"Innerhalb der Mauern Trojas
wie außerhalb wird gesündigt."
Johann Wolfgang von Goethe, 1749-1832
"Ach, wer ins Bett geht mit den Hunden,
der steht mit Flöhen wieder auf."
Wolf Biermann
"Auch moralisches Chaos
ist eine politische Frage.
Es markiert den Niedergang der Politik selbst."
Eva Illouz
"Wenn wir es mit einem Geschöpf Satans zu tun haben,
müssen wir gegen Satan Krieg führen.
Und das heutige Europa in seiner gegenwärtigen Form
ist eine Schöpfung des Satans, und dies ist ein Heiliger Krieg."
Sergej Karaganow, Berater Putins & des Kremls
"Der Wald ist groß, die Finsternis auch."
Thomas Bernhard, 1931-1989
Die Nacht auf den vergangenen Samstag war die erste mit Frost hier in meiner Stadt, gleich minus 6,3°C am Flughafen ( in der Stadt war es sicher etwas milder ). "Winter was nipping at our toes", wie es Yvonne so treffend in ihrem Blogpost formuliert hat.
Am späten Nachmittag bin ich ins Kapitolsviertel gefahren. Was waren die Bahnen proppenvoll mit Weihnachtsmarktsüchtigen!
Dort in der Trinitatiskirche wollte ich dem Dunkelkonzert "Lux Aeterna" des WDR Rundfunkchores beiwohnen. Dunkelkonzert insofern, als man eine Schlafmaske während des Konzerts auf den Augen hat. Mit beeindruckendem Effekt! Ich hab nur links von mir die Hand vermisst, die ich sonst ergriffen hätte bei besonderer Berührung meines Gemüts. Nun ja...
Die Musik stammte aus der englischen Renaissance von Komponisten wie Thomas Tallis, John Sheppard, William Byrd über Henry Purcells schillernde Harmonik und die expressive Klangsprache des Spätromantikers Edward Elgar und weiter bis hin zur nordischen Moderne der Komponisten Jan Sandström, Jacob Mühlrad und Anders Hillborg. Die Werke kreisten alle um Licht und Dunkelheit, Tod und Ewigkeit, Hoffnung und Trost. Zurück in der Realität, auf den sogenannten Bächen - einer unglaublich extrem befahrenen Rennstrecke - war ich ganz schön verunsichert. So einen ätzenden Autoverkehr muss ich nicht mehr haben...
Nicht nur die Engelchen haben am Sonntagmorgen die Backöfen angeworfen, ich auch. Am Vortag hatte ich mir alles ins Haus liefern lassen, was ich zur Weihnachtsbäckerei brauche. ( Die Pläne habe ich allerdings schon wieder über den Haufen geschmissen. Spontaneität muss bei mir halt immer sein. )
Die Lieblings-Ex-Kollegin hatte mir extra eine passende neue Schürze geschenkt - sehr motivierend! Danke, liebe R.! Wie immer startete ich mit dem uralten & traditionellen Familienrezept der Ks, dem Königsbrot ( die Enkelkinder freuen sich darauf ).
Am Ende war die größte Blechdose wieder voll & Laub gerecht habe ich auch noch. Kaum war ich wieder im Haus, gab es leichten Schneeregen bei 2°C.
Noch kann die Paketflut nach dem Black Friday nicht ausgebrochen sein, doch die Paketdienste kommen jetzt schon nicht mehr klar und geben ihre Päckchen gerne in den Kiosken der Umgebung ab, statt an der Haustür vorzusprechen. So komme ich in idyllische Ecken, in denen ich üblicherweise nicht unterwegs bin.
Das Erfreuliche an diesem grauen, eher kalten Wetter, bei dem frau nicht wirklich gerne im Freien zwecks Arbeit oder Vergnügen ist, dass es andere schöne Beschäftigungen gibt und frau nicht herumhängt und dem Grübeln anheimfällt. Backen ist so eine Tätigkeit. Und ich mache es mir dabei schön, optisch auf meinem Kühlschrank, akustisch mit Musik aus meiner umfangreichen Sammlung bei iTunes ( meist Jazz oder Klassik ).
Nußknacker sind das große Thema in dieser Saison ( bei mir ja auch ). Und Pink - auch wenn es manche(n) gruselt - kommt auch viel in den Dekorationen vor.
Einen solchen Morgenhimmel brauchte ich am Donnerstag zur Selbstermächtigung, musste ich doch einem saumseligen Handwerker auf die Füße treten. Das hat dann nur so mäßig geklappt, weil die Sachlage wohl eine andere ist, als meine Steuerberaterin meint.
Immerhin hat wieder jemand an mich gedacht und mir liebe Post geschickt: Eva aus Mainz. Dankeschön! Das gefaltete Kunstwerk nennt sich übrigens explosionbook, und Eva hat mir ein witziges Anleitungsbüchlein dafür geschrieben.
Auch meine Druckaufträge sind bereits erledigt und hier angekommen. Alles ist vorbereitet, Adressaufkleber, Briefmarken - da kann ich bald die Weihnachtspost schreiben, wie schön!
Mit dem Backen von Weihnachtsplätzchen werde ich auch von Jahr zu Jahr wärmer. Ja, es hat mir jedes Mal Freude gemacht, und ich habe es mir so eingeteilt, dass ich nicht in die Knie ging bzw. Rückenschmerzen bekam. Gestern hatte ich schließlich sieben verschieden Sorten in den Dosen.
Bei einem Plätzchenrezept stand unter den Zutaten Goldglitzer. Den habe ich mir besorgt und verwendet ( manchmal ein bisschen zu viel des Guten ). Glitzer macht mir Freude, besonders in diesen Tagen. Aber zu meinem großen Erstaunen habe ich vor drei Tagen gelesen, dass Glitzer inzwischen politisch ist: "Glitzer ist nicht nur Glanz und Glamour, sondern auch ein Symbol für soziale Kämpfe", sagt die Wissenschaftlerin Nicole Seymour von der California State University in einem Interview in der "Süddeutschen Zeitung". Da hab ich erst mal dumm geguckt...
Aber fangen wir mal von vorne an: Das Wort glitter ist ursprünglich ein englisches Verb, das einen Effekt beschreibt, zum Beispiel glitzernden Schnee. Das kennen wir genug & gut aus Gedichten & Liedern, gerade zu dieser Jahreszeit. Glitzer zieht Menschen von alters her an, erinnert es an bewegtes, klares Wasser im Sonnen- oder Sternenlicht, ein Element, das der Mensch unbedingt zum Leben braucht. Glitzer, wie wir ihn heute kennen, wurde allerdings erstmals in den 1930er Jahren industriell hergestellt und damals wurden Postkarten & Deko reichlich damit beglittert ( ich mochte als Kind nur DIE Adventskalender ).
Und dann wurde Glitzer ca. fünfzig Jahre später schon etwas mehr politisch als bloß dekorativ, als Teile der queeren Community Glitzer im Make-up oder auf ihren Klamotten benutzt haben, um sich sichtbar zu machen, denn bis dahin hat man sie in dunkle Ecken, Klappen, Keller und getuschelte Witze auf Weihnachtsfeiern verbannt gehabt. Ähnlich ist es der schwarzen Community in Filmen gegangen: Als die ersten Schauspieler mit dunkler Hautfarbe vor die Kamera treten durften, taten sich die weißen Kameraleuten schwer, die Schauspieler richtig auszuleuchten. Daraufhin haben einige schwarze Künstler in ihren Arbeiten Glitzer verwendet, um hervorzuheben, dass sie in der Gesellschaft nicht wirklich gesehen werden.
In den 2000er Jahren haben dann Aktivisten gegen solche Ausgrenzungen ein wahres "Glitter Bombing" praktiziert und konservative Politiker damit überschüttet, gerne solche, die kund taten, dass Glitzer für weibische Schwäche steht und jeder, der ihn benutzt, nicht ernst zu nehmen ist. Durch die Aktionen wurde der Spieß umgedreht und die jeweiligen Politiker lächerlich gemacht. Das Ganze ist aber wieder weiter gekippt, als Umweltaktivisten ebenfalls zu diesem Mittel griffen und ihre Gegner ihnen vorwerfen konnten, sie seien die wahren Umweltterroristen. ( Mikroplastik!!! Ist in der EU übrigens inzwischen verboten. ) Und nun nutzen Homophobe & Antifeministen dieses Instrument - da Glitzer ja als weiblich und schwach gilt - um besonders queere Männer zu stigmatisieren. Was für ein Hin und Her, nur aus Gründen der Menschenverachtung.
In der Vergangenheit war Glanz & Glitzer im Übrigen nur den ganz besonders Reichen & Mächtigen vorbehalten, es bedeutete also Reichtum, niemals Geschlecht. Und man muss nicht rückwärts nach Versailles blicken, es reicht schon, sich umzuschauen bei den heutigen Alphatieren, den Putins, Trumps, Erdogans und wie sie alle heißen: Was wird da aufgerüstet & vergoldet & geglänzt! Das oval office sieht ja inzwischen aus wie nach einem Raubzug in den Baumarkt, wo es all die glänzenden Dekoelemente zu erwerben gibt. Schon mal an den Pfau gedacht? Wie der sich aufrüscht? Und: Weiß jemand, wie das Pfauenweibchen ausschaut? Gell! Von wegen, Frauen sind von Natur aus etwas overdecorated!
Ich glitzere einfach ganz männlich zurück.


















Ein spannendes Konzert war das im Dunkeln. Danach sind die Sinne so geschärft, dass der Irrsinn solcher Autostraßen einen überwältigt, das kann ich mir so gut vorstellen.
AntwortenLöschenGebacken hast Du auch ganz wunderbar und so kreativ. Noch dazu mit solcher Schürze. Die Servietten dazu kenne ich, die hab ich im Shop. :-)
Dass Glitzer soviel politische Aussage hat, war mir gar nicht klar! Das ist ja eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Aktion und auch zur Reaktion. Nicht nur eine Geschmacksfrage.
Finde ich toll, dass Du männlich zurückglitzerst!
Herzlichst,
Sieglinde
Bei mir glitzert es noch nicht, auch die Kerzen warten noch. Allerdings, wenn ich mich jetzt konzentriere und dran bleibe, kann ich wirklich - von ganz viel Krempel befreit - Sonntag mit Weihnachtsdekoration und Advent beginnen, ganz entspannt! Die Weihnachtspost muss allerdings warten, der Besuch geht vor.
AntwortenLöschenLecker sieht dein Backwerk aus!
Mit vielen lieben Grüßen und einen schönen 1. Advent wünschend
Karin
Liebe Astrid,
AntwortenLöschenein Dunkelkonzert stelle ich mir ausgesprochen spannend vor. Oft schließe ich bei Konzerten bewusst die Augen. Doch noch nie während eines kompletten Konzerts. Dass dich der irre Verkehr, nach diesem besonderen Erlebnis, so sehr gestört hat, kann ich gut nachvollziehen.
Es freut mich, dass du inzwischen so große Freude an der Weihnachtsbäckerei hast. Deine Plätzchenmenge ist ja bereits beeindruckend 😊!
Ich wünsche dir einen schönen ersten Advent und grüße dich herzlich aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren
Lydia
Wonderful post and beautiful photos, Astridka. Warm greetings from Montreal, Canada 😊 ❤️ 🇨🇦
AntwortenLöschenHello,
AntwortenLöschenBeautiful photos, I love all the decorations, the beautiful church and your cute Apron. It is time to start making those cookies. Take care, have a wonderful first week of December.
viel glitzer gibt es bei mir nicht, ich hab es gerade wieder gern natürliches aus wald und feld. aber das kann sich auch noch ändern. du fleißige weihnachtsbäckerin!! toll, was da alles bei dir aus dem backofen kommt! ich habe keine große lust dazu und werde wohl auch dieses jahr ein paar tütchen aus meiner lieblingsbäckerei holen...
AntwortenLöschenhab noch einen gemütlichen sonntag!
erneute grüße von mano
Hallo Astrid,
AntwortenLöschenich war noch nie auf einem Dunkelkonzert und habe das gerade mit Spannung gelesen, ich stell es mir sehr bewegend vor, wenn man so konzentriert auf die Musikg ist.
Nussknacker habe ich bei uns hier noch nicht so viele entdeckt, aber ich mag sie und freue mich immer wenn ich sie sehe.
Und dann habe ich hier viel über Glitzer erfahren, was mir bis dahin nicht bekannt war, ich mag Deine Recherchen immer sehr.
Liebe Grüße
Manu
Hey, ein wenig Glitzer (und auch mehr) brauche ich auch ab und an. Braucht doch (fast) jeder mal. Mir egal, was da andere sagen. Dagegen ist mir Pink zu Weihnachten nicht so lieb, aber garantiert gibt es auch Sachen, die ich trotzdem in Pink mag!
AntwortenLöschenInsgesamt eine schöne Woche bei Dir.
Vor allem so viel und fein gebacken!
Mit lieben Grüßen und hab noch einen schönen ersten Advent
Nina
In den eigenen vier Wänden soll bitte jede/r nach Gutdünken und Belieben glitzern, gern auch in Pink... aber das nicht vorhandene Geld des Staates für teure, aber geschmacklose Schnörkeleien und Ballsäle ausgeben, das ist einfach stilllos. Passt also perfekt. Seufz.
AntwortenLöschenIch staune über deine wunderschönen Backwerke. Meine Kekserein sehen immer sehr selbstgemacht aus. :D
LG
Centi
Dobrý večer, milá Astrid, já zvládla zatím jen perníky a iuž u nich se dostavila bolest zad. Ke všemu neumím vyrobit polevu, takže místo zdobného efektu perníky vypadají, jakoby je vyráběli chovanci psychiatrického ústavu. Dcera tomu posměšně říká outsider art. Má oblíbená firma z Rožnova pod Radhoštěm, u které kupuji svíčky, vyrobila kolekci s louskáčky, tak snad budu mít možnost je na blogu odprezentovat. A Tvé pojednání o třpytkách je ve svém závěru podloženém fotkami z Bílého domu skutečně trefné. Přeji úspěšné vykročení do nového týdne. Katka
AntwortenLöschenAch deine Woche war aber voll. Voll meist schöner Dinge! Das Dunkelkonzert hätte mir auch gefallen. Ich werde mich wohl endlich mit dem alleine-auf-den-Weg-machen-Gedanken beschäftigen müssen, damit ich nicht in ein böses Loch falle … ehrlich Astrid, ich bewundere dich immer wieder, wie gut du dein Leben in der Hand hältst!
AntwortenLöschenAch ja, Plätzchen, die habe ich immer noch nicht angefangen. Mir fehlt es an Motivation.
Glitzer für mich ... da fallen mir gerade nur die ganzen Stricksachen ein, die mit Einhorn-Pailetten-Funkelfäden gestrickt werden.
Liebe Grüße
Andrea