Donnerstag, 31. Oktober 2013

Halloween



1990 hatte meine Tochter mit der Tochter von Freunden vom Frühjahr an über den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein "Feuerland - Indianer" gespielt. 
Dabei waren Zelte improvisiert, Kräuter gesammelt & damit experimentiert, Kleidung erfunden & hergestellt worden usw. 
Jedes Wochenende waren sie mit den nötigen Utensilien in einem Einkaufswagen in den einen oder den anderen Garten gezogen, bis der Herbsteinbruch den beiden klarmachte, dass das schöne Spiel im Freien ein Ende haben würde. Und so kamen sie auf die Idee, das Ende eines schönen (Spiel-) Jahres mit einem besonderen Fest zu feiern, einem Lichterfest, bei dem es Kaninchenbraten, Petersiliensuppe, Bratäpfel geben sollte.

Die beste Gelegenheit dafür war der Abend vor dem 1. November,  denn an Allerheiligen hatten wir alle frei und konnten deshalb am Vorabend lange aufbleiben. Zum Fest kamen unsere Freunde mit einer weiteren Freundin, insgesamt sieben Personen. Natürlich wurden ganz viele Lichter drinnen wie draußen aufgestellt, die Erwachsenen trugen passende Musik zusammen und lasen Texte zu Übergangsbräuchen bei fremden Völkern vor.

Von da an feierten wir Jahr für Jahr an diesem letzten Abend im Oktober das Lichterfest, zu dem immer sechs Personen eingeladen wurden. Im Einladungsschreiben baten wir darum, einen Text, ein Bild, eine Musik mitzubringen, die der Person besonders gefiel...



Und irgendwann brachte zu diesem Fest ein Freund einen ausgehöhlten Kürbis mit, ein anderes Mal eine Freundin eine selbst gekleisterte Kürbislaterne - denn es war ja ein "Lichterfest" -  und ohne dass wir es beabsichtigt hatten, waren wir bei Halloween gelandet, bevor es hierzulande üblich ( und vor allem kommerziell ausgebeutet ) wurde.






























Natürlich habe ich mich dann über Halloween informiert und fand es plötzlich gar nicht so weit hergeholt ( nämlich vor allem nicht über den Großen Teich ),  ist doch das Wort die Verballhornung von "All Hallows' Eve" ( Allerheiligen ) und die christliche Version des keltischen Festes der Toten.

Für die Iren war der Abend des Herrn des Todes ein Abend voller Rituale, bei denen man in die Zukunft zu schauen versuchte. ( So heißt es auch heute noch, dass, wenn ein Mädchen vor einem Spiegel einen Apfel schält, ihr Zukünftiger im Spiegel zu erkennen sein wird. )

In sizilianischen Allerheiligenbräuchen galten die verstorbenen Verwandten als die guten Feen ihrer Nachkommen, in Litauen - das als letztes europäisches Land christianisiert wurde - wurde an diesem Tag der Neujahrsbeginn gefeiert und Tiere geopfert, damit der Herr der Unterwelt und seine Geister keinen Schaden im neuen Jahr anrichten.

Gute & böse Geister spielten also an diesem Abend eine Hauptrolle. Dem lag die heidnische Vorstellung zugrunde, dass an den Übergangspunkten zwischen den Jahreszeiten die Möglichkeit besteht, dass die Welt der Geister & die Welt der Sterblichen Kontakt zueinander aufnehmen können.

Viele Herbstbräuche des alten Europa vermischten sich mit Halloween - Gebräuchen wie das alemannische "Räbechilbi", das meine älteste Enkelin in Zürich begeht, oder das "Schnörzen" oder "Singen" am Martinsabend, wie es hier bei uns im Rheinland üblich ist ( ich habe letztes Jahr an dieser Stelle dazu gepostet ).

Jahr für Jahr feierten wir unser Fest, während draußen immer öfter verkleidete Kinder vorbeikamen und nach Süßigkeiten verlangten...

Der mir eigene Perfektionismus führte bei unserem Lichterfest aber zu immer aufwändigeren Menüs und immer ausgefalleneren Dekorationen, so dass es mir in Zeiten beruflicher & privater Krisen über den Kopf wuchs und im Jahr 2000 das letzte Mal stattfand:



Im nächsten Jahr bin ich dann mit meinem Mann lieber zur "Museumsnacht" gegangen, um im ( alten ) Völkerkundmuseum auf der "Yalla - Party" des "Funkhaus Europa" so richtig abzutanzen...

Habt es fein heute Nacht, egal wo ihr seid!
Astrid


Nachtrag: Auch Éva hat heute einige Gebräuche rund um diese Tage gesammelt und gepostet. Schaut mal hier!

Kommentare:

  1. alles hat seine Zeit - das Loslassen, leider kommt es immer wieder in unserem Leben vor...
    aber egal wie Du heute das Fest begehst - hab Du es auch fein!!!

    liebe Grüße

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  2. Hallo Astrid,
    klasse, wie Du die Bräuche aus ganz Europa gesammelt hast, die letztlich zu Halloween gehören. Ich schau zwar nicht jedesmal in Deinen Blog rein. So klug, informativ und belesen wie dieser Post ist, schaue ich stets gerne in Deinen Blog. Halloween hat unsere Familie übrigens noch nie gefeiert.

    Gruß Dieter

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  3. Liebe Astrid,
    jetzt sitze ich hier mit Gänsehaut.
    Kinder haben einfach tolle Ideen. Schön, dass eine "Sommerspiellaune" in einem so bezaubernden Fest mündet und zu einer Familientradition wird.
    Herzliche Grüße, Cora

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  4. da wird einem halloween richtig sympathisch bei deinem post:) denn die urbräuche haben ja schon viel mit unserem seelenleben zu tun...nur kasprige kostüme aus den 1€ läden sind eben einfach doof und verderben die schöne melancholie;)
    liebst birgit

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  5. Sobald das Licht immer weniger wird, freue ich mich auch mehr an Lichtern da draußen. Und egal, ob Halloween oder ein Lichterfest, bunte Laternen, leuchtende Kürbisse und Lichterketten erfreuen jedes Jahr mein Herz Inder dunkelsten Jahreszeit. Eine schöne Tradition hattet ihr da. Aber auch Traditionen ändern sich mit der Zeit. Jetzt ist eine neue an die alte Stelle getreten, das ist doch auch schön. Ich wünsche euch eine schöne Museumsnacht. LG

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