Montag, 4. November 2019

Unterm Pappelflaum



Als Kind habe ich nachts unter solch dicken Plümos geschlafen, wie sie der gute Wilhelm Busch für den Onkel Fritze gezeichnet hat. Die waren nicht nur dick wie ein Ballon, sondern auch schwer, fast wie ein Wackerstein, ein echter Alp ( einschlägige Träume gratis )! Weil mit allem an Federzeug gefüllt, das in einem bäuerlichen Haushalt halt so anfiel, kamen da leicht fünf Kilo an Gewicht zusammen. Daunen? Das war schon der reinste Luxus. Ich erinnere mich, wie meine Oma noch Jahre später darüber verärgert gewesen war, dass mein Vater eine edlere Federbettvariante zum Studium mitbekommen und dann am Studienort zurückgelassen hatte.

Im Winter lief man, da Schlafzimmer grundsätzlich ungeheizt waren ( ich kenne auch noch Eisblumen auf den Fensterscheiben ), leicht Gefahr, dass es links und rechts unter einem solchen Plümo ordentlich durchzog, wenn man ein unruhiger Schläfer war. Also blieb man besser so liegen wie der Onkel auf dem Bilde...

Ich war froh - und meine Mutter besonders stolz -, als modernen Kassettenbetten in unsere Haushaltung einzogen, und auch wir Kinder nach und nach welche bekamen. Die wurden auch regelmäßig gereinigt und ergänzt mit neuen Federn in neue Inletts eingefüllt.

Richtig luxuriös fand ich dann eine solche in Übergröße, gefüllt mit reinen Daunen in einem feinen Inlett, die ich mir & dem Herrn K. von meiner Rente gekauft habe. Die hatte ich mir nämlich auszahlen lassen, als ich ins Beamtenverhältnis übernommen worden war. Es war immer ein besonderes Vergnügen an diese Tatsache zu denken, wenn ich unter der federleichten warmen Decke lag, und steigerte das Wohlbehagen.

Später gab es dann noch Decken mit Seidenfüllung für den Sommer und solche mit Kamelhaar. Und auch ein Riesenteil von 220x220 Zentimeter - Größe, gefüllt mit einer High - Tech - Faser, zog bei uns im Winter vor sechs Jahren ein und wurde zunächst für gut befunden ( als die Winter noch kalt genug waren ).



In letzter Zeit waren wir mit unseren Bettdecken aber recht unglücklich: Ich schlafe oft die halbe Nacht, ohne zugedeckt zu sein, weil ich sonst zu sehr schwitzen würde. Und der Herr K., der nicht schlafen kann ohne Decke bis zur Nasenspitze, hat morgens klatschnasses Schlafzeug am Leib.

Zufälligerweise stieß ich beim Schreiben dieses Bäumeposts auf die Eigenschaften von Pappelflaum und auf die Verwendung desselben in Bettdecken. Da habe ich mich ein paar Abende mit dem Thema beschäftigt und schließlich gewagt, einen Auftrag für die Herstellung einer solchen Decke zu veranlassen. ( Was da alles passiert, bis so eine Decke entsteht, zeigt diese Lach- und Sachgeschichte mit der Maus. )

Was beim Pappelflaum nicht übertroffen werden kann, ist die "Kurzzeit-Feuchteaufnahme": Eine solche Zudecke nimmt die auf der Haut entstehende Nässe prompt auf und leitet diese überschüssige Feuchtigkeit sofort an die Zimmerluft weiter. Pappelflaum sorgt für Wärme ohne Hitzestau - genau das, was wir brauchten! 

Die sehr großen Hohlräume des pflanzlichen Stoffes machen ihn extrem leicht ( die feinste hohle Textilfaser überhaupt ). Im Gegensatz zu Daunen wird der Pappelflaum mit der Zeit nicht spröde und gibt keine pieksigen Federkiele ab. Aufgrund seiner Feinheit kann er aber nicht in reiner Form verarbeitet werden, er benötigt also immer Trägerfasern wie Seide, Leinen, Flachs, Schafwolle oder Kamelhaar und wird mit solchen in ausgeklügelter Technik zu zarten Vliesen verarbeitet und meist mit Perkal, einem dicht gewebten, mittelschweren und feinfädigem Baumwollgewebe in Leinwandbindung, umhüllt.



Für unsere Ansprüche war die Pappelflaum - Seide - Kombination die erste Wahl, denn die erreicht Spitzenwerte bei der Regulierung von Humidität & bei der Atmungsaktivität. Wir entschieden uns für eine leichte Decke mit 50% Pappelflaum plus 50% Tussahseide in punkto Volumen ( das sind 30% Pappelflaum plus 70% Seide, was das Gewicht anbelangt ).

Sieben Hersteller in Baden-Württemberg, Bayern, Österreich und der Schweiz produzieren inzwischen Bettdecken mit einer Pappelflaumfüllung. Die Kosten bewegen sich in etwa auf dem Niveau von Tierhaar- oder einer leichten Daunendecke. Ich habe mich dann an die Wohnwerkstatt Kupferzell gewandt, die für uns die Herstellung einer Decke nach unseren Wünschen veranlassten.

Vor vier Wochen bekamen wir sie zugeschickt und haben sie natürlich sofort ausprobiert.

Und siehe da: Ich habe mir nicht zu viel versprochen! Die Schwitzerei bzw. die arg feuchte Nachtwäsche am Morgen gehört der Vergangenheit an ( zwei Nächte im Hotel vor einer Woche unter den hotelüblichen Decken mit Synthetikfüllung brachten dann auch gleich den Gegenbeweis, da war wieder alles beim Alten ). Endlich haben wir also eine Zudecke, die einen weder kalt lässt noch ins Schwitzen bringt.

Was noch bei Entscheidungen für eine solche Decke interessant sein dürfte: Pappelflaum ist hypoallergen, rein pflanzlich und wird weder während des Wachstums, der Ernte noch während der Verarbeitung chemisch behandelt oder ausgerüstet. Zur Gewinnung müssen keine Felder bewirtschaftet, gedüngt und chemisch behandelt werden. Pappelflaum ist ein nachwachsender Rohstoff.

Bleibt die Frage nach der Pflege: Jedes Textil leidet unter zu häufigem Waschen. Dies gilt für Bettdecken in besonderem Maße, da sie ungewebte flauschige Vliese enthalten. Solche aus Synthetik- oder Daunen-Material müssen wegen ihrer schlechten Feuchteregulierung bzw. weil sich bei diesen Schweiß und Geruchsstoffe eher absetzen, häufiger gewaschen werden. Bettdecken mit Pappelflaum besitzen eine hervorragende Feuchtigkeitsregulierung und brauchen daher nur selten oder gar nicht gewaschen werden. Die optimale Deckenpflege in diesem Fall: Bettbezug waschen und Decke an der frischen Luft lüften!

Und zum Schluss noch: Werbung betreibe ich hier nicht, denn ich habe selbst die Initiative ergriffen, um eine solche Decke ins Haus zu holen und habe sie auch aus eigener Tasche bezahlt. Die Wohnwerkstatt bzw. der Hersteller weiß gar nichts von diesem Post. Mein Motiv: Die gute Erfahrung und die ökologische Seite der Sache!






Kommentare:

  1. da habe ich bei dir neues erfahren..
    ich schlafe auch im heissen sommer unter doppelter daunendecke, ohne zu schwitzen :))) liebe grüsse

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  2. ...das ist sehr interessant, liebe Astrid,
    und ich hatte davon noch nie gehört...ich habe eine Kamelhaardecke, die mir im Sommer und im Winter angenehm ist, das geht schon ein paar Jahre gut so und hoffentlich noch immer weiter...

    liebe Grüße Birgitt

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  3. hach jaa..
    darauf habe ich schon gelauert dass der Pappelflausch nicht alleine verarbeitet wird konnte ich mir schon denken
    da habt ihr ja für euch das Optimale gefunden
    danke für den Bericht
    dicke Federbetten hatten wir früher auch.. dann die Kassettendecken

    ich schlafe jetzt im Winter mit 3 Decken da es im Schlafzimmer nicht geheizt ist und meist das Fenster auf kipp ;)
    eine ist mit Baumwollfüllung.. die nehm ich im Sommer alleine wenns heiß ist ..dann eine mit Synthetik ..
    hach die ist so kuschelig und leicht da habe ich immer meine Freude dran
    im Winter wandert sie nach unten .. also direkt zum Körper und obendrüber ist noch eine Flauschdecke
    dazu verwende ich ein Gegenschlagtuch
    je nach dem ob ich schwitze oder friere wird das "Sandwich" gepackt :D

    dann wünsche ich euch eine gute Nachtruhe

    liebe Grüße
    Rosi

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  4. wie geil issn das bitte? Für eine alte vegane häsin doch mal was neues. was für ein spannendes material! danke für den input! bin mit meiner biobaumwolldecke derzeit allerdings noch topzufrieden.
    liebst,
    jule*

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    1. An dich habe ich bei der Recherche auch oft gedacht, denn inzwischen mag ich auch in Gedanken an das Federvieh nicht mehr so gerne unter Daunen liegen.
      Nun: Seide ist jetzt auch nicht so einwandfrei vegan, gebe ich zu. Aber es scheint wohl auch Mischungen mit Baumwolle und Leinen zu geben. Es hat allerdings alles seinen Preis. Aber billig alles der Natur abringen, bringt un s ja langsam aber sicher in die Bredouille.
      GLG

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  5. Ich finde das ja so was von toll! Pappelflaum! Der ist hier immer mehr als genug unterwegs und wenn es so eine gut Alternative ist. Natürlich muss das dann *industrieller* angebaut werden, aber eine alternative Denkungsweise allemal! Die dicken Plymos kenne ich auch noch, allerdings nicht so schwer.
    Liebe Grüsse und Danke für das schöne Portrai.
    Nina

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    1. Offensichtlich ist das (noch) nicht notwendig. Die Gemeinden, in denen die Pappeln wachsen, sind froh, wenn sie sich nicht um die Entfernung des Flaums kümmern müssen und die Firmen vorher abernten und gleichzeitig Baumpflege betreiben.
      LG

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  6. Sehr interessant, liebe Astrid...hat mich doch schon die Postüberschrift neugierig gemacht. ;-) Das kannte ich bislang auch noch nicht - da wünsche ich dir eine angenehme und erholsame Nachtruhe unter deiner feinen Zudecke.
    Lieben Gruß, Marita

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  7. von Helga:

    Liebe Astrid,

    ja, toll, mein Freund der Baum in unseren Schlafzimmern. Hast Du super recherchiert und auch umgesetzt. Der Baum ist maskulin, ersatzweise auch für "der" im Bett. Gar nicht so schlecht für mein Alter. 😂 Der Pappelflaum reguliert uns und somit die Temperatur an unseren stetig kalten Füßen, brauchts kein Gekrabbele mehr nach einer warmen Stelle beim Nachbarschläfer.
    Einer schwitzt, einer friert, so findet jeder das für sich wo er sich wohlfühlt. Das freut mich für Euch, daß ihr es gefunden habt. Die Naturvölker haben es uns doch vorgemacht wie man von der Natur profitieren kann und in Einklang mit ihr Leben kann.
    Sag ich doch dauernd, maßhalten, besinnen und zurückrudern. Geht doch....
    Ich bin hier gut gesegnet, ich habe keine Schwitzprobleme und wenn mir kalt ist, geh ich in den Keller radfahren oder staubsaugen. Ratz Fatz ist mir wieder angenehm.
    Analog verlief es bei uns zuerst die Daunenkassettendecke zum Wenden (mit dem unverschämten Glück, daß wir nie eine Rechnung erhielten, dass uns frisch Vermählten mit schmalem Geldbeutel ganz gelegen kam), dann Schafschurwolle, hat Mama herausgefunden, später dann Paradiesbett mit Hohlfasern, bis heute.
    So liebe Astrid, genug Schlafzimmergeheimnisse preisgegeben, gutes Ruhen im neuen Pappelflaumbett wünschen Euch Beiden, Helga und Kerstin

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  8. Das finde ich ja megaspannend. Da muss ich auch gleich mal schauen bei den Herstellern. Solcherart Naturmaterial würde mir auch gefallen. Momentan habe ich Seide, das war meine Sommerdecke, aber selbst die ist mir zu warm oft genug. Nun bin ich gespannt, was ich im Winter nehme.
    Eisblumen am Fenster hatte ich in meinem Kinderzimmer auch, die kenne ich gut. Der Ölofen musste erst angemacht werden, dann kam langsam Wärme in die Bude. Aber in der Küche war es warm.
    Danke für Deinen Erfahrungsbericht, der sehr inspirierend ist.
    GlG Sieglinde

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  9. höchst interessant! von nächtlichen schweißausbrüchen kann ich auch einiges erzählen...
    ist sie auch so schön kuschelig wie eine daunendecke, die man so hübsch um den körper fälteln kann? denn das ist mir besonders wichtig!
    liebe grüße
    mano

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  10. Ohh - Pappelflaum! Den finde ich immer haufenweise im Bürgerpark, schade nur, dasz ich mir so eine Decke nicht einfach selbst herstellen kann... Diese schweren Federbetten kenne ich noch sehr gut auss den billigen DDR-Urlaubsquartieren, die immer mit dem häuslichen "Abfall" der Wirtsleute versorgt wurden, sprich: durcgelegene Matratzen und alptraumschwere Decken (viele Autisten mögen das, ich gehöre aber nicht dazu) und als Kind war ich oft mit in der Bettfedernreinigung, damals eine ganz normale und stark frequentierte Einrichtung. Hab gerne zugeschaut, wie sie hinter einer Glaswand herumwirbelten... Ach ja,das sind so Erinnerungen.
    Dunkelblausilbermondscheindurchwirkte Grüsze
    Mascha

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  11. Ah, danke für diesen spannenden und interssanten Bericht. In so eine feine Decke würde ich mich auch gern ein mal probeschlafend kuscheln.

    Liebe Grüße
    Andrea

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  12. Spannend zu lesen! Ich selbst habe leichte Daunen, im Sommer wie im Winter, dann allerdings mit Wolldecke drüber und vorher mit Körnerkissen aufgewärmt...
    LG Ulrike

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