Sonntag, 1. Oktober 2017

Meine 39. Kalenderwoche 2017


Ich muss mir mal selbst auf die Schulter klopfen: Am vergangenen Sonntag war ich zum ersten Mal seit fast ewigen Zeiten fünf Stunden zu Fuß in meiner Stadt unterwegs. Nach dem Wählen ging es per U-Bahn zum Dom:

Erst im Dom geschaut, was unter Domwallfahrt zu verstehen ist.


Und dann auf der Domplatte eine Stunde lang den Rednern bei Pulse of Europe zugehört. Einfach großartig: Klaus Hänsch, ehemaliger Präsident des Europaparlaments (1994–97).

Nach einem Kaffee am Heinzelmännchenbrunnen ging es in ein Veedel unserer Stadt, in dem wir beide in den vierzig bis fast fünfzig Jahren in Köln noch nie waren.

Ausgelöst hat diesen Ausflug ein Kirchturm mit welscher Haube, den ich vor Wochen bei meinem Aufenthalt im Severinsklösterchen bei den ersten Gehversuchen auf dem Klinikflur im Kölner Panorama entdeckt hatte. Doch noch eine barocke Kirche in dieser Stadt? Was ist das denn?



Natürlich habe ich noch im Krankenhaus gegoogelt und herausbekommen, dass es sich um "Maria zum Frieden", die zum Kölner Karmel gehörende Kirche, handelt. Eigentlich wusste ich ja von Edith Stein, jener Kölner Karmelitin jüdischer Herkunft, die von den Nazis 1942 in Auschwitz umgebracht worden ist. Und eigentlich wusste ich auch, dass es in der Stadt einen Konvent der Unbeschuhten Karmelitinnen im sogenannten Martinsfeld gegeben hat, da, wo im Mittelalter noch Weingärten waren. Aber wo das Kloster lag, hat mich bislang nicht interessiert...





Jetzt kann ich endlich auch diesen blinden Fleck in unserer Stadt mit schönen Bildern füllen. Ein absolut stiller, besinnlicher Ort, obwohl die lauten Ringe und ein Zubringer zur Severinsbrücke dieses Viertel im Westen und Süden einrahmen. Und drumherum lauter Bauten aus den Nachkriegsjahren, denn dieser Teil der Stadt ist im 2. Weltkrieg brutal ausgelöscht worden.


Der Konvent mit der Kirche war auch betroffen und ist innerhalb von zehn Jahren ab 1947 wieder aufgebaut worden. Im Gebäudekomplex ist auch das Edith - Stein - Archiv untergebracht. Über diese beeindruckende Frau wird es demnächst auch einen Post in meiner Great-Women-Reihe geben. 



Eine Klosterpforte habe ich mir übrigens ganz anders vorgestellt, als wir es vorgefunden haben: sehr moderne Technologie! Beim Fernsehempfang setzt man hingegen noch auf Altbewährtes...


Ach, diese graue Wolke am deutschen Himmel! Am Montag wurde sie im Gemüt letztendlich vertrieben durch einen überraschenden Enkelbesuch und einem munteren Plausch über seine Schulerlebnisse bei Kaffee & Kuchen...

Die unguten Gefühle & das Krea - Tief habe ich mit heftigem Aktionismus ich Schach gehalten und zum Beispiel das Vasenregal im Keller gesäubert und sortiert, trotz Sonnenschein draußen.


Oder eine Lösung gesucht ( und gefunden ), um das gemeinsame Bett so zu erhöhen, dass ich mein Prinzessin-auf-der-Erbse - Lager im Gästezimmer dauerhaft verlassen kann.


Da Ghislana nach meinen Archivierungsmarotten bzw. der Zettelwirtschaft fragte, habe ich das einmal im Bild festgehalten: Bei mir läuft tatsächlich das Meiste digital mit TextEdit- Notizen und vielen Ordnern, ein, zwei Listen und dem Kalender auf dem PC:

Bei der Gleditschie vor dem Badezimmerfenster läuft der Stoffwechsel schon auf Sparflamme & der Baum geht in die Winterruhe über. Dafür konnten wir die Myriaden von Blättchen schon aus allen Ritzen klauben...

Und während draußen vor den Fenstern der Herbst trotz sommerlicher Temperaturen ( 24°Grad ) weiter voran schritt, registrierte Blogger zu meiner großen Freude den anderthalbmillionsten Aufruf für mein Blog. Da wächst die Lust wieder, weiter zu machen...

Iiieh! Bäh! So ein Wetter am Samstag! Da erspar ich mir die Einkaufstour, sitze lieber & schreibe bei Kerzenschimmer an meinem neuen Great-Women-Post weiter. Als ich diese tolle Karte mit Hortensienblüten vom Herrn K. überreicht bekam, war ich verblüfft: Passt!

Sie ist von Karen, die wohl geahnt hat, womit ich mich gerade beschäftige, Dir vielen Dank!


Die ganze Woche habe ich mit den Gefühlen gekämpft, die das Halali des Herrn Gauleiter am Wahlabend ausgelöst hat, als er zur Hetzjagd geblasen und mit fast überschlagender Stimme getönt hat: "Wir werden sie jagen! Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen! Und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen!". Wohin werden dann solche wie ich ( denn ich gehöre ja nicht zu deren Parteigängern ) "entsorgt"? 

Ich bin nicht geschichtsvergessen genug, um nicht zu wissen, dass einem auch Schlimmeres drohen kann, wenn man nicht zu den "Richtigen" gehört. Auf der Münchner Allianz - Arena wurde ja auch schon per Projektion verkündet: "Unser Land- unsere Regeln". Wer legt die fest? Die Frage finde ich berechtigt bei einer Partei, deren Verhältnis zu völkischem Denken, gelinde gesagt, nicht geklärt ist.

Was die unsägliche Entgleisung der künftigen Fraktionschefin der SPD anbelangt, schließe ich mich Detlef Esslinger in der Süddeutschen an:
"Jagen" ist das Wort, das die Leute sich bei Gauland merken sollen, "Fresse" ist das Wort, das sie sich bei Nahles merken werden. Wer diese Wörter benutzt, spielt nicht nur mit seinem Renommée, sondern auch mit der demokratischen Kultur. Und trägt seinen Teil dazu bei, wenn der respektvolle Streit jeden Tag etwas schwieriger wird."
Für Andrea Nahles gilt aber auch, was den meisten Frauen, die in eine solche Position kommen, klar ist: Ein Trouble-Shooter-Job bleibt fast immer die einzige Chance für eine Frau, endlich ihr Können zu beweisen. Da gibt man schon mal den Schröder, auch wenn frau es hinterher bereuen muss...


Verlinkt mit Andreas Samstagsplausch und Maschas Weekend Green

Kommentare:

  1. Glückwunsch: fünf Stunden zu Fusz, das mache ich ja kaum mit halbwegs gesunden Gelenken! Und: ohh, Ihr hattet Sonenschein am Wahlsonntag... wir nur grauen Nebel und Regen, da weinte selbst der Himmel über diese Wahl - - -
    Die Domplatte kenne ich nur vom Hörensagen von den Berbern seinerzeit, das musz wohl auch ein Treffpunkt (gewesen) sein, wo es viele immer wieder hinzog, naja, nur ich blieb immer hier am Ort - ... und zu Kölner Kirchen fallen mir doch gleich die historischen Krimis von Andrea Schacht ein, die mag ich sehr.
    Ich kann übringens auch Schulterklopfen, denn ich hab meine kaputte Jalousie ganz alleine repariert und hab es richtig gut hinbekommen - was anderes bleibt mir ja nicht, aber nicht immer gelingt es ...
    Lichtdurchflutete seidenfadendurchwirkte Oktobersonntagsgrüsze sendet Dir
    Mascha

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  2. Eine wunderbare Woche zeigst Du uns, liebe Astrid. Mit Neu-Entdeckungen in der eigenen Stadt, was ich persönlich hier auch besonders liebe. Wir erkunden auch immer die Viertel hier mit dem Rad und schauen, was wir noch nicht kennen...
    Dass bei Problemfällen immer die Frau hervorgekramt wird in der Politik ist ja altbekannt. Dass Frau Nahles den Schröder gibt (sehr gute Formulierung von Dir!) ist daneben, aber sonst wäre sie wohl nicht genommen worden für den Job...
    Es wird eh schwierig werden mit den anständigen Kommunikation in der nächsten Zeit. Da hirnen derzeit ja schon einige Coaches und ProfessorInnen drüber, wie man mit der unguten Rhetorik entwaffnend umgehen kann ohne sich selbst darin zu verstricken.
    Glückwunsch zum tollen Blog-Ergebnis. Schön, wenn sich Qualität durchsetzt!! Du machst das auch wirklich hervorragend. Ich lese immer sehr gern bei Dir.
    Herzlichst grüßt Sieglinde

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  3. Guten Morgen Astrid!
    Ja- Du pflegst einen wunderbaren Blog! Alles bei Dir ist lesenswert, Deine politischen und gesellschaftlichen Anstöße sind wichtig und geben Impulse.
    Es ist die Vielseitigkeit, die Du bedienst, dazu sehr schöne Fotos.

    Deine Seitenaufrufe sind bezeichnend!

    Ein barockes Kirchlein in Köln? Wusste ich auch noch nicht- wieder etwas mitgenommen beim Lesen.
    Toll, dass Du soo lange unterwegs in der Stadt gewesen bist!
    Am Donnerstag hatte ich frei und bin shoppen in Köln gegangen, eigentlich wollte ich cognacfarbene Stiefeletten ... gekauft habe ich aber nur Klamotten...und anschließend bei der Bezirksregierung das Tochterkind besucht... es war so mild, dassman im T-Shirt rumlaufen konnte, gestern dagegen... brrr. Naja, ich musste im Rahmen meiner Arbeit bei der Diakonie zum Erste Hilf Kurs, da hat mich der Regen auch nicht gestört.

    So, und nun haben wir alle eine Vorstellung vom Vasenregal bekommen. Sollte ich auch mal machen, neben Vasen besitze ich sehr viele Windlichter... aber mein Keller ist mein Stiefkind, ds lagern noch viele Sachen aus meinem Elternhaus.
    Einen angenehmen Sonntag wünsche ich Dir!
    Marita

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  4. Liebe Astrid, wieder was Neues über Köln erfahren. Schön! Aktiv werden und bleiben ist sooo wichtig. Ja, und in Sachen Politik falle ich von einem Schockzustand in den nächsten. Das nimmt mich ganz schön mit.
    Hab wieder eine schöne Woche!
    Magdalena

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  5. Fünf Stunden unterwegs, das macht mich schier sprachlos. Und ziemlich neidisch.
    Dein Vasenvorrat ist ja ebenso gigantisch, wie die Zahl deiner Blogaufrufe.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ich bin ja nicht ohne Sitzpäuschen gelaufen, als da waren U-Bahn, Bank vor der Schmuckmadonna, Café, wieder U-Bahn zur Ulrepforte, Bank in der Karmeliterkirche & heim mit der U-Bahn... heute habe ich das nicht geschafft, sondern anderen beim Laufen stehend zugeschaut & applaudiert.
      LG

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  6. Ach, liebe Astrid, was für eine erfüllte Woche. Die Entdeckung des Klosters, deine wieder weiteren Kreise, die du zu Fuß nun wieder ziehen kannst. So ein Vasen-/Flaschen-Regal habe ich auch im Keller..., sollte auch mal sortiert und geputzt werden... Ich arbeite heute "unter Tage", sortiere im Keller Bücher und staune, wie von Stunde zu Stunde das "Entsorgen" leichter fällt. Da trifft es sich fast gut, dass in der DDR z. T. auf so schlechtem Papier gedruckt wurde, dass es schon beim Seitenumblättern zerbricht... Heute gab es in der FASZ sehr interessante Artikel zum Wahlausgang etc. Wir sind nach dem (geahnten) Erschrecken ja auch noch bei der Analyse, vor allem auf der Suche nach Wegen "Wie weiter?" Hatte mehrere interessante Gespräche dazu in dieser Woche... Liebe Grüße Ghislana

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  7. das war ja eine spannende Woche und es freut mich, dass du wieder so gut zu Fuß bist.Vielleicht können wir uns ja mal in Zukunft in Köln treffen?? - Die unbeschuhten Karmeliterinnen sind mir auch vor kurzem begegnet. Durch eine Biografie über Theresia von Avila, die ich vor kurzem gelesen habe, bin ich auf diese Klostergemeinschaft aufmerksam geworden. In Köln haben wir in der Nähe < deiner< Kirche geparkt als wir auf dem Weg zur Severinskirche waren( war vor einigen Monaten ja leider noch geschlossen. Kennen tue ich diese Kirche nicht- kann ja noch werden.
    Gruß zu dir nach Köln
    heiDE

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  8. Fünf Stunden unterwegs - toll! Dazu die interessante Klostergeschichte, und auf das was du über Edith Stein berichten wirst bin ich gespannt.
    Dein kreatives Tief kann ich nachempfinden. Aber andersherum erlebt ist's auch nicht gut. Ich laufe gerade über an Ideen ohne Chance diese zeitnah umzusetzen.
    Bleibe weiter gut zu Fuß,
    mit lieben Grüßen,
    Karin

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  9. Tolle Leistung. Hut ab. Schön wie es mit Dir aufwärts geht. Dein Blog ist wirklich sehr informativ und man wird zum Denken angeregt. Das ist nun umso wichtiger. Dir einen guten Start in die neue Woche. Lieben Gruß Sylvia

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  10. So eine bunte aktive Woche, sehr schön!
    Beim Aufräumen vom Vasenregal hätte ich gerne Mäuschen gespielt.
    Eine wunderbare Sammlung, ich kann ja bei Vasen auch so schlecht widerstehen…
    Es gibt eben selten ein Schwarz oder Weiß in Gesellschaft und Politik.
    "Das wird ein fröhliches Regieren", spottet Fischer. Und Grünen-Sprecher Ludger Volmer tönte am Wahlabend: "Wir werden den Kanzler jagen." (DER SPIEGEL 42/1994 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13683714.html ).
    Liebe Grüße

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  11. Mit diesem Post habe ich meine Woche begonnen, und einer Tasse Kaffee dazu. Deine letzte Woche war ja nicht ohne, auch sportlich gesehen. Das finde ich richtig klasse, dass Du alles ausprobierst, was möglich nach Deiner Operation und Dich nicht im kleinen bewegst.
    glg Susanne

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  12. Toll, was man so in der eigenen Stadt noch entdeckt. Ich bin auch immer wieder baff, was man ich entdecke, wenn ich unterwegs bin.
    Was das Jagen angeht, hat es mir die Fußnägel hochgerollt ich hatte gleich Bilder im Kopf.
    Trotz allem aber eine schöne Woche.

    Andrea

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