Sonntag, 19. März 2023

Monatsspaziergang März

Jeden 3. Sonntag im Monat lädt Kristina Schaper zu einem Monatsspaziergang ein. Heute bin ich mal wieder mit von der Partie.

Ich wollte euch schon länger mitnehmen in eine der Idyllen, die es auch recht häufig in der Millionenstadt Köln gibt.


Heute ist es die sogenannte Pallenbergsiedlung im nordwestlichen Stadtteil Weidenpesch.


Gar nicht weit entfernt von Hochhäusern der 1960er Jahre, vorbei an gefälligen alten Stadthäusern geht es durch eine altmodische Einfahrt hinein auf einen heckenumsäumten und baumbestandenen Platz, um den sich die einzelnen Häuschen der Pallenbergsiedlung gruppieren.

Auf dem Wege einer zweckgebundenen Stiftung an die Stadt Köln ermöglichte 1896 Jakob Pallenberg, einer der führenden Möbelfabrikanten des späten 19. Jahrhunderts mit Firmensitz am heutigen Konrad-Adenauer-Ufer und bedeutender Kölner Kunstmäzen, den Bau und Unterhalt dieser aus insgesamt 23 Häusern bestehenden Siedlung. Die Stadt bekam von ihm 400.000 Mark, unter der Auflage, dass diese bedürftigen, alten, arbeitsunfähigen Handwerkern, die sich durch gute Leistungen hervorgetan hatten, zugute kommen sollten.

Der Name "Jakob Pallenbergs Arbeiterheim" war ebenso festgelegt wie der Unterhalt durch die Zinsen einer weiteren Stiftung mit 170.000 Mark Kapital. Unter den Architekten Hans Verbeek und Balduin Schilling wurde zwischen 1905 und 1912 die Anlage errichtet. Der Kölner Gartendirektor Fritz Encke war für die Grünanlagen zuständig ( siehe auch der Platz meines diesjährigen 12tel Blicks ).


Vorbild war die Essener Krupp-Siedlung "Altenhof". Ehepaare, ledige Männer und Witwen durften einziehen.


1906 wurde die Anlage eingeweiht, ist jedoch nie ganz fertiggestellt worden. Das große mehrstöckige Gebäude an der Kopfseite der Siedlung ist dann auch noch dem Bombenkrieg zum Opfer gefallen. Dort waren neben Wohnungen auch ein Gemeinschafts- & Leseraum sowie Badeanlagen untergebracht.


Die abwechslungsreich gestalteten Häuser haben unterschiedlichen Giebel, turmartige Ausbauten, Veranden und schwarz-weiße Ornamentbändern unterhalb der Dachkante.

Der Zahn der Zeit bzw. die Feuchtigkeit von unten nagt inzwischen wieder an den Gemäuern.


Auch die Anlage in der Mitte wird nicht mehr so sehr gepflegt: Einstmals kümmerten sich vier Gärtner um die Rosenrabatten!

Es gibt Mehr- & Einfamilienhäuser mit Nutzgärten hinterm Haus. Die Häuser links und rechts der Toreinfahrt waren früher "Ledigenhäuser", streng nach Geschlechtern getrennt. Ende der 80er Jahre ließ die Stadt eine einheitliche und sensible Modernisierung durchführen.

Diese Siedlung ist nicht die einzige ihrer Art in meiner näheren Umgebung: Im neuen Stadtteil Mauenheim wurde ab 1919 nach Plänen von Wilhelm Riphahn die "Nibelungensiedlung" als Gartenstadtsiedlung mit einem weithin beachteten Reform-Volksschulgebäude errichtet. 1922 – 24 wurde mit dem "Grünen Hof" eine der ersten durchgrünten Hofsiedlungen Deutschlands erbaut.

Die werde ich mir mal für meine nächsten Spaziergänge vorknöpfen, wenn Interesse daran besteht.




18 Kommentare:

  1. Danke für Deinen Bericht über Deinen Spaziergang! Und auch ein DANKE für Deine Berichte über bedeutende Frauen!

    Und natürlich freue ich mich über Deine weiteren Spaziergänge!

    Viele Grüße

    Luitgard M.

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  2. Diese Siedlungen sind immer wieder sehr interessant, ich freue mich schon auf die anderen. Diese hier gefällt mir gut, ich kann mir vorstellen, dass die Häuschen inzwischen sehr begehrt sind.
    Und da hatte ich gedacht, du stellst beim Monatsspaziergang Zons vor, das ich auch von einem Kurzbesuch vor etwa 15 Jahren kenne und das mir gut gefiel. Falsch gedacht. Bin aber nicht enttäuscht, die vorgestellte Siedlung ist ein würdiger Ersatz :)
    Liebe Grüße aus dem heute verregneten Bamberg, heike

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  3. Solche Siedlungen finde ich total spannend. Auch, dass es oft Stifter sind, die so der Nachwelt etwas wirklich Gutes hinterlassen. Auch wenn die Stiftungen manchmal eher rigide in den Vorgaben waren, sie waren eben doch auch Kinder ihrer Zeit, wenn sie auch oft ihrer Zeit voraus waren..
    Gartenstadt-Siedlungen sind bei uns inzwischen eher genossenschaftlich und auch sehr interessant.
    Deine heutige Siedlung ist architektonisch sehr ansprechend und sollte gut restauriert werden. Ein echtes kleines Stadt-Juwel.
    Ein sehr feiner Rundgang, auf den Du uns da heute mitgenommen hast.
    Ich freue mich auf weitere!
    Herzlichst, Sieglinde

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  4. Liebe Astrid,
    vielen Dank für den Spaziergang. Eine wirklich schöne Siedlung und sicherlich eine beliebte Wohngegend. Die abwechslungsreiche Architektur finde ich sehr ansprechend. Es schüttelt mich immer, wenn ich die wuchtigen Klotzbauten sehe, die momentan z.B. am schönen Ufer der Schlei entstehen.
    Über weitere Spaziergänge würde ich mich freuen.
    Ganz liebe Grüße aus dem kleinen Dorf zwischen den Meeren
    Lydia

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  5. Das war ein sehr interessanter Spaziergang durch eine wunderschöne geschichtsträchtige Siedlung. Vermutlich werden die Häuser heute unter gänzlich anderen Bedingungen vergeben, bzw. verkauft, oder?
    Liebe Grüße
    andrea

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  6. Liebe Astrid,
    Siedlungsspaziergänge sind toll! Gerne mehr davon...! Vielen Dank für Deinen :) Mein Spaziergang hat mich ja auch an einer Siedlung in Kopenhagen vorbeigeführt- die habe ich mir für ein nächstes Mal bei besserem Wetter auf die Liste gesetzt. 25 Bilder sind nicht viel, habe ich dieses Mal gemerkt.
    Viele Grüße sendet Kristina

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  7. Bestimmt besteht Interesse, nicht nur bei mir. So manche Stadt hat ja solche "Siedlungen" und ich denke so oft, wie klug und vorausschauend sie angelegt wurden (vor allem im Vergleich zu heute)
    Einen sehr schönen Rundgang hast Du uns heute jedenfalls geboten.
    Danke Dir auch, einen schönen Sonntag und liebe Grüße
    Nina

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  8. Liebe Astrid,
    das war ein interessanter Spaziergang, der uns deine Stadt wieder etwas näher bringt...gerne mehr davon, denn diese kleinen Siedlungen und architektonischen Kleinode mag ich mir gerne ansehen. Ich erinnere mich da auch an die Margarethenhöhe in Essen oder die SiedlungTeutoburgia in Herne aus meinem Jahresprojekt 2021.
    Lieben Gruß von Marita... mein Beitrag ist grad in "Arbeit." ;-))

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  9. Ein schöner Spaziergang liebe Astrid,
    die Siedlung erinnert mich an die Margarethenhöhe in Essen.
    Die fand ich letztes Jahr sehr idyllisch.
    Ich wusste gar nicht, dass es so was in Köln gibt.
    Dir einen kuscheligen Abend, lieben Gruß
    Nicole

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    1. Da gibt es viele, nicht nur bei mir im Norden, im Westen in Bickendorf und auf der Schääl Sick z.B. die "Weiße Stadt" oder der "Blaue Hof" in Buchforst und die Siedlung "Zollstock" wieder auf der linken Seite.
      Eine gute neue Woche!

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  10. Das ist aber schön und besonders. Hier bei uns im Stadtteil gibt es ähnliche Bauten. Die sind auch hübsch anzusehen. Ob das ähnlich ist?
    ich konnte im Internet über unseren Stadtteil finden:
    Aus England kam die Idee für Leute mit wenig Geld Gartenstädte zu bauen. Die Idee sah so aus: Licht, Luft und Sonne, kleine Häuser – aber mit mehreren Zimmern und Toilette. (Das war damals fast ein Luxus.) Große Grundstücke: Darauf sollten die Leute dann Obst und Gemüse anbauen, vielleicht Kleintiere halten, um sich gesünder und besser zu ernähren.
    Leider ist heute nicht mehr so viel Garten da, in der Gartenstadt.
    Danke für den schönen Ausflug Astrid 💕
    Ich wünsche Dir einen schönen Abend, ganz liebe Grüße Tina

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    1. Auf Kölsch hieß das "Lich, Luff & Bäumcher". Und das Gärtchen für Gemüseanbau und Kleintierhaltung gehörte auch hier dazu. Das wird in Mannheim wie in anderen Städten auch so gelaufen sein. Früher haben die reichen Unternehmer eben noch etwas für ihre Arbeiter etc. getan, anders als die Investoren und Konsorten, wie man es ja beim Kaufhof sieht. Da ist die Gier nicht zu befrideigen und die Verkäufer*innen gucken in die Röhre.
      Ich wünsche dir auch einen schönen Abend & eine gute Woche!

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    2. von Helga:
      Soeben lese ich in der Zeitung, daß sich Ärzte und Angestellte beschweren über aggressive Patienten. Sie haben Plakate aufgehängt mit RESPEKT darauf. Gerade die Helfenden werden so attackiert jetzt. Was ist nur in den Menschen gefahren um so leben zu wollen. Gerade warf einer seinen Zigarettenstummel neben das Auto. Da kann ich mich nicht zurückhalten da muß ich etwas sagen. Dann bekomm ich den Vogel gezeigt, aber von aufheben keine Spur. Dacharbeiten und der Firmenname ist mir nun bekannt. Mach ich was, lauert er mir auf und schon hab ich ein Messer im Leib. Das ist neuerdings die neue Pistole.
      Bei aller Modernheit, etwas mehr Disziplin und Respekt täte uns Deutschen gut.
      Früher grüßte man mit dem Namen, heute bist man halt mit einem haj oder Hallo zufrieden. Und die Gier versteh ich sowieso nicht, man kann es doch gar nicht verbrauchen. Es reicht für Alles. Neuerdings seh ich immer daß es einen App. Preis gibt. Ja wieder nur für die, die ein Internet haben und die Alten mit der kleinen Rente bleiben wieder mal auf der Strecke. Umgekehrt müßte es sein. Die anderen können gerne mit der App. zur Tafel schreiten. Ach Helga komm runter, es lohnt sich nicht, Weltverbesserer zu sein

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  11. ach ist es schön da..
    da würde es mir auch gefallen
    früher hatten die Unternehmer wirklich (oft) ein Herz
    für ihre Arbeiter
    hier gibt es einen "Rundbau" der auch einzelne Häuser aneinander reiht
    der war auch für Arbeiter einer Firma
    da fällt mir ein.. der Beitrag schlummert auch noch im Archiv
    ich wünsche dir eine schöne Woche
    Rosi

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  12. von Helga:

    Liebe Astrid,

    Ja gerne mehr dieser Siedlungen in den Großstädten. So schön und heimelig da zu wohnen. Dieses kalte und großflächige in die Höhe gebaute Neue, ist so unpersönlich wie auch die Menschen die dort wohnen müssen. Ja müssen, Platz kann nicht bestellt oder gesät werden, der muß genutzt werden solange er noch vorhanden ist.
    Das verändert eben auch die Menschen dazu. Dann doch wieder gut, daß wir so vernetzt sind. Kenne kaum mehr hier einen Nachbar, alles neue Leutle, wir alten hier werden immer weniger und die Neuen dazu nicht mehr Deutsche.
    In Nürnberg gibt es auch viele dieser Siedlungen. Selbst Herr H. hat am Reichswald entlang Doppelhäuser des selben Aussehens, mit riesigen Gärten dahinter gebaut. Teilweise steht dort im Garten ein zweites Haus drin.
    Die Eisenbahner Siedlung, die Gartenstadt, die Ketteler- und die Falkenheim Siedlung, die Kriegsopfer- und die Südstadt Siedlungen, waldnah am Stadtrand mit Kinderspielplätzen, Kindergärten und Sportvereinen.
    Aber hier postest ja Du und nicht ich, da komm ich eben mal emotional schnell ins Träumen und Schwärmen. Aber ich bin ganz bei Dir mit Deiner Idee, so kommt man unter die Leut in fernen Städten, denn ich war noch nie in Köln. Gerne mehr davon. Herzlichst Helga und Kerstin, die gerne wenn sie hier ist mit mir rumstöbert

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  13. Wunderschön und ruhig, so stellt sie sich mir dar, diese Siedlung, die offensichtlich nicht nur mit sensibler Hand renoviert, sondern bereits mit einer solchen auch erbaut wurde. Solche Inseln in großen Städten sind eine Wohltat - und ich kann mich immer wieder nur wundern, wie vergleichsweise lieblos heute Stadtarchitektur betrieben wird: Schneller und höher muss gebaut werden, ob dies nun optisch ins Umfeld passt oder nicht.
    Diese Siedlung vermittelt Geborgenheit - und solche Rund- und Spaziergänge wecken bei mir ganz sicher Lust auf mehr!
    Sehr, sehr gerne möchte ich auch den Grünen Hof "kennenlernen".
    Herzliche Grüße,
    C Stern

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  14. Endlich komme ich dazu dich auf dem Spaziergang zu begleiten, in eine Siedlung mit Charakter. Schön, dass die Häuser so erhalten blieben, der Innenausbau wird sicher nicht mehr der ursprüngliche sein. Eigentlich gibt es an jedem Ort spezielle Ecken, man muss sie nur sehen wollen. Von daher bin ich gespannt auf weitere Spaziergänge in deiner Heimat.
    L G Pia

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  15. so ein spannender spaziergang! ich bin immer wieder begeistert von den siedlungen anfang der 1900er jahre, weil viele unternehmer und architekten merkten, dass "licht, luft und grün" den menschen gut tat. du hast dir wirklich eine schöne siedlung ausgesucht. die häuser gefallen mir sehr. die schönen fenster mit den fensterläden, die treppen, die runden bögen, die unterschiedlichen höhen sind vielfältig und es macht freude, sie anzuschauen. ich fände es toll, wenn du die anderen siedlungen auch noch erkunden und hier vorstellen würdest.
    ich habe mir gerade auch in wittenberg eine werksiedlung aus den 1910er jahren angeschaut, die mich sehr beeindruckt hat. ein bericht wird folgen.
    liebe grüße
    mano

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Danke, dass du dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst!

Ich wünsche mir allerdings nach wie vor, dass ein Name am Ende des Kommentars steht.
Da die anonymen namenlosen Kommentare zuletzt wieder zugenommen haben, hier der ausdrückliche Hinweis:

Ich werde sie weiterhin konsequent NICHT freischalten. ( Ausnahme: die amerikanische Gepflogenheit, nicht zu unterschreiben )

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