Donnerstag, 3. Januar 2013

"Rut sin de Ruse" *



Da ja bei einigen Leserinnen Interesse an unseren Kostümierungen besteht, und ich zur Zeit auch kaum neue Nähprojekte zu zeigen habe, greif ich hier im Blog in meinen Verkleidungskoffer ( der bei uns allerdings ein veritabler Kleiderschrank ist ) und stelle in unregelmäßiger Folge einige Kostümierungen meines Karnevals - Stammdesch vor.

Beginnen will ich mit dem Kostüm, zu dem wir durch dieses Lied angeregt wurden:




Mir liegt dieses Kostüm aus dreierlei Gründen besonders am Herzen:
Wegen meines ersten Sabbatjahres konnte ich bei der Kostümentwicklung & -erstellung von Anfang an dabei sein. 
Mit diesem Kostüm hatte mein Stammdeesch damals 2008 nur um zwei Punkte die Höchstpunktzahl verfehlt, die die Jury bei der Nominierung der besten Fußgruppe der Schull- un Veedelszöch für den Kölner Rosenmontagszug vergeben konnte - ein Riesenerfolg also! 
Es war auch das Kostüm, in dem ich mich persönlich am wohlsten gefühlt habe - kein Wunder bei diesem prächtigen langen Rock:



( Weniger mochte ich die aus gelben Stoffstreifen selbst gemachte Zopfperücke.)

Der Clou dieses Kostüms ist allerdings auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen: Unter dem "Lappenrock", der aus zwei Teilen bestand, versteckten sich Blütenblätter aus Organza. Immer vier Personen stellten sich Rücken an Rücken aneinander und bildeten - wenn sie ihre vorderen Röcke hoben - eine Rosenblüte:



War das am Tage der Schull- un Veedelszöch mit Minustemperaturen & blauem Himmel ein vollkommenes Vergnügen ( Kälte kennen wir nicht dank Skiunterwäsche ), so wurde es am Rosenmontag richtig harte Arbeit, denn der Dauerregen durchfeuchtete die Stoffmassen und machte sie verdammt schwer. Das ging ganz schön in die Arme! 
Zuhause über der Badewanne rann nur so das Wasser aus dem Rock ( und der Duft von Pferdeäpfeln war aus ihm nachhaltig auch nicht zu vertreiben ;-) ). 
Aber die Begeisterung der Menschen am Zugrand & ihre unaufhörlichen Zurufe: "Donn dat Röckche huh!"** machten einfach eine Spitzenlaune. Es hatte auch was Frivoles & animierte mich eine Woche nach Karneval bei einer Nachlese im kleinen Kreis zu ähnlichen Kostümideen. Doch dazu ein anderes Mal!
Astrid

* "Rot sind die Rosen"   ** "Hebt den Rock hoch!"



P.S. Die Blütenröcke wurden übrigens nach Holland für einen anderen Umzug verkauft, der Lappenrock um die unteren, stinkenden Lappenreihen gekürzt und oben mit einem Rippenstrickbund versehen & wird mit einem Spitzenunterrock darunter Jahr für Jahr von mir samstags vor dem Zoch bei unserem sogenannten Sternmarsch zu St. Maria in der Kupfergasse und zum Dom getragen. 

Kommentare:

  1. Guten Abend liebe Astrid,
    Wahnsinn die Kostüme. Wir haben mal bei der Sendung mit der Maus bei der Herstellung eines Lappenkostüms zugeschaut. Eine Wahnsinnsarbeit!!! Ich selbst komme vom Niederrhein und mag den Karneval ;). Als ich in Mönchgladbach studiert habe sind wir immer nach Köln zum Straßenkarneval gefahren. Mal schauen ob ich dieses Jahr mal wieder mit meinen drei Elfen nach Münster zum Umzug fahre. Ich wünsche Dir eine tolle fünfte Jahreszeit.
    Liebe Grüße aus dem Teuto und Happy New Year...
    Michaela

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    1. Ja, dieses Kostüm war eine Wahnsinnsarbeit. Als ich die Läppchen Reihe für Reihe auf den Futterstoff nähte damals, baggerte ein Minibagger genau vor meinen Nähzimmer den Bürgersteig auf, weil neue Glasfaserkabel verlegt wurden. Das Nähen hatte auf mich eine unwahrscheinlich beruhigende Wirkung, denn ich hatte Angst um unsere Hauswand. Lappenkleidung nähen ist für mich wie Mandala - Malen für manche Kinder, denn ich kann so viele schöne Stöffchen, so viele bunte Farben um mich herum ausbreiten & verarbeiten.
      Wenn du nach Köln kommen solltest, lass es mich wissen, ich kann dir Tipps geben usw. Ich selbst trete immer am Karnevalssonntag auf, beim Rosenmontagszug nur, wenn meine Gruppe gewinnt.
      Seid alle im Teuto herzlich gegrüßt!
      Astrid

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