemokratisierung" der Partei, dem Kulturkampf, der sich gegen die Liberalisierung der vergangenen Jahrzehnte im Zusammenleben der Menschen wendet, statt dem Pflegen und Hätscheln veralteter Feindbilder wäre eine Auseinandersetzung mit dem, was die menschliche Gesellschaft heute ausmacht und was eine Partei an flankierenden Maßnahmen dazu beitragen kann, eine echte Aufgabe für eine neue Parteiführung. Sonst geht es auch dieser "Volkspartei" wie den christlichen Kirchen. Denn denen laufen die Menschen auch in Scharen davon.


Verlinkt mit dem Samstagsplausch bei Andrea Karminrot

Kommentare:

  1. Danke für den Magnolientipp, da muss ich bei den hiesigen in der nächsten Zeit auch mal kontrollieren gehen.
    Kein Wunder, dass man sich in Kostümfragen gern an dich wendet. Das bringt dann auch nette Ablenkung.
    Es gehen ja auch ständig gesellschaftspolitische Stürme durch die Reihen und über unsere Köpfe hinweg.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Du musst ja wirklich einen wahnsinnigen Fundus haben. Wir haben keine Magnolie, aber ich darf immer bei den Nachbarn schwelgen. Sie sind schon was Besonderes. Tja, was soll man zu dem ganzen reaktionären Kram sagen. Ein paar Gedanken muss ich auch wieder los werden. Hilft's???
    LG
    Magdalena

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  3. Hoi Astrid!
    Mit Fasnacht kannst du mich jagen! Wann geht es denn richtig los? Ich freu mich schon auf Aschermittwoch, aber natürlich gönne ich allen den Spass. Liebe Grüsse zu dir.
    Regula

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  4. Die Fasnacht zieht an mir vorbei weil dieses Kulturgut in meiner Region nicht gelebt und gepflegt wird. Und auch die Magnolien findet man bei uns eher weniger, das bedaure ich schon mehr. Dafür hat uns Sabine auch nicht so sehr geplagt.
    L G Pia

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  5. Schöne Farben, schöne Impressionen - oh jajaaa, das möchte ich alles auch: mir ein Kostüm aussuchen (hast bestimmt eines für mich), darin einen Fastnachtsball erleben und so ein Konzert... wenn ich reale Möglichkeiten hätte... würde ich nach Köln umziehn! Vielleicht wärs mir zu laut, aber ganz sicher fände ich dort Menschen und Inspirationen nach meinem Sinn - - -

    Zur Politik kann man gar nix mehr sagen: es ist erschreckend, wie sehr immer vor einer linken Diktatur gewarnt wird und eine von Rechts einfach so hingenommen. Oder gar gewollt...
    Dunkelblaunachtgrüsze aus dem Kaff im Hinterwald
    Mascha

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  6. im kleinen lieblingspark hat sabine einen dicken ast einer alten magnolie abgerissen. einige kleine zweige davon stehen jetzt auf der fensterbank und öffnen schon ihre wunderbaren blüten! ich freu mich schon auf deine ersten rosa farbrauschbilder!!
    liebe grüße
    mano

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  7. Es ist immer wieder schön, ein klein bisschen in Deinem Leben "schnuppern" zu dürfen und festzustellen, dass es bei uns die eine oder andere Übereinstimmung gibt. Doch bei "Fastnacht" oder "Karneval" winke ich ab: ich bin der total Fastnachtsmuffel, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass hier in Luxemburg nicht so sehr Karneval gefeiert wird und man sehr leicht das Fest der Narren "verpassen" kann. Was die in letzter Zeit so oft hervorgehobenen "Verbostkultur" angeht, so stimme ich Dir absolut zu. Auch ich bewohne diesen Planeten schon über 50 Jahre und fühle mich mit zunehmendem Alter immer weniger bevormundet. Ja, manchmal ärgert einen "Verbote", auch "Gesetze" genannt, die meisten jedoch sinnvoll, manche den "Bogen etwas zu sehr überspannend". Doch wir leben in einer immer noch sehr freien Gesellschaft, und besonders wir Frauen haben so viele Freiheiten wie nie zuvor. Das sollte man sich jeden Tag in Erinnerung rufen und dafür einstehen, dass das auch in Zukunft für unsere Töchter so bleibt.
    Ich wünsche Dir noch einen gemütlichen Sonntag.
    Herzliche Grüße,
    Claudine

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  8. Ich lese auf Insta u. a. bei vielen engagierten jungen Grünen und Linken aus Thüringen und Sachsen mit, das lässt in mir dann doch noch Hoffnungs- und Zuversichtsfunken glimmen. Gestern habe ich ein Fahrsicherheitstraining auf dem Lausitzring absolviert, alte Frau zwischen lauter meist sehr viel jüngeren Männern, die alle das Autofahren lieben, sich aber auch sehr reflektiert zu Gefahren des überbordenden Straßenverkehrs äußern konnten und unserem (auch jungen und Kraftfahrt-begeisterten Kursleiter) beifällig zunickten, als der fürs Tempolimit plädierte... Danke für deine Hinweise auf (noch gar nicht so) alte Zeiten des Bevormundens von Lebensweisen durch Konservative. Alles Gute dir und euch und eine fröhliche Karnevals-Zeit. Liebe Grüße Ghislana

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  9. Ach ja, für Fasching nähen - lange ist es her. Obwohl Fasching nie mein Ding war, bin ich doch in einer pietitischen Gegend groß geworden, wo man gerade einmal Faschingsdienstag den Nachmittagsunterricht erlassen bekam, habe ich für Kinder viele Kostüme entworfen und genäht. Mein Fundus an Kinderkostümen schrumpft inzwischen, worüber ich nicht unglücklich bin.
    Nicht glücklich machte mich was politisch hier und dort angestellt wird.
    Glücklich bin ich jedoch wieder angesichts der vielen Menschen, die sich gegen diese Strömungen entgegenstellen.
    Dir eine gute Woche wünscht, mit vielen Grüßen,
    Karin

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  10. ...die Magnolien haben bei uns erst kleine Knospen, liebe Astrid,
    aber sonst schaut einiges frühlingshaftes aus der Erde...jeden Tag entdecke ich neue grüne Spitzen im Garten und freue mich dran,

    liebe Grüße Birgitt

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  11. Liebe Astrid,
    welch ein Fundus...stell ich mir total schön vor, wenn du deine Kostüme an liebe Interessierte ausleihen kannst. Die Zeit an Weiberfastnacht zu feiern bzw. mit meinen Mädels aufzutreten ist schon lange vorbei, doch ich habe schöne Erinnerungen daran.
    Ich wünsche dir eine gute neue Woche - lieben Gruß, Marita

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  12. Ist es ein Wunder, dass alle bei dir fündig werden, was Kostüme angeht?
    Hoffentlich geht es deinen Lieben gut!

    Das Hickhack der Politiker macht mich wütend. Wieviel schon erreicht, landet bei denen wieder in der Tonne. Und es sind tatsächlich die Typen, die am liebsten zu den uralten Strukturen zurückkehren wollen. Die Welt ist doch so herrlich bunt und so soll sie auch bleiben. Die Parteien zerreden sich völlig und haben schon lange den Menschen aus den Augen verloren, den sie leiten sollten. Das die sich dann in die falsche Farbe begeben, dass ist soo klar.
    Ich hoffe auf eine schöne, gesunde Woche.
    Andrea

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  13. danke! einfach so. danke! ich hoffe, du versorgst auch mich in der karnevalswoche mit vielen schönen karnevalsbildern. nur so gegen den ganzen trübetassenstumpfsinn. und mein persönliches alljährliches heimweh.
    liebst,
    jule*

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