... ist heute das Thema in meinem freitäglichen Post zum saudi - arabischen Blogger Raif Badawi, von dem es immer noch keine neuen Nachrichten gibt. ( Und zum amerikanischen Desaster am 9.11.: meine Gedanken dazu im Sonntagspost. ) Was mich zur Zeit aufregt, immer wieder, ist das Leugnen der Verantwortlichen in der Türkei ( und die Ignoranz mancher türkischer Mitbürger ), dass das Land vor den Toren Europas einen Weg eingeschlagen hat, der nicht nur mich an die Dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in unserem Land denken lässt.
"Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, wird gezwungen, sie wieder zu erleben."
Traurig, dass man meint, solche Selbstverständlichkeiten noch betonen zu müssen...
Der Journalist Jürgen Gottschlich, der in Istanbul seit Jahren lebt, beschrieb Ähnliches in diesem Radiobeitrag vom Montag und lieferte eine Analyse der Entwicklung. Herr E. hat seiner Meinung nach einen "Turbo eingeschaltet" und eine politische Entwicklung forciert, für die sonst Monate gebraucht worden wären. Sicher sei man in der Türkei nur noch, wenn man seinen Acker bei Konya bearbeite. Für kritischere Geister gäbe es nur Gehen oder Bleiben. Und wenn man sich für die Türkei entscheidet und zu protestieren gedenkt, dann immer im Bewusstsein des Risikos, dass Widerstand ziemlich schnell übelst sanktioniert wird.Das sehe ich zwar auch so, mag aber meinen Mund nicht halten, denn es ist meine tiefste Überzeugung, dass sich da in der Türkei ein "islamo-faschistisches" Regime etabliert. Und ich gehöre nicht zu denen, die die Vergangenheit vergessen hat - siehe oben!
Trotz der jüngsten Verhaftungswelle gegen Journalisten und Oppositionsabgeordnete in der Türkei bemüht sich unsere Regierung um Kontakt zu Ankara, und Außenminister Steinmeier reist nächsten Dienstag zu Gesprächen dorthin. Ich finde dies richtig, nachdem ich erfahren habe, wie wichtig das den Inhaftierten ist. Auch der HDP-Co-Vorsitzende Selahattin Demirtaş, inzwischen im berüchtigten Foltergefängnis von Edirne untergebracht, hat sich am Mittwoch mit einer Botschaft an die Außenwelt gewandt und seinen Wunsch nach Unterstützung formuliert.
Auch wenn Raif Badawi bisher nicht frei gekommen ist - ich bin mir sicher, dass ihn unsere anhaltende Aufmerksamkeit bisher vor weiteren grausamen Stockschlägen bewahrt hat. Und das kann ich mir für die in der Türkei Inhaftierten Demokraten auch vorstellen.
Heute Mittag dann die Meldung: Akın Atalay, Herausgeber der regierungskritischen Zeitung "Cumhuriyet", ist in Istanbul verhaftet worden. Er kam gerade aus Berlin, wo er eine Veranstaltung der Kölner Dependance der türkischen Oppositionspartei CHP besucht hatte....


Der Satz von Peter Weiß bringt es auf den Punkt, kurz und prägnant!
AntwortenLöschenErschreckend die Parallelen zwischen dem Beginn der Nazizeit und dem, was sich im Moment in der Türkei abspielt.
Trotz allem ein schönes WE,
Monika
Darin stimme ich Dir, wie Du weißt, voll und ganz zu. Die Beitrittsverhandlungen zur EU gehören endgültig und unmissverständlich gestoppt. (Auch ein Grund, warum hiesige Bürger wütend werden? ich sinne gerade darüber, warum länderübergreifend die Menschen immer unzufriedener mit ihren etablierten Parteien und Politiker werden.)
AntwortenLöschenLiebe Grüße
Andrea
Ich habe in der Türkei so weltoffene, liberale Menschen kennengelernt, die DAS doch nicht unterstützen können. ????????????????????????????????????????????????????????????
AntwortenLöschenJa. Den Vergleich zu A.H. ziehe ich an dieser Stelle auch.
Angela Merkel hat von Trump „Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde jedes einzelnen Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung“ eingefordert. Schade, dass sie für Herrn E nie ansatzweise solche Worte gefunden hat.
AntwortenLöschenSchönen Abend!
Die Entwicklung in der Türkei macht mir auch fast noch größere Sorgen als der neue amerikanische Präsident. Wie kann das türkische Volk diesem Faschismus ihres Präsidenten nicht nur zusehen, sondern ihn auch noch mehrheitlich bejubeln? Auch meine vielen türkischen Nachbarn zucken nur die Schultern und finden gut, was da passiert. Wie kann das sein, wenn man hier aufgewachsen ist, die Demokratie kennengelernt hat, dass man sich zurücksehnt ins Großosmanische Reich (wie es Erdogan inzwischen ja auch ganz offen anspricht)? Wie kann man ein solches Vorgehen, solche Säuberungsaktionen gutfinden? Mich lässt das bestürzund sorgenvoll zurück. :-(
AntwortenLöschenLG, Katja
Die Sehnsucht nach dem starken Mann greift um sich ( gut, in Frankreich soll es denn ne Frau sein ). Ist ja hierzulande nicht anders. Wenn da jemand umsichtig und menschlich handelt, wird eher rumge-trumpt ( trumpen= schwedisch für mürrisch, schmollend, verdrießlich ).
LöschenGLG
Liebe Astrid,
AntwortenLöschenschau mal, vielleicht interessiert dich dieses Interview mit der Politologin Elham Manea:
http://derstandard.at/2000047393156/Politologin-Elham-Manea-Keine-Sonderrechte-fuer-Muslime
LG
Veronika
Danke für den Hinweis. Elham Manea ist mir aufgrund ihres Einsatzes für Raif Badawi ein Begriff.
LöschenLG
Er wird auch im Interview erwähnt - ich dachte gleich an dich und dein Thema hier!
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