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Samstag, 29. August 2020

Meine 35. Kalenderwoche 2020

"Populismus funktioniert nur, 
wenn man immer noch ein Brikett nachlegt."
Torben Lütjen, Politikwissenschaftler

"Seine einzige Vorerkrankung war,
dass er Donald Trump vertraute.
Dafür bezahlte er
mit seinem Leben."
Kristin Urquiza,
 deren 65j. Vater an Covid-19 gestorben ist

"Menschliche Theorien
sind immer nur vorläufig 
und können 
durch neue Erkenntnisse 
jederzeit überboten werden."
Karl Popper, Wissensphilosoph,
 direkt nach dem Krieg in Oxford




Das Tor zur Villa Henn hat sich am vergangenen späten Samstagnachmittag tatsächlich aufgetan UND das geplante Konzert fand statt - unter rauschenden Bäumen, die Illusion schaffend, man sei an der Nordsee.

Dreißig Menschen, verteilt rund um die große Blauzeder, lauschten dem Cello-Spiel von Elena Gaponenko, die glücklich war, das erste Mal seit der Verhängung der Corona-Maßnahmen vor Publikum spielen zu können, zumal auf einem Instrument einer franz. Geigenbauerfamilie aus dem  19. Jahrhundert, das sie erst zu Beginn des Jahres bekommen hatte.




Auf dem Programm standen die erste und die dritte Suite für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach. Ihnen zu lauschen und dabei den Linden- Propellern beim Heruntersegeln zuzuschauen - das  hatte was! Hinterher gab es noch einen Plausch mit einem schauspielenden Nachbarn darüber, wie sich die Corona-Maßnahmen auf seine Situation ausgewirkt haben. Und  alles bei wunderbaren Temperaturen!






















Das Foto mit dem Wegweiser zu meinem Sehnsuchtsort bekam ich in dieser Woche von Monique/merle colibri, die dort gerade ihren Urlaub verbringt. Eine weitere Nachricht aus "la douce France" kündigte baldigen Besuch an. Ja, und dann hatte nach einem Monat der Kapuzinerentzug ein Ende: Der Kaffeevollautomat ist mit etlichen "Goodies" wieder nach Hause gekommen!

Wie früh es jetzt schon wieder dunkel ist! Mein Zuhause mag ich allerdings besonders gerne mit künstlicher Beleuchtung:


In Erinnerung an den Tag vor vier Jahren, als wir endgültig zu Waisenkindern geworden sind, haben meine Schwester und ich uns in einem Telefongespräch ausgetauscht und sind wieder einmal zu dem Schluss gekommen, dass wir uns nur so ein gutes Sterben vorstellen können, wie wir es vor vier Jahren erlebt haben. Gerade diese Erfahrungen bestärken uns in unserer Haltung zu den Coronamaßnahmen, denn wir möchten niemanden einsam & alleine lassen in seiner letzten Stunde. Leider sind wir in einem Alter und teilweise in einer gesundheitlichen Verfassung, die Grund zur dieser Sorge geben.





Den Donnerstagmorgen starteten wir wie üblich: Krankengymnastik mit Maske. Da ahnten wir noch nicht, dass wir ganz, ganz lieben Besuch zum Abendessen haben werden. Es geht doch nichts über ne gute Vorratshaltung! Und auch diesmal kreierte Oma mit den Enkelinnen eine vegetarische Pizza wie vor knapp vier Wochen.

Ein ganzer Tag mit der Tochterfamilie...

... einschließlich Zwetschgenkuchen am Nachmittag und abendlichen "Fritten". Dann wurde es Zeit fürs Bett für die Kinder.



Und plötzlich war es bei uns wieder ganz still & leise. Und wir blieben schwermütig zurück, nur mit einer kecken kleinen Maus auf der Terrasse. Wer weiß, wann wir uns wiedersehen...


Erkenntnis der Woche: "Humor ist der Knopf, der verhindert, dass einem der Kragen platzt." Dieser Ringelnatz - Ausspruch hilft manchmal in Anbetracht mancher Mitmenschen, ihren Haltungen und Handlungen. Und dazu passt dann auch die

Musikalische Entdeckung der Woche: 



die mir Susanne/mamimade in dieser Woche verschafft hat.

Lektüre der Woche: Allen "Qu*rdenkern" wünschte ich, sie könnten in unserer Tageszeitung den langen Kommentar des Schwaben Frank Nägele lesen, in dem er über seine Unfälle & Erkrankungen erzählt und reflektiert, dass er nur dank wissenschaftlicher Forschung & Erkenntnis mit 59 Jahren noch leben darf. Man kann es nicht genug sagen, dass Wissenschaftler ihr Leben lang nichts anderes gemacht haben, als die Ungewissheit & Unkenntnis zu überwinden, da sollten sich selbstberufene Experten bei YouTube und angeblich "logisch denkende" Menschen mit ihren Schnellschüssen zurückhalten ( oder halt nach Trumpanien auswandern. Dort wird ja alles demnächst noch viel besser. Und bei 180.000 Toten werden Ersatzleute gebraucht. )

Ärgernis der Woche: schon genug in den vorherigen Rubriken angeklungen, jetzt reicht's mir, denn  die

Wochenfreude: ist mir wichtiger und die soll möglichst lange anhalten!







Verlinkt mit dem Samstagplausch bei Andrea Karminrot und dem Gartenglück bei Loretta & Wolfgang

Donnerstag, 10. Januar 2019

Great Women # 167: Caterina Valente

In meiner Kindheit auf dem Dorfe in Badisch Sibirien haben wir in den Nachkriegsjahren mit einem Abzählvers bestimmt, wer beim "Vorschdeckerlisch" oder "Fangerlisch" mit Suchen oder Fangen dran war:
"Caterina Valente,
hat einen Arsch wie eine Ente,
hat einen Bauch wie eine Kuh
und raus bist du."
Mir war immer klar, dass wir damit ein Tabu brachen, und die Erwachsenen das A- Wort aus unserem Munde eigentlich nicht hören wollten. Aber das machte halt den ungeheuren Reiz aus. Nicht klar war mir, wer diese Caterina Valente eigentlich war - eine Bildungslücke, die sich erst schloss, als meine Tante Elly als eine der ersten im Dorf einen Fernseher bekam. Die liebte Vico Torriani, und in einer seiner Fernsehshows ( "Grüezi Vico" ) muss ich sie dann erlebt haben, so ein singendes Energiebündel mit großem Mund und Pferdeschwanz...
Source 

Caterina Germaine Maria Valente kommt am 14. Januar 1931 in Paris als fünftes Kind von Maria Siri und Giuseppe Valente zur Welt.

Ihre Mutter, in Rom geboren, ist in Russland umfassend ausgebildet und erzogen worden, wo deren Vater im zaristischen St. Petersburg einen eigenen Zirkus betrieben hat. Sie ist ein Star im Varieté der Zwischenkriegszeit, in Fachkreisen bekannt als Musikkomödiantin, "der Welt bester weiblicher Clown" und "weiblicher Grock" und rühmt sich, 33 Instrumente zu spielen. Der Vater, ebenfalls Italiener, ist als Akkordeon- Virtuose mit dem "Duo di Zazzo" vor allem in Skandinavien unterwegs gewesen, wo er die nach der Oktoberrevolution mit ihrer Familie geflohene Maria kennenlernt und in Helsinki heiratet. Dort wird auch ihr erstes Kind geboren, das alsbald stirbt. Auf der Suche nach Engagements tingeln sie gemeinsam durch Europa. So kommt Tochter Nina 1922 in Neapel zur Welt, Pietro 1924 in  Paris, ebenso 1927 der zweite Sohn Aldo Francesco, der später als Silvio Francesco ebenfalls zu Berühmtheit gelangen wird.

Maria Valente mit Sohn Pietro
auf einer alten Autogrammkarte
Die Valentes reisen jahrelang als matriarchalisch organisiertes Vaudeville - Familienunternehmen in einem riesigen umgebauten Cadillac durch Europa. Mutter Maria steuert aber nicht nur die pompöse Tourneekutsche, sondern regelt ebenso resolut auch alle anderen Angelegenheiten ihrer Familie. Caterina bewundert diese Mutter & ihre nahezu unbegrenzten Fähigkeiten lange, wird sich aber auch in späteren Jahren der Folgen bewusst, als die älteren Geschwister bei der erstbesten sich bietenden Gelegenheit sich dem mütterlichen Einfluss entziehen.

Das Kind besucht schon ab seinem vierten Lebensjahr eine russische Ballettschule in Paris, spielt mit fünf Jahren auf der Hawaii-Gitarre, ahmt Seiltänzer, Jongleure, Trapezkünstler u.a. nach, übt Bewegungen, Tricks & Handgriffe, besonders mit dem Bruder Silvio, unterstützt von der gestrengen Mutter, die "uns öfter auf den Kopf gehauen ( hat ). Sie hat immer gesagt, ihr seid schlecht, es ist nichts Besonderes, was ihr macht." ( Quelle hier )

Letztendlich  darf sie im Stuttgarter Friedrichsbau - Theater auftreten - vor einem begeisterten Publikum - und die Mutter gibt ihr eine Rolle als Gitarristin im Familien-Sextett. Die bleibt jedoch der eigentliche Star,  dem alle anderen Familienmitglieder sich unterzuordnen haben. Caterina liebt es, unterwegs zu sein, und führt später ihre Fähigkeit, sich überall zu Hause zu fühlen, darauf zurück, dass es ihr überall gut gehe, wo sie etwas Sinnvolles zu tun habe. Und sinnvoll findet sie Proben allemal...

1939 bei Kriegsausbruch - die Familientruppe hat einen Auftritt in Genf - weist die Schweiz sie aus. Nach Paris, wo sie ihren Wohnsitz haben, dürfen sie aufgrund ihrer italienischen Staatsbürgerschaft nicht. In Italien können sie sich aber nur mehr schlecht als recht durchschlagen - die Kinder sprechen auch kein Italienisch - , da sind alte Verträge von Maria in Deutschland erst einmal die Rettung aus finanzieller Not. Doch bald greifen die Nazis mit ihren die rassistischen und künstlerischen Anschauungen auch auf die ausländischen Artisten über, "Kraft durch Freude" - Tourneen werden für Maria obsolet.

1943 werden die Valentes im Berliner Wintergarten ausgebombt. In Essen kommt die Familie bis auf Pietro wieder zusammen & wird kriegsverpflichtet, Vater und Bruder als Metallarbeiter, Schwester Nina in einem Rüstungswerk und die Mutter als Küchenhilfe. Die 13jährige übernimmt die Aufgaben als Haushälterin der Familie und erfährt immer wieder beim Einkaufen: "Nur ihr Ausländer seid schuld am Krieg! Ohne euch würde es uns viel besser gehen." ( Quelle hier )

Durch einen Freund gelingt es den Valentes dann, aus dem ständig bombardierten Essen nach Breslau zu entkommen, wo die "totale Mobilmachung" noch nicht ausgerufen und artistische Arbeit noch erlaubt ist. In Breslau treten sie allerdings nie auf, denn der Vertrag, den der Freund ausgestellt hat, ist - nur zu ihrer Rettung - fingiert gewesen! Bei einem Fluchtversuch in Richtung Dresden werden sie von der SS aufgegriffen und interniert:
"Wir mussten", wird sie später in ihrer Autobiographie schreiben, "jeden Morgen im Hof des Lagers spielen. Nicht etwa zur fröhlichen Unterhaltung. Wir schickten die anderen Gefangenen mit Musik regelrecht in den Tod. Denn wenn hundert weggingen, um Barrikaden zu bauen, kamen nur fünfzig zurück." ( Quelle hier )
Bei Kriegsende werden sie von den Russen als Spione festgenommen und in Güterwaggons in ein Lager nahe Odessa gebracht, wo hunderte von Menschen ohne Essen eingesperrt sind. Mutter Maria nutzt ihre guten russischen Sprachkenntnisse und erreicht, Theater spielen zu dürfen, mit Einkünften, durch die der ärgste Hunger gestillt werden kann. Schließlich lässt man sie nach Frankreich ausreisen, wo sie nach etlichen Komplikationen ankommen und unverzüglich ihr altes Artistenleben in den Varietés Frankreichs aufnehmen: Die Mama ist immer noch ein bekannter & geschätzter Star. Für Caterina, eine schmächtige Statistin bei ihren Auftritten, interessiert sich niemand.

Die aber lernt immer wieder begeisternde Jazzmusiker kennen und die Musik schätzen, außerdem in Paris Gilbert Bécaud, mit dessen Liedern sie mit Bruder Silvio sogar im Radio auftritt - allerdings ohne Erfolg, so dass Bécaud alles hinschmeißt.

Bei einem gemeinsamen Engagement im Hamburger Hansa-Varieté-Theater lernt die Zwanzigjährige den fünf Jahre älteren Jongleur Erik van Aro, geboren in Neukölln als Gerd Scholz, kennen und verliebt sich. Im November 1952 heiraten sie, gegen den ausdrücklichen Wunsch Maria Valentes, die vom zukünftigen Ehemann der Tochter erwartet, dass er in die Familienfirma einsteigt. Es gibt einen Riesenkrach, und Caterina muss sang- & klanglos die Familie verlassen. Sie wechselt als Assistentin zu Eriks Jonglier-Akt, darf ihm in den Vorstellungen die Bälle und die Reifen zuwerfen, für die Requisiten sorgen und wird wieder einmal von niemandem beachtet: Das Programm kennt ihren Namen jedenfalls nicht...

Doch Erik ist - zum Glück - von den umfangreichen Talenten seiner jungen Frau überzeugt und findet im Mannheimer Künstler-Agenten Lorenz K. W. Reich einen Verbündeten. 1953 gelingt es, Caterina im Zirkus Grock unterzubringen: Die Schweizer Clownlegende sucht noch eine weibliche Nummer für sein Programm und engagiert sie nach dem Vorsingen. Es wird ihr erstes großes Einzelengagement, und sie verzeichnet einen sensationellen Erfolg. Schon im November des gleichen Jahres tritt sie beim Orchester Kurt Edelhagen auf, erste Plattenaufnahmen folgen und 1954 kommt der Durchbruch mit dem Cole-Porter-Titel "Ganz Paris träumt von der Liebe":


Diese Platte verkauft sich mehr als 500.000 Mal- ein enormer Erfolg für die Nachkriegszeit - und landet auf Platz eins der Hitparade für neun Monate, ihr erster von insgesamt fünf Nummer- Eins-Hits ( hier eine Übersicht ).

Damals, unmittelbar vor ihrer eigentlichen Entdeckung durch Kurt Edelhagen, hat sich schon Caterinas universelle musikalische Begabung gezeigt, die viele Facetten hat. Sie selbst bevorzugt den Jazz, weil er musikalischer ist als der Schlager und ihrem Temperament eher entspricht. Ihr Vorbild ist Billie Holliday, in den dreißiger Jahren die wichtigste Jazz-Sängerin, und sie ist es gewohnt zu improvisieren. Das ist bei Plattenaufnahmen, die sich in Deutschland gut verkaufen sollen, nicht gewünscht. Anfangs wehrt sie sich heftig dagegen. Aber sie hat im Valente-Clan auch sehr viel Disziplin gelernt und lässt sich schließlich auf die Ansprüche des "Schnulzenkönigs" Kurt Feltz von der Kölner Polydor ein.

Dass sich Feltz für sie interessiert, ist kein Zufall, denn er ist in der deutschen Schlagerbranche derjenige mit dem besten Gespür für das, was demnächst gefragt sein wird. Caterina erlebt er als "musikalisches Urviech", "eine äußerst seltene, überaus glückliche Mischung" aus romanischen, angelsächsischen und deutschen Elementen. Bis 1958 nimmt er sie fest unter Vertrag.

Ihr nächster Hit "Malaguena" wird ein Welterfolg, für den sie 1956 ihre erste Goldene Schallplatte erhält. Ab jetzt und für sehr lange ist Caterina Valente ganz oben, und ihre Schlager begleiten die Wirtschaftswunderjahre der jungen Bundesrepublik. Mit "Es geht besser, besser, besser"  ( aus dem Film "Bonjour Kathrin" ) gelingt ihr 1956 quasi die Wirtschaftswunderhymne...

... und mit "Komm ein bißchen mit nach Italien" aus dem gleichen Film befeuert sie das Fernweh der Bundesbürger.

Dieter Bartetzko analysiert 1998, was seiner Meinung nach noch hinter dem Erfolg verborgen ist:
"Die Deutschen, die nach dem besseren Leben gierten, wurden von den Erinnerungen an das Dritte Reich und den Krieg getrieben; die Valente, wie Jahrzehnte später ihre Memoiren offenlegten, auch. Als Anfängerin strahlte sie darüber hinweg. In einem unausgesprochenen Pakt des Schweigens konzentrierten sie und ihr Publikum sich auf das Hier und Heute und auf eine vielversprechende Zukunft. Es war die Zeit, in der die Stummheit, mit der die Verbrechen der Diktatur die Überlebenden geschlagen hatte, durch den Begriff der 'inneren Emigration! zurückverlängert wurde (... ) Caterina Valente gaben die Leiden, die die Nazis ihr und ihrer Familie zugefügt hatten, das Recht zu schweigen. Durch diese Diskretion wurde sie unwissentlich zur Bundesgenossin... des kollektiven Schweigegebots." ( Quelle hier )
 Und in  der "Frankfurter Allgemeine" schrieb er später noch über die junge Sängerin:
"So verkörperte sie, was junge deutsche Frauen hätten sein wollen und deutsche Männer sich erträumten: eine Kumpelnymphe mit dem Pflichtgefühl eines Buchhalters, eine deutsche Italienerin französischen Flairs, mit der man heute Pferde stehlen und morgen Champagner, respektive Schaumwein schlürfen konnte."
Caterina mit Chet Baker
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In ihren vier Filmen, die sie bis 1958 dreht, gibt sie mit bemerkenswertem Einfühlungsvermögen sämtliche bundesrepublikanischen Traumfrauen der damaligen Zeit wieder, von Anna Magnani bis Audrey Hepburn, von ( zumindest ein bisschen ) Jane Russell bis zur dunkelhaarigen Grace-Kelly-Variante. Und stets lässt sie rechtzeitig die Maske fallen und wird die junge Frau, die gerade mit ihrem Mann im Odenwald ein Haus baut...

( Da ist die Jazzsängerin Caterina Valente wesentlich exotischer, ihre gemeinsame Aufnahme mit Chet Baker vom Standard "I Remember April" (1956) aber nur eine Petitesse für Kenner - hier zu finden! )

1957 erhält sie eine eigene Personality-Show, "Bonsoir, Kathrin", im Südfunk -Fernsehen in Stuttgart, die erste in der BRD. Neben der Conference singt sie, tanzt, steppt, jongliert und spielt Gitarre bis in die 1970er Jahre hinein. Im gleichen Jahr begeistert sie mit einem ersten öffentlichen Auftritt in New York, dreht noch einen Film ( "Und abends in die Scala" ), bevor sie 1958 im August ihren Sohn Eric zur Welt bringt.

Aus der von ihr erhofften längeren Pause wird nichts, denn ihr Mann ( inzwischen ihr Manager ) hat längst das Regiment der Mutter übernommen, bestimmt den Kurs und sie führt diszipliniert aus. Und als er auf Einhaltung der Verträge pocht, trainiert sie schnell ihre Schwangerschaftspfunde ab und dreht alsbald einen nächsten Film: "Hier bin ich, hier bleib ich" u.a. mit dem Orchester Kurt Edelhagen & dem Amerikaner Bill Haley:


Ein  neuer Plattenvertrag mit der Teldec, eine große Tournee durch einige europäische Länder, ein Auftritt im Pariser "Olympia" im April folgen 1959, und dann eine USA - Reise, die eine amerikanische Nachtclubkarriere in Gang, die 25 Jahre andauern sollte. Caterina genießt es, all die Größen des amerikanischen Showgeschäftes persönlich kennenzulernen und mit ihnen aufzutreten. Trotzdem fühlt sie sich hin und her gerissen zwischen ihrem Beruf und ihrer Mutterrolle ( und wird später bekennen, dass ihr ihre Kinder immer wichtiger gewesen seien ).

Auch im nächsten Jahr ist sie wieder viel unterwegs, diesmal in zwanzig Städten der Bundesrepublik und in den Staaten, und glänzt bei zwei Auftritten in der "Perry-Como-Show". Schon 1962 kann sie ihr 25jähriges Bühnenjubiläum in Stuttgart feiern. Auszeichnungen wie eine Goldene Schallplatte für "Till", eine weitere der Vereinten Nationen für die Teilnahme an einer UNICEF - Sonderplatte und der "Goldene Otto" der Jugendzeitschrift "Bravo" kommen dazu. Nach einer erfolgreichen Japan - Tournee und Auftritten in Shows amerikanischer Entertainer wie Bing Crosby, Danny Kaye oder Dean Martin...


... dreht sie den Kurt-Hoffmann-Film "Schneewittchen und die sieben Gaukler":



Auch wenn der Film damals u.a. so kritisiert worden ist: "Da lachen sich die Brüder Grimm ’nen Ast" - alleine die Winteraufnahme drängt sich im Januar auf! Und ein Einblick ins exquisite deutsche Filmschaffen jener Tage kann auch nicht schaden...

Doch Mitte der 1960er kommen dann die Beatles und eine neue Art von Popmusik - für viele Schlagerstars ist das das Ende, so auch für Caterina Valente. Aber nur in Deutschland. Ihre besseren Songs singt "die Valente" ohnehin nicht in deutscher Sprache, sondern in zwölf anderen ( sechs davon spricht sie auch fließend ). All die herrlichen Sambas, Bossa Novas, der Jazz, der Folk, die kompliziertesten Lieder Burt Bacharachs bleiben anderen Ländern vorenthalten. Keinem aus der deutschen Unterhaltungsbranche gelingt, was sie schafft: Sie wird ein Star in den USA. So hat sie 1964 sogar eine TV-Samstagabend-Show mit 22 Folgen, was keinem anderen Europäer, keiner Europäerin vergönnt gewesen ist.

Mit Roy Budd
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Ihre Ehe gerät unterdessen arg ins Trudeln, eine neue Liebe will aber nicht so recht glücken. Und so bleibt sie noch bis 1970 mit Erik von Aro verheiratet.

Nach anderthalb Jahren Alleinsein verliebt sie sich in London in den englischen Jazzpianisten & Komponisten Roy Budd. Diese neue Ehe, geschlossen im März 1972, soll ein Befreiungsschlag sein: Endlich will sie so leben, wie es ihr gefällt und das sehnlichst erwünschte zweite Kind bekommen. Die deutsche Öffentlichkeit bzw. die Medien mokieren sich über den Altersunterschied, was sie bei anderen Prominenten sonst als Weltläufigkeit beklatschen, so wie sie auch an den neuen Gesangsaufnahmen herummäkeln, da zu viel "amerikanische Standards".

1974 bekommt sie ihren Sohn Alexander und erklärt das Ende ihrer Karriere ( was nicht lange anhält ). Das Kind ist die reine Freude und kommt auf jede ihrer Reisen mit, die Beziehung zu seinem Vater entwickelt sich aber nicht so, wie Caterina es sich vorgestellt hat. Um die Ehe zu retten, zieht sie nach Los Angeles, weil er erhofft, dort Filmaufträge zu bekommen. Doch ihr Ruhm überstrahlt seinen bei weitem. Sie leidet, wird viel krank - "die drei unglücklichsten Jahre meines Lebens", wird sie die Zeit bis zu ihrer Scheidung 1980 später kommentieren. Gefragt, warum sie ihre Traurigkeit nie gezeigt hat, antwortet sie hier:
"Nur wenige Leute verstehen diesen traurigen Satz: The show must go on. Es ist schwer, aber es ist so. Das wusste ich schon ganz früh. Die eigene Traurigkeit zu zeigen, das wäre das Schlimmste. Die Leute haben bezahlt, um mich zu sehen – ich muss tun, wofür sie gekommen sind." 
Caterina Valente - ein Clown im ganz klassischen Sinne: Immer lächeln, nie das wahre Gesicht zeigen, selbst wenn du tödlich getroffen bist. Damals gibt sich noch niemand authentisch auf der Bühne.

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Sie konzentriert sich nun wieder mehr auf Europa, tritt in Ost - Berlin auf und geht 1985 auf eine Tournee durch die DDR. Eine weitere mit dem Count-Basie-Orchester bringt 1986 die Wende:

"Jetzt feierte die Republik die Sängerin als das, was sie immer schon gewesen war: der einzige Weltstar, den man seit Marlene Dietrich dem internationalen Showbusiness geschenkt hatte", meint Dieter Bartetzko hier dazu.

Es ist das Jahr, in dem sie ihr 50. Bühnenjubiläum feiern kann.

1987 zeigt sie sich sie letztmalig in den USA auf der Bühne, neun Jahre später nimmt sie in der Leipziger Oper ihren Abschied in Europa.

Da hat sie weit über 1000 Fernsehauftritte absolviert, mehr als 1500 Gesangstitel aufgenommen und in siebzehn Filmen mitgewirkt, mehrere Goldene Schallplatten erhalten, dreimal den Goldenen Bildschirm, den Fernsehpreis Europremio, den US-Fernseh-Oscar Fame Award, die Goldene Kamera, das Große Bundesverdienstkreuz und einen Goldenen Bambi für ihr Lebenswerk 2005. Sie ist damit die größte Entertainerin, die die Unterhaltungsbranche in Deutschland nach dem Krieg hervorgebracht hat.

Was keiner sich vorstellen konnte, selbst ihre Söhne nicht: Nach 63 Jahren auf der Bühne will sie nur noch ihre Ruhe. Auf ihrer Webseite lässt sie mitteilen, "dass ich mich seit meinem 70. Geburtstag nicht mehr wirklich für Valente-Geburtstags- oder Jubiläumshows begeistern kann, und das Gleiche gilt für Biografien, Dokumentarfilme, Hommagen und ähnliche Projekte".

Sie kann also auch loslassen. Aber das ist einer, die mit ihr das Sternzeichen teilt, nicht wirklich fremd: Neben allem Ehrgeiz, aller Disziplin, aller Perfektion, aller Begeisterung und Engagement ist das ein weiteres Merkmal: Von heute auf morgen einen Schlussstrich ziehen und was ganz anderes tun.

Am 9. September 2024 ist Caterina Valente in ihrem Haus in Lugano mit 93 Jahren gestorben.


Mittwoch, 2. Januar 2019

Der Löwe ist los


... hieß ein Buch von Max Kruse, so alt wie ich selbst, das die ( sehr geliebte ) Augsburger Puppenkiste ( hier das Lied im Vorspann ) als Puppenspiel umgestaltet hatte, welches in den 1960er Jahren zur Weihnachtszeit im Fernsehen gezeigt wurde. 

Daran habe ich mich erinnert, als ich letzte Woche noch ein Geschenk für den Großneffen nähen wollte und mich für diesen Paneljersey ( woher weiß ich nicht mehr ) entschieden habe:

Mir glaubt das ja eh keiner ( oder man hält mich für eingebildet ), aber ich habe dafür eine Dreiviertelstunde inklusive Zuschneiden gebraucht. Da suchen manche Mamis länger im Laden, weil sie sich nicht entscheiden können.

Als Schnittmuster habe ich wieder eine an den Seiten begradigte "Mareen" von CZM gewählt - ein Raglanshirt, das gut sitzt.

Auf der Rückenseite sind dann noch Philodendronblätter zu sehen. Die wachsen zwar in Südamerika ( oder inzwischen wieder gerne in deutschen Wohnzimmern ) und nicht dort, wo die Löwen leben. Aber was soll's: Dekorativ sind sie allemale!


Das Shirt ist gut angekommen. Allerdings war der kleine Träger an diesem Tag eine Miezekatze...



Mittwoch, 7. November 2018

Herzlichen Glückwunsch


zum 75. Geburtstag 



liebe Joni Mitchell!

 "We are stardust, 
we are golden, (... ) 
and we’ve got to get ourselves back to the garden" -

mit diesen Liedzeilen in "Woodstock"
drücktest du das Lebensgefühl
meiner Jugendzeit aus -

in deinem wie meinem Leben
ist inzwischen viel passiert
und das Paradies
( noch ) nicht erreicht.
Ewige Schönheit
ist wohl nur zu erlangen,
wenn man keine Angst vor der 
Vergänglichkeit hat...


 "Ich habe das Leben von beiden Seiten gesehen
gewinnen und verlieren und 
irgendwie erinnere ich mich ich vor allem
an die Illusionen des Lebens
was Leben wirklich heißt,"
wissen du & ich inzwischen...

Danke für die musikalische Begleitung dieser Erfahrungen!