Auf der Suche nach meinem Patenbaum im Kölner Zoo bin ich endlich auf ein Exemplar eines Baumes gestoßen, denn ich schon sehr lange auf meiner Liste habe. Schließlich habe ich jetzt ein paar eigene Fotos und kann ihn hier vorstellen.
Der Geweihbaum Gymnocladus dioica, auch Kanadischer, Amerikanischer oder Kentucky-Kaffeebaum oder Kanadischer Schusserbaum genannt sowie unter den Begriffen Chicot und Bonduc/Bondue ( eigentlich die Molukkenbohne Caesalpinia bonduc, ein kletternder Hülsenfrüchtler ) im frankophonen Raum Kanadas bekannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Gymnocladus in der Unterfamilie der Johannisbrotgewächse innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler. Er ist im Nordosten Amerikas, an der ganzen Ostküste von Kanada bis in die USA, heimisch und zwar bevorzugt im Auen- und Uferbereich.
Seine eigentliche Heimat ist allerdings Kentucky. Die Native Americans verbreiteten diesen Baum wegen des wertvollen Holzes für den Schiffs- und Pfostenbau ganz gezielt und retteten ihn so vor dem Aussterben. Denn dieser Baum hatte sich hinsichtlich seiner "Fortpflanzung" ganz auf das Amerikanische Mastodon Mammut americanum verlassen, das für seine Ausbreitung gesorgt hat. Dieser Verwandte des Elefanten fraß die Früchte ganz, so dass ihre harte Schale erst durch die Magensäfte des Mastodons geknackt wurden. Mit deren Ausscheidungen bekam der Samen die perfekten Bedingungen für ein erfolgreiches Keimen. Das Mastodon ist allerdings vor ungefähr zehntausend Jahren zeitgleich mit der Besiedlung Amerikas durch Menschen ausgestorben und somit war der wichtigste "Helfer" weg ( vergleiche auch mit dem Osagedorn ). Diese Form der Ausbreitung nennt man Endozoochorie oder Verdauungsverbreitung.
Deshalb sieht man auch heute nie größere Bestände vom Geweihbäumen. Erwachsene Bäume bilden allerdings auf humosem Boden zahlreiche Ausläufer durch Wurzelbrut aus, was ihnen immerhin eine vegetative Vermehrung ermöglicht.
Der laubabwerfende Baum wächst langsam – etwa 25 Zentimeter pro Jahr – zu einer Höhe von 20 - 30 Metern heran. Anfangs ist seine Krone eiförmig und wenig verzweigt, dann entwickelt sie sich allerdings ausladend bis zu einer Breite von 15 - 18 Metern. Der Baum kann einen Stammdurchmesser von über 1,5 Metern erreichen. Freistehende Exemplare verzweigen sich schon kurz über dem Boden und bilden eine runde Krone. Im geschlossenen Bestand bilden sich dagegen gerade, wenig verzweigte Stämme. Es sind einzigartige Kletterbäume mit riesigem Sommerlaub und eigenwilliger Kronenstruktur, denn der Geweihbaum bildet nur wenige Feintriebe aus. Im Winter erinnern seine kahlen dicken Triebenden deshalb an Geweihe.
Die anfangs glatte Rinde ist in höherem Alter rau und durch eine starke, auffallend graue bis anthrazitfarbene Borke geprägt. Der Stamm zeigt oft Drehwuchs. In der gefurchten Rinde leben zahlreiche Insekten, welche wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für verschiedene Singvögel darstellen.
Die doppeltgefiederten Blätter treiben rötlich aus und können sage und schreibe fast 1 Meter lang und über einen halben Meter breit werden. Die einzelnen Blättchen sind eirund bis elliptisch und circa 5 - 7 cm groß, sie sind spitz bis zugespitzt und an der Basis gerundet bis keilförmig. Besonders der späte Blattaustrieb ab Anfang bis Mitte Juni kommt dem Baum bei Kahlfrösten zugute. Im Herbst begeistert er mit einer prachtvollen gelben Färbung. Nach dem Blattfall bleiben die Blattachsen noch einige Zeit hängen.
Nach der Blüte erscheinen an den weiblichen Bäumen harte Hülsenfrüchte, die bis zu 25 cm lang werden können. Während des Reifungsprozesses werden sie braun und bleiben noch lange am Baum hängen. In den Hülsen befinden sich mehrere harte, abgeflachte und rundliche, dunkelbraune Samen. Frisch sind diese Samen und andere Teile der Pflanze giftig. Durch Erhitzen wird das Gift zerstört. Die Ureinwohner Nordamerikas stellten daraus ein Getränk her, und die späteren Siedler nahmen die gerösteten Samen - allerdings als sehr bitteren - Kaffee - Ersatz, daher auch der Name "Kentucky Coffeetree". Junge noch grüne Samen kann man außerdem wie Bohnen kochen ( mindestens 40 Minuten, wer es probieren will ).
Seit 1747 ist der Geweihbaum auch in Europa zu Hause - 1753 von Carl von Linné in "Species Plantarum", Band 1, beschrieben -, denn sein einmaliger Wuchs ziert Parkanlagen. Beliebt ist er auch als Straßen- und Alleebaum. Man muss allerdings berücksichtigen, dass seine Ausleger gerne Steinplatten und Wege anheben. Mit dem Klimawandel gewinnt er auch bei uns in Europa immer mehr an Bedeutung, denn er kommt mit Hitze und Trockenheit bestens zurecht. Gleichzeitig verträgt er auch starke Überschwemmungen und Kahlfröste.
Das Holz, einstens auch für die Kanus der Indigenen verwendet, ist heute für Pfosten und Möbel in Gebrauch.
Beim Schlendern und Suchen auf dem Zoogelände sind mir auch ein paar eher ungewöhnliche Baumexemplare begegnet, die ich bereits vorgestellt habe und die ich euch noch mal zur Lektüre anempfehle, als da sind:
Seidenbaum & Ahornblättrige Platane ( "eingegittert" wegen der neuen Giraffen )
Vogelbeere oder Eberesche & Kaukasische Flügelnuss
Lebkuchenbaum & MaulbeerbaumUnd jetzt endlich heißt es "Bühne frei" für eure Baumposts im August! Laufzeit bis zum 29.8.2026









Liebe Astrid,
AntwortenLöschendeine Baumposts, so erholsam und erdend in einer verrückten Welt.
Die Bäume sind unsere Freunde und ich finde es so schön, dass du uns immer wieder welche vorstellst, die ich nicht kenne.
Der Geweihbaum, ein schöner Name.
Auch interessant, die ursprüngliche Vermehrung durch das Mammut bzw. dass es seine Verdauungssäfte nötig hatte.
Die Eberesche, einer meiner Lieblingsbäume, der Maulbeerbaum, der Lebkuchenbaum. Es gibt so viele besondere.
Liebe Grüße,
Claudia
Ein sehr interessanter Baum, den ich auch noch nicht kannte und bewußt gesehen habe.
AntwortenLöschenWeißt Du wie die Bäume dann ohne Urvieh nun bewußt vermehrt werden konnten? Nur über den Stockausschlag? Oder wurden die Samen fermentiert? Es gibt ja so manchen Baum, der es etwas komplizierter mag. Und dieser ist dann auch noch zweihäusig!
Sende liebe Sonntagsgrüße
Nina