Samstag, 2. März 2013

Zeit für Kinder



In dieser Woche habe ich fast jeden Tag viel Zeit mit den Kindern der Familie verbracht:

Montags waren wir  mit der Nichte zusammen, der ich ein Erinnerungsbuch für die anschließende dreiwöchige Kur mit der Mama auf Rügen zusammengestellt hatte. Wir haben hauptsächlich erzählt & sie hat gezeigt, was sie für ihren Kommunionsunterricht gemacht hat.

Am Dienstag & Donnerstag haben wir unser jüngstes Enkelkind von den Tageseltern abgeholt und Nachmittag und Abend mit ihm & den verschiedensten Tätigkeiten verbracht. Die Vorschläge dafür gehen meist vom Kind aus und reichen von gemeinsamem Malen, Bücher angucken über Toben und Singen bis zu Rollenspielen. 
Unser Vorschlag am Dienstag, mit dem Dreirad zur Eisdiele zu fahren,  wurde prompt am Donnerstag wieder aufgegriffen. Und so waren wir über zweieinhalb Stunden im Veedel mit dem Kind unterwegs, Karussellfahren, Luftballon organisieren in einem Handyladen, Herumklettern auf Baumschutzgeländern, Balancieren auf Mäuerchen. Wir haben ein Gartentörchen auf und zu gemacht, dabei alle Schlüssel ausprobiert und kurz vor dem Zuhause auch noch einmal alle Spielgeräte auf dem Spielplatz "beturnt". Nach einem Imbiss ging es in der Wohnung weiter, bis die Mama vom Lernen aus der Uni kam.
Dieses Kind profitiert natürlich davon, dass wir in einem Nachbarstadtteil leben & schnell & problemlos bei ihm sein können.



Um zum Großelternnachmittag des Enkels Nr. 4 am Freitag zu kommen, ist dann schon eine einstündige Autofahrt vonnöten. Praktischerweise hatte aber auch die Lehrerin von Enkel Nr. 2 an diesem Nachmittag ein Klassenfest eingeplant. - 
Im Kindergarten bekamen wir ein tolles Programm geboten, denn die Kinder hatten sich vorher wochenlang mit dem Thema Märchen beschäftigt und zeigten einen Tanz auf Hexenbesen, verkleidet mit selbst gemachten Hexenhüten aus Zeitungspapier und Tesakrepp & selbst gemachten Röcken aus alten Herrenhemden voller Flicken - einfach zauberhaft! 
Nach einem kürzeren Kaffeeklatsch wurde uns der Dornröschen - Film vorgeführt, den die Kinder der Gruppe mit den Erzieherinnen selbst gedreht hatten. 
Es war übrigens unser letzter Großelternnachmittag in diesem Kindergarten, weil im Sommer für unseren Enkel die Schule beginnt. Das haben wir mit großem Bedauern festgestellt, denn die Kreativität & der Einsatz für die Kinder, den wir in den vergangenen 6 Jahren bei den Mitarbeiterinnen dieser Einrichtung erlebt haben, ist schon recht außergewöhnlich, und wir sind sehr dankbar dafür.

In der Schule gab es dann eine Aufführung der Geschichte vom Hase und Igel, bei dem jedes Kind der Klasse entsprechend seinen Möglichkeiten zum Zuge kommen konnte. Natürlich wurde vom Enkel auch die Möglichkeit genutzt, den Großeltern seinen Arbeitsplatz im Klassenraum & seine Arbeitsergebnisse im Sachunterricht vorzuführen! In diesem Alter sind dann aber schon bald die Gleichaltrigen viel spannender, und Erwachsene haben da eher Zeit, ungestört miteinander zu quatschen.







































Ich verfolge übrigens sehr gerne die Diskussionen/ Überlegungen in vielen Blogs/Seiten rund ums Thema "Kinder/ Erziehung/ Bildung"( zum Beispiel hier und hier ). Schließlich habe ich mich ja seinerzeit für einen entsprechenden Beruf entschieden! Mein Blickwinkel auf dieses Thema hat sich aber immer wieder verändert, als ich selber Mutter bzw. dann Großmutter geworden bin:

Wie ich schon in einem Kommentar bei Journelle geschrieben habe, ist meine derzeitige Sichtweise auf das Zusammensein & Spielen, also die Zeit mit Kindern, geprägt durch die Erfahrung, dass es im Leben viel schlimmere Zeiträuber gibt als Kinder, zum Beispiel Arbeitskollegen oder Chefs. Denn seit überall in Firmen, Betrieben, Schulen usw. der am meisten wertgeschätzt wird, der arbeitet bis zum Umfallen und nicht der, der am besten arbeitet, wird immer mehr Zeit in sinnlose Zeitabläufe, Meetings, Konferenzen, Fortbildungen gesteckt, die einen davon abhalten, seine eigentliche Arbeit ausgeruht, aufmerksam, mit Herzen zu tun ( auf diesen Artikel habe ich schon in einem früheren Post hingewiesen ). 
Die Fortbildungen beispielsweise, bei denen ich mehr gelernt habe als im Zusammensein mit Kindern, kann ich in meinem langen Lehrerdasein an einer Hand abzählen. Um die Zeit, die ich dabei verplempert habe, mich mit "motivational-volitionalen Stützstrategien" beim Lernen zu beschäftigen ( ohne dass diese bei der Gestaltung der Veranstaltung selber berücksichtigt wurden ), bei denen ich mich kindisch verhalten musste oder bei denen mir banale Sachverhalte verkauft wurden, auf die man bei aufmerksamer kognitiver Begleitung seiner beruflichen Praxis von ganz alleine kommt,  tut es mir heute Leid. 
Die Zeiten, die ich mit Kindern auf dem Fußboden, auf Spielplätzen, am Maltisch und wo auch immer verbracht habe, nahmen in meinem Leben hingegen einen relativ kurzen Zeitraum ein. Im Nachhinein waren sie aber eine sinnvollere Investition als manches Streben nach höheren Dingen & Erkenntnissen in der Mitte meines Lebens.
Wenn die zu erwartende Lebenszeit immer mehr abnimmt, wird der Augenblick wichtiger. Das konnte mir vorher auch keiner vermitteln. Das muss man selber erfahren.
Ich weiß inzwischen ( und schätze es über die Maßen ), wie viel Lebenslust einem die kleinen Menschen wiedergeben, wenn man sich auf sie einlässt. Wie der Blick aufs Leben - nach so vielen Jahren doch meist mit Scheuklappen - sich wieder verändern kann & erweitern! Wie Dinge, die so klar & felsenfest erscheinen, plötzlich fragwürdig werden! 

Ich verbringe gerne meine Zeit mit Kindern. Gönnt euch & ihnen diese Zeit! 
;-)Astrid

Kommentare:

  1. Liebe Astrid, vielen Dank für deine Worte aus der Omasicht! Ich selber bin seit 6 Jahren aus dem beruflichen Leben ausgestiegen und mit den 4 Kindern zu Hause. Einfach ist es nicht, diese Zeit zu genießen. Man muss sich wahrlich ein äußerst dickes Fell zulegen, um in unserer Gesellschaft, in der Werte immer in Geld aufgewogen werden, aufrecht diesen Weg zu gehen, ohne ständig in Selbstzweifel zu verfallen. Worte wie deine tun da gut! Danke und liebe Grüße von Nicole

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    1. Liebe Nicole, ich würde mich freuen, wenn ich Frauen wie dich du ein bisschen bestärken könnte in ihrem Weg! Denn das, was die Gesellschaft so in puncto Kinder anbietet, ist einfach unzureichend, um sie gut heranwachsen zu lassen...
      Fühl dich gedrückt!

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  2. schöne bodenständige worte einer lebenserfahrenen frau (schließlich hast du ja auch schon zwei dunkelste winter überlebt;). vieles von dem, was du schreibst, kann ich ganz tief mitfühlen und deshalb freue ich mich auch schon ein klein bisschen aufs omasein...leider werden meine enkel, wenn es denn irgendwann welche geben sollte, viele fahrstunden entfernt leben...seuffs.
    sei ganz ganz herzlich gegrüßt von b., die weiterbildungen auch zu 80% bescheuert findet

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  3. Welch wahre Worte! Ich kann Fortbildungen nicht ausstehen, weil ich tatsächlich das Gefühl habe, das allermeiste einfach im "ganz normalen Alltag" lernen zu können/dürfen. Würde man dem Augenblick mehr Achtsamkeit zukommen lassen wäre der Unterricht und überhaupt das Schulleben wohl deutlich anders.
    Es ist so schön, wie liebevoll du die Zeit mit den Enkeln auskostest! Alles Liebe. maria

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  4. Danke für deinen ausführlichen Beitrag! Ich habe zwar noch keine Kinder, aber dennoch das Gefühl, durch die vielen Gedankenanstoß-Links und Erfahrungsberichte von Blogmamis und -omas schon so viel gelernt zu haben, was mir zu gegebenem Zeitpunkt mal helfen könnte. :-) Ich finde es toll, Dinge zu hinterfragen, Sinn und Zweck zu überdenken und dann festzustellen, dass das Leben einfach viel zu kurz ist, um sich zu ärgern, Kinder zu stressen o.ä. Mal gucken, wie ich das dann sehe, wenn ich selbst Mama bin. ;-)

    Liebe Grüße und danke noch mal,
    Steffi

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  5. zeit mit enkelkindern zu verbringen - ach, das sind ganz kostbare stunden..., ich genieße sie in vollen zügen. nur dass sie nicht um die ecke wohnen, lässt's ein bisschen zu selten sein... ;-) Lieben Gruß Ghislana (die Fortbildnerin ist..., vielleicht ginge ich bei Birgits 20 % nichtbescheuerten durch...)

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  6. Liebe Astrid, du sprichst mir aus der Seele!
    Nicht nur, was die wertvolle Zeit mit Kindern anbelangt-sondern auch deine Erfahrungen mit pädagogischer Fortbildung...Ich bin als Klavierlehrerin an 2 Musikschulen angestellt und mein Beruf macht mir großen Spass, allerdings sind die Fortbildungen meist reine Zeitverschwendung ,so wie erst vor 3 Wochen eine Fortbildg. über Komunikation zwischen Eltern- Lehrern- Schülern.
    Das Beste war, daß der "Dozent " unsere Fragen (aus dem Kollegium ) offensichtlich nicht verstanden hat...hahaha....soviel zu Komunikation.
    Einmal bin ich sogar einfach heim gefahren mit dem Hinweis, daß ich meine Zeit lieber mit m. Familie verbringe...Kam nicht soo gut an.
    In diesem Sinne
    geniessen wir das Leben!

    Liebe grüße, Friederike

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  7. Liebe Astrid, viele von den "Blättchen" aus den "alten" Ländern kenne ich auch, sie sind mir zugewandert, als auf einer Nordsee eine Grundschule schloss und der ganze "alte Pröttel" auf dem Sperrmüll landete... Ich vertiefe mich immer wieder mal, es stecken Schätze drin... (Fortbildung - das meiste hab ich bei anderen Fortbildnern durch Teilnahme gelernt, vor allem, wie ich es n i c h t machen will ;-), so war's wenigstens keine verschwendete Zeit, was mir aber auch selten passiert ist ;-)) Lieben Sonntagsabendgruß, jetzt gibt's Suppe. Ghislana

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  8. Enkelkinder habe ich zwar (noch) keine, aber für meine eigenen Kinder habe ich mir damals auch viel Zeit genommen und Pause vom Beruf gemacht. Und ich habe das nie bereut. Es ist so wichtig und ich finde das toll, wie ihr das auch als Großeltern macht. Meine Kinder sind auch in diesen Genuss gekommen und das ist unbezahlbar und wirkt für immer nach.
    Herzliche Grüße,
    Franka

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