Freitag, 4. Juni 2021

Zur Erinnerung

an die 
Dichterin
&
"Grande Dame der österreichischen Literatur"
Friederike Mayröcker


die heute im Alter von 96 Jahren 
in Wien gestorben ist,
wie der Suhrkamp Verlag 
unter Berufung auf ihr engstes Umfeld mitgeteilt hat.

Die "Wunderfee und Küchenmagd der Poesie"
wie sie einmal genannt wurde,
hat uns ein umfangreiches Werk hinterlassen
zum Rätseln, Wundern und Ergötzen:


DIES DIES DIES DIESES ENTZÜCKEN ICH KLEBE AN DIESER ERDE  
an dieser hinschmelzenden Erde an diesem Baldachin eines 
Junihimmels dessen Bläue in Wellen gebauscht und mit tiefen 
Schwalben: ich meine trunken und zuweilen verborgen, scheinen 
sich zu verbergen in irgend Buchten und Malven Holunderbäumen : 
wilden Monstranzen ... die Luft ist wie damals, ja, die Luft
wie damals in D., die Zirren nein Zirben die Wolfsmilchstauden
VON ANBEGINN : alle Schmerzen aller Wahn schon Ewigkeiten vorher 
seit Ewigkeiten erlitten, die lilies Magnolienfelder, von oben
von irgendwoher ich glaube aus verhülltem Gezweig diese
einzelne Stimme mich durchdringt : mein unsichtbarer
Liebster in dieser Baumkrone ach jubiliert! diese Lust diese
Süsze ich KLEBE an dieser Flammen Erpressung an diesem
Licht an diesem Himmel, sage ich, etwas Hawaii oder möchte
in BURGUNDISCHEN GÄRTEN über Maszliebchen Erde ... was!
Flitzerei / plötzlicher Engel, habe diesmal versäumt
die ersten Schwalben zu sichten in ihrer Inbrunst nicht wahr, 
diese Luftbeute, Wollust der Augen, ach ich KLEBE an diesem 
Leben an diesem LEBENDGEDICHT.


An solch einem strahlenden Junitag,
dessen Sinneseindrücke
sie auf ihre unvergleichliche Art
sprachlich eingefangen hat,
musste sie für immer gehen.



RIP

                                                    

Hier ist mein Porträt von ihr nachzulesen.



5 Kommentare:

  1. Friederike Mayröcker war für mich ja immer schon irgendwie eine Legende. Ihre Poesie so eigenwillig wie sie als Person.
    Dein wunderbares Great Woman Portrait von ihr habe ich nun nochmals gelesen. Was für ein langes und wortreiches Leben nach einer wortkargen Kindheit.
    Besonders schön fand ich den Satz über ihre Beziehung zu Ernst Jandl:
    "Keiner hat die Einsamkeit des anderen angetastet."
    Ihre hat auch nie jemand anders wirklich angetastet, das ist für mich das Geheimnis ihrer Poesie.
    Möge auch der Himmel ihr, dem Engelgotteskind, diese wohltuende Einsamkeit bewahren.
    GLG Sieglinde

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  2. An einen solchen Tag zu gehen...ohh!
    Aber irgendwie zauberhafter als mitten im Winter -
    Und sie hat so viele Reichtümer&Bereicherungen hinterlassen...
    Danke für Deinen Hinweis - ich hatte mein Leben heut medienfrei verbracht und es noch nicht gewuszt, bis zu Deinem Kommentar.
    Herzlichst
    Mascha

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  3. Danke, liebe Astrid, für dein Gedenken. Ja, eine der ganz großen Sprachmalerinnen ging für immer an einem Junitag in Wien. Was für ein großes Leben! Und was für ein Glück für uns, dass so viel bleibt. Herzlich, Sunni

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  4. Als ich die Nachricht von ihrem Tod hörte, habe ich an dich gedacht. Du hast sie so gekonnt porträtiert.
    LG
    Magdalena

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  5. Eine spannende Frau. Hab dein Porträt gleich nochmals gelesen, das tue ich nun immer wieder. Mir kommt eine tolle Frau unter und ich schaue mal ob du nicht was über sie geschrieben hast.

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