Samstag, 22. November 2025

Meine 47. Kalenderwoche 2025

"Selbstbeweihräucherung
 ist weit schlimmer als Selbsttäuschung. 
Bei letzterer weiß das Subjekt genug 
über die Wahrheit, 
um sie vor sich selbst zu verbergen."
Eva Illouz

"Freundlichkeit ist die kleinste Münze
 in der Währung des Guten, 
und wer nicht das Glück hat, 
mit ihren großen Noten gesegnet zu sein, 
sollte sie ohne zu zögern benutzen.
.....
... viel mehr Gutes auf der Welt..., 
wenn mehr Menschen verstünden, 
dass eine gute Tat stets zwei Menschen 
Glück bringt: 
dem, der sie empfängt, und dem, der sie tut."
Frank Nägele, Ex-KStA-Redakteur, jetzt Ruheständler, Schwabe


Darauf freue ich mich schon...

Was für ein November-Trübsinn am letzten Sonntag! Jetzt kommt wieder die Zeit, in der ich glücklich bin, ein solch schönes Dach über dem Kopf zu haben und so viel Augen - Lust darunter! "Deine derzeitige Gefühlslage in ein Bild gebracht ?", fragt Andrea bei ihren Fotofragezeichen. Diese vier Fotos am Anfang dieses Posts halten meine Gefühle in all ihrer Ambiguität fest...



Die Zitronenfalterin fragt diese Woche auch: "Dein Lieblingsmuster der Woche ( muss nicht auf Stoff sein )?" Augen - Lust spielt auch beim Bettbezug dieser Woche mit - auch wenn ich überwiegend im Dunkeln darunter liege.



Ich habe an dieser Stelle schon öfters vom Schicksal meiner 17jährigen Nachbarin erzählt, die von der Krankheit MC-CFS völlig in die Knie gezwungen ist und in einem verdunkelten Raum völlig isoliert ihr junges Leben mit vielen Schmerzen verbringen muss. Die Familie braucht Unterstützung, praktisch, emotional. Und die kann man an dieser Stelle auch finanziell leisten. Auch das ist schon ein Zeichen der Anteilnahme für die Betroffenen ( ich bin mit den Großeltern befreundet ). Und dass die groß ist, zeigte sich, als schon nach zwei Tagen die angepeilte Summe von 40.000 € erreicht worden war ( inzwischen ist es schon fast das Doppelte ).

Am Montag, den 24. November 2025, wird Lotta 18 Jahre alt. 

Grüße & liebe Worte an sie können dazu in "meiner" Pizzeria Sardegna abgegeben bzw. an die Initiatorin des Spendenaufrufs geschickt werden. Das inzwischen mindestens tausend mehr Menschen über diese furchtbare Krankheit Bescheid wissen, bedeutet Lotta viel. Inzwischen ist es auch in der Regierung angekommen, was Sache ist, und den Erkrankten, meist aufgrund der Corona-Pandemie, soll künftig mit mehr Forschung und besserer Versorgung geholfen werden. Die Bundesgesundheitsministerin und die Forschungsministerin haben dazu eine Initiative ins Leben gerufen. Zehn Jahre lang sollen 50 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen.







Am Dienstag bin ich wieder über den Friedhof geschlendert, denn der Todestag meines Mannes lag genau drei und ein Viertel Jahr zurück.

So genervt ich vorher war - der Bus fuhr wegen einer Straßensperrung aufgrund eines großen Wasserrohrbruchs auf der Strecke in meinem Veedel nicht, und ich bin letztendlich alles zu Fuß gelaufen - so ergreift mich ein absoluter Friede, wenn ich unter den Bäumen des Friedhofs bin.

Nach mehr als zehntausend Schritten habe ich mir hinterher etwas Hüftgold genehmigt, zum heißen Tee mit Honig & Zitrone. Es war novemberlich frisch geworden ( maximal 7°C ) und ich hatte mich noch nicht, so kleidungsmäßig, darauf eingestellt.


Für eine den Isländerinnen Seelenverwandte wie mich braucht es momentan viel ( künstliches ) Licht. Die Kerzenvorräte sind wieder gut aufgestockt.





Und so mach ich es mir im Dämmern & Dunkeln schön...


... und immer wieder mal verwöhnt von lieben Bloggerfreundinnen, zum Beispiel aus Nürnberg ( mmmh, Elisenlebkuchen! )...


... und vom Mittelrhein. Das werde ich aber erst zu Adventsbeginn weiter auspacken ( ein bisschen Vorfreude muss in dieser Zeit sein! ). 🩵 lichen Dank euch Beiden!


In diesem Monat kommt die Sonne noch über den Dachfirst meiner südlichen Nachbarhäuser ( dann erreicht sie nur noch die Fenster im 1. Stock ). Ich habe es am Freitag sehr genossen, auch die Kälte von maximal 5 °C.




Die Linden in Richtung Norden sind jetzt ganz kahl.



"Denn wer seinen Wert nur aus Überlegenheit zieht, 
kann Gleichberechtigung nur als Bedrohung empfinden."

Letzte Woche habe ich noch davon geschrieben, von unserem ständigen Blick auf die USA. Aber ich komme mal wieder nicht Drumherum, es zu tun, denn weiß ich doch nach meinem langen Leben, dass die Entwicklungen letztendlich auch nach Europa herüber schwappen. Und DIE will mir so gar nicht gefallen:

Symbol für die Entfaltung einer antifeministischen Haltung ist mir, dass der Ostflügel des Weißen Hauses  – jenes Raumes, traditionell der First Lady und ihren Mitarbeitern vorbehalten – in Schutt und Asche gelegt worden ist. Das Schauspiel war fast schon zu offensichtlich: Hier lag der Knotenpunkt der begrenzten Geschichte von Frauen in der Exekutive der Vereinigten Staaten, einst Heimat von Jacqueline Kennedys Rosengarten und Laura Bushs restauriertem Kino - alles vorbei!

Gleichzeitig erreicht ein Artikel, basierend auf einer im September gehaltenen Rede ( mit großer Reichweite ) die amerikanische Öffentlichkeit, der besagt, dass alle Probleme der amerikanischen Institutionen auf den wachsenden Einfluss von Frauen zurückzuführen seien. Frauen, so argumentiert die Autorin Helen Andrews, leitende Redakteurin beim "American Conservative", hätten die "Wokeness" im ganzen Land verbreitet, und führte u.a. an, Frauen hätten möglicherweise weniger natürliche Begabung für Mathematik und Naturwissenschaften (?). 

Wokeness sei von Natur aus weiblich, da sie "Empathie über Rationalität, Sicherheit über Risiko, Zusammenhalt über Wettbewerb" stelle, und dass Frauen – mit all ihren Gefühlen und ihrer Konfliktvermeidung – die grundlegendsten Institutionen der Nation zerstörten. Wenn Frauen weiterhin Fortschritte erzielen, argumentiert sie weiter, und sich in die Reihen der Ärztinnen, Anwältinnen, Richterinnen und Geschäftsfrauen einreihen, dann - Gnade Gott - kommt eine düstere Zukunft auf uns zu. Der Rechtsstaat wird es nicht überleben, wenn z.B. die Anwaltschaft mehrheitlich von Frauen besetzt wird, so Andrews. 

Davon ausgenommen sind natürlich Hausfrauen, die Frauen, die seit Jahrtausenden die Aufgabe erfüllen, sich um die Familie zu kümmern.

Es stimmt wohl schon, dass Frauen eine höhere kognitive Empathie zeigten als Männer: Eine Studie aus dem Jahr 2022 mit fast 306.000 Teilnehmern in 57 Ländern ergab beispielsweise, dass dem so ist in 36 Ländern, in 21 Ländern war das Verhältnis gleich, und es gab kein Land, in dem Männer eine höhere kognitive Empathie aufwiesen als Frauen.

Absonderlich, dass diese Empathie der Kern unserer heutigen Probleme sein soll. Die Behauptung ist so kühn und unbewiesen, dass sie mich fassungslos zurücklässt: 

Seit Jahrtausenden sind Männer in Machtpositionen, sind für Katastrophen, Völkermord, Krieg & Zerstörung verantwortlich. Man könnte, wenn man wollte, ausschließlich Männlichkeit für diese Gräueltaten verantwortlich machen. Kein so abwegiger Gedanke in dieser Richtung: Die Achtung grundlegender Rechte und der unverletzlichen Menschlichkeit anderer Menschen gehört eben nicht unbedingt dazu. 

Die Dame Andrews sieht hingegen die einzig praktikable Lösung für die momentane Entwicklung darin, die Menschheit einer "weitgehenden Entfeminisierung" zu unterziehen, mit der Folge eines massiven Kulturwandels und der Wiederbelebung des unglaublich repressiven und einengenden Systems sozialer Normen, wie wir es vor fünfzig Jahren und mehr hatten. 

In den USA ist man schon kräftig mit Taten & Diskussionen dabei und pflanzt den Menschen solche Gedanken weiter eifrig ein ( z. B. dieser Musk, dessen KI ja u.a. auch verbreitet, in Auschwitz sei niemand vergast worden, das nur so nebenbei ). Die frauenfeindliche Haltung sitzt also mitten in der Gesellschaft, auch unserer ( siehe das Kabinett ) und nimmt auch bei uns immer mehr zu. Frauen sollen wieder dem Helden zuarbeiten oder ihn ablenken, das ist nicht nur bei James Bond so. Ich sehe allerdings alte, mitteljunge und junge Frauen, die das nicht mehr tun mögen. Ich sehe aber auch genug Frauen, die ihre Talent gar nicht mehr einbringen mögen, gerade, weil sie einschätzen können, was es sie kostet, weil sie wissen, wo ihnen Grenzen gesetzt werden. So wie Michelle Obama, die sich immer wieder dagegen wehren muss, für die Präsidentschaft zu kandidieren. Ihrer Meinung nach ist die Gesellschaft nicht reif dafür. ( Den Gedanken hatte ich schon bei der Kandidatur vom Kamela Harris... )

Letzte Woche schrieb ich auch, dass ich nicht mehr so viel Zukunft vor mir habe, aber ich liebe die Frauen dieser Welt, meine Töchter & Enkelinnen ( und ja, auch meine Enkel und mehr ) denen ich solche Lebensverhältnisse nicht zumuten möchte, weil ich sie falsch finde...

                                                                              

Verlinkt wieder mit dem Samstagsplausch, den Fotofragezeichen, mit Niwibos Monatsmotto und dem Mosaic Monday.

13 Kommentare:

  1. Danke, liebe Astrid, für deinen immer wieder so besonderen Wochenrückblick! Bei kuscheligen -11° wärmt er mir das Herz und ich freue mich an jedem Samstag auf den Moment, wo er online ist. Ja, das Dunkel gehört zum Licht, sonst könnten wir Letzteres gar nicht schätzen. Und Kerzen haben einen besonderen Schimmer. Zu Amerika, kann man sich gar nicht mehr äußern, da schwillt mir die Zornesader so sehr, dass ich verzweifelt versuche, mich im Zaume zu halten. Was ist los mit der Welt, frage ich mich täglich. Dir ein gutes Wochenende! Herzlich, Sunni

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  2. Ich empfinde die dargebrachten Entwicklungen in höchstem Maße befremdlich und sehe den gleichen Weg, dieses frauenfeindliche Gedankengut wird sich auch bei uns wieder breiter machen - und das Schlimmste: Frauen selbst tragen dazu bei! Es ist mir völlig unverständlich, wie Frauen derart ticken können. Und wohl nur aus einem privilegierten Leben heraus.
    „We are going backwards, armed with new technology, to a caveman mentality.“
    (Depeche Mode, Album „Spirit“)
    Auch von mir ein kräftiges Danke für ein unverzichtbares Aufzeigen, liebe Grüße, C Stern

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  3. Liebe Astrid,
    deine wunderschönen Fotos sind stets eine Augenweide. Ich mag deine Blickwinkel. Auch in Bezug auf die Situation in Amerika ( und leider nicht nur da). Es macht mich fassungslos, dass es Frauen gibt, die eine solche Entwicklung unterstützen.
    Ganz liebe Grüße aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren
    Lydia

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  4. Wieder ein Wochenrückblick mit fein illustrierenden Fotos, liebe Astrid. Man kann sofort empfinden, was Du meinst.
    Schön, dass der Lebkuchen heil angekommen ist. Er wird es hoffentlich nicht lange bleiben... :-)
    Über die anderen Tendenzen, die in USA und nun auch bei uns rumschwappen kann frau hingegen nicht lachen. Die sind einfach ernst.
    Ich hoffe auf die Stärke der jüngeren Frauen!
    Herzlichst
    Sieglinde

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  5. Der Gang über den Friedhof hat was Friedliches, Wunderschönes liebe Astrid,
    da kann man die Gedanken schweifen lassen und Ruhe finden.
    Danach das Törtchen ist aber auch nicht zu verachten.
    Im Moment scheint die Sonne so tief, dass unser Flur endlich mal Licht bekommt. Die Sonne wird reflektiert und das Licht wird von den Fenstern des Nachbarhauses zurückgeworfen. Das gibt es nur zu dieser Jahreszeit und ich bin jedes Jahr neu fasziniert.
    Im Moment warten wir auf unsere Freunde, einen gemütlichen Eierpunsch-Abend haben wir vor.
    Dir einen kuscheligen Abend, lieben Gruß
    Nicole

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  6. Ja, die November Melancholie ist angekommen mit dem Wetter und dem immer tieferen Sonnenstand. Aber wie immer machst Du das Beste daraus.

    Liebe (kurze) Grüße und schönes Restwochenende
    Nina

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  7. heute zeigst du wieder ein wunderschönes potpourri an bildern, die mir sehr zusagen. so traurig und herzzerreißend das schicksal von lotta ist, so toll finde ich, dass sich so viele menschen engagieren um ihr und der familie zu helfen. das ist in unserer heutigen zeit auch nicht mehr selbstverständlich.
    dein beitrag zum schluss zeigt wieder erschreckendes auf und wie du bin ich manchmal froh, schon so alt zu sein und mir tun die jungen menschen manchmal so leid, dass sie sich nicht nur mit der klimakatastrophe auseinandersetzen müssen, sondern auch ganz allgemein mit schlimmen reaktionären tendenzen. aber dagegen hilft nur eins: sie müssen selber aktiv werden!
    liebe sonntagsgrüße von mano

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  8. Man hat das Gefühl, dass sich gerade auch die Zeitgeschichte in einer Art Novemberstimmung befindet. Wie gut, dass du uns immer wieder ein Licht hinstellst.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  9. Milá Astrid, Tvá večerní fotka se světýlky je tak uklidňující. Narozdíl od poslední akce USA s rusským mírovým plánem. Kéž už by Trumpa přestalo to "mírové úsilí" bavit a předal otěže ve vyjednávání evropským státům, které stojí, narozdíl od toho rusského agenta v čele USA, po boku Ukrajiny.
    Klidný zbytek večera přeji.
    Katka

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  10. Mein Kommentar von heute Morgen hat sich ins Nirwana verflüchtigt. Wahrscheinlich meine Schuld, in Eile, da sich die Sohnemannfamilie angekündigt hatte. Nun ist der Besuch vorbei. 🥰 Die Spuren, die die Kater oder mich gefährden könnten habe ich inzwischen beseitigt. Ich freue mich auf die Reste, die ich Morgen finden werde. 😊
    Die Art und Weise, wie Frauen "in die Spur gebracht" werden macht Sorge, vor allem wenn Artgenossinnen die Fahne hoch halten, wie dankbar sie sind zu dienen. Verdammt noch mal!
    Es ist 50! Jahre her, als eine Referentin bei einer Veranstaltung sagte: "Mädels, haltet zusammen." Etwa zur selben Zeit lief der Frauenaufstand in Island.
    Viele liebe Grüße
    Karin

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  11. liebe astrid, viele blattstrukturen zeigst du, dunkles und helles im november, nicht unser lieblingsmonat. suche wie du nach gegengewichten zur nachrichtenflut, und doch entkommt man kaum. ich hoffe sehr für deine junge nachbarin auf richtige hilfe. dein tisch sieht wunderbar aus. herzlichen gruß, roswitha

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  12. Gerne habe ich dich durch deine Woche begleitet, liebe Astrid...deine Foto sind stets so harmonisch gewählt. Alles was da seit Monaten in den USA passiert ist ja mehr als befremdlich ... besorgniserregend.
    Einen lieben Gruß von Marita

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Danke, dass du dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst! Kommentare ohne ein Blog- Konto bei Google oder Wordpress bitte nur mit Namensnennung!
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