Sonntag, 29. August 2021

Mein Freund, der Baum: Strauch-Rosskastanie & Schlitzblättrige Rosskastanie

Mir fehlten in den letzten Wochen & Tagen Zeit und Muße, um mich draußen umzutun und einen Baum fürs heutige Porträt zu finden. Beim Besuch des Botanischen Gartens Mitte Juli ist mir aber eine Kastanie mit ihrer schönen Blüte ins Auge gestochen, so dass ich die heute einmal vorstelle, auch wenn sie eher wie ein Strauch wächst.

 
Es gibt dreizehn Kastanienarten in der Gattung Aesculus innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse Sapindaceaeheutzutage fünf Arten in Indien und Ostasien, sieben Arten in Nordamerika und eine Art, die gewöhnliche Rosskastanie, in Südost-Europa ( hier ist eine Übersicht der wichtigsten zu finden, hier mein Post über die Rosskastanie, hier etwas über die Pavie ). Sie sind alle auf die Nordhalbkugel beschränkt und kommen vorwiegend in der gemäßigten Klimazone vor. Analysen im Braunkohleabbau haben aufgezeigt, dass die uns allen bekannte Rosskastanie bereits vor der letzten Eiszeit in Mitteleuropa gewachsen ist. Durch die Eismassen wurde sie nach Süden verdrängt und verbreitete sich über die Balkangebirge und Kleinasien bis zum Himalaja.

Die Strauch- Rosskastanie Aesculus parviflora ( was soviel wie "kleinblütige" bedeutet ) kommt ursprünglich in einem relativ eng begrenzten Gebiet in den Vereinigten Staaten von Amerika vor, nämlich im Südosten von South Carolina über Alabama bis nach Florida. Dort ist sie in lichten Wäldern und an Waldrändern zu Hause.

Bei uns findet sie Verwendung in größeren Gärten. Durch ihre späte, auffällige Blüte ist sie ein eindrucksvolles Ziergehölz in einer Zeit, in der heimische Arten längst Früchte ausbilden.

Durch ihre unterirdischen Ausläufer breitet sich die Strauchkastanie relativ stark aus und entwickelt sich – wie der Name sagt – zu einem beachtlichen Strauch. Sie ist ein Flachwurzler, der lockere und ausreichend feuchte Böden in sonniger bis halbschattiger Lage bevorzugt. 20 - 30 Zentimeter gewinnt sie unter diesen Bedingungen jährlich an Höhe, die letztendlich bei drei bis vier, selten fünf Metern maximal erreicht ist. Mit zunehmendem Alter werden die bogig aufrechten Grundtriebe zunehmend dichter und das Gehölz wird meist viel breiter als hoch: Nicht selten kann Aesculus parviflora sich über zehn Meter  ausbreiten.

Das sehr ansehnliche Laub ist – wie für Rosskastanien typisch – handförmig und fünf- bis siebenteilig. Die sommergrünen Blätter sind gegenständig angeordnet und werden 8 bis 20 Zentimeter lang. Beim Austrieb sind diese bronzefarben, später wechseln sie ins Grüne. Im Herbst nehmen die Blätter ein strahlendes Gelb an. Bevorzugt angepflanzt wird diese Kastanienart aber wegen der weißen, in aufrechten Rispen stehenden Blüten im Juli bis August. Diese sind bis zu 30 Zentimeter lang. Die weißen, wohlriechenden Blüten sind zwittrig und haben rosa Staubblätter mit roten Staubbeuteln.

In den Abendstunden verströmen die Blüten einen zarten Duft und werden daher gerne von Nachtfaltern besucht und bestäubt.

Die gelb-braunen, stachellosen Kapselfrüchte von Aesculus parviflora reifen vom September an bis in den Oktober hinein. Sie sind eiförmig, allerdings auf dem Kopf stehend, und wesentlich kleiner, runder und heller als die der uns so wohl bekannten Rosskastanie.

Fotograf: Armin Kübelbeck
CC-BY-SA 
Wikimedia Commons


Die Strauchkastanie ist in unseren Breiten frosthart und übersteht Temperaturen bis zu minus 26° C. Sie enthält wie die Gewöhnliche Rosskastanie den Giftstoff Aescin, ist aber anders als ihre große Schwester nicht anfällig für die Rosskastanienminiermotte, generell ist sie eher eine gegen Krankheiten und Schadinsekten resistente Pflanze. Das Aescin übrigens wird genutzt bei der Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen sowie von Schwellungen nach Operationen oder Sportverletzungen.


Am Ende meines Besuches im Botanischen Garten habe ich noch eine andere Aesculus - Art entdeckt: Die Schlitzblättrige Rosskastanie Aesculus hippocastanum ‘Laciniata, auch Gespenster - Kastanie genannt, eine europäische Art. 1843 wurde das erste Exemplar dieses merkwürdigen Baumes in Frankreich gefunden. Es handelt sich dabei um eine Mutation, die als botanische Rarität gilt.



Auch diese Sorte wächst nur zu einem zierlichen, mittelhohen Baum heran, der vor allem wegen seines besonderen Blattes  begehrt ist. Jedes Blatt ist handförmig aufgeteilt wie bei den Kastanien üblich, doch in diesem Falle gibt es am selben Baum variable Formen, alle tief eingeschnitten mit langen, schmalen Zipfeln ( daher "Laciniata", lateinisch für "in Zipfel aufgeteilt"). Manche Blätter sind fast drahtdünn. Der kleine, locker verzweigte Baum erreicht eine Höhe von 12 Metern.


Nun seid ihr wieder dran, liebe Baumfreund*innen, eure Entdeckungen in Feld, Wald und Wiese in puncto Bäume hier zu verlinken. Die Möglichkeit dazu habt ihr diesmal vier Wochen lang.




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10 Kommentare:

  1. Danke, liebe Astrid,
    dass ich den schönen Maulbeerbaum hier verlinken darf. Er ist wirklich ein Prachtexemplar. Die Strauchkastanie habe ich auch erst kürzlich zum ersten Mal gesehen. Sie war mir bis zu diesem Jahr noch gar nicht bekannt. Dafür haben wir im Taunus herrliche Ess-oder Edelkastanienhaine. Das ist ein bisschen ungewöhnlich, aber schön. Deine letzten Beiträge habe ich alle gelesen, wenn auch nicht immer kommentiert. Ich weiß bei dieser Informationsflut nie, womit ich anfangen soll.
    Ich wünsche dir einen angenehmen Sonntag.
    Herzliche Grüße - Elke

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  2. Danke für die Vorstellung! Bewusst habe ich diese Kastanienart noch gar nicht gesehen. Du hast mal wieder meinen Blick geschärft.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Ha, da hast du mir mit deinem heutigen Porträt meine Frage nach dem blühenden Strauch am Schloss Lembeck beantwortet... toll, dass ich jetzt die anziehenden Blüten identifiziert habe.
    Dein Porträt war wieder sehr aufschlussreich, denn eine Strauchkastanie kannte ich bislang noch nicht.
    Hab einen feinen Abend und einen guten Start in die nächste Woche.
    Lieben Gruß, Marita

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  4. Liebe Astrid, da hast du wieder etwas Besonderes gefunden. Mit deinen Infos geht man gleich interessierter durch Parks und besonders alte Anlagen. Tolle Baumexemplare finde ich ja immer wieder im Park des Schlosses Altenstein, Libelingsort des Theaterherzogs und seines Freundes Brahms. Aber die schönsten Kastanienhaine stehe für mich an den Berghängen hinauf nach Soglio im Oberengadin, der "Schwelle zum Paradies". Herzlich und mit Dank für deine vielen Recherchen, Sunni

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  5. Heute habe ich nur quergelesen, aber die Edelkastanie ist mir wohlbekannt, weil sie im Nachbarsgarten steht. Als ich vor 35 Jahren eingezogen bin, war sie nur ein kleiner, dünner Stamm. Heute ist sie ein richtig schöner Baum und die Blätter erfreuen mit sehr mit ihren markanten Zacken. Die Strauchkastanie kannte ich noch nicht, ebenso die Gespenster-Kastanie. Was Du uns alles zeigst?!
    Liebste Grüße von Sieglinde

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  6. aus den rostroten glatten Kastanien habe ich früher immer Männchen gemacht fällt mir beim Anblck deiner herrlichen Kastanienbäume ein. die sind ja wirklich eine wahre Pracht und so ausladend habe ich sie noch nirgendwo gesehen, da sieht man was sich einem nicht so schnell erschließt dann, wenn man die Botanischen Gärten weit weg weiß und sie nicht mehr besuchen kann.
    Als ich noch "Städterin war und mich viel Besuch beglückte sind wir oft zu Konzerten dort im Grase gesessen und haben den Klängen unter den hohen Bäumen gelauscht, sie genossen.
    du erinnerst mich stark mit deinen Bildern und deinem Post daran, dafür danke ich dir zumal ich viel Neues über die Riesen erfahren konnte, ...
    es sind wunderbare Bilder und sehr viel kostbare Info...herzlichst angel

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  7. Ich komme wieder mit meiner Weide, der Baum und ich sind so vertraut und neuerdings spaziere ich dort auch mit der Enkelin hin, wenn sie zu uns kommt. Wenn sich der Pegelstand wieder normalisiert hat, kann sie sie sich dort lange verweilen mit mir. Die Vorstellung deines Strauches ist sehr interessant und hat meinen Horizont erweitert.
    L G Pia

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  8. Liebe Astrid,
    die Strauchkastanie kannte ich noch nicht - jedenfalls habe ich sie noch nicht bewußt wahrgenommen - und diese Gespenster-Kastanie ist mir ebenfalls unbekannt. Werden diese Arten auch von der Miniermotte angegriffen? Bei unseremBeusch im Pottendorfer Schlosspark neulich sahen die Rosskastanien schon entsetzlich herbstlich aus...
    Herzliche Sonntagabendgrüße und eine gute neue Woche!
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2021/09/ausflug-in-die-johannesbachklamm.html

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    1. Nein, die werden in der Regel nicht befallen bzw. die Larven können sich nicht weiterentwickeln. Es betrifft wirklich nur die weißglühend, aus den Schluchten des Balkan stammende Art.
      LG

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  9. Liebe Astrid,
    gerne habe ich meine Trauerweide auch noch bei dir hier verlinkt !
    Danke für die Anregung.
    ♥lichst Jutta

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