Samstag, 4. Juli 2026

Meine 27. Kalenderwoche 2026

 "Fast alle technischen Errungenschaften 
basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen: 
Handys, Autos, das Internet 
werden für selbstverständlich gehalten, 
aber Fakten, die viel grundlegender sind, nicht.
.....
Das Leben wird unbezahlbar 
durch die Veränderung im Klimasystem Erde."
Özden Terli, Meteorologe

"Weil sie an einer Welt leiden,
die bunter und wilder ist als die, die sie gerne hätten,
verlieben sich politische und 
mediale Führungskräfte dieser Tage 
wieder in die Idee eines gehärteten Kerns 
einer idealen Kultur."
Carsten Brosda, Präsident/Deutscher Bühnenverein




Boah, was für eine Nacht mit tropenanalogen 25°C als Tiefsttemperatur! Da brachte auch das Lüften so gut wie nichts mehr. Ich hab dann auch mein Vorhaben aufgegeben, an der Eröffnung der Ausstellung im Kolumbamuseum teilzunehmen, bei der die Schülerarbeiten gezeigt werden, an denen ich vor zwei Wochen beteiligt gewesen bin. Stattdessen: Lesen in Räumen ( die auch nicht mehr unter 25°C herunter gekühlt werden können ). Das bringt Unterhaltung & Freude, denn ich mag nicht rumnöhlen über das Wetter, ist eh sinnlos und frau schwitzt unnötig mehr. Ich sorge gut für mich, mental wie physisch ( Eiskaffee, Salat, Aprikosen & Tomaten! ). That's it!
Übrigens wurde der am 27. Juni 1947 in Köln-Stammheim gemessene Wert von 37,9°C klar überboten. Allerdings nur inoffiziell, denn die DWD-Klimastation Köln-Stammheim ist nicht mehr in Betrieb, es gibt nur noch ein Provisorium. Das hat am 26. Juni 2026 39,5°C erfasst. Die Wetterstation am Flughafen registrierte ein Maximum von 37,5°C, womit der bisherige Juni-Rekord in Köln/Bonn von 36,8°C vom 18. Juni 2002  deutlich übertroffen wurde. Selbst drinnen im Dom hatte es 26°C. Die Polizei registrierte von Freitag bis Sonntag 120 ungeklärte Todesfälle – fast viermal so viele wie an einem durchschnittlichen Wochenende. Man machte zunächst keine Angaben zu den Todesursachen, doch liegt ein Zusammenhang mit den Extremtemperaturen nahe, meint auch der Leiter des städtischen Rettungsdienstes. Krankenhäuser, die Rechtsmedizin und Vertragsbestatter stießen an die Grenzen ihrer Kapazität zur Aufbewahrung von Leichen. Die Stadt richtete am Samstagabend in der Messe ein Notlazarett und eine Kälteinsel ein. KVB-Busse brachten Patienten dorthin, die keine Versorgung während der Fahrt im Krankenwagen benötigten. Und noch ein anderes: Eine Omega-Blockade kann die Wetterlage der letzten Tage erklären, aber sie widerlegt den Klimawandel nicht. Da vertauschen die Leugner mal wieder was, nämlich den Auslöser der Hitze mit dem Verstärker im Hintergrund.
Montagvormittag musste ich unbedingt en d'r Sity. Trotz ( nur ) 23°C fand ich es schlimmer als an den beiden Tagen zuvor, weil ich Schwüle einfach nicht ab kann. Selbst ein Eis sorgte nicht für den erfrischenden Genuss wie sonst üblich.


Aber ich hab erledigt bekommen, was dringend erledigt werden musste.  La vie en rose war mir dann anschließend zu Hause lieber, denn...



...dort ließ ich mir zur Abwechslung mal Kirschen schmecken, die ich unterwegs gekauft hatte. Abends hatte es so frische Luft, dass ich im Wintergarten gelesen habe. Später habe ich noch Stings Konzert im Amsterdamer Riijksmuseum vom Januar dieses Jahres gehört bzw. gesehen. So schön! Auch dass er im Video die Leistungen der großartigen Malerin Judith Leyster hervorgehoben hat, deren Gemälde lange Frans Hals zugeordnet wurden.



Stings "Fragile"ist so ein Song, der schon mal meine Lebensgefühle ausdrücken kann, besonders dann zum letzten Tag des Monats Juni -  immer einer mit den gemischtesten Gefühlen. Die Hitze der letzten Tage führte dazu, dass ich mich eher an den Tag vor 23 Jahren erinnere, als ich neben allem Kummer auch drei Wochen im Krankenhaus geschwitzt habe. Es war der erste üble Hitzesommer des neuen Jahrhunderts. Die beiden Bäume in meinem Garten sind etwas, das mich täglich an meinen "kleinen Bruder" erinnert, der sie vor fast vierzig Jahren mit meinem Mann ausgesucht und gepflanzt hat. Auch an ihn, meinen Lebensmenschen, habe ich wieder einmal mit großer Wehmut gedacht.



Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die einem über solche Stimmungen weiterhelfen: das wunderbare Gemälde von Dagmar Schmidt über meiner Couch, die Gespräche mit der Frau, die mir hilft, mein Haus in Ordnung zu halten, ein weiteres bewegendes, kluges Buch, das Grün der Bäume, der Himmel,  der über uns gespannt scheint.

Von links oben im Uhrzeigersinn:
Brokkolisalat mit Granatapfelkernen, Kartoffelsalat mit Trauben, Romanasalat mit pochiertem Ei,
Brezensalat mit Fenchel & Pfifferlingen, Nudelsalat mit Ananas & Edamame,
Reissalat mit Thunfisch & Paprika


Der Mensch lebt aber nicht nur von Gefühlen allein; an den heißen Sommertagen erfreue ich mich täglich an Salatkreationen, wie ich es schon letzte Woche beschrieben hatte. Und da ich die fotografiere und die Bilder mit dem Schwesterherz & Sunni teile, kam mir die Idee, eine Collage aus den Fotos zu machen & hier einzustellen.

Im Juni hat Nicole/niwibo "Beige" als Farbe des Monats propagiert. Wo finde ich die am besten? Jetzt aber endlich auf ins Kolumba - Museum!😆

Na ja, in Wirklichkeit  wollte ich die Arbeiten der Schüler*innen des Veedelsgymnasiums anschauen, u.a. auch "meinen" Beitrag für die Fotoreihe meiner Nachbarin "Menschen und ihre Dinge", zu der sie das "Musée sentimental de Kolumba" angeregt hat. ( Leider habe ich nicht ohne Lichtreflexe fotografieren können. )




Außerdem habe ich die diesjährige Dauerausstellung noch nicht gesehen. Thema: "Kunst in Zeiten der Unvernunft". Spannende Gegenüberstellungen wurden wieder gefunden wie die Bilder von Anna & Bernhard Blume "Transzendentaler Konstruktivismus" und ein "Christus in der Rast" eines oberrheinischen Meisters (links) oder "Ohne Titel" von Jürgen Paatz neben einer Vitrine mit Tongefäßen div. Künstler (rechts).


Victoria Bells "Fliegende Lokomotive" habe ich einem Text gegenübergestellt von Terry Fox "Left Sided Sleeper's Dream".


Der große zentrale Raum im 2. Stock wird u.a. bespielt von einer Skulptur von Erich Bödeker "Cowboy mit Pferd" und den Fotos von den Mitstreiter*innen des Roncalli - Programms "Die Reise zum Regenbogen" von 1981 durch Walter Schels. Die Elfenbeinfigur am Kruzifix ist aus dem 12. Jahrhundert, wahrscheinlich aus dem Rheinland.


Links eine Gemeinschaftsarbeit einer Schülergruppe zum Thema "Identität", links eine Figurengruppe des Dombaumeisters Konrad Kuyn aus dem "Epitaph des Nikolaus von Bueren" aus dem 15. Jahrhundert. Es sind Steinmetze, die da dargestellt sind.


Eine "Ecce Homo"-Darstellung aus Lindenholz (15. Jahrhundert) vor einem Bild, das ich nicht näher identifizieren konnte. Ein Besuch im Kolumba ist für mich immer ein Erlebnis. Es ist mir das liebste Museum in der Stadt.


Seit dem 1. Juli bin ich übrigens Mitglied im Dombau- Verein, damit ich auch weiter kostenlos in den Dom kann, wenn mir danach ist. Die Kölnerinnen, die im Exil leben (müssen), habe ich auch gleich im Verein angemeldet. Das wär doch gelacht, wenn sie bei ihren Besuchen draußen bleiben müssten!

Mein Web-Fundstück der Woche - ganz lustig & informativ:


Zum Schluss möchte ich euch noch eine kleine Geschichte erzählen, die zum heutigen Tag passt. Die Geschichte von Dennis Baum, gerade 82 geworden, wohnhaft im Hudson Valley, etwa eine Zugstunde nördlich von New York, mit seiner Frau und seinen drei Corgis. Aber was hat dieser introvertierte alte Mann mit dem 4. Juli zu tun? Nein, es ist nichts mit dem amerikanischen Nationalfeiertag oder der Hochzeit von Taylor Swift & Travis Kelce, es hängt mit dem 4. Juli 1926 in Weimar zusammen. Und dem 4. Juli 2026 in Erfurt. Merkt ihr was?

Aber zurück zu dem alten Mann, der seit Wochen die Rede seines Lebens einübt. Und die hat ihren Grund in diesem Logo:


Das kennen sicher alle, die in Deutschlands Osten groß geworden sind. Und die Zweiräder gleichen Namens, besonders der berühmten "Schwalbe". Mopeds von Simson werden inzwischen nämlich von den Blaunen für ihren Kulturkampf missbraucht. Besonders der Bernd lässt sich gerne damit fotografieren. Der thüringische Landesverband, als rechtsextrem eingestuft, produziert heute Videoclips, Banner und T-Shirts mit dem Namen Simson. 

Und das ist für Dennis Baum unerträglich. 

Also reist er jetzt aus New York nach Deutschland, um das Erbe seiner jüdischen Familie zu beschützen. Ja, richtig gelesen: Die Firma ist eine jüdische Firma gewesen, die "Waffen- und Fahrzeug-Fabrik Simson Suhl". 
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten startete der thüringische Gauleiter Fritz Sauckel ein Untersuchungsverfahren mit der Behauptung, das Deutsche Reich sei durch das jüdische Unternehmen bei der Abrechnung der staatlichen Aufträge übervorteilt worden. Der Reichsrechnungshof konnte keine übermäßigen Gewinne feststellen; trotzdem kam es 1934 auf Initiative von Sauckel in Meiningen zu einem Schauprozess gegen Arthur Simson und einige leitende Angestellte wegen 'Übervorteilung des Reiches'. Die inhaftierten Angeklagten wurden ein Jahr später aus Mangel an Beweisen in allen Punkten freigesprochen.... Im August 1935 erwirkte Sauckel ein Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht Jena unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Verfahren endete mit einem Schuldspruch und einer Geldbuße von 9,75 Millionen Reichsmark gegen die Inhaber.( Quelle Wikipedia )

Die Familie Simson konnte 1936 in die Schweiz fliehen. Minna Simson, die damals Thüringen verlassen musste, ist die Großmutter von Dennis Baum gewesen. 

"Dass ich mich erhebe und kämpfe in der öffentlichen Arena, das ist etwas, was ich noch nie getan habe. Ich habe noch nie in meinem Leben vor mehr als zwanzig Menschen geredet", bekennt Dennis Baum. 

Er muss aber etwas klar stellen, denn seine Familie lehnt diese Vereinnahmung ab. Auch die Volte mit der deutschen Geschichte. Aber das gehört ja zum Werkzeugkasten für Tatsachenverdreher & Manipulateure. Mit den Simson - Zweirädern wird der Ost - Joker von westdeutschen Akteuren gezogen. Wem gehört das Freiheitsgefühl der Ostdeutschen wirklich?

                                                                            

Wie immer v
erlinke ich meinen heutigen Beitrag mit dem Samstagsplausch, mit "Niwibo sucht...", den Glücksmomenten bei Annette/ Augensternwelt, dem Mosaic Monday, den "Sonntags Top Sieben" bei Anni und mit Nicoles/Frau Frieda "Plausch am Gartenzaun

1 Kommentar:

  1. Liebe Astrid,

    viel hast du die Woche erlebt, trotz Hitze und Schwüle.

    Das Kolumba-Museum wirkt allein schon durch seine Farben herunterkühlend.

    Sting's "Fragile", ohja, das ist ein Song, der sehr berührt. Sting habe ich schon manches mal gesehen, und auch seinen wunderbaren Gitaristen Dominic Miller solo.

    Was mich vergangene Woche sehr beschäftigt und immer noch , war nicht das WM-Aus. Das ist mir ehrlich gesagt sowas von egal.

    Unfaßbar und erschütternd und eigentlich will ich nicht näher darüber nachdenken und tu es trotzdem, das Geschehen in Stade. Was für ein Unglück für die Angehörigen und Betroffenen.

    LIebe Grüße,
    Claudia

    Und jetzt geh ich das über Dennis Baum nachlesen.

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