Samstag, 26. November 2022

Meine 47. Kalenderwoche 2022

 "Kriesch doch nit wenn et vorbei es.
Denk leever dran, wie schön die Zick doch wör.
Et jitt nix wat mer halde kann
und häng ding Hätz och noch su dran..."
Hans Knipp, Bläck Fööss


Während hier im Westen die Kirsche noch voller Laub war und das Thermometer 4°C anzeigte, hatte es 250 Kilometer weiter östlich geschneit. Sunni schickte mir Fotos aufs Handy, weil sie weiß, dass ich lieber Schnee hätte. ( Im Bundesstaat New York war derweil schon der Notstand ausgerufen worden, so viel hatte es dort geschneit - Ergebnis des Lake-Effekts. )







Wenn man mal seine Routinen durchbricht und seine täglichen Gänge variiert, entdeckt frau, dass um die Ecke die Provence ist, so ganz ohne Lavendel.


Viele Bäume trugen immer noch ihr farbiges Laubkleid, was mir gute Laune machte. Zu Hause wärmte ich mich dann mit einem frischen Minztee auf. Auch so eine neue Marotte.


Und abends gab es in dieser Woche ein Glas eines rheinhessischen Rieslings. Tatjana vom "Böhmer's regional", die mich mit 1a Obst & Gemüse versorgt, hat mir nicht nur zuletzt ihr Ohr geschenkt, sondern auch eine Flasche dieses verdammt leckeren Weines. Es wird zwar jetzt viel zu früh dunkel und mein Alleinsein spürbar. Aber durch solche Gesten weiß ich, einsam bin ich nicht.




"Ich bin froh, dass ich noch hier bin, um die dankbare Aufgabe des Erinnerns zu übernehmen", schreibt Patti Smith in ihrem neuen Buch. Geht mir auch so, zum Beispiel wenn die Sonne die Decke auf dem Sofa meines Mannes zum Leuchten bringt und mir ebenso leuchtende Szenen im Frühsommerlicht des Jahres 1977 ins Gedächtnis ruft, als wir voller Zuversicht & Freude begannen, uns ein gemeinsames Leben vorzustellen.




Am Donnerstagnachmittag habe ich Nähmaschinen Nähmaschinen sein lassen und bin mit meinen netten Nachbarn Marie-Anne & Tom ins Nippeser Bürgerzentrum im Altenberger Hof zu einem  ( eintrittsfreien) Gedächtniskonzert für den unvergleichlichen Hans Knipp, dem kölschen Text- und Tondichter, mit "de Knippschaff" gegangen. Hans Knipp hat solche Ohrwürmer ( jedenfalls für in Köln Lebende ) geschrieben wie "Mer losse d’r Dom en Kölle", "Unsere Stammbaum", "Dat Wasser vun Kölle" oder "Ne Besuch em Zoo", was meine Schulkinder nicht aufhören konnten zu singen.

1975
( Das Lied vom Dom ab Minute 4:30 )

Es hat so viel Spaß gemacht, zwei Stunden lang all die Lieder mitzusingen, die mich begleiten, seit die Stadt am Rhein mir eine endgültige Heimat geboten hat. Zum Schluss gab es natürlich die Hymne aller Kölner Veedel, die mir gerade in diesen Zeiten und in meiner Situation deutlich machte, dass das immer noch gilt, das "Zusammeston". Tom &Marie-Anne animierten mich noch, hinterher bei unseren Sardegnas gemeinsam zu essen. Das ist schon was ganz anderes, als alleine beim Abendessen am Küchentisch zu hocken.




Der Dom und Kölle, die gehören zusammen. Das fand auch Nicole/niwibo. Und deshalb steckte in dem Päckchen, welches der Postbote mir noch vor dem Konzert schnell in die Hand drückte, auch dieser kleine hölzerne Dom mit Kerze ( unter anderem ). Für diese vorweihnachtliche Freude danke ich dir von Herzen, du Liebe!

Der Freitag hatte es dann in sich: Nachdem ich zweimal die Gelegenheit hatte, mit Babys zu flirten ( dem Enkel eines Freundes, der mich besuchte, und die Kleine der Nachbarstochter ), unterbrach ich meinen Nähmarathon, um zur Fusspflege und einkaufen zu gehen. 
Meine letzte Station war Tatjanas Stand, um frisches Obst & Gemüse zu kaufen. Als ich bezahlen wollte, war mein Portemonnaie weg. Der junge Mann am Stand bestand darauf, dass ich noch einmal im Drogeriemarkt nachfragen sollte, wo ich zuletzt gewesen war. So optimistisch war ich nämlich nicht. 
Doch dort fand sich tatsächlich das gute Stück! Da hab ich mir glatt noch ein Millefeuille - Teilchen in der Épicerie nebenan gekauft, um zu Hause damit und mit einem frischen Minztee meine Nerven zu beruhigen.




Von Mano/manoswelt hatte sich am Freitagnachmittag auch noch ein Päckchen eingefunden. Doch ich beschloss, alles erst am Samstag auszupacken, damit ich da auch noch eine ( positive ) Überraschung habe. Aber ich danke dir, liebe Mano, schon einmal an dieser Stelle dafür, dass du an mich gedacht & beschenkt hast! Wie schön, dass frau so liebe Menschen um sich hat, und das in Nah und Fern!


Dieser Post wird wieder mit dem karminroten Samstagsplausch verlinkt. Ich selbst eile nun ins Nähzimmer. Winterhose Numero drei ist zugeschnitten und wartet auf die Fertigstellung. Für eine vierte sind die Stoffe schon gewaschen, gebügelt und liegen bereit. Am Sonntag will ich ein großes und ein paar kleinere Pakete für den Versand fertig machen. Vorher müssen alle selbst genähten Kleidungsstücke noch fotografiert werden. Vorweihnachtlich sieht es bei mir noch nicht wirklich aus...



16 Kommentare:

  1. Die Nadeln glühen ja bei Dir in der Maschine. Wie gut, dass Du dennoch zu dem wunderbaren Liedernachmittag gegangen bist und dass Du so nette Nachbarn hast. Und so feine Post hast Du auch bekommen...
    Eine gute Woche, so scheint es mir und Dein kölscher Vor-Text ist so wahr.
    Herzlichst, Sieglinde

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  2. Oh, da hattest du ja echtes Glück, dass dein Portjuche noch da war! Ich glaube, mir wären die Knie auch geschlottert.
    Irgendwie hat es etwas Mystisches, wenn Gegenstände, die einem geliebten Menschen gehört haben, plötzlich leuchten. Das Bild meines Großvaters steht manchmal im vollen Sonnenlicht, als wollte er mir winken. Mich bringt das dann zum Schmunzeln.
    Du wirst verstehen, dass ich Hans Knipp nicht kenne. Kann mir aber vorstellen, dass es ein wunderschöner Abend für dich war.
    Allerliebste Grüße
    Andrea

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  3. Es freut mich sehr, dass Du so nette Nachbarn hast. Ein Liederabend, ich kenne die genannten Lieder, auch wenn ich immer Schwierigkeiten habe, den Dialekt zu verstehen.🤭 Bei Karnevalsendungen im TV übersetzt mir der Göga dann das ein oder andere Wort, damit ich den Witz verstehe. Zum Glück war Dein Portemonnaie nicht verloren, das Millefeuille hast Du aber wirklich verdient bei dieser Aufregung. 😁
    Ganz liebe Grüße Tina

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    1. Mir ist ja auch das Kölsch nicht in die Wiege gelegt worden, sondern das Odenwäldisch ( der Nachbardialekt zu eurem Kurpfälzisch ). Aber die Liedtexte sind jetzt ins Blut übergegangen und manche Wörter in meinen alltäglichen Gebrauch. Dialekt kann Dinge viel treffender wiedergeben, Gefühle, Stimmungen usw. Und es klingt alles nicht so bös auf Kölsch, wie es andernorts schon mal so ist.
      Einen schönen Tag!

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  4. Mit dem Kölschen geht es mir, wie vielen mit dem Schweizerdeutsch, vieles verstehe ich nur im Zusammenhang, aber ich mag die Dialekte sehr gerne. Ja wenn man zahlen möchte und das Portmonee fehlt, da bekäme ich auch Nervenflattern. Ich bewundere dich, wie du das Alleinsein meisterst, ist sicher nicht immer so einfach. Und bei mir ist auch noch nichts Adventlich geschmückt, aber dieses Jahr haben wir ja mehr Zeit.
    Ich wünsche dir eine schöne Adventszeit.
    L G Pia

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  5. So nette Schneefotos bekomme ich gerade auch aus Vermont. Aber da wurde in der Familie Thanksgiving leider gestrichen, weil das große C. den Schwiegersohn und die älteste Enkelin gewischt hat. Die drei anderen waren bereits frisch geboostert.
    Deine Bilder und Worte bringen soviel Wärme rüber.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  6. Ein schönes Zitat von Patti Smith. Dass Gegenstände von verstorbenen Menschen plötzlich zu leuchten scheinen oder frau aus heiterem Himmel plötzlich den Geruch einer geliebten Person, die aber nicht mehr unter uns weilt, wahrnimmt,kenne ich nur zu gut. Da werden dann schöne Erinnerungen lebendig.
    Fein, dass du so eine wunderbare Nachbarschaft hast und, dass sich das Portemonnaie wieder anfand. Da hast du die leckere Belohnung wahrlich verdient.
    Dir einen schönen ersten Advent- er kommt auch ohne viel Deko😉.
    Ganz liebe Grüße aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren
    Lydia

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  7. Was für eine Schrecksekunde, wenn der Geldbeutel fehlt! Ich vermisste in der Woche wieder einmal mein Handy. Wiedergefunden - puh! Nervenaufreibend, diese nächtlichen Suchaktionen, trotz Wo ist?-App.
    Gute FreundInnen und NachbarInnen sind ein Segen, wie ich diese Woche auch erleben durfte.
    Viele liebe Grüße,
    Karin

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  8. Und wieder eine Woche weiter! Ich warte schon immer sehnsüchtig auf deine Beschreibung. Gut, dass der Geldbeutel sich fand, man hat da ja meist auch alle Karten und den Ausweis drin stecken. Was werden sich die Kinder in M. freuen über deine Nähaktivitäten! Und ab und an ein Törtchen, und dann noch mit einem Leuchten des Sofas/der Decke, das ist so herzerwärmend! Ich drück dich, Sunni

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  9. Es freut mich, dass Du so viel unternimmst und dabei auch noch nette Gesellschaft hast.
    Herzliche Grüße
    Astrid rechtsrheinisch

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  10. Das Alleine-sein ist freilich gewöhnungsbedürftig, keine Frage. Und da weiß ich Dir leider, leider keinen Rat. Denn Ablenkung ist ja wohl reichlich vorhanden? Mit Deinen vielen Aktivitäten. Und frau mag eventuell nicht unbedingt unter Menschen gehen? Auf jeden Fall sende ich Dir 'mal eine virtuelle Umärmelung, liebe Astrid und wünsche Dir herzlich einen lebkuchenfeinen 1. Advent.

    Viele Grüße aus Augsburg von Heidrun

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  11. Wenn erstmal Weihnachten vorbei ist liebe Astrid, dann wird es von Woche zu Woche besser. Es wird bestimmt nicht prima, aber doch so, dass man nicht immer das heulende Elend hat.
    Und bei so lieben Menschen um Dich herum, hat das arme Tier doch auch gar nicht die Chance... Immer positiv denken.
    Und die Lieder könnte ich den ganzen Tag singen...
    Ganz lieben Gruß
    Nicole

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  12. Liebe Astrid,
    diese Art des Schreckens kenne ich auch - ich hatte allerdings komplett die ganze Tasche im Auto vergessen. Und die hübsche Tasse hätte ich mir auch gegönnt, hätte es diese auch dort zu kaufen gegeben.
    Ich habe auch Minze im Garten und im Sommer 2020 sehr oft getrunken, frisch als auch als Tee. Und mußte dann leider feststellen, dass es wohl doch zu viel Menthol war, ich bekam Magenschmerzen. Wie so oft im Leben - das gesunde Maß war überschritten, viel hilft nicht immer viel.
    Alle paar Tage eine Tasse - das reicht mir mittlerweile und bekommt mir.
    Auch ich wünsche dir einen friedlichen 1. Advent,
    liebe Grüße aus dem westlichen Münsterland - Brigitte

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  13. Liebe Astrid,
    das hört sich doch nach einer guten Woche an. Und es freut mich für dich! Wie schön, dass deine lieben Nachbarn dich zu dieser Veranstaltung mitgenommen und dir das Abendessen am Küchentisch erspart haben.
    Das Licht auf dem Sofa - wunderschön! Auch die Erinnerungen dazu...
    Ich wünsche dir einen feinen Adventssonntag! Bei mir ist auch noch gar nichts adventlich dekoriert. Ist zwar schade, aber auch egal ;-).
    Liebe Grüße
    Ingrid

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  14. wieder eine sehr schöne Wochenübersicht ..
    ja..an deinem Eingangspruch knabbere ich auch gerade etwas..
    man kann nichts halten..
    wie schön dass du doch so viel Abwechslung hast und liebe Nachbarn..
    die Lieder von den Black Fööss kenne ich auch alle ;)
    das mit der Geldbörse ist mir ebenso gerade erst passiert
    ich hatte im Globus in der Passage etwas in der Reinigung abgegeben
    und war dann noch kurz einkaufen und an der Kasse vermisse ich mein Geld
    schnell an die Information.. es war zum Glück da.. ich hatte es an der Reinigung liegen lassen
    uff ..
    ich wünsche dir noch eine schöne Woche
    Rosi

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  15. weil ich zur zeit so gar keinen kopf für blogs habe, komme ich erst jetzt dazu, wenigstens bei dir ein wenig zu lesen.
    die black fööss haben wir früher auch oft gehört - auch ohne jeglichen bezug zum karneval. bei einigen liedern hätte ich bestimmt auch laut mitgesungen!
    deinen 12tel blick hab ich auch gerade angeschaut. wie schön diese mooskugeln aussehen! die amseln hat es bestimmt gefreut. hier haben wir leider nur wenige, aber die essen gerne apfelschnitze.
    schön, dass meine post angekommen ist und dir freude macht!!
    das wars erstmal in kürze! ich schicke ganz viele liebe grüße!!
    mano

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