Freitag, 27. November 2020

Widerstand = Widerstand?

Während man sich bei uns verbal schon fast inflationär als Helden des Widerstandes stilisiert bzw. auf Opfer des nazistischen Terrors zurückgreift und sich mit ihnen gleichsetzt, als sei die Vergangenheit ein Steinbruch, aus dem sich jeder beliebig bedienen kann ohne Respekt für die echten Opfer, werden anderswo Frauen & Männer seit Jahr und Tag tatsächlich im Gefängnis gehalten, weil sie Meinungsfreiheit verlangt haben. Und das ohne genaue Anklage, stets Folter und sexuellen Übergriffen ausgesetzt, im Ungewissen, wann ihnen der Schau-Prozess gemacht wird. Da wirkt die in diesen Kreisen praktizierte Selbstviktimisierung einfach nur noch anmassend & abstoßend. 


Nehmen wir im Kontrast dazu das Schicksal der 31jährigen Loujain al-Hathloul: Sie hat sich für die Aufhebung des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien stark gemacht und dafür, dass die rechtliche Vormundschaft für Frauen durch Männer beendet wird. Sie wurde aus Dubai von saudischen Sicherheitsdiensten nach Saudi-Arabien verschleppt und dort im Mai 2018 inhaftiert. Seitdem sitzt sie mit anderen Frauenrechtsaktivistinnen in saudischer Untersuchungshaft bzw. muss ab und an ohne anwaltlichen Beistand vor Gericht. Seit dem 26. Oktober befindet sich Loujain im Hungerstreik, weil ihr der Kontakt zu ihren Eltern verwehrt wird.

Ihre Schwester Alia al-Hathloul, die in Brüssel lebt und arbeitet, hat am Dienstag einen Tweet abgesetzt, dass Loujain am Mittwoch erneut vor Gericht erscheinen muss. Am Mittwoch wurde sie sichtlich geschwächt und unkontrolliert zitternd, wie Familienmitglieder berichteten, vor das Gericht gebracht. Der Richter, bei dem der Fall seit ihrer Festnahme im Frühjahr 2018 lag, erklärte sich anschließend für nicht zuständig. Der Fall soll an ein Spezialtribunal für Terrorismusfälle und solche, die die nationale Sicherheit gefährden, gehen. Terrorismus im Sinne von gewaltsamen Aktionen werden die Richter Loujain wohl kaum vorwerfen können. Einzig ihre sehr gute internationale Vernetzung mit dem Ausland könnte uminterpretiert werden...

Es war übrigens auch ihre Schwester Alia, die im Januar 2019 die Öffentlichkeit davon unterrichtet hat, dass ihre Schwester mit Stromschlägen gefoltert, geschlagen und sexuell missbraucht worden ist - in Anwesenheit Saud al-Qahtanis, des Medienberaters des Kronprinzen und mutmaßlichen Strippenzieher in der Khashoggi-Affäre.

Das ist nur EIN Beispiel einer echten "Widerständlerin", welches ich heute noch mal hier erwähnen will und das, was sie dafür unter einem echten Regime ertragen muss,. Zu meiner Meinung gegenüber der Wellnesswiderständlerin aus einer Großstadt in Nordhessen muss ich mich hier nicht weiter auslassen...









P.S. Lesenswert ist hier eine Replik auf die wohl derzeit bekannteste Kasselerin eines jungen Mannes, der als 15jähriger im Irak wegen seiner Kritik am Islam in Haft genommen worden ist...


6 Kommentare:

  1. Wellnesswiderständlerin - treffender kann man es meiner Meinung nach nicht ausdrücken. Der Vergleich, den sie sich da anmaßt, macht einfach nur wütend.

    Noch wütender aber auch sehr traurig macht mich das Schicksal von Loujain al-Hathloul. Was ist das für eine Welt?

    Traurige Grüße

    Andrea aus dem Sauerland

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  2. Wenn man doch die wahren Widerständler retten könnte. Die anderen...da fällt mir nichts mehr ein, so abartig ist das Verhalten! Danke, dass du immer erinnerst! Sunni

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  3. Wer "Widerstand" gegen vernünftige maßnahmen leistet, denkt nicht quer, der denkt überhaupt nicht. Verantwortungslose, ignorante und aufgeblasene Deppen, mehr sind diese Leute nicht. Sie besitzen aber die Frechheit, sich mit Helden und Opfern zu vergleichen. Die bringen meine Galle zum Köcheln.
    Gut, dass du hier immer wieder an echten, wichtigen und aufopfernden Widerstand erinnerst!
    Trotzdem ein schönes Wochenende!
    LG
    Centi

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  4. Mir fällt zu diesen unsäglichen Vergleichen auch nichts mehr ein. Sowas macht mich sprachlos. Gut, dass Du es nicht bist und sagst, was Sache ist.
    Und dann noch die Saudis. Bei G20 sich virtuell weltmännisch offen geben und im realen Leben? Wir wissen wie die Wirklichkeit ist. Und noch mehr wissen es die inhaftierten Frauen und Männer wie Loujain al-Hathloul und Raif Badawi. Wir dürfen sie in ihrem Leid nicht vergessen.
    GlG Sieglinde




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  5. An sich sollte man diesen Leuten gar nicht so viel Aufmerksamkeit schenken. Ihnen die Plattform für ihre Selbstdarstellung entziehen, wäre vermutlich das Beste. Aber leider funktioniert das derzeit nicht.
    Liebe Grüße - Elke

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  6. Treffender kann ich auch nichs mehr dazu sagen, nur das ist eine aufopfernde und mutige Widerstandkämpferin!
    Ich finde das schrecklich sich auf die selbe Stufe sich zu stellen mit solchen Menschen.Die fasseln Dummeszeug alles nach nur und spinnen sich was zusammen, sind agressiv und unglaubig geisteskrank.
    Danke für diesen wichtigen Beitrag!
    Lieben Gruss Elke

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