Mittwoch, 25. Mai 2016

Mittwochs mag ich: Das Internet


Ich habe mich schon immer gerne in Sachen & Themen vertieft und gehe gerne allem auf den Grund ( die zwei Bibliotheken im Hause K. sprechen da eine beredte Sprache ). Doch seit nun über zwanzig Jahren, seit ich in einem Brigitte - Kurs das Recherchieren mit Suchmaschinen vermittelt bekommen habe, bin ich auch viel in den Weiten des Netzes unterwegs, um meinen Wissensdurst zu stillen. Und wie das dann so läuft, möchte ich heute mal am Beispiel des späten Montagabends beschreiben:





Da war ich nämlich mit dem Herrn K. in der Kölner Philharmonie zu einem Konzert mit dem Gürzenich- Orchester und François - Xavier Roth, dem Gürzenich-Kapellmeister. Auf dem Programm stand zuerst eine Uraufführung der Komposition "Ringe" von Philippe Manoury.  Das war höchst aufregend, denn im ganzen Konzertraum waren die Orchestermusiker verteilt. Und schon vor Beginn des eigentlichen Konzertes füllten sie den Raum mit Tönen, Rhythmen, Geräuschen, während sich die Besucher nach und nach auf ihre Plätze begaben.

Gegen 23 Uhr zu Hause wollte ich natürlich mehr über den Komponisten wissen ( der übrigens anwesend war ). Wikipedia sei Dank, wusste ich schnell, wie alt er war, dass er an einer "visuellen Programmiersprache für interaktives Livespiel" mitgearbeitet hat und in Tulle/Frankreich geboren wurde.

Frage an den Herrn K., der in Frankreich mehr herumgekommen war als ich, wo Tulle liege. Wusste der auch nicht. Wikipedia sei Dank: Tulle liegt in der Region Limousin, im Departement Corrèze in Zentralfrankreich. Und gleichzeitig erfuhr ich, dass dort Tüll produziert wurde, der Städtename also identisch mit jenem des zarten Materials ist, mit dem ich gerade arbeite:




Historisch immer interessiert ( war schließlich ein Studienschwerpunkt ), lese ich weiter über die Geschichte des Ortes, die gallisch - römische Zeit, die Religionskriege im Mittelalter, die Folgen der Französischen Revolution und bleibe an einem Massaker im 2. Weltkrieg hängen: Ich kannte zwar das von Oradour zur Genüge, musste nun aber feststellen, dass dem ein solches in der Stadt Tulle vorausging - bekannt als "Le drame de Tulle"-, bei dessen Beschreibung mir schon leicht schlecht wurde in Anbetracht der Brutalität & Menschenverachtung unserer Vorfahren. ( Erforscht hat dies übrigens der Deutsch - Belgier  Bruno Kartheuser - welch Zufall in der Namensähnlichkeit - siehe weiter unten !)

Source







Ich habe mich dann erst einmal aufgeregt über die Ignoranz bzw. die aktive Leugnung der Historie etlicher Zeitgenossen & Mitbürger, die diese Vergangenheit am liebsten ad acta legen wollen, worüber auch das Internet beredt Zeugnis ablegt ( es gibt im Netz Posts von Geschichtsverdrehern, bei denen dreht sich mir der Magen um ).

Dann schweiften die Gedanken erst einmal ab zur aktuellen Situation in Österreich, kamen aber wieder zurück zu unserem ganz persönlichen Projekt der amitié franco-allemande ( das mit zwei kleinen zauberhaften Demoiselles gekrönt wurde ). Dass wir trotz der früheren Grausamkeiten mit diesen unseren einstigen Kriegsgegnern nun in guter Nachbarschaft & Freundschaft leben können - dafür bin ich Europa dankbar, allen aktuellen Stänkerern zum Trotz!



Und so habe ich dann am Montagabend auch wieder den Schlenker zurück zum zweiten Teil des Konzertabends hingekriegt: Mozartarien & - konzertstücke mit der fantastischen, begeisternden, idealen Mozartsängerin Sophie Karthäuser ( über die - Wikipedia sei Dank! - ich auch gleich wieder mehr in Erfahrung brachte ).

Und dank Internet habe ich dann auch noch alle Youtube - Videos mit ihr angeschaut und präsentiere euch zum Abschluss dieses kuriosen Posts auch eines davon:



Und wie immer tat Mozart seine Wirkung bei mir ( wie bei allen anderen Konzertbesuchern auch. Der Kapellmeister fühlte sich am Montagabend sogar veranlasst, zum Abschluss kundzutun, dass das ein guter Tag für Mozart UND Österreich sei... )


Mit diesem Einblick in meinen Gebrauch des Netzes, das ich so mag, verlinke ich mich heute wieder mit dem MMi des Frollein Pfau...





Kommentare:

  1. Hallo Astrid,
    nun nochmals.
    Das Internet bringt Fluch und Segen. Nicht alles was im Net steht ist richtig, man muß hier abwägen.
    Die Stadt Tulle kannte ich und die Umstände dort auch. Mein Sohn hat lange Zeit in der Daimlerstadt Schorndorf gewohnt und ist dort aber schon lange Zeit am dortigen Gymnasium Lehrer. Es ist ein sehr schöne Stadt. Über das Massaker möchte ich jetzt nicht näher eingehen.
    Aber die Daimlerstadt Schorndorf hat schon was, mal sehen, darüber könnte ich doch tatsächlich mal einen Bericht schreiben.
    Schaun mer mal.

    Lieben Gruß Eva

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  2. auf dem foto siehst du de aktuellen président de la république française!! :)))er war bürgermeister von tulle...

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    1. Daran würde ich bei der Recherche auch erinnert...
      LG

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  3. Liebe Astrid, bei aller Kuriosität doch so ein typischer Astrid-Post mit all der Neugier aufs Lernen- und Erkennen-Wollen. Ja, genau das liebe ich auch am Internet, dieses weit verzweigt angehäufte Wissen und Inspirierende, und ich behaupte für mein Teil, dass man lernen kann die Spreu vom Weizen zu trennen, Seriöses von Unseriösem zu unterscheiden, Gehaltvolles von Plattem zu trennen. Immer wieder lande ich dann auch mal bei der Ausleihe oder dem Kauf eines Fachbuches... Die Erinnerung an Untaten der Menschen immer wieder unter den Schichten des Vergessens, Verdrängens und Verleugnens hervorzuholen und Verknüpfungen zu unserer Gegenwart herzustellen, könnte vielleicht dazu beitragen eine Art zivilisierter Welt auch für die Zukunft haben zu dürfen. Und das Miteinandersein, -leben und -wirken von Menschen jenseits aller Grenzen ohnehin, Familien und Musik sind da so tolle Beispiele... Sei gegrüßt in einen schönen Tag - Ghislana

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  4. ja, genau so könnte so ein abend auch hier abschließen. schnell einmal im netz nachgelesen, zur diskussion in den raum reingeworfen und schließlich landet man noch tausendfach woanders :). allerdings ist das internet nicht immer nur segen. aber so ist es wohl wie bei allen dingen mit der kehrseite ;). liebe grüße zu dir, sabine

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  5. Ein schöner Post, der Lust auf weiterlesen macht. Und er erinnert mich an viele Diskussionen, warum man eigentlich noch etwas lernen muss, wenn doch sowieso alles gegoogelt werden kann (vorzugsweise von den Eltern meiner SchülerInnen bei den Hausaufgaben...). Das Argument, dass im Internet doch wirklich viel Stuss steht und man nur durch fleißiges Mitdenken und einer gewissen Allgemeinbildung und vor allem Lesekompetenz (die fehlt ja vielen...) davor bewahrt werden kann den Täuschungen zu entgehen, zieht leider bei den Kleinen noch nicht - aber ich arbeite daran. Nun habe ich Lust auf klassische Musik und packe Verdi aus - er ist mein Mozart :-)

    Liebe Grüße,
    Anna

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    1. Ah, eine Kollegin!😀
      Ja, so ist das wohl, es gehört allerhand mehr dazu, die Informationen zu verstehen, zu bewerten, zu verarbeiten. Aber das ist auch etwas, was man wohl lebenslang lernen muss, da reicht die Schulzeit nicht.
      LG

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  6. Danke fürs Schildern, ja, so bin auch ich unterwegs, wenn mich was anspringt....
    wenn schon, denn schon.
    Wenn man bedenkt, womit manch einer sich begnügt in den sozialen Netzwerken - allerdings ziehe ich mir Teile davon auch rein, weil ich wissen will, wer bei google gegen rechts unterwegs ist und auf welchem niveau sich das bewegt.
    Herzlich Pippa

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  7. Oh, wie ich das kenne: Eigentlich will man ja nur schnell etwas nachschauen und dann findet man etwas, das man auch noch schnell nachschauen muss und wieder etwas und so kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen und schwupps ist der Abend um. Aber man hat wieder etwas gelernt. Ich finde das immer sehr spannend.
    Lieben Gruß
    Katala

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  8. hihi...sowas kenne ich.
    LG susa

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  9. So geht es mir auch oft. Beim Suchen nach Informationen im Netz stößt man auf Interessantes, das man auch noch weiterverfolgen möchte usw. und so weiter und muss dann am Ende sorgsam Faden für Faden zu einem Ende bringen.
    Am nächsten Morgen brauche ich mich dann nicht über dunkle Augenringe zu wundern, da ich zwar nun viel klüger bin, aber erst um 0.30h ins Bett kam. Mal wieder...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Vorher ist bei mir auch nicht Schluss, äußerst selten. Aber heute bin ich auch erst um Viertel nach neun aufgestanden..
      GLG

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  10. Ein schöner Post...der mich sofort an die Diskussion erinnert, ob ein Gotteshaus nun auch mit WLAN ausgestattet sein sollte oder nicht...(sollte er...;-)). Ich liebe das Internet auch...und um das Sinnvolle vom Unsinnigen im Internet unterscheiden zu können, braucht es durchaus gesunden Menschenverstand und eine gehörige Portion kritische Sicht...ich finde, das schult...;-). LG Lotta.

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    1. Geht es hier um die neue katholische Kirche in Leipzig zum Thema 100. Deutscher Katholikentag? Ich wäre auch dafür...:-) LG Sigrun

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  11. Ja, neugierig sein und weiter bleiben, das ist es was immer wieder beflügelt- manchmal auch aufsteigen läßt um noch mehr zu ER-lernen ::))
    Gruß zu dir
    heiDE

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  12. Liebe Astrid,
    ich nutze das Internet auch für viele Dinge. Es ist oftmals leichter,
    als in den Büchern nachzulesen.
    Einen schönen Mittwochabend wünscht
    Irmi

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  13. Segen oder Fluch, für mic eher Segen.... Lach Ich bin auch eine, die sehr viel lernt in den Weiten des Netzes.... jetzt auch in Bezug auf Fotografie oder speziell Hochzeitsreportage.... Oder mit Bildbearbeitung oder oder oder.... Ich kenn da oft auch kein Ende....;))
    Hab einen schönen Feiertag liebe Astrid ❤️
    Liebste Grüße
    Christel

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  14. manchmal frage ich mich, wie ich denn früher ohne internet ausgekommen bin. wie hab ich bloß studiert, wie meine ganzen kurse vorbereitet, wie unterwegs die öffnungszeiten der museen herausbekommen etc etc.
    manchmal hingegen empfinde ich es allerdings auch als vertane zeit - wenn ich nämlich mal wieder vom hundertsten ins tausendste geraten bin und dann nach zwei, drei stunden merke, wie spät es schon ist und ich wieder nichts mit meinen händen getan habe, was mir eigentlich noch wichtiger ist. ich sollte mir öfter mal den wecker stellen...
    liebe grüße, mano

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  15. Für mich ist das internet Wissens-Quelle und auch Arbeitsmittel...sozusagen im Moment sogar die Grundlage meiner Arbeit...daher kann ich nicht ohne. Schön ist es aber, wie im Urlaub, mal alles sein zu lassen und kein WLan zu haben, um nicht auch dann noch in die Versuchung zu kommen. Je mehr man aber mit dem Internet beschäftigt ist, um so besser kann man auch damit umgehen. Eine Gefahr sehe ich daher nur bei Kindern und bei Wenigsurfern.
    LG Sigrun

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